Seite 1 von 1

Schlimmer als Einsamkeit ist, sich danach zu sehnen.

Verfasst: Sonntag 21. Juni 2015, 18:48
von Fermindia Atensus
  • Kapitel 1


Ein lauter Schrei erfüllte den Raum. Fest umklammerte sie seine Hand
in der Hoffnung dies würde ihren Schmerz lindern.
Sie schrie noch immer, vergaß beinahe zu atmen.
Schweiß lief über ihr Gesicht, an ihren langen blonden Locken hinunter.
Doch in ihren Augen herrschte absolute Gleichgültigkeit und Kälte, trotz des Schmerzes.

Denn dieser wird wieder nicht lohnen, das wusste sie.
Es wäre das vierte Kind, welches direkt tot geboren wird.
Wenn irgendwo ein Funke Hoffnung in ihr lebte, dass dieses Kind überlebt, wurde er augenblicklich
durch die Schmerzen niedergedrückt. Noch immer hielt er ihre Hand.
Er war nur da, um sie zu trösten, wenn sie wieder ein totes Kind in den Armen hielt.
Er wünschte sich, er hätte die Hoffnung, die Liebe und den Glauben um die daraus gewonnene Kraft
mit seiner Liebsten teilen zu können. Doch da war nichts.
Zu groß wäre die Enttäuschung, läge Hoffnung in seinem Herzen.
Er blickte in ihre Augen, versuchte ihr ein Lächeln zu schenken, als sie tief Luft für einen weiteren qualvollen Schrei holte.
Doch sie schrie nicht. Ihre Augen blickten hilfesuchend in die seinen,
als sie das Kind gebar und ihrem geschwächten Körper langsam das Leben entglitt.

Er packte sie an den Schultern, schüttelte sie, schrie und flehte sie an sie solle zurückkommen,
während ihm Tränen der Verzweiflung über die Wangen liefen.
Doch sie kam nicht wieder. Er war alleine. Er sank zurück in den Stuhl
und ließ den Kopf in die Hände sinken.
Nun erfüllte nur noch sein verzweifeltes und einsames Schluchzen den Raum.
Plötzlich entriss ihn ein greller Schrei aus seiner Trauer.

Schnell wischte er sich die Tränen aus den Augen, und blickte zu dem totgeglaubten Säugling.
Die Hand, sie bewegte sich. Er sprang auf und lief an das blutverschmierte Bett
in welchem seine soeben verstorbene Gattin mit dem Baby lag.
Erneut gab das Kind einen Schrei von sich.

Ja, es lebte! Tatsächlich, es lebte….

Verfasst: Sonntag 21. Juni 2015, 18:51
von Fermindia Atensus
  • Kapitel 2


Chaos herrschte in seinem Gefühlsleben.
Seine Gattin, das Liebste und Schönste in seinem Leben,
verstorben bei der Geburt eines totgeglaubten Kindes.
Trauer, Schmerz und Verzweiflung begannen ihn aufzufressen.
Doch auf der anderen Seite gab es Freude, Glück und vor allem
einen Grund weiter zu kämpfen und weiter zu leben - das Kind das im Gegensatz
zu seinen Vorgängern überlebte.

Doch das war nicht das einzige, was das Kind von den anderen unterschied.
Alles waren sie Jungen gewesen, nur dieses war ein Mädchen.
Er nannte sie Fermindia. Da das Paar nur mit männlichen Nachkommen gesegnet schien,
welche jedoch leider stets verstarben, hatten sie sich auch nur um einen Namen
für ein männliches Kind Gedanken gemacht. Fermin. Ein guter männlicher Name,
stehend für Stärke und Mut.

Stärke hatte ja nun aber dieses Kind mehr als die anderen bewiesen,
denn es hat gekämpft um zu leben.
So hätte es sich sicher auch seine Gattin gewünscht - Fermindia.

Er liebte sie, wie er auch seine Frau geliebt hatte,
schließlich war Fermindia auch das Einzige was er von seiner Frau noch hatte.
Er legte diesem jungen Geschöpf die Welt zu Füßen, war stets für sie da und lehrte sie das Leben.
Doch er lehrte sie auch Dinge, die sie nie hätte lernen sollen...

Verfasst: Sonntag 21. Juni 2015, 18:52
von Fermindia Atensus
  • Kapitel 3


Alles überrollte ihn. Es herrschte Dunkelheit, kein Lichtblick in Sicht.
Die Gefühlte nahmen ihn ein und drückten ihn zu Boden.
Das was er seiner Tochter ermöglichen wollte, konnte er nicht erbringen.
Zu wenig Münzen in seinen Taschen um sie beide voll ernähren zu können,
geschweige denn um warme Winterkleidung zu erwerben.
Und so allein mit all diesen Sorgen und Problemen....

Bloße Verzweiflung trieb ihn zu der Tat, die er bis zu seinem letzten Atemzug bereuen würde.
Eines späten Abends verließ der Vater die kleine Hütte, im Wissen dass Fermindia bereits schlief.
In einer Taverne beraubte er einen Mann seiner Münzen.
Da Fermindia jedoch ein aufgewecktes junges Mädchen im Alter von nun schon bald 10 Jahren war,
folgte sie ihrem Vater unbemerkt und beobachtete alles durch einen Spalt in der Tavernentür.
Als der Vater schnell aus der Taverne lief, hatte Fermindia keine Gelegenheit
und auch noch nicht den Schneid, sich so schnell ein geeignetes Versteck zu suchen.

Der Vater schwieg als er sie erblickte, doch er umfasste fest ihren Arm
und zog sie zurück in ihr Heim.
Es wurde nie über das gesprochen was sie an jenem Tag gesehen hat,
doch ihre Wangen schmerzten noch lange von den Ohrfeigen ihres Vaters.
Dies waren genug Worte. Vater tat nichts Falsches,
schließlich konnten sie wieder zwei Laib Brot und eine warme Decke kaufen.

Sie hätte ihm bloß nicht zu so später Stunde folgen dürfen, nicht wahr?

Verfasst: Sonntag 21. Juni 2015, 18:56
von Fermindia Atensus
  • Kapitel 4


Sie hatten alles verloren. Die kleine Hütte in der sie lebten und all ihr Hab und Gut.
Und da er seiner Tochter stets das Beste bieten wollte, blieben für ihn nur die bereits lange
verdorbenen Essens Reste aus der Taverne, die er aus den Futtertrögen der Tiere im Stall klaute.
Dies hatte nun schwere Folgen, denn durch das Leben in Ställen, versteckt im Heu,
oder direkt unter freiem Himmel, schwächte seinen Körper zu sehr,
um auch noch die verdorbenen Essens Reste überstehen zu können.

Er spürte es, dass es endete und schickte Fermindia mit seinem letzten Groschen einen Laib Brot kaufen.
Es kam ihr schon etwas seltsam vor, dass er sie lange im Arm hielt,
und ihr noch einen Kuss auf die Wange drückte mit den Worten:
,,Gib' stets auf dich Acht und setze einfach einen Fuß vor den Anderen, so wirst du an dein Ziel kommen."

Schließlich war sie schon elf Jahre alt, und den Weg zum Marktplatz kannte sie auch gut genug...
Doch da ihr Vater allgemein betrachtet ein stets liebevoller und fürsorglicher Vater war,
war es nicht sehr sonderbar.
Zudem wurde er in letzter Zeit eh sehr sentimental, was wohl an seiner Krankheit lag.

Als Fermindia los lief, spürte er wie er immer schwächer wurde.
Mit letzter Kraft schleppte er sich bis tief in den Wald hinein.
Er lief soweit er konnte, brach immer wieder zusammen,
doch er wollte nicht, dass sie ihn findet und so sieht.
Er wollte sich seinen letzten Stolz bewahren...
Die Kräfte schwanden, ebenso wie seine klare Sicht.
Die Beine gaben immer wieder nach und die Atmung fiel ihm sichtlich schwer.
An einer alten Eiche brach er erneut zusammen und schlief ein.

Fermindia kam vom Markt mit einem schönen großen Laib Brot zurück.
Sie dachte sich nichts dabei, als sie bemerkte dass ihr Vater weg ist.
Vielleicht holte er frisches Wasser aus einem nahe gelegenen Fluss.
Als er des Nachts noch immer nicht zurück war, sorgte sie sich.
Alleine lag sie eingepackt in einige Decken am Stadtrand, versteckt hinter einigen Büschen.
Am nächsten Morgen ging sie auf die Suche nach ihrem Vater.
Sie suchte ihn am Bach, in der Stadt, in ihren Verstecken in Ställen und Lagerhäusern.
Doch er war nirgends zu finden. Sie lief aus der Stadt hinaus um wieder zu ihrem
aktuellen Schlafplatz zurück zu kehren, vielleicht war Vater ja wieder zurückgekommen.
Am Tor der Stadt drückte sich eine Art Patrouille mit einem Karren an ihr vorbei.
Was auf dem Karren war, konnte man aufgrund eines großen Lakens nicht erkennen,
doch mit einem mulmigen Gefühl schaute Fermindia der Karre nach,
als plötzlich ein lebloser Arm von der Karre baumelte.

"Vater!", schrie Fermindia unter Tränen als sie rückwärts ob eines Stoßes des Wachmannes auf den Boden fiel.
,,Geh zu deiner Mutter, der hier wird dir nicht mehr helfen können!"
Die Gruppe der Männer begannen spöttisch zu lachen und lief weiter.
Lange schaute Fermindia der Karre hinterher.
Tränen liefen über ihre Wangen.
Sie hatte keine Mutter.
Und nun auch keinen Vater mehr...

Verfasst: Sonntag 21. Juni 2015, 19:06
von Fermindia Atensus
  • Kapitel 5


Die Tage vergingen, die Tränen trockneten, das Brot war schon lange gegessen
und der Magen knurrte.
„Vater hatte doch einmal etwas gemacht das uns Essen brachte...“
Fermindia ging in die Taverne mit einem kleinen Dolch, welchen sie unter ihrem Umhang versteckte.
Sie lief aufgeregt um einige Männer herum, wusste nicht genau wie sie vorgehen sollte.
Bei einem Mann mit feiner Kleidung blieb sie stehen und schnitt schnell und geschickt
einen Beutel von seinem Gürtel. Schnell eilte sie aus der Taverne.
Direkt vor der Tür versperrte ihr plötzlich ein kräftiger Mann den Weg.
,,Na, wo solls denn damit hingehen?" Fermindia versuchte sich an dem Mann vorbei zu drängeln,
doch dieser packte sie am Arm und zog sie hinter sich her bis zu einem kleinen Haus
in einer abgelegenen Seitengasse.
Sie wusste dass Protest ihr nicht mehr als Schmerzen bereiten würde,
mehr als ihr wohl eh schon zugefügt werden, also gab sie keinen Ton von sich.

Sie liefen in einen Kellerraum, welcher voll besetzt mit dunkel gekleideten Männern war.
Sie wurde unsanft auf einen Stuhl geworfen. Schnell schaute sie in den Beutel
welchen sie eben erbeutet hatte, blickte aber nur auf ein paar winzige helle Steine und seufzte.
Alle Männer im Raum begannen zu lachen. Fragend schaute sie in die Runde.

Der Mann der sie hier her brachte, wandte sich ihr zu.
,,So mein kleiner, dann erzähl mir mal was du eben in der Taverne gemacht hast!"
Fermindia wollte den Mann korrigieren, und ihm sagen dass sie kein Kleiner,
sondern wenn dann, eine Kleine ist. Doch dem Mann Widerrede zu geben erschien ihr in dieser
Situation nicht als die beste Lösung.
,,Ich.. Also ich habe... Hmn... " ,,etwas gestohlen?", half ihr der Mann auf die Sprünge.
,,Nein nein, nichts gestohlen!", versuchte sie zu widersprechen.
,,Also ist dir der Beutel ganz zufällig in die Hände gefallen?"
,,Genau so war es!", sagte Fermindia und versuchte unschuldig zu lächeln.
Erneut begannen die anderen Männer im Raum zu lachen.
Der Herr mit dem sie sprach stand plötzlich auf und sagte:
,,Meine Herren, hier haben wir unser neues Mitglied!
Ich habe gesehen wie er Dramon Soktes, dem wohl wohlhabendsten Schriftführer
unserer Stadt einen Beutel entriss, ohne dass dieser es bemerkte.
Dieser Junge ist so gerissen, und ein kleiner unschuldig aussehender Junge
könnte uns noch mehr bringen als diesen Beutel!"

Der Mann entriss Fermindia den Beutel und hielt ihn in die Luft, sodass alle im Raum jubelten.
Er öffnete den Beutel, warf einen Blick hinein, schloss ihn wieder und warf ihn zu einem Mann
in der Menge. ,,Verkauf es und teil es unter uns auf. Gib dem Jungen auch ein paar Groschen,
er hat gute Arbeit geleistet. Dennoch muss er viel lernen!
Hokrus, nimm dich dem Jungen an und bring ihm bei was er wissen muss."

Alle Männer erhoben sich, Fermindia saß wie gefesselt auf dem Stuhl.
Sie kam nicht wirklich mit, was da alles über ihrem Kopf hinweg entschieden wurde.
Sie war stumm wie ein Fisch und folgte dem ihr eben zugewiesenem Mann.
Schließlich waren Groschen in Sicht...

Verfasst: Sonntag 21. Juni 2015, 19:13
von Fermindia Atensus
  • Kapitel 6


Sie nannten sich die Diebesgilde. Stets auf der Suche nach Männern mit Schneid und Geschick.
Fermindia war zwar kein Mann, doch als sie erfuhr, was hier mit Frauen geschah,
hielt sie es für angebrachter auch diese Tatsache für sich zu behalten.
Hier war sie Fermin. Ein mädchenhafter Junge der gerne deswegen gehänselt wurde.
Doch dies war besser als zuzugeben eine Frau zu sein.

Sie lernte tatsächlich viel, und erhielt für kleinere Diebstähle auch einige Groschen,
auch wenn sie fand es hätte mehr sein können.
Doch sie lebte nun hier, hatte ein Dach über dem Kopf und bekam ausreichend Nahrung.
Und - sie war einfach nicht alleine.
Auch wenn sie der Gesellschaft dieser Männer oftmals entfliehen wollte, war es besser als die Einsamkeit.
Probleme entwickelten sich, als Fermindias Körper zu verändern begann.
Ihre Oberweite begann zu wachsen und ihre Taille war deutlich schmaler als ihre Hüfte geworden.
Durch die Kleidung ließ sich viel verdecken, aber auch viel erahnen.
Sie wickelte sich mit einem Tuch stets den Oberkörper eng ein,
damit kaum ein Brustansatz zu erkennen war.
Kritisch wurde es, als sie während einer Versammlung zu bluten begann...

Schnell spielte sie eine Schnittverletzung am Oberschenkel vor,
die sie sich durch einen Kampf mit einer Zwergin zugezogen hätte, vorerst mit Erfolg.

Einige Zeit verging, wenn nicht sogar weitere Jahre, in welchen sie es mit Erfolg zu verheimlichen schien.
Sie war nun 17 Jahre jung. Sie lernte viel dazu, wurde flink und geschickt auch im Umgang
mit Waffen und leichten Rüstungen.
Magnos, ein junger doch sehr hinterhältiger Mann aus der Diebesgilde,
kam eines Tages ungebeten in ihr Zimmer, als sie sich gerade einen neuen Brustverband angelegt hatte.

Schnell schoss sie um ihn, schlug die Tür zu und hielt ihm im selben
Moment bereits ein Messer an die Kehle.
,,Sagst du ein Wort, bist du des Todes...", flüsterte sie ihm ins Ohr.
Plötzlich spürte sie eine Klinge an ihrem Oberschenkel.
,,Schnittverletzung, ja?" Sie ließ von ihm ab. ,,Wer weiß es noch?"
,,Ich weiß es nicht. Die meisten sind hier sicher eh zu dumm um so etwas zu bemerken."
Deprimiert ließ sie sich auf ihr Bett sinken.
,,Ich werde es auch niemandem sagen, wenn du tust was ich sage..."
„Ich unterstehe dir nicht. Hokrus ist mein Lehrer.“
,,Ich rede nicht von Diebstählen die du für mich durchführen sollst meine Liebe..."
Sie wusste genau worauf er hinaus will, und schmiedete bereits einen Plan ihn los zu werden.

Doch plötzlich warf er sich auf sie und begann ihr die restlichen Kleider vom Leib zu reißen.
Ein erbitterter Kampf entbrannte, bis Fermindia das soeben niedergelegte Messer fassen konnte,
und es ihm gen Schlüsselbein rammte.
Sie wandte sich unter ihm hinaus, legte schnell ihre Kleidung an,
und packte zusammen was sie tragen konnte.
Sie durchsuchte den leblosen Körper von Magnos und nahm sich seine restlichen Münzen.
Zwischen den Münzen fand sie einen Schlüssel.
Magnos war einer der drei Schlüsselträger.
Er war der Sohn von Amendor, der Mann, und auch Oberhaupt der hier ansässigen Diebesgilde,
der sie vor Jahren aus der Taverne gezogen hatte.
Selbst verständlich, dies war der Schlüssel zu der Kiste mit der Beute.

Sie ließ all die schlecht gearbeiteten und schweren Gegenstände liegen und lief nur schnell zu der Kiste.
Kaum jemand wusste wo diese steht, doch Fermindia war wie auch früher noch sehr neugierig
und folgte gerne unbemerkt den Schlüsselträgern. Da stand sie, die Kiste.
Sie schloss sie auf, griff nach den Beuteln voller Gold und rannte hinaus. Aus dem Haus, aus der Stadt.

Sie lachte. Ein Kutscher hatte sie mit in eine weit entfernte Stadt genommen.
Ein Goldstück hatte dem Kutscher gereicht um ihr eine angenehme Fahrt zu ermöglichen.
Nun erst konnte sie ihre Beute überblicken.
In der Stadt angekommen begann sich Fermindia neu auszurüsten.
Das Beste vom Besten sollte es sein, eine Kettenrüstung, ein neuer Dolch, ein Rapier und ein Langbogen.
Alles was sie in der Diebesgilde lernte, könnte sie nun zu einem der reichsten Menschen machen.
Nun hatte sie alles. Genug um sich zu verteidigen, genug um etwas zu stehlen,
genug um jemand etwas vorzugaukeln oder um mit jemandem zu verhandeln.

Nun konnten neue Abenteuer beginnen…

Verfasst: Sonntag 21. Juni 2015, 19:33
von Fermindia Atensus
  • Kapitel 7


Sie landete nach einiger Zeit die sie in Gerimor verbrachte,
in einer Gemeinschaft die sich die Schatten des Panters nannten.
Lange hatte sie sich mit dem Glauben befasst und nach ihn gelebt,
auch wenn sie selbst mit den Mitmenschen nicht sehr offen über sich und ihre
Vergangenheit redete.
Sie stellte sich nicht mal unter ihrem richtigen Namen vor und schätzte die Einsamkeit.
Denn wenn niemand einen kennt, kennt niemand die Verletzlichkeit, und somit droht keine Gefahr.

Die Gefahr war es, die sie satt hatte. Immer in Angst zu leben sie würde bei einem
Diebstahl erwischt, immer die Angst, jemand findet heraus wer sie ist,
immer diese Angst...
Und die Einsamkeit war es, die sie in die Gesellschaft trieb.

Sie setzte sich immer wieder Situationen aus, in denen die sich unwohl fühlte.
Hier ein Abend in Gesellschaft am Lagerfeuer, hier ein Abend in der Taverne,
hier eine Feierlichkeit, in der sie aber stets mehr die Anderen im Auge behielt
als sich gehen zu lassen und sich zu amüsieren.

Sie vertraute den Leuten aus der Gemeinschaft in der sie ihr Training fortsetzte.
Sie wollte sich mehr im Umgang mit den Waffen üben als darin, wie man
mit wenig aufsehen und auf wenig legalem Wege, schnell zu Gold kommt.
Und sie vertraute einem weiteren Mann, dem sie nach mehreren Unterhaltungen,
Streitereien, Diskussionen, Prügeleien und aller Art von Unleidlichkeiten
dennoch ihren wahren Namen verriet.

Wenn ein Lächeln auf ihre Lippen tritt, dann breitet es sich aus.
Die Augen beginnen zu leuchten und durch die sich hebenden Mundwinkel
drücken sich auch die
Backen etwas empor weshalb sich die Augen zu schmalen Schlitzen formen.
Es ist lange her, dass sie sich so hat gehen lassen, dass sie locker war, dass sie vertraute.

Sie wusste von Beginn an wie es enden wird. Unschön, wie es immer endet.
Dennoch hat sie es nicht zeitig unterbunden, da sie genoss, wie sie sich fühlte,
auch wenn sie stets davon ausging, dass es nur ihr Gefühl war, und nicht das des Gegenübers.
Doch irgendwann begriff sie, auch wenn es durch ein unsanften Schlag in den Magen war,
dass sie sich zurücksehnte, nach der Einsamkeit.

Hier musste sie sich um niemanden Sorgen machen, außer um sich.
Es ging nur darum zu sehen wie man den nächsten Tag übersteht.
Es werden Tage und Nächte und Mondläufe vergehen, bis sie wieder den Weg
zurück zu den Wurzeln gefunden hat.
Dort war sie nicht glücklich, aber zufrieden.
Dort ging es ihr nicht gut, aber sie lebte ohne Schmerz.
Dort war sie sicher, wenn auch nicht vor sich selbst.

Verfasst: Mittwoch 24. Juni 2015, 21:07
von Fermindia Atensus
  • Kapitel 8


Sie hatte ihm erklärt, wie der Krieg aussieht.
Dass der Verstand, welcher geprägt von der Vergangenheit und den Geschehnissen,
einen so formt, dass man nicht wieder in solche Schwierigkeiten gelangt.
Er schützt vor viel Unheil, viel Leid und viel Glück.
Und sein erbitterter Feind tritt ihm täglich gegenüber, die Hoffnung.
Sie will nicht zulassen, dass man nur in der Welt ist um zu funktionieren,
sondern um auch einmal ein Lächeln auf den Lippen zu tragen, weil es einem gut geht.
Keiner der beiden ist stärker als der andere, es ist nur die Frage,
wer die bessere Ausdauer hat.

Trotz dass sie ihm deutlich zu verstehen gab, dass sie ihn nicht wieder sehen wollte,
suchte er ihre Nähe. Nicht um gesellig beieinander zu sitzen, sondern um wieder
und wieder zu streiten.
Wieso begibt man sich freiwillig in solche Situationen? Es endete immer wieder blutig.
Und der Verstand vertrat seine Meinung wie immer ziemlich rabiat.

Die Hoffnung, angestachelt von der brachialen Art des Verstandes, machte sich Luft.
Den leichten Weg kann jeder gehen.
Wenn wir immer tun, was wir schon können, werden wir immer sein, was wir schon sind.
Es ist sicher, aber einsam. Es ist gut, aber macht einen nicht glücklich.

Beide Seiten verstehen es nur zu gut, Angst zu verbreiten, und so das -ich- für seine Seite zu gewinnen.
An einem Abend entscheidet man sich für den Verstand. Man verletzt die Menschen um einen herum,
um sich selbst in Sicherheit zu wissen.
An dem anderen Abend entscheidet man sich für die Hoffnung,
und wird Gefahr laufen sich selbst in den größten Schlamassel zu bringen den es geben kann,
nur wegen einem irrationalen Gefühl, glücklich zu sein.

Doch in jener Nacht behielt die Ausdauer die Hoffnung.

Verfasst: Mittwoch 1. Juli 2015, 00:56
von Fermindia Atensus
  • Kapitel 9


Chaos war wohl das einzige Wort dass es im Ansatz schaffen würde
zu beschreiben, was in ihr vorzugehen schien.
Sie grub die nackten Füße in das hohe Gras in ihrem Garten,
wobei die kitzelnden Grashalme es immer wieder für einige Augenblicke schafften,
sie von ihren Gedankengängen abzulenken.
Der Hintern schmerzte schon von dem langen Sitzen auf den harten, steinernen Stufen,
dennoch war ihr dies der liebste Ort um für sich zu sein.
Genug, das sie erinnerte, an das, wonach sich die Hoffnung sehnte,
aber nicht zu viel um den Verstand zu verlieren, der ihr immer wieder nüchtern
ihre Fehler und die dazugehörigen Konsequenzen vor Augen führte.
Sie zündete sich eine Zigarette an. Auch wenn sie keine besaß,
so hatte sie einst eine in einer Kiste gefunden die man ihr mitbrachte...
Sie schmeckte scheußlich. Aber Rum trank man ja auch nicht als Genussmittel.
Vielleicht ändert sich irgend etwas, wenn sie aufgeraucht ist.

Das einzige was sich veränderte war ihr zunehmend schlechterer Atem
und dass der Mond ein wenig weitergezogen war.
Ihre Gedanken kreisten noch immer, und der Verstand machte immer noch verständlich,
dass es noch nicht zu spät sei um wieder zurück zu rudern und alles beim Alten zu belassen.
Der Blick wanderte zum Gartentor, als würde sie jemanden erwarten.
Sie fürchtete sich vor Besuch, denn sie wüsste genau so wenig damit umzugehen wie davor.
Und gerade jetzt, nach den Geschehnissen, will auch sicher niemand ihre Gesellschaft schätzen.

"Ich soll berichten, dass er sich in einigen Ansichten geirrt hat"

Hatte er das?
Plötzlich stand jemand vorm Gartentor.
Ein Anflug von Panik, ein Luftsprung vor Freude; eine irritierende Mischung.
Und wie immer, wenn so viele Dinge aufeinander treffen, endet es blutig.
Wut, Trauer, Selbsthass, Verzweiflung, Hoffnung.

Viele Worte und doch wurde so wenig gesagt.
Hatte man denn alles richtig verstanden? Hatte man jede Seite ordentlich abgewägt?
Hatte man seinen eignen Standpunkt klar genug gemacht?

Sie schätzte ihre Sicherheit zu sehr, um sie so leichtsinnig aufzugeben.
Sie genoss die Momente jedoch auch so sehr, dass es ihr schwer fiel bei Verstand zu bleiben.
Sie hatte kein Recht ihn um das zu bitten, das sie verlangen müsste,
um das zu geben und zu bekommen, was sie sich wünschte.
Dabei wollte sie nur Gewissheit.
Denn das Wissen, was jemand bereit wäre für einen zu tun, für einen aufzugeben,
für einen zu durchleben, bringt Sicherheit.
Zu sehen, dass jemand bereit ist, zu leiden, ohne ersichtlichen Erfolg,
bringt Gewissheit.
Zu merken, dass jemand alles bereit ist zu tun, ohne Hintergedanken sondern nur,
um zu zeigen wie wichtig man jemandem ist, bringt Glück.

Verfasst: Freitag 3. Juli 2015, 20:41
von Fermindia Atensus
  • Kapitel 10


"Selbst wenn du in größter Raserei wärst, würde ich dir meinen Hals an deine Klinge halten"

Es gab mehrere Möglichkeiten seine Worte und dessen Bedeutung zu ergründen.
- Er ist betrunken oder steht unter irgend einer Einwirkung von Pilzen oder Ähnlichem.
- Er ist unglaublich naiv und/oder geistig minderbemittelt
- Er vertraut blind, ohne dass Fermindia verstehen würde wieso.

Da sie ihn bereits einige Zeit kannte und einzuschätzen wüsste,
und er sich den Rest des Abends nicht auffällig ob Nebenwirkungen von
Speisen oder Getränken zeigte, nahm sie begründet letzteres an.
Und dies erfüllte sie mit blanker Panik.

Der klügere gibt nach.
Und so kam es, dass eine Entscheidung fiel, mit der sie annahm sie könnte leben.
Der Verstand unterbreitete der Hoffnung und ihr eine Idee,
einen Vorschlag, sodass endlich Ruhe einkehrt.

Tu, was du glaubst tun zu müssen um glücklich zu sein,
aber verlier' dich nicht. Sei immer Herr über die Situation, sei trotz allem
was kommen mag immer wachsam und sei immer auf alles gefasst.
Nimm dir was du brauchst, oder glaubst zu brauchen, aber immer mit Bedacht.
Gib' niemals das Ruder aus der Hand, denn dann gibst du dein Leben aus der Hand.

  • Die Menschen sind aus Gewohnheit abergläubisch
    und aus Instinkt Schurken

Verfasst: Dienstag 14. Juli 2015, 19:53
von Fermindia Atensus
  • Kapitel 11


Vieles war geschehen, zu viel für ihr Nervenkleid.
Sie lauschte ungern den Ausführungen über ihre eigenen Taten und die eigenen Dummheiten,
erst recht, wenn sie von ihrem eigenen Gewissen kamen.
Du weißt, dass du leichtsinnig warst? - Jawohl.
Du weißt, dass du hochmütig warst? - Jawohl.
Du weißt, dass du dumm warst? - Jawohl.
Du weißt, dass du falsch gehandelt hast? - Jawohl.
Warum hast du es dann getan? - Ich weiß es nicht.

Sie begann der letzten Antwort auf den Grund zu gehen.
Tag um Tag zermalmte sie sich den Kopf, um zu erfahren, was sie gar nicht wissen wollte,
als sich der Verstand wieder wortlaut meldete.

Du hast gesehen, was passieren kann, wenn du glaubst der Hoffnung
nachrennen zu müssen, anstatt dem zu folgen, das dir Sicherheit bietet.
Sicherheit und Gewissheit.
Du wirst immer blinder, verlierst du etwa dein wahres Ziel aus den Augen?
Schlag dir das alles endlich aus dem Kopf.


Wenn alles so leicht getan wäre, wie es gesagt wurde.
Das Gespräch aus dem sie Klarheit erhoffte, aus dem sie erhoffte
gezeigt zu bekommen dass es sich lohnt für die Hoffnung auch mal Dummheiten zu machen,
verlief bei Weitem nicht wie gedacht.
Musste denn noch mehr geschehen, damit sie es endlich begreift...?

Verfasst: Dienstag 21. Juli 2015, 22:19
von Fermindia Atensus
  • Kapitel 12


Mehrere Erdbeben erfassten Rahal und Umland.
Als sie davon erfuhr sorgte sie sich. Wäre da niemand der einem wichtig ist,
würde man sich nicht sorgen brauchen.
Sie bestach sogar den Kutscher mit mehreren Kronen, um Antworten zu bekommen.
Bis sie ihn zu fassen bekam. Wohl behalten, wenn auch in Eile.

Ein Nachbeben, nicht so schlimm wie die vergangenen, dennoch riss er sie mit sich
hinaus ins Freie, um beide in Sicherheit zu wissen.
Sie einigten sich, Rahal und Umland nach Verletzten abzusuchen,
wobei Fermindia Wetterau und den Schattenwinkel übernehmen wollte.

Alles schien ruhig, in jedem Haus warf sie einen Blick durch die Fenster,
um zu überprüfen dass auch niemand verschüttet darin lag.
Überall lag die Inneneinrichtung auf dem Boden verteilt,
zerbrochene Gläser zierten die meisten Küchenzeilen.
Sie entschied, ehe sie zum vereinbarten Treffpunkt zurückkehrte,
sich das Ausmaß der Naturgewalt in ihrem eigenen Heim zu betrachten.

Die meisten Möbel standen nicht mehr an Ort und Stelle, auch hier einige Gläser zerbrochen,
aber im großen und ganzen waren keine großen Einbuße festzustellen.
Der letzte Kontrollgang verlief durch das frisch freigelegte Kellergewölbe,
als ein leises Knacken ertönte, welches schlagartig an Lautstärke zunahm.
Sie rannte los, als die ersten Steine hinter ihr von der Decke gen Boden rieselten.

So verhinderte sie, in ihrem eigenen Keller eingesperrt oder gar begraben zu werden,
dennoch erfassten sie einige Gesteinsbrocken, die sie zum straucheln brachten.
Sie fiel nahe des Treppenaufgangs, als ein letzter Brocken sich löste
und unter lautem Knacken auf ihrer unteren Rippe aufschlug.
Ein Aufschrei hallte durch das Haus, sie versuchte sich in den Stand zu kämpfen
und die letzten Stufen zu erklimmen.
Die Flut an Gesteinsbrocken erstarb, dennoch entriss der anhaltende Schmerz
ihr die Kraft, sodass sie wieder zu Boden sank.
Sie verlor jedes Zeitgefühl, hin und wieder auch das Bewusstsein.

Der vereinbarte Treffpunkt, sie musste dort auftauchen...
"Pass auf dich auf, hörst du?"

Verfasst: Donnerstag 23. Juli 2015, 23:37
von Fermindia Atensus
  • Kapitel 13
Sie hatte ihr Bewusstsein wieder unter Kontrolle,
auch wenn die Schmerzen unerträglich waren, war sie bei vollem geistigen Zustand.
Sie setzte rasch ein Schreiben auf, schickte einen Boten los, der sie bis zur
nächsten Heilerstube begleitete,
um dann seinen Auftrag zu vollenden.
Sie war nicht aufgetaucht, also musste sie ein Lebenszeichen von sich geben.
Aber ehe die Schmerzen sie doch dahinrafften, musste sie eine Heilstube aufsuchen.

Die einzige die geöffnet war, fand sich in Bajard. Ein langer, harter Weg,
der sie einiges an Kraft kostete.
Alle Kraft die sie für diesen Tag aufbringen konnte.
Als der Heiler sie nötigst behandelt hatte wankte sie ein Haus weiter, der örtlichen Taverne,
um dort den Schmerz mit etwas Schnaps zu betäuben.

Kaum rinnten die ersten Schlucke ihre Kehle herunter, hatte sie einen Mittrinker.
Und kaum trank er mit, traf der Empfänger ihrer Nachricht in der Taverne ein.

Nennen wir es einen Streit, Vorwürfe noch und nöcher,
Worte die nachhallten, lange.
Die Nacht verbrachte sie in eben jener Taverne, da die Schmerzen sie hinderten
noch eine weitere Reise auf sich zu nehmen.
Auch wenn der nächste Tag Linderung zu versprechen schien ob einem Ort
der ihr jene wohl verschaffen könnte.

Für diesen Tag trugen ihre Füße sie keinen weiteren Schritt,
doch kreisten alle gesagten Worte in ihrem Kopf nach und verfolgten
sie gar in ihrem Schlaf.

Er sollte bewirken, dass es ihr besser geht.
Er sollte für sie da sein, so wie sie für ihn da war.
Er sollte sich um sie sorgen, so wie sie sich um ihn gesorgt hat.

Doch er ging, und sie blieb, und sie hatte Schmerzen,
nicht nur ob der beiden gebrochenen Rippen.

Einer jedoch lauschte ihren Worten, bis zum bitteren Ende.
Ohne ihren Namen zu kennen, ohne dass sie den seinen kannte.
Jemand war da, und es war nicht er.