Seite 1 von 1

Ein Freund

Verfasst: Mittwoch 8. März 2006, 16:06
von Grim Hammergrund
Ein betaeubendes Donnern durchbrach die trockene Stille in der Tiefe des Stollens, zwergengeschmiedetes Metall traf auf harten Fels. Der Hoehlenstaub legte sich auf Grim’s faltige Wangen und nahm seinen Lippen die Feuchtigkeit, es waren bereits mehrere Stunden vergangen, ohne dass die Augen des alten Bergwaechters einen Krug wohltuenden Zwergenbieres zu sehen bekamen. Unter ihm hatte sich im Laufe der Zeit eine tiefe Scharte gebildet, ganz offensichtlich vermutete er an dieser einen Stelle des Nilzadans einen ganz besonderen Fund. „Ich will ein baertiger Goblin sein, wenn ich es hier nicht finde! Beim Barte meiner Mutter..“, murmelte der Alte in die verdreckten Maehnen seines Bartes – schon seit einiger Zeit war der Zwerg alleine in der Kaverne, und mit jeder Minute die verrann wurden seine Selbstgespraeche offener und lautstarker. Nur hin und wieder wurden seine lauten Flueche und Anrufungen an Cirmias durch ein penetrantes Scharren unterbrochen; wie jeder Zwerg wusste auch Grim, dass sich die Steinbeisser nach ihrer Nahrungssuche bevorzugt in die besonders trockenen Stollen zurueckzogen um ihre schwere Kost zu verdauen. Den Sohn des beruehmten Gram Goldhand stoerten die schwerfaelligen Wesen nur geringfuegig, wusste er doch, dass sie die „gepfluegten“ Abbaustollen der Zwerge begehbar hielten, indem sie herumliegendes Geroell frassen – dennoch beschlich den ergrauten Zwerg ein flaues Gefuehl. Als die kleine Grube die er ausgehoben hatte, bereits einen Umfang von mehreren dutzend Fuss und eine Tiefe von annaehernd seiner eigenen Groesse erreicht hatte, horchte der Zwerg auf: Ein droehnendes Geraeusch und damit wohl er auch dessen Verursacher bewegten sich in seine Richtung; Grim erkannte das Geraeusch von zerplatzenden Steinen und hob vorsichtig seinen haarigen Kopf soweit, dass er ueber den Rand seiner Grube hinausblicken und nach dem Stoerenfried Ausschau halten konnte. Es dauerte eine Weile, doch letzten Endes trat ein unverhaeltnismaessig wuchtiger, flach gebauter Steinbeisser aus der Dunkelheit hervor, die untere Bauchplatte, die sein gesamtes Gewicht hielt, drueckte sich mit der Last von mehreren hundert Pfund gegen den Boden und zerpresste selbst faustgrosse Steine in kleine Kiesel. Ein amuesiertes Laecheln breitete sich auf Grim’s faltigen Lippen aus, es waren viele Jahre vergangen seitdem er das letzte Mal einen pappsatten und reichlich vollgefressenen Steinbeisser gesehen hatte. In mueder Routine liess sich das gewaltige Wesen am Rande der Zwergengrube nieder und beobachtete mit seinen tellerfoermigen Puppillen die Regungen des Zwerges. Grim nahm seinerseits den Steinbeisser genauer unter die Lupe: Seine steinharten Schulterplatten standen nur minimal ab, waren allerdings von tiefgrauer, an den Raendern sogar von schwarzer, Faerbung, welche sich auffallend stark vom Stein abhob – neben diesem Umstand liessen auch die zerschrammten Wuehlklauen des Wesens darauf schliessen, dass es sich um ein besonders altes Exemplar handeln musste. Mit einem gelassenen Laecheln betrachtete Grim diese aeusserlichen Merkmale und fuehlte sich an seinen eigenen Koerper; mit einem ermuedeten Blick hob er die Faust und schlug sie wahllos in das Gestein unter sich – sofort kommentierte der Steinbeisser sein Tun mit einem donnernden Zischen, indem er die Luft geizig durch seine schmale Mauloeffnung zog; Grim schreckte zurueck und hatte schwere Not nicht die Balance zu verlieren. „Bei Graubarts stinkenden Trollzehen! Was ist denn?“ Er schenkte dem alten Steinbeisser einen vorwurfsvollen Blick, jener schien Grim jedoch ueberhaupt nicht wahrzunehmen und richtete seine grossen Augen starr auf einen bestimmten Punk in der kleinen Scharte. Der Zwerg folgte dem Blick des Stollentieres, wenn er Recht behielt dann lag der Fokus des Steinbeissers in der Ecke, welcher er sich schon seit fast einer halben Stunde nicht mehr gewidmet hatte. „Da meinst du? Mrâ? Was fuer ein… nun unterhalt’ ich mich wohlmoeglich noch mit den Dicken...“, erneut begann ein lautstarkes Zischen seinen Gedankengang zu unterbrechen, und mit einem Kopfschuetteln und einem abwehrenden Handzeichen machte sich der routinierte Bergmann an die Arbeit und begann die gedeutete Grubenecke freizulegen. Es verstrichen einige stillschweigende Minuten, bis der Fels ploetzlich nachgab und der lockere Stein in der Grube gen Zentrum rutschte und um ein Haar den darin stehenden Grim unter sich begrub. Was sich hinter dem freigelegten Schutt befand, liess dem ehrgeizigen Schmied fast die Augen uebergehen: Eine klare, stark ausgepraegte Ader reinen Mithrills blendete seinen Blick – das Blau und Silber schimmernde Metall war von wuenschenswerter Reinheit und Grim’s erster Schaetzung nach, waren aus dem Erz mindestens ein grosses Dutzend, vielleicht sogar Zwei, Barren zu gewinnen. Noch bevor der alte Khaz-Aduir dieses Geschenk des Schoepfers zu begreifen begann, droehnte der wuchtige Steinbeisser hinter ihm schon wieder los und schob sich samt seines immensen Gewichtes in die Grube – den Blick starr und raffgierig auf die unzaehligen Pfund Gestein gerichtet, die Grim natuerlich ebenso freigelegt hatte. Obwohl der sture Zwerg nicht viel vom Nachgeben hielt, wich er mit einem rettenden Sprung dem unaufhaltsamen Beisser aus; eine weise Entscheidung, schoss es ihm durch den Kopf, als er beobachtete wie das Wesen das Geroell unter sich begrub und ohne zu Zoegern damit begann sich das lose Gestein einzuverleiben – und somit natuerlich Grim den Zugang zu dem ersehnten, heiligen Metall verwehrte.

„Mrâ..“

Verfasst: Mittwoch 8. März 2006, 21:58
von Grim Hammergrund
Der alte Zwerg stand gemuetlich auf seine Spitzhacke gelehnt und beobachtete weiterhin schweigsam, mit leicht unglaeubigen Blick, das Treiben des dunklen Beissers – ganz offensichtlich hatte dieser nicht vor seinen Fressplatz zu raeumen. Selbst nachdem fast eine halbe Stunde verstrichen war, hatte das Steine fressende Wesen nur einen Bruchteil des Geroells verschlungen; dem aeusseren Anschein nach schien der betraechtliche Magen des Tieres bereits bis zum Zerbersten gefuellt zu sein. Mit einem resignierten Seufzen machte Grim einige Schritte um den ausgehobenen Erdspalt und nachdem ihm eine guenstige Stelle ins Auge fiel, bueckte er sich um seine stabile Spitzhacke mit einem kraftvollen Hieb bis zur Haelfte in das Gestein zu treiben. Nachdem das Werkzeug nun aufrecht stand, haemmerte seine metallene Faust es mit sichtbarer Muehe und unter erheblichem Schweissverlust in die Tiefe des Erdreiches, bis letzten Endes nur noch der glaenzende Werkzeugkopf aus dem Gestein herausstach. Im Zentrum dieses Werkzeugkopfes, war das Symbol seiner Sippe eingepraegt – Hammer und Spitzhacke in gekreuzter Position, umgeben von einem schuetzenden Wall aus Fels. Jedem zwergischen Bergarbeiter wuerde diese Kennzeichnung als die Absteckung eines Claimes des Hauses Hammergrund genuegen, so lief Grim nicht in Gefahr, dass die Mithrillader von einem anderen Khaz-Aduir gehoben werden wuerde. Mit einem zufriedenen Blick betrachtete Grim noch einmal das ganze Schauspiel, der schwerfaellige Steinbeisser hatte es mittlerweile sogar aufgegeben ueberhaupt noch Steine zu zerkauen; er lag einfach nur noch regungslos in der kleinen Grube und genoss die kleine Ruhepause.

„Ist ja auch schon spaet, will ich mal mein Bier nicht warten lassen, mrâ?“
, mit diesen leisen Worten schulterte Grim seinen Erzsack und richtete seine Stapfen in Richtung des Kavernenausgangs. Auf diesem Wege konnte er sich zugleich ueber die genauen Eigenarten dieser Hoehlenbewohner informieren - erst jetzt fiel ihm auf, dass er fast Nichts ueber die kraeftigen Tiere wusste, obwohl sie ihm doch schon seit seiner Kindheit an bekannt waren..

Verfasst: Donnerstag 6. April 2006, 08:22
von Grim Hammergrund
Es verging eine ganze Arbeitsschicht bevor in den Stollen wieder zwergisches Leben einkehrte: Mit einem, mittlerweile geleerten, Erzsack ueber der Schulter stapfte der alte Zwerg zielstrebig durch die Kaverne, den Blick immer ausschauend erhoben. Grim hatte bereits gehofft, dass der merkwuerdige Steinbeisser verschwunden war – hoerte er doch keinerlei Geraeusche, einmal abgesehen von seinen schwer besohlten Stiefeln – umso ueberraschter war der Langbart als er seine ausgehobene Grube erreichte: Das ergraute Hoehlenwesen lag noch immer seelenruhig in der Gesteinskuhle, als ob es nichts Schoeneres gaebe. Zu allem Ueberfluss schien sich der Beisser auch mehrmals gedreht zu haben, sodass an einigen Stellen Geroell in die Scharte gerutscht war und es fuer Grim unmoeglich war, genau zu bestimmen an welcher Stelle das heilige Metall nun eigentlich verborgen war.

„Mrâ nosnyr... Ews vel Dormakh! Beim Barte meiner Mutter, wo sind meine Erze?“
, mit einem aufgebrachten Haendefuchteln schritt der Kurzwuechsige um seine verschandelte Grube herum, stiess laute Flueche aus und suchte nach seiner Spitzhacke. Der Steinbeisser drehte seine flachen Pupillen zwar in die Richtung des Zwerges, schien an dem Leiden von Grim aber kein allzu grosses Interesse zu verlieren; er beobachtete den alten Zwerg eine Weile und machte sich dann schliesslich daran unter muehseeligem Knurren den wuchtigen Koerper in die Hoehe zu stemmen. Wie wenige Stunden zuvor, gab der breit gebaute Hoehlenbewohner ein droehnendes Zischen von sich – diesmal richtete er seinen Blick jedoch auf keinen besonderen Punkt am Grund, sondern marschierte in langsamem Tempo geradewegs auf Grim zu. Dieser staunte zunaechst nicht schlecht, welche Geschwindigkeit das alte Tier noch erreichen konnte – wenn es denn wollte; er ueberlegte bereits ob er dem Hoehlenwesen ausweichen sollte, als Grim bemerkte, dass der Beisser stetig langsamer wurde und letzten Endes nur wenige Fingerlaengen vor seinen Fuessen zum Stehen kam. Grosse Augen blickten ihn an, es schien so als ob der Steinbeisser den Khaz-Adui von Oben bis Unten mustern wuerde, und im naechsten Moment droehnte wieder ein Zischen aus der Richtung des massiven Koerpers. Doch diesmal klang es anders: Nicht warnend oder deutend, sondern vielmehr klagend, Grim wusste das Geraeusch nicht recht einzuordnen und deutete es daher instinktiv als ein Roecheln. Mit schier unglaublicher Ruhe oeffnete sich das weite Maul des steinfressenden Tieres – der alte Zwerg wusste zwar, dass sein Gegenueber lieber Stein und Fels mochte, dennoch liess ihn der Anblick dieser Geste einen vorsichtigen Schritt zurueck machen. Nichts passierte. Seelenruhig blickten sich beide Bergbewohner an, bevor Grim schliesslich die Stille brach: „Mrâ? Du wirst doch wohl kaum schon wieder Hunger haben, bei den 2 Maegen des Arangosch Bierbauch!“, ein pruefender Blick auf den leicht aufsitzenden Rumpf des Tieres verriet ihm, dass der Steinbeisser erst kurz zuvor etwas gefressen haben musste, oder zumindest noch ausreichend Nahrungsreserven von seinem letzten Streifzug besitzen muesste, „Sag’ schon was, ich habe hier nicht die Zeit, wie ein Spitzohr in der Gegend rum zustehen…“ , und wenn der Steinbeisser diese Worte tatsaechlich verstehen konnte, dann gab er keinerlei Anzeichen dafuer, dass es nun wirklich so war. Stattdessen drehte er seine riesigen Pupillen nach innen und senkte seinen Blick, folgte man seinem Augenpaar, so schnitt sich sein Fokus direkt an der Spitze seines Mauls. „Mrâ, ich hoffe das ist ein schlechter Scherz… und wag es ja nicht zu zubeissen, bei Graubarts Gebeinen, wenn du wuesstest was dir dann blueht…“, Grim verstand den Deut des Tieres und brummelte noch einige Worte vor sich hin, waehrend er sich langsam der weiten Oeffnung des Mauls naeherte und einen tiefen Blick in das Innere wagte. Da die Hitzeverhaeltnisse im Rachen des Wesens kaum Unterschiede zur Umgebung aufwiesen, war es fuer den Zwerg sehr schwer ueberhaupt etwas zu erkennen; es dauerte seine Zeit, doch dann erkannte er was den Steinbeisser quaelte: Am seiner Speiseroehre, zwischen Gaumen und Rachen, hatten sich mehrere Fremdkoerper verkeilt, den Umrissen nach zu urteilen, musste es sich um verschiedene Felsbrocken oder Steine handeln. Mit einem beherzten Griff schob Grim seine metallische Hand in die Mundhoehle des Beissers, und klopfte kraeftig gegen die Ansammlung von Brocken… was im naechsten Moment passierte, bekam der Zwerg kaum noch mit: Durch das Klopfen seiner Metallhand, war der Steinbeisser so erschrocken, dass er die ganze Luft in seinem Koerper zusammenzog und mit einem einzigen Mal durch’s Maul ausstiess. Obwohl Grim weit mehr als 200 Pfund wog, erfasste ihn die Niesreaktion des Tieres und schleuderte ihn gute 15 Fuss nach hinten; sein Kopf schlug gegen ein Felsmassiv und er sackte bewegungsunfaehig zu Boden…