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Talerzopf und Felsenknopf

Verfasst: Dienstag 6. Januar 2015, 18:15
von Liz
Unbestellt in einem Winter



Einmal da fällt ein Kalurenkind,
Winzig als jeder nur eins,
Ausmachen könnt in der Welt,
Von einer Krupp in den Wind.

Blass ist das Püppchen und dürr,
Laut bellt es im Schneegewirr,
Schmelzwasser saufend an Bieres statt,
Weh, davon wird es nicht satt!

Doch wie es weint ohne Unterlass:
Ma! Ma! Ma! Ma! Ma! Ma! Maß!
Da anerkennt endlich Cirmias,
Auch dies Gewimmer für seins.

Mazen von Getwergelyn,
Rungesell und weithin angesehn,
Träumt es taghell in der Nacht,
Von einem Ringlein der Macht!

Eifrig dem Schärflein noch beizustehn,
Schirrt in altkupferne Prachten,
Sein Käferlein, zeitig auszuspähn,
Er nach den Schäfchen zu trachten.

Güldene Wonnen verklärn ihm den Blick,
Wie er die Zügel hantiert,
Drei Trippel vorwärts und keinen zurück,
Bald wär das Ringlein hofiert!

Knapp bevor dies in der Dürre gefriert,
Packt eine Faust es am Kragen,
Wie es gesackt wird, vernimmt man vewirrt:
"Kleindinglein Bierchen in Magen?"

-

Liz wacht auf in einem Handelshaus,
Summen vernimmt sie von oben,
Spinnweben macht sie vom Fassboden aus,
Nichts ward hier jemals verschoben!

Großoheim Daz, nach der Beute zu schaun,
Steckt eines Tages aus Neugier den Kopf,
Rein in das Fass, doch den doppelten Zopf,
Schnappt sich das Kind drauf zu kaun.

"Paz, Gaz, Laz, Faz, Maz, bei Cirmias!
Was ist hier drin? Bringt's Gewinn?"
Da piepst das Fass, als wär sowas kein Spaß:



Get -,  Get -,  Get -  wergelyn!

Verfasst: Dienstag 6. Januar 2015, 18:32
von Liz
Vom Bierkeller zum Kräuterbrett zum Talertresen


Nachdem einstimmig von der Sippe beschlossen worden war, das "Dinglein" nicht dauerhaft im Kellerlager aufzubewahren (obwohl es dort freilich gut geschützt war), brachte es Großoheim Daz in die Kochstube und stellte es aufs Kräuterregal.

Dies schien ratsam, weil es sich dort in Griffnähe zum Brei befand, nach dem es mit zwergischer Unnachgiebigkeit verlangte.

Zunächst wollte Liz ihr Fässchen nicht verlassen. Viel zu gut roch es darin nach Gerstensaft, und so wurde das Tönnchen mit Ziegenfell ausgepolstert. Darin herumwackelnd und -schaukelnd entdeckte sie aufmerksamerweise bald, dass man Zöpfe, Kopf und Hände auch herausstrecken und nach Küchengeräten greifen konnte, um damit zu klappern. Nicht lange, und Onkel Maz, der in der Kammer über der Kochstelle schlief, hatte zwei fingerdicke, azurblaue Ringlein der Ohnmacht unter seinen Lidern gefunden und konnte nicht mehr viel träumen.

Nach einigen Tagen stellte sich heraus, dass Biersuppe mit Steinmehlklößchen ohne Zusätze vom Kind nicht so gut angenommen wurde, wie man gehofft hatte. Es quiekte, als wolle es die Luft zerreißen. In größter Not wurde Rat gehalten. Die allerältesten Rezepturen für Breie probierte man aus.

Denn die Onkel waren überzeugt, dass der Mangel an Zähnchen das Kauen der Steinklößchen sicher behindern müsse. Schließlich wurden Borstenferkelnacken und Berghammelkeulen püriert und, in sparsamer Abwandlung des Originalrezepts, mit Gerstenkleie in Käfermilchwasser aufgeschlagen. Aus dem großen Kupferkessel in viele kleine Holzschälchen gegossen, sieben für jeden Wochentag, gab das einen schmackhaften Brei, mit dem endlich Ruhe einkehrte.

Liz setzte in den ersten Monaten tatsächlich etwas Speck an. Trotz üppiger Päppelei wuchs sie allerdings weder gut in der Länge noch in der Breite. Zumindest nicht so, dass es ohne allzugenaues Hinsehen aufgefallen wäre. Schmächtig und blässlich, ja geradezu mickrig blieb das goldgelockte Zwergenkind mit den schwarzen Augen. Immerhin - jeder Zweifel über seine Herkunft und Zugehörigkeit zur Sippe Getwergelyn war nunmehr endgültig zerstreut.

Wie es irgendwann immer häufiger in der Küche polterte, bemerkte Onkel Paz scharfsichtig, dass sich Liz auf ihrem Gewürzbrettchen über der Backstelle inzwischen bestimmt langweile. Geistesgegenwärtig wurde das Fässchen kurzerhand von Onkel Faz neben den Verkaufstresen ins Handelszimmer gestellt. Und wahrlich, das Klimpern der Münzen brachte Liz offenbar Kurzweil und lockte ihr jedes Mal ein begeistertes Glucksen aufs Gesicht, wenn es in den Beuteln da oben so munter purzelte.

Kaum aus dem Holzfässchen heraus, wuchs Liz auch schon in den Alltag der Handelsstube hinein. Da gab es Türen und Beutel aufzuhalten, Münzrollen zu drehen, Säcklein zu zählen, Waren zu verpacken und Kunden anzugrienen. Das machte ihr Tag für Tag ein herrliches Vergnügen. Und wenn die Goldtaler reichlich gestapelt und in die Truhen geschoben wurden, war ihr manchmal, als befände sie sich in einer ganz sonnenverzauberten Welt.

Allein ... dass sie die Kleinste von allen Kindern im Dorf war, stimmte sie hin und wieder verdrießlich. Genau genommen waren mit der Zeit manche, die halb so alt waren wie sie, mehr als doppelt so groß. Natürlich wusste Liz, dass nur Menschenkinder so ungeheuer riesig werden konnten.

An verregneten Nachmittagen, wenn die Luft schleiergrau draußen war und kaum Kunden kamen, grübelte sie dennoch manchmal und drillte die Zopfspitzen. Wie war es wohl in der Heiligen Stadt unterm Fels? Ob es da andere Zwergenkinder gab? Würden die Onkel sie einmal mitnehmen?

Aber sobald der Türknauf von außen heruntergedrückt wurde und der Wind sich reindrängte, hob sie schon rasch die Kirschnase. Denn meistens war ein Kunde zu wittern, der in den Beuteln Musik machen wollte und Liz dachte nicht mehr viel an Nilzadan und an andere Zwergenkinder.