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Wie ein Rabendiener die Zeit verbringt

Verfasst: Montag 13. April 2015, 00:40
von Christo
Ruhig wanderte die Hand des Rabendieners über den kalten Steine der Grabkammerwände, während er langsam und sinierend in der Nacht die Stufen herrab ging. Die erfrischende Kälte ließ bereits etwas nach, passte sich dem Frühjahr nun wenigstens etwas an. Es würde hier unten natürlich nie _warm_ sein, doch es war eine relative Sache.

Relativ...
Relativ gut war das Gespräch mit Rahals Vertreterin gelaufen, die Ritterin war äußerst zuvorkommend gewesen und hatte in Fames einen guten Brocken Glauben hinterlassen. Er glaubte nun wirklich daran das die Rabendiener eine Chance auf Stärke hatten.

Stärke...
Die Hand welche nicht weiter an der Wand entglang glitt fuhr sich an die Brust, strich durch das Wolfsfell aus dem seine Robe zu bestehen schien. Ein sichtbarer Beweiss der Stärke und der Erfahrung war sie und ein Zeichen seiner Lust an steigender Macht. Sicher, mit einem Bund zwischen Raben und Rahalern würde auch er tendenziel etwas an Macht gewinnen aber... er wollte etwas eigenes erlangen und das vor dem Bund.


Seine Hand lösste sich vom Stein, als er die Augen schließend langsam über den Abgrund schritt. Dieses Gefühl war dem Fliegen so nah das er kurz schauderte, da dies für seine menschliche Gestalt nicht gewohnt war. Erst als er über den Ton seines Atems wieder das patschen seiner Schuhe auf Stein höhren konnte öffnete er langsam wieder die Augen.

Langsam aber bestimmt ging er auf den Kerzenschrein vor ihm zu und ein Lächeln begann sich unter der Kapuze auf seine Lippen zu legen. Er hatte mitlerweile ein gutes Gefühl dafür welche Kerze für ihn stand, sie hatte nämlich etwas vertrautes an sich, das er nicht einzuordnen vermochte, doch den anderen flackernden Lichtspendern fehlte.


Mit seiner Kerze vor sich schloss er wieder die Augen und begann leise zu summen, in Gedanken zu beten, Krathor um Rat zu fragen.

Der Rabe mochte ihm niemals mehr so deutlich erscheinen wie damals auf dem Opferaltar, doch ein fester Glaube und ein offenes Herz für seinen Gott würden sicherlich _gute_ Geister anlocken die ihm zuflüstern würden. Oder aber... im Lauschen und verstricken ergab sich etwas aus dem Wispern der Grabkammer, welche niemals totenstill zu sein schien, egal wie leer sie war.

Sich auf der Stelle hin und her wiegend vergingen Momente... Minuten... Stunden... ? In seinen Gedanken durchschweifte er fliegend die Wälder, Ebenen, Städte und Berge. Hier und da blieben seine Gedanken hängen, dort an einer Straße die in den Wald führte, fünf Personen die in seiner Erinnerung auftauchten. Dort etwas weiter, von einer nichtmehr stehenden Holzmauer schreiend weitere Personen, eine davon später weniger druchscheinend in seiner Erinnerung, frischer.

Immer wieder jedoch, egal wie sehr er sich davon abzulenken versuchte sah er die Stadt vor sich, diese große Stadt, diese schöne Stadt.. diese mit Eidbrechern und Ignoranten gefüllte Stadt. Adoran.

Vor seinen Augen wandelte sich die Stadt nicht, die Schilder an den Häusern wurden jedoch im nicht vorhandenen Wind der Zeit hin und her geschwenkt, stehts mit anderem Namen versehen. Wachmänner grüßten ihn, betrachten ihn dann neugirig, jagten ihn dann und dann wieder grüßten oder betrachteten sie ihn wieder nur. Rekruten...Gardisten... Oberste...Ritter... Magier...sie alle waren im Wandel, die Farben mochten gleich bleiben, die Titel jedoch verwoben sich und hinterließen Spuren des Lobs. Wie...

Fames viel zur Seite und landete mit dem Kopf hart auf dem Stein, seine Augen zuckten etwas, sein Atem ging schneller, aufgeregter und musste sich erstmal fangen. Bevor er sich aufrichtete...lachte er kurz...schmunzelte lang... und grinste noch als er wieder auf den Knien in die Kerzenflamme blickte.

Krathor mochte Seelen verschlingen, doch nicht das Allein konnte er tun. Fames war ein Diener seines Herren, doch war es nicht auch ein Dienst _andere_ seiner Diener zu stärken ? So war der Entschluss nun gefallen womit er sich ein weiteres Mal nach persönlichem Ansehen recken konnte.. und sinierend mit den Fingern über seine Flamme gleitend raunte er.

"Wie alt sie doch Alle geworden sind... Wie alt sie wohl werden können... Wie alt..."

Verfasst: Sonntag 26. April 2015, 22:11
von Christo
Den Kopf in den Nacken legen, um zu den Wolken aufzusehen? Warum nicht einmal so den Lauf der Welt beobachten? Weil es für einen, nein, diesen Rabendiener untypisch wäre, seine Pläne an einem anderen Ort auszuarbeiten und zu prüfen, als in seinem Heiligtum, seinem Haus.. seiner kleinen Bibliothek.

"Die Zeit ist eine Spanne die Menschen und alle lebenden Wesen für sich selbst erfassen, doch nur die Götter wahrlich zu verstehen vermögen, denke ich."


Ein schönes Ende für die Abhandlung und ausreichend vielsagend für spätere Leser dieses Werks. Alles, was er demnächst tun würde, hatte er hier niedergeschrieben, nachdem er es im kleinen ausprobiert hatte, wo es in großen Worten, in den Werken in der Grabkammer, nachzulesen gewesen war. Hier war es ein Werk mit dem Namen "Die Kurzlebigkeit der Menschen und das Sterben der Seele", in dem der Verfasser außerordentlich deutlich schrieb, wie sehr das Alter eines Menschens als Anker für die Seele im Leib zu sehen war. Dort war es ein Buch mit dem Titel "Blut, die wahre Quelle des Lebens", in dem nicht nur die verjüngende Wirkung in Tränken und Bädern erläutert wurde, sondern auch die Kraft des Blutes als Fluchträger. Zuletzt war ihm das unscheinbare Manuskript in die Hände gefallen, das eigentlich am wichtigsten war: "Symbole und ihre Fundorte in den Reichen".

"Den Feind kennen und Wissen über ihn haben, das ist der Wetzstein, der die Waffe, die wir gegen unserer Feinde führen, scharf hält."

Langsam wurde es Abend, das merkte er weniger am Licht, denn dies hatte hier unten grade einmal soviel Bedeutung, wie der Docht lang war, doch sein Magen begann sich zu melden. Vorsichtig nahm er die Reagenzien, die er bisher gesammelt hatte zur Seite und betrachtete dabei noch einmal die Liste.

- Alraune
- Knoblauch
- Blut der Jungfrau
- Blut des Greis
- Haar vom Buben
- Haar von der Vettel
- Knochenmehl
- gestampftes Saatgut
......

Gerade beim Anblick der Papiere die er für das Ritual benutzen würde, wurde ihm etwas schwer ums Herz, es waren einmal alte Worte auf altem Pergament und einmal jene Worte, die er erst vor kurzem verfasst hatte. Sie würden ebenso den Zeitwandel verbildlichen, wie auch alle Anderen Dinge auf dem Tische. Doch nun würde es wieder Zeit werden, dass er seine Geschwister einweihte, wiedermals würde er ihre Hilfe benötigen, doch.. diesmal würde er auch über Anderes reden können. So mit den Gedanken abdriftend trat er langsam die Stufen hinauf und aus dem versteckten Keller hinaus ins zittrige, schwache Kerzenlicht seiner Küche.

Ja ja... in der laufenden Woche würde er erfahren, welche Ernte er aus dem Gespräch mit der ritterlichen Diplomatin Rahals einbringen konnte... das allein war schon eine Sache von enormer Wichtigkeit für die Rabendiener .. und sich selbst als Übermittler zu sehen, hatte schon einen gewissen Reiz. Vorsichtig suchte er nach den gebratenen Fingern... immernoch seine Lieblingsspeise... die er in einer der verschlossenen Kästchen zu finden hoffte. Bei der Suche fiel ihm lediglich auf, dass er seine Wohnstätte ziemlich vernachlässigte, da er in letzter Zeit sich viel mehr mit der Zeit beschäftigte, als mit dem sinnvollen Nutzen jener. Als er sein Abendmahl schließlich gefunden hatte, stellte er auch hier fest das es seine letzten waren und leise seufzte er.

"Zeit einmal wieder zu jagen....verdammtes Wort!"