Niederschriften
Verfasst: Donnerstag 4. Dezember 2014, 21:55
01. Alatner des Jahres 257
02. Alatner des Jahres 257
03. Alatner des Jahres 257
04. Alatner des Jahres 257
- Meine Uhr zeigt einen halben Glockenschlag vor Mitternacht.
Ich kann nicht schlafen.
Die Arbeit für heute auf dem Hof ist getan, die Tiere versorgt, die Pflanzen gegossen,
das Geschirr gereinigt; und dennoch finde ich nicht die Ruhe meine Augen zu schließen
und mir den Schlaf zu gönnen.
Da das Schafe zählen nicht sehr erfolgreich ist, versuche ich mal meine Gedanken niederzuschreiben,
in der Hoffnung damit meine Grübeleien aus dem Kopf zu Papier zu bringen.
Die Arbeit auf dem Hof ist abwechslungsreich und dennoch so eintönig.
Jeden Tag derselbe Ablauf, und gerade jetzt wo der Winter hereinbricht
kommen auch nicht viele Kunden am Hof vorbei.
Irgendwie fühlt man sich einsam. Oder ich hätte einfach nicht das Buch lesen sollen
das ich aus dem Nachlass meiner Eltern habe…
Mein alatarischer Glaube berichtet nicht von Dingen wie Zuneigung, Wärme und Geborgenheit,
und dennoch bekomme ich ein wohles, warmes Gefühl im Bauch wenn ich darüber lese.
Es kommt mir vertraut vor und doch so fern. Haben wir einmal gewusst was das ist,
und nur unser Verstand brachte uns dazu es zu verlernen?
Und mach ich mir jetzt womöglich unnötige Gedanken weil eine eventuell zufällige Magenstörung
zum Zeitpunkt des Lesens des Buches auftrat? Aber genug von diesem Thema…
ich versuche zu schlafen, auch wenn mir der Schädel brummt.
Ich sollte mir merken, dass wenn mir etwas runterfällt, ich erst prüfe ob was vor mir steht,
ehe ich mich bücke um es aufzuraffen. Mein Schädel war zwar härter als der Blumentopf,
aber ich bin sicher für ihn war’s weniger leidvoll als für mich jetzt…
02. Alatner des Jahres 257
- Neuer Tag, selbe Arbeit auf dem Hof. Heute hat mich die Henne Gerda in die Wade gezwickt,
das dumme Vieh. Morgen hab ich bestimmt einen bunten Fleck am Bein.
Mal sehen… Ich muss mir dickere Stiefel zulegen, langsam frieren mir auf dem Hof die Zehen ab.
Meine Finger werden trocken und reißen auf, da ist mir der Sommer doch deutlich lieber…
Um mich heute ein wenig von meinen Gedanken abzulenken habe ich mir eine Schneiderin
und einen Schreiner zum Hof bestellt, und mir einige neue Anregungen geholt
wie ich den Hof schöner gestalten kann. Ich hab von sowas ja keine Ahnung.
Wir haben einiges umgeräumt und der Schreiner hat noch einiges dazu gezimmert,
ebenso die Schneiderin half mit einigen Kissenbezügen und Vorhängen aus.
Es wirkt wohnlicher, aber irgendwie fühle ich mich trotz allem nicht heimisch.
Vielleicht vermisse ich auch nur meine Eltern, vielleicht sogar meinen Bruder,
auch wenn der bei weitem nicht mein Schlag ist. Dabei bin ich hier doch gar nicht einsam?
Ich habe Alrike auf dem Hof, und seit kurzem auch eine Magd die ganz fein aushilft. Was beschwer ich mich?
03. Alatner des Jahres 257
- Heute habe ich erneut eine Schneiderin aufgesucht, nachdem ich in der früh mit Schniefnase feststellen musste,
mir die Rotze eingefangen zu haben. Ich brauchte also dringend gute Winterkleidung,
wenn ich weiter so viel draußen auf dem Hof herumziehe. Ich habe nun dicke Winterstiefel,
Wollhosen und dicke Jacken, alles in einem satten braun. Dann kann ich‘s länger anziehen,
weil man den Dreck vom Hof nicht gleich sieht…
Bei dem Wetter dauert‘s ja nämlich ewig bis meine Kleidung einigermaßen getrocknet ist.
Zudem brauchte ich eh mal neue Kleidung, ich bin gestolpert als ich den zusammengerafften Dung
gerade auf den Misthaufen bringen wollte, und irgendwie bekomm ich den Duft nicht raus gewaschen…
Irgendwie versuche ich mir für jeden Tag eine andere Beschäftigung rauszusuchen,
nebst der Arbeit am Hof versteht sich. Irgendetwas, das mich ablenkt und nicht zulässt,
dass meine Gedanken sich in seltsame Bahnen bewegen können.
Ich fürchte langsam ich bin ein bisschen plemmplemm geworden in meinem Kopf.
Vielleicht richtet das ein Besuch im Tempel wieder?
Hm eine gute Beschäftigung für den morgigen Tag will ich meinen…
04. Alatner des Jahres 257
- Der Besuch im Tempel hat mich ein wenig zu meiner Mitte zurückgeführt und lies mich zeitweise klar blicken.
Ich denke ich setze mich selbst zu sehr unter Druck und rede mir selbst ein nicht zufrieden mit dem zu sein was ich habe.
Gemessen an dem was ich hatte als ich nach Rahal zurückkehrte,
habe ich nun mehr als ich mir damals erhofft hatte. Ich führe nun mit Alrike einen eigenen Hof,
begonnen hatte ich als Magd in Wetterau auf dem Hof der Familie Ehrm.
Ein paar Groschen hab‘ ich bekommen und war froh dass ich ein Dach über dem Kopf hatte.
Trotz allem ist das was ich habe nicht erfüllend für mich.
Vielleicht der falsche Beruf? Ich könnte mich mal im… Schwertkampf üben?
Nein ich glaub dazu fehlen mir die Muskeln, ich hab ja schon Probleme die große Gießkanne ordentlich zu halten…
Mit wie vielen Blümlein hab ich’s schon zu gut gemeint und sie halb ersäuft.
Fehlt mir vielleicht doch der grüne Daumen?
Ach was denk ich drüber nach, mir bleibt ja nichts anderes als den Hof Tag ein Tag aus
mit den anderen beiden am Laufen zu halten, größere Sprünge oder Träume
stehen mir nicht zu nehm‘ ich an.
Was soll aus mir schon werden?
Ich werd irgendwann vermutlich auf dem Dung ausrutschen,
mit dem Kopf auf den Futtertrog schlagen und mir den Hals brechen,
wie ich mein Glück kenne…