Heimkehr
Verfasst: Sonntag 9. November 2014, 11:41
Die Augenlider waren wieder schwer geworden, die Kerze gab nur noch minimal Licht ab. Er blinzelte, hob den Blick an und sah aus dem Fenster heraus. Er hatte den Familienabenden schon eine Weile nicht mehr beigewohnt. Sie waren ihm auch eher fremd geworden, doch daran war er allein schuld. Zu tief steckte er die Nase in seine Bücher. Die Unterrichtsstunden die ihm angeboten wurden, verflogen einfach, da er diese verpasste. Die rechte Hand fuhr ihm durch das Gesicht, die Fingerkuppen kratzen über seinen Hinterkopf entlang, als er schließlich schwer durchatmete. Er wollte seine Familie nicht mehr enttäuschen - in erster Linie aber schon gar nicht das Vertrauen Sahids. Er würde nicht das werden, was ihm vorbestimmt war. Er war ein Stubenhocker, eine Leseratte, mehr aber auch nicht. Theoretisches Wissen anzueigenen war für ihn eine tolle Sache, aber wenn es darum ging, dieses in die Praxis umzusetzen, scheiterte er.
Noch in der Nacht hatte er sein Bündel zusammengelegt und seine Kleider, die edlen Stücke Surayas sicher verstaut. Er roch nochmal an diesen, sie waren so voller Zuneigung. Die Zuneigung, die von den Natifahs des Hauses kam, die wacker ihren Aufgaben nachging. Gegen die Bediensteten hatte er nichts, niemals, obwohl Kritik und bestimmte Blicke anderer Familien kamen. Er hoffte, dass sich die Familien in der Wüstenperle zusammenraffen würden, die kleinen Streitigkeiten beiseite legen und endlich Hand an Hand fassen greifen würden. Sie sind doch ein Volk, warum dieser ganze Trubel?
Als er die Treppe hinab stieg, wurde ein Schriftstück auf Sahids Schreibtisch in seinem Büro hinterlegt. Als er das Haupttor des Viertels hinter sich geschlossen hatte, machte er sich auf den Weg zur Akademie, um dort ein Schreiben für Hazar zu hinterlassen. Seine Mimik verriet, dass ihm der Abschied von diesen Orten, den Personen darin schwer viel. Er verweilte an diesem Ort zwar nicht lange, doch hatte sich der herzliche Empfang in sein Herz eingeprägt.
Er wartete die Nacht ab, bis die erste Karawane des morgens loszog, um dann in die Heimat zurück zu kehren. Mit trüben Augen saß er auf dem Rücken eines Pferdes, musste ein Lama mit sich führen, um die Überfahrt preislich anzupassen, damit er sich diese überhaupt leisten konnte. Sie war nicht so stark bewacht, wie es sonst üblich war, doch waren hier auch keine großen Reichtümer zu holen.
Es waren Turbane, Stoffkleider, Waffen und sogar ein zerborstener Wüstenskorpion, die die Leiber auf dem Boden grotesk schmückten. Den Überfall hatte kein Menekaner überlebt. Die Angreifer hatten gehofft fette Beute gemacht zu haben, doch als sie dort nur einfache Güter fanden, wurde die Wut an den Anwesenden ausgelassen.
Seine rechte Hand hatte noch den Familienring umschlossen, das Gesicht war in den Sand gedrückt und die Ärmel seiner Kleidung verrieten, dass er noch versucht hatte sich zu wehren. Schwarz verkohlte Flecken zeigten sich dort noch.
"Wertgeschätzter Vetter,
ich komme nicht umhin dir mitzuteilen, dass ich mich immer weiter von der Familie entfernt habe. Ich bin mir sicher, dass ich dich enttäuscht habe und dein Vertrauen verraten habe. Ich wollte immer schon den Weg zum Shojen einschlagen und dacht, dass ich dafür geschaffen war. Dem war nicht so. Ich habe die Hoffnung, dass du mir irgendwann verzeihen wirst. Ich schätze dich und deine Familie sehr. Die Yazir in Menek'Ur sind eine große Familie. Du wirst in die Hallen unserer Ahnen voller Ruhm und Ehre einfahren. Ich versuche das wieder gut zu machen, was ich angerichtet habe. Du wirst mich zum Morgen nicht länger im Familienviertel dulden müssen.
Voller Ehrfurcht,
Rahim"
"Meine geschätzte und geachtete Mudir Hazar, aus dem Hause der Bashir,
es tut mir leid und im Herzen weh, Euch nun diese Zeilen zu verfassen. Ich habe es Euren Augen angesehen, dass Ihr große Potenzial gelegt habt. Ich hätte Euch gerne etwas bewiesen und doch muss ich gestehen, dass ich dem nicht nachkommen wollte, oder konnte. Ich will mein Versagen entschuldigen, denn nur ich alleine bin dafür verantwortlich. Bitte lasst dadurch kein schlechtes Licht auf meine Familie werfen.
Hudad, entfernt mich aus den Chroniken der Akademie, denn ich kann nicht länger Euer Schüler sein. Mein Weg führt mich nach Hause, wo ich weiterhin Bücher studieren werde und meine neugierige Nase in allerlei Dinge stecken werde. Ich wünsche Euch viel Erfolg und übersende meine besten Grüße.
Erlaubt mir Euch in ferner Zukunft nochmals zu besuchen, auf dass wir vielleicht gemeinsam einen Mocca genießen dürfen. Ich lausche gerne Euren weisen Worten.
Euer ergebener Tranam,
Rahim Nabil aus dem Hause der Yazir"
Noch in der Nacht hatte er sein Bündel zusammengelegt und seine Kleider, die edlen Stücke Surayas sicher verstaut. Er roch nochmal an diesen, sie waren so voller Zuneigung. Die Zuneigung, die von den Natifahs des Hauses kam, die wacker ihren Aufgaben nachging. Gegen die Bediensteten hatte er nichts, niemals, obwohl Kritik und bestimmte Blicke anderer Familien kamen. Er hoffte, dass sich die Familien in der Wüstenperle zusammenraffen würden, die kleinen Streitigkeiten beiseite legen und endlich Hand an Hand fassen greifen würden. Sie sind doch ein Volk, warum dieser ganze Trubel?
Als er die Treppe hinab stieg, wurde ein Schriftstück auf Sahids Schreibtisch in seinem Büro hinterlegt. Als er das Haupttor des Viertels hinter sich geschlossen hatte, machte er sich auf den Weg zur Akademie, um dort ein Schreiben für Hazar zu hinterlassen. Seine Mimik verriet, dass ihm der Abschied von diesen Orten, den Personen darin schwer viel. Er verweilte an diesem Ort zwar nicht lange, doch hatte sich der herzliche Empfang in sein Herz eingeprägt.
Er wartete die Nacht ab, bis die erste Karawane des morgens loszog, um dann in die Heimat zurück zu kehren. Mit trüben Augen saß er auf dem Rücken eines Pferdes, musste ein Lama mit sich führen, um die Überfahrt preislich anzupassen, damit er sich diese überhaupt leisten konnte. Sie war nicht so stark bewacht, wie es sonst üblich war, doch waren hier auch keine großen Reichtümer zu holen.
Es waren Turbane, Stoffkleider, Waffen und sogar ein zerborstener Wüstenskorpion, die die Leiber auf dem Boden grotesk schmückten. Den Überfall hatte kein Menekaner überlebt. Die Angreifer hatten gehofft fette Beute gemacht zu haben, doch als sie dort nur einfache Güter fanden, wurde die Wut an den Anwesenden ausgelassen.
Seine rechte Hand hatte noch den Familienring umschlossen, das Gesicht war in den Sand gedrückt und die Ärmel seiner Kleidung verrieten, dass er noch versucht hatte sich zu wehren. Schwarz verkohlte Flecken zeigten sich dort noch.
"Wertgeschätzter Vetter,
ich komme nicht umhin dir mitzuteilen, dass ich mich immer weiter von der Familie entfernt habe. Ich bin mir sicher, dass ich dich enttäuscht habe und dein Vertrauen verraten habe. Ich wollte immer schon den Weg zum Shojen einschlagen und dacht, dass ich dafür geschaffen war. Dem war nicht so. Ich habe die Hoffnung, dass du mir irgendwann verzeihen wirst. Ich schätze dich und deine Familie sehr. Die Yazir in Menek'Ur sind eine große Familie. Du wirst in die Hallen unserer Ahnen voller Ruhm und Ehre einfahren. Ich versuche das wieder gut zu machen, was ich angerichtet habe. Du wirst mich zum Morgen nicht länger im Familienviertel dulden müssen.
Voller Ehrfurcht,
Rahim"
"Meine geschätzte und geachtete Mudir Hazar, aus dem Hause der Bashir,
es tut mir leid und im Herzen weh, Euch nun diese Zeilen zu verfassen. Ich habe es Euren Augen angesehen, dass Ihr große Potenzial gelegt habt. Ich hätte Euch gerne etwas bewiesen und doch muss ich gestehen, dass ich dem nicht nachkommen wollte, oder konnte. Ich will mein Versagen entschuldigen, denn nur ich alleine bin dafür verantwortlich. Bitte lasst dadurch kein schlechtes Licht auf meine Familie werfen.
Hudad, entfernt mich aus den Chroniken der Akademie, denn ich kann nicht länger Euer Schüler sein. Mein Weg führt mich nach Hause, wo ich weiterhin Bücher studieren werde und meine neugierige Nase in allerlei Dinge stecken werde. Ich wünsche Euch viel Erfolg und übersende meine besten Grüße.
Erlaubt mir Euch in ferner Zukunft nochmals zu besuchen, auf dass wir vielleicht gemeinsam einen Mocca genießen dürfen. Ich lausche gerne Euren weisen Worten.
Euer ergebener Tranam,
Rahim Nabil aus dem Hause der Yazir"