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Sanfte Klänge, heisse Rhythmen oder einfach nur Poesie

Verfasst: Mittwoch 6. Mai 2015, 19:52
von Gast
Nun weilte sie bereits einen Wochenlauf in Menek'Ur-Stadt. Während sie vor der Haustür des Natifahhauses am Ufer des Meeres sass kamen Erinnerungen hoch. Teile der Kindheit, Stücke der Trauer und der Freude. Sie hatte immer schon ihre Erinnerungen an das Erlebte in kleinen Oden im Kopf niedergeschrieben. Manche hatten ihn durch ihre Lippen verlassen, andere wurden durch ein hauchzartes Stück Pergament in die Freiheit geführt.
Wie war die Zeit vor ihrer Ankunft gewesen?
Nachdenklich begann sie sich an ihr erstes Lied zu erinnern, damals noch im Haus der Familie. Es war eines über ihre Familie gewesen. Mit einem Blick über die Schultern zu der Wache vor dem Haus hob sie leise an zu singen. Wie von selbst fand sie die Melodie und schlug den Rhythmus auf ihrem bedeckten Oberschenkel mit.

Familie – Stolz und Können

Heulend wie der Sterbenden Laute,
ahalalea
Fegt der Sturm des Sandes,
ahalalea
Durch die Gassen des Wüstenlandes,
ahalalea
Zu beissen wer sich herausgetraute.


ahalalea
Aha-laha-laha-na ruft er laut: Azeezah!
ahalalea


Tödlich wie die Folgen eines Fluchs,
ahalalea
Kraftvoll wie ihr Wappentier,
ahalalea
Standhaft wie die Mauern hier,
ahalalea
Gewitzt wie ein Wüstenfuchs.

ahalalea
Aha-laha-laha-na Das sind die Azeezah!
ahalalea

Sanfte Klänge, sanfte Stimmen,
ahalalea
Starke Hände, geschmeidig und kundig,
ahalalea
Farben geschmackvoll, Teppich so samtig,
ahalalea
zartes Geschmeide, die reinsten Tränen.


ahalalea
Aha-laha-laha-na auch wir sind Azeezah!
ahalalea


Stolze Söhne, schöne Töchter,
ahalalea
Flinke Pfeile, kunstfertige Waren,
ahalalea
würziges Temperament, Sanfte Bewegungen,
ahalalea Azeezah
Die Gabe Eluvs, die Klingen der Jäger,
ahalalea


ahalalea
Aha-laha-laha-na Stärken der Azeezah!
Ahalalea


Mit einem sachten Kichern endete sie und ihre Finger fuhren durch den heissen Sand. Weswegen war sie hier? Was war der Auslöser gewesen? Glitzernde Tränen traten aus den Augenwinkeln und begannen den Schleier unaufhaltsam zu durchnässen. Das Gesicht ihrer Mutter wie sie getroffen von dem Pfeil vorneüber in ihre Arme gesunken war. Der Stolz in den Augen, der durch Überaschung und Schmerz abgelöst wurde und schliesslich das Funkeln als es darinnen brach.
Lautlos schluchzte sie und dachte an die Totenklage, welche sie in Fesseln bei einer Wüstenrast hatte an Eluive senden müssen.

Geleit in Eluives Garten

Mutter alles Lebens,
ich bitte für Sahima Neret Azeezah,


Nimm sie auf!

Sie -meine Mutter ,
geleite sie in deinen Garten.


Nimm ihr jeden Schmerz!

Sie war eine starke Frau,
lebte für ihre Kinder.


Wiege sie in den Schlaf!

Sie starb für mich,
ich hätte es sein sollen.


Schenk ihr süsse Milch!

Ihre Hände streichelten,
jeden Kummer linderte sie.


Schmücke ihr Haupt mit Bumen!

Ihr Lachen - wie warmer Honig,
ihre Liebe wie ein prächtiger Teppich.



Nähre sie mit deinen Früchten!

Sie wird mir fehlen,
eine klaffende Wunde wo einst mein Herz.


Ich flehe dich an!

Lass Mara in deinen Garten,
nur dann finde ich Frieden.


Mutter meiner Mutter
Abeer Eluv

Abeer Eluv

Abeer Eluv


Sie verharrte noch länger als die Sonne endlich im Meer eintauchte. Der heisse Wind hatte den Schleier bereits wieder getrocknet und sie wollte sich bereits erheben als ihr der alumenische Adlige einfiel, der ihr damals von seiner unerwiederten Liebe berichtet hatte. Ein Runzeln der äusseren Augenwinkeln zu den typischen Lächelfalten, liessen sie an das Gedicht und seine Dankbarkeit denken.

Nie vergessen!

Nie werde ich der Holden Antlitz vergesssen,
Eine Haut, weiss wie Milch, keine könnte sich damit messen.

Lippen zart gerötet und weich wie Rosenknospen,
Ach wärs mir vergönnt sie nur einmal zu kosten.

Das Haar wie güldener Honig so schimmernd,
Ach dessen Duft wie der Sommer so schillernd.

Ihrer Finger Berührung so weich wie Seide und Samt,
Nie hab ich ertwas so Graziles gekannt.

Die Hüften so schmal wie der Sockel einer Vase,
Eine wahrliche Schönheit vom Fuss bis zur Nase.

Die Augen wie Saphire so tief,
Was würde ich geben wenn sie nur in meine Arme lief.

Nie werde ich ihre Anmut vergessen,
Wo ich auch bin mein Herz ist von ihr besessen.

Schönste Dame aus dem nun fernen Land,
Gefangen habt Ihr mich in einem Liebesband.


So war in ihrem bisher kurzen Leben doch schon einiges irgendwo vereint gewesen. Liebe, Trauer und Stolz. Nun wollte sie beim Ausfegen über die Geschichte der Erlebnisse in Menek'Ur-Stadt nachdenken und dabei in ihre Reime fassen...

Verfasst: Donnerstag 7. Mai 2015, 23:20
von Gast
Mit der frischen Kleidung unterm Arm bedankte sie sich bei der Wache und bat diese vor dem Badehaus zu warten. Es hatte gutgetan wieder einmal ausgiebig zu trainieren. Sie würde morgen jeden Muskel in ihrem Körper spüren und sie liebte dieses Gefühl. Genauso wie sie ihre Heimat liebte und die wilde Pracht der Wüste. Mit einem wohligen Aufseufzen liess sie sich ins warme Becken sinken. Die Augen geschlossen begann sie die Wüste zu beschreiben.

Durrah

Kennst du das Leben dort im Sand?
Yeha-la-lea-lee
Dort wo tags die Sonne alles hat verbrannt?
Yeha-la-lea-lee
Kennst du die Tiere unter den Steinen?
Yeha-la-lea-lee
Die dort lauern um zu schnappen nach unachtsamen Beinen?
Yeha-la-lea-lee


Denn wo bei Tag die Sonne brennt und alles Leben ausgezehrt erscheinen mag.
Ist nächtens die eisige Kälte bereit und das Leben kriecht aus dem Schutz hervor.
So lass dich niemals täuschen von dem Schein des Nichts!
Denn die Wüste ist Tod und Leben zugleich!

Hast du je die glänzenden Schlangen gesehn?
Yeha-la-lea-lee
Deren Schuppen so prachtvoll wie Diamanten so schön?
Yeha-la-lea-lee
Und je die Zangen des Skorpions erblickt?
Yeha-la-lea-lee
Ob er dich sticht oder dich mit diesen dann zwickt?
Yeha-la-lea-lee


Denn wo bei Tag die Sonne brennt und alles Leben ausgezehrt erscheinen mag.
Ist nächtens die eisige Kälte bereit und das Leben kriecht aus dem Schutz hervor.
So lass dich niemals täuschen von dem Schein des Nichts!
Denn die Wüste ist Tod und Leben zugleich!

Hast du je die riesigen Kakteen gesehn?
Yeha-la-lea-lee
Die so prächtig mit giftigen Dornen dort stehn?
Yeha-la-lea-lee
Hast du jemals die Schatten der Geier bemerkt?
Yeha-la-lea-lee
Die vollbringen ihr schauriges Todeswerk?
Yeha-la-lea-lee


Denn wo bei Tag die Sonne brennt und alles Leben ausgezehrt erscheinen mag.
Ist nächtens die eisige Kälte bereit und das Leben kriecht aus dem Schutz hervor.
So lass dich niemals täuschen von dem Schein des Nichts!
Denn die Wüste ist Tod und Leben zugleich!


Hast du je von den prächtigen Scarabäen gehört?
Yeha-la-lea-lee
Wie ihr feuriger Odem die Feinde zerstört?
Yeha-la-lea-lee
Konntest du je die Hyänen lachen hörn?
Yeha-la-lea-lee
Hast du gesehn wie ihre Kiefer Knochen zerstörn?
Yeha-la-lea-lee


Denn wo bei Tag die Sonne brennt und alles Leben ausgezehrt erscheinen mag.
Ist nächtens die eisige Kälte bereit und das Leben kriecht aus dem Schutz hervor.
So lass dich niemals täuschen von dem Schein des Nichts!
Denn die Wüste ist Tod und Leben zugleich!

Sahst du den Sand wie Diamanten funkeln?
Yeha-la-lea-lee
Ein falscher Schritt und du bist in ihm versunken.
Yeha-la-lea-lee
Nahmst du je die Fata Morgana wahr?
Yeha-la-lea-lee
Die weit entfernt ist, doch scheint ganz nah?
Yeha-la-lea-lee


Denn wo bei Tag die Sonne brennt und alles Leben ausgezehrt erscheinen mag.
Ist nächtens die eisige Kälte bereit und das Leben kriecht aus dem Schutz hervor.
So lass dich niemals täuschen von dem Schein des Nichts!
Denn die Wüste ist Tod und Leben zugleich!

Ja, die Wüste ist Fluch und Segen zugleich!


Noch im Singen hatte sie sich abgetrocknet und mit dem duftenden Öl eingerieben. Der kaffeebraune Sari lag vor ihr auf der Bank. Bewundernd strichen ihre Finger über das prachtvolle Kleidungsstück und in ihrer Erinnerung entstand das Bild von Liyanah. Wie freundlich sie gewesen war, trotz das sie ihr Klopfen überhört hatte. Auch an ihr Gespräch erinnerte sie sich ehe sie sich anzog und verschleierte. Auf dem Rückweg ins Natifahhaus begann sie eine kleine Melodie zu summen. Den Text dazu setzte sie in ihren Gedanken zusammen.

53 kleine Hyänen

Ich seh sie auf sandigem Grunde stehn,
kleine Hyänen.
Seh eine mit gebleckten Fängen stehn,
kleine Hyänen.
Auch eine mit zottigem Fell ist da,
kleine Hyänen.
Dort ist die kleine mit der kurzen Pfote,
kleine Hyänen.
Neben der mit dem angenagten Gazellenknochen.


Es sind 53 kleine Hyänen da,
und jede stellt ein Teil der Geschichte dar.
Man kann Geschichten tanzen, singen, erzähln,
oder sie in kunstvollen Bildern darstelln.

Zwei balgen sich mit zorn'gen Augen,
kleine Hyänen.
Diese hier putzt sich selbstgefällig,
kleine Hyänen.
Eine andre liegt faul schlafend da,
kleine Hyänen.
Und die scheint dich auszulachen,
kleine Hyänen.
Ich seh eine wie sie listig schaut.

Es sind 53 kleine Hyänen da,
und jede stellt ein Teil der Geschichte dar.
Man kann Geschichten tanzen, singen, erzähln,
oder sie in kunstvollen Bildern darstelln.

Seh eine mit einem vollen Bauch,
kleine Hyänen.
Auch eine mit nur einem Auge,
kleine Hyänen.
Dort ist die mit den grossen Flecken,
kleine Hyänen.
Neben einer mit heraushängender Zunge,
kleine Hyänen.
Drei pirschen sich an ihre Beute heran.

Es sind 53 kleine Hyänen da,
und jede stellt ein Teil der Geschichte dar.
Man kann Geschichten tanzen, singen, erzähln,
oder sie in kunstvollen Bildern darstelln.


Die da buddelt ein Loch im Sand,
kleine Hyänen.
Eine weitere hat die Schnauze voller Blut,
kleine Hyänen.
Und diese hat ihre Welpen dabei,
kleine Hyänen.
Ich kann eine mit angelegten Ohren sehn,
kleine Hyänen.
Seh eine im Sprung auf die Gruppe stehn.

Es sind 53 kleine Hyänen da,
und jede stellt ein Teil der Geschichte dar.
Ihre Geschichte wurd mit Nadel und Faden erzählt,
die Farben sind gar meisterlich gewählt.
Ich danke der bezaubernden Erzählerin,
wenn ich den Sari anzieh, bin ich mittendrin!

Den Takt zur Melodie mit den Händen schlagend wurde ihr Gang eher beschwingt, denn ziemlich. Im Natifahhaus angekommen, bedankte sie sich bei der Wache und hob an das Lied für Liyanah aufzunotieren um es ihr zuzusenden. Mit einem erschöpften Lächeln streckte sie sich auf ihrer Bettrolle aus um ins Reich der Träume abzutauchen.

Verfasst: Sonntag 17. Mai 2015, 23:30
von Gast
Wieder in ihrem Zimmer des Natifahhauses angekommen sinnt sie über den Abend nach. Über alle die dort waren als man dem Skalden die letzte Ehre erwies.
Dann wird sie das Lied, die Legende des Varr Tryant, auf ein Pergament schreiben um es den Thyren zuzusenden.

Die Legende des Varr Tryant

Einst lebte ein Mann so groß wie ein Baum,
mit Händen riesig, wie des Bären Pranken.
Dieser Thyrensohn geborn im tiefsten Norden,
besaß eine künstlerische Ader man fasst es kaum.
Er jagte das Wild oft mit Pfeil oder Klinge,
doch er kannte seines Clanes alte Gesänge.
Maß sich täglich mit seinesgleichen beim Geränge,
Ein Mann von Wert seis von dem ich hier singe!

Dies sei die Legende des Varr Tryant,
Skalde und Waffenbruder wurd er genannt,
er lebte sein Leben in vollen Zügen,
von Brettern fressen und Met in gewalt'gen Krügen,
Varr war ein Erzähler der alten Weisen,
möge sein Geist gen Anundraf nun reisen!


Er führte den Takt mit grossem Geschick,
sang von Ehre und Stolz, Glück und Trauer.
War für Mut und Vertrauen ein steter Erbauer,
bis rahaler Abschaum brach ihm das Genick.
In seinen Augen brannte bis zum Ende die Ehre,
als man ihn feige von hinten erschlug.
Auch der Feind, der seinen Stolz nicht ertrug,
Kanns nicht erreichen, das man ihm die letzte Feier verwehre!


Dies sei die Legende des Varr Tryant,
Skalde und Waffenbruder wurd er genannt,
er lebte sein Leben in vollen Zügen,
von Brettern fressen und Met in gewalt'gen Krügen,
Varr war ein Erzähler der alten Weisen,
möge sein Geist gen Anundraf nun reisen!


Er starb im Kampf gegen den Feind,
besser kann man bei den Thyren nicht sterben.
Seine Gesänge werden ewig weiterleben,
mit seinen Ahnen sei er nun vereint.
So soll man für immer des Varr Tryant gedenken,
seine Taten und seine Ehre besingen.
Die Hörner sollen für ihn erklingen,
wenn wir abends beisammen den Met einschenken!

Dies sei die Legende des Varr Tryant,
Skalde und Waffenbruder wurd er genannt,
er lebte sein Leben in vollen Zügen,
von Brettern fressen und Met in gewalt'gen Krügen,
Varr war ein Erzähler der alten Weisen,
möge sein Geist gen Anundraf nun reisen!



Dies sei die Legende des Varr Tryant,
Skalde und Waffenbruder wurd er genannt,
Möge er nun seine Lieder in Anundraf singen,
Laut soll seine Stimme durch die dortigen Hallen klingen.
Auf das er dort zum ewigen Feste verkehre,
Varr Tryant, wir rufen dir zu: Stolz und Ehre!


Gefaltet wird es abgeschickt gen Wulfgard.

Verfasst: Montag 25. Mai 2015, 19:58
von Gast
Erneut dieser Traum. Wie jede Nacht mittlerweile verfolgte sie dieser Traum. Jedesmal erwachte sie schweissgebadet und suchte im Zimmer nach dem Mann.War er nur ein Hirngespinst? Würde er ihr irgendwann tatsächlich begegen? In ihren Gedanken hing noch immer dieses dunkle Lachen während sie den Traum nochmal vor ihrem inneren Auge aufrief.

Traummann

Deine Blicke ich drängend auf mir spüre,
dunkel, die Augen, wie Mocca so braun,
wenn mein Cousin jemals von Dir erführe,
könnten sie mich nie wieder anschaun.

Deine Lippen, wie Zimt die Farbe,
die Haut so warm, wenn ich mich dagegen schmiege,
das Antlitz entstellt keine einzige Narbe,
von edelster Herkunft, sprechen Deine Züge.



Ich sah Dich vor mir – erst letzte Nacht!
Du bist von Eluive für mich gemacht.
Ich griff nach Dir in dieser Nacht...

und daran bin ich - aufgewacht!



Du hast gelacht – Deine Zähne so weiss,
hast mich umrundet, mich begehrend betrachtet,
ich sah zu Dir auf, ganz nach Deinem Geheiß,
hast Dich mir genähert, alle Regeln missachtend.

Ich fragte mich, wie Du Dich wohl anfühlst,
wie es gar wäre, wenn ich in Deine Arme sänke,
wenn Du es tust – mir meine Tugend stiehlst,
das lässt mich taumeln, wie beim Genuss berauschender Tränke.



Ich wollte Dir nah sein – diese Nacht!
Als allein der Mond über mich gewacht.
Beugte mich für einen Kuss ganz sacht...

und dann bin ich seufzend – aufgewacht!


Oh wehe mir – ich liess den Schleier sinken,
flog Dir entgegen – Du ludest mich ein,
dafür könnte mir glatt der Ehrverlust winken,
und doch – dann wär ich für immer Dein.

Fast konnte ich Deine Fingerspitzen fühlen,
Deine Wange an meiner, die Hitze im Bauch,
Hande, die sich in meine Haare wühlen,
Du müsstet mit Ehe dafür zahlen, so lautet der Brauch.



Ich wollt mich Dir schenken – heute Nacht!
Du hast mich um den Verstand gebracht.
Wir wären geflohen – und ich hätts wirklich gemacht!

Doch – dann bin ich ja aufgewacht!

Wie konnte ein Traum mich soweit bringen?
Konnte ein Trugbild mein Schicksal bestimmen?
Gibt es wirklich den Einen, der mein Herz einfängt?
Wird sein Griff es sein, der meine Haut versengt?
Umwirbt er – oder verführt er mich?
Das Ergebnis wär dasselbe – der Preis bin ich.
Ist er ein Krieger oder ein Kaufmannssohn?
Was frag ich mich das? Das ist doch blanker Hohn!

Ich hab Dich gefunden – vergangene Nacht!
Davor habe ich mir nie Gedanken gemacht.
Vielleicht seh ich Dich wieder – kommende Nacht!
Und verlier dich – wenn ich dann aufgewacht!


Eine Körperwäsche später ging sie die Treppen zum Tisch des Hauses hinab. Sank neben dem Stofflama in die Knie. Genauso eines hatte Nahlah gestern bunt bestickt. Nahlah....mitfühlend dachte sie daran das deren Cousine Eshaty nun im Tempel aufgebart sein müsste. Der Tempel ein wirklich begnadeter Ort der Ruhe. Ganz von allein gingen ihre Gedanken zu dem Gebäude hinauf...

Tempel Eluives

Steiler Pfad gen der Tränen Spitze,
dort wo ihr heiliges Haus sitze.
Güldener Tempel, wärmendes Haus.
Erdige Farben den Vorplatz umgeben,
zum Waschen wird man das Schuhwerk ablegen.
Güldener Tempel, gesegnetes Haus.


Zum Schutze zwei Männer davor stehen,
in jedglicher Kleidung sie nach Waffen sehen.
Prächtiger Tempel, Ort der Stille.
Man betritt das Haus Eluives ohne Rang,
kühl und erfrischend ist der Gang.
Prächtiger Tempel, hier herrscht Mutters Wille.


Die Farbe des Nachthimmels bedeckt den Boden,
güldene Teppiche darauf, meisterlich gewoben.
Herrlicher Tempel, von der Mutter gesegnet.
Samtige Kissen, laden ein zu verweiln,
gerne sinkt man darauf beim Gebete ein.
Herrlicher Tempel, man ihrer Gnade begegnet.


Ihr Bildnis begrüsst morgens die Sonne,
erhöht blickt es auf gläubige Kinder mit Wonne.
Strahlender Tempel, gefühlvoller Ort.
Man vereint darin Trauer, Freude und tiefste Demut,
schönste Zeremonien und deren Ausschlaggebung.
Strahlender Tempel, hier gilt Mutters Wort.


Unter ihren Füssen, ein Schatz sei verwart,
Gemächer und Schriften, in jeglicher Art.
Eluives Tempel, Heimstatt aller die glauben.
Ich bin hier gern, gewogen in Mutters Schutze,
alle sind gleich, keiner ist mehr als andere nutze.
Eluives Tempel, niemand wird uns ihre Liebe rauben.



Dann machte sie sich daran die Tiere zu versorgen ehe sie ihre verschiedenen Aufgaben bei Familie erledigen wollte und beim Basar wollte sie ja auch noch vorbei. Schmunzelnd fingen ihre Augen den Kaktus vorm Haus ein und sie konnte nicht umhin ihren alten Kinderreim fröhlich zu singen.

Eine Burg im Sand

Eine Festung entwuchs dem Wüstensand,

- so seh ich es -

mit einer Wehr aus feinen Klingen,

- so scheint es -

hat von der Sonne verbrannte Mauern ganz rauh,

- so ist es -

mit dem lebenswichtigen Quelle innen,

- dort rinnt es -

auf ihren Zinnen, die schönsten Blüten des Landes,

- seht ihr es -

sie duften betörend und locken Mut'ge an,

- wer wagt es -

Kennt nun jemand diese Burg im Sand?

- sagt was ist es -


Lachend gab sie sich selber die Antwort: Der Kaktus seis!

Dann machte sie sich ohne weiteren Verzug ans Tagwerk.

Verfasst: Mittwoch 18. Mai 2016, 03:48
von Gast
Samir war weg, Saajid schien sie zu hassen, alles wovor sie versucht hatte zu fliehen hatte sie schlussendlich doch eingeholt. Die Luft fehlte ihr zum Atmen, ihr dürstete nach der Wärme des Rudels. Doch viel Wärme hatte es heute Abend nicht gegeben. Erstickt schluchzend begann sie die Gefühle zu Papier zu bringen, welche sie nun bedrängten.


Die Herzblüte und die Schlingpflanze

Ein starker Busch spross aus dem Sand,
Gebor'n in einem gar unwirtlichen Land.
Entbehrungsreich wuchs er empor,
Schwitzte, kämpfte,hungerte, fror.
Ein kleines Körnchen getragen vom Wind,
Setzte sich fest in des Busches Rind'.



Rasend schnell wächst der Parasit heran,
Genährt, behütet, wie des Busches Arm,
Schlingt seinen Körper um des Leibes warm,
Erstickt seinen Wirt quälend langsam.


Das Samenkorn wuchs mit dem Busch,
Forderte Liebe, saugte die selbe Luft.
Ein zarter Trieb wuchs mit dem andren heran,
Entwickelte sich in der Sonne Wärm'.
Ein Knospe des Busches schob sich hervor,
Eine Blüte zart mit herzförmigem Dekor.



Rasend schnell wächst der Parasit heran,
Genährt, behütet, wie des Busches Arm,
Schlingt seinen Körper um des Leibes warm,
Erstickt seinen Wirt quälend langsam.


Auch der Schlinger wuchs in des Busches Kraft,
Er gedieh und neidet der Blüte den Saft.
Begann sich langsam um sie zu winden,
Immer darauf achtend sich an sie zu binden.
Wuchs die Knospe ein Stück brauchte der Schlinger mehr,
Jedes Quentchen Kraft, jedes Glück wollt er so sehr.



Rasend schnell wächst der Parasit heran,
Genährt, behütet, wie des Busches Arm,
Schlingt seinen Körper um des Leibes warm,
Erstickt seinen Wirt quälend langsam.



In einem letzten Aufbäumen schob sie sich empor,
Erblühte so bezaubernd und stach hervor.
Sie wurde von allen geliebt und bewundert,
Die Schlinge hatte sie bereits umrundet.
Blütenblätter segelten wie Tränen herab,
Als sie, erwürgt von dem Schlinger, schliesslich starb.



Rasend schnell wächst der Parasit heran,
Genährt, behütet, wie des Busches Arm,
Schlingt seinen Körper um des Leibes warm,
Erstickt seinen Wirt quälend langsam.



Zuspät bemerkte der Busch die Hinterlist,
Die zarte Blüte wurde erst gar nicht vermisst.
Dann wurde er umschlungen im eisernen Griff,
Gedrückt wie ein Schiff von der Welle ans Riff.
Kaum liess der Schlinger ihm Luft zum Atmen,
Der Busch darbte dahin - das Ende erwartend.



Wie ein Teil des Busches wuchs der Parasit heran,
Erstickte Knospen und Triebe quälend langsam,
Der Herzblütenbusch geboren in des Sandes Warm',
Starb in den trügerischen Schlingpflanzenarm'n.


Hatten sie die Schlinge heute Abend wirklich gelöst? Sie wischte einen salzigen Tropfen vom Rand des Pergamentes. Bei Eluive sie hoffte für den starken Busch, der das Rudel darstellte.