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Poltern im Tunnel
Verfasst: Freitag 10. März 2006, 22:35
von Anggosch Hammergrund
Das erste Mal fiel es Anggosch vor einigen Wochen auf. Dieses scharrende, kratzende Geräusch. Neu war das Geräusch nicht für ihn, aber dieses hier schien ihn zu verfolgen, immer wenn er in einen bestimmten Abschnitt der weitverzweigten Tunnel am Arbeiten war. Er wußte damals schon, wenn er das nächste Mal an dieser Stelle vorbei kommen würde, sind alle von ihm losgehauenen Gesteinsbrocken verschwunden. Für jeden Fremden wäre das ein Grund zur Besorgnis gewesen, aber nicht für einen Khaz-Aduir. Viele Tiere gab es nicht in den verzweigten Stollensystemen von Nilzadan und jeder Wächter des Berges kannte schon in frühen Jahren alle. Da gab es die Kleinen, die Mittleren und die Großen. Die Einen waren ungefährlich, den Anderen ging man besser aus dem Weg und Andere wiederum waren irgendwie dazwischen, also ungefährlich sofern man sie nicht ärgerte. Und dieses Geräusch stammte von etwas "dazwischen" liegendem Großen, einem Tier was bei den Khaz-Aduir auch gerne als Arbeitstier Verwendung fand. Waren es doch sehr kräftige und genügsamme Tiere ... und was das Wichtigste war, Nahrung gab es hier in hülle und fülle! Steinbeisser nannte man diese Art von Tieren, was wohl daran lag, dass sie sich von Gestein ernährten, denn etwas Anderes zu fressen für ein Tier dieser Größe gab es nicht hier unten im Berg.
So kam es, dass Anggosch nun öfters als sonst in diesem Teil des Stollensystems zum Arbeiten kam. Zum Einen weil die Stollen immer schön aufgeräumt waren und man nicht über loses Gestein stolperte und zum Anderen weil es Anggosch gefiel hier zu Arbeiten, denn das Scharren und Kratzen vermittelte einem die Gewissheit nicht allein zu sein. Obwohl er den Steinbeisser bis dahin noch nie zu Gesicht bekommen hatte, war er sich sicher, dass es immer wieder derselbe war, der ihn dort bei der Arbeit verfolgte.
Eines Tages, als Anggosch schon mehr als genug Erze gefunden hatte, ging er ein Stück des Weges, den er bei seiner Arbeit gegangen war zurück und setzte sich ruhig hinter einen einen kleinen Felsvorsprung. Soweit er von hier sehen konnte lagen die losen Gesteinsbrocken seiner Arbeit im Stollen, er mußte also nur hier auf den "Kehrbesen" warten um ihn zu sehen. Langsam kam das scharrende und kratzende Geräusch näher während Anggosch weiter ganz ruhig hinter dem Felsvorsprung wartete. Als die ersten Steinchen den Stollen entlangrollten wußte Anggosch, dass es nun gleich soweit sein sollte, den Steinbeisser zu erblicken. Dann war es soweit, langsam schob sich der Steinbeisser ins Blickfeld von Anggosch, der weiterhin regungslos hinter dem Felsvorsprung ausharrte. "Da bist Du ja, mein Kehrbesen", dachte sich Anggosch und beobachtete den Steinbeisser bei seiner Arbeit, oder besser gesagt bei seinem ausgedehnten Mittagessen. Fressend und den Blick quasi immer schon auf den nächsten Gesteinsbrocken gerichtet schob sich der Steinbeisser den Stollen entlang. Anggosch hielt es an diesem Tag für besser, weiterhin regungslos zu verharren und dem Steinbeisser nur zuzuschauen. Denn einen Steinbeisser sollte man nicht so einfach im beengten Stollen aus dem Nichts ansprechen. So kam es, dass Anggosch noch eine ganze Weile dort saß und dem Steinbeisser bei seinen "Reinigungsarbeiten" zusah. Anggosch mußte bemerken, dass dieses Exemplar entweder sehr perfekt oder einfach nur sehr verfressen war, denn fast kein loses krümelchen blieb zurück. "Wenn er nicht verfressen ist, dann würde er zu einem Hammergrund passen", dachte sich Anggosch, als er bereits wieder auf dem Heimweg war.
Verfasst: Samstag 11. März 2006, 11:31
von Anggosch Hammergrund
Als Anggosch wieder das nächste Mal zum besagten Stollenabschnitt kam, war wieder alles schön sauber. Kein loser Gesteinsbrocken lag mehr herum. Schon bald nachdem Anggosch angefangen hatte das Gestein mit seiner Picke loszuschlagen, hörte er wieder das ihm vertraute scharrende und kratzende Geräusch hinter sich. Der Steinbeisser hatte also wieder Anggosch seine Arbeitsspur gefunden und machte sich wieder ans Werk, die losen Gesteinsbrocken zu fressen.
Als Anggosch dieses Mal mit seiner Arbeit fertig war, versteckte er sich nicht hinter einen Felsvorsprung, sondern er scharte einige Brocken zu einem Haufen zusammen und er selber setzte sich 2 Zwergenlängen davon entfernt inmitten des Stollens hin. Nun wartete er hier auf den Steinbeisser, denn das er hier ankommen würde, da war sich Anggosch sehr sicher.
Es dauerte auch nicht allzulang, bis Anggosch den Steinbeisser sehen konnte. Zielstrebig arbeitete sich der Steinbeisser von einem Gesteinsbrocken zum Nächsten vor. Bisher hatte der Steinbeisser den Zwerg noch nicht entdeckt, sein Augenmerk lag wohl immer wieder auf den nächsten sich bietenden Stein. Als der Steinbeisser nach Anggoschs Meinung nah genug heran gekommen war, bewegte er sich langsam, brummelte ein wenig und holte sich einen Krug gutes Zwergenbier aus seiner Tasche. Diesen öffnete und trank er diesmal sehr viel langsamer als sonst üblich. Die Bewegung und das Brummeln hatte der Steinbeisser erkannt und er blieb vorerst regungslos stehen. Er schien nun erstmal des fremde Wesen dort in der Mitte des Ganges zu beobachten. Nach einer Weile setzte er sein fressen wieder fort, jedoch nun nicht mehr so schnell wie vorher und je näher er an Anggosch und den Haufen kam, umso langsamer wurde er.
Es dauerte noch ein ganzes Weilchen, bis der Steinbeisser den Haufen vertilgt hatte und Anggosch hatte eine Menge Zeit das Kerlchen zu beobachten. Nun war der Haufen weg und der Steinbeisser schaute ein wenig erwartungsvoll, wie Anggosch meinte. Nun stand Anggosch von dem letzten großen Gesteinsbrocken auf, auf dem er die ganze Zeit gesessen hatte. Langsam hob er ihn an und trug ihn langsam bis auf eine Zwergenlänge an den Steinbeisser heran. Dann ging er langsam einige Schritte rückwärts und wartete eine Reaktion des Steinbeissers ab. Als er etwa 4 Zwergenlängen entfernt war, setzte sich der Steinbeisser wieder in Bewegung und begann nun auch den letzten Stein zu fressen.
Als der Steinbeisser auch diesen letzten Stein gefressen hatte, machte sich Anggosch wieder auf den Heimweg. Er schulterte seinen mit Erz gefüllten Sack und ging Richtung Nilzadan-Stadt. Er war noch nicht weit gekommen, als er hinter sich ein donnerndes Zischen vom Steinbeisser hörte. Anggosch drehte sich herum und sah den Steinbeisser an, der wieder diesen erwartungsvollen Blick aufgesetzt hatte. Anggosch nahm nochmal kurz seine Picke zur Hand, blickte sich kurz um und schlug dann nochmal einen großen Brocken Gestein von der Wand des Stollens. Als dieser Brocken zu Boden prasselte, hörte man nochmals dieses donnernte Zischen des Steinbeissers, diesmal aber etwas freundlicher wie Anggosch meinte, der nun aber wirklich wieder zu seiner geliebten Esse und Amboß wollte.
Verfasst: Samstag 11. März 2006, 18:02
von Anggosch Hammergrund
Dieses mal ging Anggosch gleich am nächsten Tag wieder zu diesem Stollensystem. Doch dieses mal wartete er nicht erst auf Steinbeisser, wenn er bereits fertig war mit seiner Arbeit. Er ging zu einer Stelle im Stollen, die ihm günstig erschien und begann mit der Picke ins Gestein zu schlagen, doch suchte er heute nicht unbedingt nach Erzen. Was ihn aber nicht davon abhielt jedes brauchbare Stück aufzulesen. Anggosch machte heute also hauptsächlich Lärm und es dauerte auch nicht lange, bis er wieder das scharrende und kratzende Geräusch vernahm, welches sich ihm stetig näherte.
Dann plötzlich kam der Steinbeisser um eine Ecke des Stollens gerannt, mit einer Geschwindigkeit, die man diesem Tier nicht zumuten würde. Abrupt hielt der Steinbeisser an, denn normalerweise war Anggosch schon lange viel weiter, wenn der Steinbeisser die "Arbeitsspur" von Anggosch säuberte. Nun standen sich beide gegenüber und der Steinbeisser musterte den Zwerg, zumindest war das der Eindruck den Anggosch hatte. Anggosch schob nun mit dem Fuß einen größeren Steinbrocken in Richtung des Steinbeissers. Vorsichtig und langsam geschah dieses und als er nur noch eine Zwergenlänge vom Steinbeisser entfernt war gab er dem Steinbrocken noch einen letzten Schupps, sodass dieser bis vor die Fresswerkzeuge des Steinbeissers kullerte. Es dauerte nicht lange und der Stein hatte seinen Weg in den Bauch des Steinbeissers gefunden.
Nun fing der Steinbeisser auch an, die anderen losen Brocken zu fressen. Anggosch arbeitete heute langsamer als sonst, sodass er und der Steinbeisser die ganze Zeit nah beieinander waren. Anggosch richtete sein Arbeitstempo so ein, dass er langsamer arbeitete als der Steinbeisser die Steine verspeiste. So kam es, dass der Abstand immer kleiner wurde. Als Anggosch seinen Erzsack ungefähr zur Hälfte gefüllt hatte, war der Abstand auf unter eine Zwergenlänge geschrumpft und kein loser Stein lag plötzlich mehr herum. Nun hörte Anggosch wieder dieses donnernde Zischen, welches sich irgendwie nach einer Aufforderung anhörte. Anggosch sah sich kurz um und nahm einen losen Steinbrocken von der Felswand und hielt diesen dem Steinbeisser direkt vor die Fresswerkzeuge. Als diese sich in Bewegung setzten, zog Anggosch seine Hand aber auch schnell wieder zurück. Dieses Spielchen wiederholte sich nun unzählige Male, und jedesmal machte Anggosch dabei irgendetwas anderst, als beim vorherigen Male. Langsam bewegte er sich schneller in der Nähe des Steinbeissers, dann berührte er nicht ganz zufällig den Steinbeisser mal hier, mal da. Das alles war dem Steinbeisser sichtlich egal, das Einzige was diesen Kerl interessierten waren die Gesteinsbrocken, die Anggosch ihm nun immer hinschob, nachdem er das Gestein von seinen Erzen befreit hatte.
Der Erzsack war nun ungefähr zu drei-viertel gefüllt, als Anggosch ein größeres Stück Fels aus dem Gestein brach. Auch diesen schob er dem Steinbeisser wieder zu, doch diesmal machte er nicht sofort mit der Arbeit weiter, sondern er blieb nebem den Fels stehen und als der Steinbeisser begann den Stein zu fressen, da legte Anggosch ihm langsam seine Hand auf den Panzer, wo er sie auch liegen ließ, da der Steinbeisser anscheinend nichts dagegen hatte. Mit dem nächsten größeren Felsbrocken machte er es genauso, doch diesmal ging um den Steinbeisser herum und zuallerletzt versuchte er sehr langsam auf den Steinbeisser aufzusteigen. Auch dieses ließ der Steinbeisser mit sich geschehen und Anggosch saß nun auf dem Rücken des Tieres. Nun versuchte Anggosch den Steinbeisser zu reiten, wie es auch seine Brüder mit ihren Steinbeissern tun und tatsächlich, der Steinbeisser ging mit Anggosch auf dem Rücken in die Richtung in die er gehen sollte. Doch der "Ausritt" dauerte nicht lang, denn Anggosch hatte noch etwas zu tun, denn der Erzsack war noch nicht voll. Also machte er sich nun wieder an die Arbeit, schlug den Fels mit seiner Picke, sammelte das Erz ein und schob nebenbei dem Steinbeisser die Brocken zu, der wiederum das Ganze mit einem wohlklingenden donnernden zischen begrüßte.
Als der Erzsack nun wieder gefüllt war, schulterte er diesen und ging einige Schritt in Richtung Nilzadan-Stadt. Dann blieb er stehen und schaute sich zum Steinbeiser um, der sich nun tatsächlich in Bewegung setzte um Anggosch zu folgen und neben ihm stehen zu bleiben. "Wenn Du mitkommen möchtest, kannst Du auch etwas tun", dachte sich Anggosch und wuchtete den schweren Erzsack auf den breiten Rückenpanzer des Käfers, wo der Erzsack auch liegenblieb. Seit Jahren wieder, war für Anggosch der Weg nach Hause genauso leicht, wie der Weg zum Stollen. Denn der Steinbeisser trug nun die ganzen Erze und es schien ihm nichts auszumachen. Zu Hause angekommen nahm Anggosch den Erzsack vom Rücken des Tieres, brachte den Erzsack ins Haus und kam mit einigen Steinen, die er sonst den Langbeinern für ihre Häuser verkauft hätte, wieder heraus. Diese legte er dem Steinbeisser wieder vor dessen Fresswerkzeuge und zu guter letzt band er ihn mit einem Stück Seil noch fest, denn dieser Steinbeisser sollte nun der seinige sein.