Ulfsteinn, Heimat der Thyren
Verfasst: Freitag 24. Juli 2015, 03:09
Skjarlav Mandre, die Vergangenheit
Einen halben Jahreslauf ist es nun her, seit Skjarlav vor den Toren einer hölzernen Festung stand. Klamm hatte das Holz im nächtlichen Mondlicht schimmern lassen und das obere Ende blieb ihm an diesem Abend noch in der Dunkelheit verborgen. Ein schweres eisernes Tor, flankiert von massiven Türmen auf denen Feuer brannten.
Der Schnee hatte auf dem Boden noch kein kühlen Lagerplatz gefunden und so verblieb dort nur eine schlammige, matschige Pampe aus Schnee und Dreck. Trotz dieser Umstände schien es dem Wolfsheuler gelungen zu sein, ungehört bis an die Tore zu gelangen. Innen loderte noch das Feuer des Innenhofes und füllte jenen mit Licht. Stimmen erklangen selbst so spät Abends noch im Fort und das heimische Gefühl machte sich in ihm breit.
Es brauchte nicht lange, um von Donnerdamm zur nächsten Hafenstadt zu gelangen. Von dort aus waren es bloß zwei Tage auf See um Gerimore zu erreichen. Dort angekommen noch ein langer Marsch bis zum Fort des Volkes der Sturmheuler. Jenen Menschen die sich an die karge Natur des Nordens anpassten und sich in den Tieflanden der nordischen Ebenen ansiedelten. Kerle und Weyber die sich in Clans zusammen schließen und nach den strengen Regeln der Natur und vor allem, den Regeln der Ahnen lebten.
Hier in Wulfgard, hier auf Gerimore, hier würde Skjarlav Ragnarson endlich wieder jene Treffen die seines Gleichen waren. Die Thyren, entsprungen derer die sich Tiefländer nannten und ihre Kultur weiterlebten.
Der Empfang war herzlich und thyrisch echt mit gepflegten Schlägen und Met gefeiert worden. Einen Jarl hatte diese Zuflucht nicht, nein es war bloß noch ein Thain der diese Festung führte. Ein Ridda, welcher gerne seinen Plattenhandschuh zur Begrüßung trug und einem Obersten Clansschwert, welches lange Zeit später eine Seite an Skjarlav hervorbringen würde... welche er auf seiner Flucht aus Donnerdamm zurückgelassen hatte.
Es war eine hastige Flucht, ein Rennen vor dem Untergang, welches sich von Ulfstein bis nach Donnerdamm ausbreitete. Düstere Horden magischer Wesen, Unheilige Wesen denen auch die Ahnen kaum mehr etwas entgegen setzen konnten. Schwerter und Hände fielen den unheilvollen Waffen dieser Wesen zum Opfer und doch... fehlte einer.
Einer der die Gefahr in anderer Richtung suchte und sich auf seiner Reise über mehrere Tage, bereits auf dem Rückweg in seine Heimat befand.
Ein helles, zu helles Licht in dichten Rauchschwaden hatte ihm bereits aus der Ferne verraten, Donnerdamm steckt in Schwierigkeiten.
Sein Rudel ließ er zurück, ebenso seine Ausrüstung - es galt bloß noch schnell zu sein. Seine Größe war im Wald kein Segen für eine solche überhastete Reise und doch, sein Clan brauchte ihn.
Der Anblick seiner zerstörten Heimat war schmerzhafter als der Biss eines Wolfes in die Waden. Es schmerzte tief im inneren und ließ sich nicht mit einfachen Kräutern mildern. Freunde, Familie und der Jarl selbst, Skjar erkannte soviele Körper wieder, einige von ihnen in tödlich grauer Haut, wandelnd wie Kopflose Wesen.
Die Flut der Zerstörung hatte sie geholt und würde auch Skjarlav holen, sollte ihm die Flucht nicht gelingen. Er schlich durch das Dorf, grässliche Taten hatte er in der Siedlung noch beobachten können, zu unwürdig um sie je in Worte zu fassen, um den Tot eines Thyren zu beschreiben. Er konnte sich in ein Boot stürzen und sich von den Fluten bis zur Küste reißen lassen. In der Hafenstadt angekommen, war vom Boot kaum mehr als das nötigste über, damit es noch schwimmen konnte. Skjar selbst hiefte sich erschöpft aus dem Boot und hustet einen guten Schwall Wasser auf den Boden. Auf dem Rücken liegend war sein Blick gen Sternenhimmel gerichtet, doch sie waren unklar, verdeckt oder gar - wie verschwunden.
Ein hilfloses Gefühl in dem Hühnen machte sich breit und die Verzweiflung mischte sich mit Wut über sich selbst. Ein Thyre ohne Clan, ein Kerl der seine Pflicht, den Clan zu schützen, nicht hatte wahrnehmen können. Wie würden es die Ahnen ihm jemals verzeihen?
Es war sechs Jahre vor diesem Einbruch der Dunkelheit in Skjars Leben, als ihm die Ahnen das gewährten, was sein Leben mit etwas füllte... was ihm neben dem Clan eine Person gab, welcher er besonderen Schutz versprach. Die Geisterwächter hatten ihm gemeinsam mit dem Jarl den zweiten Segen ausgesprochen. Eyn blaues Auge gab es dafür noch vom Jarl, bevor die Claner sich alle mit Skjar zu messen begannen. Natürlich hatte Skjar nie eine Chance, doch ging es bloß darum zu zeigen - Sein Wille sei stärker als sein Körper, um sein Weyb zu bekommen.
Sie verstarb bereits wenige Wochen später in einem starken Regensturz, welcher den Damm der Siedlung zum Bersten brachte und Trümmer durch das gesamte Dorf schleuderte.
Doch Skjar hatte seinen Willen einst bewiesen und selbst die Ahnen schienen dies erkannt zu haben, so jedenfalls deuteten die Ahnenrufer die folgenden Wochen. Skjar's Wolfsrudel hatte sich immer weiter fort bewegt und so folgte Skjarlav ihnen schließlich. Ein breiter Ring eines Nadelwaldes lag um das Dort, jenen durchquerte Skjar mit seinem Rudel und wanderte über die Ebenen vor dem Gebirgszug, aus welchem der Fluss entsprang, welcher durch Donnerdamm floss. Auf der Ebene wurde Skjar auf einige Raben aufmerksam, welche in einiger Entfernung die Gruppe zu begleiten schien. Zunächst schenkte Skjar ihnen keine weitere Aufmerksamkeit, war sich jedoch bewusst, die Raben kommen um die Augen der Toten zu fressen. Nur so konnten ihre Seelen auf den Flügeln der Raben in das Reich der Ahnen getragen werden.
Am nächsten Morgen, mit einem Mund voll Wolfshaaren und einer klamm nassen Ausrüstung, war Skjar sich sicher, im Nebel des Morgens habe er einen Hirsch erkennen können. Doch möglicherweise, war es bloß eine Einbildung. Das Alphatier des Rudels führte die Gruppe weiter und Skjar schien zum ersten mal in seinem eigenen Rudel, bloß einer zu sein, welcher dazu gehöre und es nicht leite.
Nach einem erneuten Waldstück offenbarte sich ein großer, merkwürdig verwachsener Baum umgeben von einem sumpfigen Gebiet. Die Wölfe blieben wie gesteuert, am Rand des Sumpfes stehen und bewegten sich auch die nächsten Stundenläufe nicht mehr weiter. Skjar war sich nun sicher, diesen Weg haben nicht seine Wölfe gewählt und der Ahnenrufer aus Donnerdamm sollte mit seinen Worten vermutlich doch recht bekommen - die Ahnen haben seine Entschlossenheit erkannt.
Skjar verbrachte den Rest des Tages an den Wurzelansätzen des Baumes und lauschte den Geräuschen des Waldes, der Tiere und dem Rauschen des Windes. Spät als die Sterne längst ihren Glanz am Nachthimmel offenbart hatten, übermannte Skjarlav die Müdigkeit und seine Augen fielen ihm zu.
Kälte, kribbeln, ein entferntes Flüstern und plötzlich eine Berührung. Skjarlav schreckte auf und noch bevor er zu den Waffen greifen wollte, besinnte er sich an den Ort, an welchem er sich befand. Dem Lebensbaum der Insel, der Ort, an welchem Skjarlav nie hätte sein sollen. Ein Ort, welcher den höchsten Schamanen vorbehalten ist. Und doch, es war kein erboster Schamane, welcher Skjarlav geweckt hatte und ihn vertreiben wollte. Es war ein Wolf, ein weißes Tier mit dunklen Augen. Und da war er wieder, der Schmerz, welcher ihn einst heimsuchte als eine Flutwelle das Dorf verwüstete und das Leben eines Weibes nahm, welches Skjarlav das seine hätte nennen wollen.
"Runa, haben die Ahnen dich mir geschickt?"
Eine Antwort kam nie vom Wolf. Auch die Ahnen hatten ihm nie mehr ein Zeichen überlassen.
So kam Skjarlav nach mehreren Wochen der Reise wieder zurück nach Donnerdamm, begleitet von seinem Rudel in das Dorf hinein. Sein Weg führte ihn direkt zu dem Ahnenrufer, welcher Skjarlav bloß unter einem lächeln mitteilte, das vereint sei, was vereint sein sollte.
Für die Bewohner des Dorfes war der Anblick des Tieres einschüchternd, bedrückend. War es ein Zeichen der Ahnen? Sei es wirklich ein Wolf und kein Dämon? Woher stammt dieses Tier und warum ist es so weiß wie der Schnee im Winter?
Fragen die nie beantworten werden könnten, doch auch die Geisterwächter des Clans waren sich noch nicht einig, was die Ahnen mit diesem Zeichen haben offenbaren wollen. Skjarlav jedenfalls war überzeugt davon, sein Rudel hatte fortan ein neues Weibchen bei sich. Eines das sich von den braunen und grauen Fellfarben deutlich hervor tat und sich nicht davor scheute, seine Besonderheit zu offenbaren. Doch wusste Skjar auch, dieses Tier könne ihren Namen tragen und seine Zuneigung genießen. Doch würde dieser Wolf niemals das füllen, was einst ein Trümmerregen in sein Herz, seine Seele gerissen hatte.
Zurück blieb vieles, Skjars Leben, Skjars Ausrüstung, Skjars Rudel und das letzte, was ihn noch an seine Runa hatte erinnert.
Es war notwendig, so sehr Skjarlav es auch verabscheuen würde, sich wieder diesem Schmerz auszusetzen. Seine Nächte waren ohnehin immer kürzer geworden, seit eine von den Ahnen beschenkte Kriegerin dieses Leben wieder in sein Bewusstsein holte. Der Schmerz, seinen Clan, sein Ursprung und sein Leben, erneut in Trümmern zu sehen würde ihn erneut die ablehnende, distanzierte Art einbringen. Und doch! Es musste sein, Skjar musste die letzten Stücke seines Lebens aus dem Unheil retten, welches die Tieflande heimsuchte.
Poltern und rumpeln weckte Skjarlav auf und seine Augen erkannten die neue, vertraute Umgebung Wulfgards. Ein Ort an dem junge Kerle noch mit Flusen im Kopf umher irrten und sich überall messen wollen. Einem Ridda und einem Obersten Clansschwert, welche sich deutlich wichtigeren Aufgaben zu widmen hatten und so war es an den Älteren - diese Flusen aus den Köpfen zu holen. Doch Skjarlav war sich einer Sache sicher, er hatte über Nacht eine Person gefunden, die ihn verstand und ihm mit Sicherheit bei dieser Aufgabe helfen würde. Nicht nur bei dieser einen, da war sich Skjarlav sicher.
Einen halben Jahreslauf ist es nun her, seit Skjarlav vor den Toren einer hölzernen Festung stand. Klamm hatte das Holz im nächtlichen Mondlicht schimmern lassen und das obere Ende blieb ihm an diesem Abend noch in der Dunkelheit verborgen. Ein schweres eisernes Tor, flankiert von massiven Türmen auf denen Feuer brannten.
Der Schnee hatte auf dem Boden noch kein kühlen Lagerplatz gefunden und so verblieb dort nur eine schlammige, matschige Pampe aus Schnee und Dreck. Trotz dieser Umstände schien es dem Wolfsheuler gelungen zu sein, ungehört bis an die Tore zu gelangen. Innen loderte noch das Feuer des Innenhofes und füllte jenen mit Licht. Stimmen erklangen selbst so spät Abends noch im Fort und das heimische Gefühl machte sich in ihm breit.
Es brauchte nicht lange, um von Donnerdamm zur nächsten Hafenstadt zu gelangen. Von dort aus waren es bloß zwei Tage auf See um Gerimore zu erreichen. Dort angekommen noch ein langer Marsch bis zum Fort des Volkes der Sturmheuler. Jenen Menschen die sich an die karge Natur des Nordens anpassten und sich in den Tieflanden der nordischen Ebenen ansiedelten. Kerle und Weyber die sich in Clans zusammen schließen und nach den strengen Regeln der Natur und vor allem, den Regeln der Ahnen lebten.
Hier in Wulfgard, hier auf Gerimore, hier würde Skjarlav Ragnarson endlich wieder jene Treffen die seines Gleichen waren. Die Thyren, entsprungen derer die sich Tiefländer nannten und ihre Kultur weiterlebten.
Der Empfang war herzlich und thyrisch echt mit gepflegten Schlägen und Met gefeiert worden. Einen Jarl hatte diese Zuflucht nicht, nein es war bloß noch ein Thain der diese Festung führte. Ein Ridda, welcher gerne seinen Plattenhandschuh zur Begrüßung trug und einem Obersten Clansschwert, welches lange Zeit später eine Seite an Skjarlav hervorbringen würde... welche er auf seiner Flucht aus Donnerdamm zurückgelassen hatte.
Es war eine hastige Flucht, ein Rennen vor dem Untergang, welches sich von Ulfstein bis nach Donnerdamm ausbreitete. Düstere Horden magischer Wesen, Unheilige Wesen denen auch die Ahnen kaum mehr etwas entgegen setzen konnten. Schwerter und Hände fielen den unheilvollen Waffen dieser Wesen zum Opfer und doch... fehlte einer.
Einer der die Gefahr in anderer Richtung suchte und sich auf seiner Reise über mehrere Tage, bereits auf dem Rückweg in seine Heimat befand.
Ein helles, zu helles Licht in dichten Rauchschwaden hatte ihm bereits aus der Ferne verraten, Donnerdamm steckt in Schwierigkeiten.
Sein Rudel ließ er zurück, ebenso seine Ausrüstung - es galt bloß noch schnell zu sein. Seine Größe war im Wald kein Segen für eine solche überhastete Reise und doch, sein Clan brauchte ihn.
Der Anblick seiner zerstörten Heimat war schmerzhafter als der Biss eines Wolfes in die Waden. Es schmerzte tief im inneren und ließ sich nicht mit einfachen Kräutern mildern. Freunde, Familie und der Jarl selbst, Skjar erkannte soviele Körper wieder, einige von ihnen in tödlich grauer Haut, wandelnd wie Kopflose Wesen.
Die Flut der Zerstörung hatte sie geholt und würde auch Skjarlav holen, sollte ihm die Flucht nicht gelingen. Er schlich durch das Dorf, grässliche Taten hatte er in der Siedlung noch beobachten können, zu unwürdig um sie je in Worte zu fassen, um den Tot eines Thyren zu beschreiben. Er konnte sich in ein Boot stürzen und sich von den Fluten bis zur Küste reißen lassen. In der Hafenstadt angekommen, war vom Boot kaum mehr als das nötigste über, damit es noch schwimmen konnte. Skjar selbst hiefte sich erschöpft aus dem Boot und hustet einen guten Schwall Wasser auf den Boden. Auf dem Rücken liegend war sein Blick gen Sternenhimmel gerichtet, doch sie waren unklar, verdeckt oder gar - wie verschwunden.
Ein hilfloses Gefühl in dem Hühnen machte sich breit und die Verzweiflung mischte sich mit Wut über sich selbst. Ein Thyre ohne Clan, ein Kerl der seine Pflicht, den Clan zu schützen, nicht hatte wahrnehmen können. Wie würden es die Ahnen ihm jemals verzeihen?
Es war sechs Jahre vor diesem Einbruch der Dunkelheit in Skjars Leben, als ihm die Ahnen das gewährten, was sein Leben mit etwas füllte... was ihm neben dem Clan eine Person gab, welcher er besonderen Schutz versprach. Die Geisterwächter hatten ihm gemeinsam mit dem Jarl den zweiten Segen ausgesprochen. Eyn blaues Auge gab es dafür noch vom Jarl, bevor die Claner sich alle mit Skjar zu messen begannen. Natürlich hatte Skjar nie eine Chance, doch ging es bloß darum zu zeigen - Sein Wille sei stärker als sein Körper, um sein Weyb zu bekommen.
Sie verstarb bereits wenige Wochen später in einem starken Regensturz, welcher den Damm der Siedlung zum Bersten brachte und Trümmer durch das gesamte Dorf schleuderte.
Doch Skjar hatte seinen Willen einst bewiesen und selbst die Ahnen schienen dies erkannt zu haben, so jedenfalls deuteten die Ahnenrufer die folgenden Wochen. Skjar's Wolfsrudel hatte sich immer weiter fort bewegt und so folgte Skjarlav ihnen schließlich. Ein breiter Ring eines Nadelwaldes lag um das Dort, jenen durchquerte Skjar mit seinem Rudel und wanderte über die Ebenen vor dem Gebirgszug, aus welchem der Fluss entsprang, welcher durch Donnerdamm floss. Auf der Ebene wurde Skjar auf einige Raben aufmerksam, welche in einiger Entfernung die Gruppe zu begleiten schien. Zunächst schenkte Skjar ihnen keine weitere Aufmerksamkeit, war sich jedoch bewusst, die Raben kommen um die Augen der Toten zu fressen. Nur so konnten ihre Seelen auf den Flügeln der Raben in das Reich der Ahnen getragen werden.
Am nächsten Morgen, mit einem Mund voll Wolfshaaren und einer klamm nassen Ausrüstung, war Skjar sich sicher, im Nebel des Morgens habe er einen Hirsch erkennen können. Doch möglicherweise, war es bloß eine Einbildung. Das Alphatier des Rudels führte die Gruppe weiter und Skjar schien zum ersten mal in seinem eigenen Rudel, bloß einer zu sein, welcher dazu gehöre und es nicht leite.
Nach einem erneuten Waldstück offenbarte sich ein großer, merkwürdig verwachsener Baum umgeben von einem sumpfigen Gebiet. Die Wölfe blieben wie gesteuert, am Rand des Sumpfes stehen und bewegten sich auch die nächsten Stundenläufe nicht mehr weiter. Skjar war sich nun sicher, diesen Weg haben nicht seine Wölfe gewählt und der Ahnenrufer aus Donnerdamm sollte mit seinen Worten vermutlich doch recht bekommen - die Ahnen haben seine Entschlossenheit erkannt.
Skjar verbrachte den Rest des Tages an den Wurzelansätzen des Baumes und lauschte den Geräuschen des Waldes, der Tiere und dem Rauschen des Windes. Spät als die Sterne längst ihren Glanz am Nachthimmel offenbart hatten, übermannte Skjarlav die Müdigkeit und seine Augen fielen ihm zu.
Kälte, kribbeln, ein entferntes Flüstern und plötzlich eine Berührung. Skjarlav schreckte auf und noch bevor er zu den Waffen greifen wollte, besinnte er sich an den Ort, an welchem er sich befand. Dem Lebensbaum der Insel, der Ort, an welchem Skjarlav nie hätte sein sollen. Ein Ort, welcher den höchsten Schamanen vorbehalten ist. Und doch, es war kein erboster Schamane, welcher Skjarlav geweckt hatte und ihn vertreiben wollte. Es war ein Wolf, ein weißes Tier mit dunklen Augen. Und da war er wieder, der Schmerz, welcher ihn einst heimsuchte als eine Flutwelle das Dorf verwüstete und das Leben eines Weibes nahm, welches Skjarlav das seine hätte nennen wollen.
"Runa, haben die Ahnen dich mir geschickt?"
Eine Antwort kam nie vom Wolf. Auch die Ahnen hatten ihm nie mehr ein Zeichen überlassen.
So kam Skjarlav nach mehreren Wochen der Reise wieder zurück nach Donnerdamm, begleitet von seinem Rudel in das Dorf hinein. Sein Weg führte ihn direkt zu dem Ahnenrufer, welcher Skjarlav bloß unter einem lächeln mitteilte, das vereint sei, was vereint sein sollte.
Für die Bewohner des Dorfes war der Anblick des Tieres einschüchternd, bedrückend. War es ein Zeichen der Ahnen? Sei es wirklich ein Wolf und kein Dämon? Woher stammt dieses Tier und warum ist es so weiß wie der Schnee im Winter?
Fragen die nie beantworten werden könnten, doch auch die Geisterwächter des Clans waren sich noch nicht einig, was die Ahnen mit diesem Zeichen haben offenbaren wollen. Skjarlav jedenfalls war überzeugt davon, sein Rudel hatte fortan ein neues Weibchen bei sich. Eines das sich von den braunen und grauen Fellfarben deutlich hervor tat und sich nicht davor scheute, seine Besonderheit zu offenbaren. Doch wusste Skjar auch, dieses Tier könne ihren Namen tragen und seine Zuneigung genießen. Doch würde dieser Wolf niemals das füllen, was einst ein Trümmerregen in sein Herz, seine Seele gerissen hatte.
Zurück blieb vieles, Skjars Leben, Skjars Ausrüstung, Skjars Rudel und das letzte, was ihn noch an seine Runa hatte erinnert.
Es war notwendig, so sehr Skjarlav es auch verabscheuen würde, sich wieder diesem Schmerz auszusetzen. Seine Nächte waren ohnehin immer kürzer geworden, seit eine von den Ahnen beschenkte Kriegerin dieses Leben wieder in sein Bewusstsein holte. Der Schmerz, seinen Clan, sein Ursprung und sein Leben, erneut in Trümmern zu sehen würde ihn erneut die ablehnende, distanzierte Art einbringen. Und doch! Es musste sein, Skjar musste die letzten Stücke seines Lebens aus dem Unheil retten, welches die Tieflande heimsuchte.
Poltern und rumpeln weckte Skjarlav auf und seine Augen erkannten die neue, vertraute Umgebung Wulfgards. Ein Ort an dem junge Kerle noch mit Flusen im Kopf umher irrten und sich überall messen wollen. Einem Ridda und einem Obersten Clansschwert, welche sich deutlich wichtigeren Aufgaben zu widmen hatten und so war es an den Älteren - diese Flusen aus den Köpfen zu holen. Doch Skjarlav war sich einer Sache sicher, er hatte über Nacht eine Person gefunden, die ihn verstand und ihm mit Sicherheit bei dieser Aufgabe helfen würde. Nicht nur bei dieser einen, da war sich Skjarlav sicher.