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Dramatisch traumatische Augenblicke der meisterlichen Wacht

Verfasst: Mittwoch 5. August 2015, 20:05
von Endurael Talan
Es wurden schon für kleinere Dinge Arme oder Beine amputiert, aber diese Biester sind vermutlich das Ätzendste, was Endurael jemals miterleben durfte. Der Wachtmeister musterte brummend die Schwellungen an seinem Unterarm. Bei dem glühenden Blick der Göttin persönlich! Hatten diese Viecher denn gar kein Erbarmen?

Endurael tippelte mit seinen Fingern auf dem Grenzstein im Norden umher. Warum hatten sie eigentlich nie dafür gesorgt, dass hier auch mal eine Mauer stehen würde… oder wenigstens eine Palisade? Vielleicht war es die meisterliche Besinnung eines anderen, alten Wachtmeisters, die dafür sorgte. Denn sicherlich würden sich nicht einmal diese mythischen Hornkreaturen durch den Sumpf wagen, hätten auch sie sicherlich viel zu viel Respekt vor den Biestern. Diesen elendigen Biestern.

Endurael seufzte und nickte keinem der Kameraden der Patrouille zu, die die hohen, feuchten Wiesen von Tiefenberg durchstöberten. Vielleicht würde einer von ihnen ja auf die Idee kommen, nach einem Flaggenmörder Ausschau zu halten. Der Wachtmeister presste die Lippen zusammen und wunderte sich, ob es dafür überhaupt schon eine Anweisung gab. Nicht weit von seiner Position, im beinahe schönen Junkersteyn, eine Kameradin, durchgebohrt mit einer Flagge der Göttin selbst. Und die Grabesstille dringt zurück bis an die Nordküste. Mit etwas Glück war der Mörder in Richtung Sumpf geflohen. Endurael musterte seine Arme und wusste, dass das niemand freiwillig überleben würde.

Wie schafften es die Biester überhaupt, an seinen Platten vorbeizukommen? Im ersten Moment fühlte es sich sogar so an, als hätte sich ein ganzes Nest aus Hornissen unter dem Armschutz breitgemacht. Elendige, bestialische Blutsauger! Die Biester, nicht die Hornissen.

Die Wachablöse war da und Endurael setzte sich ins Gras und betrachtete erneut die Schwellungen. Vielleicht wäre es sinnig, wenn er zu einem Feldheiler damit gehen würde? Nur nicht zur Demarkes, die würde ihm alle Gliedmaßen amputieren und ihn danach dennoch Steine schleppen lassen. Oder war es gar nötig, die Geistlichen Schwingensteins selbst deswegen aufzusuchen? Erschöpft ließ Endurael seine Finger durch einzelne Grasbüschel streichen. Es verschmitztes Lächeln zierte sein Gesicht, als die Vorstellung vor sein inneres Auge schwamm, dass er Eluive persönlich durch die Haare streichen würde. Ja, es war albern – aber es lenkte von dem elendigen Jucken ab, das die Biester ihm verpasst hatten.

Vielleicht hatten auch diese Viecher in Wahrheit Hörner und stammten von dieser ominösen Göttin ab, von der er gelesen hatte. Ah, aber das konnte ja nicht sein, denn der Regenbogenpanther – so war doch sein Name? – war ja nicht in der Lage, eine Göttin zu erschaffen. Das war allgemein bekannt. So allgemein bekannt, dass Endurael nicht einmal den Hauch einer Idee hatte, wer auf diesen anmaßenden Irrsinn kam. Er schnaubte einmal. Woher sollte irgendwer auf dieser Welt wissen, was die Götter tun können oder auch nicht? Von dem anzüglich unberechenbaren Wissen der Priester natürlich abgesehen. Und wenn die Götter so mächtig sind, warum gibt es dann noch immer diese Bestien aus dem Sumpf? Niemand, einfach niemand, mag diese Viecher. Warum wurden sie noch nicht dem Erdboden gleichgemacht? Warum wird den irrsinnigen Feuermagiern in den Tiefen der Unterwelt nicht angeboten, diesen Biestern den gar auszumachen? Zweihundert Goldstücke für jeden Kopf, nun, oder zumindest für einen stichhaltigen Beweis, dass es ein Vieh weniger geben würde, das stechen konnte.

Der Wachtmeister nahm einen Schluck Wasser und die Kühle der Flüssigkeit floss in einer Eleganz seinen Rachen herab, dass man fast meinen konnte, er wäre mit Heiligkeit getränkt worden. Wie ein graziöser Kuss der Göttin selbst. Und als es zu Ende war, blinzelte Endurael überrascht auf. Seine Feldflasche hatte ein Loch! Und mit zusammengekniffenen Augen blickte er den Wolken am Himmel entgegen, war das doch nur wieder ein unliebsamer Streich, die saure Sahne auf der ungenießbaren Torte von Schwellungen, Juckreiz und Surren in den Ohren.

Vielleicht aber – und mit diesem Gedanken drückte sich Endurael zurück auf die müden Beine – war es dieses Drama auch gar nicht wert, gedacht zu werden. Man bedenke nur, es gäbe jemand, der eine Geschichte darüber schreiben würde, die Geschichte eines alten Wachtmeisters mit aufmerksamen Schwellungen, die Geschichte eines Mannes, die die Augen ihrer Leser mit schmerzlicher Pein küssen würde. Der Druck der Lippen, die mit dramatischem Unsinn balsamiert wurden.

Nein… für herzzerreißende Melancholien vermögen andere vorbestimmt zu sein. Und wenn ihre Geschichten erst die Aufmerksamkeit der Unschuldigen an sich reißen, sind sie so willkommen wie das Surren der Biester… dieser bestialischen Biester.