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Kleinlichkeiten

Verfasst: Sonntag 26. Februar 2006, 03:41
von Ithamar
In leichter Erregung hatte er den Gerichtssaal nach dieser unentwirrbaren Verhandlung verlassen und sich in die Abgeschiedenheit der Klostermauern zurückgezogen. Sah man von einem wenig beeindruckenden, kurzen Auftritt vor der Richterbank sowie ein paar durcheinandergeworfenen, halbherzigen Worten seinerseits und einigen leichtfertig geäußerten Sätzen des Grafen andererseits, mit denen er den Auftritt des Templers nicht gerade gebessert hatte, ab, dann hatte er in diesem Prozess keine Rolle gespielt. Soweit lag es in seiner Absicht, denn die städtische Gerichtswelt halbgarer Kleinigkeiten zog ihn nicht besonders an, so dass ihm selbst die kurze Involvierung mehr als unangenehm gewesen war. Der Inhalt und Eindruck der Verhandlung allerdings beschäftigte ihn durchaus, denn er entsprach beim besten Willen nicht dem, was er bei dieser Verhandlung erwartet hätte.

Anscheinend stand es mit dem Orden der Templer und der Kirche Temoras nicht zum Besten. Zumindest mit ihrem Einfluss und ihrem Rufe nicht. Diesen Eindruck jedenfalls hinterließ die Verhandlung bei Ithamar. Während sich die Frau Clarissa Ilvess - bisher hatte er sie nur als Vertraute von Ihrer Gnaden Valeth höchst flüchtig kennen gelernt - mit Berufung auf Ihre Heiligkeit allerlei klerikale Privilegien des geweihten Standes zuschrieb, wie das Recht Urteile in Glaubensdingen zu fällen, die Akoluthen zu unterweisen und die Stimme im Namen der Templerschaft Temoras zu erheben, scheute sich der Graf von Hohenfels keineswegs Glaubensfragen trotz seines Laienstandes und in Gegenwart eines geweihten Templers öffentlich zu debattieren, während am Ende der Verhandlung gar ein Streit darum ausbrach, wer von einigen Anwesenden, Beklagten und Klagenden höher in der Gunst Ihrer Heiligkeit stünde, wobei beizeiten sträflich außer Acht gelassen wurde, dass zwischen Ihrer Heiligkeit und der Frau Alyssa Arnis ein deutlicher Unterschied bestand. Ein Fehler den er Ihrer Heiligkeit nicht zutraute, so dass es ihm schien er wäre besser bei anderen zu Suchen.

Insgesamt stellte die Verhandlung so an einem ganz unbedeutenden, kleinen Streit, dem er wenig abgewinnen konnte, eine Reihe an kläglichen Mängeln und Fragwürdigkeiten heraus, die gleichermaßen innerhalb des Ordens als außerhalb zu sitzen schienen. Gerade die Bestimmtheit mit der die Dame Ilvess in Gegenwart des Templers und mit Berufung auf Ihre Heiligkeit ihre Privilegien und Aufgaben herausgestellt hatte, versetzte ihn doch in mäßige Verwirrung. Bis jetzt war ihm gänzlich ungeläufig, dass sie einem anderen Stande als dem Laienstande angehörte und er konnte sich nicht ausmalen, welchen Zweck Ihre Heiligkeit damit verfolgen würde den klerikalen Stand vom Laienstande nicht mehr zu trennen und die notwendigerweise an die Weihung durch Temora gebundenen Pflichten an eben jene zu übertragen. Zumindest in dieser Frage hoffte er allerdings von Ihrer Heiligkeit bald Aufklärung zu erfahren, so dass sich seine Sorgen und Zweifel zerstreuen würden.

Was aber die zweifelhafte Art und Weise, wie man in Varuna mittlerweile mit Glaubensfragen verfuhr und in welchen Worten man sowohl von dem Orden der Templer als von Ihrer Heiligkeit zu sprechen pflegte, anging, würden einige klärende Worte Ihrer Heiligkeit für den Augenblick wohl kaum genügen, um diese teils außerhalb des Ordens liegenden, aus seiner Sicht unzweifelhaft schädlichen Missstände zu beseitigen. Auch die angeblichen Ungereimtheiten zwischen Ritterschaft und Templern, die vermehrt von der Dame Ilvess und auch dem Grafen angesprochen wurden, stimmten ihn nachdenklich. Bisher hatte er davon zwar nichts erfahren, doch sollte daran etwas wahres gewesen sein, dann stellte auch dieses einen Missstand dar, der bei ihm zur jetzigen Zeit wenig Anklang fand.

Überhaupt fiel es ihm schwer sich für dergleichen Unstimmigkeiten unter den Anhängern Temoras begeistern zu können. Während ihm das klerikale Streitgespräch und Debatten um Glaubensfragen nicht unbedeutend waren, gab es doch Zeiten zu denen es wichtiger war einen gemeinsamen Weg zu finden und an einem gemeinsamen Strange zu ziehen. Immerhin war man nicht allein auf der Welt. Er hatte geglaubt auf den Ruinen Varunas wäre ein demütigeres Reich entstanden. Bis jetzt aber erschien ihm alles wie gehabt. Die Gebäude waren prächtig und die Straßen sauber, so dass sie wenig von den blutigen Gräbern erahnen ließen, auf denen sie erbaut worden waren. Ganz ähnlich erschienen ihm die Gemüter. Es war zuviel Stolz in diesem Land und zu wenig Demut. Vielleicht war es schon immer so gewesen, nur half es nichts sich damit abzufinden. Aber möglicherweise war auch er es, der falsch lag. Nicht alle kleinen Dinge waren Kleinlichkeiten. Im Angesicht des fortwährenden Geschwisterkrieges, der fast seit Anbeginn der Zeit fortdauerte, verlor man oft den Blick für diese eigentlich menschlichen Dinge.

Verfasst: Sonntag 26. Februar 2006, 09:11
von Rafael de Arganta
Genugtuung war es nicht was er empfand. Doch er war zufrieden.
Temora wusste wie es in ihm aussah, das er alleine ihr folgte. Und das schloss entgegen Clarissas Vermutungen und Stichelein, die Heiligkeit nicht aus.
Was immer sie in seine Worte gelegt hatte, er verstand nicht das sie so verbiestert war.
Was in ihrem Leben hatte sie so geprägt, ihre Seele so v ergiftet das sie nur um sich beißen konnte.
Ob es sie auch anders konnte? Es musste so sein, ansonsten hätte ihre Gnaden Sanjana sich nicht mit ihr umgeben.
Viel war verkehrt gelaufen, und durch Clarissa war noch mehr Öl ins Feuer gegossen worden.
Als wollte sie gerade einen Keil treiben zwischen der Templerschaft und der Ritterschaft.
Wenn das ihr Ziel war, dann ging es sie geschickt an, doch war es an der Zeit dem Einhalt zu gebieten, und gerade mit dieser Anzeige, und Verurteilung, war es ein Schritt in diese Richtung.
Aber sie durften jetzt nicht weiter halt machen.

Ein Schaden, war schon da, und nur wenn sie jetzt weiter gemeinsam an einer Zusammenkunft arbeiteten, konnte daran etwas geändert werden.
Es war wie ein Giftstachel, der jedoch nun gezogen war.
Jetzt hieß es nur noch das Gift zu entfernen, und Rafael würde alles daran setzen dieses zu schaffen.
Sicherlich hatten sie alle nicht die gleichen Auslegungen von dem Glauben. Aber es war eines! Es lief alles auf das Eine heraus.
Temora ihre Güte, ihre Streben. Die Tochter Eluives denen sie alle dienten, und sie alle erkannten die Heiligkeit als oberste Instanz nach Temora an.

Mit diesem Gedanken hatte er für Dienstag die Ritterschaft zusammen gerufen.
Mit diesen Gedanken, ritt er wie jeden Morgen zum Kloster um vor der Morgenmesse noch kurz in der kleinen Kapelle zu beten.

Es war noch dunkel, der Morgen graute erst, als er den heiligen Ort betrat und niederkniete.
Die Augen schloss er und ließ die Stille und die Ruhe auf sich wirken, bevor er leise zu sprechen begann.

„Temora, Tochter Eluives, Seherin und Eine des Lichtes. Gib mir die Kraft meine Schwächen zu meinen Stärken zu machen, auf das ich die mir selbst auferlegte Aufgabe zu meistern verstehe in deinem Sinne.

Lass mich die Tugenden verstehen, lass sie mich sehen wie du sie gesehen hast.
Doch zürne nicht, wenn ich sie anders sehen sollte.

- Das Mitgefühl ... Mitgefühl das Verständnis des Herzens.
- Die Tapferkeit .... Geduld und Selbstbeherrschung ist die schwierigste Form der Tapferkeit.
fast lächelte er bei diesen Worten und fügte dann leise hinzu. Geduld, Beherrschung... oh Herrin Temora, ich weiss um meine Schwächen und versuche mich daran diese zu einer Stärke zu machen.
-Die Gerechtigkeit... Für die Gerechtigkeit streiten und Gerechtigkeit in die Tat umsetzen, ist dir zu dienen.
- Die Opferbereitschaft... oft sind Dinge nicht eine Frage der Machbarkeit, sondern eine Frage der Opferbereitschaft. Temora hilf mir meine Augen nicht vor jenes was getan werden muss zu verschließen.
-Die Ehre ... Ehre und Demut. Tugenden die oftmals im Gegensatz zu einander liegen. Meine Ehre war mir wichtig auf das man erkenne das ich dir diene.

Er schweigt kurz und fügt dann hinzu
Die Ehre meines Schülers sei mir ebenso wichtig wie die Eigene; die Ehre meines Bruders im Geiste, gleiche der Ehrfurcht vor meinem Lehrer; und die Ehrfurcht vor meinem Lehrer gleiche der Ehrfurcht vor Temora.
-Die Geistigkeit... Herrin Temora lasse mich niemals aufhören nach der Wahrheit zu suchen. Das Lernen im Leben hört niemals auf und ist allgegenwärtig.
- Die Demut... Es gibt zwei Schätze die man hüten sollte... Der erste ist Mitgefühl.
Der zweite ist die Demut.
Aus Mitgefühl erwächst Mut.
Aus Demut erwächst verantwortliche Führung.
Viele jedoch, haben das Mitgefühl abgelegt, um kühn zu sein.
Sie haben die Demut verworfen, um selbst an erster Stelle zu stehen.
doch das ist die Straße die ins Dunkel führt.
Hilf mir jene die diese Strasse betreten haben zurück auf die Strassen des Lichts zu führen.


Er schwieg nun wieder lange, als er sich die Tugenden erneut verinnerlicht hatte, bevor er dann den Blick wieder hob.
Ruhe, Kraft und Entschlossenheit durchströmte ihn, als er nun aufstand.
Es war an der Zeit zur Morgenmesse zu gehen.

Verfasst: Montag 27. Februar 2006, 08:05
von Rafael de Arganta
Die Messe war vorbei.
Die Heiligkeit hatte eine flammende Predigt gehalten doch Rafael hatte dieses Mal wenig davon mitbekommen.
Zu sehr war er in Gedanken.
In Gedanken bei seiner Familie. Angelina, Tari ... er biss sich auf die Lippen. Demut... Demut vor Temora. Er sollte sich glücklich schätzen die Frau die er liebte an seiner Seite zu haben ...
An seiner Seite ... genau das war der Punkt.
Tari war bei seiner Großmutter die seine Hilfe nötig hatte und Angelina ...
Sie ging in ihrer Arbeit auf. Eine Berufung.. ein Talent von Temora... und Eluive gegeben.

Ja, natürlich hatte er es auch vorher gewusst, und ihr gesagt er würde es ihr niemals verbieten der Arbeit nachgehen, das würde, durfte... Konnte er gar nicht, wollte er nicht den Unmut der Götttinnen auf sich ziehen, dennoch ...
Sie sahen sich kaum noch.
Meistens abends wenn sie zu müde waren noch groß miteinander zu reden.
Dann tranken sie noch einen Wein zusammen bevor sie sich schlafen legten. Arm in Arm und doch zu erschöpft und Müde um die Augen länger auf zu halten.
Er seufzte auf um sich zugleich auf die Lippe zu beißen, den sträflich fragenden Blick der Heiligkeit mit einem senken des Kopfes beantwortend. Was hatte sie gerade gepredigt? Himmel er wusste es nicht einmal. Waren sie jetzt beim Gebet oder schon beim Segen?
Etwas verwirrt und fragend blickte er zu seinem Nachbarn der die Hände faltete und sofort tat er es ihm gleich, nur unmerklich eine Sekunde nach den anderen eiligst von der Bank aufstehend.

Das Gebet das folgte sprach er innerlich mit Innbrunst mit.
Nur, um sich als sie sich wieder setzten, erneut in Gedanken um seine Frau zu versinken.
Immerhin war es erst drei Tage her seit sie das letzte mal wirklich Zeit für einander gehabt hatten... Sarkastisch war der Gedanke, und doch fühlte er den Klos in sich.
Sie wurde gebraucht!
Er wollte sie daran nicht einschneiden und dennoch ....
Sie fehlte ihm so.
Nicht das es ihre alleinige Schuld war, er hatte ebenso genügend Aufgaben denen er nachging, während sie daheim saß und auf ihn wartete, und natürlich war es anfangs anders gewesen.
Doch wie ändern?
Sollte er in seinen Aufgaben zurückstecken? Einige davon ablegen?
Das konnte er nicht.
Das würde er auch nicht von ihr verlangen. Aber wie sollte es weiter gehen? Im Moment wusste er es nicht, wusste nur das er es so nicht mehr weiter akzeptieren konnte.

Vielleicht sollte er sich alleinig nur noch seinen Aufgaben widmen und darin Erfüllung suchen? Vielleicht war das die Antwort die er suchte?
Er blickte nachdenklich vor sich hin, bevor das räuspern seines Nachbarn zu ihm durchdrang.
Er blickt zu ihm, sah das dieser stand... sah das alle Anderen bereits standen und folgte sofort hastig ihren Beispielen, den fast mütterlich, sträflichen Blick der Heiligkeit mit ....
Ja... mit tatsächlich rötlich werdenden Wangen zu beantworten.
Er zwang sich nun dem Göttinnendienst zu folgen.
Er würde sich entscheiden müssen... so oder so... und vielleicht ... vielleicht würde er darum bitten ... wie in seinem Traum, als er verletzt wurde und der Baum des Lichtes ihm erschien, diesen sehen... berühren zu dürfen.

Verfasst: Dienstag 28. Februar 2006, 16:28
von Rafael de Arganta
„Ich brauche nicht zu besitzen, um an allem Freude zu haben. Es gibt soviel, wenn ich auf die kleinen Dinge sehe und auf die kleinen, die einfachen Menschen. Es gibt soviel Überraschungen und soviel Wunder, die ich entdecke mit offenen Augen und mit geschlossenen Augen. Es liegt in allen Dingen eine Erinnerung an das verlorene Paradies.“
Rezitierte er einen Satz den sein damaliger Ritter ihm einmal gesagt hatte.
Und es lag soviel Wahres darin.
Die Nacht hatte er vor dem Kamin verbracht, ohne ein Auge zu zu bringen, während Angelina oben lag und schlief.
Obwohl... ob sie wirklich geschlafen hatte, konnte er nicht sagen.
Der Morgen graute bereits, als er den Blick müde hob und gen Treppe blickte.
Ob er hinauf gehen sollte?
Nur einen Moment lang starrte er weiter in die Leere, während ihm schier das Herz zerriss, dann barg er das Gesicht in den Händen.

Dort oben lag sein Glück, seine Liebe und er? Er hatte alles zerstört, weil er mehr wollte als nur die wenige Zeit die sie noch gemeinsam hatten.
„Es gibt so viel wenn ich auf die kleinen Dingen sehe.“ Flüsterte er mit rauer Stimme während er aufstand und in die Küche ging.
Noch immer lagen die beiden Rosen die er für sie dort hingelegt hatte dort, und er nahm eine davon an sich und ging dann die Treppe hinauf, nur um vor der Tür stehen zu bleiben.
Es war ihm als wäre sein Herz schwer und noch während er die Hand ausstreckte, hielt er inne.
Er zog die Hand langsam zurück, dann legte er die Rose vor der Tür ab und ging die Treppe wieder hinunter.
„Demut ...“ murmelte er vor sich hin.
Angelina war eine ausgezeichnete Heilerin.
Er durfte sie nicht weiter bedrängen mehr Zeit für ihn zu haben. Auch wenn er nie gewollt hatte das sie ihren Beruf aufgab, oder vernachlässigte, war er gestern fast soweit gewesen das von ihr zu fordern.
Einfach um seiner Selbst willen, weil er sie brauchte.

Sein Traum von einer Familie ...
Er hatte ihn bis jetzt geträumt.
Gestern hatte er Caillean gesehen, ihren gerundeten Bauch der darauf hin deutete das sie guter Hoffnung war, und zu der Freude mit ihr, wurde ihm wieder bewusst das Angelina keine Kinder mehr bekommen konnte.
Angelina, Tari und Er ... eine Familie .
Tari, Acht... bald neun Jahre, und stetig bei seiner Großmutter um ihr zu helfen.
Angelina ... gesegnet mit der Gabe der Heilung ... Immer unterwegs um jene zu Helfen die in Not waren.
Der Traum, so wie er ihn geträumt hatte, war ausgeträumt.
Er war erwacht und dabei ziemlich hart auf den Boden aufgeschlagen, und es tat weh.
„Es liegt in allen Dingen eine Erinnerung an das verlorene Paradies.“ Rezitierte er weiter leise während er sich anzog.
Er liebte Angelina.
Liebte sie mehr als alles Andere.
Und gerade darum musste er ihr ihre Freiheit lassen, durfte sie nicht weiter einengen und ihr das Gefühl geben das sie etwas aufgeben musste.
Sie trug keine Schuld an dem Allen jetzt, sondern er.

Er ging in die Küche, nahm die zweite Rose, und legte sie auf den Esstisch.
Dann nahm er ein Pergament, schrieb darauf. „Verzeih mir. Ich liebe dich.“ Und legte dieses zu der Blume.
Dann zog er sich den Mantel über und verließ das Haus.
Vielleicht konnte er heute zum Baum des Lichts, konnte dort Frieden und Ruhe finden.

Verfasst: Dienstag 28. Februar 2006, 18:25
von Clarissa Ilvess
Sinnlich lächelte die junge Frau, als sie die Kirche verließ. Ihr Blick folgte der jungen Elfe, aber in Gedanken war sie schon wieder woanders. Ihre linken Finger tänzelten, spielten völlig in sich verloren, abseits ihrer Gedanken, mit der kleinen Münze.
Sie war eine Spielerin, schon immer gewesen und sie mochte die Züge, die sie tat. Sei hart, sei stark, sei unberechenbar. Vielleicht war es das, was sie an dieser Stadt schätzte. Die Berechenbarkeit. Halte ihnen eine Wahrheit unter die Nase und sie werden sie verleugnen. Halte ihnen ein Kind unter die Nase und sie erinnern sich an das Mitgefühl, auch wenn es sonst nicht ihre Art war. Aber das hatten viele nie verstanden. Es gab kein 'mal'. Kein 'heute ja, morgen nein', kein 'Du schon, aber Du nicht' und ganz bestimmt gab es kein 'vielleicht'. Es gab schon immer nur ein klares 'ja' oder 'nein' und alles, was kein 'ja' war, war ein 'nein'. Schon immer gewesen.
Eine interessante Variante weiterer Züge hatte sich ihr eröffnet. Nun, es war ab zu sehen gewesen, aber dennoch war es interessant zu sehen wie alles bis ins kleinste Detail wie vorhergesehen verlief. Dennoch, welchen würden sie wohl am wenigsten erwarten? Mhmmm. Ihr Lächeln wurde noch etwas breiter.
Das man Alatar mit Temora bekämpfen konnte und umgekehrt war nichts neues. Zu vorhersehbar. Alatar mit Alatar? Hm, häufig praktiziert, selten erkannt, eigenartigerweise. Wie sprach der Herr noch? 'Hochmut war schon immer meine Lieblingssünde.' Wie wahr, wie wahr. Tja und die Herrin? Temora mit Temora. Interessanter Gedanke, aber schwierig in der Ausführung, standen die Götter sich selbst schließlich nicht im Weg. Aber gangbar und nur das zählte.
Nehmen wir doch mal die harten Fakten. Demut. Nehmen wir Demut. 'Auch Du bist nur Teil der Schöpfung meiner Mutter.' Bauz, aus, geradeheraus mit geballter Faust mitten ins hämische Lachen hinein, so wie sie es mochte. Der ganze Glaube, konzentriert auf einen einzigen Satz. Direkt, zielstrebig, logisch. Sie lebte vom Mythos und Pathos und doch, sie überlebte, weil sie die Schwächen dieser kannte und sie auf zu lösen vermochte. Es war ein Spiel. Die Götter spielten. Sie spielte. Alle spielten. Das Spiel hieß Korruption und als Einsatz stand die Seelen auf dem Spiel, nach denen es den Göttern so sehr verlangte. Aber umsonst war nicht einmal mehr der Tod. Zeit für den nächsten Zug.
Ganz wie von selbst glitt ihre linke Hand in den Beutel, ließ die Münze fallen und griff sich das Kartenspiel aus der Seitentasche. Die Seherin war hoch angesehen im fahrenden Volk, hatte sie ihre selbst unter Göttern seltene Gabe doch an einige von ihnen vererbt. Wie schaut es aus, Mutter? Lust auf ein Spielchen?