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Brunnenschlag zu Bajard

Verfasst: Mittwoch 15. März 2006, 21:32
von Silwen Hinnak
Die Vorbereitungen waren getroffen.
Den ganzen Tag hatten alle in der Küche geschuftet. Erst mal galt es alles bei Seite zu räumen, was die nächsten Tage nicht gebraucht würde. Vorräte waren angelegt, so dass selbst wenn man die Küche nicht mehr nutzen konnte, keiner auf sein Vesper verzichten musste.

Dann kam das Schlimmste...
Mit einem Brecheisen, Hammer und Säge wurde der schöne Holzboden aufgestemmt. Es war ein Heiden Lärm und innerlich blutete bestimmt Lairjas Herz den frisch gewachsten Boden auf zu reißen.
Da standen sie nun alle drum herum und starrten entsetzt auf das graue Loch das sich vor ihnen auftat. Jetzt gab es kein zurück mehr. Der erste Schritt für den Brunnenschlag war getan.

Lange schon hatte er es vorgehabt, doch bisher war entweder nicht genug Zeit oder das Gold zu knapp. Doch letzte Nacht hatte er Leanne um Erlaubnis gebeten einen Brunnen setzen zu lassen. Mit Begeisterung für den Vorschlag hatte er gar nicht gerechnet, im Gegenteil, er hatte erwartet, dass er die Ausgabe rechtfertigen müsse.
Doch selbst Julia Famrock schien von der Idee angetan, dass man endlich Wasser in der Küche hätte. Lairja stand auf seiner Seite, das hatte er vorher gewusst. Schon oft hatte er sie schimpfend über den Hof stapfen sehen, in jeder Hand zwei bis drei leere Krüge, weil ihr das Spülwasser ausgegangen war. Aber auch Leanne, die ja eigentlich sehr sparsam war, sagte prompt `...mach mal Silwen...´.

Bauholz lag bereit um eine erste notdürftige Abstützung zu gewähren. Auch hatte er an Seile und einen Lastenkorb gedacht um das ausgehobene Erdreich nach oben zu befördern.
Mörtel und Steine für die Einfassung waren auch da.
Jetzt fehlte nur noch der Brunnenschläger.

Während die anderen versuchten den größten Dreck zu beseitigen und die Küche wieder begehbar zu machen, nahm Silwen Feder und Papier zur Hand, um einen Aufruf aufzusetzen.

Werte Bergleute und Tunnelgräber

Der Gutshof zu Bajard sucht fähige Handwerksleut die sich im Stande sehen, einen Küchenbrunnen zu schlagen und ihn auch einzufassen.
Wer immer sich dazu berufen fühle, möge am Hofe vorstellig werden.
Die Entlohnung wird dann vor Ort besprochen.

Silwen Hinnak


Diesen vervielfältigte er um ihn später in Varuna, Berchgard und Rahal aus zu hängen.
Inständig hoffte er, dass der Schacht nicht unvermittelt auf festes Gestein stoßen würde.
Den Gedanken schnell wegschiebend, sattelte er sein Pferd und machte sich auf den Weg.

Verfasst: Donnerstag 16. März 2006, 20:31
von Silwen Hinnak
Schon vor dem Morgengrauen war er aufgestanden. Ein spärliches Frühstück nur und schon sah man ihn auf seinem treuen Tier nach Bajard reiten.
Als die Sonne den Horizont umschmeichelte, waren die Felder bestellt und die Tiere am Hofe versorgt. Jetzt konnte er sich ganz und gar den Aufräumarbeiten in der Küche widmen.

Als er sie betrat traf ihn fast der Schlag. Der feine Staub den sie gestern beim Aufbrechen des Bodens aufgewirbelt, hatte sich nun auf Tisch und Stühle gesetzt. Ja selbst in die Schränke und Kisten war er hineingekrochen und hatte einen feinen Schleier über alles gelegt.
Es half alles nichts.
Die Möbel mussten raus.
Den Vormittag verbrachte er mit Lairja und Niathael beim Abbau der Regale und Tische. Sorgsam wurden sie zerlegt und zur späteren Verwendung in den Schuppen eingelagert. Nur die Mühle blieb stehen. Sie war zu groß und sie trauten sich nicht an den Zahnrädern und Wellen herumzuzerren, wie leicht konnte etwas verbiegen oder ein kleines Rädchen verloren gehen, dann wäre sie nicht mehr zu gebrauchen.
So wurden einige Bettlaken aus dem Wäscheschrank geholt, jene die schon etliche durchgewetzten Stellen aufwiesen, und die Mühle in ein weißes Gewand gehüllt.
Völlig leer war die Küche nun. Bis auf den Ofen und den Mühlengeist der sich in der Wolke aus Staub, die durch den Raum schwebte, zu verbergen suchte. Dies konnte Lairja nicht lange mit ansehen und kam sogleich mit Eimer und Besen zurück. Die Herren mussten notgedrungen weichen, als sie die Scherbürste schwang, um wieder Herrin der Lage zu werden.

Es war Mittag geworden und noch immer hatte sich kein Brunnenschläger gemeldet der die Arbeiten übernehmen wollte.
Bei einer Brotzeit, derweil die Küche wieder trocknen konnte, sprachen sie über weitere Umbauten und auch Neuerungen. Lairja wollte einen gemauerten Spülstein, dem man auch einvernehmlich zustimmte. Und da die bereitliegenden Steine für die Einfassung des Brunnens vorerst nicht so schnell ihrer Bestimmung zugeführt werden würden und auch der nötige Mörtel bereits in der Küche bereitstand, entschloss man kurzerhand das Werk zu beginnen.
So kam es, dass Silwen und Niathael den Nachmittag damit zubrachten, eine einigermaßen geraden Sockel für den Spülstein zu mauern. Lairja derweil, sich noch immer im Putzrausch befindend, die Wohnstube fegte und umräumte. Wobei die beiden, als sie zufrieden mit dem Sockel, die Kelle weglegend, in die Stube zurückkehrten, einhellig zustimmten, dass es viel freundliche anmutete, als zuvor.
Morgen vielleicht, wenn der Mörtel angetrocknet war, würde man sich denn mit dem Spülstein befassen, so nicht ein Handwerksmeister mit den Ausschachtungsarbeiten beginnen würde.

Verfasst: Samstag 18. März 2006, 16:25
von Niathael Carrtha
Normalerweise führte ihn sein Weg früh morgens immer durch die Küche, wo er mit routinierten Handgriffen frisch gebackenes Brot, Butter und ein Streichmesser auf einen Teller lege und gut gelaunt, aber noch deutlich schlaftrunken in die Stube tapste - doch seit dieser unfertige Krater den Küchenboden wie nach einem Meteoritenhagel aussehen ließ, stolperte er aus Prinzip über die hölzerne Ummäuerung des Bohrlochs, knallte mit dem Schienbein gegen eine Kante oder ihm verging der Appetit durch den Staub unvollendeter Arbeit der stetig in der Luft lag.

Seufzend saß er beim Stubentisch, das Gesicht in den Händen vergraben und genoß die Stille, wenn gleich es ihm sehr recht gewesen wäre er hätte hämmernde Geräusche und Schürftöne aus der Küche gehört, aber dieses Projekt ließ sich beendete sich ganz sicher nicht von alleine, auch wenn er seines Zeichens Heiler wohl wirklich der Letzte war der sich dessen annehmen sollte.

Der Morgen verlief ungewöhnlich still, kein Kunde und auch keine Notiz eines Handwerkers der seinen Lohn durch das Ausheben so eines Brunnenloches üppiger ausfallen lassen wollte. Der Gedanke das die Leute wohl übersättigt sein und es keinen Grund mehr gäbe sich um Kundschaft zu bemühen versuchte er gar nicht erst aufkommen zu lassen, auch wenn er sich ihm langsam aber stetig aufdrängte.

Verfasst: Montag 20. März 2006, 20:10
von Silwen Hinnak
Die Tage rannen ereignislos dahin. Kein Tunnelgräber oder Brunnenschläger meldete sich auf den Aufruf den er ausgehangen hatte.
Lairja wurde immer gereizter. Die ausgeräumte Küche und der Staub, der in der Luft zu kleben schien und durch den Türspalt in alle Zimmer kroch, machte sie ganz närrisch.
So beschloss man die Bäume umzusetzen und neue Reben anzulegen, nur um nicht im Haus zu sein, nicht immer auf den Krater im Küchenboden blicken zu müssen.
Doch nur kurz weilte die Ablenkung, dann war es wieder da, das unstete Gefühl, etwas unternehmen zu müssen. Wieder sann man nach Beschäftigung und kam darauf die Felder doch um zu gestalten. Ja, das versprach viel Arbeit zu werden.
Niathael hatte sich kaum sehen lassen. Früh schon ging er aus dem Haus um erst spät wieder zu kehren. Ja, wenn er nur auch die Flucht ergreifen hätte können, um zurück zu kehren, wenn alles getan.
Der Sonnentag kam, und mit ihm die Erkenntnis, dass man wohl morgen selbst zur Schaufel greifen müsse. Lairja und Niathael hatten auch zugestimmt, wenn ihnen niemand helfen würde, so wollten sie es wenigstens selbst versuchen.
Zwar hatte man noch am Frühstückstisch einen Zwerg zu Gast. Auf sein Versprechen hin, er wolle einige seines Volkes bitten der Sache auf die Sprünge zu helfen, war bis zum Abend, auch keine Nachricht eingegangen.
Als denn doch noch Tim McMurphy an die Türe klopfte um Leanne zu besuchen. Leider war sie mal wieder viel zu beschäftigt, wie so oft seit sie dies neue Amt inne hatte. Er kam dennoch herein und erfuhr so von dem Loch dass den Küchenboden zierte. Kurzentschlossen machte er sich auf Werkzeug zu holen um Abhilfe zu leisten. Die ausbrechende geschäftigkeit hätte nicht größer sein können. In windes eile, wurden Tücher herbeigeschleppt um den neuen Spülstein abzudecken, und alles was die Tage wieder den Weg in die Küche gefunden hatte erneut hinausgetragen.
Mit vereinten Kräften war denn auch bald der Felsen gebrochen, der den Weg zum ersehnten Nass blockierte. Ein Keil ließ ihn platzen wie eine reife Melone. Schon schoss die Fontäne der darunter befindlichen Quelle empor und verwandelte die Küche in ein Schlammloch.
Feiner Sand und Geröll, dass die Quelle, nun befreit und ungezügelt, mitgerissen hatte, flog in hohem Bogen durch die Küche. Doch die Wildheit versiegte und zurück blieb ein steter Strom klaren Wassers, das zu bändigen eine Umfassung, angelegt wurde. Dieweil alle bemüht waren, den Dreck zu beseitigen, mauerte Tim das Becken hoch und verputzte es sauber. Wenn es getrocknet war, würde sicher eine Zierde der Küche sein.
Bis in die späte Nacht schrubbte Lairja noch den Boden, nachdem schon alle schlafen gegangen waren, erschöpft aber zufrieden, dass nun auch diese Aufgabe bewältigt war.