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Ein ganz normaler Tag in Nilzadan

Verfasst: Samstag 8. März 2014, 17:54
von Hrorin Graufels
Es ist ein ganz normaler Tag in Nilzadan. Die Essen glühen, die Steinbeißer mampfen friedlich an ihren Steinen und die Graik exerziert und übt sich im Kampf. Doch vor Balendils Taverne, wo der alte Wirt wieder das Essen verbrennt, haben sich schon einige Schaulustige und kleine Zwerglinge versammelt.

Sie spielen und rennen herum, doch sie hören schlagartig auf als endlich die Tür von Graufels' Höhle aufgeht und der Bierbeauftragte heraustritt.
Da steht er wieder und für die Kinder fängt der Spaß jetzt an.
"Bierläufer! Bierläufer!" rufen sie fröhlich dem etwas grummelig dreinblickenden Kurzbart zu, dem die ganze Aufmerksamkeit etwas gegen den Nerv zu gehen scheint.

Nur in einem mithrillblauen Kilt steht er da, so wie es das Ritual verlangt.
Die Kinder tänzeln um ihn herum und jubeln, als er noch einmal tief durchschnauft und anfängt sich in Bewegung zu versetzen.

Wieder einmal setzt der Bierbeauftragte zum Bierlauf an, denn wie er bereits weiß sind die Fässer in der Graik wieder leer. Und es ist seine heilige Pflicht und Aufgabe sie nun wieder aufzufüllen. Den Weg von seiner Wohnung bis zur Brauhalle hat er dem Ritual nach im Kilt zurückzulegen, denn das Brauen ist eine schwere Arbeit. Die riesigen Bündel Weizen sind immens schwer und verlangen viel Körperkraft.

Mit langen Tönen intoniert er die uralten Lobgesänge auf den Bergvater während er schnellen schrittes in Richtung seines Zieles läuft. Ihm auf den Fersen durch die Straßen der Stadt im Berg ist noch immer eine bunte Schar kleiner Zwerglinge, die quietschvergnügt mitrennen, herumtänzeln und begeistert "Cirmias!" zu den Lobgesängen rufen und miteinstimmen. Vereinzelt klackern einige Steinbeißer an ihren Pfosten und Anbindestellen aufgeschreckt mit ihren Fühlern und Zangen.

Zwischen den Häusern schauen auch einige alte Zwerge hervor und schwelgen in Kindheitserinnerungen, als auch sie dem damaligen Bierbeauftragten bei seinem Bierlauf hinterhergerannt sind und sich gefreut haben. Und so manches Lächeln zeichnet sich da hinter kunstvoll verzierten und geflochtenen Silberbärten ab. Und so mancher leckt sich schon die Lippen in Vorfreude auf das neue Bier, das bald fertig sein mag.

Der Bierlauf des Bierbeauftragten ist wirklich ein Schauspiel, das aus dem Alltag Nilzadans kaum mehr wegzudenken ist.
Schon hat der Bierbeauftragte die Kinderschar um sich herum weggescheucht und waltet seiner Arbeit. Ho-He! hieft er die schweren Bündel auf seine breiten Schultern und bereitet die neuen Fassladungen vor. So stark ist er, dass er die Fässer bis oben hin mit Bier versehen können wird, ganz ohne Spuk und Trank. Aber schwitzen tut er dennoch aus allen Poren und als die Arbeit getan ist, wischt er sich froh den Schweiß ab und trinkt als Lohn das rituelle letzte Bier der vorangegangenen Braureihe.

Zugegeben, das letzte Bier aus dem Fass ist meist nicht das Beste, aber so sind die Traditionen nunmal.
"Pfuideibel, macht das die Spucke dick. Und Pisswarm ist es auch noch! Wäh! Richtig abgestanden", denkt sich Hrorin als er das Gebräu traditionsgemäß austrinkt. Aber er wird sich hüten seine Gedanken über das heilige Bräu so auszusprechen. Nicht hüten wird er sich aber davor möglichst viel davon möglichst unauffällig irgendwo auszuleeren oder verschwinden zu lassen. Es ist auch ein breiter Krug, da kann schonmal etwas am Mund vorbeischwappen, so ist das halt.

Dann läuft er mit der Schelle in der Hand zurück nach Hause und verkündet traditionell den Ruf des Bierbeauftragten durch die Straßen und Gassen und über den Markt.

So weiß ein jeder: Für neues Bier ist schon gesorgt. Der Bergvater vergisst seine Kinder nicht und schenkt ihnen weiterhin das kostbarste Bräu. Dafür haben die Bierbeauftragten der Khaz-Aduir stets Sorge zu tragen, wie schon der Priester Ingosch einst lehrte.

Verfasst: Montag 26. Januar 2015, 17:31
von Hrorin
Später, ja sogar viel später als sonst üblich hatte Hrorin dieses Jahr damit begonnen. Noch immer hatte er mit den Folgen seiner Verletzung zu kämpfen und musste sich seine Fähigkeiten wie von kleinauf neu anlernen. Neue Talente waren hinzugekommen, manch altes Talent fand er nie wieder, so schien es.

Doch nun, da er sich wieder des Brauens erinnern konnte, da tat er es auch den anderen Brauern seines gleich. Überall hingen sie schon, die Norgoroth von Nilzadan. Und auch er hatte sich in den letzten Tagen die benötigten Rohstoffe besorgt. Einen Stab um den Norgoroth aufzuhängen, einen alten Zwergenhut und etwas Kleidung.

Der Norgoroth, eine Puppe aus Stroh, war eine alte Brauersmanntradition bei den Kaluren. In den Wintermonaten, wo es schwer war frischen Braustoff zu besorgen, hatte es sich eingebürgert dass man zum Schutz von Brau und Haus einen eben solchen Strohmann am Haus aufhängt.
Er würde, so der Glaube der Zwerge, wie ein Blitzableiter die Ungeister und Untugenden anziehen und in sich aufsaugen und an sich binden - so dass der Brauer sie nicht zu vertreiben braucht. Der Brauer kann so auch im Winter unbesorgt brauen, das Bier wird immer gelingen. Denn der Norgoroth mit seinen langen Armen und Beinen fängt die Ungeister ab.

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Der Norgoroth ist tatsächlich eine bizarre Karikatur eines Zwergen.
Mit grotesk langen Armen und Beinen wird er aufgehangen und sorgt bei vielen für Schmunzeln, während vereinzelte kleinstzwerglinge aber auch schon Angst vor den seltsam ungeformten Figuren gehabt haben sollen.

So hängt der Norgoroth den Winter über, während draußen Schnee liegt, an den Häusern und Brauereien und sorgt für ein reibungsloses Ablaufen des Brauvorganges. Wenn aber der Schnee der Wärme gewichen ist und die warme Jahreszeit Einzug hält auf Gerimor, da werden die Norgoroth abgenommen und in einem feierlichen Zug zum Scheiterhaufen gebracht wo sie in einer großen Feier mitsamt aller Untugenden und Ungeister verbrannt werden.