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Wohin der Wind einen weht......
Verfasst: Montag 27. Februar 2006, 19:44
von Aldred Ravenor
„Vertrau mir, ja?“ und beinahe flehend blickten Ihre Augen zu ihm hoch. „Das tue ich“, war seine Antwort gewesen. Erinya hatte noch etwas zu erledigen, hatte aber versprochen, sich zu beeilen. Er würde zu Hause auf sie warten.
„Mach Dir keine Sorgen“............ „Ich liebe Dich“........“Denk immer daran“...........in jenem Moment hatte Aldreds Herz hoch geschlagen und voller Vorfreude auf ihr Wiedersehen war er zum Gasthaus spaziert.
Doch wo er so drüber nachdachte, kam ihm das doch etwas merkwürdig vor........ und wieso hatte sie die Hand auf die Schwertscheide gelegt, als sie aus dem Tor marschiert war? Eine gewisse Anspannung war ihr deutlich anzumerken gewesen.
Diese Gedanken schlichen sich in seinen Verstand, als die Nacht immer dunkler wurde bis die Kirchturmuhr Mitternacht schlug. Alleine lag er im Bett, die Augen leuchteten magisch erhellt und er grübelte über einigen arkanen Werken......... aber er war so gar nicht bei der Sache und legte bald die schweren Bücher beiseite. Lange lag er wach und machte sich Gedanken. Wo blieb sie nur?
Es mochte so zwei Uhr in der Nacht sein, als er aufstand, sich ankleidete und eine Runde durch Bajard lief. Tief atmete er die kalte, klare Nachtluft und langsam........ ganz langsam, spürte er, wie sich eine ebenso kalte Hand um sein Herz krampfte. Mit aller Macht kämpfte er die Angst um seine Verlobte nieder, wusste er doch von ihrer Unbändigkeit, ihrem Freiheitsdrang.......ihrem Leichtsinn. Sie würde schon bald wieder auftauchen, etwas zerzaust, aber wohlbehalten.
Nach ein paar Stunden unruhigem Schlaf erwachte er früh und fand den Platz neben sich leer.
Der Tag brachte einiges an Aufregung......... Rudolf war ermordet worden, die Bank wurde gesperrt, er befragte Zeugen, schrieb Berichte, grübelte über Motive nach......... und als er abends erschöpft und ausgehungert auf sein Zimmer kam.......... keine Spur von ihr.
‚Nur ein warmes Bad’, dachte er sich....... und als er die Augen wieder aufschlug, war das Wasser kalt und die Sonne lange am Horizont versunken.
Der Magier rasierte sich hastig, zog sich an und kaum hatte er die ersten Schritte aus der Stadt getan, hatte die Nacht ihn auch schon verschluckt. Er hastete durch den nahen Forst, bis nach Varuna trugen ihn seine Beine. Nach links und rechts schweiften seine Blicke, immer auf der Suche und doch nie erfolgreich......... „Vertrau mir, ja“......... „Ich beeile mich“..........
Der Morgen graute, kaum noch konnte er sich auf den Beinen halten, heiser war seine Stimme. Er ließ sich auf sein Bett fallen und schlief wie ein Toter bis tief in den Tag hinein. Hatte sie nicht mal etwas von Rahal erwähnt? Doch sie hätte ihm sicher gesagt, wenn sie.......
....oder hätte sie? Und kurz schwappte eine Welle des Zornes über ihn....... er sollte ihr blind vertrauen........ für sie galten andere Regeln?!
Ein Schritt durch das Tor und schon war er dort, schaut sich um, niemand war zu sehen. Keiner, den er fragen konnte, nur ein paar Wachen......... ob die wohl?.......... Wer er denn überhaupt sei, hier Fragen zu stellen!
Sinnlos. Und ein paar Lidschläge später saß er wieder in Bajard, vor sich ein Glas Wein.
Verfasst: Montag 27. Februar 2006, 19:48
von Aldred Ravenor
Leanne. Wie so oft in letzter Zeit galt es wieder einmal etwas zu besprechen. Und eine Bitte hatte er auch. War es wirklich nötig, sie so oft zu sehen? Oder trieb ihn noch etwas anderes als die Belange Bajards?
Unsicher und etwas beschämt schaute er sie an, als die Tür sich öffnete. Waren sie doch letztes mal schon etwas........ nunja....... emotional auseinander gegangen. Doch sie schien sich ehrlich zu freuen und so legte er seine Scheu bald ab. Als er fragte, ob er sich setzen dürfe, errötete sie sogar. Wie gut ihr das stand..........
Seine Bitte war schnell vorgebracht, sie war sofort einverstanden und lachend beendeten sie das Thema.......... und da saßen sie nun.......
Leanne bot ihm Wein an und ihr Duft umgab ihn, als sie von hinten an ihm vorbeireichte, um die Flasche vor ihm abzustellen........ er konnte gar nicht anders als tief einzuatmen........ und fühlte sich sofort zurückversetzt.
Zum ersten mal war sie ihm bei der Bürgerversammlung aufgefallen....... bei Phanodain wie lange das schon her war. Ihre Worte waren damals gut gewählt und ihre Art diese vorzutragen........... folgende Begegnungen waren eher flüchtig gewesen......... und doch hatte sie langsam einen immer tieferen Eindruck bei ihm hinterlassen. Eines Tages hatte sie ihn eingeladen, doch mal auf ihrem Hof vorbeizuschauen, was er dann auch getan hatte. Ganz langsam und sehr vorsichtig schien da etwas gewachsen zu sein. Zufällige Berührungen häuften sich, ein Lächeln hier, ein Zwinkern dort. Und dann war da noch der Festtag in Varuna....... sie hatten getanzt, waren über den Platz gewirbelt und auch da hatten ihre Wangen sich gerötet......
..... bis Erinya über sie beide hereingebrochen war.
Sie gerieten ins Plaudern, kamen auf den Mord, das weitere Vorgehen, auf Ronya und auf störrische Weibsbilder.........
„Bist Du wieder allein heute?“.......... die Frage traf ihn so unvermittelt, dass er sich am Wein verschluckte und sie ihn schon besorgt anschaute. Schlagartig traf ihn auch wieder die volle Wucht seiner Sorgen, seiner Trauer.......die er für diesen Moment fast vergessen hatte. Kurz berichtete er von ihrem Verschwinden und Leannes Trost.......“das hätte sie doch vorher mit Dir bereden können“........ ihre Hand, die seinen Arm hinabstreicht......... „sie tut Dir weh“....... er wollte sie in den Arm nehmen und ganz fest halten...... war es nur Trost, den er suchte? Menschliche Wärme? Oder war es IHRE Wärme? Seine Hand legte sich wie von selbst auf die ihre........ ihre zarte, feingliedrige, doch auch kräftige, sonnengebräunte Hand.....
Mit feucht glänzenden Augen erhob er sich. Bald war er auf dem Weg........ sein Herz schlug hart in seiner Brust. Seine Gedanken kreisten.........
Erinya, sie hatte ihn im Handumdrehen erobert, stürmisch wie die See war sie über ihn gekommen, hatte ihn verschlungen mit Haut und Haaren. Hatte sein Leben von Grund auf geändert, seine Leidenschaft entfacht, sein Herz genommen und fest im Griff. Wie lange kannte er sie jetzt? Einen Mond? Etwas länger....... und schon waren sie verlobt..... „Wie ein Sturm“, dachte er........ würde sie genauso schnell wieder verschwinden? Hatte sie vielleicht grade das schon getan?
Ganz anders war Leannes Wesen. Scheu und zurückhaltend, liebreizend, ein Ruhepol im Sturm des Lebens, ein Fundament, auf das man bauen konnte. Oft bat sie ihn um Rat, gerne gab er ihn, vermittelte sie ihm doch das Gefühl, gebraucht zu werden. Ihr ruhiges, ausgeglichenes Wesen ähnelte dem seinen so viel mehr. Jedes mal aufs neue bewunderte er diese Frau, die der harten rauen Welt mit ihrer liebevollen, warmen Art trotzte. Stück für Stück waren sie sich näher gekommen und was wäre gewesen, wenn Erinya nicht aufgetaucht wäre?
Erinya...... da war sie wieder...... und eine Woge der Sehnsucht überkam ihn.......... er musste sie finden.......... koste es, was es wolle.......... und entschlossenen Schrittes trat er aus den Toren Bajards.
Verfasst: Dienstag 28. Februar 2006, 08:18
von Erinya Erlias
Tief in den Wäldern vor Rahal suchte sie ihre Ruhe. Zuviel brach über sie herein. Erst die Verlobung mit Aldred, dann der Brief an ihren Vater, und wie dumm war sie, dass sie ihm geschrieben hatte, wo sie war. Und dann.... Die Nacht war bereits hereingebrochen und gerade als sie auf ihr Zimmer in Bajard gehen wollte sah sie den Kerzenschein in Leannes Haus. Sie tranken Wein.... schienen sich köstlich zu amüsieren... so... vertraut.
Als hätte man ihr ein Messer in die Brust gerammt, zuckte Erinya zusammen und taumelte zurück. Nein.... nein.... das kann nicht wahr sein. Wieso.... Warum....
Schien ihm das alles nichts zu bedeuten? Sie hatte sich ihm geöffnet, ihm gezeigt, wer sie wirklich war. Interessierte ihn das gar nicht? An der Hausmauer des Gasthauses ging sie in die Knie und langsam bahnten sich die ersten Tränen ihren Weg über ihre Wange. Warum... Hatte sie sich nicht wirklich Mühe gegeben ihr Temperament unter Kontrolle zu bringen? Hatte sie nicht versucht ihm eine liebende und treue Frau zu sein? Ihn zu verwöhnen wann immer es ging? Was wäre gewesen, wenn sie nicht gewesen wäre? Was wäre zwischen Aldred und Leanne passiert, wenn sie ihn nicht an sich gebunden hätte? Sie harmonierten perfekt. Schienen doch beide das gleiche Dasein fristen zu wollen. Ruhig, besonnen, keine Aufregungen, keine Höhen und keine Tiefen. Ein Leben als brave Ehefrau, Mutter und wer weiß, vielleicht war sie sogar eine gute Geliebte.
Leise schlich sie in das kleine Zimmer hoch, das Aldred und sie derzeit noch gemeinsam bewohnten und packte schnell ihre Habseligkeiten ein. Sie wollte den beiden nicht länger im Wege stehen. Sie zusammen zu sehen – immer wieder zusammen zu sehen – ertrug sie nicht länger. Ständig die Ungewissheit, wenn sie auf Abenteuerjagd war, ob er nicht wieder bei ihr war. Ob sie nicht wieder Wein tranken, sich unabsichtlich berührten und wer weiß was noch alles passiert war.
Nur auf dem Bett hinterließ sie die Diamantkette. Es stand ihr nicht zu sie weiter zu tragen. War es das? Sollte so schnell ihr Herzenswunsch zerplatzen, dass Aldred nur sie liebte? Erinya schlang sich ein Tuch um die Schultern und trat langsam aus dem Zimmer. Die Augen tränenerfüllt blickte sie sogar der dicken Wirtin nach, ehe sie mitten in der Nacht das kleine Dörfchen Bajard verließ.
Doch sie kam nur ein paar Schritte weit, gerade nur soweit, dass der Wald seine schützenden Arme um sie legte. Wie ein Neugeborenes kringelte sie sich auf dem Boden zusammen und ließ ihrem Schmerz freien Lauf. Ein Schmerz, den sie das erste Mal in ihrem Leben empfand. Ein Gefühl verloren zu haben... das wichtigste verloren zu haben... Doch konnte man diesen Schmerz nicht einfach bandagieren und ihn loswerden. Gebrochene Herzen heilen nur mit der Zeit....
Verfasst: Dienstag 28. Februar 2006, 17:46
von Leanne
Sie stand an der Tür, den Kopf an den Rahmen gestützt, sah ihm nach.
Wieder einmal lief er davon, davon vor dem Unausgesprochenen, was immer zwischen ihnen schwebte.
Sie spürte es, es schien ihn zu zerreißen und doch konnte sie ihm nicht helfen
Er liebte Erinya, das wusste sie, und dennoch..
Seine Besuche häuften sich, fast jeden Abend klopfte es an ihrer Tür. Oh sicher, es gab immer Gründe, Politik, der Mord, Formalitäten...
nur dass die Gründe jedesmal nebensächlich wurden, so banal und unwichtig wie ein Staubkorn auf dem Tisch.
Sie war so zornig auf ihn gewesen, damals, nach dem Fest, sie wollte ihn hassen, dafür dass er sie aus ihrer wohlgehüteten Reserve gelockt hatte in die sie sich nach Nermas Verschwinden verkrochen hatte.
Nur um ihr dann vor Augen zu führen wie dumm sie gewesen war, ihm zu trauen, sich ihm zu öffnen.
Nie würde sie das Gefühl vergessen, als Erinya den Umhang vor seine Füsse warf, seine schuldbewusste Reaktion darauf...
Nur weg da, wieder zurück auf den Hof, wo sie gleich hätte bleiben sollen.
Nie wiedersehn wollte sie ihn..
Aber alles kam anders, die Bürgerversammlung, Bajard..
und jetzt?
Sie sah in öfter als jemals zuvor und sie wusste, es war falsch! Jedesmal wurde es ihr deutlicher bewusst.
Mit jedem seiner hastigen Aufbrüche wurde es klarer, es würde sie alle nur quälen.
Sie sollte ihn nicht wieder sehn, es wäre ihre Pflicht es zu vermeiden.
All das wusste sie, warum nur kam ihr gleich der nächste Grund in den Sinn ihn aufzusuchen........
Verfasst: Mittwoch 1. März 2006, 09:07
von Erinya Erlias
Mit dem Zeigefinger fuhr sie zärtlich über seine nackte Brust. Absichtlich hatte sie die Kerze ausgeblasen, sie wollte ihren Liebsten nur riechen, schmecken und fühlen. Nein, eigentlich war der Hauptgrund der, dass er ihre blauen Flecken – vor allem jene Fingerabdrücke am Hals – nicht sehen sollte. Fast wäre alles zerbrochen. Fast wäre sie zerbrochen.
Sie hatte sie gesehen.... Aldred und Leanne... wenn sie diese beiden Namen gemeinsam in den Mund nahm, hatten sie einen bitteren und bleiernen Beigeschmack. Wieder war sie geflohen. Geflohen vor der Konfrontation. Geflohen vor ihrem Schmerz. Doch er hatte sie gefunden. Direkt als sie wieder in die schützenden Arme des dunklen Waldes zurückkehren wollte. Als wäre nichts passiert war er auf sie zugegangen. Hatte sie in den Arm genommen und doch... er sah verzweifelt aus. Hilflos. Erschöpft. „Du bist unversehrt wieder da. Ich habe dich so vermisst... Habe mir solche Sorgen gemacht“ und noch während er sprach überdeckte er ihr Gesicht mit Küssen.
War es die Wahrheit? Oder konnte er sich so gut verstellen? Eine Hand auf seine Brust gelegt, dort wo das Herz liegt. „Bin da drinnen nur ich?“ und scheinbar von tiefstem Herzen antwortete Aldred „Ja. Nur du. Meine Frau. Ich schwöre es. Ich schwöre es bei meinem Leben.... bei dem Leben unseres ungeborenen Kindes....“
Da war es wieder. Das Kind. Ihr Kind. Sein Kind. Unser Kind.... „Dafür haben wir noch Zeit mein Schatz“ hauchte sie leise und endlich fanden ihre Lippen vollkommen unbesorgt die ihres Verlobten. Endlich konnte sie sich wieder fallen lassen. In seinen Armen schwach sein. Vorbei mit der vorgetäuschten Stärke, Vorbei mit der ewigen Flucht und dem ewigen Misstrauen. Vorbei...
„Gehen wir nach hause. Schauen ob du nicht wieder irgendwelche Schrammen, Wunden oder Kratzer hast“ und merklich zuckte sie bei seinen Worten zusammen. Morgen müsste sie es ihm sagen. Müsste ihm sagen wo sie war. Spätestens wenn der Mantelkragen nicht mehr ihren Hals schützte würde er es sowieso merken. Es war das richtige. Sie hatte es tun müssen. Immer und immer wieder sagte sie es sich selbst vor. Es musste sein... Nein, sie war nicht wie die anderen. Sie war keine Mörderin. Sie hatte nur sich, Aldred.... ihre Familie beschützt.
Und nun waren sie wieder in ihrem gemeinsamen Nest. Erschöpft und befriedigt lag sie nackt neben ihm. „Ich liebe dich...“ hauchte sie leise, ehe sie sich erneut über ihn beugte und der Natur ihren Lauf ließ.
Verfasst: Donnerstag 2. März 2006, 01:36
von Aldred Ravenor
Er konnte es kaum glauben, als er die Gestalt sah........ wie lange hatte er gesucht, war schreiend durch den Wald gelaufen bis seine Stimme nur noch ein Krächzen war, hatte schlaflose Nächte verbracht und sich die schrecklichsten Dinge ausgemalt...... und da stand sie? So nah?
Die Statur......... die Haltung........ konnte es sein? „Erinya“, rief er laut und in wenigen Schritten war er bei ihr..... sie drehte sich um und vor Aldred stand........
Erinya........ sein Herz schlug hart in seiner Brust, die Empfindungen wirbelten nur so durch ihn hindurch, wirbelten ihn durcheinander....... er lachte glücklich auf....... und auf seine Augen legte sich ein feuchter Glanz...... er war hin- und hergerissen............ aber letztendlich einfach verdammt froh, sie wiederzuhaben und fest drückte er sie an sich.
Sie schien angespannt, doch schon bald waren sie wieder am turteln, wie sie es so oft taten.
Lachend und neckend gingen sie heim. Das Bündel über ihrer Schulter war ihm kaum aufgefallen.... war er doch davon ausgegangen, dass sie einige Nächte auswärts verbracht hatte.
Die Tür ging auf, wie die Braut über die Schwelle trug er sie zum Bett und vorsichtig ließ er sie nieder. Als der Magus sich neben seine Verlobte legte, drückte ihm etwas hart ins Kreuz........er ertastete........eine Kette? Die Diamantkette?! Was machte diese mitten auf dem Bett? Sein Blick glitt zu dem Bündel, das Erinya in einer Zimmerecke abgelegt hatte...... und weiter zum Schrank.Was hatte sie gesagt? „Hast du diesmal nicht Gesellschaft bei Leanne gesucht?“
Und wie in Zeitlupe, Stück für Stück - wie ein Puzzle - setzte er die Bausteine zusammen....... sie war ausgezogen?!? Und gleichzeitig mit der Wut, stieg die Enttäuschung in ihm hoch. Und wieder hallte es in seinen Ohren: „Vertrau mir, ja?“........ war sie drei oder vier Tage fort gewesen? Er wusste es nicht mehr. Eine Unendlichkeit schien es gewesen zu sein. Er hatte sie mit offenen Armen empfangen........... und sie!?! Seine Zähne knirschten. Ohne ein Wort wäre sie gegangen, wenn er sie nicht gefunden hätte..........hatte er das verdient?! Oder anders...... hatte er ihr Vertrauen nicht verdient? Gab er mehr, als sie zu geben bereit war? Hatte sie ihm nicht genau das einmal an den Kopf geworfen?......und vor allem...... würde es jemals anders sein?! Das war die entscheidende Frage, an der ihre Zukunft hing, wie an einem seidenen Faden.....
Doch schnell schwand der Zorn........... er sah sie an......... und eine heiße Woge überkam ihn, Liebe kam schnell und heftig über ihn wie ein Sommergewitter. Was auch immer es war, etwas an dieser Frau......... er würde sich für sie zu Grunde richten......alles opfern, was ihm lieb und teuer war. Diese Frau war sein Schicksal. Und was auch immer es mit ihm vorhatte........ er würde, wollte, konnte es nicht verhindern.........denn mit dieser Frau hatte es ihm schon mehr gegeben, als es ihm je nehmen könnte...........
Verfasst: Donnerstag 2. März 2006, 08:24
von Erinya Erlias
Die ersten Sonnenstrahlen blinzelten in das Zimmer und fast gleichzeitig legte sie die Feder aus der Hand. Kurz lauschte sie den tiefen und regelmäßigen Atemzügen von Aldred. Sie konnte es ihm nicht persönlich sagen. Sorgsam legte sie den Brief neben ihm auf das Bett und schloss danach leise die Zimmertüre, um bei den Hafenständen die besten Waren zu ergattern. Zu solch einer Morgenstunde war noch alles frisch und für ihren Liebsten nur das Beste... Fest in der Hand hielt sie aber noch ein kleines Bündel. Es galt jetzt endgültig damit abzuschließen. Für Aldred. Für ihre Kinder. Für ihre Familie....
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Mein Liebster,
ich will mich hier in Worte fassen, glaube ich doch, dass ich dir nicht alles so zeigen kann, wie ich fühle. Und mit geschriebenen Worten kann ich besser umgehen, als deinen vielleicht enttäuschten Gesichtsausdruck.
Mir war nicht entgangen, dass du die Kette auf dem Bett gefunden hast. Ja, ich wollte einfach weg. Ich konnte es nicht ertragen nach Tagen wiederzukehren, niemanden in dem Zimmer zu finden und dann sah ich dich bei Leanne sitzen. Lachend und ... glücklich. Glücklich ohne mich. So vertraut mit ihr. Man konnte die Spannung zwischen euch fast fühlen. Ich weiß es war ein Fehler einfach so davon zu laufen. Doch es hat mich verletzt. Tief verletzt euch so zu sehen. Bitte verzeih mir. Ich weiß auch ich verlange immer Vertrauen von dir und scheine es selbst nicht zu tun. Aber ich kann dir versprechen jetzt wird alles gut.
Ich habe etwas getan, für das ich mich nicht schäme. Etwas, für das mich jeder andere auf dieser Welt verurteilen würde. Ich habe dir doch erzählt, dass ich Vater einen Brief schreiben wollte. Nunja, genau das habe ich getan und ich habe ihm auch geschrieben, wo ich zu finden bin. An jenem Abend wusste ich er würde mit dem Schiff in Rahal ankommen. Erst als er aus der Stadt heraußen war.... Bitte verzeih mir. Bitte verurteile mich nicht... ich habe ihn feige und hinterhältig.... ermordet. Jetzt weißt du auch woher ich die Abdrücke auf dem Hals habe. Jetzt weißt du was passiert ist. Ich musste es tun. Ich wusste er würde auch dich finden und glaub mir das wäre das letzte was ich wollte. Er hätte dir weh getan. Er hätte uns weh getan.
Bitte bitte verurteile mich nicht. Und die Kette... ich freute mich doch so sehr in deine Arme zurück kehren zu können und dann sah ich dich.... Sah dich bei ihr... Ich sah keinen anderen Ausweg mehr.
Ich kann verstehen, wenn du dich jetzt zurück ziehen würdest, verstehe ich doch die Welt derzeit selbst nicht mehr. Was ich getan habe war Unrecht... Selbstjustiz ist nicht die Lösung... aber eines kann ich dir sagen. Ich liebe dich. Ich liebe dich mehr als alles andere auf dieser Welt.
Erinya
Verfasst: Montag 6. März 2006, 23:24
von Aldred Ravenor
Seine große Liebe....... eine Mörderin?
Hastig zog Aldred sich an und rannte aus dem Gasthaus hinaus...... ruckartig fuhr sein Kopf von einer Seite zur anderen, sein Blick flog über den Vorplatz und die Marktstände, doch konnte er nirgends die ihm so vertraute Gestalt ausmachen.
Verwirrt hastete er durch die Gassen des kleinen Fischerdorfes und als er sie nicht fand, trugen ihn seine Schritte geschwind zur Akademie. Er stürzte in die Bibliothek und Benoit schaute ihn ganz verstört an, als der Erzmagier ihm unzählige Werke aufzählte, die er allesamt in sein Arbeitszimmer gebracht haben wollte. Nur kurz murmelte er einige Dankesworte, bevor die Tür auch schon wieder krachend ins Schloss fiel.
Den ganzen Tag, die ganze Nacht....... er durchwühlte die Bücher regelrecht, schrieb sich Notizen heraus, arbeitete wie besessen, bis er zum ersten Hahnenschrei die geröteten Augen nicht mehr offen halten konnte und sein Kopf mit einem dumpfen Laut auf einem Buchrücken landete. Als die Mittagssonne durch das Fenster schien, erwachte er blinzelnd.
Seine Gedanken schlugen Purzelbäume, seine Herz raste. Aldred stieg die Treppen hinab und brühte sich einen Tee auf. Er schloß die Augen und betrat den sonnengefluteten Garten der Akademie. Tief atmete er durch und genoß einen Augenblick nur die Sonne auf seinem Gesicht. Dann versank er tief in Gedanken. Liebe kämpfte mit Erziehung, Ethik, Moral. Sie hatten keine Chance. Stundenlang grübelte er, bis ein Bote ihn zurück in die Realität holte.
Ein Discipulus wollte ihn sprechen, seine Hausaufgabe einreichen. Der Magier erwartete ihn auf der Bank vor den Toren Tirells.........
Als die Schritte seines Schülers sich wieder entfernten, vernahm er den leichten Gang einer Frau, die auf ihn zukam. Spät blickte er auf und ihre Blicke trafen sich. Sie hatte ihn gesucht?! Erneut kamen ihm Zweifel an seiner Entscheidung. Er klopfte auf den Platz neben sich und sie setzte sich. Eine Weile sah er sie nur stumm an, bevor er ihr vorsichtig einen Kuss auf die Wange hauchte. „Zeige Ihr, dass Du sie liebst“, dachte er. „Sie muss verstehen, dass Du sie nicht verlässt, sondern nur ein paar Tage Abstand brauchst.“ Über alles liebte er Erinya, doch mit dem Gedanken musste er sich erst anfreunden.....“feige und hinterhältig“ hatte sie geschrieben. Feige und hinterhältig. Und eine Mörderin.
Er nahm sie in den Arm, sah er sie doch verkrampfen, als er den Brief erwähnte. Doch nichts. Keine Reaktion. Und so begann er langsam zu sprechen. Wie er fühlte, was er dachte....... er wollte sie vorbereiten auf die Trennung, die nur wenige Tage dauern sollte. Doch grade als er zum Thema kommen wollte, brach sie ihr Schweigen...... und sein Herz tat einen Sprung, so freudig, dass er schon wieder schmerzte. Notwehr!? Wie hatte er die Würgemale übersehen können??
Der dunkle Schatten verschwand und Licht flutete in sein Herz. Frei atmete er und voller Liebe sah er sie an, alle Wärme in seinen Blick legend. Seine Sorgen waren vertrieben und voll und ganz konnte er sich um ihre Wunden kümmern, die er nicht nur an ihrem Hals, sondern auch in ihren Augen sah. Er nahm ihre Hände in seine und sanft küsste er abwechselnd beide, bevor er seine Verlobte in den Arm nahm. Und so merkwürdig es auch klingen mag, mit ihrem leisen Schluchzen begann ein wundervoller Abend.....