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Im Auftrag der Königin

Verfasst: Freitag 24. März 2006, 06:53
von Melianeira
Der Auftrag:

Sie war damit beschäftigt, die Waffenhütte aufzuräumen. Nach dem letzten Überfall der Barbaren aus den nördlichen Wäldern war das totale Chaos im Dorf ausgebrochen. Die Schwestern rannten wild durcheinander, versuchten brennende Hütten zu löschen, stellten neue Palisaden auf oder versorgten die Verwundeten. Und es waren viele Verwundete. Und noch mehr Tote, auf beiden Seiten. Nach einiger Zeit kam der Verfolgungstrupp zurück. Melianeira schaute aus dem Wandloch, das vorher nicht da gewesen war. 12 sind losgeritten, 12 sind wieder zurückgekommen, und sie hatten ihre Beute mitgebracht. Mehrere Dutzend Männerköpfe. Es muss ein Massaker gewesen sein, 12 rachsüchtige, berittene Amazonen preschen in eine wild fliehende Horde Männer, die dem Tode näher waren als dem Leben, von Speeren durchbohrt, von Säbeln zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Keine der Schwestern hatte deswegen Gewissensbisse. Sie würden nicht wiederkommen, soviel war sicher.
Nach dem üblichen Siegesritual, dem Aufspießen der Köpfe der Gegner auf Speeren vor dem Dorf und dem Verbrennen der Leichen kümmerte man sich um die eigenen Verluste. 23 Schwestern hatten sie verloren, fast ein Viertel des ganzen Dorfes. Doch nun standen über 100 mit Köpfen "verzierte" Speere vor dem Dorf. Die Amazonen würden sich wieder erholen, sie würden ihre gefallenen Schwestern rächen und sie würden siegreich sein, wie immer.
Doch diesmal kam es anders. 3 Tage nach dem Überfall hallten früh morgens Alarmrufe durch das Dorf. Eine Armee war im Anmarsch. Keine Horde wilder Barbaren, eine Armee, gut ausgerüstet, gut gedrillt, 300 Mann. Man wollte sich wohl dem "Amazonen-Problem" endgültig entledigen.
Es war eine kurze und blutige Schlacht, die Amazonen wurden eine nach der anderen niedergemacht. Und Melianeira blieb bis zum Ende an der Seite ihrer Mutter, der Stammeskönigin. Ein Pfeilhagen ging auf die Königin und ihre Begleiterinnen nieder. Alle fielen sofort um. Auch Melianeira wurde getroffen, 2 Pfeile steckten in ihrem Körper, einer im Bein, einer in der Schulter, doch ihre Mutter traf es härter. Von neun Pfeilen durchbohrt lag sie am Boden, doch sie atmete noch. Melianeira kroch zu ihr, von Schmerzen gezeichnet. "Meli, meine Tochter, flieh, flieh um dein Leben!" Ihre Worte waren mehr gekeucht als gesprochen, imemr wieder hustete sie Blut. "Segle nach Alathair, gründe einen neuen Stamm, für das Volk, für die Königin!" Mit diesen Worten erschlaffte ihr Körper, sie starb in den armen ihrer Tochter. Um sie herum war der Kampf zum stillstand gekommen. Sie waren alle tot, bis auf eine. Die Soldaten legten im ganzen Dorf Feuer. Trauern konnte sie später, nun musste sie ersteinmal aus dem Dorf raus. Sie brach die Pfeile ab, zog sie heraus. Keine Schmerzen. Sie schaute sich um. Dort, ein einzelner Soldat stand an einer Bresche in der Palisade. Sie Griff nach einem Speer, der neben ihr lag. Der Speer flog, traf sein Ziel, der Soldat glitt geräuschlos zu Boden. Schnell lief sie zu dem Loch, zog den Speer aus dem leblosen Körper. Sie wollte sich nicht umdrehen, doch sie tat es trotzdem: Ihre toten Schwestern lagen am Boden, wenige tote Soldaten dazwischen, und das Feuer erhellte den Morgen. Tränen liefen ihre Wangen herunter. "Mutter, ich werde deinen Wunsch erfüllen, ich schwöre es bei meinem Volk! Für das Volk, für die Königin!" Mit diesen Worten drehte sie sich um und entschwand in der Morgendämmerung.

Verfasst: Freitag 24. März 2006, 07:23
von Melianeira
Die Ankunft:

Erschöpft und hungrig verließ sie das Schiff. Bajard, so heißt die Stadt, in dem sie gelandet war. Vor ihr stand ein grimmig dreinschauender Wachmann der Bürgerwehr. Er deutete auf den Speer in Melianeiras Hand. "Ablegen, hier herrscht absolutes Waffenverbot!" - "Warum so unfreundlich? Ihr könntet das auch netter sagen." - "Ja, ihr habt ja recht, nur ist die Lage hier zur Zeit etwas angespannt, die Gerichtsverhandlung und das alles..." Sein Gesicht verzog sich zu einer etwas bedrückten Miene. "Gerichtsverhandlung?" - "Ja, wir hatten hier gerade einen... Vorfall. Aber das geht euch nichts an!" Mit diesen Worten ging er weiter seines Weges. 'Hmm, und hier soll es besser sein als in der Heimat? Naja, ich werde sehen...', dachte sich Melianeira. Zielstrebig suchte sie den Fleischhändler am Hafen auf und kaufte sich ein wenig Fleisch. Hunger! Nachdem sie sich am kleinen Teich niedergelassen hatte, verschlang sie das Fleisch wie ein wildes, hungriges Tier. "Mhhh, gut", seufzte sie zu sich selbst. Dann kam ihr der Auftrag wieder in den Sinn, warum sie überhaupt hier war. 'Nicht auffallen, Anwärterinnen suchen, trainieren', das waren ihre vorrangigen Ziele. Hier hatte sie niemanden, der sie beschützen würde, also musste sie sich selbst zu helfen wissen. 'Trainieren' ...