Du bist wie eine Kakerlake... Nicht mal Drauftreten hilft!
Verfasst: Donnerstag 16. Juli 2015, 07:53
Kapitel 1 - Raus aus meinem Haus!
[img]http://www.danwest.de/files/%24temp/weg-ringkoebing-fjord.jpg[/img]
Die Straße war lang und staubig... und Shay hatte viel Zeit zum Nachdenken während ihre Füße sie fast ohne ihr Zutun Schritt um Schritt vorwärts trugen. Bis zum nächstgelegenen Hafen waren es noch etliche Meilen und ihre Gedanken schweiften ab.
"Wenn du nicht heiraten magst wie all deine Schwestern, dann nimm die Beine in die Hand und verlass mein Haus!" hatte ihr Vater wutentbrannt gebrüllt. "Und wage es nicht, zurück zu kommen bevor du etwas aus deinem Leben gemacht hast! Faulenzer, die mir auf der Tasche liegen, kann ich nicht gebrauchen!"
Harte Worte... Shay hatte ihrem hitzigen Temperament daraufhin alle Ehre gemacht und zurückgebrüllt, dass sie sein blödes Gold nicht brauche! Und einen Ehemann erst recht nicht! Dann war sie aus dem Wohnzimmer hoch in ihre Kammer gestapft und hatte ein paar Kleider, die wenigen Münzen die sie von ihrem Taschengeld noch besaß und ein paar wenige Habseligkeiten in ihren Rucksack gepackt.
Gerade als sie wieder runter kommen wollte, hatte es leis an der Türe geklopft und ihre ältere Schwester, Maria, war in die Kammer geschlüpft. Als sie den gepackten Rucksack sah, hatte sie geseufzt. "Shay... magst du es nicht nach unseres Vaters Willen tun? Heiraten ist doch kein Weltuntergang... Als Vater mich letztes Jahr mit Hannes verheiratete, war mir auch zuerst bang, doch ich habe gelernt, ihn zu mögen und wertzuschätzen. Auch dir wird es bestimmt genau so gehen. William ist ein gutgelittener junger Mann und er verdient nicht schlecht mit seinem Schmiedehandwerk."
"Oh nein, vergiss es!" hatte Shay daraufhin gebrummelt. "Davon abgesehen dass ich William nicht ausstehen kann, habe ich nicht vor, mein Leben nach dem Willen eines Mannes zu führen! Wenn Vater meint, ich wäre zu nichts nütze und läge ihm nur auf der Tasche, dann will ich ihm das Gegenteil beweisen! Ich werde gehen und es da draußen in der Welt zu Ansehen und Reichtum bringen! Und dann wird er einsehen müssen, dass ich sehr wohl in der Lage bin, für mich selbst zu sorgen!"
"Ach Shay..." hatte Maria erneut geseufzt. Wusste Shay denn nicht, dass sie Vater immer die liebste aller Töchter gewesen war? Warum sonst hätte er so lange warten sollen, ihr einen passenden Ehemann zu suchen? Es war beileibe nicht leicht, einen Haushalt von sieben Kindern großzuziehen. Auch wenn ihr Vater ein gutverdienender Kaufmann war, ein König war er noch lange nicht. Die vier älteren Schwestern waren bereits verheiratet und außer Hause. Lediglich manchmal kamen sie zu Besuch. Die beiden Buben, Zwillinge, erlernten nun das Kaufmannshandwerk um eines Tages den Betrieb des Vaters zu übernehmen. Und Shay... ja, die hatte keine große Lust, sich in diesen vorgezeichneten Weg hineindrängen zu lassen.
Gut, vielleicht war sie bisher wirklich nicht zu viel nütze gewesen. Sie hatte gekocht (mehr schlecht als recht) und genäht (leidlich gut) und manchmal hatte sie auch gemalt oder gesungen. Aber etwas wirklich Nützliches hatte sie nie beigesteuert. Wie auch, wo sie doch vom Vater alles bekam, was sie sich wünschte? Sie war kein verwöhntes dummes Ding, nein das nicht. Aber sie hatte nie für das arbeiten müssen, was sie wollte. Nun, das würde sich jetzt ändern..
"Ich werde gehen und mein eigenes Leben aufbauen!" hatte Shay verkündet und mit dem Fuß aufgestampft. Dann war sie aus der Kammer gerauscht, hinunter in die Küche, und hatte noch einen Laib Brot und etwas Trockenfleisch eingepackt. Ihres Vaters Augen hatten während dessen unnachgiebig auf ihr geruht, doch er hatte kein Wort gesprochen. Auch nicht, als Shay aus dem Haus marschiert war und um die Wegbiegung verschwand. Insgeheim war Shay ein wenig enttäuscht gewesen. Sie hätte nicht erwartet, dass er sie einfach so ziehen lassen würde. Oder dass er so hart zu seinem Wort stehen würde. Doch es schien, als sei seine Meinung unwiderbringlich.
Als sie um die nächste Wegbiegung kam und ihr Blick den Berg hinab schweifte, wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. Der Hafen! Strahlend Blau glitzerte das Wasser unter ihr und die Sonne versank gerade als glühender Feuerball hinter den Bergen. Langsam färbte auch das Wasser sich zuerst orange, dann dunkel. Welch ein Schauspiel! Wäre sie brav zuhaus geblieben, hätte sie all diese Wunder nie erblickt! Einmal mehr war Shay fest entschlossen, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Eilenden Schrittes lief sie den Berg hinab auf den Hafen zu, in der Hoffnung dort ein Schiff zu finden, das sie für ein paar Münzen und etwas Arbeit an Deck in ferne Länder mitnehmen würde. Wohin, das war ihr erst einmal egal... so lange sie noch viele solcher Wunder wie den Sonnenuntergang über dem Meer erblicken würde.
[img]http://media-cdn.tripadvisor.com/media/photo-s/06/db/a0/97/romeo-s-port-d-andratx.jpg[/img]
Viele Tage später würde ein kleines Handelsschiff am Hafen von Bajard anlegen und Shay würde ihre ersten Schritte auf fremdem Boden tun. Sie würde feststellen, wie schwierig es war sich ein Leben auf eigenen Beinen aufzubauen und würde oftmals zurückdenken an jenen schicksalsvollen Tag, an dem sie ihr Heim und all ihre Lieben zurückgelassen hatte. Doch bereuen würde sie nicht... denn sie war ein fröhliches lebhaftes Ding, das immer das Beste im Leben zu sehen vermochte. Ihre Brüder hatten sie einst boshaft als Kakerlake beschimpft. Nicht mal Drauftreten half! Doch Shay hatte es einfach als Kompliment angesehen... denn bedeutete das nicht, dass sie zäh war und überall überleben konnte? Und ein zäher und positiv denkender Mensch, der sich nicht zu schade war sich die Finger schmutzig zu machen... dem würde es doch sicher auch gelingen, sich ein eigenes Leben aufzubauen!
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Die Straße war lang und staubig... und Shay hatte viel Zeit zum Nachdenken während ihre Füße sie fast ohne ihr Zutun Schritt um Schritt vorwärts trugen. Bis zum nächstgelegenen Hafen waren es noch etliche Meilen und ihre Gedanken schweiften ab.
"Wenn du nicht heiraten magst wie all deine Schwestern, dann nimm die Beine in die Hand und verlass mein Haus!" hatte ihr Vater wutentbrannt gebrüllt. "Und wage es nicht, zurück zu kommen bevor du etwas aus deinem Leben gemacht hast! Faulenzer, die mir auf der Tasche liegen, kann ich nicht gebrauchen!"
Harte Worte... Shay hatte ihrem hitzigen Temperament daraufhin alle Ehre gemacht und zurückgebrüllt, dass sie sein blödes Gold nicht brauche! Und einen Ehemann erst recht nicht! Dann war sie aus dem Wohnzimmer hoch in ihre Kammer gestapft und hatte ein paar Kleider, die wenigen Münzen die sie von ihrem Taschengeld noch besaß und ein paar wenige Habseligkeiten in ihren Rucksack gepackt.
Gerade als sie wieder runter kommen wollte, hatte es leis an der Türe geklopft und ihre ältere Schwester, Maria, war in die Kammer geschlüpft. Als sie den gepackten Rucksack sah, hatte sie geseufzt. "Shay... magst du es nicht nach unseres Vaters Willen tun? Heiraten ist doch kein Weltuntergang... Als Vater mich letztes Jahr mit Hannes verheiratete, war mir auch zuerst bang, doch ich habe gelernt, ihn zu mögen und wertzuschätzen. Auch dir wird es bestimmt genau so gehen. William ist ein gutgelittener junger Mann und er verdient nicht schlecht mit seinem Schmiedehandwerk."
"Oh nein, vergiss es!" hatte Shay daraufhin gebrummelt. "Davon abgesehen dass ich William nicht ausstehen kann, habe ich nicht vor, mein Leben nach dem Willen eines Mannes zu führen! Wenn Vater meint, ich wäre zu nichts nütze und läge ihm nur auf der Tasche, dann will ich ihm das Gegenteil beweisen! Ich werde gehen und es da draußen in der Welt zu Ansehen und Reichtum bringen! Und dann wird er einsehen müssen, dass ich sehr wohl in der Lage bin, für mich selbst zu sorgen!"
"Ach Shay..." hatte Maria erneut geseufzt. Wusste Shay denn nicht, dass sie Vater immer die liebste aller Töchter gewesen war? Warum sonst hätte er so lange warten sollen, ihr einen passenden Ehemann zu suchen? Es war beileibe nicht leicht, einen Haushalt von sieben Kindern großzuziehen. Auch wenn ihr Vater ein gutverdienender Kaufmann war, ein König war er noch lange nicht. Die vier älteren Schwestern waren bereits verheiratet und außer Hause. Lediglich manchmal kamen sie zu Besuch. Die beiden Buben, Zwillinge, erlernten nun das Kaufmannshandwerk um eines Tages den Betrieb des Vaters zu übernehmen. Und Shay... ja, die hatte keine große Lust, sich in diesen vorgezeichneten Weg hineindrängen zu lassen.
Gut, vielleicht war sie bisher wirklich nicht zu viel nütze gewesen. Sie hatte gekocht (mehr schlecht als recht) und genäht (leidlich gut) und manchmal hatte sie auch gemalt oder gesungen. Aber etwas wirklich Nützliches hatte sie nie beigesteuert. Wie auch, wo sie doch vom Vater alles bekam, was sie sich wünschte? Sie war kein verwöhntes dummes Ding, nein das nicht. Aber sie hatte nie für das arbeiten müssen, was sie wollte. Nun, das würde sich jetzt ändern..
"Ich werde gehen und mein eigenes Leben aufbauen!" hatte Shay verkündet und mit dem Fuß aufgestampft. Dann war sie aus der Kammer gerauscht, hinunter in die Küche, und hatte noch einen Laib Brot und etwas Trockenfleisch eingepackt. Ihres Vaters Augen hatten während dessen unnachgiebig auf ihr geruht, doch er hatte kein Wort gesprochen. Auch nicht, als Shay aus dem Haus marschiert war und um die Wegbiegung verschwand. Insgeheim war Shay ein wenig enttäuscht gewesen. Sie hätte nicht erwartet, dass er sie einfach so ziehen lassen würde. Oder dass er so hart zu seinem Wort stehen würde. Doch es schien, als sei seine Meinung unwiderbringlich.
Als sie um die nächste Wegbiegung kam und ihr Blick den Berg hinab schweifte, wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. Der Hafen! Strahlend Blau glitzerte das Wasser unter ihr und die Sonne versank gerade als glühender Feuerball hinter den Bergen. Langsam färbte auch das Wasser sich zuerst orange, dann dunkel. Welch ein Schauspiel! Wäre sie brav zuhaus geblieben, hätte sie all diese Wunder nie erblickt! Einmal mehr war Shay fest entschlossen, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Eilenden Schrittes lief sie den Berg hinab auf den Hafen zu, in der Hoffnung dort ein Schiff zu finden, das sie für ein paar Münzen und etwas Arbeit an Deck in ferne Länder mitnehmen würde. Wohin, das war ihr erst einmal egal... so lange sie noch viele solcher Wunder wie den Sonnenuntergang über dem Meer erblicken würde.
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Viele Tage später würde ein kleines Handelsschiff am Hafen von Bajard anlegen und Shay würde ihre ersten Schritte auf fremdem Boden tun. Sie würde feststellen, wie schwierig es war sich ein Leben auf eigenen Beinen aufzubauen und würde oftmals zurückdenken an jenen schicksalsvollen Tag, an dem sie ihr Heim und all ihre Lieben zurückgelassen hatte. Doch bereuen würde sie nicht... denn sie war ein fröhliches lebhaftes Ding, das immer das Beste im Leben zu sehen vermochte. Ihre Brüder hatten sie einst boshaft als Kakerlake beschimpft. Nicht mal Drauftreten half! Doch Shay hatte es einfach als Kompliment angesehen... denn bedeutete das nicht, dass sie zäh war und überall überleben konnte? Und ein zäher und positiv denkender Mensch, der sich nicht zu schade war sich die Finger schmutzig zu machen... dem würde es doch sicher auch gelingen, sich ein eigenes Leben aufzubauen!