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Das Ende einer Ära

Verfasst: Sonntag 19. Februar 2006, 19:21
von Said Omar
Said Omar, durch den Putsch in seinem Land Menek'Ur schwer angeschlagen, hatte sich immer mehr zurückgezogen. Auch vor seinen Getreuen, die mit ihm auf Gerimor ihr Dasein bis auf weiteres fristeten, hatte er sich nicht mehr oft gezeigt. Wohl merkte man ihm an, dass er magerer wurde, doch traute sich niemand ihn wohl darauf anzusprechen. Die Tage zogen ins Land bis Said schon vergessen hatte, wie Suppe mit Salz schmeckte.

Dann, an einem kalten Wintermorgen im Kloster Berchgards, wachte der Emir nicht mehr auf. Sein hagerer von der Kälte und der Einsamkeit gemarterter Körper in dem doch wohl bereiteten Bett in dem Kloster der Paladine liegend, hatte sich der Emir wohlwissend für seinen eigenen Tod gebettet. So verwehrte er am Vorabend jeder Gesellschaft den Zutritt zu seinen Räumlichkeiten, und lehnte jedes Essen ab. Nur eine Nachricht war zu finden, auf dem kleinen Schreibtisch, der das Zimmer auf merkwürdige weise wie ein Arbeitszimmer wirken ließ.

"Die Kunst es Herrschens ist es, einer von den eigenen Untertanen zu sein."

[img]http://www.imaginethat.de/alathair/pic/emir.jpg[/img]

Verfasst: Sonntag 19. Februar 2006, 20:21
von Zaina Masari
Ohne zu widersprechen, lies sie ihn allein. Es war sein Wunsch allein zu sein, also wollte Zaina ihn auch nicht weiter stören. Sie zog die Türen der Zimmer sorgfältig hinter sich zu und lies jeden wissen, dass der Emir nicht mehr gestört werden wollte.

Am nächsten Tag brachen einige auf, nach Menek´Ur um die Wege zu ebnen, um dann endgültig wieder "zurückzukehren". Ein wirklich beschwerlicher Weg, doch war er erforderlich.

"Endlich wieder zu Hause" schoss es durch ihren Kopf, doch war alles irgendwie anderst, sie fühlte sich nichtmehr so wohl, wie sie es vorher tat. Jedoch besser, viel besser wie auf dem Festland. Als die Wege ruhig verliefen und eine gewisse Ruhe ins Heimatland gekehrt war, wurde ihr von Aasim und Raakin die Ehre zugeteilt, den Emir wieder zurück in die Heimat zu holen. Sogleich machte sie sich auf den Weg, zurück ins Exil, zurück ins Paladinkloster. Lange dauerte die Schifffahrt nach Berchgard, schier unendlich kam es ihr vor, doch endlich war sie am Ziel angelangt, eilte sie schnellen Schrittes in Richtung Kloster.

Vor der Zimmertür, in dessen Zimmern sich der Emir die letzten Wochen befand, angekommen, klopfte sie zuerst vorsichtig an. Doch rührte sich nichts, sie klopfte nochmals an, da sie nicht einfach ins Zimmer platzen wollte und die Ruhe des Emirs stören, jedoch rührte sich niemand, kein Laut war zu hören. "Soll ich nun einfach hineingehen, soll ich nicht?" ein Gedanke um den anderen hämmerte in ihrem Kopf, ehe sie sich dann dazu entschloss einzutreten. Sie sah sich im Vorraum um, dort war niemand, so ging sie durch das kleine Bad, indem sich auch niemand befand, dann klopfte sie wieder an die Tür, nur kurz und trat daraufhin auch gleich ins Zimmer. Wieder sah sie sich um.

Ihr Blick fiel aufs Bett, indem der Emir lag. Zuerst glaubte sie er würde schlafen, und wollte sich schon wieder aus dem Zimmer schleichen, als ihr Blick auf den Schreibtisch viel, auf dem jene Nachricht lag....

"Die Kunst des Herrschens ist es, einer von den eigenen Untertanen zu sein."

Mit ruhigen Augen sah sie lesend auf den Zettel, Verwirrung machte sich in ihrem Kopf breit. "Was sollte das bedeuten?" ... sie suchte nach einer Erklärung, sah sich im Raum um, als ihr Blick abermals auf den 'geglaubt' schlafenden Emir fiel. Er rührte sich nicht, still lag er da ... "Sah so ein schlafender Mann aus?" ... als sie begriff, was sie in jenem Moment dachte und sah, stürzte sie in stolpernden Schritten aufs Bett zu, um zu sehen, dass er nur schlief. Sie hoffte es innerlich, dass ihr Emir nur schlief. In diesem Moment war ihr egal, was es sie an Strafe kosten würde, dem Emir, ohne das es sein Wunsch gewesen wär, nahe zu kommen. Sie musste sich vergwissern und griff nach seiner Hand. Sie war eiskalt, alles war kalt.

"NEEEEEIIIIIIN!!" ... entfuhr es ihr nur, schreiend, verzweifelt, entsetzt und wütend. Sie brach neben dem Bett zusammen, die Hand des Emirs nicht loslassend und fing an zu weinen. Ein Schluchzen, deutlich zu hören, wenn nicht sogar im ganzen Kloster. "Das kann nicht sein ... das ist nicht wahr ... warum haben wir ihn nur allein gelassen" ... Vorwürfe, Verzweiflung war in ihren Worten zu hören, die sie zu sich murmelte. Da saß sie am Boden, des Emirs Hand haltend, weinend und wartend. Irgendwann erstarrte sie dann, und blickte ins Leere des Zimmers, erhob sich wie in Trance, legte die Hand zurück und faltete die Hände des Emirs verkreutzt übereinander. Starr war ihr Blick auf ihn gerichtet, sanft und doch ohne Ausdruck in den Augen.

Zaina ging zum Schreibtisch hinüber und nahm den Zettel an sich. Sie streifte sich den warmen Umhang über, zog sich die Kapuze über und ging wie in Trance zurück zum Hafen, um dort zurück nach Menek´Ur abzulegen.

"Raakin ... Aasim ... ich musste ihnen den Zettel bringen und ihnen berichten!" den wohl einzigen Gedanken in diesem Moment. Immernoch war ihr Blick starr, verzweifelt und die Tränen rannen ihr nur über die Wangen, doch kam kein Laut mehr über ihr Lippen.

Auf Menek´Ur angekommen ging sie direkt zu Raakin´s Turm. Sie rüttelte schwach an der Eisentür, ihr Gesicht sprach Bände. Als Raakin öffnete, reichte sie ihm wortlos jenen Zettel, den sie am Schreibtisch fand und brach zusammen, die Welt um sie herum wurde schwarz, sie konnte nicht fassen, was geschehen war ...

Verfasst: Sonntag 19. Februar 2006, 22:01
von Saheeb Masari
Ein Tag, wie er sie kannte. Sand. Salz.

Saheeb war endlich wieder zuhause. Er hatte keine Ahnung, ob die Verräter, diese heimtückischen Sklaven ihrer dämonischen Herzen sich ergeben hatten, sich ausgeliefert hatten. Ob der Großwesir einen Kompromiss erreichen konnte. Ob sie nun Sklaven ihrer einstigen Freunde waren. Und... wenn er ehrlich mit sich selbst war, es war ihm auch ziemlich egal.

Luft. Die flimmernde, erhitzte Luft auf Menek'Ur. Er hatte sie vermisst. Den Geruch des salzigen Wassers, das an der Küste des Landes spülte, der Fische, die sich darin tummelten. Das fröhliche Geschrei der Delfine, die nicht weit von der Küste entfernt ihre fröhlichen Spielchen trieben und einem damit unweigerlich ein Schmunzeln aufzwangen. Das Gefühl des leichten und feinen Sandes unter den Sandalen, golden bis gelb, der einen sanften Tritt und geschmeidige Bewegungen erlaubte.

Es war sein Zuhause, dass er nach Wochen wieder betrat. Menek'Ur, die goldene Insel, das Land der Wüste und der Sonne, Heimat der Menekaner und Geschenk der Eluive. Nie hatte er sich vorstellen können, dieses Land verlassen zu müssen. Nie war ihm je in den Sinn gekommen, dass auch bei Menekanern Probleme vorherrschen könnten, wie sie die einfachen Wilden vom Festland beschäftigten. Bürgerkriege, Konflikte um die Herrschaft eines Volkes - es schien alles wie eine Ansammlung primitiver Freizeitbeschäftigungen von Festländern. Es war alles so weit weg, diese ganzen Probleme - und doch so nah. Denn kaum hatte er sich aus seiner Phase der Eigenbrötelei und der Selbstfindung wieder befreit und war zurück gekehrt nach Hause, schienen auch die Probleme die Insel der Wüste zu erreichen. Plötzlich stellten sich Menekaner, die man einst als Freunde in der Taverne begrüßte und denen man zuprostete, gegen den Emir, den unanfechtbaren Herrscher eines Hauses, dem die Führung von Eluive selbst zugeteilt worden ist. Nicht nur für Saheeb mochte diese Veränderung einen Zusammensturz des alten Ideals bedeuten.

Die Wochen auf dem Festland waren beschwerlich, aber dennoch auch ereignis- und vor allem erfahrungsreich gewesen. Beinahe mit Befremden stellte er fest, dass es auch Festländer gab, die den Menekanern halfen in ihrer misslichen Lage. Ihm war bewusst, er selbst hatte nie besonders gut von den Festländern gesprochen und gedacht. In seinen Augen waren sie Wilde, Primitivlinge, die höchstens geeignet waren, ihm hin und wieder Gold für ein paar Säcke voll dem weißen Gold zu geben. Mit einem Mal musste er seine Meinung verändern, er sah die Bewohner Gerimors plötzlich mit etwas anderen Augen. Ohne Gegenleistungen einzufordern halfen sie den Vertriebenen und verschleierten ihren Aufenthaltsort.

Auch das Festland selbst war ihm fremd gewesen. Der kalte, graue Stein, aus dem Straßen wie Häuser gebaut waren, nasse, grüne Wiesen, teilweise weiß bedeckt vom Schnee, Holzbauten, massiv und wuchtig gebaut... die ganze Architektur war so anders als das, was er gewohnt war. Die Sprache... er hatte die Handelssprache natürlich in der Schule damals gelernt, auf die sein Vater ihn geschickt hatte. Aber er sprach sie immer noch mit unverkennbarem Akzent, und noch immer vertauschte er Wörter, brachte er Konstruktionen durcheinander. Sprach manchmal sogar einfach in Menekanisch weiter, wenn ihm das passende Handelswort nicht einfiel. Es war alles so verwirrend und anders, dass er sich nur noch nach Hause sehnte.

Nun war er zuhause. Er genoß die Sonne, den Sand, das Wasser... er saß stundenlang am Meer, angelte und schaute dabei in die klaren Fluten hinaus, in denen sich das gleißende Licht der Sonne spiegelte. Er stand stundenlang in der Salzmine, umgeben von weißglänzenden Wänden, starrte manchmal minutenlang einfach nur auf die schillernden Salzkristalle, die Tränen Eluives, und blühte sichtlich wieder auf. Trotz allem, was vorgefallen war, näherte sich auch den "Verrätern" wieder ein wenig an. Er wusste ja nicht, was geschehen war, um das menekanische Volk wieder zu vereinen. Und er würde ihnen niemals den Verrat an ihrem Oberhaupt verzeihen. Aber er war auch nicht mehr erpicht darauf, sein Leben in Hass und Streit zu begehen. Er wollte nicht ständig anderen Vorwürfe und damit anderen und sich selbst das Leben zur Hölle machen. Manchmal, wenn er in der Mine stand, schien er sich selbst inkonsequent zu sein. Er fragte sich sogar, ob er nicht Verrat beging an seinem Emir, indem er seine Feinde nicht mit Verachtung und Hass strafte.

Dann wiederum war er sich sicher, dass der Emir, so verletzt und enttäuscht er sein mochte von seinem Volk, dass er sicherlich kein Interesse daran hatte, es für immer zu entzweien. Letztenendes war die Einheit der Menekaner doch das Ziel, dass er anstrebte. Zumindest hoffte Saheeb das innerlich, zum einen, weil es wohl das beste für das Volk sein würde, zum anderen, weil er dann selbst befreit wäre von seinen Zweifeln.


Es war schon wieder mindestens eine Woche, vielleicht zwei her, als er dieses ungute Gefühl verspürte. Er stand wieder in der Mine, hatte die Spitzhacke gerade weit über den Kopf erhoben, als er dieses dumpfe Gefühl empfand. Irgendetwas war passiert. Es war wie ein dumpfes Pochen, wie ein Gedanke, der alle anderen überlagerte. Es war etwas passiert. Und er kannte dieses Gefühl, denn er hatte es schon einmal verspürt. Mit einem mulmigen Kribbeln im Bauch stapfte er, die Picke in der Hand und den Sack mit dem geschürften Salz über die Schulter geworfen, hinaus ins Sonnenlicht. Mit einer Hand schirmte er die Sonne von seinen Augen ab und blickt in richtung Menek'Ur. Es war das selbe Gefühl wie damals.

"Zaina?"

Verfasst: Montag 20. Februar 2006, 13:43
von Raakin Yazir
das erste was Raakin tat war Zaina in den Turm zu bringen und dort auf ein Bett zu legen damit sie sich ausruhen konnte. Dann blickte er lange auf den Zettel mit der Handschrift des Emirs. Immer wieder las er die Worte, während er fassungslos seine Hand vor den Mund hielt und Tränen auf das Papier tropften.

Er ging dann mit dem Abschiedsbrief zum Stadthalterbüro, dies würde ein langes Gespräch werden, wusste er und er wusste nicht wie Aasim reagieren würde obwohl er sein bester Freund war. Ja, er wusste nichteinmal zu sagen ob Aasim reif für das war was ihm nun bevorstand.
Raakin würde ihm mit seiner gesamten Familie - den treuen Yazirs - so dienen wie er es immer tat, voll Aufopferung und Hingabe.

Während er lief machte sich jedoch auch Zorn in seinem Herzen Luft. Diese Schlangen waren Schuld... jene die den Emir zum Gehen zwangen und versuchten ihm seines Landes zu enteignen. Raakin würde jeden auf der Stelle töten der ein schlechtes Wort über Said Omar verlor wüsste er nicht, daß es eben jener Wille war Frieden einkehren zu lassen.