Esmes Flucht
Verfasst: Mittwoch 27. August 2014, 17:20
Der Atem fliegend, die Haut von Schweißperlen benetzt schob sie sich hinter die nächste Hauswand, presste die Hände auf das wild pochende Herz.
Einen verstohlenen Blick um die Ecke werfend suchte sie nach dem dunklen Schatten, der sie wieder einmal verfolgte.
Sie wusste gar nicht mehr, wann das ganze angefangen hatte, aber es waren seither viele Wochen vergangen. Zuerst lachte sie über die kleinen, wenn auch oft seltsam anmutenden Geschenke. Die Nachrichten die sie erhielt waren oft unverständlich, ein wenig erschreckend. Doch dann spürte sie diese Blicke auf sich, wo auch immer sie ging. Blicke, die sich in ihren Nacken einzubrennen schienen, sie immerzu verfolgend...
Verlor sie den Verstand? Litt sie unter einem Wahn, der ihr vorspiegelte jemand beobachte sie Tag und Nacht?
Nein, dass konnte nicht sein. Hatte sie doch die vielen kleinen Dinge gefunden, die wer auch immer ihr „schenkte“.
Ein seltsam riechendes Stück von einem Schnupftuch...
ein Fellknäuel unbekannten Ursprungs...
eine blutbesudelte Feder, die ihr Nachtkissen schmückte...
Strähnige Haarlocken...
Allein der Gedanke verursachte ihr Übelkeit.
Und die Nachrichten auf altes, vergilbtes Pergament gekritzelt:
...ich kenne all deine Gedanken
...Tag und Nacht bin ich bei dir
...bald werden wir für immer vereint sein
Die letzte Nachricht hatte sie so derart erschreckt, dass sie stundenlang weinte. Die Gedanken die erst wirr hin und her sprangen festigten sich in der Vorstellung zu entfliehen. Weit fort...
Sollte sie ihrer Mutter eine Nachricht zukommen lassen? Lange überlegte sie doch dann entschloss sie sich heimlich zu verschwinden, denn zum einen kümmerte es ihre Mutter wahrscheinlich wenig wo sie abgeblieben war, zum anderen wollte sie nicht die kleinste Spur hinterlassen.
Beim Gedanken an ihre Mutter zog sich ihr Herz schmerzhaft zusammen. Die Gedanken schweiften zu dem Tag, als sie ihr zu verstehen gab, dass sie fortan ihre Tante sei und niemand von ihr, dem Bastard (wohl eines hochstehenden, reichen Mannes, dennoch ein Bastard) wissen durfte. Sie hatte Chancen auf eine Heirat mit einem wohlhabenden Handwerker, die wollte sie sich wegen dem Balg nicht verscherzen... ihre Worte.
Immerhin hatte sie sie in einem angesehenen Schneiderhaus untergebracht, dass nur die beste Kundschaft aufzuweisen hatte. So verfügte sie wenigstens über ein Auskommen, musste nicht betteln oder sich gar verkaufen, doch niemals, niemals im Leben konnte sie diesen Verrat verzeihen.
Eine kleine Reisetasche wurde gepackt, das Gesparte in die Säume eingenäht, Proviant zusammengesucht und im Dunkel der Nacht verlies eine kleine, schmale Gestalt das Haus durch den Hintereingang. Lief und lief und legte sich erst in einem Heuschober zur Ruhe, als der Tag anbrach, das Licht sich durch die Wolken schob und die Sonne sanft ihre Wangen streichelte.
Einen verstohlenen Blick um die Ecke werfend suchte sie nach dem dunklen Schatten, der sie wieder einmal verfolgte.
Sie wusste gar nicht mehr, wann das ganze angefangen hatte, aber es waren seither viele Wochen vergangen. Zuerst lachte sie über die kleinen, wenn auch oft seltsam anmutenden Geschenke. Die Nachrichten die sie erhielt waren oft unverständlich, ein wenig erschreckend. Doch dann spürte sie diese Blicke auf sich, wo auch immer sie ging. Blicke, die sich in ihren Nacken einzubrennen schienen, sie immerzu verfolgend...
Verlor sie den Verstand? Litt sie unter einem Wahn, der ihr vorspiegelte jemand beobachte sie Tag und Nacht?
Nein, dass konnte nicht sein. Hatte sie doch die vielen kleinen Dinge gefunden, die wer auch immer ihr „schenkte“.
Ein seltsam riechendes Stück von einem Schnupftuch...
ein Fellknäuel unbekannten Ursprungs...
eine blutbesudelte Feder, die ihr Nachtkissen schmückte...
Strähnige Haarlocken...
Allein der Gedanke verursachte ihr Übelkeit.
Und die Nachrichten auf altes, vergilbtes Pergament gekritzelt:
...ich kenne all deine Gedanken
...Tag und Nacht bin ich bei dir
...bald werden wir für immer vereint sein
Die letzte Nachricht hatte sie so derart erschreckt, dass sie stundenlang weinte. Die Gedanken die erst wirr hin und her sprangen festigten sich in der Vorstellung zu entfliehen. Weit fort...
Sollte sie ihrer Mutter eine Nachricht zukommen lassen? Lange überlegte sie doch dann entschloss sie sich heimlich zu verschwinden, denn zum einen kümmerte es ihre Mutter wahrscheinlich wenig wo sie abgeblieben war, zum anderen wollte sie nicht die kleinste Spur hinterlassen.
Beim Gedanken an ihre Mutter zog sich ihr Herz schmerzhaft zusammen. Die Gedanken schweiften zu dem Tag, als sie ihr zu verstehen gab, dass sie fortan ihre Tante sei und niemand von ihr, dem Bastard (wohl eines hochstehenden, reichen Mannes, dennoch ein Bastard) wissen durfte. Sie hatte Chancen auf eine Heirat mit einem wohlhabenden Handwerker, die wollte sie sich wegen dem Balg nicht verscherzen... ihre Worte.
Immerhin hatte sie sie in einem angesehenen Schneiderhaus untergebracht, dass nur die beste Kundschaft aufzuweisen hatte. So verfügte sie wenigstens über ein Auskommen, musste nicht betteln oder sich gar verkaufen, doch niemals, niemals im Leben konnte sie diesen Verrat verzeihen.
Eine kleine Reisetasche wurde gepackt, das Gesparte in die Säume eingenäht, Proviant zusammengesucht und im Dunkel der Nacht verlies eine kleine, schmale Gestalt das Haus durch den Hintereingang. Lief und lief und legte sich erst in einem Heuschober zur Ruhe, als der Tag anbrach, das Licht sich durch die Wolken schob und die Sonne sanft ihre Wangen streichelte.