Kirschblütenduft
Verfasst: Sonntag 23. März 2014, 22:29
Im Grunde bot sich dem geneigten Passanten ein angenehmes Bild im Flur des Palastes zu Adoran:
Vor des Freiherren Wohnungstüre, seines Zeichens Kronritter unter König Ador Segenus Corbidian Victor von Alumenas, stand ein kleines Körbchen. Darin ein kleiner Zettel samt einiger wundervoll fruchtig anmutender Vertreter ganz besonders schönen Steinobstes. Jener Zettel war wohl an den Knappen des Kronritters adressiert und offenbar längst entdeckt worden, denn das kleine Schreiben war sowohl aufgefaltet als auch von kirschroten Fingerabdrücken besudelt und ruhte wieder in dem Präsentbehälter. Schamlos unschuldig.
Es handelte sich um ein wahres Stilleben.
Ein wahres Stilleben, sah man von dem zuckenden, halb bewusstlosen Palastdiener ab, der es nicht einmal bis zur Türe des Kronritters geschafft hatte, einfach mal ab. Irgendeine sonderbare, vielleicht magische, Macht hatte den Pagen davon abgehalten, seinen Weg, an der Türe des Sirs vorbei, fortzusetzen. Irgendeine übernatürliche, unglaublich mächtige, Kraft hatte ihn nach wenigen Schritten in Sichtweite der kronritterlichen Wohnung zusammenbrechen lassen. Gestorben war er nicht - immerhin konnte man das eine oder andere wimmernde Würgen vernehmen. Aber was setzte dem Atem- und Sprechapparat, dem Gleichgewichtssinn und allgemeinen Wohlbefinden des unglückseligen Jungen derart zu?
Hatte er sich an einem Kirschkern verschluckt? Wohl kaum, denn bis zu dem Körbchen hatte er es gar nicht geschafft. War es etwa Morbus Ilias, wovon so mancher Gelehrter sprach, wenn ein Mann sein eigenes Gewicht ohne Zuhilfenahme alchemistischer Tinkturen nicht mehr halten konnte? Ebenso unwahrscheinlich. Der Page war ein integerer und maßvoller Zeitgenosse und hatte wenig mit alchemistischen Exzessen am Hut.
Hatte er etwas Furchtbares gesehen, einen Geist vielleicht - ein Verbrechen gar, oder etwas Abscheuliches geroch...
"Was bei Temora stinkt denn hier so?", das nächste Opfer näherte sich. Es war ein weiterer Palastdiener, der eine der aushängenden Warnungen vor dem Verzehr der versendeten Kirschen in Händen trug, um womöglich unwissende, potenzielle Opfer dieses zweifelhalften Streiches zu warnen.
Dieser Diener erwies sich als nicht ganz so unvorsichtig wie der erste seiner Art, sondern stieg die Treppe - den Pfad ins olfaktorische Verderben - zunächst nicht hinauf. Stattdessen wunderte er sich schlicht lautstark weiter. "Das stinkt ja, als hätten ein Ettin und ein Oger... tote Ratten.. Also wirklich!". Er zog sich seine Mütze vom Kopf und hielt sie vor die Nase. Das half nicht. Darum zog er zusätzlich noch sein Hemd hinauf ins Gesicht. Davor ein Tuch. Und einen Handschuh. Und noch ein Tuch. Mit gehörigem Entsetzen stellte er fest, dass die Objekte, die seinem Schutz dienen sollten, einfach diesen Geruch, der selbst die tiefsten Plumpsklos aller Höllen zu Himmelreichen wohlduftender Glückseligleit degradierte, annahmen.
Dann fasste er sich, entgegen aller Vernunft, ein Herz und stieg die Treppe Stufe für Stufe hinauf. Eine Wand aus immer intensiver werdendem Gestank stellte sich ihm entgegen und drohte, ihm die Sinne zu rauben. "Setz einen Fuß vor den anderen, einfach weitergehen... Nicht aufhören... Du schaffst das."
Kurz bevor auch jenes zweite Opfer des Kirschblütendufts ins dunkle Reich der Bewusstlosigkeit hinüberglitt, nahm er noch folgende Dinge wahr:
Seine Hand, die mit letzter Kraft eines der Fenster zum Innenhof öffnete (Und damit das Ende des Reiches Alumenas heldenhaft, weil lüftend, verhinderte!) sowie das erleichterte Grunzen des Knappen von Sir von Schwertfluren untermalt vom dröhnenden Geräusch einer unnatürlich lautstarken Flatulenz in die Örtlichkeiten seines Herren und Meisters.
Das erklärte zumindest, warum der Knappe an jenem Abend nicht auf dem Feste gesehen ward.
Vor des Freiherren Wohnungstüre, seines Zeichens Kronritter unter König Ador Segenus Corbidian Victor von Alumenas, stand ein kleines Körbchen. Darin ein kleiner Zettel samt einiger wundervoll fruchtig anmutender Vertreter ganz besonders schönen Steinobstes. Jener Zettel war wohl an den Knappen des Kronritters adressiert und offenbar längst entdeckt worden, denn das kleine Schreiben war sowohl aufgefaltet als auch von kirschroten Fingerabdrücken besudelt und ruhte wieder in dem Präsentbehälter. Schamlos unschuldig.
Es handelte sich um ein wahres Stilleben.
Ein wahres Stilleben, sah man von dem zuckenden, halb bewusstlosen Palastdiener ab, der es nicht einmal bis zur Türe des Kronritters geschafft hatte, einfach mal ab. Irgendeine sonderbare, vielleicht magische, Macht hatte den Pagen davon abgehalten, seinen Weg, an der Türe des Sirs vorbei, fortzusetzen. Irgendeine übernatürliche, unglaublich mächtige, Kraft hatte ihn nach wenigen Schritten in Sichtweite der kronritterlichen Wohnung zusammenbrechen lassen. Gestorben war er nicht - immerhin konnte man das eine oder andere wimmernde Würgen vernehmen. Aber was setzte dem Atem- und Sprechapparat, dem Gleichgewichtssinn und allgemeinen Wohlbefinden des unglückseligen Jungen derart zu?
Hatte er sich an einem Kirschkern verschluckt? Wohl kaum, denn bis zu dem Körbchen hatte er es gar nicht geschafft. War es etwa Morbus Ilias, wovon so mancher Gelehrter sprach, wenn ein Mann sein eigenes Gewicht ohne Zuhilfenahme alchemistischer Tinkturen nicht mehr halten konnte? Ebenso unwahrscheinlich. Der Page war ein integerer und maßvoller Zeitgenosse und hatte wenig mit alchemistischen Exzessen am Hut.
Hatte er etwas Furchtbares gesehen, einen Geist vielleicht - ein Verbrechen gar, oder etwas Abscheuliches geroch...
"Was bei Temora stinkt denn hier so?", das nächste Opfer näherte sich. Es war ein weiterer Palastdiener, der eine der aushängenden Warnungen vor dem Verzehr der versendeten Kirschen in Händen trug, um womöglich unwissende, potenzielle Opfer dieses zweifelhalften Streiches zu warnen.
Dieser Diener erwies sich als nicht ganz so unvorsichtig wie der erste seiner Art, sondern stieg die Treppe - den Pfad ins olfaktorische Verderben - zunächst nicht hinauf. Stattdessen wunderte er sich schlicht lautstark weiter. "Das stinkt ja, als hätten ein Ettin und ein Oger... tote Ratten.. Also wirklich!". Er zog sich seine Mütze vom Kopf und hielt sie vor die Nase. Das half nicht. Darum zog er zusätzlich noch sein Hemd hinauf ins Gesicht. Davor ein Tuch. Und einen Handschuh. Und noch ein Tuch. Mit gehörigem Entsetzen stellte er fest, dass die Objekte, die seinem Schutz dienen sollten, einfach diesen Geruch, der selbst die tiefsten Plumpsklos aller Höllen zu Himmelreichen wohlduftender Glückseligleit degradierte, annahmen.
Dann fasste er sich, entgegen aller Vernunft, ein Herz und stieg die Treppe Stufe für Stufe hinauf. Eine Wand aus immer intensiver werdendem Gestank stellte sich ihm entgegen und drohte, ihm die Sinne zu rauben. "Setz einen Fuß vor den anderen, einfach weitergehen... Nicht aufhören... Du schaffst das."
Kurz bevor auch jenes zweite Opfer des Kirschblütendufts ins dunkle Reich der Bewusstlosigkeit hinüberglitt, nahm er noch folgende Dinge wahr:
Seine Hand, die mit letzter Kraft eines der Fenster zum Innenhof öffnete (Und damit das Ende des Reiches Alumenas heldenhaft, weil lüftend, verhinderte!) sowie das erleichterte Grunzen des Knappen von Sir von Schwertfluren untermalt vom dröhnenden Geräusch einer unnatürlich lautstarken Flatulenz in die Örtlichkeiten seines Herren und Meisters.
Das erklärte zumindest, warum der Knappe an jenem Abend nicht auf dem Feste gesehen ward.