Todgesagte leben länger
Verfasst: Montag 4. Mai 2015, 18:15
Am Tage, da der Tod an deine Pforte klopft,
was wirst du ihm denn bieten?
Sucht man das Glück, wird man das Pech anziehen. Vielleicht war doch etwas Wahres daran, was der Volksmund so spricht. Immerhin kam er nun vom Regen in die Traufe und wohl noch ein ganzes Stück weiter.
Das Meer war still, unter der Handvoll Bretter, auf denen er nun Zuflucht gefunden hatte. Das stille Meer. Was auch immer das Schiff zum kentern brachte, es möge auf ewig verflucht sein. Und verflucht sei sein Leichtsinn, dass er so einfach mit dem Leben davon kommen würde, wenn er aus dem Dienst desertieren würde.
Verflucht sein all die Gedanken an Friede, Freiheit und ein Glückliches Leben bis an das Ende seiner Tage. Verflucht sei er selbst für seine Torheit. Er sollte es doch besser wissen.
Verflucht seien die zehn Jahre Dienst als Soldat, verflucht all die Gefallenen, die in seinem Kopf umher spukten und ihn Nacht für Nacht verhöhnten. Verflucht die hohen Offiziere, mit ihren mörderischen Befehlen, wären sie sich in der Etappe den Hintern breit saßen.
Verflucht seien all die Nächte, in denen er zu schwach war, nein zu sagen. In denen er zu schwach war, einfach die Waffen nieder zu legen und zu gehen. Verflucht seien auch all die Tage, in deinen er einfach weiter machte mit seinem grausamen Handwerk.
Verflucht seien die letzten zehn Tage, in denen er nur marschierte, um weg zu kommen. Weit weg, von all dem Graus, dem Mord, dem Elend. Verflucht die Blasen an seinen Füßen, die nun im Salzwasser noch mehr brannten. Verflucht, das letzte bisschen Eitelkeit, dass in ihm schlummerte.
Verflucht sei er selbst, für Feigheit, Mut, Demut, Reue, Angst und Wut.
Ach, meines Lebens voll’ Gefäß werd’ meinem Gast ich reichen;
nie werd’ ich ihn mit leeren Händen gehen lassen.
Nun saß er hier, allein, verlassen, hilflos, inmitten des pechschwarzen Nichts. Kein Geräusch mehr, kein Schrei, kein schlagen auf Wasser, kein Ruf. Stille. Nichts Schrecklicheres gab es auf der Welt, als das nichts der Stille.
Das Schiff, die Morgenröte, gekentert bei ruhiger See. Des Nachts, als alles schlief, des nachts, als keiner wachte, des nachts, als es keiner ahnte.
Wie viele Seelen auch immer verloren gegangen sein mögen, es war ihm egal. Wie viele Seelen nun nach Rettung bangten, es war ihm einerlei. Wie viele Seelen vor Schmerzen das Dunkel der Nacht anschrien, es kümmerte ihn nicht. Denn seine Welt war beschränkt auf die Handvoll Planken, auf denen er hockte.
Das letzte bisschen Licht, welches die kleine Sichel des Mondes zaghaft spendete, vermochte kaum einen Schritt um ihn herum für ein wenig Licht zu sorgen. Aber was sollte er auch erkennen? Wasser? Und endlich viel Wasser! Nichts als Wasser! Und auf diesem unendlichen Meer ein kleiner Haufen Elend, dass nichts tun konnte, als vor sich hin zu treiben und auf seinen sicheren Tod zu warten.
Warten. Elendes Warten. Elendes langes Warten. Unendliche Qualen des Wartens. Unendliche Qualen des Wartens inmitten der Stille.
Man sagte zu ihm immer, lass die Hoffnung nicht fahren. Denn wenn du alles verloren hast, die Hoffnung bleibt dir bis zum Schluss. Aber worauf sollte er hier hoffen? Auf ein anderes Schiff? Auf Land? Eine Meerjungfrau, die ihn errettete?
Hier Draußen gab es keine Hoffnung, auf die man bauen konnte. Das einzige, was hier wirklich sicher war, ist der Tod. Und er bat darum, flehte, dass er sich beeilen mag und ihn schnell holen kam. Möge er ihn rasch holen kommen.
Denn zuckersüß erscheint der Tod, wenn man alle Hoffnung hat fahren lassen.
Die ganze süße Lese meiner Herbstestag’ und Sommernächte,
all dies, was ich in meinem Leben hab’ erworben und geerntet,
stelle ich ihm bereit am Ende meiner Tage,
an dem der Tod an meine Pforte klopft.
was wirst du ihm denn bieten?
Sucht man das Glück, wird man das Pech anziehen. Vielleicht war doch etwas Wahres daran, was der Volksmund so spricht. Immerhin kam er nun vom Regen in die Traufe und wohl noch ein ganzes Stück weiter.
Das Meer war still, unter der Handvoll Bretter, auf denen er nun Zuflucht gefunden hatte. Das stille Meer. Was auch immer das Schiff zum kentern brachte, es möge auf ewig verflucht sein. Und verflucht sei sein Leichtsinn, dass er so einfach mit dem Leben davon kommen würde, wenn er aus dem Dienst desertieren würde.
Verflucht sein all die Gedanken an Friede, Freiheit und ein Glückliches Leben bis an das Ende seiner Tage. Verflucht sei er selbst für seine Torheit. Er sollte es doch besser wissen.
Verflucht seien die zehn Jahre Dienst als Soldat, verflucht all die Gefallenen, die in seinem Kopf umher spukten und ihn Nacht für Nacht verhöhnten. Verflucht die hohen Offiziere, mit ihren mörderischen Befehlen, wären sie sich in der Etappe den Hintern breit saßen.
Verflucht seien all die Nächte, in denen er zu schwach war, nein zu sagen. In denen er zu schwach war, einfach die Waffen nieder zu legen und zu gehen. Verflucht seien auch all die Tage, in deinen er einfach weiter machte mit seinem grausamen Handwerk.
Verflucht seien die letzten zehn Tage, in denen er nur marschierte, um weg zu kommen. Weit weg, von all dem Graus, dem Mord, dem Elend. Verflucht die Blasen an seinen Füßen, die nun im Salzwasser noch mehr brannten. Verflucht, das letzte bisschen Eitelkeit, dass in ihm schlummerte.
Verflucht sei er selbst, für Feigheit, Mut, Demut, Reue, Angst und Wut.
Ach, meines Lebens voll’ Gefäß werd’ meinem Gast ich reichen;
nie werd’ ich ihn mit leeren Händen gehen lassen.
Nun saß er hier, allein, verlassen, hilflos, inmitten des pechschwarzen Nichts. Kein Geräusch mehr, kein Schrei, kein schlagen auf Wasser, kein Ruf. Stille. Nichts Schrecklicheres gab es auf der Welt, als das nichts der Stille.
Das Schiff, die Morgenröte, gekentert bei ruhiger See. Des Nachts, als alles schlief, des nachts, als keiner wachte, des nachts, als es keiner ahnte.
Wie viele Seelen auch immer verloren gegangen sein mögen, es war ihm egal. Wie viele Seelen nun nach Rettung bangten, es war ihm einerlei. Wie viele Seelen vor Schmerzen das Dunkel der Nacht anschrien, es kümmerte ihn nicht. Denn seine Welt war beschränkt auf die Handvoll Planken, auf denen er hockte.
Das letzte bisschen Licht, welches die kleine Sichel des Mondes zaghaft spendete, vermochte kaum einen Schritt um ihn herum für ein wenig Licht zu sorgen. Aber was sollte er auch erkennen? Wasser? Und endlich viel Wasser! Nichts als Wasser! Und auf diesem unendlichen Meer ein kleiner Haufen Elend, dass nichts tun konnte, als vor sich hin zu treiben und auf seinen sicheren Tod zu warten.
Warten. Elendes Warten. Elendes langes Warten. Unendliche Qualen des Wartens. Unendliche Qualen des Wartens inmitten der Stille.
Man sagte zu ihm immer, lass die Hoffnung nicht fahren. Denn wenn du alles verloren hast, die Hoffnung bleibt dir bis zum Schluss. Aber worauf sollte er hier hoffen? Auf ein anderes Schiff? Auf Land? Eine Meerjungfrau, die ihn errettete?
Hier Draußen gab es keine Hoffnung, auf die man bauen konnte. Das einzige, was hier wirklich sicher war, ist der Tod. Und er bat darum, flehte, dass er sich beeilen mag und ihn schnell holen kam. Möge er ihn rasch holen kommen.
Denn zuckersüß erscheint der Tod, wenn man alle Hoffnung hat fahren lassen.
Die ganze süße Lese meiner Herbstestag’ und Sommernächte,
all dies, was ich in meinem Leben hab’ erworben und geerntet,
stelle ich ihm bereit am Ende meiner Tage,
an dem der Tod an meine Pforte klopft.