Über den Dächern von Rahal
Verfasst: Donnerstag 21. August 2014, 18:21
Rahal, die Heilige Stadt des Herrn.
Alatar. Nachtherr, Vater Klaue, Schattenmord, Schwarzpirscher... wie viele Namen er doch hat. Und selten wird Ihm einer davon gerecht.
Und diese Stadt ist Seine Stadt. Das Herz des Alatarischen Reiches. Glaube, Gesetz und Ordnung haben hier ihre Wiege.
Es ist etwa die vierte Stunde des neuen Tages. Die schwarze Wand der finsteren Nacht weicht langsam einem schmalen glutroten Streifen am Horizont. Bald wird dort die Sonne aufgehen.
[img]http://s14.directupload.net/images/140821/7inffzxd.jpg[/img]
Shessidyr sitzt auf dem Dach des neuen Hauptquartiers der Legion Eisenwart, die blutroten Ziegel des Hauses durch die spärliche Straßenbeleuchtung gerade noch erkennbar. Stechender, kalter Nordwind vom Hafen her sorgt für grabesgleiche Zustände, während die ungepflegten blutbefleckten Haare, den Kleidern gleich, versuchen, mit der Brise zu fliegen.
Doch dieser Umstand wird von ihr völlig ausgeblendet. Denn hier oben ist sie für sich. Alleine. Weit weg von diesen verdrehten Realitäten und Gemeinschaften, die diese Stadt hervorgebracht hat.
Ihr Blick wandert über die Dächer der Heiligen Stadt.
Der Palast Seiner Heiligkeit...
die Oberstadt...
der Tempelkomplex...
die Unterstadt...
der Marktplatz...
die Stadtfestung...
und letztendlich das Dach, auf dem sie selbst sass.
Unter jedem dieser Dächer ruhten Diener des Herrn. Jedoch werden sie nicht alle ruhen. Wie sie finden wahre Diener des Herrn keine Ruhe, bevor sie nicht das Gefühl haben, dass Alatar mit ihrem Tun zufrieden ist. Es geht ihr wie ihrem Meister.
Khazkal Deslon. Burgherr, Fürst von Lameriast, Herr der Desloniten, Feldkommandant der Legion Eisenwart... wie viele Namen er doch trug. Und sie alle wurden ihm nicht gerecht.
Vor einer Stunde noch sah sie ihn wie besessen in seine Unterlagen vertieft an seinem Schreibtisch sitzen. Er hat sich wahrlich nicht verändert. Die selbe Entschlossenheit. Der selbe Wille. Der selbe Wille, der einst die Legion Eisenwart zusammen hielt. Und der selbe Wille, der sie nun aus allen Teilen Gerimors wieder zu ihm zurück ruft.
Genau, wie er sie wieder zu sich rief.
Es war vor langer Zeit, als die große Katastrophe Lameriast verwüstete und auf den tiefen Grund der Welt beförderte. Ein Sturm wütete tagelang auf der Insel, entwurzelte Bäume und deckte Häuser ohne Mühe ab. Unheilvolles Donnern unter der Erde selbst folgte, Erdbeben erschütterten die gesamte Insel. Und dann... es geschah alles so plötzlich. Es wirkte, als würde die Insel selbst zerbrechen. Innerhalb nicht einmal einer Stunde fraßen sich die Wellen des Meeres der Stürme über die Insel und alles wurde verschlungen.
Neuhaven...
der Feuerberg...
die Heimat der Thyren...
das verlassene Lager der Schwestern der Nyame...
die Orkgebiete im Süden...
der Myriadenwald, Jagdgrund des Meisters, knickte zusammen wie Reisigstäbchen...
und die Festung Eisenwart, ihre geliebte Heimat, stand wie die letzte Verteidigungslinie gegen diese Katastrophe in der Mitte dieses Waldes und wurde einer Sandburg gleich weggeschwemmt.
Sie hörte nur noch lautes Krachen, das Rauschen von Wellen und ihre eigenen Schreie bevor es dunkel wurde und ein bisher nicht oft erlebtes Gefühl unendlicher Angst sie überfiel als sie mit der Insel in die Tiefen stieg. Unbarmherzige Kälte umfing sie und nach unendlich wirkenden Sekunden verlor sie den Kampf gegen die Urgewalten worauf ihre Lungen sich mit Meerwasser füllten und endlose Qualen ihr das Bewusstsein raubten.
Fünf Tage später. An stillen Gestaden südwestlich von Rahal schieben sich träge Wellen an den Strand und das entfernte Blitzen in einer klobigen Wolkenformation im Westen mit dazugehörigem dumpfem Donnergrollen sind die letzten Hinweise auf ein schweres Sommergewitter. Einzelne Krebse schieben sich durch die brackig riechende Mischung aus Sand, Algen und allerlei Unrat und stellen neben kreischenden Möwen das einzige Lebenszeichen an diesem Strand dar. Man könnte es fast als idyllisch bezeichnen, wäre da nicht ein leblos wirkenden Körper, der ebenso angeschwemmt wurde. Die ruhigen Wellen spielen mit den zerfetzten Kleidungsstücken, als wollen sie die dort liegende aus einem Schlummer erwecken und kalter Wind versucht trotzig, die klamm-nassen Haare zum spielen zu überreden - vergeblich. Ein Krebs erklomm das merkwürdige Treibgut und schritt klickend über die kalkweiße Haut, als der Körper sich erhob und das Wort "Meister!!!" die Lippen verliess bevor einige Liter Meerwasser folgend erbrochen wurden.
"Er ist in der Nähe..." waren die letzten Erinnerungen, die in Shessidyrs Gedanken waren und sie zu einem verdrehten Lächeln bewegten. Also stand sie auf und suchte ihn.
In den folgenden Tagen geschah so vieles. Der Mann auf dem Käfer, die sprechende Katze in Bajard und das Schild in Rahal. Alles deutete auf den Meister hin. Und sollte es ein Usurpator, ein Täuscher sein... würde er teuer dafür bezahlen.
[img]http://s7.directupload.net/images/140821/vu2vlf6r.jpg[/img]
Ein Opfer war schnell gefunden und die Falle auslegt. Nun wartete sie nur noch auf ihre Beute.
[img]http://s1.directupload.net/images/140821/36kmuzca.jpg[/img]
Und sie musste nicht lange warten, da näherte sie sich schon, die Beute.
[img]http://s14.directupload.net/images/140821/cj3rllgy.jpg[/img]
Doch wurde aus der Beute rasch das Ziel ihrer gesamten Suche. Denn der Täuscher stellte sich rasch als ihr Meister dar... Khazkal Deslon. Die sprechende Katze hatte also Recht behalten. Sie würde sich sehr bald bei ihr angemessen bedanken.
Und er war es tatsächlich. Denn seine Sorgen galten nur der Beseitigung der Leiche und baldmöglichster Einsatzbereitschaft Shessidyrs. Und er schien sich sogar gefreut zu haben, dass sie wieder bei ihm ist... denn er hat von einer Bestrafung abgesehen.
Seitdem ist einiges geschehen und... was war das?
Sie befreite sich aus ihrer Gedankenwelt und sass noch immer auf dem Dach des Hauptquartiers der Eisenwart. Mittlerweile war die Sonne aufgegangen. War sie schon wieder derart lange in Gedanken versunken?
Scheinbar ja, denn eine vertraute Stimme sagte in diesem Moment warmherzig:
"Guten Morgen. Kannst du mich hören, Shessidyr?"
Diese Stimme konnte nur einem gehören. Papa. Er war auch wieder da und er beschützte den Meister nun ebenso aus den Schatten heraus. Scheinbar sass er bereits längere Zeit neben ihr und beobachtete sie, als sie noch in ihren Gedanken versunken war.
Sie bestätigte seine Frage mit einem knappen Nicken als sie sich innerlich bereits darüber ärgerte, dass sie sich wieder derart verwundbar machte. Sie war schliesslich nicht mehr auf der Eisenwart sondern in der Stadt des Panthers, in der Schwäche ebenso wenig geduldet wurde wie einst auf Lameriast.
"Gut, dann komm mit nach unten. Die Wache hat mich bereits darauf hingewiesen, dass jemand auf unserem Dach sitzt. Das konntest nur du sein..."
Es war gut, dass er sie geholt hat. Denn der Meister würde wieder viele Aufträge für sie haben, die es schnell und effektiv zu erledigen gibt. Konflikte an den Grenzen, Gerüchte von Goldenen Tieren und die Beschaffung von Rohstoffen. Und es gibt bereits die ersten, deren Namen die Bäume in den Abendstunden raunen.
Alatar. Nachtherr, Vater Klaue, Schattenmord, Schwarzpirscher... wie viele Namen er doch hat. Und selten wird Ihm einer davon gerecht.
Und diese Stadt ist Seine Stadt. Das Herz des Alatarischen Reiches. Glaube, Gesetz und Ordnung haben hier ihre Wiege.
Es ist etwa die vierte Stunde des neuen Tages. Die schwarze Wand der finsteren Nacht weicht langsam einem schmalen glutroten Streifen am Horizont. Bald wird dort die Sonne aufgehen.
[img]http://s14.directupload.net/images/140821/7inffzxd.jpg[/img]
Shessidyr sitzt auf dem Dach des neuen Hauptquartiers der Legion Eisenwart, die blutroten Ziegel des Hauses durch die spärliche Straßenbeleuchtung gerade noch erkennbar. Stechender, kalter Nordwind vom Hafen her sorgt für grabesgleiche Zustände, während die ungepflegten blutbefleckten Haare, den Kleidern gleich, versuchen, mit der Brise zu fliegen.
Doch dieser Umstand wird von ihr völlig ausgeblendet. Denn hier oben ist sie für sich. Alleine. Weit weg von diesen verdrehten Realitäten und Gemeinschaften, die diese Stadt hervorgebracht hat.
Ihr Blick wandert über die Dächer der Heiligen Stadt.
Der Palast Seiner Heiligkeit...
die Oberstadt...
der Tempelkomplex...
die Unterstadt...
der Marktplatz...
die Stadtfestung...
und letztendlich das Dach, auf dem sie selbst sass.
Unter jedem dieser Dächer ruhten Diener des Herrn. Jedoch werden sie nicht alle ruhen. Wie sie finden wahre Diener des Herrn keine Ruhe, bevor sie nicht das Gefühl haben, dass Alatar mit ihrem Tun zufrieden ist. Es geht ihr wie ihrem Meister.
Khazkal Deslon. Burgherr, Fürst von Lameriast, Herr der Desloniten, Feldkommandant der Legion Eisenwart... wie viele Namen er doch trug. Und sie alle wurden ihm nicht gerecht.
Vor einer Stunde noch sah sie ihn wie besessen in seine Unterlagen vertieft an seinem Schreibtisch sitzen. Er hat sich wahrlich nicht verändert. Die selbe Entschlossenheit. Der selbe Wille. Der selbe Wille, der einst die Legion Eisenwart zusammen hielt. Und der selbe Wille, der sie nun aus allen Teilen Gerimors wieder zu ihm zurück ruft.
Genau, wie er sie wieder zu sich rief.
Es war vor langer Zeit, als die große Katastrophe Lameriast verwüstete und auf den tiefen Grund der Welt beförderte. Ein Sturm wütete tagelang auf der Insel, entwurzelte Bäume und deckte Häuser ohne Mühe ab. Unheilvolles Donnern unter der Erde selbst folgte, Erdbeben erschütterten die gesamte Insel. Und dann... es geschah alles so plötzlich. Es wirkte, als würde die Insel selbst zerbrechen. Innerhalb nicht einmal einer Stunde fraßen sich die Wellen des Meeres der Stürme über die Insel und alles wurde verschlungen.
Neuhaven...
der Feuerberg...
die Heimat der Thyren...
das verlassene Lager der Schwestern der Nyame...
die Orkgebiete im Süden...
der Myriadenwald, Jagdgrund des Meisters, knickte zusammen wie Reisigstäbchen...
und die Festung Eisenwart, ihre geliebte Heimat, stand wie die letzte Verteidigungslinie gegen diese Katastrophe in der Mitte dieses Waldes und wurde einer Sandburg gleich weggeschwemmt.
Sie hörte nur noch lautes Krachen, das Rauschen von Wellen und ihre eigenen Schreie bevor es dunkel wurde und ein bisher nicht oft erlebtes Gefühl unendlicher Angst sie überfiel als sie mit der Insel in die Tiefen stieg. Unbarmherzige Kälte umfing sie und nach unendlich wirkenden Sekunden verlor sie den Kampf gegen die Urgewalten worauf ihre Lungen sich mit Meerwasser füllten und endlose Qualen ihr das Bewusstsein raubten.
Fünf Tage später. An stillen Gestaden südwestlich von Rahal schieben sich träge Wellen an den Strand und das entfernte Blitzen in einer klobigen Wolkenformation im Westen mit dazugehörigem dumpfem Donnergrollen sind die letzten Hinweise auf ein schweres Sommergewitter. Einzelne Krebse schieben sich durch die brackig riechende Mischung aus Sand, Algen und allerlei Unrat und stellen neben kreischenden Möwen das einzige Lebenszeichen an diesem Strand dar. Man könnte es fast als idyllisch bezeichnen, wäre da nicht ein leblos wirkenden Körper, der ebenso angeschwemmt wurde. Die ruhigen Wellen spielen mit den zerfetzten Kleidungsstücken, als wollen sie die dort liegende aus einem Schlummer erwecken und kalter Wind versucht trotzig, die klamm-nassen Haare zum spielen zu überreden - vergeblich. Ein Krebs erklomm das merkwürdige Treibgut und schritt klickend über die kalkweiße Haut, als der Körper sich erhob und das Wort "Meister!!!" die Lippen verliess bevor einige Liter Meerwasser folgend erbrochen wurden.
"Er ist in der Nähe..." waren die letzten Erinnerungen, die in Shessidyrs Gedanken waren und sie zu einem verdrehten Lächeln bewegten. Also stand sie auf und suchte ihn.
In den folgenden Tagen geschah so vieles. Der Mann auf dem Käfer, die sprechende Katze in Bajard und das Schild in Rahal. Alles deutete auf den Meister hin. Und sollte es ein Usurpator, ein Täuscher sein... würde er teuer dafür bezahlen.
[img]http://s7.directupload.net/images/140821/vu2vlf6r.jpg[/img]
Ein Opfer war schnell gefunden und die Falle auslegt. Nun wartete sie nur noch auf ihre Beute.
[img]http://s1.directupload.net/images/140821/36kmuzca.jpg[/img]
Und sie musste nicht lange warten, da näherte sie sich schon, die Beute.
[img]http://s14.directupload.net/images/140821/cj3rllgy.jpg[/img]
Doch wurde aus der Beute rasch das Ziel ihrer gesamten Suche. Denn der Täuscher stellte sich rasch als ihr Meister dar... Khazkal Deslon. Die sprechende Katze hatte also Recht behalten. Sie würde sich sehr bald bei ihr angemessen bedanken.
Und er war es tatsächlich. Denn seine Sorgen galten nur der Beseitigung der Leiche und baldmöglichster Einsatzbereitschaft Shessidyrs. Und er schien sich sogar gefreut zu haben, dass sie wieder bei ihm ist... denn er hat von einer Bestrafung abgesehen.
Seitdem ist einiges geschehen und... was war das?
Sie befreite sich aus ihrer Gedankenwelt und sass noch immer auf dem Dach des Hauptquartiers der Eisenwart. Mittlerweile war die Sonne aufgegangen. War sie schon wieder derart lange in Gedanken versunken?
Scheinbar ja, denn eine vertraute Stimme sagte in diesem Moment warmherzig:
"Guten Morgen. Kannst du mich hören, Shessidyr?"
Diese Stimme konnte nur einem gehören. Papa. Er war auch wieder da und er beschützte den Meister nun ebenso aus den Schatten heraus. Scheinbar sass er bereits längere Zeit neben ihr und beobachtete sie, als sie noch in ihren Gedanken versunken war.
Sie bestätigte seine Frage mit einem knappen Nicken als sie sich innerlich bereits darüber ärgerte, dass sie sich wieder derart verwundbar machte. Sie war schliesslich nicht mehr auf der Eisenwart sondern in der Stadt des Panthers, in der Schwäche ebenso wenig geduldet wurde wie einst auf Lameriast.
"Gut, dann komm mit nach unten. Die Wache hat mich bereits darauf hingewiesen, dass jemand auf unserem Dach sitzt. Das konntest nur du sein..."
Es war gut, dass er sie geholt hat. Denn der Meister würde wieder viele Aufträge für sie haben, die es schnell und effektiv zu erledigen gibt. Konflikte an den Grenzen, Gerüchte von Goldenen Tieren und die Beschaffung von Rohstoffen. Und es gibt bereits die ersten, deren Namen die Bäume in den Abendstunden raunen.