Junias Weg
Verfasst: Dienstag 24. März 2015, 14:35
Die Tiere. Sie musste sich um die Tiere kümmern. Wie lang lag sie nun schon hier? Es war so still. Nur ab und zu sah jemand nach ihr, wechselte die Verbände und verschwand. Sie war sich nicht sicher wer es war. Einer der Geweihten? Ein Heiler aus der Stadt? Sie wollte die Augen nicht aufmachen. Es war einfacher sie geschlossen zu halten. Ihr Kopf schmerzte und sie fror.
In Gedanken war sie bei ihrer Familie. Sie waren alle zusammen. Feoras war da, aber auch Eradis und Merwyn. Es war so wie früher auf dem Hof, wenn sie die Tische des Hauses zu einer langen Tafel im Obstgarten zusammen stellten und alle Freunde und Nachbarn zusammen kamen um gemeinsam zu essen und zu feiern. Da war es ganz egal ob es ein Geburtstag war oder eine Hochzeit, ein Feiertag im Namen Temoras oder einfach nur ein schöner Tag, den es sich zu feiern lohnte. Sie sah ihre füllige Mutter, wie sie die Platten und Schüsseln aus dem Haus trug, umtobt von den Hunden, die hofften etwas von den Speisen abzubekommen. Sie sah Eradis und Merwyn wie sie in brüderlicher Kabbelei Feoras neckten, der das wie so oft viel zu ernst nahm.
Sie sehnte sich so nach ihrem Zuhause. Doch das gab es nicht mehr. Ihre Eltern waren alt geworden, ihre Brüder aus dem Haus - bis auf den Ältesten, der den Hof bewirtschaftete und ihn eines Tages übernehmen sollte. Sie selbst hatte gehen müssen. Eine Anstellung finden.
Sie wachte im Halbdunkel auf. Sie war sich unsicher ob es Morgen oder Abend war. Es war so kalt hier und sie hatte das Gefühl, dass seit Ewigkeiten niemand mehr da war. Sie musste doch nach den Tieren sehen. Sie hatten kein Futter mehr.
Feoras war nicht da. Schon zwei Monde war er fort. Sie war allein. Die Tiere mussten doch versorgt werden. Wieso lag sie hier noch herum? Wenn sie doch nur nicht so müde gewesen wäre.
Sie war als Magd auf einen Hof gekommen, der einem alten Freund von ihrem Vater gehörte. Er war der Hofherr. Der Herr über Haus und Hof, Familie, Knechte und Mägde und auch das Vieh. Da gab es kein fröhliches Miteinander. Keine Feiern unter schwer beladenen Apfelbäumen. Es gab Arbeit. Sie machte sie gut und gern. Zwei Jahre lang als junges Mädchen. Noch nicht zur Frau erblüht. Die anderen Mägde und Knechte schimpften oft im Geheimen über den Herrn, doch ihr kam kein Wort über die Lippen. Sie würde ihrer Familie keine Schande bereiten, indem sie schlecht über ihren Herrn redete.
Bis zu der Zeit, als sie anfing zur Frau zu werden. Bis zu der Zeit, als er anfing sie als Frau zu betrachten. Erst waren es nur Blicke. Dann zufällige Berührungen, welche mit einem jovialen Lachen abgetan wurden. Und dann der Abend, als er ihr an die Röcke wollte. Sie lief fort. Sie lief einfach ohne irgendetwas fort. Nicht zu ihrer Familie, der sie Schande bereitet hatte, sondern zu Feoras. Weit fort. Bis nach Gerimor, wo er sich eine Schneiderei aufgebaut hatte. Ihr jüngster Bruder, der Bruder der ihr stets am nächsten gewesen war und der als erstes das Elternhaus verlassen hatte. Und er nahm sie auf.
Sie rappelte sich aus dem Bett auf. Wieso war es so schwer aufzustehen? Ihr schwindelte und ihr Kopf tat weh. Ihre Kleidung war zerknautscht und dreckig. Der Überfall. Schon wieder. Und Feoras war nicht da. Niemand war da. Bis auf den Geweihten, dem sie nun schon so sehr zur Last fiel. Schon wieder. SIe musste nach Hause und sich um die Tiere kümmern. Sie durfte seine Gutmütigkeit nicht ausnutzen. Auch wenn sie sich bei ihm so sicher fühlte, wie nirgends sonst.
Die Luft war kalt, als sie aus dem Klosteranbau trat. Ihre Beine trugen sie nur gerade so. Nach Hause. Der Gedanke beherrschte ihren Geist. Die Tiere. Lass den Herrn in Frieden. Er hat schon so viel getan.
Die ersten Wochen bei Feoras waren so schön gewesen. Sie hatte ihren Bruder wieder für sich. Er nahm sich Zeit. Er half ihr sich einzufinden. Sie kümmerte sich ein wenig um das Haus und er gings einer Arbeit als Schneider nach. Sie hätte nie gedacht dass er es so weit bringen würde. Eine eigene Schneiderei. Ein schönes Haus voller Freunde.
Einige schöne Wochen, bis er aufbrach. Zur Familie vielleicht und um Stoffe vom Festland zu besorgen. Eine neue Weberei zu besichtigen. Sie wusste es nicht genau. Aber er hatte sicher nicht vor gehabt Zwei Monde fort zu sein. Zwei Monde. Sie kannte doch kaum jemanden hier. Die Freunde von Feoras schienen auch wie vom Erdboden verschluckt. Wieso sollten sie auch kommen, wenn er nicht da war. Er war die Sonne, sie war der Mond. Nur blass neben ihm. Sie liebte ihn so sehr. Hoffentlich war ihm nichts zugestoßen.
Sie kümmerte sich um die Tiere und um das Haus. Um ihr kleines Feld und alles was so anfiel. Sie kratzte mit Mühe und Not die Miete zusammen und sah jeden Abend und jeden Morgen am Hafen aufs Meer hinaus und hoffte dass er bald wiederkäme.
Sie wusste nicht wie sie es nach Hause geschafft hatte. Ab und zu war es ihr schwarz vor Augen geworden. Die Menschen hatten sie komisch angesehen. Oder war da gar niemand gewesen, und es waren nur schwarze Schemen vor ihren Augen? Sie stolperte durchs Gartentor. Der Räuber. Er wusste wo sie wohnte. Sie würde nur kurz die Tiere versorgen. Nicht mehr. Nur die Tiere versorgen und sich dann hinlegen. In ihr Bett. In der kleinen Kammer neben der Küche. Wo Zoe schlief. Wenn sie da war. Sie war mit Feo gereist. Oder doch nicht? Sie wusste es nicht mehr.
Alles lief gut. Etwas einsam, aber gut. Sie arbeitete um sich abzulenken. Sie kam nicht leicht mit den Leuten ins Gespräch. Die meisten übersahen sie einfach wenn sie durch die Stadt hindurch zum Feld lief. Sie fand nicht den Mut jemanden anzusprechen. Und dann kam der Überfall. Der erste. Von da an ging alles durcheinander. Sie lernte Leute kennen, aber auf die falsche Art. Sie hatten Mitleid. Sie wollten helfen. Sie waren so gut. Und sie konnte nichts tun um es wieder gut zu machen. Besonders er half ihr. Der Geweihte. Ein gutes Stück älter als sie. Ein wenig wie ihr ältester Bruder. Aber doch nicht ganz. Er war da. Er gab ihr Sicherheit. Er hörte ihr zu. Sie konnte so wenig geben und er gab so viel. Sie war verwirrt. Suchte seine Gesellschaft und gleichzeitig plagte sie das schlechte Gewissen. Der Herr hatte so viel zu tun. Er ging den Pfad eines Geweihten. Sie war nur ein einfaches Mädchen. Er half, weil es seine Aufgabe war. Mehr nicht. Sicher nicht mehr.
Die Tiere bekamen frisches Futter. Sie stolperte ins Haus. Das Bett war so weich. Einfach nur schlafen. Bald würde es wieder gut sein. Oder sie fuhr nach Hause. Viellleicht war es das Beste. Nach Hause. Aber dann würde sie ihn nicht wiedersehen. Vielleicht war es das Beste. Aber erst einmal schlafen.
In Gedanken war sie bei ihrer Familie. Sie waren alle zusammen. Feoras war da, aber auch Eradis und Merwyn. Es war so wie früher auf dem Hof, wenn sie die Tische des Hauses zu einer langen Tafel im Obstgarten zusammen stellten und alle Freunde und Nachbarn zusammen kamen um gemeinsam zu essen und zu feiern. Da war es ganz egal ob es ein Geburtstag war oder eine Hochzeit, ein Feiertag im Namen Temoras oder einfach nur ein schöner Tag, den es sich zu feiern lohnte. Sie sah ihre füllige Mutter, wie sie die Platten und Schüsseln aus dem Haus trug, umtobt von den Hunden, die hofften etwas von den Speisen abzubekommen. Sie sah Eradis und Merwyn wie sie in brüderlicher Kabbelei Feoras neckten, der das wie so oft viel zu ernst nahm.
Sie sehnte sich so nach ihrem Zuhause. Doch das gab es nicht mehr. Ihre Eltern waren alt geworden, ihre Brüder aus dem Haus - bis auf den Ältesten, der den Hof bewirtschaftete und ihn eines Tages übernehmen sollte. Sie selbst hatte gehen müssen. Eine Anstellung finden.
Sie wachte im Halbdunkel auf. Sie war sich unsicher ob es Morgen oder Abend war. Es war so kalt hier und sie hatte das Gefühl, dass seit Ewigkeiten niemand mehr da war. Sie musste doch nach den Tieren sehen. Sie hatten kein Futter mehr.
Feoras war nicht da. Schon zwei Monde war er fort. Sie war allein. Die Tiere mussten doch versorgt werden. Wieso lag sie hier noch herum? Wenn sie doch nur nicht so müde gewesen wäre.
Sie war als Magd auf einen Hof gekommen, der einem alten Freund von ihrem Vater gehörte. Er war der Hofherr. Der Herr über Haus und Hof, Familie, Knechte und Mägde und auch das Vieh. Da gab es kein fröhliches Miteinander. Keine Feiern unter schwer beladenen Apfelbäumen. Es gab Arbeit. Sie machte sie gut und gern. Zwei Jahre lang als junges Mädchen. Noch nicht zur Frau erblüht. Die anderen Mägde und Knechte schimpften oft im Geheimen über den Herrn, doch ihr kam kein Wort über die Lippen. Sie würde ihrer Familie keine Schande bereiten, indem sie schlecht über ihren Herrn redete.
Bis zu der Zeit, als sie anfing zur Frau zu werden. Bis zu der Zeit, als er anfing sie als Frau zu betrachten. Erst waren es nur Blicke. Dann zufällige Berührungen, welche mit einem jovialen Lachen abgetan wurden. Und dann der Abend, als er ihr an die Röcke wollte. Sie lief fort. Sie lief einfach ohne irgendetwas fort. Nicht zu ihrer Familie, der sie Schande bereitet hatte, sondern zu Feoras. Weit fort. Bis nach Gerimor, wo er sich eine Schneiderei aufgebaut hatte. Ihr jüngster Bruder, der Bruder der ihr stets am nächsten gewesen war und der als erstes das Elternhaus verlassen hatte. Und er nahm sie auf.
Sie rappelte sich aus dem Bett auf. Wieso war es so schwer aufzustehen? Ihr schwindelte und ihr Kopf tat weh. Ihre Kleidung war zerknautscht und dreckig. Der Überfall. Schon wieder. Und Feoras war nicht da. Niemand war da. Bis auf den Geweihten, dem sie nun schon so sehr zur Last fiel. Schon wieder. SIe musste nach Hause und sich um die Tiere kümmern. Sie durfte seine Gutmütigkeit nicht ausnutzen. Auch wenn sie sich bei ihm so sicher fühlte, wie nirgends sonst.
Die Luft war kalt, als sie aus dem Klosteranbau trat. Ihre Beine trugen sie nur gerade so. Nach Hause. Der Gedanke beherrschte ihren Geist. Die Tiere. Lass den Herrn in Frieden. Er hat schon so viel getan.
Die ersten Wochen bei Feoras waren so schön gewesen. Sie hatte ihren Bruder wieder für sich. Er nahm sich Zeit. Er half ihr sich einzufinden. Sie kümmerte sich ein wenig um das Haus und er gings einer Arbeit als Schneider nach. Sie hätte nie gedacht dass er es so weit bringen würde. Eine eigene Schneiderei. Ein schönes Haus voller Freunde.
Einige schöne Wochen, bis er aufbrach. Zur Familie vielleicht und um Stoffe vom Festland zu besorgen. Eine neue Weberei zu besichtigen. Sie wusste es nicht genau. Aber er hatte sicher nicht vor gehabt Zwei Monde fort zu sein. Zwei Monde. Sie kannte doch kaum jemanden hier. Die Freunde von Feoras schienen auch wie vom Erdboden verschluckt. Wieso sollten sie auch kommen, wenn er nicht da war. Er war die Sonne, sie war der Mond. Nur blass neben ihm. Sie liebte ihn so sehr. Hoffentlich war ihm nichts zugestoßen.
Sie kümmerte sich um die Tiere und um das Haus. Um ihr kleines Feld und alles was so anfiel. Sie kratzte mit Mühe und Not die Miete zusammen und sah jeden Abend und jeden Morgen am Hafen aufs Meer hinaus und hoffte dass er bald wiederkäme.
Sie wusste nicht wie sie es nach Hause geschafft hatte. Ab und zu war es ihr schwarz vor Augen geworden. Die Menschen hatten sie komisch angesehen. Oder war da gar niemand gewesen, und es waren nur schwarze Schemen vor ihren Augen? Sie stolperte durchs Gartentor. Der Räuber. Er wusste wo sie wohnte. Sie würde nur kurz die Tiere versorgen. Nicht mehr. Nur die Tiere versorgen und sich dann hinlegen. In ihr Bett. In der kleinen Kammer neben der Küche. Wo Zoe schlief. Wenn sie da war. Sie war mit Feo gereist. Oder doch nicht? Sie wusste es nicht mehr.
Alles lief gut. Etwas einsam, aber gut. Sie arbeitete um sich abzulenken. Sie kam nicht leicht mit den Leuten ins Gespräch. Die meisten übersahen sie einfach wenn sie durch die Stadt hindurch zum Feld lief. Sie fand nicht den Mut jemanden anzusprechen. Und dann kam der Überfall. Der erste. Von da an ging alles durcheinander. Sie lernte Leute kennen, aber auf die falsche Art. Sie hatten Mitleid. Sie wollten helfen. Sie waren so gut. Und sie konnte nichts tun um es wieder gut zu machen. Besonders er half ihr. Der Geweihte. Ein gutes Stück älter als sie. Ein wenig wie ihr ältester Bruder. Aber doch nicht ganz. Er war da. Er gab ihr Sicherheit. Er hörte ihr zu. Sie konnte so wenig geben und er gab so viel. Sie war verwirrt. Suchte seine Gesellschaft und gleichzeitig plagte sie das schlechte Gewissen. Der Herr hatte so viel zu tun. Er ging den Pfad eines Geweihten. Sie war nur ein einfaches Mädchen. Er half, weil es seine Aufgabe war. Mehr nicht. Sicher nicht mehr.
Die Tiere bekamen frisches Futter. Sie stolperte ins Haus. Das Bett war so weich. Einfach nur schlafen. Bald würde es wieder gut sein. Oder sie fuhr nach Hause. Viellleicht war es das Beste. Nach Hause. Aber dann würde sie ihn nicht wiedersehen. Vielleicht war es das Beste. Aber erst einmal schlafen.