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Suche nach einem Toten

Verfasst: Mittwoch 13. August 2014, 23:07
von Sahid Ibrahim Yazir
*Spät in der Nacht beginnt im Keller der Kaserne eifriges Treiben. Zelte und Feldbetten werden eilig verladen, Vorräte, Werkzeuge und Waffen gereinigt und bereitgestellt. Zwei bullige Akemis und ein Jemaat stehen draußen vor der Türe, und sollte doch ein Neugieriger oder ein Betrunkener sich auf dem Heimweg zur Kaserne verirren, werden sie diesen schroff des Platzes verweisen. Etwas geht vor sich in der Kaserne Menek'Urs*

Verfasst: Donnerstag 14. August 2014, 13:33
von Sahid Ibrahim Yazir
*Den ganzen Morgen über waren die Tore der Kaserne verschlossen geblieben. Man sah den Tag über zwar Janitschare darin verschwinden, doch heraus kamen sie für eine ganze Weile nicht mehr. Als eine große Zahl von ihnen dicht gedrängt im Keller stand, erklomm Sahid eine der herumstehenden Lagerkisten und sprach folgende Worte zu seinen Kameraden:*

Salam Aleikum, meine treuen Janitschare.

Wie ihr sicher alle gehört habt, hat gestern die allgute Mara selbst unserem ehemaligen Sajneen und Kalifen, Imraan Mukthaar Omar, eine Vision geschickt, so wie es seit Anbeginn unseres Volkes Brauch ist, wenn sie einen neuen Emir erwählt.

Im Wandel der Ereignisse liegt es nun an uns, für Ordnung zu sorgen. Unsere wichtigste und vordringlichste Aufgabe ist es, den Leichnam des verstorbenen Emirs, Ghadir Tazim Omars, zu bergen.

Das Problem ist jedoch, dass wir nur aus einer Vision des Erhabenen von seinem Tod wissen. Ich denke die Mutmaßungen, die sich daraus ergeben können, so lange der Leichnam neda gefunden ist, muss ich keinem von euch erklären.

Es wird deshalb die erste und wichtigste Pflicht eines jeden Janitschars sein, sich auf die Suche nach dem Leichnam Ghadirs zu machen. Wir werden in vier Gruppen aufbrechen. Wir haben neda viele Informationen, wo der Leichnam sein könnte, nur so viel habe ich erfahren können:

Der vormalige Emir reiste nach Norden und besuchte mehrere Völker dort.
Mit dem Schiff reiste er dann wieder zurück nach Menek'Ur, kam dort aber niemals an.
In seiner Vision sah der Emir ein an den Ufern der Durrah zerborstenes Schiff.


Deshalb werden wir vier Gruppen bilden, und jede Gruppe wird in eine Himmelsrichtung reiten, bis sie am Ufer der Durrah angekommen ist. Dann werdet ihr in Richtung des Sonnenwandels dem Ufer der Durrah folgen. Wenn ihr Schiff oder Leichnam finden solltet, so müsst ihr strengste Diskretion an den Tag legen. Informiert mich, die Sekban oder den Jijkban und sorgt zu jedem Augenblick dafür, dass die Würde des Toten neda berührt wird. Wenn der Leichnam gefunden wird, bringt ihn unverzüglich in den Tempel und wenn er dort ist, soll er stets bewacht werden von vier erfahrenen Janitscharen.

Wer selbst eine gute Idee hat, darf auch alleine losziehen, und anderen Spuren nachgehen. Ich vertraue eurem Urteilsvermögen.

Außerdem wird eine Schar von euch in der Stadt verbleiben, um die Ordnung in diesen schweren Zeiten aufrechtzuerhalten.

Zuletzt sollen der Tempel und das Leviathan benachrichtigt werden. Sagt ihnen, was ich euch gesagt habe, und dass ich auf die Hilfe der Priester und Liedwirker in dieser Sache hoffe.


*Nach der Ansprache kletterte Sahid wieder von der Kiste herab, und wenige Augenblicke später öffneten sich die Tore der Kaserne, aus der dicht gedrängt die Janitschare nach draußen strömten. Binnen kurzer Zeit waren die Tiere der Suchgruppen beladen und die Suche nach dem Toten konnte beginnen*

Verfasst: Donnerstag 14. August 2014, 14:27
von Tooru Weidenhang
Die Uniform polierte sie zweimal in dieser Nacht, für die bevorstehende Mission musste sie angemessen aussehen. Es kam ihr fast so vor als würde sie Unglück über Menekur bringen bei dem was so alles passierte in der kurzen Zeit seit der sie dort war. Sie hoffte nicht.

Sie war noch nicht einmal richtig vereidigt und schon gab es solch einen Einsatz. Und dann gleich einen solcher Wichtigkeit.
Der Vorfall mit Imraan indem er als neuer Erhabener auserwählt wurde war bereits überfordernd genug so doch immernoch alles neu war für sie hier in Menekur. Und nun? Wie bewahrte man die Würde eines Toten hier in Menekur? Sie würde sich versichern wie die Situation zu handhaben war sollte sie auf den verstorbenen Emir stoßen, Detail für Detail.


Zwei tote Würdenträger in einem Mondlauf, scheisse. Sie betete zu Eluive das sie nach der nun folgenden Phase der Trauer ihren weißen Sari erst einmal für eine lange Zeit weglegen konnte.

Verfasst: Sonntag 17. August 2014, 20:11
von Sahid Ibrahim Yazir
*Der vierte Tag der Suche war angebrochen und die Sonne senkte sich bereits langsam über den Dünen der Wüste. Noch immer schritten die Mitglieder der Suchgruppen, gefolgt vom Tross einiger Lamas und Trägerburschen, langsam und spähend die Ufer der sandigen Weiten ab. Da erklang ein Schrei durch die abendliche Stille:*

"Seht nur da vorne, da vorne beim Riff!"

*Eilig liefen die Männer des westlichen Suchtrupps zusammen. Der befehlshabende Jemaat legt die Hand auf die Schulter des Akemis, der eben noch gerufen hatte.*

"Was hast du gesehen, Kamerad?"
"Dort Jemaat, direkt bei den spitzen Zähnen des Riffs!"


*Der Jemaat kniff nun ebenfalls die Augen zusammen und nun erkannte auch er den Anlass für die Aufregung des Akemis.*

"Sendet sofort nach dem Sajneen. Er soll sich das selbst ansehen. Wer von euch ist ein guter Schwimmer?"

*Als Sahid einen Stundenlauf und einen halben später am Ufer ankam, bot sich ihm folgendes Bild: Ein Akemi kletterte gerade völlig erschöpft aus dem Wasser, in seinen Händen hält er mehrere Stücke Holz, einige Schnüre sowie einige bereits vom Wasser angefaulte Steckrüben.
Bereits nach kurzer Zeit hatte er Meldung erhalten: Nach Aussagen der Janitschare war ein Schiff wohl nachts direkt gegen das Riff geprallt und dabei versunken. Nur den außerordentlich guten Augen eines jungen Akemis war es zu verdanken, dass sie überhaupt noch die ums Riff schwimmenden Überreste gefunden hätten. Einige Tauchgänge später stand schließlich auch der Name des versunkenen Schiffes fest - es handelte sich der Aufschrift des Bugs nach eindeutig um die Handelskogge "Fliegende Möwe".

Im selben Abend noch verfasst Sahid auf reinweißem Pergament folgende Zeilen, welche an den Emir selbst gerichtet sind:*



Salam Aleikum Erhabener,
ehrenwerter Immraan Mukthaar Omar,
Emir des Reiches der Sonne Menek'Urs,
Sohn und Oberhaupt der ersten Familie,


anbei übersende ich dir euch in diesem Brief das Ergebnis meiner Untersuchungen zum Verbleib des von uns allen geliebten Ghadir, eurem Vetter.

Am vierten Tag der Suche gelang es den Janitscharen, am westlichen Riff ein erst kürzlich zu Grunde gesunkenes Schiff ausfindig zu machen. Es handelt sich hierbei um die Handelskogge "Fliegende Möwe".
Unserer Einschätzung nach ist die Kogge in einem Zeitraum zwischen einer und zwei Wochen seit heute an besagter Stelle, wahrscheinlich des Nachts, auf Grund gelaufen.
Bereits am ersten Tag unserer Suche hat die Nordländerin Tooru Weidenhang, Akemi der Janitschare, in weiser Voraussicht und unter Berücksichtigung der damals bekannten Suchkriterien, Kopien der Hafenbücher aller großen Häfen in meine Amtsstube gebracht.
So war es recht schnell möglich zu ermitteln, dass die "Fliegende Möwe" vor zweieinhalb Wochen den Hafen Bajards in Richtung Menek'Ur verlassen hat und seither neda mehr aufgetaucht ist. Doch das ist noch neda alles: Zum Zeitpunkt der Abfahrt wurde in den Frachtbüchern Bajards vermerkt, dass eine Gruppe ungenannter Passagiere von etwa einem Dutzend Personen für die stolze Summe von 100 Kronen kurz vor Abfahrt der "Fliegenden Möwe" an Bord stieg, und alle weiteren Passagiere das Schiff wieder verlassen mussten. Einzig die geladene Fracht, ein Schiffsrumpf voll mit Steckrüben des Bajarder Umlandes, verblieben als Fracht an Bord und stachen zusammen mit der betuchten Reisegruppe in See. Mir liegen abschließend Zeugenberichte Bajarder Fischer vor, die die Reisegruppe eindeutig als Menekaner identifizierten.

Ich denke also Erhabener, die Indizien sind erdrückend. Alles was die Janitschare gefunden haben, bestärkt das, was ihr in eurer Vision erfahren habt. Einzig einen Leichnam konnten wir neda finden. Es verbleiben zwar wenige Janitschare am Ort des Unglücks, doch sind ihre Erwartungen gering, aus dem immer weiter am Riff absinkenden Schiff überhaupt noch etwas bergen zu können.

Verzeiht, dass ich neda endgültige Gewissheit verschaffen konnte. Mein Herz ist voll der Trauer für euren Verlust und meine Gebete zur Mara gelten euch und eurer Familie.

Inshallah!


*schwungvoll unterzeichnet*

Sahid Ibrahim Yazir

Sajneen der Truppen des Reichs der Sonne
Oberhaupt der Familie Yazir

Verfasst: Montag 18. August 2014, 08:53
von Gast
Kaum war er von der Jagd zurück, war sein Stapel an Pergamenten wieder größer geworden. Er sah hinab auf seine zerbrochene Tasse und den umgefallenen Stuhl. Es hatte sich keiner der Diener in den Raum getraut, nachdem Imraan laut geworden war und den Palast mir Abbas verlassen hatte. Insgesamt ein sehr seltsamer Abend, der an Kraft kostete und Durchhaltevermögen forderte. Er hätte gerne mehr gemacht, er hätte auch gerne anders reagiert. Die jetzige Situation war jedoch nicht zu ignorieren. Man konnte jetzt nur noch Schönheitskorrekturen machen und am Ende das Beste hoffen. Als er auch noch Sahids Zeilen überflog, betrübte ihn das Gemüt sehr. Die Wut wich und die Miene wurde wieder zu dem, was er schon seit Nazeeyas Tod mit sich herumtrug. Nachdem er sich eine Schüssel mit kaltem Wasser hatte bringen lassen, wollte er sich an das Schreiben setzen. Hin und wieder tunkte er die pochende Hand dort hinein.


Salam Aleikum Sahid,
stolzer Sohn und Oberhaupt der Yazir,
loyaler Sajneen des Reiches der Sonne,

mit Bedauern muss ich das Ergebnis deiner Janitschare vernehmen, doch natürlich glaube ich, dass alles menekanermögliche getan wurde, um den Leichnam Ghadirs ausfindig zu machen.
Diesen Augenblick und Effekt der Leere wird auch der Fund nicht aufheben. Trost finden wir ohnehin zur Zeit nur in unserer Allmutter.

Erneut bin ich dir zu Dank verpflichtet, dafür, dass du dieser Aufgabe so rasch nachgegangen bist. Richte meinen persönlichen Dank ebenso deinen Janitscharen und in erster Linie Tooru aus. Ich denke, dass du gut daran getan hast diese Nordländerin in die Armee aufzunehmen. Ich bin sehr gespannt auf ihre Fortschritte.

Bezüglich deiner anderer Anliegen werde ich dich zeitnah aufsuchen, sobald es hier im Palast ruhiger geworden ist.
Es kamen zur Zeit viele Ereignisse zusammen, die nacheinander abgearbeitet werden müssen.

Wir treffen uns bald.

Möge Menek'Ur in seiner Herrlichkeit bald erneut erstrahlen.