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Das Geheimnis des Blutes

Verfasst: Samstag 18. März 2006, 19:20
von Rika von Gryffenhorst
Hell schien der Vollmond über den Balkon und hinein in das Zimmer der Freiin von Gryffenhorst, beleuchtete dort mit seinem milden Licht einen kräftigen jungen Mann, dem eine Strähne seines blonden Haares in das leicht gebräunte Gesicht fiel, als er sich nun im Schlaf leise regte. Behutsam umschlossen die starken Arme die fragil wirkende Person neben ihm und nur sein regelmäßiger Atem verriet, daß er weiterhin tief und fest schlief.
Rika schlug die Augen auf und ein warmes Lächeln glitt über ihre Züge, als er sie von neuem an sich zog. Eine Weile verharrte sie noch still in seinem Arm, dann löste sie sich langsam und behutsam von ihm, griff nach dem Morgenmantel, den sie vor ein paar Stunden achtlos neben dem Bett zu Boden hatte gleiten lassen und erhob sich.

Es war kurz vor Mitternacht und damit an der Zeit, die Untersuchung zu beenden.

Vor ein paar Tagen schon hatte sie die Gardistin Darna von Elbenau zum Aderlaß gebeten und mit eben jenem Blut galt es nun, das letzte Ritual zu beginnen. Punkt Mitternacht.
Ein seltsamer Fall war das – eine offenbar gesunde, junge und tatkräftige Frau, die in der letzten Zeit ihre Nähe zu suchen schien. Eine Nähe, die Rika gerne angenommen hatte und wobei sie recht bald bemerkt hatte, daß es der jungen Frau um mehr ging, als Schminke und Frisuren für einen Ballbesuch, der ihr ohnehin Grauen einflößte. Da war noch etwas anderes und letztendlich war sie doch noch mit der Sprache herausgerückt.
Anfälle hätte sie....
Der Fall erweckte Rikas Ehrgeiz.
Nicht nur, daß sie Darna zugetan war, es heimlich genoß, eine Frau um sich zu haben, der sie die Geheimnisse der weiblichen Schönheit anvertrauen konnte. Dieses Krankheitsbild war mehr, als einen verstauchten Fuß zu behandeln, eine Wunde zu schließen – auch etwas anderes, als einem Kind auf die Welt zu helfen. Hier ging es um etwas anderes, etwas, was nicht nur körperlich war. Und sie würde es finden.

Im Labor angekommen, entzündete sie die Laternen an den Wänden und ging dann hinüber zu der eisernen Schüssel, in der sie eine nicht unbeachtliche Menge von Darnas Blut aufgefangen hatte. Einiges davon hatte sie schon verbraucht, einen Teil gleich, als es noch warm war, einen Teil später, als sich dieser ganz spezielle Saft abgekühlt hatte. Einen dritten Teil, nachdem das Blut über Nacht gestanden hatte, einen vierten, nachdem es von der Sonne beschienen worden war. Heute Nacht, um Mitternacht bei Vollmond, würde sie den fünften Teil verbrauchen.
Rika ging hinüber zu ihren Notizen.
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Darna von Elbenau
21 Jahre
Geboren im Sternzeichen des Widders
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Aktivste Zeit nach eigener Aussage: morgens
Eigene Beobachtung: Fr. v. Elbenau suchte mich meist abends auf
Wesen: Übermäßig diszipliniert und ruhig, dabei fleißig (Randnotiz: Habe sie nie lächeln oder gar lachen sehen)
Krankheiten: nicht feststellbar

Alle vier Säfte wirken auf den ersten Blick sehr ausgewogen – es dürfte keinerlei Störung der Befindlichkeit vorliegen.
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Rika legte die Notizen beiseite und warf der Schüssel mit dem Blut einen enervierenden Blick zu. Oberflächlich alles in bester Ordnung. Oberflächlich. Spiegelglatt. Kein Einblick in die Tiefe. Genauso wie ihre Patientin selbst.

Verfasst: Samstag 18. März 2006, 21:03
von Rika von Gryffenhorst
Kurze Zeit später zischte es leise vor sich hin, als vier Glasphiolen – eine schwarz, eine gelb, eine grün und eine rot getönt – über den unterschiedlichsten Kerzenflammen hingen, deren Dochte auf ein genau abgemessenes unterschiedliches Maß gekürzt waren. Die eine Flamme brannte höher, die andere weniger hoch und Rika achtete peinlichst darauf, rechtzeitig die Dochte wieder auf ihre angestammte Länge hin zu kürzen. In den Phiolen befand sich Darnas Blut. Bis genau 1 Uhr würden die Blutproben zu kochen beginnen.

Kurz vor eins begann das Blut zu sieden. Hochkonzentriert arbeitete Rika weiter, zerstampfte und zerhackte mit fliegenden Händen drei Nachtschattenblätter, die sie zuvor an der Sonne getrocknet hatte, dazu zwei Hüte von Fliegenpilzen kurz vor dem Zerfall, genau fünf Alraunenwurzeln, die in Tongefäßen gewachsen waren und zu guter letzt vier kleine Prisen Vulkanasche, die ihr Bruder aus dem Fell eines Höllenhundes gestrichen hatte. Draußen wehte der Wind den Glockenschlag herüber, als Rika genau zur rechten Zeit die Ingredenzien in den Sud warf....
Einen Moment noch beleuchtete das flackernde Licht das glühende Gesicht der Heilerin, dann schien für einen Bruchteil alles zu erstarren – mit einem lauten Knall zerbarst die rote Phiole, ihr Inhalt spritze über den Tisch, die Wände hinauf, bis an die Decke, dann hüllte dunkler Rauch das Labor in Finsternis.

Verfasst: Samstag 18. März 2006, 22:07
von Rika von Gryffenhorst
Hustend machte sich Rika an einer der Laternen zu schaffen, um damit fortzufahren, Licht ins Dunkel zu bringen. Als schließlich auch der Rest der Lichtspender wieder brannte, räumte sie ein paar Scherben von ihrem Hocker und ließ sich dann vor dem Labortisch nieder.
Nein, das hatte sie nun in der Tat nicht erwartet.
Noch stutziger machte sie die Tatsache, daß sie aus einer weiteren Scherbe, an der eigentlich noch Blut hätte kleben müssen, eine rote Substanz herausstreichen konnte, die ihr wie Staub unter den Fingern zerbröselte.
„Faszinierend,“ entfuhr es Rika.
Erwartet hätte sie eigentlich eine zähe Masse.

Sie legte die Scherbe beiseite und griff nach ihrem Notizblatt. Als sie es hoch hielt, rieselten die Blutflecken so trocken und fein wie Staub von ihrem Pergament herunter. Nachdenklich verrieb sie etwas von dem Blutstaub zwischen Daumen und Mittelfinger, dann griff sie nach der Feder.

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Geboren im Sternbild des Widders – Blut müßte der vorherrschende Saft sein.
Durch Mitternächtliches Großes Ritual nach „5 in 1 in 5“ definitiv nicht der Fall.
Blut zerfällt zu Staub, bestätigt damit vorherige Ergebnisse als anfälligster Saft.

*es entstand ein Klecks, als Rika gedankenversunken zu lange auf die Feder drückte*

Neue Reaktion, bisher nur bekannt bei falsch eingestuften Elementaristen. (Randnotiz: Feuer)
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Rika legte die Feder beiseite und griff nach der gelben Phiole, drehte sie etwas im Licht und hob erneut eine Augenbraue. Dann nahm sie die grüne dazu, drehte sie ebenfalls im Licht und hielt sie schließlich neben das gelbe Glasgefäß. Tatsächlich, der Sud in der gelben Phiole war dünnflüssiger geblieben.

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Notiz: Gelbe Galle erstaunlich stark ausgeprägt.
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Rasch räumte sie einen kleinen Teil des Tisches frei, in dem sie die Scherben achtlos zur Seite wischte und griff nach einer weiteren, diesmal völlig neutralen Kerze, um sowohl die gelbe als auch die grüne Phiole noch einmal zu erhitzen.
Als sich beide Flüssigkeiten dem Siedepunkt näherten, füllte sie den Inhalt der Phiolen in einen größeren Kolben um. Beides gleichzeitig, beides aus der gleichen Höhe.
Und diesmal bestätigte sich ihr Verdacht. Jede Flüssigkeit blieb auf der Seite des Kolbens, auf der sie eingefüllt worden war.

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Prüfe Gelbe Galle gegen Schleim, erwartete Reaktion tritt ein.
Beide Säfte lassen sich nicht vermischen.
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Behutsam stellte Rika den Kolben beiseite und blies die Kerze aus.
Der nächste Blick galt der schwarzen Phiole, auch sie wurde ins Licht gehalten und geschwenkt, doch schon recht bald wieder an ihrem Platz abgestellt.

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Notiz Schwarze Galle: Keine Auffälligkeiten.
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Dann setzte sie einen Strich unter das eben geschriebene und langsam formten sich Wort für Wort, brachten Beobachtungen und Fakten zusammen, unterstrichen das eine und strichen anderes wieder komplett durch, bis schließlich zu lesen war:

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Zusammenfassung:

Darna von Elbenau
21 Jahre
Geboren im Sternzeichen des Widders

Obwohl Frau von Elbenau im Sternzeichen des Widders geboren wurde, ist das Blut nicht ihr vorherrschender Saft sondern weißt erhebliche Schwächen auf und zerbröselt sogar nach Explosion im Mitternächtlichen Großen Ritual nach „5 in 1 in 5“ zu Staub.
Erstaunlich stark ausgeprägt ist die Gelbe Galle, die dazu frappierend gegen den Schleim steht. Der Choleriker steht also in erstaunlich heftiger Weise gegen den Phlegmatiker. Durch Beobachtungen, die ich bei Frau von Elbenau machen könnte, übersetze ich Phlegmatiker hier mit „vernunftgesteuert“.
Ein freies, vermutlich sogar recht hitziges Gefühlswesen steht hier wohl gegen eine harte Steuerung durch reine Vernunftgründe.
Schwarze Galle bleibt recht unbeeinflußt, gewinnt nur durch die Schwäche des Blutes etwas mehr an Gewicht.

Bemerkung: Es ist immer wieder das Blut, das Schwächen aufweist, die so nicht zu erwarten sind.
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Nachdenklich stand Rika auf und wanderte durch das Labor. Das Blut, immer wieder das Blut. Den Spritzer an der Wand konnte sie genauso abwischen, wie die Tropfen auf ihrem Pergament und zweifelnd betrachtete sie den roten Staub zwischen ihren Fingern.
„Magie vielleicht?“ schoß es ihr durch den Kopf. Hatte ihr Frau von Elbenau etwa verschwiegen, daß sie magisch begabt war?

Rasch setzte sie sich und begann, den nächsten Versuch vorzubereiten, doch sie brauchte dieses Experiment nicht einmal ganz bis zum Ende zu führen. Nein, magisch begabt war Darna von Elbenau mit Sicherheit nicht.

Verfasst: Samstag 18. März 2006, 22:56
von Raphael Casini
Mit einem Ruck saß er senkrecht im Bett. War das gerade ein Knall? Eine Explosion? Ein Blick neben sich und die kurze Hoffnung Rika noch da schlummern zu sehen folgten. Aber sie war nicht da. Mit einem Ruck rafft er die Bettdecke zurück und schnappte sich seine Hose. Wenn das wieder ein Attentat werden würde hätten sie diesmal aber nicht so leichtes Spiel. Der nächste Griff galt seinem Wurfmesser. Man weiß ja nie was einem da unten jetzt noch begegnen würde. Schließlich, mit Hose und Stiefeln bekleidet, stürmte er aus dem Schlafzimmer und die Treppe hinab. Alles ruhig. Ein kurzer Blick in alle Räume sagte ihm dass auch hier alles ruhig war. Dann blieb ja nur noch eine Möglichkeit. Der Keller. Aber wenn das aus dem Keller kam dann... Die und ihre Experimente! fluchte er leise vor sich hin. Wie oft hatte er schon gesagt er vertraue Magie nicht? Doch oft genug! Er riss die Tür auf und begann zu husten. Den Rauch abziehen zu lassen hielt er für die bessere Wahl. Musste man eben später lüften. Seit wann machst du dir denn über so etwas Gedanken? Du wirst zu häuslich. Mit diesem Gedanken noch im Kopf marschiert er die Treppe herunter, sein Blick wandert über das zerzauste Büro und bleibt auf Rika liegen. Was ist denn hier passiert? Alles in Ordnung bei dir?

Verfasst: Samstag 18. März 2006, 23:05
von Rika von Gryffenhorst
Gerade noch mit dem abschließenden Ordnen ihrer Pergamente beschäftigt, fuhr Rika erschrocken herum, als Raphael sie plötzlich von hinten ansprach.
"Raphael, meine Güte, hast du mich erschreckt!"
Dann deutete sie nur vage über ihre Apparaturen und den Scherbenhaufen auf dem Arbeitstisch.
"Untersuchungen," war alles, was sie mit einem Schulterzucken dazu sagte, bevor sie ihm ein etwas scheues Lächeln zuwarf und mit einem raschen Griff den Sitz ihres Morgenmantels wieder in Ordnung brachte.
Sie würde ihre Beobachtungen morgen auf dem Ball vertiefen können, fuhr es ihr noch durch den Kopf, dann stand sie auf und ging zu ihm hinüber.

Verfasst: Samstag 25. März 2006, 16:58
von Darna von Hohenfels
Es war der einsetzende Lärm vom Marktplatz, und nicht wie sonst üblich der erste Sonnenstrahl, der sie weckte. Ein wenig ruckartig fuhr sie hoch, hatte sie verschlafen?

Verwundert sah sie an sich herunter - sie hatte ihre Sachen noch an, nur die Stiefel ausgezogen. Neben ihrem Bett leises, tiefes Atmen eines Schlafenden... Aradan. Mit gehobener Braue musterte sie ihren Ritter, wie er auf einem herangezogenen Stuhl saß, die blonden Strähnen ins Gesicht gefallen, der Kopf nach vorne gesunken, die Arme noch in verschränkter Haltung. Neben seinem Stuhl stand eine flache Schüssel mit Wasser, ein Tuch hing über ihrer Bettlehne. Was war denn los?

Mühsam versuchte sie, sich an den gestrigen Abend zu erinnern, aber sie konnte nicht mehr nachvollziehen, wie sie hier hoch gekommen sein mochte.
Sie hatten zu Abend gegessen, Fischpfanne, das wusste sie noch.
Sie hatten dann darüber geredet, daß ihre Knappenzeit wohl bald zuende wäre... ihr war schmerzlich bewusst geworden, was das bedeuten würde. Trennung von diesem Haus, das ihr ein Zuhause geworden war. Auf eigenen Füßen stehen, selber das bestätigte Vorbild sein, zu dem sie erzogen worden war.
Sie wollte all dies gerne tun, und doch tat der Gedanke an eine seltsame Art von Abschied irgendwie weh. Wieder sah sie ihren Herrn an, sich leise bewegend, um ihn nicht zu wecken. Er musste lange wach gewesen sein, sich um sie gekümmert haben.
"Ich hatte nicht wieder so einen Anfall, oder?", dachte sie besorgt und stand sehr leise auf. Vergaß sie sowas jetzt etwa schon? Sie fühlte sich gut, eigentlich.
Stirnrunzelnd machte sie sich bereit, zum täglichen Morgengebet in die Kirche zu gehen. Alles normal. Aber mit Sicherheit war irgendwas geschehen, das nicht normal gewesen war.

"Ich werde es später sicher erfahren" - sie wollte ihn nicht wecken. Irgendwie tat es ihr leid, daß sie ihm wohl Sorgen gemacht haben musste. Also würde sie wie üblich wieder ihren Diensten nachkommen, das würde das Beste sein.