Ein Leben als Sklavenkind
Verfasst: Donnerstag 10. Juli 2014, 18:00
Kapitel I: Ein besonders ergiebiger Flickenteppich
"Kannst du nähen?", fragte ich eine geschätzte Freundin ohne Vorwarnung in Adoran. Ich hatte sie lange nicht gesehen und suchte sie an diesem Abend im Gebäude des Lehrhospitals auf. Zu meiner Verwunderung fand ich die junge Heilerin dort jedoch nicht. Mein Weg führte mich durch die neu aufgebaute Stadt. Irgendwann blieb ich in der nächtlichen Dunkelheit stehen und bemerkte ein weiteres, kleineres Haus, das sich offenbar mit der Heilung von Patienten beschäftigte, in der Nähe des Marktplatzes. Tatsächlich; sie saß draußen, am Tisch ihres kleinen Gartens und starrte gedankenverloren in ein Notizbuch. Als ich mich zu ihr setzte, bemerkte ich ihr Lächeln. Sie lächelte! Ein mir unbekannter Zug. Ich fragte sie nicht nach dem Grund und äußerte lediglich, dass mich jene ungewohnte Geste erfreuen würde.
Nachdem sie mir ihr Haus, Instrumente und ein interessantes Terrarium mit Blutegeln gezeigt hatte, die man auch beim Volk nutzte, das mich großgezogen hatte, um Verletzungen zu heilen, gingen wir wieder nach draußen und machten es uns an ihrem Gartentisch bequem. Sie hatte mir eine Süßspeise serviert, die ich noch nicht kannte. "Das ist Erdbeerkuchen. Die Früchte sind noch vom heutigen Morgen, also frisch", erwähnte die junge Frau lächelnd und stellte mir dazu noch eine Karaffe mit einer Fruchtmischung auf den Tisch. Der Kuchen schmeckte mir gut, weich, süßlich, mit einer sauren Nuance der frischen Erdbeeren. Jedoch zurück zu meiner Frage, ob sie nähen könnte: Überrascht beantwortete sie diese, dass sie lediglich Wunden zuzunähen wüsste. Aber das sollte im Vorhaben, eine individuelle Rüstung aus ledernen Einzelteilen herzustellen, nicht schwer fallen und ausreichen. Während ich mich auf die Suche nach den Materialien machte, kreisten meine Gedanken um weitere Bekanntschaften, die mir helfen könnten, und deren Mitarbeit ich durch die Rüstung danach würdigen würde. Sofort fiel mir die Person ein, mit der ich immer rechnen konnte; war sie mir doch wie eine jüngere Schwester geworden.
Erster Schritt: Die Suche nach Material
Ich hatte Glück, dass mich hinsichtlich des Materials ein Zwerg der Sippe Getwergelyn angesprochen und mir einen Handel empfohlen hatte. Erdacht war die Herstellung einer Rüstung aus verschiedenen Ledersorten, die durch Drähte und Nieten aus unterschiedlichen Erzen gehalten wurden. Der Hintergrund hierzu war denkbar einfach: Jede Ledervariante hatte ihre Eigenart - Gargoyleleder schützte den Träger vor magischen Angriffen, Echsenleder war besonders widerstandsfähig gegen Gift, Ogerleder hielt den härtesten Hieben stumpfer Waffen stand und die Haut des Zweikopfs parierte selbst wuchtige Klingen-Attacken. Gehalten werden sollte das Flickenteppich-artige Konstrukt von verschiedenen Lederstücken durch Metalle. Pyrian hatte ich für den Schutz gegen Feuer gewählt, das bläulich schimmernde Coelium sollte mich davor bewahren, von starken energetischen Einflüssen überrascht zu werden und Diamant-Draht und -Nieten gaben meiner persönlichen Rüstung ein zusätzliches Plus an Stabilität. Soweit die Theorie. Am Ende würde die Praxis entscheiden, wie gut sich meine Idee im Kampf schlug.
Auf die handwerklich begabten Zwerge war Verlass. Der stolze Kalure hatte das Material fast vollständig vorbereitet. Nur das Echsenleder fehlte und ich bat eine neue Bekanntschaft, eine hitzige junge Kriegerin, mich in die Sümpfe zu begleiten, um dafür zu Sorgen, dass den Echsen dort nach ihrem Tod noch ein Nutzen zugesprochen werden konnte. Schnell waren die gierigen, meist Morgenstern schwingenden Mischlinge aus Mensch und Reptil gefunden. Während ich meinen Bogen zur Hand nahm, um einen Pfeil nach dem anderen in die aufgesperrten Mäuler der Monster zu jagen, hörte ich die rabiate Kampfschreie meines Schwert schwingenden Gefolges, und das Surren ihrer Klinge an der Front. Mit Leidenschaft schwang sie ihren Krummsäbel und ich betrachtete die hübsche Frau mit Faszination. Sie benötigte noch etwas Übung, jedoch zeigte sie einen Eifer, der keinen Zweifel aufkommen ließ, dass aus ihr eines Tages eine starke Kämpferin werden würde. Blutbesudelt und bis zum Bauch im Sumpfwasser watend, schulterten wir die letzten noch notwendigen Lagen und trugen sie ins sichere Berchgard zurück, bevor es zum reinen Handwerklichen übergehen konnte.
Zweiter Schritt: Die Form und Anpassung
"Na los, stell' dich nicht so an, runter mit der Kleidung! Ich muss hier dies und das mal messen", lautete die Erklärung meiner jungen Freundin aus dem Wald. Ich sah sie an und spürte, wie mir das heiße Blut in den Kopf stieg. "Du brauchst meine Maße?", fragte ich die gut gelaunte Blondine verwirrt. "Ja. Dafür musst du nackig sein." Ich starrte sie gefühlte fünf Minuten einfach nur ungläubig an. Sie schmollte: "Ach komm', als ob es das erste Mal wäre, dass ich dich na...", "Sch-Schon gut, ich mache es", ließ ich sie seufzend innehalten und schälte mich, nur noch im Lendenschurz bekleidet, aus Mantel, Hemd, Hose und Schuhwerk. Ihr Grinsen konnte ich nicht erwidern. Mir war es schon immer unangenehm, mich hüllenlos zu zeigen. Vor allem der ganzen Narben wegen, die unliebsame Erinnerungen weckten. Während sie jedoch der peinlichen Situation, Eluive sei gedankt, nicht noch mehr Öl ins Feuer kippte, und tatsächlich mit einem Maßband grob meine Statur aus Zahlen nachschrieb, folgten meine Augen ihr nachdenklich. Mir kam wieder der wohlige Gedanke, dass ich niemals gezögert hätte, einen tödlichen Pfeil für diesen wunderbaren Menschen abzufangen. "Feeertig! Der Herr darf sich wieder anziehen. Oder auch nicht", entgegnete sie mir mit einem fröhlichen Grinsen. Anschließend, als wäre ihr plötzlich etwas eingefallen, warf sie mir eine lange Lage Pergament über den Leib. Ich fühlte mich fast, wie eine in Papier eingewickelte Mumie. "W-Warte, was noch?", fragte ich sie stammelnd. Sie begann, an einigen Stellen etwas Pergament wegzuschneiden, passte die eine oder andere Form an, nutzte Wachs als Klebstoff, und erlaubte mir anschließend, meine Kleidung wieder anzuziehen. Erleichtert seufzend, betrachtete ich ihr Werk aus Papier mit fragendem Blick. "So weiß ich, wo ich gleich etwas vom Leder wegschneiden und befestigen muss, ohne es zu verschwenden, falls ich einen Fehler mache. Deswegen diese, äh, Pergamentrüstung davor; 'tschuldige, die Kleidung muss also noch mal runter", erklärte sie mir lächelnd. Und tatsächlich: Ihre Idee war genial. Als es darum ging, die verschiedenen Lederlagen an meinen Körper anzupassen, und mit Nieten und Drähten aus den verschiedenen Metallen zu verbinden, und zuzunähen, verbrauchte sie kein einziges Stück Leder zuviel. Am Ende ließ ich mir zeigen, wie ich die etwas locker sitzende Partie des Oberteils nochmals zur Korrektur vernähen konnte.
Dritter Schritt: Details
Mit einigen Phiolen voller Öle und Fette näherte sich die gewohnt zierliche Gestalt meiner in ihrer Wohnhöhle hausenden Waldgefährtin am nächsten Tag. Sie hatte angekündigt, die Rüstung elastischer zu machen, um nicht nur den Trage-Komfort zu erhöhen, sondern auch, um im Kampf die Beweglichkeit nicht einzuschränken. Die Lederrüstung sollte sich nach ihrer Behandlung anfühlen, wie eine zweite Haut. Deswegen bat sie mich auch, damit die Stoffe vorher nicht austrockneten, um ein rasches Treffen, kurz nach der Herstellung. Abschließend hatte sie verspielt die Zeichnung eines Schakalwolfs aus der Seitenansicht eingestickt und ist meiner Bitte nachgekommen, auf Höhe der rechten Hüfte klein ihren Namen einzunähen. Ich half ihr abschließend mit dem Einölen der gesamten Rüstung, versteckte mich danach kurz im Wald und kam mit dem angelegten, erstaunlich angenehm sitzenden Flickenteppich wieder hervor. "Wie eine zweite Haut", stimme ich meiner blondhaarigen Assistenz zu und lächelte dankbar. Der aus vielen Leder- und Metallsorten hergestellte, und zum Anziehen geeignete Flickenteppich war endlich fertig.
"Kannst du nähen?", fragte ich eine geschätzte Freundin ohne Vorwarnung in Adoran. Ich hatte sie lange nicht gesehen und suchte sie an diesem Abend im Gebäude des Lehrhospitals auf. Zu meiner Verwunderung fand ich die junge Heilerin dort jedoch nicht. Mein Weg führte mich durch die neu aufgebaute Stadt. Irgendwann blieb ich in der nächtlichen Dunkelheit stehen und bemerkte ein weiteres, kleineres Haus, das sich offenbar mit der Heilung von Patienten beschäftigte, in der Nähe des Marktplatzes. Tatsächlich; sie saß draußen, am Tisch ihres kleinen Gartens und starrte gedankenverloren in ein Notizbuch. Als ich mich zu ihr setzte, bemerkte ich ihr Lächeln. Sie lächelte! Ein mir unbekannter Zug. Ich fragte sie nicht nach dem Grund und äußerte lediglich, dass mich jene ungewohnte Geste erfreuen würde.
Nachdem sie mir ihr Haus, Instrumente und ein interessantes Terrarium mit Blutegeln gezeigt hatte, die man auch beim Volk nutzte, das mich großgezogen hatte, um Verletzungen zu heilen, gingen wir wieder nach draußen und machten es uns an ihrem Gartentisch bequem. Sie hatte mir eine Süßspeise serviert, die ich noch nicht kannte. "Das ist Erdbeerkuchen. Die Früchte sind noch vom heutigen Morgen, also frisch", erwähnte die junge Frau lächelnd und stellte mir dazu noch eine Karaffe mit einer Fruchtmischung auf den Tisch. Der Kuchen schmeckte mir gut, weich, süßlich, mit einer sauren Nuance der frischen Erdbeeren. Jedoch zurück zu meiner Frage, ob sie nähen könnte: Überrascht beantwortete sie diese, dass sie lediglich Wunden zuzunähen wüsste. Aber das sollte im Vorhaben, eine individuelle Rüstung aus ledernen Einzelteilen herzustellen, nicht schwer fallen und ausreichen. Während ich mich auf die Suche nach den Materialien machte, kreisten meine Gedanken um weitere Bekanntschaften, die mir helfen könnten, und deren Mitarbeit ich durch die Rüstung danach würdigen würde. Sofort fiel mir die Person ein, mit der ich immer rechnen konnte; war sie mir doch wie eine jüngere Schwester geworden.
Erster Schritt: Die Suche nach Material
Ich hatte Glück, dass mich hinsichtlich des Materials ein Zwerg der Sippe Getwergelyn angesprochen und mir einen Handel empfohlen hatte. Erdacht war die Herstellung einer Rüstung aus verschiedenen Ledersorten, die durch Drähte und Nieten aus unterschiedlichen Erzen gehalten wurden. Der Hintergrund hierzu war denkbar einfach: Jede Ledervariante hatte ihre Eigenart - Gargoyleleder schützte den Träger vor magischen Angriffen, Echsenleder war besonders widerstandsfähig gegen Gift, Ogerleder hielt den härtesten Hieben stumpfer Waffen stand und die Haut des Zweikopfs parierte selbst wuchtige Klingen-Attacken. Gehalten werden sollte das Flickenteppich-artige Konstrukt von verschiedenen Lederstücken durch Metalle. Pyrian hatte ich für den Schutz gegen Feuer gewählt, das bläulich schimmernde Coelium sollte mich davor bewahren, von starken energetischen Einflüssen überrascht zu werden und Diamant-Draht und -Nieten gaben meiner persönlichen Rüstung ein zusätzliches Plus an Stabilität. Soweit die Theorie. Am Ende würde die Praxis entscheiden, wie gut sich meine Idee im Kampf schlug.
Auf die handwerklich begabten Zwerge war Verlass. Der stolze Kalure hatte das Material fast vollständig vorbereitet. Nur das Echsenleder fehlte und ich bat eine neue Bekanntschaft, eine hitzige junge Kriegerin, mich in die Sümpfe zu begleiten, um dafür zu Sorgen, dass den Echsen dort nach ihrem Tod noch ein Nutzen zugesprochen werden konnte. Schnell waren die gierigen, meist Morgenstern schwingenden Mischlinge aus Mensch und Reptil gefunden. Während ich meinen Bogen zur Hand nahm, um einen Pfeil nach dem anderen in die aufgesperrten Mäuler der Monster zu jagen, hörte ich die rabiate Kampfschreie meines Schwert schwingenden Gefolges, und das Surren ihrer Klinge an der Front. Mit Leidenschaft schwang sie ihren Krummsäbel und ich betrachtete die hübsche Frau mit Faszination. Sie benötigte noch etwas Übung, jedoch zeigte sie einen Eifer, der keinen Zweifel aufkommen ließ, dass aus ihr eines Tages eine starke Kämpferin werden würde. Blutbesudelt und bis zum Bauch im Sumpfwasser watend, schulterten wir die letzten noch notwendigen Lagen und trugen sie ins sichere Berchgard zurück, bevor es zum reinen Handwerklichen übergehen konnte.
Zweiter Schritt: Die Form und Anpassung
"Na los, stell' dich nicht so an, runter mit der Kleidung! Ich muss hier dies und das mal messen", lautete die Erklärung meiner jungen Freundin aus dem Wald. Ich sah sie an und spürte, wie mir das heiße Blut in den Kopf stieg. "Du brauchst meine Maße?", fragte ich die gut gelaunte Blondine verwirrt. "Ja. Dafür musst du nackig sein." Ich starrte sie gefühlte fünf Minuten einfach nur ungläubig an. Sie schmollte: "Ach komm', als ob es das erste Mal wäre, dass ich dich na...", "Sch-Schon gut, ich mache es", ließ ich sie seufzend innehalten und schälte mich, nur noch im Lendenschurz bekleidet, aus Mantel, Hemd, Hose und Schuhwerk. Ihr Grinsen konnte ich nicht erwidern. Mir war es schon immer unangenehm, mich hüllenlos zu zeigen. Vor allem der ganzen Narben wegen, die unliebsame Erinnerungen weckten. Während sie jedoch der peinlichen Situation, Eluive sei gedankt, nicht noch mehr Öl ins Feuer kippte, und tatsächlich mit einem Maßband grob meine Statur aus Zahlen nachschrieb, folgten meine Augen ihr nachdenklich. Mir kam wieder der wohlige Gedanke, dass ich niemals gezögert hätte, einen tödlichen Pfeil für diesen wunderbaren Menschen abzufangen. "Feeertig! Der Herr darf sich wieder anziehen. Oder auch nicht", entgegnete sie mir mit einem fröhlichen Grinsen. Anschließend, als wäre ihr plötzlich etwas eingefallen, warf sie mir eine lange Lage Pergament über den Leib. Ich fühlte mich fast, wie eine in Papier eingewickelte Mumie. "W-Warte, was noch?", fragte ich sie stammelnd. Sie begann, an einigen Stellen etwas Pergament wegzuschneiden, passte die eine oder andere Form an, nutzte Wachs als Klebstoff, und erlaubte mir anschließend, meine Kleidung wieder anzuziehen. Erleichtert seufzend, betrachtete ich ihr Werk aus Papier mit fragendem Blick. "So weiß ich, wo ich gleich etwas vom Leder wegschneiden und befestigen muss, ohne es zu verschwenden, falls ich einen Fehler mache. Deswegen diese, äh, Pergamentrüstung davor; 'tschuldige, die Kleidung muss also noch mal runter", erklärte sie mir lächelnd. Und tatsächlich: Ihre Idee war genial. Als es darum ging, die verschiedenen Lederlagen an meinen Körper anzupassen, und mit Nieten und Drähten aus den verschiedenen Metallen zu verbinden, und zuzunähen, verbrauchte sie kein einziges Stück Leder zuviel. Am Ende ließ ich mir zeigen, wie ich die etwas locker sitzende Partie des Oberteils nochmals zur Korrektur vernähen konnte.
Dritter Schritt: Details
Mit einigen Phiolen voller Öle und Fette näherte sich die gewohnt zierliche Gestalt meiner in ihrer Wohnhöhle hausenden Waldgefährtin am nächsten Tag. Sie hatte angekündigt, die Rüstung elastischer zu machen, um nicht nur den Trage-Komfort zu erhöhen, sondern auch, um im Kampf die Beweglichkeit nicht einzuschränken. Die Lederrüstung sollte sich nach ihrer Behandlung anfühlen, wie eine zweite Haut. Deswegen bat sie mich auch, damit die Stoffe vorher nicht austrockneten, um ein rasches Treffen, kurz nach der Herstellung. Abschließend hatte sie verspielt die Zeichnung eines Schakalwolfs aus der Seitenansicht eingestickt und ist meiner Bitte nachgekommen, auf Höhe der rechten Hüfte klein ihren Namen einzunähen. Ich half ihr abschließend mit dem Einölen der gesamten Rüstung, versteckte mich danach kurz im Wald und kam mit dem angelegten, erstaunlich angenehm sitzenden Flickenteppich wieder hervor. "Wie eine zweite Haut", stimme ich meiner blondhaarigen Assistenz zu und lächelte dankbar. Der aus vielen Leder- und Metallsorten hergestellte, und zum Anziehen geeignete Flickenteppich war endlich fertig.