Licht ist ein Produkt der Dunkelheit, erschaffen durch Leid.
Verfasst: Montag 30. Juni 2014, 07:22
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Tage definieren sich durch Nächte, die sie trennen, und Sterne
werden durch die unendliche Schwärze definiert, die sie umgibt -
die Dunkelheit bringt das Licht aus ihrem eigenen Zentrum
hervor. Sie ist es, die mit jedem Sieg des Lichts gewinnt. Das
wahre Licht ist Sein, erschaffen durch Leid, geschmiedet im Feuer,
gestärkt durch Seine Geschenke, frei von allen Ketten.
Vor mehr als einem Jahr...
Naryella kniete im Schlamm, während der Regen wie Hohn in dichtem Nass vom Himmel fiel und ihre Tränen hinwegspühlte, die heiß und bitter auf ihren Wangen brannten wie flüssiges Feuer. Ihren schlanken Leib hatte ein Zittern erfasst das nur die tiefste Pein, nur der innigste Schmerz zustande bringt. Sie hielt ihn in den Armen und so fest an sich gepresst als wäre er das Seelenheil der ganzen Welt und spürte doch schon wie sein Leib erkaltete - das Leben ihn verließ. Er war verloren, für immer unwiderbringlich für diese Welt verloren.
Während dessen starrte sie wie eine Ertrinkende in dieses Inferno eines Höllenfeuers das ihre ganze Vergangenheit, ihr Kind sein, ihr Heranwachsen, ihr Lachen, ihr Weinen, ihre Wutausbrüche, Zerwürfnisse, vor ihren Augen in einer unsäglichen Gier verschlang. Sie fühlte sich wie in einer Faust gefangen die sie zwischen den Fingern mit einer unerbittlichen Gewalt zerbrach als wäre sie nur eine zarte Figur aus dünnem Glas und mit einem Mal war sie wieder ein kleines Mädchen - hilflos, allein - jetzt, war sie wirklich allein.
Wenn heute Nacht alles brennt
warum können wir dann nicht gemeinsam verbrennen
Und wenn heute Nacht alle sterben
Warum können wir dann nicht gemeinsam sterben
Aber das kleine Mädchen war wieder aufgestanden, als die letzte Flamme sich am Leben zu tode gefressen hatte und sie hatte, in einem Zustand als wäre sie selbst mehr tod als lebendig, sechs Gräber ausgehoben... und sie alle beerdigt. Danach war ausser ihr Niemand mehr übrig geblieben den sie hätte verlieren könnte - ausser vielleicht einem.
Ich habe das Feuer gesehn,
es hat sich in den Boden unter meinen Füßen gebrannt,
und als ich fiel,
stürzte ich in den Schatten,
aber da ist noch etwas das ich zuende bringen muss.
Auf ihrem Weg zurück nach Rahal war ihr keine überflüssige Silbe über die Lippen gekommen, sie hatte aus den Fenstern, in die Dunkelheit der Nacht und in das Licht des Tages gestarrt wie Jemand den das Leben blind und taub gemacht hatte. Für viele Wochen konnte ihr Herz die Musik tatsächlich nicht mehr hören und die Farben nicht mehr sehn - die Welt war in verbrannte Grautöne gemalt und die Luft roch nach verkohltem Fleisch, überall Blut und Schmutz - war sie das wirklich wert?
Sag mir was du am meisten liebst,
damit ich es dir nehmen kann.
Ihre Nächte bestanden in dieser Zeit aus grauenhaften Alpträumen, die wie ein Echo des Vergangenen immer und immer wieder an den Wänden ihres Bewusstseins brachen um in voller Intensität zurückgeworfen zu werden - tagsüber spürte sie das Kratzen wie von scharfen Fingernägeln die Striemen auf ihrer Seele hinterliesen und sie bluten machten. Vor der letzten Strecke, die sie per Schiff gezwungen war zu nehmen, war sie ein halbes Jahr in der Küstenstadt geblieben - zu dieser Zeit war sie zu dünn, zu krank gewesen - ein Mensch kaum mehr als Haut und Knochen, blass wie der Tod. Sie hatte erst ihr altes Gesicht zurück bekommen müssen um ihre Wahrheiten für sich behalten zu können.
Die Dunkelheit ist großzügig.
Ihr erstes Geschenk ist Geheimhaltung: Unsere wahren Gesichter liegen
in der Dunkelheit unter unserer Haut, unsere wahren Herzen liegen noch
tiefer im Schatten. Aber die größte Geheimhaltung liegt im Schutz unserer
verborgenen Wahrheiten und der Wahrheiten der anderen.
Heute...
Jetzt, Monate später konnte nurnoch sie diese Narbe sehn wenn nicht heimtückische Gedanken, scharf wie Messer durch das Sammelsurium ihrer Erinnerungen schnitten um ihr einen kurzen Stich zu versetzen. Eklatant sadistische Quälgeister, die in Schatten und verborgenen Winkeln ihres Bewusstseins auf die kleinen arglosen Momente lauerten.
Nach und nach wurden es weniger, denn Nary's Leben war weiter gegangen und sie hatte gelernt zu akzeptieren was eigentlich nicht akzeptabel war. Mitlerweile stand sie vor anderen Zerwürfnissen die ihr ihren Weg als halsbrecherische Kletterpartie erscheinen liesen. Aber sogar eine Kugel im Kopf war besser als zu einem kleinen, hirnlosen Häufchen Elend zu zerfliesen, das sich im Leid sulte wie ein Schwein anstatt auf zu stehn und hindurch zu gehn, wie es ein reifer Mensch in der Lage sein sollte zu tun. Hier hast du einen Strick, such dir einen Baum...
Gib mir die Medizin des Leides und der Prüfung
damit ich von all meinen Schwächen geheilt werde...
Lass mich zuerst die Bitterkeit der Niederlage spüren
damit ich lerne siegreich zu sein...
Sie wusste sehr genau warum dieses Verlangen in ihrem Herzen, dieser Durst kein Wasser fand und vermutlich würde sie noch lange durch diese Wüste wandern, denn es gab nichts das sie sich mehr wünschte, als von diesem Brunnen zu trinken. Stark, klug, gewandt, mutig... schön wie ein Panther... dieses Gesicht... diese Augen...
Sag mir was du am meisten begehrst,
damit ich weiß was ich dir vorenthalten kann.
Dann sei es so... Sie würde einen Weg finden ihren Blick in eine andere Richtung zu wenden und wenn es sie den Rest von dem kosten würde was von ihr noch übrig war. Bis dahin würde sie sich ihren Durst im töten und dem Seiltanz des nicht getötet werdens vergessen machen und leben, inmitten derer die ihr wie die Chance auf einen Platz erschienen, an den sie gehören konnte, von dem aus sie wachen konnte...
Denn wenn der Tod mich irgendwann einmal nicht als Sieger antrifft,
soll er mich wenigstens als Kämpfer finden für etwas, für das es sich lohnt zu sterben.
Tage definieren sich durch Nächte, die sie trennen, und Sterne
werden durch die unendliche Schwärze definiert, die sie umgibt -
die Dunkelheit bringt das Licht aus ihrem eigenen Zentrum
hervor. Sie ist es, die mit jedem Sieg des Lichts gewinnt. Das
wahre Licht ist Sein, erschaffen durch Leid, geschmiedet im Feuer,
gestärkt durch Seine Geschenke, frei von allen Ketten.
Vor mehr als einem Jahr...
Naryella kniete im Schlamm, während der Regen wie Hohn in dichtem Nass vom Himmel fiel und ihre Tränen hinwegspühlte, die heiß und bitter auf ihren Wangen brannten wie flüssiges Feuer. Ihren schlanken Leib hatte ein Zittern erfasst das nur die tiefste Pein, nur der innigste Schmerz zustande bringt. Sie hielt ihn in den Armen und so fest an sich gepresst als wäre er das Seelenheil der ganzen Welt und spürte doch schon wie sein Leib erkaltete - das Leben ihn verließ. Er war verloren, für immer unwiderbringlich für diese Welt verloren.
Während dessen starrte sie wie eine Ertrinkende in dieses Inferno eines Höllenfeuers das ihre ganze Vergangenheit, ihr Kind sein, ihr Heranwachsen, ihr Lachen, ihr Weinen, ihre Wutausbrüche, Zerwürfnisse, vor ihren Augen in einer unsäglichen Gier verschlang. Sie fühlte sich wie in einer Faust gefangen die sie zwischen den Fingern mit einer unerbittlichen Gewalt zerbrach als wäre sie nur eine zarte Figur aus dünnem Glas und mit einem Mal war sie wieder ein kleines Mädchen - hilflos, allein - jetzt, war sie wirklich allein.
Wenn heute Nacht alles brennt
warum können wir dann nicht gemeinsam verbrennen
Und wenn heute Nacht alle sterben
Warum können wir dann nicht gemeinsam sterben
Aber das kleine Mädchen war wieder aufgestanden, als die letzte Flamme sich am Leben zu tode gefressen hatte und sie hatte, in einem Zustand als wäre sie selbst mehr tod als lebendig, sechs Gräber ausgehoben... und sie alle beerdigt. Danach war ausser ihr Niemand mehr übrig geblieben den sie hätte verlieren könnte - ausser vielleicht einem.
Ich habe das Feuer gesehn,
es hat sich in den Boden unter meinen Füßen gebrannt,
und als ich fiel,
stürzte ich in den Schatten,
aber da ist noch etwas das ich zuende bringen muss.
Auf ihrem Weg zurück nach Rahal war ihr keine überflüssige Silbe über die Lippen gekommen, sie hatte aus den Fenstern, in die Dunkelheit der Nacht und in das Licht des Tages gestarrt wie Jemand den das Leben blind und taub gemacht hatte. Für viele Wochen konnte ihr Herz die Musik tatsächlich nicht mehr hören und die Farben nicht mehr sehn - die Welt war in verbrannte Grautöne gemalt und die Luft roch nach verkohltem Fleisch, überall Blut und Schmutz - war sie das wirklich wert?
Sag mir was du am meisten liebst,
damit ich es dir nehmen kann.
Ihre Nächte bestanden in dieser Zeit aus grauenhaften Alpträumen, die wie ein Echo des Vergangenen immer und immer wieder an den Wänden ihres Bewusstseins brachen um in voller Intensität zurückgeworfen zu werden - tagsüber spürte sie das Kratzen wie von scharfen Fingernägeln die Striemen auf ihrer Seele hinterliesen und sie bluten machten. Vor der letzten Strecke, die sie per Schiff gezwungen war zu nehmen, war sie ein halbes Jahr in der Küstenstadt geblieben - zu dieser Zeit war sie zu dünn, zu krank gewesen - ein Mensch kaum mehr als Haut und Knochen, blass wie der Tod. Sie hatte erst ihr altes Gesicht zurück bekommen müssen um ihre Wahrheiten für sich behalten zu können.
Die Dunkelheit ist großzügig.
Ihr erstes Geschenk ist Geheimhaltung: Unsere wahren Gesichter liegen
in der Dunkelheit unter unserer Haut, unsere wahren Herzen liegen noch
tiefer im Schatten. Aber die größte Geheimhaltung liegt im Schutz unserer
verborgenen Wahrheiten und der Wahrheiten der anderen.
Heute...
Jetzt, Monate später konnte nurnoch sie diese Narbe sehn wenn nicht heimtückische Gedanken, scharf wie Messer durch das Sammelsurium ihrer Erinnerungen schnitten um ihr einen kurzen Stich zu versetzen. Eklatant sadistische Quälgeister, die in Schatten und verborgenen Winkeln ihres Bewusstseins auf die kleinen arglosen Momente lauerten.
Nach und nach wurden es weniger, denn Nary's Leben war weiter gegangen und sie hatte gelernt zu akzeptieren was eigentlich nicht akzeptabel war. Mitlerweile stand sie vor anderen Zerwürfnissen die ihr ihren Weg als halsbrecherische Kletterpartie erscheinen liesen. Aber sogar eine Kugel im Kopf war besser als zu einem kleinen, hirnlosen Häufchen Elend zu zerfliesen, das sich im Leid sulte wie ein Schwein anstatt auf zu stehn und hindurch zu gehn, wie es ein reifer Mensch in der Lage sein sollte zu tun. Hier hast du einen Strick, such dir einen Baum...
Gib mir die Medizin des Leides und der Prüfung
damit ich von all meinen Schwächen geheilt werde...
Lass mich zuerst die Bitterkeit der Niederlage spüren
damit ich lerne siegreich zu sein...
Sie wusste sehr genau warum dieses Verlangen in ihrem Herzen, dieser Durst kein Wasser fand und vermutlich würde sie noch lange durch diese Wüste wandern, denn es gab nichts das sie sich mehr wünschte, als von diesem Brunnen zu trinken. Stark, klug, gewandt, mutig... schön wie ein Panther... dieses Gesicht... diese Augen...
Sag mir was du am meisten begehrst,
damit ich weiß was ich dir vorenthalten kann.
Dann sei es so... Sie würde einen Weg finden ihren Blick in eine andere Richtung zu wenden und wenn es sie den Rest von dem kosten würde was von ihr noch übrig war. Bis dahin würde sie sich ihren Durst im töten und dem Seiltanz des nicht getötet werdens vergessen machen und leben, inmitten derer die ihr wie die Chance auf einen Platz erschienen, an den sie gehören konnte, von dem aus sie wachen konnte...
Denn wenn der Tod mich irgendwann einmal nicht als Sieger antrifft,
soll er mich wenigstens als Kämpfer finden für etwas, für das es sich lohnt zu sterben.