Des Nächtens im Kloster
Verfasst: Donnerstag 9. März 2006, 01:52
Das Licht des Mondes hüllte den Innenhof des Klosters mit seiner prächtigen Kapelle und dem beinahe unscheinbaren, im Schatten des Gebäudes liegenden Baum des Lichtes in einen bläulich-weißen Schimmer. Vielleicht fand der ein oder andere Streifen des weißen Lichtes seinen Weg durch die hohen Bogenfenster der Innenmauer in die angrenzenden Räume und Stätten. Weiter als einige Fuß mochte er aber kaum reichen und so war es ein Paar an Talgkerzen welches in einem dreiarmigen Messingleuchter stak, das den Speisesaal zu so später Stunde nicht nur mit seinem beißenden Geruch, sondern auch mit seinem unsteten und flackernden Licht erfüllte. Der schwache Kerzenschein reichte kaum aus um den Platz des Templers zu erhellen, der in der verschwiegenen Leere des Raumes eine nächtliche Mahlzeit zu sich nahm. Gekleidet in eine schlichte, braune Leinenrobe und ganz aufrecht in der Haltung, als wollte er sein entstelltes Narrengesicht vor der scheuen Neugierde der vor ihm stehenden Talgkerzen in den Schatten des Raumes zurückziehen, löffelte er aus einer irdenen Schale eine dünne, fleischlose Suppe. Sah man von dem einzelnen Templer ab, dann war der Speisesaal zu dieser Stunde ganz leer und auch die Küche lag verlassen, der Koch des Klosters ruhte längst. Auch in den anderen Zimmern und Kammern des Klosters mochte der Schlaf mit langsamer Sicherheit Einzug gehalten haben. Vielleicht brütete einer der Jungtempler noch über ein Glaubensrätsel nach, das ihm sein Lehrmeister an diesem Tag gestellt hatte, möglicherweise hielten die Schriften Schwester Oceana in dieser Nacht länger wach als sonst und sie kopierte in dünnem Licht eine alte Schriftrolle oder die mürbe Seite aus einem längst vergessenen Buche, als fürchte sie, das Werk würde am nächsten Morgen mit den ersten Sonnenstrahlen zu Staub zerfallen und für immer verloren sein. Ja und ihre Heiligkeit, wer weiß welche schwerwiegenden Sorgen und Gedanken sie von ihrer verdienten Ruhe hätten abhalten können. Vielleicht war er aber auch der einzige, den diese Nacht nicht zu Ruhe kommen ließ. Da er zumindest der einzige ist von dem wir uns getrauen es mit Sicherheit zu behaupten, bleibt uns nichts anderes übrig als zu ihm zurück zu kehren.
Seine magere Hand, leistete sie ihm auch erst um die 30 Jahre treue Dienste, schien ihm diese Nacht ihren Gehorsam zu versagen, denn schon das winzige Gewicht des Löffels brachte sie um die Ruhe und anstatt sich zu fügen begehrte sie mit kleinen Zittrigkeiten und anderen Unpässlichkeiten auf, als gebe sie sich alle Mühe jeden sparsamen Löffel Suppe, den der Templer zu seinem Munde zu führen beabsichtige, gleich wieder zurück in die Schale zu schütten bevor er die Lippen des Mannes benetzen konnte. Der Templer aber ertrug diese Ausrutscher, die ihm seit langer Zeit kein Geheimnis und keine Ungewöhnlichkeit mehr waren, mit aller Geduld und führte Löffel um Löffel der Suppe zu seinen Lippen, Mal um Mal scheiternd und doch wieder von vorne beginnend. Seltsamerweise tat er jedoch keine Anstalten sich tiefer über den Teller zu beugen oder gar die Schale in die Hand zu nehmen und einfach vom Rande aus zu trinken. Nein er blieb mit geraden Schultern sitzen, führte den Löffel zum Munde und exerzierte dergleichen ganz unbeirrt. Gelang es ihm dank seiner Beharrlichkeit auch einmal einen Löffel in seinem Munde unterzubringen, so stellte sich eine zweite Unpässlichkeit mit aller Verlässlichkeit ein. Da wo andere Menschen ihre linke Gesichtshälfte zu haben pflegen und recht froh sind, wenn sie der rechten halbwegs ähnelt und wohlproportioniert ist, zierten seit ehedem tiefe Brandwunden und Vernarbungen seine Haut, die nicht nur sein Auge zu einer toten, milchigen Hülle zerschlagen hatten, sondern bis zu seinem Mundwinkel herabreichten und diesem eine ungewöhnliche Starre und Taubheit verliehen. Dies wiederum zog nach sich, dass er seinen Munde, hatte er einen Löffel der Suppe darin untergebracht, nicht mehr ganz zu schließen imstande war, so dass, lehnte er den Kopf nicht schnell zurück, was wiederum bei der heißen Suppe recht schwierig war, ein dünner Strom an Flüssigkeit wieder aus seinem Munde ran und er mit einem Seufzer aus dem Munde verlor, was er vorher so mühselig darin untergebracht hatte. In dieser Nacht nun suchten ihnen diese Ungenügendheiten seines schwachen Leibes mit solcher Beständigkeit heim, dass ihm nach einiger Zeit die ganze Zwecklosigkeit und mitunter auch Possenhaftigkeit seines Tuns zu Kopf zu steigen schein, denn einen Moment später gönnte er seiner verräterischen Hand die gewollte Ruhe und fasste sich müde an die fahle Stirn.
Als aber die Klosterdienerin Morgane ihr nächtlicher Gang durch das Kloster zu sehr viel späterer Stunde auch am Speisesaal vorbeiführte, da weckte der schwache Schein zweier fast vollständig heruntergebrannter Talgkerzen ihre Aufmerksamkeit. Vorsichtig öffnete sie die schwere Eisentüre, die zum Speisesaale führte, und erst da fiel ihr die hagere Gestalt auf, die noch immer in der nächtlichen Einsamkeit des Raumes weilte, ganz aufrecht in ihrer Haltung und ganz leblos und still. Etwas verwundert blinzelte und sprach sie in das Halblicht des Raumes: „Euer Gnaden ?“ Doch blieb sie ohne Antwort und zögerlich trat sie näher: „Ist alles in Ordnung, Euer Gnaden ?“ Besorgt wie befangen blieb sie in einigen Schritten Abstand stehen, ganz hilflos derer Dinge, die sie nun tun sollte. Doch eine Regung des geweihten Mannes erleichterte sie um die nächtliche Verwirrung und mit etwas mühsamer Bewegung erhob er sich von seinem Stuhle. „Ja, es ist alles in bester Ordnung, Schwester. Ich hatte lediglich eine Speise einnehmen wollen.“ Beruhigt seufzte die Klosterdienerin durch und als der Templer in gewohnter Schweigsamkeit der Türe zustrebte, da eilte sie auch schon zu Tische, um Löffel und Schale abzuräumen. Erstaunt blieb ihr Blick dabei auf dem vollen Suppenteller hängen. „Aber ihr habt ja gar nichts gegessen, Euer Gnaden ?“ Für einen Augenblick blieb der Templer in der Türe stehen, im letzten Moment davon abgehalten ins Dunkel der Nacht zu entweichen. Es war als müsste er lange nachdenken, doch dann schüttelte er nur den Kopf. „Nein, ich hatte doch keinen Hunger. Gute Nacht, Schwester.“ Die Klosterdienerin schaute verdutzt auf die sich schließende Türe, dann griff sie nach der Schale. Sie war ganz kalt. Etwas besorgt ob der seltsamen Begegnung und doch recht ratlos trug sie die Schale in die Küche. Welche Laus seiner Gnaden wohl über die Leber gelaufen sein mochte ?
Seine magere Hand, leistete sie ihm auch erst um die 30 Jahre treue Dienste, schien ihm diese Nacht ihren Gehorsam zu versagen, denn schon das winzige Gewicht des Löffels brachte sie um die Ruhe und anstatt sich zu fügen begehrte sie mit kleinen Zittrigkeiten und anderen Unpässlichkeiten auf, als gebe sie sich alle Mühe jeden sparsamen Löffel Suppe, den der Templer zu seinem Munde zu führen beabsichtige, gleich wieder zurück in die Schale zu schütten bevor er die Lippen des Mannes benetzen konnte. Der Templer aber ertrug diese Ausrutscher, die ihm seit langer Zeit kein Geheimnis und keine Ungewöhnlichkeit mehr waren, mit aller Geduld und führte Löffel um Löffel der Suppe zu seinen Lippen, Mal um Mal scheiternd und doch wieder von vorne beginnend. Seltsamerweise tat er jedoch keine Anstalten sich tiefer über den Teller zu beugen oder gar die Schale in die Hand zu nehmen und einfach vom Rande aus zu trinken. Nein er blieb mit geraden Schultern sitzen, führte den Löffel zum Munde und exerzierte dergleichen ganz unbeirrt. Gelang es ihm dank seiner Beharrlichkeit auch einmal einen Löffel in seinem Munde unterzubringen, so stellte sich eine zweite Unpässlichkeit mit aller Verlässlichkeit ein. Da wo andere Menschen ihre linke Gesichtshälfte zu haben pflegen und recht froh sind, wenn sie der rechten halbwegs ähnelt und wohlproportioniert ist, zierten seit ehedem tiefe Brandwunden und Vernarbungen seine Haut, die nicht nur sein Auge zu einer toten, milchigen Hülle zerschlagen hatten, sondern bis zu seinem Mundwinkel herabreichten und diesem eine ungewöhnliche Starre und Taubheit verliehen. Dies wiederum zog nach sich, dass er seinen Munde, hatte er einen Löffel der Suppe darin untergebracht, nicht mehr ganz zu schließen imstande war, so dass, lehnte er den Kopf nicht schnell zurück, was wiederum bei der heißen Suppe recht schwierig war, ein dünner Strom an Flüssigkeit wieder aus seinem Munde ran und er mit einem Seufzer aus dem Munde verlor, was er vorher so mühselig darin untergebracht hatte. In dieser Nacht nun suchten ihnen diese Ungenügendheiten seines schwachen Leibes mit solcher Beständigkeit heim, dass ihm nach einiger Zeit die ganze Zwecklosigkeit und mitunter auch Possenhaftigkeit seines Tuns zu Kopf zu steigen schein, denn einen Moment später gönnte er seiner verräterischen Hand die gewollte Ruhe und fasste sich müde an die fahle Stirn.
Als aber die Klosterdienerin Morgane ihr nächtlicher Gang durch das Kloster zu sehr viel späterer Stunde auch am Speisesaal vorbeiführte, da weckte der schwache Schein zweier fast vollständig heruntergebrannter Talgkerzen ihre Aufmerksamkeit. Vorsichtig öffnete sie die schwere Eisentüre, die zum Speisesaale führte, und erst da fiel ihr die hagere Gestalt auf, die noch immer in der nächtlichen Einsamkeit des Raumes weilte, ganz aufrecht in ihrer Haltung und ganz leblos und still. Etwas verwundert blinzelte und sprach sie in das Halblicht des Raumes: „Euer Gnaden ?“ Doch blieb sie ohne Antwort und zögerlich trat sie näher: „Ist alles in Ordnung, Euer Gnaden ?“ Besorgt wie befangen blieb sie in einigen Schritten Abstand stehen, ganz hilflos derer Dinge, die sie nun tun sollte. Doch eine Regung des geweihten Mannes erleichterte sie um die nächtliche Verwirrung und mit etwas mühsamer Bewegung erhob er sich von seinem Stuhle. „Ja, es ist alles in bester Ordnung, Schwester. Ich hatte lediglich eine Speise einnehmen wollen.“ Beruhigt seufzte die Klosterdienerin durch und als der Templer in gewohnter Schweigsamkeit der Türe zustrebte, da eilte sie auch schon zu Tische, um Löffel und Schale abzuräumen. Erstaunt blieb ihr Blick dabei auf dem vollen Suppenteller hängen. „Aber ihr habt ja gar nichts gegessen, Euer Gnaden ?“ Für einen Augenblick blieb der Templer in der Türe stehen, im letzten Moment davon abgehalten ins Dunkel der Nacht zu entweichen. Es war als müsste er lange nachdenken, doch dann schüttelte er nur den Kopf. „Nein, ich hatte doch keinen Hunger. Gute Nacht, Schwester.“ Die Klosterdienerin schaute verdutzt auf die sich schließende Türe, dann griff sie nach der Schale. Sie war ganz kalt. Etwas besorgt ob der seltsamen Begegnung und doch recht ratlos trug sie die Schale in die Küche. Welche Laus seiner Gnaden wohl über die Leber gelaufen sein mochte ?