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Wenn das Blatt sich wendet...

Verfasst: Sonntag 4. Mai 2014, 13:06
von Gast
Düster blickte der Himmel auf Adoran, einige wenige Lichtstrahlen waren am Horizont zu erkennen, als Baldur aus dem Fenster blickte. Sein Blick ruhte auf dem Stadtkern, welchen er gut aus dem Mannschaftsraum des Regiments betrachten konnte, auch wenn es noch so dunkel draußen war. Sein Blick löste sich vom Fenster und glitt über seine ruhig schlafenden Kameraden, die gerade ihre wohlverdiente Ruhe genossen.

Viel war in den letzten Wochen geschehen, das Regiment war im Allgemeinen schon sehr unruhig. Jenes ging auch an Baldur nicht unerkannt vorbei, obwohl er sich in den letzten Wochen nach Eloriahus Tod merklich zurückgezogen hatte, schon zu seiner eigenen Sicherheit. Ihm war völlig klar, dass man nach ihm suchen würde. Hatte er doch den Fehler gemacht und seine Beteiligung an Eloriahus Tod vor den Eindringlingen in Adoran nicht einmal verleugnet. So war klar, dass die Bruderschaft der Ritter versuchen würde, jene Tat nicht ungesühnt zu lassen. Hatte er doch die meiste Zeit seines Lebens als Soldat in Rahal verbracht, konnte er sich gut vorstellen, wie mancher dort bereits sein Schwert wetzte, um es ihm mit Freude in den Leib zu rammen.

Auch wenn er nun sein bisheriges Leben völlig hinter sich gelassen hatte nach dem Tod von Eloriahus, da es nun wirklich nichts mehr gab, was er noch mit seiner alten Heimat verband, fühlte er sich immernoch schlecht. Es war eine Flauheit im Magen, die er seit seinem Verrat niemals wirklich losgeworden war. Er war sich ziemlich sicher, dass er jenes Gefühl auch nicht mehr mit Alkohol ertränken konnte, weshalb sein Schnapskonsum in den letzten Wochen, vor allem nach dem peinlichen Vorfall, als er völlig betrunken Vaughain über den Weg gelaufen war, stark eingeschränkt hatte.

Die letzten Wochen hatte er damit verbracht, seinen Dienst nach Vorschrift zu tun und sich im Umgang mit seinem Schwert geübt zu halten; denn früher oder später würde er wieder auf Soldaten aus Rahal treffen, da war er sicher. Wieder glitt sein Blick nach draußen über die Dächer der Adoraner Häuser, die langsam vom Licht der Sonne am Horizont zu glitzern begannen, als die ersten Sonnenstrahlen auf die bunten Schieferplatten auf den jeweiligen Dachstühlen trafen.

Ja, Adoran war wirklich seine neue Heimat geworden, das konnte er fühlen. Zum ersten Male in seinem Leben fühlte er, dass er angekommen war. Würde er eines Tages seinen letzten Atemzug tun, so war er sicher, dass er nicht traurig sein würde, hatte er doch nun endlich näher zu seinem inneren Frieden gefunden als jemals zuvor. Kurz glitten seine Gedanken wieder zu seinen Kameraden, Bekannten und vor allem zu seinen neuen Freunden, die er in den vergangenen Monden gefunden hatte. Was sie wohl denken würden, wenn er sterben würde? Würden sie ihn vermissen? Würde er sie vermissen, wo auch immer er dann sein würde? Er hoffte sehnlichst, dass er Temora mit seinem Einsatz zufrieden gestellt hatte, schließlich hatte er nicht nur Alatar abgeschworen, er lebte den Glauben mittlererweile durch und durch - Es war sein neuer Lebensinhalt geworden, natürlich nicht ohne den guten Einfluss Balators, der ihm nach seiner Ankunft in Adoran zu Gute gekommen war. Auch das Gespräch mit Aurea damals im Tempel hatte sich gut ausgewirkt. Wahrlich hatte er sein Selbst gewandelt - War er doch früher stets Hass erfüllt und aufbrausend gewesen, hatte er doch bedingungslos seinem früheren Herrn Alatar gedient, so hatte man ihm doch letztlich den rechten Weg aufgezeigt, auch wenn er dadurch alles verloren hatte, was er jemals besessen hatte, vor allem seine damaligen Freunde und Bekannten.

Ob jenes eine Prüfung Temoras gewesen war? Nachdenklich betrachtete er einen Passanten, der leise am Regimentsgebäude vorbeischlurfte. War es eine Prüfung gewesen, so hatte er sie bestimmt bestanden. Schließlich hatte er im Kerker ausgeharrt, er hatte alle Strapazen über sich ergehen lassen. Die Befragungen, die Schläge, die Verunsicherungen, das endlose Warten auf Gehör... Hatte Temora ihm doch immer wieder einige Lichtblicke in dieser dunklen Zeit gesendet und diejenigen, welche sich seiner guten Herzens annahmen, insbesondere Helisande und Balator.

Balator... Der Name hallte in seinem Kopf nach. Ihn hatte er wirklich schon lange nicht mehr gesehen, er war einfach auf und davon. Geblieben von jenen engen Vertrauten war ihm nur Helisande, die er über alles schätzte. Würde er seinen letzten Atemzug tun, so wollte er, dass sie alles bekommen sollte, was noch seins war. Schließlich war sie ihm stets eine gute Freundin gewesen und hatte ihn von Anfang an nicht mit der Abscheu betrachtet, wie die anderen Adoraner es zuerst getan hatten in Hinblick auf seine Vergangenheit. Er würde ein Testament aufstzen - nur für den Fall, dass ihn sein bisheriges Glück verlassen und sich für ihn eines Tages das Blatt wenden würde.....

Verfasst: Sonntag 4. Mai 2014, 13:27
von Konrad Vylen
Den Morgen hatte er auf dem Rücken seines Pferdes verbracht. Die Reise war gut vorbereitet worden und sein Gepäck war auf das Wesentlichste beschränkt. Im Gegensatz zu sonst trug er nur einfache, geradezu unauffällige Kleidung auf der Haut. Seinen Bogen hatte er zu Hause gelassen und sich stattdessen auf einen Dolch beschränkt. Eine prall gefüllte Börse, Schreibwerk, ein Bund Dietriche und ein gesundes Ego verliehen ihm die ansonst einzig erforderliche Sicherheit.

Der Auftrag der Konrad am Mittag ein Schiff in Bajard bestiegen ließ war schwer und doch gut zu bewältigen. Er sollte einen Geächteten, einen Verräter und Mörder in Adoran ausfindig machen. Anhaltspunkte gab es für den Moment nur wenige, dafür aber war die Motivation der Auftraggeber umso größer. Die Bruderschaft in Person eines einzelnen Ritters war bereit gewesen gut zu zahlen und ein erfolgreicher Auftragsabschluss versprach noch weit mehr als einen Haufen Münzen.

Das Schiff kroch über die Wellen und nur langsam eröffnete sich Adoran am Horizont. Konrad würde sich als Handelsreisender im Auftrag eines Kontors ausgeben. Schankstuben besuchen, die Augen aufhalten und Warenbestände aufkaufen und wiederverkaufen… das war ihm schon immer gut gelegen. Ein Grinsen stellte sich auf seinem Gesicht ein. Das Leben war schön.



Er hatte in Adoran recht schnell einen ersten Überblick gewonnen. Zwar hatte ihm die Reise direkt einen kräftigen Husten eingebrockt, aber selbst das hatte sein Gutes gehabt. Das Adoraner Hospital hatte nicht nur seinen Husten behandelt, sondern ihm auch für die erste Nacht einen Schlafplatz beschert ehe er am Tag darauf ein schlicht möbliertes Zimmer in einem Adoraner Gasthof fand.

Die Schankstuben von Adoran waren recht ordentlich. Man war mal mehr und mal weniger geschwätzig und entsprechend schnell oder langsam ließen sich ein ordentliches Bündel an Eindrücken und Informationen sammeln.

Am vierten Tag seines Aufenthaltes entschied Konrad, war es an der Zeit an seinen Auftraggeber zu berichten.

Stationiert in Adoran. Kein eigener Wohnsitz. Wachdienst unter Aufsicht. Verlässt Stadtgrenze selten und nur sporadisch. Schwäche für Schankstuben. Weitere Kontaktaufnahme folgt. Vylen

Die karge Nachricht wurde versiegelt und in ein Etui gesteckt, ehe sie über die Kutschstationen Gerimors auf Reisen geht um Ritter Durion zu erreichen.

Verfasst: Sonntag 4. Mai 2014, 19:04
von Gast
Es ist schon etwas Zeit verstrichen seit dem letzten Treffen und er fragte sich, ob dieser Mann der richtige für den Auftrag sei, ihm den Mörder seines hohen Bruders Ahad Drugar zu überbringen.

Als er dann die Nachricht erhält, mag kurz ein leichtes Lächeln seine Lippen zieren ehe er jene sorgsam verstaut und er sich auf die Suche nach Ahad Crain macht.

Verfasst: Montag 5. Mai 2014, 21:51
von Konrad Vylen
Mit leicht gequälter Miene zählte Konrad den verbliebenen Inhalt seiner Börse ab. Sein Aufenthalt in Adoran wurde zu einer kostspieligen Angelegenheit und hatte bereits den Großteil seiner Mittel verschlungen. Der ein oder andere Abend war nicht alleine informativ, sondern auch überaus reizvoll gewesen. Es war gutes Essen aufgetragen worden und es war auch keine unbescheidene Menge an Wein geflossen. Die Adoraner Weinkeller schienen reichhaltig bestückt zu sein und in Qualitätsfragen kaum Grenzen zu kennen.

Konrad hob seinen Hut und kratzte sich das Haupthaar. Immerhin war nicht der gesamte Wein in seinem eigenen Magen gelandet. Er hatte ein paar Kisten guten Weines erstanden und gedachte sie später in Rahal oder vielleicht auch in Düstersee wieder zu verkaufen. Mit einem bescheidenen Gewinn natürlich. Vielleicht war ihm das ja schon Morgen oder spätestens doch Übermorgen möglich?

An diesem Abend war ihm wohlmöglich eine Schlüsselinformation in die Hand gefallen. Konrad konnte ein ausschlaggebendes Gespräch in der Adoraner Stadtstube belauschen. Der Gesuchte würde allem Anschein nach die Stadtgrenzen verlassen und sich damit verwundbarer zeigen als es bisher der Fall gewesen war. Konrads Börse würde sich bald also wieder füllen. Die gequälte Miene machte einem zufriedenen Grinsen Platz und Vylen bemühte seine Schreibfeder.

Empfehle eine Jagdgesellschaft am 06. Eluviar zu den Erdhöhlen bei Bajard zu führen. Reichhaltige Beute für aufmerksame Augen in den Abendstunden. Vylen

Kaum eine Stunde später machen sich zwei versiegelte Schreiben in jeweils einem Etui auf den Weg über die Kutschstationen Gerimors. Die Adressaten sind Ahad Crain und Ritter Durion.

Das an Durion gerichtete Schreiben beinhaltet eine Randnotiz.

Aufwendungen höher als erwartet. Vorhandene Mittel weit überdehnt.

Verfasst: Dienstag 6. Mai 2014, 11:06
von Gast
Es war bereits spät, als Baldur die Kneipe verließ. Es war ein gemütliches Beisammensein gewesen mit Helisande. Sogar das hochedle Fräulein von Winterfels hatte sich die Ehre gegeben und hatte sich ein wenig zu ihnen gesellt. Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen flanierte Baldur durch die Gassen Adorans auf dem Weg zurück zu seinem Quartier beim Regiment.

Auf dem Weg traf er einige Kameraden, denen er wie gewohnt ein freundliches Nicken schenkte, Ein kurzer Plausch hier und ein kurzer Plausch da, schließlich betrat er die Eingangshalle und stieg die Treppen hinauf in Richtung der Mannschaftsräume. Morgen würde ein anstrengender Tag werden, doch freute er sich bereits jetzt darauf, mit Helisande den Ausflug in die Erdhöhle zu unternehmen. Zu lange schon hatte er sich zurückgezogen und war untergetaucht, es war an der Zeit sich öffentlich zu zeigen und das Regiment in seiner Präsenz zu unterstützen.

Er hatte seit dem heutigen Abend ein großes Ziel vor Augen. Er hatte es sich in dem Gespräch mit Helisande tatsächlich in den Kopf gesetzt, eines Tages seinen eigenen Weinberg zu besitzen. Das mochte für den einen oder anderen sicherlich ungewöhnlich klingen, doch gefiel ihm der Gedanke, sich eines Tages der Winzerei hingeben zu können, war Wein doch in Adoran zu seiner größten Passion geworden. Nachdenklich schritt er auf dem Weg zu den Mannschaftsräumen noch beim Sekretär vorbei und nahm seinen monatlichen Sold entgegen. Er hatte bereits begonnen, ein wenig bei Seite zu legen, auch wenn das gewiss nicht reichen würde. Der Sold eines Rekruten würde niemals ausreichen, um ein Weingut zu betreiben, so viel war ihm auch klar. Er würde sich anderweitige Unterstützung suchen müssen, wenn er das Kriegshandwerk langfristig wirklich ablegen wollen würde.

Das Kriegshandwerk ablegen... Das war schon ein merkwürdiger Gedanke, schließlich hatte er sein halbes Leben damit verbracht, er war sich nicht einmal sicher, ob er überhaupt einem anderen Beruf nachgehen wollte. Aber er würde sich dieser Herausforderung stellen, Temora war mit ihm und hatte ihn nach Adoran geführt. Warum sollte sie ihm auch jetzt nicht zur Seite stehen? Er schüttelte energisch den Kopf bei dem Gedanken an ein Versagen. Bisher war alles gut gegangen, er hatte Arbeit, ein Dach über dem Kopf und einen Freundeskreis, der ihn schätzte. Er hatte niemals gedacht, dass er sich mit derart bescheidenen Verhältnissen zufrieden geben würde, wollte er doch in seinem jungendlichen Alter immer ein Kriegsheld werden und mit hocherhobenen Schwerte eines Tages auf dem Schlachtfeld fallen.

"In der Jugendzeit ist man ein Tor. Mit dem Alter wird man später zwar nicht klüger, aber man lernt, was gut ist." Seine eigenen Worte hallten in seinem Kopf noch nach. Leise lachte er, als er vor der Tür der Mannschaftsräume stand. Hatte er heute selbst wirklich eine Lebensweisheit zum Besten gegeben?

"Früher wollte ich immer mit hoch erhobenem Schwerte auf dem Schlachtfeld meinen letzten Atemzug tun. Heute wünsche ich mir ein weiches Bett und ein Kissen". Auch jene Worte hallten in seinem Kopf nach. Es war wahrlich ein denkwürdiger Tag gewesen. Wirklich unspektakulär in einer gemütlichen Runde und dennoch prägend. Endlich war er wirklich in Adoran angekommen, er war sicher, dass er heute Nacht wieder gut schlafen würde.....

Verfasst: Dienstag 6. Mai 2014, 19:32
von Helisande von Alsted
Die Schnallen der Rüstung wurden festgezogen und der Waffengurt etabliert. Der letzte Ausflug für sie war schon eine Weile her, der blonde Schleifer hatte recht behalten: Die Pflichten eines Unteroffiziers fesselten einen ungeahnt lange an so elende Dinge wie Schreibtische, Besprechungen und Einweisungen. Doch heute vor dem Markt mit dem kleinen Fest des Regimentes wollte sie noch einmal ein wenig zielgerichtete Bewegung genießen.

Die Idee war ebenso schnell geboren wie von Heyn für gut befunden. Er schien inzwischen wieder ruhiger, gar gesetzter zu sein. Sie schwankte stets hin und her zwischen Mitgefühl für ihn und dem Zwang ihn aus seinem Phlegma zu reißen und anzutreiben. Es war nie leicht alle Brücken hinter sich ab zu reißen und nur verbrannte Erde zurück zu lassen. Doch manchmal keimt nur aus Asche eine neue, reine Frucht. Er würde sie begleiten und es würde eine kurzweilige Angelegenheit werden.
Das Barett saß auf dem Kopf und wurde ausgerichtet, der Umhang in die vorgeschriebenen Falten gelegt, da fiel ihr das Versprechen ein, welches sie Talianna und dem Sir gegeben hatte. Mit göttinergebener Mimik kramte sie zwei Pergamentabschnitte hervor und verfasste kurze Botschaften.


Die eine wurde im Regiment auf den Tisch in der Mannschaftsmesse gelegt, dort würde ihn sicherlich recht bald jemand finden, der zur Dienstablöse antrat. Die andere wurde im Palast abgegeben und einem der livrierten Diener dort anvertraut. Danach sattelte sie ihr Pferd um sich auf zum Treffen mit Heyn zu machen.

Verfasst: Dienstag 6. Mai 2014, 22:26
von Gast
Sie trafen sich am Adoraner Tor und brachen zum gemeinsamen Ausflug auf. Der Ritt war schnell und verlief ohne Komplikationen, schon nach kurzer Zeit erreichten sie das Ziel ihres Ausfluges - Die Erdhöhle bei Bajard. Doch was war das?

Baldur fütterte gerade die Pferde vor dem gemeinsamen Abstieg in die Höhle, als das Wiehern von einigen weiteren Pferden aus nächster Umgebung zu hören war und das metallische Scheppern mehrerer Rüstungen. Sofort wandte er sich um und da sah er sie, seine alten Bekannten Dazen und Durion sowie einen ihm unbekannten Ahad, der ihm schon bald als Tugor Crain vorgestellt wurde. Sogar Eloriahus Neffen Arion hatten sie mitgebracht.

Jemand hatte sie verpfiffen, das war klar. Sofort wandte er seinen Blick zu Helisande und sprach eindringlich: "Lauf, Helisande. Lauf... Rette Dich!"
Doch es war bereits zu spät, sie waren schon eingekreist von der berittenen Bruderschaft. Ahad Crain stieg lansam vom Ross und sprach eindringlich. Doch nur dumpf drangen die Worte zu ihm... "Verräter" "Haben wir Euch endlich" "Heute werdet ihr bezahlen". Seine Aufmerksamkeit galt vielmehr Helisande, zu der er weiter eindringlich sprach: "Ich halte sie auf, rette Dich!"

Doch für sie gab es kein Entkommen... Durion war bereits zur Stelle und ließ einen Hieb auf sie niedersausen, während sich Helisande und Durion weiter entfernten. Aus der Nähe waren die Kampfesgeräusche beider zu hören, er konnte jedoch nicht zu ihnen blicken oder ihr gar zur Hilfe eilen, war er doch von Ahad Crain und Ritter Wolfseiche umzingelt.

Es folgte ein kurzer verbaler Schlagabtausch, geschwängert von Hass und purer Abneigung ihm gegenüber. Er konnte es ihnen nicht einmal verübeln, schließlich war er mitverantwortlich dafür, dass Eloriahus, sein alter Waffenbruder, gefallen war.

Durion war inzwischen zurückkehrt, aus dem Augenwinkel sah er, wie die schwer verletzte Helisande sich langsam zurück zum Ort des Geschehens robbte. Da stockte sein Atem... Ohne weiter nachzudenken schritt er auf Helisande zu um sich zu ihr herunterzubeugen. Sie war benommen, kaum ansprechbar, doch er wollte, dass sie seine womöglichen letzten Worte noch vernehmen konnte.

"Helisande... Vergiss meiner nicht, falls ich es nicht schaffe". Er sah, wie es sich in ihr regte und sie mit schwacher Stimme sprach: "Treu ergeben, Heyn". Das war genug für ihn und er wandte sich um, nicht ohne noch einmal kurz zu ihr herunterzublicken und unser seinem Helm breit zu lächeln. Er war bereit. Würde dies auch sein letzter Kampf sein, so würde er nicht zurückziehen. Er würde für Temora, das Regiment, vor allem Helisande aber ganz besonders auch für sich selbst einstehen. Der Tag der Entscheidung war gekommen. Er blickte zu den Feinden und sprach: "Bringen wir es hinter uns"

Es folgte ein leises Gebet, eindringlich flehte er zu Temora, dass sie ihm beistehen möge, dann wandte er sich dem Ahad zu.
"Einen habe ich schon getötet, vielleicht folgt ja heute der zweite" entsprang es giftig seinen Lippen. Dann ging er zum Angriff über...

Es war ein taktisches Duell, geprägt von Ruckzug und Ausweichen, nur einmal erwischte ihn Ahad Crain in der Seite. Ritter Wolfseiche seinerseits machte keine Anstalten, in den Kampf einzugreifen, jener Kampf schien nur ihnen beiden vergönnt zu sein. Langsam stieg die Wut in Baldur auf und er stürmte auf den Ahad zu, er wollte ihn töten. Ohne Rücksicht auf Verluste schlug er auf sein gegenüber ein, den Griff seines Schwertes hielt er fest umschlossen. Es war ein intesiver Kampf, geprägt von einem gemeinsamen Schlagabtausch, doch schließlich traf ihn ein mächtiger Hieb des Ahads am Kopf und er ging benommen zu Boden. Ihm wurde schwarz vor Augen.....

Langsam blinzelte er, ein Ruck ging durch seinen Körper und durch sein Visier konnte er sehen, wie sich sein Körper vom Boden aufrichtete. Vor ihm stand Ahad Crain. Aus der Ferne hörte er weitere Pferde und bekannte Stimmen. Er schlug nach hinten aus, als ihm gewahr wurde, dass man ihn von hinten festhielt, ein letztes aufbegehren. War das Vaughain, den er da hörte?

Doch schließlich versagten seine Kräfte, er sah wie der Ahad mit dem Schwert ausholte... ein letzter Stiller Gedanke - "Temora, erbarme Dich meiner" -, dann das Geräusch von Stahl, der auf Stahl, dann Haut und schließlich Knochen trifft. Dunkelheit.

Das Blatt hatte sich gewendet. Nach dem mächtigen Hieb des Ahad glitt der Kopf des einst stolzen Soldaten von dessen Schultern und fiel vor dem leblosen Körper in das feuchte Waldgras. Der kopflose Körper kippte zur Seite und würde sich niemals mehr regen....

Verfasst: Mittwoch 7. Mai 2014, 00:31
von Aurea
Dutzende von Kerzen erhellten die Krypta an diesem Abend, legten ihren warmen Schein über die Wände und die beeindruckende Statue der gütigen, wachenden Herrin.
Wenige Momente zuvor hatte noch Unruhe im Kloster geherrscht, die Flammen hatten geflackert, schwere Stiefeltritte hatten in den hohen Gewölben wiedergehallt und innige Gebete waren gesprochen worden. Doch nun war es still. So still, wie es im Kloster sein konnte.
Behutsam kniete die junge Geweihte neben dem abgedeckten Leichnam des Rekruten nieder. Ihre Hände zitterten etwas als sie den Umhang abnahm und auf den geschundenen Leib herabsah. Dort wo sein Kopf sein sollte, sickerte lediglich noch etwas Blut auf die steinernen Platten am Fuße der Statue. Sie schloss für einen Moment die Augen, rang mit der aufkommenden Übelkeit und versuchte sich auf ihre Aufgabe zu besinnen. Dies war ihre Aufgabe. Die letzte Ehre, die sie dem gefallenen Kameraden zukommen lassen konnte. Als sie die Augen wieder öffnete, war sie gefasst und bereit zu tun, was getan werden musste. Behutsam entkleidete sie den leblosen Körper und legte die Rüstung, Uniform und sämtliches andre, was er am Leib trug, sauber gefaltet auf die Seite. Sie mied es den Blick auf die grauenvolle Wunde zu richten und arbeitete still und konzentriert. Die Schale mit Wasser hatte sie bereits bereitgestellt und ebenso die Tücher, so dass sie direkt damit beginnen konnte den Leichnam zu waschen und die schrecklichen Spuren von Blut, Schmutz und Unrat zu entfernen. Sie band die Wunden ab und wusch das Blut vom Boden auf, bis der Rekrut rein und sauber vor ihr lag. Behutsam griff sie nach dem Fläschchen mit dem Öl und benetzte zwei Finger damit, mit welchen sie das Schwingensymbol auf die Brust des Toten malte.

  • Meine Herrin,
    der Klang der Schwerter ist verstummt,
    und gleich einem silbrigen Schatten,
    erahn‘ ich Deinen Blick.
    In Deinem Namen focht er,
    in Dein Licht geht er ein.
    Nimm ihn an Deine Tafel
    Und schenke ihm voll ein,
    denn er starb mit dem Schwert in der Hand,
    und Deinem Namen im Herzen.
Die leisen Worte fanden wie von selbst über ihre Lippen, während sie ihn salbte. Sie spürte dass sie nicht allein war in diesem Moment, sie spürte den Blick der Herrin und sie wusste, dass er zu ihr gegangen war. Die tiefe Gewissheit schenkte ihr etwas Ruhe und die nötige Kraft, auch die letzten Schritte zu vollziehen.
Behutsam wickelte sie den Leichnam in die Totentücher und legte das Kleinod um seinen Hals, so dass das Amulett in Form zweier mächtiger Adlerschwingen auf seiner Brust ruhte. Ihre Arbeit war getan und so brachte sie die Schale mit dem schmutzigen Wasser und die Utensilien fort, bevor sie leise wieder in die Krypta trat und neben dem Rekruten niederkniete.
Das Haupt gesenkt, die kalten Hände vor sich ineinander gelegt, begann sie die leisen Gebete zu sprechen, in der Gewissheit dass er den Weg ins Reich der Herrin angetreten hatte.

Verfasst: Mittwoch 7. Mai 2014, 13:47
von Helisande von Alsted
Der so frisch begonnene Tag endete nicht wie geplant und erhofft mit einem auslastenden Ausflug in Begleitung Baldurs. Ganz und gar nicht. Die beiden Regimentler waren noch nicht ganz an der Erdhöhle angekommen, da hielt ein dunkel gerüsteter Mann auf sie zu. Mit erhobener Waffe und durch den Helm dumpfer Stimme forderte er auf, dass sie sich ergeben sollten. Reflexiv zog die Koproral ebenfalls ihre Waffe und setzt den Helm auf, forderte ihrerseits allerdings dass der Fremde sich zu erkennen gab.Baldur wurde plötzlich hektisch, fast panisch.

Es tauchten für sie nicht sichtbar noch zwei gerütetet Männer auf.
Der Rekrut rief ihr Worte zu, sie sollte fliehen, doch da griff sie der Berittene schon an. Ihr war immer noch nicht klar warum, die Wortfetzen bildeten erst später einen Sinn. Die beiden Soldaten waren wohl in einen Hinterhalt rahalischer Ritter geraten. Wobei allein der Gedanke an Ritterschaft und Hinterhalt in Kombination ihr zu absurd vorkam. Noch absurder wurde die Szene als sie seitens der Rahaler durch ein Kind bereichert wurde. Doch all diese bizaren Blitze aus Gedanken und Eindrücken wurde direkt ausgeblendet.

Die Soldatin kämpfte zu Fuß, der Ritter zu Pferd. Sie war dadurch wendiger, konnte sich in engeren Bahnen bewegen. Er konnte in seine Hiebe mehr Kraft stecken, musste sie aber in einem ungüstigen Winkel ausführen. Der Tanz dauerte eine Weile, es gelang ihr zwar einige Male die Beine des Angreifers wohl zu streifen, jedoch kam ihr nicht der Gedanke mit einem Hieb die Fesseln des Pferdes zu durchtrennen und ihn somit zu Fall zu bringen. Ihr Kopf war nicht klar genug für solche logischen Überlegungen, ihr Kamerad war in Gefahr. Lebensgefahr.
Ein mächtiger Schlag traf sie quer am Hals und lies sie taumelnd umfallen, er Gerüstete wurde in einem harschen Tonfall wohl von seinen Gefährten von ihr weg befohlen.
Erst nach einer quälend langen Zeit konnte sie sich aufrappeln und wieder auf die Männer zu wanken, nur um dort direkt halb besinnungslos zusammen zu brechen. Der andere Ritter stellte sich fast schon schützend in ihre Nähe. Was er vor wem schützen wollte war und blieb unklar, jedoch drang immer wieder etwas zu ihr vor.
Baldur würde kämpfen, kämpfen gegen einen Ahad und das diesmal allein. Ihr ganzes Sein begehrte dagegen auf, der pure Wille zwang den Körper sich zu erheben, die Waffe zu umgreifen und musste dann doch kapitulieren. Sie war kampfunfähig, wenn auch nicht gebrochen.

Sie hörte die Waffen klirren, dann die Stille. Vertraute Stimmen und doch eine tiefe Gewisseheit. Baldur war tot. Das Regiment war ihr gefolgt, ihre Freunde hatten ihre Notiz gefunden und waren ihr gefolgt um sie bei dem Ausflug zu begleiten.
Zu spät.
Der Rest des Geschehens versank im Nebel. Sie fühlte sich fast wie nach einer Dengelei mit Sir Friedrich. Der Geruch von Mocca drang zu ihr durch, die Stimme des Sirs, Taliannas Stimme.
Ruhe.
Stille.
Trauer.
Ein Blatt war gefallen. Sie war nicht ihres Bruders Hüter gewesen.

Verfasst: Mittwoch 7. Mai 2014, 16:05
von Dazen Wolfseiche
  • Vergeltung ist eine Art wilder Gerechtigkeit.
    Sir Francis von Veralum Bacori
Woher die Information genau kam, wusste ich nicht. Es kümmerte mich an diesem Abend auch recht wenig. Lästig war mir nur der Bengel, der mitsollte, und wie stets blieb es an mir hängen, mich um ihn zu kümmern. Also zog ich ihn hinter mir auf den Gaul und wir machten uns zu viert auf den Weg. Mir fiel auf, dass einige der Bruderschaft fehlten. Bedauerlich, aber wohl nicht zu ändern.

Eine Glanzleistung sollte das Ganze auch nicht werden, aber immerhin das eigentliche Ziel erreicht. Zu Anfang schien es noch gut zu verlaufen – relativ gut, wenn man außer Acht ließ, dass da jemand nicht wusste, wer das Sagen hatte. Wenigstens der Bengel spurte einigermaßen, so auf jedes zweite Wort vielleicht. Immerhin ein kleiner Lichtblick. Es brauchte gar nicht lange, da jagte der eine der anderen hinterher mit gezückten Waffen und auf der Lichtung blieb der Verräter mit uns übrigen dreien zurück. Dafür, dass er sich in der Unterzahl befand, spuckte er ziemlich große Töne. Ich schrieb es der Angst zu. Wer vom rechten Glauben abkam, musste in Zweifel ersticken.
Seine Provokationen rührten mich kaum, der Mann rührte mich kaum. Ich kannte ihn viel zu wenig. Das einzige, was ich wirklich gut von ihm wusste, war die Tatsache, dass er einen Waffenbruder umgebracht hatte. Weiteres schien mir nicht mehr wichtig genug zu sein, um auch noch Gedanken daran zu verschwenden.
Als schließlich der Ritter zurückkehrte, kroch wenig später auch die verletzte Regimentlerin heran. Wer sie war, erfuhr ich erst später, und ein klein wenig Genugtuung war schon da, als ich ihren Namen hörte und sah, wie sie zugerichtet war. Aber das wollte ich auf später verschieben. Sie sollte schließlich überleben, damit auch wer berichten konnte, was mit Verrätern geschah, die sich an der Bruderschaft vergriffen. Der Kampf gehörte dem Ahad. Viel bekam ich nicht davon mit, da ich die Frau im Auge behielt. Zwischendurch nahm sie sogar alle Kraft zusammen, die sie noch hatte, um nochmal auf die Beine zu kommen, wenngleich auch erfolglos.
Es blieb nicht viel zu sagen, der Ahad siegte, Baldur versagte. Ich wollte gerade das Weib auf den Gaul verfrachten und zur Grenze bringen, als der Lärm durch das Dickicht hervordrang. Berittene, hörbar gerüstet, ein verfluchter Adler kreischte irgendwo.

„Das erspart mir natürlich Eure Kameradin heimzubringen. Nett, dass Ihr sie abholt.“
Du könntest einmal den Rand halten in so einer Situation, Wolfseiche, lern es endlich.
Die anderen zu warnen, dazu war es bereits zu spät, mit einem flüchtigen Blick hinüber, sah ich gerade wie der Kopf des Verräters abgeschlagen wurde, sah dann wieder vor und widmete mich wieder der Überzahl an Feinden. Je später sie es sahen und mitbekamen, desto erfolgreicher verlief wenigstens das eigentliche Ziel, auch wenn es fraglich war, ob wir überlebten.
Natürlich folgte die Frage, ob er sich ergab. Natürlich war er nicht dumm genug, es nicht zu tun. Alles was die Momente hinauszögerte, die den Tod bedeuteten, gaben ihm Möglichkeiten zu überleben. Es wäre einfach dumm gewesen sich mit dieser Übermacht allein auseinander zu setzen. Da spielte Furcht keine Rolle, es war einfach kalte Berechnung, die mich das Schwert voranreichen ließ. Genauso wie die Tatsache, dass es noch weiter ablenkte, bis getan war, was getan werden sollte und musste.
Es war gerade vollbracht, als das Regiment letztlich ausschwärmte, ich zog nur meinen Gaul von der Verletzten weg, auch wenn es nicht bedauerlich gewesen wäre, wenn Plötze ausgekeilt hätte. Als Revanche für das letzte Aufbäumen und ihren Tritt in meine Richtung, wäre es eine schöne Quittung gewesen. Aber wer sich ergab, blieb friedlich, bis sich eine gesunde Gelegenheit bot, sich davon zu machen, um zu einem anderen Zeitpunkt seine Revanche zu fordern.
In meiner ureigenen Sturheit war ich nicht bereit das Ganze schon als unser aller Ende zu betrachten. Der Tote war mittlerweile entdeckt, Arion floh auf Geheiß hin, nahm das Ross des anderen Ritters mit sich. Gut, wenigstens der Junge. Und ganz vielleicht war er geistesgegenwärtig genug und holte Hilfe. Derweil bekam ich nur halb mit, dass der Ahad einen Zweikampf aushandelte. Ich hatte zwei nette Bewacher, die für meine Belustigung und Erheiterung sorgten und meine Geduld und Selbstbeherrschung auf die Probe stellten. Nicht einmal nur, weil der Zorn in mir schwelte wegen der unplanmäßigen Unterbrechung des eigentlich so netten Ereignisses einen Verräter zu Kra’thor geschickt zu haben, sondern auch weil die versuchten Provokationen mich tatsächlich amüsierten.
Keine Manieren, Beleidigungsversuche, die man kleinen Jungs zuschreiben würde und nun ja, was sollte es, es waren Alumener. Es war nichts anderes zu erwarten gewesen und fast schon ein bisschen niedlich soviel Aufmerksamkeit zu bekommen.
Immerhin lernte ich dazu, dass ein Adler keine Krallen hatte und eigentlich Taube hieß. Wenn das nicht ein guter Anfang war.

Der Zweikampf begann, ich hatte mich dem gerade zugewendet und verfolgte es, so gut es von meinem Platz aus ging – also nicht sonderlich gut. Ich bekam allerdings in aller Deutlichkeit mit, dass der Ahad verlor. Um ehrlich zu sein, wunderte es mich wenig. Er hatte bereits einen Kampf hinter sich und war nicht so ausgeruht, wie der Ritter der Gegenseite. Während des Kampfes war wohl noch jemand davon gekommen, was mich innerlich noch viel mehr zum Knurren brachte, als die missliche Situation an sich. Andererseits sollte ich wohl froh darum sein einen weiteren sicher zu wissen, aber irgendwie hatte das Ganze einen sehr faden Beigeschmack.
Ich brachte noch die Manieren auf dem Kronritter grüßend zuzunicken, als er aufschloss, als auch schon nach mir verlangt wurde. Um meinen Waffenbruder sollte ich mich kümmern. Das wiederum stimmte mich skeptisch, aber ich tat, was verlangt wurde. Und als wäre es ja nun nicht genug des Ganzen gewesen, schickte man uns heimwärts, als der Verletzte im Sattel saß. Nun, die Möglichkeit hatte sich von selbst ergeben. Sehr angenehm fand ich das allerdings nicht. Es nutzte aber wenig sich damit aufzuhalten, also brachte ich den Ahad schnellstmöglich zurück zur Festung, froh darum unterwegs die Lethrusae anzutreffen, die sich um seine Verletzungen kümmern konnte.

Dass es später noch zu einem weiteren Kampf kommen sollte, um den aufgestauten Zorn über ein verpasstes so mies laufendes Ereignis loszuwerden, ahnte ich da noch nicht.
  • Die Welt mag untergehen, wenn ich mich nur rächen kann.
    Cyrano de Bergerac