Seite 1 von 1

Von Regierung und Liebe

Verfasst: Freitag 3. März 2006, 10:52
von Mukhtaar Omar
Mukhtaar dachte eigentlich nicht von sich, dass sein Gerechtigkeitsinn sonderlich ausgeprägt war, oder dass er schon weise genug war, schwerwiegende Entscheidungen zu treffen. Dennoch waren seine Entscheidungen gut ausgefallen, er war doch etwas stolz auf sich. Bei einem Fall, der Fall des Mordes einiger Wachen in Menek'Ur, ließ ihn
jedoch nicht ruhen. Der Angeklagte hatte Menekaner umgebracht, aber sollte Mukhtaar genauso handeln wollen und ihn dafür büßen lassen? Er konnte kein Todesurteil sprechen, egal, wie schuldig jemand war. Gerne hätten das manche Personen, der der Sitzung beiwohnten gesehen. Für ihn war jedoch klar, dass es eine andere Strafe geben würde, mit der der Schuldige ein Leben lang verbringen musste. Schuldgefühle sollten sich bis tief in sein Mark und Bein graben.Heute hatte er jedoch keinen Kopf mehr für die Angelegenheiten eines Stadthalters. Heute wollte er sich nur noch, um seine Liebste kümmern. So trat er an ihr Haus, es war spät und die Arbeit hatte viel seiner Zeit beansprucht. Ihr Licht war bereits aus und er lächelte sachte, als er dies vernahm. Langsam schlich er hinein und fand seine schlafende Yannah vor, welche sich auf den Bauch gedreht hatte, beinahe das ganze Bett für sich beanspruchte, als sie Arme und Beine von sich wegstreckte. Ihr rechtes Bein schaute unter der Decke hervor und er ging hin, um die Decke über dieses zu schieben. Gerade überlegte er sich noch, wie gut er es doch hatte. Er wusste mit Sicherheit, dass sie ihn liebte, und was konnte es Schöneres geben, als geliebt zu werden?

Sein letztes Geschenk an sie hatte ihr wohl nicht sonderlich gefallen. Der Welpe schien sie nicht zu mögen, aber auch sie konnte offensichtlich keine Hunde leiden. Sollten sich eben die Diener, um das kleine Tier kümmern. Vielleicht wollte auch Anisha mit dem kleinen Fellknäul spielen. Diesmal wollte er etwas kreativer sein und eine besondere Art von Geschenk bieten. Zwei Dienerinnen schlichen des Nachts in das Haus Yannahs. Mukhtaar stand etwas abseits und betrachtete daS Schauspiel. Yannah schlief tief und fest, hatte wohl tatsächlich wieder den ganzen Tag gearbeitet. Da würde sie sicherlich nichts wachkriegen. So wurde das Bett immer weiter mit Blumenblüten ausgelegt, es waren weiße und rote dabei. Womöglich konnte man sie als Rosen erkennen. Als die Damen das Bett, in welchem Yannah noch lag, leise mit dem Farbenspiel geschmückt hatten. Er wies ihnen, das Haus zu verlassen und sich selbst zu Bett zu begeben, als er sich dann auf dem Dach niedersetzte und bei Mond- sowie Kerzenlicht eine Zeichnung begann, die er auf edelstes Pergament verfasste. Er eilte sich damit und gab sich dennoch enorme Mühe. Durch das viele Schreiben, dem Umgang mit Papyrus, hin und wieder einigen Skizzen in der Akademie, war aus ihm ein annehmbarer Zeichner geworden. Er legte das Blatt dann auf das Kopfkissen, wo normalerweise sein Kopf nachtsüber ruhte.

Auf dem Bild waren mehrere Rosen aufgemalt. Es waren sicherlich mehr als fünfzig an der Zahl, doch das Besondere darin war, dass es alles rote Rosen waren, bis auf die eine, welche in der Mitte lag. Diese war weiß. Ebenso wie die Rose, die er ihr auf den Nachttisch gelegt hatte. Sie war unglaublich schön und gegenüber den anderen doch eine Besonderheit. Doch achte man auf die Dornen, an denen man sich verletzen konnte. Mukhtaar wusste, dass Yannah diese Zeichen deuten konnte.

Er liebte sie. Das wusste er aber schon vorher.

Verfasst: Freitag 3. März 2006, 14:59
von Yannah Asif
Sie öffnete ihre Augen, die Sonne blinzelte durch die Vorhänge auf das Bett. Sie hatte zu lange geschlafen, wollte sie doch eigentlich früh aufstehen um in die Mine zu gehen und zu arbeiten. Sie blinzelte, verzog ihr Gesicht vor Schmerz, hatte sie wohl einen entzündeten Rücken. Die Kratzer schienen nicht weggehen zu wollen, ganz im Gegenteil. Sie wurden von Tag zu Tag schlimmer, doch konnte sie ihre Arbeit nicht schleifen lassen. Da musste sie durch. Sie blinzelte, schob ihre Hand über die Decke und erstarrte. Sie ertastete irgend etwas, öffnete die Augen vollends und setzte sich fassungslos im Bett auf. Überall sah sie die Rosenblätter liegen, wühlte fast schon darin, nahm ein paar in die Hand und Tränen liefen ihr über die Wangen. Sie war glücklich. Sie war endlos glücklich, ihn an seiner Seite zu haben. Auch entdeckte sie das Pergament mit der Zeichnung. Vorsichtig streichelte sie mit einer Fingerspitze darüber und eine Träne perlte ab, tropfte auf das Papier, fast als wolle sie den 'Schwur' besiegeln.

Hastig zog sie einen Kohlestift heraus, wendete das Blatt und begann in einer sauberen Schrift zu schreiben.

"Salam mein Schönster,

ich danke dir. Nie hat mir jemand den Morgen so versüsst, wie du es mit diesen Rosenblättern und der Zeichnung getan hast. Es tut mir leid, dass wir uns in den letzten Tagen öfters in den Haaren hatten. Ich weiß nicht, was los war. Wahrscheinlich wurde mir der Verlust von zu vielen geliebten Menschen zu viel und ich hatte einfach Angst, dich irgendwie zu verlieren. Demnach wollte ich mich vermutlich schützen. Ich freue mich schon darauf, wenn wir uns später sehen. Du bist alles, was ich je wollte. Du bist alles, was ich jemals spüren wollte. Du bist alles für mich.

In treuer und aufrichtiger Liebe,

Yannah"