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Seifenblasen, Pustekuchen und Buchstabensalat

Verfasst: Sonntag 13. Juli 2014, 11:53
von Gast
Ein unbequemes Pieksen und Stechen an der zarten Haut der Wange und die winzigen Sonnenstrahlfragmente, deren Wärme verschiedene Körperstellen zum Schwitzen brachte. Das überdrehte, quietschfidele Lied der frühen Vögel mischte sich in die Eindrücke der erwachenden Sinne und es dauerte nicht mehr lange, da öffneten sich die Lider tranig und die Pupillen bemühten sich um ein scharfes Bild. Ein Bild, welches sich mit dem letzten Traummoment überlagerte, ehe die Wachrealität wieder übernahm.
Ächzend wurde etwas Rotz hochgezogen und der kitzelnde Halm an den Nasenflügeln beiseite gewischt. Das Wischen wurde zur Reibebewegung und schon verlangte auch der restliche Körper nach ein wenig mehr Ertüchtigung. Diesmal kam die kribbelnde Wärme von Innen, als Muskeln und Sehnen sich streckten und dafür sorgten, dass bald ein verstrubbelter Kopf aus dem Strohhaufen lugte und gähnend die Zähne samt etwas später Lücke zeigte. In der grünlich-blauen Iris glomm Vorwitzigkeit und Arbeitswille auf, welche auch nach dem Gang zum Steg und dem Schwingen der Angelrute noch lange vorherrschten.

Es schien das Mädchen nicht zu stören, dass hier und da noch immer Halmstückchen und Spelzenreste in den rotblonden Haaren mitwehten. Zufrieden atmete sie die salzige Küstenbrise gierig in die Lungen ein und beobachtete den sachte mitwiegenden Köder, welcher auf den Wellen zu tanzen schien. Ein vielversprechender Tag nach einem geschichtsträchtigen Abend!
Ja, in vielerlei Hinsicht hatte der Abend ihr ungemein gut getan. Freundliche Gesellschaft, barmherzige Gaben und nicht zuletzt die schillernde Palette der Geschichten, Sagen, Mären hatten sich als Balsam für die Seele und erquickenden Krafttank erwiesen. Die gestillte Sehnsucht hatte den Abend selbst in den Träumen noch verarbeitet und ihr dort die farbenprächtigsten Bilder gezeichnet. Von schwarzen, riesenhaften Schiffen, von lautstark knallenden, qualmenden Pistolen, gröhlenden Seebären und fischschwänzigen Maiden, von feuerspeienden Wyrmungetieren und silbrig-majestätischen Drachenschwingen. Immer wieder waren zwischen den Bildern Gesichter aufgeblitzt. Weiche Züge, umrahmt von feurig roter Haarpracht, ein blonder Schopf mit schelmischem Zwinkern in saphirblauen Augen, ein ernstes Antlitz mit Augenklappe und einem gepflegten, dunklen Bart.

Das Mädchen merkte nicht, dass sie angefangen hatte den Gedanken nachzuhängen und sich darin verlor. Sie registrierte nicht, dass der Übermut in den hellen Augen einem verträumt-besinnlichen Zug gewichen war und selbst der zuckende Köder, der Zug an der Schnur ließ sie nicht aufschrecken. Das Mädchen namens Karlotta hatte sich zum allerersten Mal bei dem Wunschgedanken erwischt, deutlich älter zu sein als ihre gerade einmal zehn Lenze - und dieses kurze Sehnen, sowie der Grund dahinter, verwirrte und erstaunte sie ungemein.