Seite 1 von 1

Aufsatz für die Prehaatim des Tempels

Verfasst: Dienstag 6. Januar 2015, 16:12
von Hajifa Yazir
Callista wird auf ihrem Schreibtisch einen Stoß von mehreren geordneten Blättern Pergament finden können.


Aufsatz über eine Familienstreitigkeit und deren Lösung


Aufgabenstellung: Beschreibung eines Konfiktes innerhalb einer Familie. Beteiligt sollen dabei eine Natifah, das Oberhaupt und die Sklavin aus dem selben Haus, ein Wüstensohn aus einem anderen Haus und ein Nordländer sein. Besondere Beachtung findet die Analyse, wie auch eine mögliche Lösung des Konfliktes.


Hauptpersonen:


Manita Oray Solana (19 Jahre): Natifah des Hauses Solana. Vor einigen Wochen wurde sie dem Sohn der Batui, Haaron, versprochen. Die beiden Familien wollen damit ein engeres Band zwischen sich knüpfen. Dennoch ist es gerade für Manita eine Liebeshochzeit. In den letzten Wochen ist sie wegen der bevorstehenden Hochzeit sehr aufgeregt und es kam öfter zu Stimmungsschwankungen und kleineren Konflikten, Nervenzusammenbrüchen und ähnlichem.

Orhan Solana (42 Jahre): Oberhaupt des Hauses Solana. Er ist bekannt für seine Geschick im Handel, aber auch als wachsamer Beschützer seiner Familie und deren Wohlstand. Die Heirat zwischen seiner Nichte Manita und Haaron hat für ihn große Bedeutung, da ein wichtiges Salzhandelsabkommen Teil des Brautpreises war, welcher beiden Familien jedoch einen Vorteil bringt. Er liebt Solana sehr, hätte sich jedoch lieber einen anderen als Haaron für sie gewünscht. Der liebe der Natifah wegen gab er letztlich jedoch nach.

Sulaika (16 Jahre): Sklavin des Hauses Solana. Schon als kleines Mädchen wurde sie bei einem Raubzug erbeutet und dient fortan als Sklavin in der Familie. Für die meisten ist sie ein fester Bestandteil der Familie und sie wird nach allen gängigen Kriterien gut behandelt. Im Lauf des letzten Jahres kam es jedoch zum Erblühen ihres Leibes. So wurde sie zu einer Frau von betörender Schönheit, was zu einigem anzüglichen Gerede geführt hat, welchem jedoch keinerlei Wahrheit zugrunde liegt.

Haaron Batui (20 Jahre): Sohn der Batui. Der junge Wüstensohn ist oftmals aufbrausend und sucht noch nach Grenzen. Gleichzetig ist ihm Ehre und Ruhm wichtig. Die Hochzeit zwischen ihm und der schönen Manita ist für ihn Glück und Segen zugleich. Auf der einen Seite fürchtet er zu viel Verantwortung am heimischen Herd, da ihm derzeit doch der Sinn nach Abenteuern steht, doch hat er auch Gefallen, man könnte von Liebe sprechen, an der Natifah gefunden.

Anton Müller (36 Jahre): Mensch aus den Nordlanden. Er ist an diesem Tag nur zufällig ins Haus Solana gekommen, denn er möchte seine monatliche Menge an Salz kaufen. Die Familie Solana kennt er schon seit einigen Jahren, bringt immer wieder Waren des Nordens mit und kauft regelmäßig menekanische Waren bei Orhan. So ist es nicht unüblich, dass er neben dem Handel gerne auch mal einen Kaktusschnaps mit dem Oberhaupt trinkt und ein Pläuschchen hält.


Hergang des Konfliktes:

An diesem Tag befinden sich alle Hauptpersonen bereits im Familienhaus der Solanas. Dafür gibt es jedoch verschiedene Gründe. Der Händler Anton Müller und das Oberhaupt Orhan befinden sich seit etwa einer Stunde in sehr intensiven Verhandlungen, die jedoch seit geraumer Zeit sich nur noch um den Genuss von Kaktusschnaps und dem Austausch von alten und neuen Geschichten dreht. Nachschub erhalten sie dabei in gewissen Abständen von der Sklavin des Hauses.
Haaron und Manita befinden sich zu diesem Zeitpunkt im Wohnbereich des Hauses. Seit mehreren Stunden spricht Manita über die Vorbereitungen der Hochzeit und den dazugehörigen Problemen, die trotz dem gelegentlichen Brummen von Haaron kaum als Dialog bezeichnet werden können.
Sulaika währenddessen ist mit der Bewirtung an den verschiedenen Orten beschäftigt, wie auch den üblichen Hausarbeiten. Sie ist traurig darüber, dass Manita bald das Haus verlässt, welche stets die engste Beziehung zu ihr hatte. Niemals würde sie dies offen ansprechen.

Ein lauter Tumult im Wohnbereich unterbricht mit einem Mal den ruhigen Nachmittag. Rasch eilt Orhan hinzu, gemächlich folgt ihm sein Geschäftspartner Anton Müller. Manita ist gerade dabei Sulaika und Haaron abwechselnd anzubrüllen und zu verwünschen. Dieser steht wutschäumend und mit erhobener Hand vor der am Boden liegenden Sulauka, welche sich das Gesicht hält.

Nach einiger Zeit kann Manita beruhigt werden und es stellt sich heraus, dass Haaron die Sklavin Sulaika geschlagen hat, offenbar hat sie etwas Mocca verschüttet. Manita jedoch vermutet, dass die beiden seit langem schon ein intimes Verhältnis miteinander haben, niemand ihr zuhört und sie sowieso jedem egal sei. Dies jedenfalls ist aus ihrem Geschrei zu entnehmen.


Analyse und Lösung des Konfliktes:
Bei genauerer Betrachtung lassen sich verschiedene Problemfelder, wie auch Ansatzpunkte für eine Konfliktlösung finden. Wichtig ist jedoch zunächst die nötige Ruhe herzustellen, damit sich diesen gewidmet werden kann.

Daher muss als aller erstes Manita beruhigt werden. Solange sich eine so aufgebrachte Natifah im Raum befindet wird eine Lösung kaum möglich sein. Dabei gilt es zu beachten, dass sie seit einigen Wochen unter gewaltigem Streß steht, wegen der anstehenden Hochzeit. Sie zu beruhigen wäre eine gute Aufgabe für eine andere Natifah oder weibliche Priesterin. Sollte es nicht möglich sein sie zu beruhigen, so sollte sie vom Rest der Gruppe getrennt werden. Jedoch nicht im Sinne eines Ausschlusses, sondern indem sich zum Beispiel eine andere Natifah um sie bemüht und die beiden einen Spaziergang unternehmen oder sich in ihr privates Haus zurück ziehen.

Dann ist es jedoch auch wichtig, dass der Konflikt nicht vor dem Nordländer ausgetragen wird. Auch wenn er in diesem Fall der Familie Solana gegenüber freundlich eingestellt ist, so muss das Ansehen der Familie stets bewahrt werden. Uneinigkeit und Schwäche nach Außen hin zu zeigen ist etwas, was die Familie Ansehen kosten kann. Deshalb muss Orhan nun möglichst rasch den bereits beschlossenen Salzhandel beenden und eine Verabschiedung herbeigeführt werden. Sollte sich ein anderer Wüstensohn im Haus befinden könnte dieser auch sehr gut weitere Verhandlungen im Nebenraum fortsetzen, sodass der Nordländer möglichst wenig von den Familienangelegenheiten mit bekommt.

Das Gebot bei Familienangelegenheiten diese immer möglichst intern zu lösen ist gleichzeitig auch der Grund, warum ein Priester, der sich um die Schlichtung des Konfliktes bemüht, einen hohen Grad an Einfühlungsvermögen und Diskretion beweisen muss. Bei der Schlichtung kann er an Informationen geraten, die er sonst nicht bekommen hätte, zum Beispiel aus einer anderen Familie. Wer dies zu seinem eigenen Vorteil verwendet verwirkt sein Vertrauen und enttäuscht die Mara.

Letztlich gilt es noch den Konflikt zwischen Haaron und Sulaika zu lösen, der gleichzeitig Auslöser des Geschehens war. Hierbei ist zu beachten, dass zwar stets die Wahrheitsfindung bei solchen Vorfällen wichtig ist, jedoch auch das Ansehen der Familien auf dem Spiel steht. Ein leichter Ausweg wäre nun die Beschuldigung und Bestrafung der Sklavin. Dabei würden jedoch zugrunde liegende Ursachen nicht gelöst werden, aber sollte Ungerechtigkeit auch stets vermieden werden. Egal ob Mächtigen oder den Schwachen gegenüber.

Offenbar hat Haaron ebenso Bedenken und Sorgen wegen der anstehenden Hochzeit. Diese sind jedoch ganz anderer Art als Manitas. Hier braucht es eher einen männlichen Priester oder den väterlichen Rat, etwa durch Orhan. Seine Anspannung hat sich in einer Überreaktion ausgedrückt. Wichtig ist jedoch vom rechtlichen Standpunkt her, dass ein Wüstensohn aus einer anderen Familie nicht das Recht besitzt die Sklavin zu züchtigen, es sei denn er hat dafür das Einverständnis des Eigentümers. Sonst könnte es sich um eine Missachtung von Eigentum, beziehungsweise Sachbeschädigung handeln. Je nach Stellung der Sklavin könnte es sogar noch weitere Verwicklungen geben. Ähnlich verhält es sich mit der Züchtigung von Natifahs, welche auch nicht ohne weiteres durch jemand durchgeführt werden darf, der außerhalb der Familie steht.

Im Sinne der Verständigung der Familien sollte Orhan jedoch darauf vorerst nicht direkt eingehen, vielleicht jedoch anmerken, dass es sein Recht ist die Sklavin zu züchtigen. Sollte sich Haaron beruhigt haben und gegangen sein, könnte sich Orhan letztlich um die Anliegen der Sklavin kümmern. Auch für sie trägt das Oberhaupt, so er dies niemand anders übertragen hat, Verantwortung, wenn auch eine ganz andere als für die Natifahs seines Hauses. Sollte es zu einer Ungerechtigkeit ihr gegenüber gekommen sein, so könnte er dies ausgleichen, der Stellung der Sklavin angemessen. Etwa mit einer Süßigkeit, wie bei einem Kind oder einem freien Abend.

Eine Sklavin, wie auch ein Tier, grundlos schlecht zu behandeln scheint nicht vereinbar zu sein mit den Geboten der Mara. Bei Fehlverhalten muss jedoch eine Strafe erfolgen.

Abschließend soll noch darauf hingewiesen werden, dass bei der Lösung eines Problemes und Konfliktes verschiedene Prioritäten abgewogen werden müssen. Die Wichtigkeit eines Problemes, die Stellung der Beteiligten Personen, die Verstrickung der Konflikte.


Geschrieben von Hajifa Masari im Auftrag der Prehaatim Callista Anisa Ifrey als Abschlussarbeit des PreKhaliqs.

Hajifa Masari