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Briefe an Sir Fjalon
Verfasst: Dienstag 19. August 2014, 12:47
von Helisande von Alsted
Das Pergament wirkt sorgsam geglättet, zumindest bei seiner Absendung auf dem üblichen Wege in die Heimat Sir Fjalons. Ob es bei seiner Ankunft noch so erscheint ist fraglich, immerhin ist der Weg dorthin lang, bescherlich und feucht. Sollte das Schreiben den Ritter erreichen, so wird ihn die vertraute Handschrift Helisandes begrüßen. Jene wirkt klar, schnörkellos wobei einige Passagen ein wenig verwackelt erscheinen als würde die Hand beim Verfassen ein wenig zittern und sich dann wieder fangen.
19. Ashatar 257 Berchgard
Temoras Licht mit Euch, Sir Fjalon!
Ich hege in mir die Hoffnung, dass es Euch wohl erging auf Eurer Reise und Ihr Euch auch nun in bester Verfassung befindet. Bedauerlicherweise werde ich Euren Seelenfrieden jedoch wohl empfindlich stören müssen. Denn als Eure Knappin bleibt mir Euch demütig zu gestehen, dass ich Schande über Euch und Eure Entscheidung mir die Ehre der Knappschaft angedeihen zu lassen gebracht habe. Noch mehr zwingt mich in die Knie, dass ich damit auch das Vertrauen Seiner Majestät in mich erschüttert habe, denn er spannte seinen Schild über mich um Euer Fehlen auszugleichen.
Meine weitere Zukunft werde ich in die Hände Seiner Majestät legen, darüber müssen weisere befinden als ich.
Und nun legt bitte die Axt fort und erschlagt niemanden, bevor ich nicht die ganze unselige Geschichte ausgebreitet habe.
Am 16. Ashatar diesen Jahres wurde das Regiment von der Berchgarder Wache zu Hilfe gerufen, da auf dem Friedhof vor Berchgard Piraten nebst Rabendiener ihr Unwesen treiben. Wir gingen mit gewohnter Konzentration das Pack an und konnten die Piraten und einen Rabendiener zur Strecke bringen. Den anderen Rabendienern gelang der Abschluss ihres Rituals und die Flucht.
Drei Piraten, darunter Sebastiano Nestor, sowie der Rabendiener und Verräter Drakhon Sokrath wurden in Haft genommen und in die Zellen verfrachtet. Kaum hatten wir die Schlüssel herumgedreht, trafen zwei rahalische Ritter ein und begannen um die Gefangenen zu verhandeln. Als vor Ort befindliche Kommandeurin entschied ich die zwei unfähigsten Piraten (man hat noch nie von ihnen gehört) aus unserem Gewahrsam zu entlassen nachdem sie Zwangsarbeit verrichtet hatten. Aufgrund meiner Unkenntnis des Vorgangs verabsäumte ich sträflich sie als Piraten branntmarken zu lassen.
Dem Gouverneur der Insel Cabeza, Sebastiano Nestor bot ich ein Duell an. Würde er unterliegen, sollte seine umgehende Hinrichtung erfolgen. Unterliege ich, würde er freikommen. Ich unterbreitete ihm diesen Vorschlag aus einer Verpflichtung ihm gegenüber, da er mittlerwiele schon das dritte Mal darauf verzichtete mich zu töten, obwohl es in seiner Macht gestanden hätte. Er zog kein Messer als ich im Ballkleid auf ihn traf, sondern nutzte nur seine Fäuste, er verfehlte mich absichtlich vor Schwingenstein und er verzichtete auch am Tatabend darauf mich tödlich zu verwunden. Es ist mir bewusst dass seine prinzipielle Schonung des Lebens sich nur auf meine Person erstreckt und nicht auf meine Kameraden. Sebastiano Nestor ist ein Pirat, ein ehrloser Schuft und im Grunde nicht einmal den Strick wert. Aber seine Ehrlosigkeit, seine Verschlagenheit ist nicht die meine. Ich pflege meine Schulden zu begleichen, denn nach am Ende des Tages ist es mein Gesicht, dass ich noch im Spiegel erkennen können muss.
Es ist mir bewusst, dass ich als Soldatin nicht das Recht habe einem Lump wie ihm einen solchen Handel anzubieten. Es ist mir bewusst dass ich die von Euch erläuterten Duellregeln missachtet, die Befehlskette missachtet und mein persönliches Empfinden für das rechte Maß, Ehre und Verpflichtung über das Reich gestellt habe.
Das Duell wurde unter Aufsicht des Freiherren von Goldenfall mit dem Degen ausgetragen. Ich habe es verloren.
Auf deren Bitte hin habe ich den rahalischen Rittern unter Auflagen gestattet dem Kampf beizuwohnen. Ich habe somit zugelassen, das erklärte Feinde des Reiches unter Waffen sich auf unserem Boden aufhielten und frei abziehen konnten.
Wie Ihr meinen Zeilen entnehmen könnt, habe ich schwer gefehlt als Offizierin und auch als Knappe. Dafür gibt es keine Entschuldigung und keine Begründungen, die von einem Ritter akzeptiert werden könnten, dessen bin ich mir bewusst.
Manchmal gebietet einem die Ehre, was Recht und Gesetz verbieten. Manchmal bleibt am Ende nur Asche und kein Edelstein, egal wie tief man gräbt.
Es tut mir unendlich leid, Sir.
Temora beschützt.
Eure stets ergebene
Helisande
PS: Der Name des von den Rabendienern geopferten Mädchens war Aimee und sie war mir anvertraut. Dennoch siegte meine Wut nicht, es siegte die Hoffnung.
Ich habe keine Tränen mehr.
Helisande
Verfasst: Dienstag 26. August 2014, 13:16
von Helisande von Alsted
Erneut macht sich ein Brief auf den Weg in Sir Fjalons Hände zu fallen. Diesmal wirkt die Schrift durchweg klar, strukturiert und zeugt von einer wiedergefundenen Sicherheit der Schreiberin. Auch liegt dem Schreiben ein Paket Seife bei.
26. Ashatar 257 Berchgard
Temoras Licht mit Euch, Sir Fjalon!
Auch wenn es vermessen ist, Sir, ich werde Euch weiterhin Briefe schreiben ohne zu wissen ob ich noch in Eurer Gunst stehe. Zum einen weil ich es für meine Pflicht halte, zum anderen weil es mir hilft im gedanklichen Konflikt mit Euch die nötigen Schritte weiter voran zu gehen.
Ich darf allerdings bemerken, dass mein Voranschreiten im Moment eher ein Voranstolpern ist. So wie Ihr es mir aufgetragen habt, trage ich meine Platenrüstung nur als das, was sie gedacht ist: meine Dienstuniform. Außerhalb des Dienstes schütze ich mich bei den Kampfübungen mit dem Lederwams, welches Ihr mir gabt. Ebenso nutze ich das Schwert von Euch und verfluche dessen Unschrärfe und Klobigkeit nur zu oft. Die Holzschilde, die ich aus Euren Händen empfing hat es leider schon zerrissen und ich habe ein einfaches Drachenschild nun aus einfachem Metall genommen um nicht ganz ohne da zu stehen. Ich hoffe dies findet Eure Billigung.
Doch zum eigentlichen Punkt nun! Knappin Tanar und ich selbst wagten einen gemeinsamen Vorstoß in die Behausung der Orken. Jede von uns wappnete sich mit ihrer zugeteilten Knappenzier. Ale sich allein dort war büßte ich bereits die beiden Holzschilde ein, als wir gemeinsam dort agierten büßten wir beide einen guten Teil unseres Stolzes ein.
Die Lederrüstung hat den Vorteil für mich, dass sie mich beweglicher macht. Ich kann agiler in ihr die Bewegungen ausführen, die nötig sind um die Orken abzuwehren und sie anzugehen. Die entwickelte Schnelligkeit ist gepaart mit meiner Größe dann mein Vorteil. Ein großer, schwerer Schild wäre mir dabei sogar hinderlich und ich überlege ernstlich ob ich das Schild nicht zu gunsten eines Parrierdolches weglassen sollte. Ich habe durch den fehlenden geschlossenen Helm mehr Übersicht und kann den Feind in Anzahl und Qualität eher einschätzen. Ich stelle jedoch zunehmend fest, dass Unwissenheit manchmal ein Segen ist!
Der Nachteil der Lederrüste ist der geringere Schutz, den sie bietet, insbesondere bei spitzen Geschossen. Jene werden doch von meiner Plattenrüstung deutlich zuverlässiger in ihrer Wirksamkeit abgeschwächt. Auch gehen die Schläge der Wuchtwaffen ohne nennenswerten Energieverlust direkt durch. Speziell die Beine sind anfälliger für Wirkungstreffer, was mich zu dem Schluss bringt, dass ich dringend an der dynamischen Beinführung zu arbeiten habe. Manchmal ist Weghüpfen doch deutlich sinnvoller als tapferes Hinhalten. Ich habe es mir sehr schnell abgewöhnt jeden Wuchthieb mit dem Oberschenkel parieren zu wollen. Der dort befindliche Fleck verfärbt sich nun stetig von Schwarzviolett nach Hellblau.
Seid gewiss, ich arbeite daran!
Zum Abschluss will ich Euch noch mitteilen, dass der rahalische Ritter Wolfseiche eine unabwendbare Leidenschaft wohl für mich empfindet. So ich seine Zeilen korrekt interpretiere, ist es die gleiche die mich für ihn aufwirft. Ich werde irgendwann sein Tod sein. Bis dahin tauschen wir die zwischen Feinden üblichen Höflichkeiten aus (mein Dolch in seine Rippen, sein Schild auf meinen Kopf). Seid unbesorgt, ich werde geschützt. Ob ich will oder nicht und Ihr könnt Euch sicherlich denken von wem.
Ich werde zu regelmäßigen Gesprächen mit seiner Majestät erscheinen dürfen. Nach dem letzten Gespräch mit ihm, bin ich beruhigter und entschlossener geworden. Denn ich sehe nun in ihm nicht mehr ausschließlich den König, dem ich treu bin; nicht den Ritter, dem ich Schildknappe bin - nein ich sehe auch den Mann, dem ich dankbar bin.
Passt auf Euch auf Sir.
Temora beschützt.
Eure ergebene
Helisande
Verfasst: Sonntag 31. August 2014, 20:42
von Helisande von Alsted
Wieder macht sich ein Schreiben auf dem schweren Pergament auf den Weg in die Heimat Sir Fjalons. Da die Reise, die der Brief nimmt lang ist und beschwerlich liegt ein Rezept für Honigkuchen bei. Das Rezept und nicht der Kuchen selbst.
31. Ashatar 257 Berchgard
Temoras Licht mit Euch, Sir Fjalon!
Ich hoffe das das frühzeitige Herbstwetter Euch in Eurer Heimat nicht solche Probleme bereitet wie uns hier. Es steht zu befürchten dass noch die Frösche ertrinken oder mit Schwimmhäute in der Rüstung wachsen. Habt Ihr die Seife benutzt, die ich Euch schickte? Wenn ja, dann bin ich tot. Bedauerlicherweise ist wohl der Herstellerin des teueren Produktes eine Partie Haarfärbemittel geraten. Das Ergenbis ließe sich bei Eurem blonden Haupthaar nur schätzen und ich schätze mal es ist keines, das Euch konviniert.
Solltet Ihr vom zarten Duft der Seife verlockt worden sein, sie jemandem zu verehren, dann... lauft!
Ich schweife ab, Sir, doch nun will ich zum eigentlichen Punkt kommen. Durch die von mir verantwortlich getroffenen falschen Entscheidungen wurde mir erneut der Unterricht in Duellkunde erteilt. Tiefschürfend, gar ausufernd und in allen Punkten scharf und deutlich ausformuliert. Meine Fehler wurden anhand dessen klar herausgearbeitet.Salz in einer frischen Wunde brennt, Sir. Das wird noch lange brennen. Da Ihr sicherlich keine langatmige Abhandlung über die Satisfaktionsfähigkeit zu lesen wünscht, sondern eher was die Wiederholung bei mir bewirkt hat, so erspare ich Euch auch jede ausunfernde Darlegung.Jedoch will ich kurz einige Begriffe reflektieren, denn ich werde mehr und mehr dazu gebracht meine eigene Position im festen Gefüge zu überdenken und auch dazu mich willentlich neu zu positionieren.
Eine ehrbare Person soll ich sein. Ich soll die Gebote, Traditionen und Verpflichtungen der Ehre kennen und einhalten. Dabei ist es an mir menschlich zu bleiben und mit meinen Fehlern zu leben, solange sie nicht im grundsätzlichen Widerspruch zur Ehrhaftigkeit stehen. Denn dies wird vom Adel erwartet und ebenso von den Angehörigen der Oberschicht. Die Zuordnung meiner Person in die Oberschicht lässt mich erstarren. Ich bin Offizier der Krone und Ihr habt mir tatsächlich nicht alles gesagt, Sir. Vermutlich weil es Erkenntnisse gibt, die nur dann selbstwirksam werden, wenn sie selbst wirken können.
Eine ehrvergessene Person darf ich nicht werden. Denn da ich die Gebote der Ehre kenne, so könnte ich jene nur aus Ehrgeiz, Gewinnsucht oder Übermut ignorieren und damit ad absurdum führen. Sicherlich hätte ich immer noch den Anschein eines guten Menschen, jedoch eines rohen, ungeschliffenen. Die noch offenen Türen würden sich mir schließen, geöffnete Hände sich von mir zurückziehen. Bin ich ehrvergessen, so vergesse ich mich.
Ehrlos? Ein so harmloses Wort für ein hartes Urteil. Denn Verbrecher, Rechtsflüchtige, Piraten und solcherlei Unwesen tragen diesen Makel. Ein Makel, der nicht mehr zu entfernen ist. Denn verliere ich einst meine Ehre, durch zuwiderhandeln gegen alles was recht, billig, ehrenwert und wahrhaiftig ist, so verliere ich mehr als nur das. Ich verliere mein Leben.
Diese Gedanken bewegen mich im Moment, Sir Fjalon. Sie tropfen in meinem Verstand nieder wie der Spätsommerregen im Moment versucht die Frösche zu ertränken. Ich weiß was ich sein will, wohin ich will, jedoch nicht ob am Ende des Weges noch alle bei mir sein werden, die es zu Beginn waren.
Vermutlich gehören Verluste einfach dazu.
Sir Vaughain meinte über mich, dass ich nur wenige Kanten hätte, die es zu brechen gelte. An diesen Kanten wird nun gearbeitet, geschliffen und gekerbt. Man lässt mich fühlen, dass ich geprüft werde, doch ich halte Stand. Bisher kostete es nur einer Moccatasse das Leben. Die Zeit wird Zeigen, was zu erst bricht. Die Schleifer oder ich.
Auf wen setzt Ihr, Sir?
Ich kann fallen, Sir Fjalon, der Aufprall mag hart sein. Aber das, was Ihr an mir schätzt wird sich bewahren. Denn ich stehe wieder auf. Immer. Grenzen sind nur dafür da, dass ich gegen sie anrenne bis ich sie verschoben habe, aye?
Temora beschützt!
Eure ergebene
Helisande
Verfasst: Mittwoch 10. September 2014, 19:14
von Gast
Das vom langen Transport längst ramponierte Pergament, wenngleich noch immer eingerollt und mit einem Siegel - Doch nicht jenem derer von Thorn - verschlossen, wird zu Händen der Frau Oberstleutnant des lichtenthaler Regiments überreicht. Der Bote, ein wahrlich zierlicher Knabe mit fettigem, schwarzem Haar, wagt es kaum, der Offizierin und Knappin in die Augen zu sehen. Mit einer nervösen Verneigung verabschiedet er sich und rennt geradezu davon. Ein unangenehmer Geruch von Angstschweiß bleibt zurück.
02.Searum (Das Schreiben war wohl lang unterwegs und sowohl Schreibstil als auch Wortwahl scheinen ganz offenbar nicht von Fjalon zu stammen.)
- Betreffend des Verbleibs des Reichsritters Fjalon von Thorn -
Verehrte Frau Oberstleutnant des Regiments zu Lichtenthal,
Unter strengster Geheimhaltung habe ich vor einiger Zeit meinen alten Seefahrergefährten Fjalon, euch eher als Sir Fjalon bekannt, gebeten mir in einer delikaten Angelegenheit zu helfen. Ich möchte euch, da er euch als seine engsten Vertraute auswies, über seinen Zustand informieren.
Vielleicht erzählte er euch einst von einem Überfall auf hoher See, welcher uns einen Großteil unserer damaligen Mannschaft kostete und ihn einen Teil seiner Menschlichkeit - Verwundete 'erlösen' ist nicht jedermanns Sache. Und erst recht nicht die eines Mannes wie Fjalon es ist und war. Ein Makel, der an ihm - ebenso wie an mir - stets hängen blieb.
Ich habe vor einiger Zeit endlich den Unterschlupf der Piratenhorde ausgemacht und somit könnt ihr euch sicherlich vorstellen, weshalb euer ritterlicher Freund und Lehrer einfach so verschwand. Ich muss sicherlich nicht erwähnen, wie viele Jahre ich mich darum bemüht habe, diese Bande ausfindig zu machen.
Noch bevor wir uns aufmachten, dieses Himmelfahrtskommando durchzuführen, las er mit Freuden und einer großen Portion Wehmut eure Briefe. Ich sagte ihm, dass er meiner Bitte nicht nachkommen müsse, sei doch seine wohlbehaltene Rückkehr eher fraglich. Dankend lehnte er jedoch ab, mit der schlichten Begründung, dass er für diesen einen Tag 'auf das rechte Maß pfeife' (Ihr kennt ihn genauso gut wie ich, wie mir schien) und seinem jahrelangen Durst nach Rache nachgeben müsse.
Mit Bedauern muss ich euch mitteilen, dass Sir Fjalons Überleben nicht sicher ist. Temora weiß, wo er so zu kämpfen gelernt hat - Er wütete wie ein fleisch- und stahlgewordener Alptraum unter unseren Feinden. Und doch traf ihn ein vergifteter Pfeil. Gerade als die Schlacht gewonnen schien.
So liegt euer Lehrmeister darnieder. Die Heiler tun ihr Bestes, geben mir jedoch stets zu verstehen, dass es mit jedem Tage um ihn geschehen sein möge. Zwischendurch faselte er im Fieberdelirium irgendetwas von 'Hühnersuppe' - Könnt ihr damit etwas anfangen?
Temora möge über mich richten, brächte ich durch meinen Plan euren Lehrmeister und Vertrauten um sein Leben.
Ergebenst,
Veit Helmschwer
Verfasst: Donnerstag 11. September 2014, 19:33
von Helisande von Alsted
Die Finger begannen unkontrolliert zu zittern nachdem sie den Brief des Gefährten ihres Ritters gelesen hatte. Mit einem satten Plumpsen setzte sich die Knappin hin, nicht auf einen Stuhl, der stand zu weit weg. Sie landete auf dem Boden und zog die Beine an. Wieder und wieder flogen die Zeilen über das Pergament, dann ging ein Ruck durch sie hindurch und sie raffte sich auf zu Feder und Pergament zu greifen.
Temoras Licht mit Euch, Sir Fjalon!
Wagt es Euch nicht. Hört Ihr? Wagt es Euch nicht mir zu verrecken. Ihr habt gekämpft wie es einem Ritter zukommt, die Feinde niedergestreckt. Wagt es Euch nicht an Gift zu sterben.
Ihr sterbt nicht!
Ich verbiete es!
Ich will Euch weiter Briefe schreiben, Euch mein Leid klagen und meine Hoffnungen mit Euch teilen. Ich will Eure Hand auf meiner Schulter, sollte ich in ferner Zukunft den Ritterschlag erhalten.
Ich will Euch nicht verlieren, nicht mehr als ich es schon habe.
Temora beschützt und wehe Euch. Wehe!
Eure stets ergebene
Helisande
Verfasst: Freitag 26. September 2014, 20:06
von Helisande von Alsted
Ruhig und besonnen greifen die vom Führen schwerer Waffen gezeichneten Hände nach Feder, Tinte und Pergament. Die Handschrift wirkt wie gewohnt gestochen scharf, auch wenn die Worte wohl nie ein lebendes Auge erblicken werden. Sorgfalt wird in das Erscheinungsbild des Briefes investiert.
Adoran, der 26. Searum 257
Temoras Licht mit Euch, Sir Fjalon!
Diesmal keine gewöhnliche Phrase, sondern das was sein wird, das wovon ich überzeugt bin. Temoras Licht ist mit Euch und um Euch herum. Ich will es nich verhelen, dass ich zu erst nicht glauben wollte, dann war ich wütend und nun, nun ist all das verblasst zu tiefer Dankbarkeit.
Diese Dankbarkeit gehört Euch, Eurer Person und Euren Taten. Ich bin dankbar für jede Lehre, die Ihr mir erteilt habt. Ich danke für jeden Tadel und jede Forderung an mich.
Euer Vertrauen in mich, ehrt mich und ich werde es ehren.
Denn wenn dies in Feuer endet,
dann brennen wir eines Tages gemeinsam.
über die Hügel kriechen die Flammen einsam,
Das neue Licht der Sonne blendet.
Der nun wache, klare Blick,
folgt den Linien der Hainen und Bänder,
er betrachtet des Reiches here Ränder,
Wir dienen ohne ein Zurück.
Ich sehe das Feuer,
es glimmt in den Bergen.
Ich sehe Feuer,
die Flammen verzehren.
Ich sehe das Feuer,
es gibt nur Licht, Rot und Gold.
ich bin das Feuer,
Ich bin das Feuer und der Erinnerung Sold.
Wartet auf mich, Sir Fjalon. Irgendwann folgen wir Euch. Ich bin in Sicherheit so, wie Ihr es gewünscht habt. Der Sir wird auf mich achten für jetzt und immer.
In tiefer Dankbarkeit.
Immer treu.
Eure ergebene
Helisande
Verfasst: Montag 13. Oktober 2014, 14:28
von Helisande von Alsted
Erneut steht die hochgeschossene Frau mit dem rostroten Haarschopf vor der kleinen Krypta an deren Eingang die Banner in Sir Fjalons Farbe hängen. In der Hand wird ein mehrfach gefaltetes Pergament hin und her bewegt, dann tritt sie ein und neigt den Kopf in tiefem Respekt. Das Pergament findet seinen Platz in einer Mauerritze, ob es dort verweilt, der Wind es verweht oder ein anderer es findet uns sich seiner annimmt scheint ihr nicht wichtig zu sein.
Berchgard, 13. Goldblatt 257
Temoras Licht mit Euch, Sir Fjalon!
Seltsam mutet es wohl an, dass ich Euch wieder schreibe. So eigenartig wie dieser Umstand auf meine Umwelt wirken muss, so sie je davon erfährt, so vollkommen selbstverständlich erscheint es mir. Euer Tod hat nicht beendet, was Ihr mit mir begonnen habt, er hat es nur beeinflusst. Also lege ich Euch weiterhin Rechenschaft hab und teile meine Gedanken mit Euch. Ich beklage dennoch den Umstand nie eine Antwort von Euch darauf zu erhalten. Aber manchmal muss man eben selbst die Antwort sein.
Ich erhalte Unterricht und Aufgaben. Anders als es vermutlich durch Euch geschehen würde. Es ist distanzierter, unpersönlicher- wobei ich das weder meinen Ausbildern noch Seiner Majestät ankreiden will. Dies liegt zu einem guten Teil in mir selbst begründet. Die Auserwählten, die von Seiner Majestät mit gezielten Aufgaben meine Ausbildung betreffend betraut wurden, erfüllen ihre Pflichten und sie erfüllen sie akurat. Es ist von keinem ein Herzenswunsch mich am Halse zu haben. Diesen Wunsch hattet nur Ihr.
Lanzenstechen - Tjosten - die erste Lektion ist fast verheilt. Nur noch als Schatten sind die blauen Flecken durch den Speer auf meinem Unterarm zu erkennen. Auch jene werden verblassen, die Übungen werde ich fortsetzen. Ich habe deutlich zu spüren bekommen, dass ich Vorteile dadurch habe schon sehr früh reiten gelernt zu haben, sowie an den Reiterspielen für Kinder teilnehmen zu dürfen. Ebenso deutlich wurde mir klar gemacht, dass ich kein Kind mehr bin und die Zeit der Spiele vorbei ist.
Allerdings lassen mich Sir Vaughains Ausführungen über die Kampfgewohnheiten und Ansichten meiner ritterlichen Vorfahren doch ein wenig Schmunzeln (natürlich nur innerlich!). Vater würde vor Stolz platzen, könnte er dies hören. Das Gnadenbrot eines Ritters zu kauen, weil man in seinen Diensten ein Bein verlor nagt am Selbstwert eines Mannes und das gehörig. Bevor ihr in Erwägung zieht einen Blitz zu schicken, damit ich aufhöre zu spotten: Jaha!
Ich versteh die Intention der Ausführung Sir Vaughains sehr gut. Meine direkten Vorfahren mögen keine Ritter gewesen sein. Aber als Knappin stehe ich im Erbe und in der Verpflichtung der Ritter die vor mir dienten. Ich habe zu ehren, was jene vorlebten und an Lehren und Erfahrungen weitergaben. An Euch habe ich mir direkt auch ein Beispiel genommen und tapfer versucht Euren Speersprung zu reproduzieren. Leider verhakelte er sich an der Trennbrüstung des Tjostplatzes und ich hing nur anmutig wie ein tote Katze im Steigbügel kopfüber. Für diesen Übungsanlass hatte man mir auch kurzfristig gestattet eine Kettenrüstung zu tragen. Doch muss ich zugeben, dass ich in der von Euch bereit gestellten Lederrüstung immer noch brav meine Übungen absolviere und mich langsam daran gewöhnt habe.
Ich habe eine Aufgabe erhalten, die ich ausarbeiten soll. Euer Leben, Sir Fjalon soll ich schriftlich darstellen und in Worte kleiden. All das was mir nötig erscheint um daraus zu lernen und Euch zu beschreiben. Alles in mir zuckt danach die folgende Lösung jener Aufgabe abzugeben.
Fjalon von Thorn - Ein Ritter
geboren: ja
gestorben: ja
Kein Blitz! Wehe!
Ich vermute Ihr könnet darüber lachen und mich dann mit dem betreffenden Pamphlet verdreschen. So sehr es mich auch in den Fingern juckt, ich werde artig sein und jene Aufgabe mit dem gebührenden Respekt und der nötigen Ernsthaftigkeit angehen.
Laaaaaangweilig!
Dafür habe ich schon einen Plan, wie ich Seiner Majestät in Stellvertretung Eurer Person einige Streiche spielen könnte, die nicht gleich die Geschicke des Reiches gefährden (von den rosa Bändern statt den Lederschnallen an der Rüstung bin ich schon weg!). Ich verrate noch nicht viel, aber es hat etwas mit der Euch bekannten menekanischen Literatur (das Buch habe ich noch) und Zigarren zu tun. Vielleicht auch mit Schnaps - man wird sehen was man tut.
Meine Pilgerreise zu den Schreinen der sieben Tugenden habe ich mit Freunden unternommen und dabei viel über mich gelernt. Und darüber dass das Leben schlicht zu kurz ist, um lange anderen gram zu sein.
Somit verbleibe ich!
Immer treu.
Eure ergebene
Helisande
PS: und es ist kein Makel von mir ein Mädchen zu sein! Es ist meine Stärke!
Verfasst: Montag 3. November 2014, 14:20
von Helisande von Alsted
Übernächtigt und mit sehr blasser Gesichtsfarbe, schleicht sich die Knappin in die kleine Krypta. Die Schrift auf dem Pergament ist diesmal fahriger und weniger klar, einige Sätze sind nicht zu ende geführt. Doch verschwindet der Brief wieder gefaltet in der Spalte zwischen zwei Platten.
Adoran, 03. Rabenmond 257 in aller grauen Frühe
Temoras Licht mit Euch, Sir Fjalon...
ich wünschte Ihr wäret hier...
Ihr hattet mich gewarnt, dass die Offizierswürde wie ein Mühlstein um meinen Hals sein wird, den ich nicht immer werde mit Leichtigkeit halten können. Es hatte Gründe warum Ihr diesen Posten nie inne haben wolltet, Gründe, die ich immer besser verstehe...
Doch bin ich Oberstleutnant nun und im Moment die Kommandeurin des Lichtenthaler Regimentes. Anstatt mich demenstprechend zu verhalten, breche ich erstmal ein Kompetenzgerangel vom Zaun.
Weil...
Weil...
Sir, ich habe einfach den Eindruck, wenn ich verloren gegangen wäre, dann würde niemand versuchen die Autorität des Oberst in Frage zu stellen oder Befehle über seinen Kopf hinweg erteilen. Solches praktziert man nur mit... mir.
Oder will ich es nur so empfinden? Wann hörte ich endlich auf mich wie das zurückgewiesene Mädchen zu fühlen? In einer Welt voller Männer, die meine Probleme für mich lösen wollen und mein Geschlecht in meine Schwäche ummünzen wohl nie. Gleich was sie sagen, wenn die Sonne scheint, im Regen bin doch ich die im dünnen Kleide.
Ungerecht.
Ich war ungerecht und wehre mich immer noch das offen einzusgetehen und das zu tun, was zu tun ist. Ihr wisst besser als ich, dass ich es tun werde. So sehr ich nun auch noch damit hadere, mich verweigern will, ich tue doch, was man erwartet.
Gute Soldatin...gutes Mädchen.
Bitter.
Ja das bin ich. Ich bin bitter und beschämt. Ich stüzte vom Pferd beim Antreten für den Grenzritt. Das Pflaster des Regimentshofes hat mir zwei Rippen angebrochen. Mein Pferd bockte und scheute, weil....
ich werde warten ob er von sich aus dazu steht.
Ich bin bitter und geduldig.
Die Scham bleibt.
Ich bin nicht Anmaßend genug um zu glauben, ich hätte das Blatt gewendet und die Gefangenahme des Oberst verhindern können. Aber es wäre dennoch meine Pflicht gewesen ihm beizustehen.
Das habe ich nicht.
Ich fiehl vom Pferd.
Wie sehr muss es den Sir anrühren einen Mann zurück gelassen zu haben? Meine Eitelkeit ließ mich das nicht sehen. Aber ich sehe es. Ich werde tun, was richtig ist.
Keine Hand hält sich allein.
Es ist eine Zeit der Not. Ich werde gehen und halten, was gehalten werden muss. Tun, was getan werden muss. Die sein, die ich nun sein muss.
Oberstleutnant Senheit, Offizierin der Krone.
Immer treu.
Eure ergebene
Helisande
Verfasst: Montag 1. Dezember 2014, 14:41
von Helisande von Alsted
Ein weiteres gefaltetes Pergament wird in eine Fuge in der Krypta geklemmt. Doch diesmal ist das nicht die einzige Gabe, die die dunkel gewandete Frau bringt. Auf der Seite, die dem Blicke von außen verborgen ist, legt sie ein blau schimmerndes Schwert nieder, es scheint aus dem feinen Metall der Zwerge geschmiedet zu sein.
Berchgard, 01. Alatner 257
Temoras Licht mit Euch, Sir Fjalon!
Es ist bezeichnend. Ich schreibe Euch immer wenn ich eine Sorge oder eine Katastrophe im Gepäck habe, wenn ich meine Gedanken klären muss und meine eigene Balance mühsam wieder finde.
Dieser Brief ist keine Ausnahme.
Eher ein Ausdruck von Ratlosigkeit, tiefer Scham und dem ätzenden Gefühl der Hilflosigkeit. Ich wurde als Oberstleutnant beurlaubt. Zwangsbeurlaubt. Die Gründe dafür wurden mir nicht genannt, aber sie müssen schwerwiegend sein. Dienstvergehen rechtfertigen eine solche Maßnahme und ich war wohl zu egonzentrisch um nicht zu erkennen, dass ich welche begehe. Jedoch bin ich in meinen Dienstbüchern fündig geworden. Unsaubere Trennung der Kompetenzen. Ich habe es mir wohl zu einfach gemacht, zu bequem.
Nun ist es für mich unbequem.
Zu unbequem.
Ich erinnere mich noch an das Gespräch in dem Ihr dem Wahnsinn komplett anheim gefallen seid und mich zu Eurer Knappin gemacht habt.
"Ich erwarte tadellosen und dauerhaften Dienst im Regiment, Helisande!"
Sir... ich.
Ich bemühe mich für meine Fehler gerade zu stehen und Eurem Wort wieder zu gehorchen, Sir Fjalon. Doch für jetzt und diesen Moment muss ich es ertragen wie es ist und aushalten. Auch die Tatsache Eure Erwartungen in mich nicht zu erfüllen. Es darf Euch ein Trost sein, denn ich erfülle nicht nur Eure Erwartungen nicht. Die Fortschritte meiner Ausbildung genügen nicht. Harsche Worte.
Berechtigte Worte.
Würde ich genügen, wäre sicher meine Rüstung schon aufgewertet worden. Würde ich genügen wäre da Zufriedenheit bei meinen Ausbildern und keine Missbilligung.
Würde ich nur...
Ich tue es nicht.
Es scheint gleich zu sein was ich tue, ich genüge schlicht nicht. Eine bittere Erkenntnis, die ich nur schwer abschlucken konnte. Aber ich habe es getan. Mein Platz ist der, an den ich gestellt werde. Es mag mir nicht behagen oder mich betrüben, aber es ist mein Platz. Ich füge mich. Daher habe ich das Schwert, dass Ihr mir vermacht habt nun neben Euch gelegt, Sir. Ich bin seiner nicht würdig. Nicht jetzt, vielleicht nie. Aber ich werde danach streben es zu sein! Sollte der Tag kommen, werde ich es holen und für meine Hand umarbeiten lassen.
Nur in einer Sache nicht, in einer Sache werde ich unfügsam bleiben bis ans Ende. Ich bin Oberstleutnant bis seine Majestät mich aus dem Dienst entlässt. Für meine Vergehen stehe ich gerade. Aber das wisst Ihr selbst am Besten von allen. Es bleibt mir nicht viel als mein Schicksal in die Hände zu legen, die es eh halten. Müssig damit zu ringen.
Der Herzkönig ist jede Mühe wert, nicht wahr, Sir Fjalon?
Für König, Reich und für Temora.
Temora beschützt!
Immer treu.
Eure ergebene
Helisande
Verfasst: Montag 19. Januar 2015, 14:41
von Helisande von Alsted
Das beschriebene Pergament zu einer Rose gefaltet, wird es in der kleinen Krypta in welcher Sir Fjalon ruht seinen Platz finden. Die Schrift darauf ist ruhig und füllt die Seite. Gleichsam mit dem Ablegen jeder Papierrosen wurde auch die Grabstätte gefegt und das in die Ecken gewehte Laub entfernt.
Berchgard, 19. Hartung 258
Temoras Licht um Euch, Sir Fjalon!
Ich habe das Schwert aus dem kalurischen Metall wieder an mich genommen. Sobald ich sie antreffe werde ich die ehrenwerte Berronan Hammergrund bitten es für mich umzuarbeiten. Nein, Sir, kein Wenn und kein Vielleicht. Ich habe es mir verdient nun. Im Gegensatz zu meiner ursächlichen Annahme allerdings nicht dadurch brav und gehorsam zu sein. Sondern schlicht dadurch mich selbst zu bewahren.
Alles, was ich sein kann, bin ich.
Ich muss es nur sein.
Manche Erkenntnisse brauchen Zeit zu reifen, Sir, aber das wisst Ihr sicherlich besser als ich. Auch wenn anderes von Euch behauptet wird, für mich wart Ihr nie ein Träumer oder ein unverbesserlicher Optimist. Ich sah in Euch eher immer den Realismus die heiteren Seiten des Lebens als solche anzunehmen. Bitter wird es von allein.
Ich habe mich geprügelt.
Wieder.
Einmal mit einem rahalischen Magier, der sehr gut zu fuß war und am Ende doch in die Faust eines Thyren lief. Ganz am Ende lief er dann in mein Knie mit seinem... na Ihr wisst schon. Euch hab ich auch mal da getroffen. Oder war das Sir Friedrich? Seis drum.
Nun was ich eigentlich niederschreiben wollte ist, dass mir die Thyren für meinen Dauerlauf hinter dem Unhold her einen Schild geschenkt haben. Nicht irgendeinen, der auch als Tablett durchgeht! Nein einen Drachenschild auf dem sehr lebhaft dagestellt ist wie ein Drache einen Magier jagt. Warum eigentlich immer Drache?
Ich bin bei meinen Übungen zum Lanzenstechen - ich steche unterwegs gerne Eiszapfen von den Bäumen - in Ritter Wolfseiche reingerannt. Oder er in mich.
Gut eigentlich habe ich Pause gemacht und geraucht, als er mit einem Bogen angeschlichen kam wie ein Wilddieb. Meine Güte, kann der faseln.
Wolfseiche scheint immer noch Morgenluft zu wittern und zu hoffen mich auf seine Seite bekehren zu können. Ich würde nun lügen, würde ich sagen dass seine Worte an mir abgleiten. Er meint ich würde mich brechen lassen und zu Einheitsbrei verkommen, irgendwann wie einige andere Ritter des Reiches nur stumm, unkritisch und dekorativ herumstehen. Mir sei mein Feuer abhanden gekommen und geschliffene Edelsteine seien langweilig, man könne an ihnen vorhersagen wie das Licht sich brechen wird. Ich sei kalt gestellt... und noch einige Dinge, die auch gegen die mir anvertrauten gerichtet sind. Jene werde ich nicht wiederholen und hier niederfassen.
Was ich allerdings notieren will ist die Tatsache dass ich eine Schlägerei mit ihm angefangen habe. Solch große Mäuler gehören schlicht gestopft und ich habe getestet ob mein neues Schild hineinpasst.
Fast.
Leider war der Panterkrauler unkooperativ und schlug zurück. Nennt mich dumm, aber ich zog meine Waffe nicht. Er führte keine mit sich und der Bogen war ohne Pfeil in der Sehne auf Spannung einfach keine Gefahr. Im Endergebnis ist meine Unterlippe eingerissen und er hat auch genug abbekommen. Leider tauchte der Thyre namens Ulfrik auf und hat ihn gerettet.
Eigentlich hat er ja mich gerettet irgendwie. Oder so.
Ich werde Wolfseiche irgendwann von seinem Leid erlösen.
Immer treu.
Ergebenst Eure
Helisande
PS: 60 Tage.
Verfasst: Montag 16. Februar 2015, 16:32
von Helisande von Alsted
Diesmal thront ein zu einem Schiff gefaltetes Pergament auf dem Sarkophag in der kleinen Krypta. Ein fast kindlich anmutendes Machwerk, welches ganz sicher sehr bald vom Frühlingswind verweht werden würde.
Adoran, 16. Eisbruch 258
Temoras Licht um Euch, Sir Fjalon!
Ich bin wieder in den aktiven Dienst gestellt worden. Im Grunde sollte mich dies überglücklich sein und mich dazu bringen vor Wonne und Freude vor mich hinzuseufzen. Immerhin ist es ja das, was ich wollte, das wofür ich durchgehalten haben. Oder doch nicht? Würde es Euch überraschen, wenn ich sage, dass es mich zufriden macht? Dass es sich wie ein Sieg anfühlt, obwohl ich mein Haupt gebeugt habe? Kein Triumpf darin, nur eine vage Zufriedenheit prägt sich aus und hält inne.
Ich bin wieder im Dienst und direkt lief mir mehr oder minder ein Überläufer in die Arme. Jemand, der hinter sich alle Zelte abriss um in Lichtenthal neu anzufangen. Im Kerker wird er sich und uns die Frage beantworten dürfen, ob dies wirklich sein Weg ist. Rettbare Seelen sollen gewürdigt werden, dessen bin ich mir bewusst. Trotz und alledem halte ich von Verrat nicht viel. Doch was definiert Verrat als solches? In diesem Leben wohl die Verratenen und nicht die Beratenen.
Sir Fjalon, ich fühle wie mein Realismus zu einem tiefen Zynismus reift. Meine Knappschaft wurde auf Lady Sidra übertragen. Somit ging ich nun in meiner Ausbildung in das vierte paar Hände über.
Wir werden sehen wie lange.
Ich bedauere von Herzen, dass ich Euch nicht mit offenem Herzen von meinem großen Glück berichte, welches sicherlich darin liegt einem Ritter nun fest übertragen worden zu sein. Lady Sidra ist Ritterin und ich schätze sie zutiefst. Ebenso denke ich, dass diese ganze Angelegenheit sie ebenso beeinträchtigt wie mich. Vielleicht noch mehr sogar. Ich bin ein sperriges, unangepasstes Biest und sie hat mich nun am Hals.
Ich werde Ihr dankbar sein, so wie ich es Ihr schuldig bin. Aber sie ist nicht der Ritter, den ich wollte. Sie ist nicht Ihr und sie ist nicht Sir Vaughain. Auch wenn das Verhältnis zwischen mir und Sir Vaughain sagen wir mal... spannungsreich ist, so lerne ich viel von ihm. Mehr als er wohl selbst glauben würde. Und mehr als ich ihm jemals, jemals eingestehen würde. Er hält mich für die Pest und die Seuche und das ist gut so. Er weiß mich zu regulieren und in die Richtung zu treiben, in die ich soll.
Aber er ist eben auch mein vorgesetzter Offizier und mein Vormund. Somit war Lady Sidra die einzig logische Wahl für seine Majestät. Dem Sir übertragen zu werden, der Euch einst ausbildete verbat sich von selbst. Zumindest mir. Ich hatte Glück, oder?
Mein Schwert ist fertig. Es heißt Drachenodem und ich bin unbescheiden genug um hier vor Euch damit anzugeben.
Ich bin gut damit.
Richtig gut.
Immer treu.
Ergebenst Eure
Helisande
Verfasst: Montag 16. März 2015, 14:17
von Helisande von Alsted
Erneut wird ein kunstvoll gefaltetes Pergament in der Krypta abgelegt, in welcher Sir Fjalon seine letzte Ruhe fand. Eine Lilie wurde geformt und gesellt sich zu den anderen Papierblüten, die die Gedenkstätte schon zieren. Diesmal wird die Überbringerin des Briefes auch länger verweilen als sonst, wortlos wird nach der Ablage des Mitbringsels die Wand angestarrt. Kein Gebet, kein Gedenken, nur ein stummes Starren.
Berchgard 15. Lenzig 258, in der späte Nacht
Temoras Licht durch Euch, Sir Fjalon,
Lady Sidra ist mit mir die Trunierregeln durchgegangen. Dabei haben wir tatsächlich auch jede einzelne Station selbst durchlaufen. Sogar an zwei Runden Tjost haben wir uns herangewagt.
Milady führt nach Punkten klar vor mir, aber ich bin nicht abgesessen! Gut ich hing nach dem letzten Bruch im Sattel wie ein Spatz am Pferdeapfel, aber ich blieb oben - wenn auch leicht seitlich. Das Reglement wirkt auf mich seltsam befremdlich, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass in Lichtenthal kein Ritterturniere stattfinden, aber es ist besser man kennt die Bedingungen. Lieber Wissen haben und nicht brauchen, als brauchen und nicht haben.
Mit leisen Triumpf sei Euch bestellt, dass ich die Hosen los bin. Nein, Sir ich laufe nicht unziemlich bekleidet herum, aber Lady Sidra hat Eure Regeln für mich angepasst. Ich darf nun auch bei offiziellen Anlässen Kleider oder Röcke tragen. Manchmal glaub ich ja, dass es Euer heimlichesv Vorhaben war mich dazu zu bringen um damenhafte Bekleidung zu betteln. Den Krathor tat ich. Ich habe Hosen getragen bis ich einen anderweitigen Befehl bekam oder zu Demonstrationszwecken ein Rock von Nöten war. Ich habe mehrfach im öffentlichen Etikettenunterricht Knickse vorgeturnt. Im Übrigen möchte ich hier anmerken, dass der Freiherr von Goldenfall ein fieser Sadist ist. Er hat mich als er die Rolle des Königs vertrat zwei Ewigkeiten im tiefen Knicks aushalten lassen. Das letzte Beleidigungsduell habe ich aber gewonnen.
Zumindest moralisch!
Ich trage also wieder Röcke.
Ich kann brauchbar im Tjost nicht vom Pferd fallen.
Ich bin gut mit dem Zweihänder und so diplomatisch wie ein Plattenhandschuh.
Eine recht zynische Bemerkung einer Gardistin kursiert im Übrigen im Regiment. Sie betrifft mich. "Sie ist der Drache! Ihr erster Ritter ist verstorben, den anderhalbsten hat sie die Nerven gekostet, der zweite ist außer Landes geflohen und Nummer drei kämpft noch".
Langsam, Sir Fjalon nehmen diese rufbildenden Maßnahmen, die da getroffen werden, sehr sehr seltsame Formen an. Über kurz oder lang werde ich einschreiten müssen. Der Ruf tötet den Mann. Solange es mein Ruf ist, der die richtigen Männer tötet....
Tarya ist nun Edle, ebenso wie Merrik. Beide haben sich dies im Übrigen sehr verdient.
Euer Ritter ist nun Baron.
Ein Stern.
Ferner denn je.
Immer treu.
Eure ergebene
Helisande
Verfasst: Montag 27. April 2015, 18:04
von Helisande von Alsted
Diesmal findet sich ein aus Pergament gefalteter Vogel auf dem Sarkophag wieder. Man sieht dem Papier an, dass es bei der Vogelwerdung ein wenig gelitten hat, offenbar waren mehrere Versuche nötig.
Berchgard, 27. Wechselwind 258
Temoras Licht für Euch, Sir Fjalon!
Ich bin in kontemplativer Stimmung und finde werder Auslöser noch Anlass dafür. Es ist einfach da und ich ertappe mich dabei, wie ich viel sinniere und grüble. Zum Teil über die Reichsgeschicke, über den nicht abreißenden Strom von gefangenen Feinden im Kerkrer, Orks und über mich selbst. Beim letzten Punkt ist mir aufgefallen, dass ich kaum jemandem viel über mich erzählt habe bisher. Einiges wird sicherlich offesichtlich, wenn man mich ein wenig kennt, anderes kann ich kaum verleugnen, aber das Meiste bleibt unausgesprochen. Das blieb es auch gegenüber Euch.
Das Versäumnis Euch gegenüber will ich nachholen. Vermutlich in der festen Gewissheit, dass Ihr es kaum irgendwem verpetzen könnt.
Ich wurde geboren als das zweite der fünf Kinder meiner Eltern: Godith und Halric Senheit. Meine Mutter ist eine Heilkundige und füllte die Stelle einer Zofe aus. Mein Vater war in seiner Zeit ein Soldat im Heer des Ritters auf dessen Gut wir lebten. Er verlor seinen reichten Unterschenkel in einer Schlacht. Sein Gnadenbrot war die Stellung als Verwalter des Gutes. Wobei es im Nachinein betrachtet sicherlich nicht nur reine Gnade war. Halric Senheit verdient sich immer, was er erhält. Er und Mutter bewirtschaften verantwortlich das Gut, wenn die Herrschaften nicht selbst anwesend waren. Und selbst wenn sie es waren dennoch immer noch.
Wir haben Pferde gezüchtet. Durchaus auch Ackergäule und Lastpferde, aber das Gros waren Schlachtrösser. Der hohe Herr hatte einen Ruf als Züchter von exzellenten Pferden. Eine Nebenwirkung dessen war, dass ich reiten lernte sobald ich freihändig laufen konnte. Je älter ich wurde, desto eigenwilliger waren die Pferde, die ich mir aussuchte. Das ist bis heute so. Ebenso meine Vorliebe für braune Rösser. Ich neige immer noch dazu meinen Pferden allen möglichen Unfug beizubringen. Aber die Fähigkeiten, die ich mir damals für die Reiterspiele aneignete, tragen mich heute durch den Knappenunterricht.
Wie Ihr wisst, war ich für meinen Vater eine mittlere Enttäuschung, denn er hatte gelobt für das Heer seines Herren Söhne zu zeugen. Ein Mädchen passt da nicht in die Planung, auch wenn mir noch drei Jungen folgten. Doch meine Brüder ließen schon früh erkennen, dass sie meinem Vater nicht ähnelten. Geschickte, gesunde Burschen, aber keine Krieger.Der Krieger, der Soldat der nächsten Generation der Senheits trug Röcke. Besser gesagt, sollte sie tragen.
Ich habe den Krathor getan.
Wo es nur ging habe ich mich widersetzt, bin ausgebrochen oder habe mich dem weiblichen Feinschliff verwehrt. Dabei sollte ich als künftige Ehefrau gut ausgebildet sein, so wie eines der Schlachtrösser. Sogar ein Gatte war für mich schon gefunden. Es war abgemacht, dass ich in den niederen Adel vermählt werden sollte, mit Dispenz des Lehnsherren ist dies in Marsbergen nicht nur erlaubt, sondern sogar üblich.
Ich war 15 Sommer alt, als es beschlossen wurde und mein künftiger Gatte erschien mir unendlich alt. Er mochte um die 10 bis 15 Jahre älter sein als ich und jene Tatsache bringt mich inzwischen dazu nur leicht den Kopf zu schütteln. Das ich durchbrannte und welche Wendungen mein Leben nahm, bis ich in Gerimor anlandete, wisst Ihr.
Faszinierend ist in der Rückschau, wie sehr ich damals diese ganz Etikette und Knickserei verachtet habe, wie ich mich sträubte. Und nun? Nun bin ich die offizielle lichtenthaler Etikettenzicke und habe schon mehrfach den Hofknicks nicht nur angewendet, sondern auch angeleitet.
Und zum Thema Altersabstand... nun ja... 10 bis 15 Jahre erscheinen mir nun gar nicht mehr so unendlich viel. Ich vermisse meine Eltern und würde ihnen gerne einige Dinge gestehen.
Es tut mir leid, wie ich ging.
Nicht dass ich ging.
Irgendwann Sir, irgendwann.
Der Verlauf, den mein Leben nimmt, erscheint mir vorgezeichnet durch Mächte, die ich nur beschränkt beinflussen kann. Diesmal bete ich jedoch darum, dass die geplante Wendung wirklich eintreten möge. Ich habe mein Zuhause gefunden und werde es verteidigen.
Immer treu!
Eure ergebene
Helisande
Verfasst: Montag 11. Mai 2015, 14:39
von Helisande von Alsted
Ein Achteck bildet das Pergament, welches die Rosthaarige ablegen will, doch sie steht erstarrt vor der Krypta und schaut ungläubig hinein. Erst nach mehrfachem Blinzeln wird sie gewahr, was sich dort verändert hat. All ihre Briefe liegen nicht mehr herum oder stecken in den Fugen zwischen den Steinen. Irgendjemand hat eine schlichte braune Lederkladde auf der abgewandten Seite des Sarkophags plaziert. Nicht wahrzunehmen für den andächtigen Blick von außen, aber dennoch da. Auf dem Decke ist ins Leder ein Efeublatt eingeprägt. Die Finger zittern als die Kladde geöffnet wird. Alle Briefe sind dort. sorgsam entfaltet, geglättet und nach Datum sortiert. Fahrig wird der Deckel zugeklappt und das gefaltete Achteck darauf gelegt.
Berchgard, 11. Eluviar 258
Temoras Licht umhülle Euch, Sir Fjalon!
Ich stelle mir gern vor, wie Ihr auf mich blickt und Euren Kopf schüttelt in komischer Verzweiflung. Desgleichen tue ich im Moment recht häufig. Einer der Gardisten hat das unglückliche Talent sich Ärger einzuhandeln. Vorzugsweise Ärger, der für ihn ein bis zwei Nummern zu groß ist. Nun hat er sich erfolgreich mit Ritter Wolfseiche angelegt. Neben einer missglückten Duellforderung steht auch noch das Ableben einer jungen Frau ihm Raum, die wohl eine Schutzbefohlene des Ritters war.
Wie ich jenen kenne, wird er Gift, Galle und Schwefen spucken. Es gilt also den Gardisten irgendwie zu bewahren. Dahingehend werde ich mich noch mit Herrn Oberst ins Benehmen setzen. Persönlich finde ich nichts Verwerfliches daran eine bekennende Alatari im Kampf zu töten. Es ist Krieg.
Über seinen eigenartigen Ehrbegriff darf der Gardist allerdings noch mal nachdenken und ein Gespräch mit mir führen. Macht er weiter so einen Wind um sein an die Lethra verlorenes Schild und Schwert, dann spuck ich wirklich noch Feuer.
Das Regiment beherrbergt wieder Gäste. Mehr will ich dazu hier nicht niederlassen, nur eine kleine Kontemplation über den Begriff des Verrates.
Es gibt wohl nicht viel, dessen ich mir sicher sein kann. Es gibt nicht viel, was ich wirklich weiß. Ich habe Aschengardt vertraut und nun trägt er die Farben Rahals. Alles kann stets angezweifelt werden, bis auf die Gefühle, die man in sich trägt und die einer Sache dienlich oder undienlich sind. Wut, Hass, Zorn, Vergebung, Mitgefühl, Liebe... all das trägt eine eigene und unzweifelhafte Wahrheit in sich.
Die Wahrheit, die Livyathan in sich trägt und immer tragen wird, ist seine Unsicherheit und seine Verzweiflung nicht das sein zu können, was er selbst gern in sich sähe.
Die Wahrheit, die ich in mir selbst trage ist, die dass ich mein Versagen deutlich fühle. Ich habe ihn nicht halten, nicht führen können. Eine Narbe in mir, die noch lange brennen wird. Eine wunde Stelle, die es anderen um so schwerer machen wird mein Vertrauen zu erlangen. Ich kann an seiner Entscheidung zweifeln, doch die Narbe, die brennt und schwärt ist die meine.
Auch ein noch jüngeres Beispiel zeigt, dass wir als Menschen sehr lange in der Lage sind und selbst und andere zu belügen. Wir können gefällig sein, bis.. ja bis zu dem Moment wo unsere eigene Seele, die unsere Gefühle birgt zurück schlägt. Dann verraten wir, dann werden wir verraten. Erst dann beginnt der offene Zweifel, der als Gefühl schon vorher im Verborgenen wirkte.
Manchmal bedeutet das Handeln den Verratn an den Gefühlen anderer. Manchmal bedeutet das Schweigen zum Handeln anderer, sich selbst auszuliefern und im Stich zu lassen. Im günstigsten Falle nur sich selbst.
Wie weit würde ich gehen um zu schützen, was ich liebe?
Immer treu?
Immer treu!
Eure ergebene
Helisande
Verfasst: Mittwoch 20. Mai 2015, 20:10
von Helisande von Alsted
Mit ruhigen Gesten und nachdenklichen Blicken betritt die hochgewachsene Frau wieder die Krypta. Andächtig hält sie inne und betrachtet schlicht nur die Mauersteine bevor sie sich niederkniet und auf der Lederkladde einen zum Schwert gefalteten Brief ablegt.
Berchgard, 20. Eluviar 258
Temoras Licht über Euch, Sir Fjalon!
So schreibe ich schon wieder, allerdings nicht um Euch von einem Lama zu berichten, dass in mein Büro gestellt wurde. Es ist nun einmal so, dass Vorgesetzte mit Streichen ihrer Untergebenen zu rechnen haben. Nicht wahr? Ihr dürftet das noch recht gut in Erinnerung haben. Ich will auch nicht berichten dass ich alsbald mit mehreren Wolfsheuler der Thyren in den Wald zu ziehen und dort das überleben zu lernen. Ich bin gespannt ob ich aus dem Wald jemals wieder lebend herauskomme.
Was ich berichten will ist, dass sich weiterhin ätzend wie konzentrierte Säure etwas in mich hinein frisst. Der tiefe Eindruck versagt zu haben, prägt sich immer tiefer ein, wie ein Stempel in weiches Wachs. Wobei es mir missfällt mich selbst als weiches, formbares Wachs zu betrachten. Ich bin sperrig und ich weiß es.
Bereits im letzten Brief erwähnte ich es: Ich habe einen Soldaten verloren, nun wohl endgültig. Nicht an den Tod, das wäre nichts Ungewöhnliches und über die Trauer hinweg, wäre da dann noch der Stolz auf ihn. Es ist weitaus schlimmer als in meinem letzten Brief an Euch angedeutet, Sir Fjalon. Ich habe einen Soldaten an Rahal verloren. Mit fliegenden Fahnen und Ankündigung hat er nun jene Seite gewählt und ich konnte ihn nicht davon abhalten. Ich habe es nicht geschafft ihm hier im Licht und im einzig wahren Glauben ein Anker zu sein.
Nun grüßt er mit den Worten jener Verlorenen, nun trägt er deren Farben, nun folgt er Ritter Shasul wie ein kleines Hündchen seinem Herren. Livyathan Aschengardt, ein Stoff der sich wohl beliebig mit der gewünschten Frömmigkeit einfärben lassen würde. Auch in den Gesprächen wie mir, wusste er immer die richtigen Worte zu wiederholen. Sicherlich könnte er auch heute noch die Tugenden heruntersingen.
Er wird nun 'Heil Alatar' singen und sich den Anstrich von Glauben verleihen. Ich bin wütend, ich bin voller Trauer und dennoch überwiegt mein Mitgefühl. Aschengardt wird immer irgendwie heimatlos bleiben. Egal wie oft er mich um seinem neuen Herren zu gefallen niederschlägt. Die Reue folgt ihm auf dem Fuße, denn ich bin für ihn im Kampf sicherlich zu schlagen, aber als das was ich bin nicht zu bezwingen.
Aye, ich unterlag in einem Kampf im Bajard einer Übermacht und laboriere noch an den Verletzungen. Er war es, der mich zu erst versorgte und er wird derjenige sein, dem ich irgendwann die letzte Gnade erweisen werde.
Schlimmer als der Tod.
Wachs unter dem Siegel der Zeit.
Werde ich irgendwann aufhören zu Zweifeln, Sir?
Werde ich?
Immer treu.
Eure ergebene
Helisande