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Es war die Nachtigall und nicht die Lärche
Verfasst: Dienstag 14. Januar 2014, 18:52
von Benjamin Acalon
Willst du schon gehen? Der Tag ist ja noch fern. Es war die Nachtigall, und nicht die Lerche, Die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang; Sie singt des Nachts auf dem Granatbaum dort. Glaub, Lieber, mir: es war die Nachtigall.
Romeo und Julia von William Shakespeare
Was fanden die Menschen eigentlich an Schiffen? Ich meine, was war so gut daran? Sie waren langsam und bestanden nur aus ein paar Holzplanken, die nicht dicker als eine Hand breit waren. Außerdem schwankten sie fürchterlich.
Warum konnte man keine.. ich weiß auch nicht, Drachen nehmen, auf denen man ritt? Vögel abrichten, die einen in großen scharen über das Meer flogen. Oder einfach keine Inseln entdecken und bebauen.
Ja – Das war die beste Idee. Keine Inseln.
Trotzdem war ich nun auf dem Weg zu einer Insel. Das Holz um mich herum knatschte bedrohlich und erinnerte mich immer wieder auf seine ganz eigene Art daran, wie schnell solche Bretter brechen konnten.
Wie gut waren wohl meine Chancen auf dem offenen Meer zu überleben? Vor allem wie lange? Ich bin ein guter Schwimmer, aber ich bin kein Fisch.
Mein Magen krampfte und mir war übel.
Aber das war eindeutig unlogisch. Ich liebe Wasser. Ich schwimme gern und lass mich in den Wellen treiben. Ich war bisher noch nie auch nur kurz davor unter zu gehen.
Das Schiff ist schuld. Alle Schiffe sind schuld.
Die Überfahrt dauerte gefühlte Monate. Ich weiß nicht genau wie lange man braucht. Aber ich war wirklich erleichtert, als ich das Schiff endlich verlassen konnte. Auf dem festen Boden schwankte ich noch leicht, aber das verging.
Ich musste nur stark gegen den Drang ankämpfen, mich nicht auf die Knie zu werfen und den Boden zu küssen.
Begegnungen über Begegnungen
Verfasst: Dienstag 14. Januar 2014, 19:26
von Benjamin Acalon
Königstochter jüngste, mach mir auf!
Königstochter, mach mir auf, weißt du nicht was du mir gestern versprochen hast?
Der Froschkönig von den Brüdern Grimm
Das erste, was passiert, wenn man an einen neuen Ort kommt, ist das man jede Menge Leute kennen lernt. Zumindest wenn man so ein aufgeschlossener Typ ist, wie ich das bin.
Die erste Person, die ich kennen gelernt habe war.. mhm.. ich weiß gar nicht mehr wer das war. Ach aber ich weiß noch sehr genau mit wem ich als erstes aneinander geraten bin. Der Pirat. Dunkel gekleidet, bedrohlich guckend und mit seiner Frau zusammen das innigste Liebespärchen, das ich seit langem gesehen habe. Es fehlte wirklich nur noch, dass sie sich gegenseitig die Sätze beenden und kleine Vögel piepsend um ihre Köpfe kreisen, wenn sie sich küssen.
Ich hatte das lauthals (und wahrheitsgetreu) als niedlich bezeichnet und mir deswegen fast eine eingefangen. So spielt das Leben.
Dann war da noch dieser widerliche, rosa gekleidete Glatzkopf. Pardon, violett gekleidet. Er hat mich angesehen, als hätte er mich am liebsten aufgefressen. Wuäah.
Die weitaus angenehmere Begegnung war die Schneiderin. Hübsch, freundlich und für seinen Geschmack doch etwas zu höflich und unsicher. Ich vermute sie denkt einfach zu viel nach, statt den Moment zu genießen. Aber das Problem hatten wirklich viele Leute.
Sie schenkte mir nicht nur Kleidung, wir beschlossen auch, zusammen auf den Märchenball zu gehen. Und oben drauf bekam ich noch ein wundervoll besticktes Wassermannkostüm. Das leider von fast allen für ein Froschkostüm gehalten wurde. Ich bin nun mal ein alter Wasserpatscher.
Gerade in diesem Moment fiel mir wieder auf, wie schwer es für mich war, ehrliche Begeisterung zu zeigen und meine emotionale Maske für ein paar Minuten abzulegen. Jeder hat eben seine Macken.
Der Ball war schön, die Spiele eher albern. Das erste verlor ich bewusst. Denn obwohl ich knapp einen Herzschlag früher am Stuhl war, als die Elfe neben mir, stand ich wieder auf, damit sie sich nicht auf meinen Schoß setzen musste. Ein Ehrenmann halt.
Dafür gewann ich einen Preis für mein Frosch/Wassermann Kostüm, den ich ebenfalls ehrenhaft mit der Schneiderin teilte. Ich nahm den Alkohol und sie den roten Glaskelch. Das mit dem Ehrenmann hatte ich vorher ja schon erwähnt.
Dann waren da noch die Heiler und die Bäuerin aus Adoran. Ich ließ mir Geld und Geschenke zustecken und tat brav so, als wäre es mir unangenehm. Ich bin eben ein Ehren.. ach das hatten wir schon.
Heiler zu kennen war immer gut. Vor allem wenn man, wie ich, über das Talent verfügte Ärger magisch anzuziehen. Meistens kam ich zwar, wortwörtlich, mit einem blauen Auge davon, aber dennoch, Heiler sind immer hilfreich.
Genauso hilfreich wie die Bäuerin. Nun wusste ich wo ich hingehen könnte, wenn ich mal wieder nichts mehr in den Taschen hatte und zu faul bin, mir selbst etwas zu beschaffen. Es gab bei ihr nur keinen Alkohol.
Es gibt noch zwei weitere Begegnungen, die ich erwähnen möchte. Zum einen die Waldläuferin, die ihr Gesicht verdeckt hat und sich einfach nur zum Reden zu mir ans Feuer gesetzt hatte. Eine seltsame Frau. Sie sprach ein paar Worte der Wüstenbewohner. Trotzdem war sie mehr den Katzenspinnern zugetan.
Die andere war ebenfalls eine von den Katzenspinnern als Rahal. Sie lud mich dahin ein, in ihre Taverne und versprach mir sogar Hilfe. Doch ob ich wirklich mal darin gehen würde, wusste ich noch nicht. Ich mag diese ganze düstere, böse Strenge nicht. Aber die oberrechtschaffenden Adligen waren auch nicht viel besser.
Aber eines ist klar. Entscheidet man sich für eine Seite, wird sich die andere für einen verschließen.
Bärenkind und Froschjunge
Verfasst: Dienstag 28. Januar 2014, 02:10
von Benjamin Acalon
Erwachsen werden ist so eine barbarische Angelegenheit... Voller Unannehmlichkeiten.
Peter Pan von James Matthew Barrie
Ich hatte wirklich nichts getan. Wirklich. Trotzdem musste ich von dem Balkon runter klettern, auf einen Baum, damit ich überhaupt mal am Boden ankam.
Jetzt tat mein Bein wieder weh. Verdammter Wolf, verdammter Onkel.
Letzterer war sogar doppelt Schuld an der Sache. Wegen ihm funktionierte meine eine, elementare Gliedmaße nicht mehr richtig. Und damit meine ich immer noch mein Bein und nicht das, was ihr nun wieder denkt.
Ich hatte seiner Nichte, dem Bärenkind, ja noch nicht einmal etwas getan. Ich war wirklich ganz brav gewesen, obwohl ich sie gut leiden konnte.
Naja, gut ich hatte sie erschreckt. Ein bisschen, aber sie kann sich wehren, das musste ich am eigenen Leib erfahren.
Jaa, ich hatte sie dann noch zum Weinen gebracht. Aber ich hatte sie auch getröstet und sie in meinen Arm genommen. Ob das nun so für mich spricht, ist eine andere Geschichte.
Gut, ich hatte auch so getan, als hätte sie mich am Bein erwischt, damit ich sie in den Schnee werfen konnte. Aber sie hat mich auch umgeschmissen..
Ich habe auch mit Schneebällen geworfen und sie gekitzelt, aber sie hat sich geweht!
Mir ist klar, dass ich sie auch geärgert und geneckt habe. Das war aber auch nicht schlimm, immerhin hat sie dasselbe getan.
Ich weiß, dass ich dann auch noch auf dem Fell neben ihr gelegen habe. Aber ich habe sie nicht angefasst! Im Gegenteil, sie hat mir fast den Arm ausgekugelt, als ich sie gefragt habe, ob ich in ihrem Bettchen schlafen dürfte! Das ist ja wohl ein Punkt für mich.
Mh, obwohl.. ich habe alle ihre Törtchen aufgegessen. Kein Wunder das sie mich den Baum runter gejagt hat, damit ihr Onkel mich nicht um die Ecke bringt.
Ohja, das muss es gewesen sein.
Ganz bestimmt.
Tänzerin, Bärenkind, letztes Blatt im Kalender
Verfasst: Dienstag 18. Februar 2014, 15:50
von Benjamin Acalon
Der einzige Unterschied zwischen einer Laune und der ewigen Liebe besteht darin, dass die Laune etwas länger dauert.
Das Bildnis des Dorian Grey von Oscar Wilde
Es ist immer wieder nicht leicht für mich, zu zusehen wie ein Mädchen zu heulen anfängt. Ich kann nicht einmal genau sagen wieso, aber ich mag es nicht.
Dummerwiese war ich es, der sie immer wieder zum Weinen brachte. Meine kleine Geschichte hatte sie schon so sehr mitgenommen. Dabei war das nur ein Vorgeschmack dessen, was mich umgibt seit ich denken kann. (Das ist zwar noch nicht allzu lange, aber ich verbitte mir blöde Witze an dieser Stelle.)
Wir sind wie Tag und Nacht. Aber daher kommt vermutlich auch der Ausdruck ‚Gegensätze ziehen sich an‘.
Ich habe sie gern, das leugne ich auch nicht, meistens jedenfalls. Aber ich liebe das Bärenkind nicht. Früher oder später würde ich ihr das auch erklären müssen. Außerdem könnte ich es nie verantworten, sie mit hinab in meine Welt zu ziehen. Sie würde all dem Nicht standhalten können und vielleicht sogar daran zerbrechen. Das konnte ich erstrecht nicht verantworten.
[img]http://s7.directupload.net/images/140218/jf7wqslj.jpg[/img]
Nun hatte ich mich aber auch um andere Dinge zu kümmern.
Meine Schritte führten mich an diesem Abend wieder in die Bibliothek. Diesmal war ich mit einem Notizbuch und Stiften bewaffnet. Ich hatte mir selbst ein Zeitlimit von einer Woche gesetzt. Dann wollte ich einen Termin machen und es einfach versuchen.
Mir viel schnell auf, dass ich anscheinend mehr gelernt hatte, als ich es selbst bemerkt hatte. Einige der Fragen konnte ich inzwischen sehr viel besser beantworten.
Das war wirklich faszinierend. Wo ich doch ein Mensch war der Gesetze für Richtlinien hielt und für den Tugenden daraus bestehen, dass man Bier nicht auf Wein trinken sollte.
ich hielt diesen Gedanken im Notizbuch fest. Wenn mich mal wieder jemand fragt, wer ich bin, war das doch eine sehr schöne Antwort.
Nachdem ich mir, so zum Ausklang, noch ein paar der besonderen, menekanischen Bücher angesehen hatte, verließ ich die Bibliothek wieder. Ich hatte ab und zu das drängende Gefühl hier zu stören, weil ich einfach zu oft kam.
ich schüttelte den Gedanken ab und stapfte wieder in den Schnee und den eisigen Wind hinaus. An Schlaf war aber noch nicht zu denken.
Ich hatte noch etwas anderes zu tun.
Re: Tänzerin, Bärenkind, letztes Blatt im Kalender
Verfasst: Donnerstag 24. April 2014, 18:02
von Benjamin Acalon
Wenn ich Pinocchio wäre, würde meine Nase jetzt da vorn durch die Scheibe stoßen und alle Tauben der Stadt könnten darauf Platz nehmen...
Der Herr der Diebe von Cornelia Funke
Es wäre gelogen zu sagen, dass ich keine Angst habe. Im Gegenteil, eigentlich bin ich jemand, der oft Angst hat. Nur kann ich das ziemlich gut verbergen. So wie immer, ich setze mir die Maske aufs Gesicht, die jedes Gefühl unterdrückt.
Allerdings lässt mich diese Angst nicht hilflos erstarren. Im Gegenteil, ich beiße um mich wie ein tollwütiger Hund. Diese Eigenschaft habe ich vermutlich von meinem Vater geerbt.
Als die zwei Gestalten in die Bibliothek traten, ergriff mich dieses Gefühl wieder. Das leichte, innerliche vibrieren, das die Organe zusammen drückte. Gepaart mit einer ganzen Armee von Schauern, die einem wie hunderte Ameisen den Rücken runter krabbelten.
Kurz gesagt, Angst.
Die kleine Hexe hinter mir, erstarrte zur Salzsäule. Das war nicht gerade hilfreich. Denn hätten wir fliegen müssen, wäre sie in diesem Zustand ein Hindernis gewesen. Nur zurücklassen konnte ich sie auch schlecht. Nicht, das sie mir sehr viel bedeuten würde, aber wir hatten uns kurz zuvor wieder einigermaßen vertragen. Sie zeigte sogar erstaunlich viel Verständnis. Ein großer Fortschritt.
Nun da ich allein zwei Kerlen in schwarzen Roben gegenüber stand, waren Ideen wie weglaufen oder angreifen nicht die Besten. Also tat ich das, was ich am besten konnte, Reden.
Die Katzenspinner fragten nach der Leiterin der Bibliothek.
Wisst ihr, in so einem Fall ist es immer am besten, man behauptet diese Person absolut oder wenn nur ganz flüchtig zu kennen. Generell sollte man nicht damit herum posaunen, mit adligen oder anderen, hohen Tieren befreundet zu sein. Einfach als ..eh Sicherheitsmaßnahme.
Ich persönlich habe es, wie schon erwähnt, generell nicht so mit der Wahrheit.
Allerdings stimmte es tatsächlich, das ich sie weder wecken konnte, noch Zugang zu ihrem Schlafzimmer hatte. Beziehungsweise, das ich hinterher nicht mehr lebend aus dem Schlafzimmer rauskommen würde. Wenn ich denn wüsste, wo sich das ominöse Zimmer überhaupt befindet.
Die beiden großen, bösen Männer drohten sogar damit, die kleine Magierin mit sich zu nehmen. Ich war wirklich kurz davor, sie genau davor zu warnen, da dieses Mädchen eine der größten Nervensägen ist, die ich kenne.
Ich habe es nicht gesagt. Bekanntlich haben die Leute aus dem Westen keinen großen Sinn für Humor.
Letztendlich lief es darauf hinaus, dass die Beiden mir eine Nachricht für die Lehensherrin mitgaben. Daraufhin verschwanden sie wieder, ohne weiter zu nerven.
An dem Punkt kommt meine Tendenz zur Unwahrheit wieder ins Spiel. In der Tat hatte ich weder der eigentlichen Empfängerin, noch dem Regiment bei meiner Aussage die volle und richtige Botschaft überbracht.
Damit wollte ich allerdings nur sicherstellen, dass meine adlige Freundin diesem Treffen nicht zustimmen würde. Also war es eigentlich nicht gelogen, ich verdrehte das Ganze nur soweit, dass es nach einer offensichtlicheren Falle klang.
Im Nachherein war es also gar nicht so schlecht, das die kleine Magierin apathisch in der Ecke gesessen und nicht alles mitbekommen hatte. Zumindest hoffe ich das.
Die Flucht
Verfasst: Sonntag 4. Mai 2014, 22:48
von Benjamin Acalon
Dean: Ich schaff' das nicht alleine
Sam: Doch, das schaffst du.
Dean: Ja, ich will aber nicht.
Supernatural
Ich blickte in den Spiegel. Es war definitiv noch mein Gesicht, aber es sah anders aus. Die Haare, ordentlich gekämmt, das Hemd war sauber und der Kragen gerade. Meinen neue Kette trug ich um den Hals.
Den Kopf drehte ich leicht nach links und nach rechts. Musterte den jungen Mann dort im Spiegel von beiden Seiten. Ja ich war bereit. So könnte ich in den Palast gehen. An die paar Regeln zu denken, würde auch nicht schwer werden. Auf die Knie gehen, verbeugen.
Der Mann im Spiegel lächelte süffisant. Er macht sich über mich lustig. Ich bin Schausteller, aber sicher kein feiner Herr.
Etwas packte mich, auf eine seltsame Art und Weise. Ich spürte einen kalten Zug im Nacken und schauderte.
Angst holte mich ein.
Als nächstes erinnere ich mich nur noch daran, wie ich laufe. Wie ich fliehe, vor niemandem. Vor der Verantwortung. Vielleicht auch nur vor mir selbst.
Ich renne.
Und ich renne…
Schon wieder sehe ich mein Gesicht in einem Spiegel. Es sah mehr nach mir aus. Wirre Haare, schmutz auf dem Hemd und ein Blatt, welches in meinem Kragen steckt.
Ich nehme das Blatt aus meinem Kragen und lasse es zu Boden segeln. Als es auf die Oberfläche des Spiegels trifft, verzerrt es diese in kleine Wellen. Nur Wasser.
Was habe ich nun bloß wieder getan? Um zurück zu kehren, dafür was es nun zu spät.
Ich blieb einfach an dem kleinen Teich sitzen. Mein Gesicht spiegelte sich noch immer auf dem Wasser, es sah ausdruckslos zu mir hoch.
Der Frosch durchbrach mit seinem Kopf zuerst die Wasseroberfläche und blinzelte. Mit einem Satz hopst er schwungvoll auf ein nahes Seerosenblatt.
„Sie werden Fragen, wo du gesteckt hast. Quark. Was willst du ihnen sagen, Quark?“ Fragte der Frosch mit heller Stimme.
„Es wird nicht auffallen. Nicht bei mir.“ Erwiderte ich brummelnd.
„Und wen dohoch? Quark.“ Bohrte der Frosch weiter, mit einem nervig, langgezogenen Unterton.
„Dann habe ich tausend und eine Ausrede parat und jetzt stör mich nicht, alter Wasserpatscher.“ Ich war genervt. So ein dreister Frosch.
„Quark, du starrst doch nur das Wasser an.“ Der Frosch blinzelte und guckte unschuldig drein. Konnten Frösche überhaupt unschuldig schauen?
Ich holte mit der Hand aus und schlug nach ihm. Doch er verschwand vorher mit einem leisen Platsch ins Wasser. Meine Hand schlug gegen etwas Hartes und ich erwachte abrupt aus meinem Traum. Ich lag mit dem Kopf auf den Bohlen des kleinen Stegs.
Als ich mich aufrichtete und in das Wasser sah, war dort kein Frosch. Vor allem keiner, der sprach oder unschuldig dreinschaute.
Verfluchte Fantasie. Murrte ich und richtete mich auf. Es war schon dunkel. Ich machte mich davon, ehe mich einer fragen konnte, warum ich auf einem Steg gelegen und geschlafen habe.
Auge um Auge
Verfasst: Dienstag 8. Juli 2014, 17:47
von Benjamin Acalon
I realize the screaming pain.
Hearing loud in my brain.
But I'm going straight ahead, with the scar.
Flow - Sign Intro
Ich hatte wirklich Mühe an diesem Abend nach Hause zu kommen. Meine Schritte wurden immer schwerer. Doch irgendwann erreichte ich tatsächlich meine Haustür.
Als ich in den Raum trat empfingen mich Dunkelheit und stille.
Eine Kerze entzündete ich nicht. Mir kam die Dunkelheit gerade recht. Die paar Schritte in meinen Schlafraum zehrten seltsam stark an meiner Kraft. Ich war wirklich erleichtert, als ich mein Bett erreichte und darauf nieder sank.
Ob nun ein paar Augenblicke, oder ganze Stunden vergingen, war mir hinterher nicht ganz klar. Nun lag ich einfach dort und starrte an die Decke.
Kleine, unsichtbare Hände schienen von innen gegen mein Gesicht zu klopfen. Als hätten die Muskeln um meine Nase herum beschlossen, das Gesicht zu verlassen. Also hämmerten sie mit Fäusten im Takt gegen die Haut. Zudem schienen sie immer wieder an und abzuschwellen. Wellen aus purem, stechendem Schmerz huschten durch mein Gesicht und brachten mich zum stöhnen.
Ich hielt es nach einer Weile nicht mehr aus, still liegen zu bleiben. Mühsam erhob ich mich vom Bett, so ganz schien mein Körper nicht mehr das machen zu wollen, was ich von ihm verlangte. Außerdem musste ich feststellen, das mir noch immer Blut aus der Nase tropfte. Mein Hemd war definitiv schon hinüber, aber die Kissen hatten auch was abbekommen. Kein wunder das ich mich so schlapp fühlte.
Mit einer Hand stützte ich mich auf den Rand des kleinen Waschbeckens, schöpfte mit der anderen ein wenig Wasser und ließ es über mein Gesicht rinnen. Die Berührung allein war kaum zu ertragen. Das Wasser unter mir nahm in kurzer Zeit eine rostrote Farbe an. Das war einer der Momente, in denen ich erleichtert war, keinen Spiegel zu besitzen. Ich war wenig erpicht darauf, meine zermatschte Nase so genau zu betrachten. Das Gefühl allein reichte mir schon.
In dieser Nacht schlief ich nicht gut. Aber das war dank meiner gebrochenen Nase nicht weiter verwunderlich. Außerdem machte ich, dank Schlaflosigkeit und andauernden Schmerzen, seltsame Gefühlsschwankungen durch. Von Verzweiflung bis zu grenzenlosem Hass, auf den Mann, der mir mein Gesicht zertrümmert hatte. Schlimm genug, das ich auf mein Kopfkissen einschlug und mir vorstellte, es wäre sein Gesicht.
Am nächsten Tag tat ich das, was am vernünftigsten war. Ich ging zum Hospital und ließ mich wieder zusammen flicken. Zumindest musste ich mir dieses mal keine Witze über das Amputieren von dem Opa gefallen lassen. Auch wenn das die Situation seltsam ernst machte.
Dank meiner nörgelnden Magier Freundin besorgte ich mir Tags drauf Schmerzmittel und konnte endlich wieder ruhig schlafen.
Abgesehen von den Schmerzen und den ständigen Fragen, was ich denn angestellt hätte, fraß sich noch etwas anderes in mir fest.
Irgendwann, früher oder später, werde ich es ihm zurück zahlen. Irgendwann, wenn er auch nur einen Moment lang unaufmerksam ist, werde ich da sein.
Freundschaften
Verfasst: Montag 21. Juli 2014, 15:25
von Benjamin Acalon
Thorin:"Axt oder Schwert? Welche Waffe ist die eure?"
Bilbo:"Ich werfe eine ganz elegante Rosskastanie, wenn ihr es wissen wollt."
Der Hobbit – Eine unerwartete Reise
Sie ist so viel stärker als ich. Das war mir schon länger klar. Aber heute wurde es mal wieder deutlicher. Diese Stärke und Sicherheit wünschte ich mir. Doch war es das wirklich? Konnte überhaupt jemand so selbstsicher sein?
Ich bin es jedenfalls nicht. Zu unsicher, zu schnell am zweifeln und zu viel Angst.
Außerdem machte es mich wahnsinnig, zum Spielball dieses Mannes zu werden. Doch einfach alles, was ich tat, hatte keine Wirkung. Er war mir in wirklich jeder Disziplin haushoch überlegen. Genau das machte mir Angst. Dennnoch war ich nicht bereit, mich einfach zu ergeben. Ganz egal wie aussichtslos und dämlich meine Bemühungen waren, kampfslos würde ich mich nie hingeben.
Ich fiel dieses Mal nicht nur sprichwörtlich auf die Nase.
Am Ende jedoch war ich ihm fast schon dankbar, das er mich gehen ließ. Dankbar, das ich mich nicht in die Reihe der Verschleppten dieses Krieges stellen musste. Zumindest jetzt noch nicht. Immerhin konnte ich die Reaktionen im Lager beobachten. Die Wut der Soldatin. Mich würden sie nicht so schnell vermissen, letztendlich aber trotzdem merken, das ich verschwunden wäre.
Ich wollte ihnen nicht auch noch Sorgen oder Ärger bereiten. Nicht schon wieder.
Das war auch der Hauptgund, warum ich beschlossen hatte, das Lager nicht mehr zu verlassen. Ich folgte damit auch seinem Befehl/Anweisung/Ratschlag, aber das war einfach zweitrangig.
Vorerst ging es einfach nur darum, sich nicht wieder in Schwierigkeiten zu bringen. Das allein war bei mir schon leichter gesagt, als getan.
Ich war wirklich wütend, als die Magierin mir mein kleines Scheingeschäft mit den Piraten versaute. So leicht hätte ich noch nie an einen kleinen Haufen Gold kommen können. Wenn man von den hundert Kronen absieht, die ich mir geliehen und nie zurück behalt habe.
Freundschaften sind immer so eine Sache für sich. Entweder nerven sie dich mit ihrer Moral, oder sie verbieten dir, irgendwas zu tun, weil es zu gefährlich ist.
Doch nur ein falsches Wort, eine falsche Tat und alles bricht auseinander. Freundschaft ist zerbrechlich, wie ein Stück Glas. Wenn du glück hast, ist es massiv und stark. Wenn du pech hast, hatt es bereits einen Riss, noch bevor du es in die Hand genommen hast.
Nun, mit der Verletzung an meiner Schulter, war ich ohnehin verdammt auf dem Wachposten zu bleiben. Ich konnte meinen Bogen nicht richtig spannen und wenn doch, tat es höllisch weg. So würde ich nie ein Ziel treffen.
Doch hatte ich zumindest ein paar sehr erfreuliche Dinge erlebt. Ich hatte in diesem ganzen Getümmel diesen Arkorither ausfindig gemacht und auf ihn geschossen. Ob ich getroffen habe, oder nicht war mir relativ egal. Allein zu sehen, wie er zu Boden geschleudert wurde, tat wirklich gut.
Grenzübergänge
Verfasst: Sonntag 3. August 2014, 17:48
von Benjamin Acalon
Irgendwas stimmt nicht, aber ich weiß nicht mal was. Ich weiß nicht einmal, woher ich weiß, dass etwas nicht stimmt. Da ist nur dieses merkwürdige Gefühl, das die Welt nicht so ist, wie sie sein sollte.
Würfelwelt von Kai Olsberg
Ich tat so oft so viele ungemein verbotene Dinge, das sich schon niemand mehr wunderte, wenn es wieder soweit war. Zumindest die Wachen an den Toren von Berchgard nicht. Sie tauschten nur Blicke, als ich mich in dem langen, unauffälligen Mantel an ihnen vorbei schlich.
Vermutlich schlossen sie sogar Wetten ab, mit wie vielen Verletzungen ich mich dieses Mal nach Hause schleppen werde.
Ich lief den Weg bis nach Adoran hinunter. Einfach weil ich dringend ein bisschen frische Luft nötig hatte. Erst dann nahm ich die Kutsche bis nach Bajard und verschwand dort, so schnell wie ich konnte, im Wald.
Als ich meinen kleinen Ausflug über die Grenze geplant habe, hatte ich beschlossen, mir alle Häuser einzeln vorzunehmen. Also ging ich von Haus zu Haus, wobei ich vor allem auf die Wachen und neugierige Nachbarn achtete.
Bis ich den Namen fand, welchen mir die Gardistin so blauäugig genannt hatte, dauerte es nicht lange. Als ich daraufhin zu den Fenstern schlich, um mir das Innere des Raumes anzusehen, sah ich sie.
Nur das sie es nicht mehr wirklich war. Ihr Gesicht war das einzige, was mich noch an die kleine Hexe erinnerte.
Die ganzen Verletzungen, ihre Kleidung und vor allem der Blick, mit dem sie mich wenige Momente später ansah, verrieten es mir. Sie wusste nicht, wer ich war. Sie mochte nicht einmal mit mir sprechen, oder überhaupt zum Fenster kommen.
Es dauerte eine Weile, bis sie so viel Vertrauen gefasst hatte. Weil ich ihr nicht sagen konnte, was ich sagen wollte, denn das hätte ihr normales Bewusstsein vorausgesetzt, versuchte ich ihrer Gehirnwäsche entgegen zu wirken. Sie war wirklich leicht zu manipulieren. Sehr leicht. Aber ein leeres Gefäß mit Worten und Gedanken zu füllen, ist auch keine Kunst.
Meinen Entschluss hatte ich schon gefasst, bevor ich die Konsequenz daraus überhaupt realisiert hatte. So groß meine Hoffnungen auch sind, es ist sinnlos für etwas zu kämpfen, das nicht mehr existiert.
Die kleine Hexe von damals war entweder bereits verstorben, oder so tief in ihrem Kopf vergraben, das es nur mit großer Mühe möglich war, ihr Bewusstsein wieder auszubuddeln. So hart das auch klingt, wozu die Mühe, wenn sie sich hinterher doch wieder in ihrem Wahnsinn verlor.
Der kurze Zusammenstoß mit ihrem ‚Herrn‘ hatte etwas Gutes. Dass ich es mit ihm aufnehmen und ihn sogar zurück drängen konnte, bedeutete für mich, dass ich gar nicht so schwach war, wie ich zuvor dachte. Mein Selbstbewusstsein kehrte langsam wieder zurück. Ich durfte mich einfach nicht so schnell verunsichern lassen. Das ist allerdings leichter gesagt, als getan.
Ich ging die ganze Strecke nach Berchgard zu Fuß zurück. Ich war so sehr mit den vielen Gedanken beschäftigt, dass ich Teile des Weges kaum wahrnahm.
Erst als ich am Stadttor ankam, wurde ich wieder wach.
Ich hatte damit begonnen, einen Plan zu spinnen, der alles Verbotene übertraf, das ich bisher getan hatte. Und damit meine ich wirklich alles.
Außerdem hatte ich nicht vor, das Püppchen, das mal meine Freundin war, so einfach zu vergessen. Ihr war der Weg zurück verschlossen worden. Aber das hieß ja nicht, dass es keinen Weg nach vorn gäbe. Zudem hatte ich das drängende Bedürfnis, den Beiden irgendwas anzutun, die für ihre Situation nun verantwortlich waren.
Als ich mich in die Richtung meines Hauses begab, hätte ich schwören können, dass hinter meinem Rücken kleine Goldbeutel ausgetauscht wurden.
Re: Grenzübergänge
Verfasst: Samstag 30. August 2014, 13:24
von Benjamin Acalon
Ich habe nie geheiratet, weil ich drei Haustiere zu Hause habe, die den gleichen Zweck erfüllen wie ein Ehemann. Ich habe einen Hund, der jeden Morgen knurrt, einen Papagei, der den ganzen Nachmittag flucht und eine Katze, die spät in der Nacht nach Hause kommt.
Marie Corelli
Magier waren paranoid. Ganz besonders paranoid. Nur, weil ich mir einen Kater in Bajard gekauft hatte, hieß das nicht, dass ein verwandelter Magier dahinter steckte.
Der kleine, schwarze Kater erfüllte allerdings auch nicht die Voraussagungen meiner liebsten, paranoiden Magierin.
Er kam immer wieder zu mir. Auch wenn er sich oft stundenlang draußen herum trieb. Oder gelegentlich erst mitten in der Nacht zu mir ins Bett kroch, er kam immer wieder.
Ich brauchte lange, um mich auf einen Namen für den kleinen Rumtreiber festzulegen. Nach viel hin und her nannte ich ihn Strolch. Das passte ungemein gut.
Mir war nun schon klar, dass meine Nachbarn als erstes zu mir kommen würden, wenn ihre eigenen Hauskatzen kleine, schwarze Katzenkinder zur Welt brächten.
Ja, Strolch passte wirklich sehr gut zu ihm.
Der Kater redete viel. Auf seine ganz eigene Art. Soweit ich es, aus meiner stark eingeschränkten Erfahrung sagen konnte, war das bei Katern normal. Er mauzte mir laufend die Ohren voll.
Nach und nach lernte ich ihn allerdings verstehen. Nicht inhaltlich. Aber je nach Situation änderten sich sein Tonfall und die Dringlichkeit.
Zum Beispiel:
Kommt gerade von draußen, nasses Fell, helles, kreischendes Mauzen = Beschwerde über das Wetter
Sitzt vor dem leeren Fressnapf und mauzt dauerhaft in der gleichen Tonart = Essen nachfüllen oder Essen nicht akzeptabel
An stupsen = Aufmerksamkeit
Der kleine Kater erzählte noch eine Menge anderer Dinge, doch zumindest den Teil hatte ich entschlüsselt.
So einen kleinen Untermieter zu haben, war neu für mich und ein wenig seltsam. Ich hatte noch nie vorher ein Haustier. Im Waisenhaus waren keine erlaubt und während meiner Reisen so gut wie unmöglich zu halten.
Mit Strolch in meinem Haus, fühlte ich mich nicht mehr so einsam. Auf der anderen Seite zeigte er mir überhaupt erst auf, wie einsam ich mich gefühlt habe.
Ich hatte mich in den letzten Tagen stark zurückgezogen, was das Leben im Herzogtum anging. Mir ging es nicht gut, wirklich gar nicht gut. Mal abgesehen von Strolch, hatte ich niemanden zum Reden. Gerade die Gespräche mit meiner Magier-Freundin fehlten mir sehr. Aber sie war in Arbeit versunken und hatte keine Zeit.
Ansonsten bekam ich nur Besuch von der jungen Frau, die mir Strolch verkauft hatte. Ich mochte sie, doch immer wenn sie vor mir stand, kratzte irgendwas tief hinten in meinem Kopf. Da war etwas. Irgendeine Kleinigkeit an ihr, etwas das sie gesagt oder getan hatte, ließ mich immer wieder stutzen. Ich konnte mich beim besten Willen nicht daran erinnern, was es war.
An dem Abend, als der Ball stattfand, entschied ich mich auch wieder, mein Haus nicht zu verlassen. Ich fühlte mich nicht gut und wusste, dass ich so keine Stimmung dort verbreiten konnte. Natürlich fragte ich mich, ob ich Bescheid sagen sollte. Oder ob sie sauer waren, weil ich einfach nicht kam. Aber im Grunde war es auch hier das gleiche, auf mich konnten sie sicher verzichten.
Immer wieder, wenn ich auf meinen Spaziergängen, an diesem Schild vorbei kam, hielt ich an und mich ergriff das vage Gefühl von Enttäuschung. Ich schritt dann nur schnell weiter. Auch dort hatte ich nichts mehr verloren.
Im ganzen Herzogtum schien es für mich einfach keinen Platz zu geben. Zumindest keinen, für den ich mich nicht in eine Form pressen lassen und mit dem großen Strom schwimmen musste.
Ja, Ben. Sagte ich laut zu mir selbst. Solche Sätze heben auf jedem Fest garantiert die Stimmung.
Nur gut, das ich dort fern geblieben bin. Bei meinem Glück und meinem stark ausgeprägten Talent Ärger wie magisch anzuziehen, hätte ich ihnen am Ende noch den Ball kaputt gemacht.
Die Hölle Alatars
Verfasst: Dienstag 2. September 2014, 17:54
von Benjamin Acalon
„Den Schreck dieses Augenblicks werde ich nie vergessen“ fuhr der König fort.
„Du wirst ihn vergessen“ sagte die Königin „es sei denn, du errichtest ihm ein Denkmal.“
Alice im Wunderland von Lewis Caroll
Die Strahlen der Sonne tasteten sanft über mein Gesicht. Es fühlte sich warm und angenehm an. Nur meine Augen lagen im kühlen Schatten, den die Blätter des Obstbaumes auf mich warfen. So dass ich nicht geblendet wurde, als ich meine Augen öffnete und in den Gaten sah.
Ich bewegte mich mühsam, eigentlich hatte ich gar keine Lust dazu, aber ein leichter Schubs reichte, um die Hängematte wieder ins wiegen zu bringen. Gleich darauf verkroch ich mich wieder bis zum Hals unter dem Fell und sah der Welt dabei zu, wie sie auf und ab schwankte.
Schon wieder hatte ich nicht schlafen können, trotz der Mittel, die ich mir selbst eingeflößt hatte. Durch Schmerz und Schlafmittel betäubte ich mich selbst.
Die Träume begannen immer wieder ruhig und freundlich. Doch das änderte ich schnell. Bis alles in einem wilden Strudel aus Angst und Dunkelheit versank. Vor meinem inneren Auge wirbelten Bilder von Blut, Stein, Gittern und Gesichtern der dunklen Elfen entlang. Hämisches Lachen, das Rasseln der Ketten und das Knallen, gefolgt von Schreien in der Ferne. Spätestens dann riss es mich mit Gewalt aus dem Schlaf. Danach fand ich einfach keine Ruhe mehr.
Ich konnte ohne das Licht einer Kerze nicht einmal durch mein Haus gehen und selbst das machte mich nervös. Überall in den Schatten, dort wo das Licht in der Nacht nicht hinein drang, schien sich etwas zu bewegen. Immer wieder musste ich mich zusammenreißen. Ich musste mir sagen, dass dort nichts war und auch nichts sein konnte.
Trotzdem kam ich nicht zur Ruhe.
Selbst im strahlenden Sonnenlicht, wenn ich versuchte ein paar Stunden Schlaf nachzuholen, verfolgte es mich in meine Träume.
In so gut wie jeder Nacht, in der ich wach lag und die Zimmerdecke anstarrte, fragte ich mich, wie ich das ganze wieder los werden sollte. Mir war klar, wenn ich nicht endlich Schlaf und Ruhe fand, würde ich nicht so schnell darüber hinweg kommen. Es zehrte an meiner Kraft.
Vielleicht sollte ich mit irgendjemandem darüber sprechen? Jemandem, der sich mit sowas auskannte? Mir fielen gleich mehrere Leute ein. Doch ich wusste auch, dass ich die mitleidigen Blicke kaum ertragen konnte. Eigentlich wollte ich auch nicht darüber reden. Es war schon schlimm genug, das die junge Heilerin sehr aufgeregt von dem berichtete, was vor Bajard passiert war. Ich mochte es nicht, wie sie mich ansahen.
Bisher hatte auch niemand vom Regiment von mir verlangt, zu berichten. Sie gingen davon aus, dass ich bei Piraten gelandet wäre und da gibt’s wirklich nicht viel Interessantes. Keiner von ihnen wusste, was wirklich mit mir passiert war.
Das war mir ganz recht so. Ich mochte wirklich nicht über alles berichten. Vielleicht war es besser, vielleicht würde es mir helfen, aber ich wollte nicht. Ich konnte es nicht, noch nicht.
Ich war nicht einmal in der Lage auf die Frage ‚wie es mir geht‘ ehrlich zu antworten. Nein, es geht mir nicht gut. Mir ist eher zum Heulen zu mute. Doch alles verschwand wieder hinter einer Maske. Damit keiner von ihnen bemerkte, wie schwach und hilflos ich mich tatsächlich fühlte.
Für eine gefühlte Ewigkeit war ich in der Hölle des Brudermörders gefangen. Ich bin lebendig wieder zurückgekehrt, obwohl ich mit meinem Leben schon abgeschlossen hatte. Sie hatten versucht mich aufzuhängen und ich lebte immer noch.
Falls es so etwas wie Schutzengel gab, dann hatte meiner in den letzten Tagen wirklich alle Hände voll zu tun.
Mein Erzfeind
Verfasst: Sonntag 28. September 2014, 01:17
von Benjamin Acalon
Ist er ein großer Zauberer? Oder.. mehr so wie du?
Der Hobbit - Eine unerwartete Reise
Ich glaube, das die Leute im meinem Umfeld bereits wussten, oder ahnten, das ich mich nie an die Regeln hielt. Jedenfalls wurden meine Geschichten, von Einbrüchen und Prügeleien oder meine ständigen Verletzungen mit wenig Verwunderung aufgenommen.
Seit dem ich meinen Fuß auf diese verfluchte Insel gesetzt hatte, gab es kaum eine Woche, in der ich nicht mit blauen Flecken, Prellungen, Wunden oder Brüchen herum gelaufen bin.
Keiner von ihnen hatte meine Lügen je hinterfragt. Vielleicht wollen sie es einfach nicht so genau wissen.
Jedenfalls wunderte es niemanden, wenn mein Haus mal wieder Tagelang unbeleuchtet und leer da stand. Weil ich wieder unterwegs war, um etwas ungemein Dummes zu tun. Denn das ist meine Spezialität.
Der Plan hatte soweit wunderbar funktioniert. Es war fast ein bisschen zu einfach und genau das hätte mich eigentlich stutzig machen müssen. Aber ich war stolz auf mich. Ungemein stolz.
Ganz allein hatte ich einen Arkorither in seinem eigenen Haus in Ketten gelegt.
Ich, ganz allein.
Für ein paar Augenblicke dachte ich darüber nach, ihn nach Adoran zu bringen. Einfach nur, um ihre Gesichter zu sehen. Doch mein Plan sah etwas anderes vor. Ich hatte Fragen und suchte Antworten.
Es war durchaus angenehm, mit ihm zu sprechen, ohne sich laufend auf die Lippen beißen zu müssen. Ich sah sogar mehrmals, wie er sich beherrschen musste, um mich nicht zu reizen. Ich sprach keine Drohungen aus und ich wollte ihn auch nicht verletzen, wenn es nicht unbedingt sein musste. Dafür hatte ich immerhin das Schlafmittel.
Wir sprachen sehr lange, über verschiedene Sachen. Ich lernte meinen Erzfeind besser kennen.
Auf eine sehr unangenehme Art wurde mir klar, wie sehr mir die Gespräche mit ihm gefielen. Der Magier war einer der wenigsten Menschen, der zuhörte. Wenn nur sein ständiges Gerede über Alatar nicht wäre.
Eigentlich ging es zwischen uns recht harmonisch zu, doch das änderte sich, als diese Frau dazu kam. Nein, dieses Küken!
Eigentlich hatte ich sie nur zu ihm geführt, um endlich Gewissheit über ihre Gesinnung zu bekommen. Mir kam erst hinterher in den Sinn, das ich sie so nicht mehr laufen lassen könnte. Denn sie würde mich garantiert verraten.
Dank ihr wurde die Situation verworrener und kippte schließlich. Weil ich volltrottel mal wieder den Helden spielen musste.
Ich hätte ahnen müssen, dass er ihr nicht wirklich irgendwas antun würde. Trotzdem versuchte ich zu helfen und wurde damit bestraft, dass der Magier nach mir Schlug.
Er brauchte genau zehn Herzschläge, um sich von seinen Ketten und dem rötlichen Metall zu befreien, ohne die Schlüssel in der Hand zu haben.
Mir wurde in dem Augenblick schmerzhaft klar, dass er wieder mal nur mit mir gespielt hatte. Ich kam jedoch nicht dazu, viel weiter darüber nachzudenken. Zum einen wegen dem stechenden Schmerz in meinem Kopf, zum anderen, weil er nun mit schnellen Schritten auf mich zukam.
Ich schwankte drauf los, um zu fliehen und kam ungefähr drei Schritte weit. Bis er mich packte, umdrehte und die Welt um mich herum abrupt in Dunkelheit versank, dank seiner Faust natürlich.
Aufgegeben
Verfasst: Sonntag 5. Oktober 2014, 02:00
von Benjamin Acalon
Lily: What's happening?
The Doctor: No idea. Just do what I do: hold tight and pretend it's a plan.
Doctor Who (Matt Smith)
Meine Verzweiflung wuchs mit jedem Tag, der verging.
Ich war zwar der Gefangenschaft des Magiers entkommen, doch ich konnte ihn kaum aus meinem Kopf verbannen. Es waren die Gespräche mit ihm und mit ihr. Denn er hatte mich an den Platz verbannt, an dem ich ihn zuvor festgehalten hatte.
Beinahe eine Woche lang hatte ich keine Chance wegzulaufen. Bis ich es dann doch geschafft hatte. Nein, ich lief weg, weil er mich ließ.
Als ich wieder in meinem Haus war, ging es mir auch nicht viel besser. Meine Gedanken kreisten immer und immer wieder über das Geschehene. Über ihre Worte und die Bedeutung und über sie.
Ohne es wirklich zu wollen, schien ich sie zu mögen.
Bis zum letzten Moment hatte ich noch darauf gehofft, dass ich mich irrte, was ihre Gesinnung anging. Aber mein Gespür traf, wieder einmal, voll ins Schwarze.
Doch da war etwas anderes, das mich schmerzte.
Sie hatten mich nicht vermisst. Nicht einmal die Beiden, mit denen ich ein Fest plante.
Das lag vielleicht auch an meinem Lebensstil, daran das ich ohnehin immer tue, was ich will und mit kaum jemandem wahrheitsgetreu über meine Gefühle spreche.
Mir war auch klar, dass sie sich wegen mir nicht erpressen ließen. Aber, dass es nicht einmal auffiel?
Wie könnte ich da anders antworten, als das ‚alles bestens‘ wäre. Nun mochte ich auch nicht vor einem Haufen Leute, mitten auf der Straße, meine Gefühle preisgeben.
Theoretisch wäre ich mit all dem bei dem Kloster, oder der Diakonin richtig aufgehoben. Aber gerade sie hatte viel zu tun und sie schien immer so furchtbar beschäftigt, dass ich es als falsch empfand bei ihr auch noch meine Probleme abzuladen.
Aber andererseits, wie nah stand ich eigentlich schon an der Klippe?
Von dem Glauben an Temora, hatte ich mich schon vor einer ganzen Weile entfernt.
Ich trug nicht mal mehr das blaue Halstuch, das ich vor einer Weile noch nie ablegte.
Allerdings hingen auch Erinnerungen an diesem Stückchen Stoff, die ich ebenso in irgendeine Schublage gestopft hatte.
Ich fragte mich, nicht zum ersten Mal, wie es wäre, eine Familie zu haben. Wie es wäre, nicht mit jedem Problem und jeder Kriese allein fertig werden zu müssen.
Gelegentlich, wenn mir die Einsamkeit zu viel wurde, wuchs in mir das Bedürfnis, einfach wegzulaufen. So wie ich es immer getan hatte.
Vor wenigen Tagen war ich wirklich kurz davor, ein paar Sachen zusammen zu werfen und einfach zu verschwinden.
Aber noch hatte ich ein Fest vor mir und ich wollte die Beiden nicht in Stich lassen. Außerdem musste ich koordinierter vorgehen, damit der Magier nichts bemerkte.
Immerhin hatte mein Kater sich noch nicht nach einem anderen Herrchen umgesehen. Er schien meine Abwesenheit ganz gut verkraftet zu haben.
Mein einsamer Lebensstil hatte auch ein paar gute Seiten. Ich musste mir keine Gedanken darum machen, wo ich die Bücher versteckte, die ich dem Arkorither gestohlen hatte. Sie konnten auch im Regal stehen denn zu mir kam so gut wie niemand zu Besuch, egal wie oft ich es auch anbot.
Ich musste niemandem erklären, warum ich eine ganze Kiste voller Dietriche hatte. Niemand schielte schräg auf meine, durchaus beachtliche, Alkoholsammlung und niemand machte mir Ärger, wenn ich mal wieder etwas Verbotenes vorhatte.
Leider brachte mich das alles nicht von meinen, durcheinander geworfenen, Gedanken weg.
Doch all das würde schon bald bedeutungslos sein. Denn ich hatte meine Entscheidung längst gefällt.
Ich werde den Ball hinter mich bringen und dann genau das tun, was ich am besten kann. Weglaufen.
Wenn dir nichts mehr bleibt..
Verfasst: Sonntag 5. Oktober 2014, 22:33
von Benjamin Acalon
Ich hab doch nicht deswegen geweint. Ich hab geweint weil mir mein Schatten immer abgeht. Außerdem hab ich nicht geweint.
Peter Pan von James Matthew Barrie
Mir war klar, dass die Leute um mich herum ganz gerne mal ihre Probleme bei jemandem abluden, der sich verständnisvoll zeigte. Daran war im Grunde auch nichts falsch. Jeder brauchte durchaus mal wen, der ihm zuhörte. Manche sogar öfter. Doch fragte ich mich immer wieder, warum ausgerechnet ich dafür herhalten musste.
Andererseits, was hätte ich sagen sollen? ‚Halts Maul und verschwinde‘? Das war definitiv nicht meine Art.
Selbst wenn sie kamen, um mir zuzuhören schwenkte das Gespräch immer wieder um.
Mir fiel es so schon so ungemein schwer, über diese Dinge zu sprechen. Das machte es nicht gerade einfacher.
Wie so oft fragte ich mich nun auch wieder, ob sie verstanden, was eigentlich passierte, wenn man seine Probleme irgendwo ablud und dann ungeachtet ging. Ich fragte mich, ob sie verstanden, wie es war über die Probleme anderer nachzugrübeln, wenn man mit seinen eigenen nicht mal fertig wurde.
Vielleicht war ich auch einfach nur neidisch.
Das Klopfen hörte ich nicht. Ich war mit meiner Wahrnehmung zu sehr in meinem eigenen Kopf vergraben, als das ich noch Geräusche wahrnahm.
Außerdem begann mein Blick gerade zu verschwimmen, was auch nicht unbedingt von Vorteil war.
Das Verlangen, einfach ein paar Sachen zu packen, meinen Kater unter den Arm zu klemmen und loszulaufen wurde für ein paar Momente sehr stark.
Mir wuchs das alles über den Kopf, die ganze Situation. Ich wollte weg und all das nur noch hinter mir lassen.
Ich war kein Teil dieser Gesellschaft. Ich war für die Leute hier nur ein Mittel zum Zweck. Der, der sich das ganze Gejammer freiwillig anhörte.
Aber schon sehr bald würde das vorbei sein und dann würden sie sich sicher jemand anderen suchen, ohne mich auch nur einen Augenblick lang zu vermissen.
Ich flennte noch die halbe Nacht, wie ein störrisches Kind. Aber das konnte, glücklicherweise, niemand sehen. Nunja, kein menschliches Wesen.
Verfasst: Freitag 31. Oktober 2014, 22:59
von Benjamin Acalon
"Hab' ich 'ne Tätowierung auf dem Rücken, wo drauf steht: Macht mich fertig?"
Heat
Wut, Angst, Hass, Verzweiflung, die Gefühle in mir mischten sich auf widernatürliche Art. Ich sprang regelrecht von einem Gemütszustand zum anderen.
Wiedermal wurde ich Zeuge davon, wie ungemein schnell eine Situation umschlagen kann. Wie schnell sich die Dinge verändern konnten.
Ihr Bruder hatte es, wie auch immer, herausbekommen, dass ich das Küken verschleppt und ihn bedroht hatte.
Er verlangte von mir einer Erklärung, die ich ihm nicht bieten konnte. Ich wusste nicht mehr, warum sich es getan hatte, was genau mich zu der Handlung trieb.
Schon seit Wochen war ich wie ein blanker Nerv. Nicht mehr ruhig und besonnen. Ich provozierte und tat eine dumme Sache nach der anderen. Teilweise wusste ich hinterher nicht, was das alles sollte. Als hätte ich einen kurzen Moment der Dunkelheit in meinem Kopf gehabt, in welcher ein anderes Ich meine Handlungen übernahm. Aber so wahnsinnig konnte ich noch nicht sein. Oder?
Der Magier und seine kleine Schülerin hatten mich so weit gebracht, dass ich nicht mal mehr die Kontrolle über mich selbst hatte. Ich war so ungemein durcheinander, das in mir irgendwann der Wunsch aufkam, Zeit mit ihr zu verbringen.
Die Leere und die Stille in meinem Haus, waren kaum zu ertragen. Nicht mal mehr die Besuche meines Katers hielten mich davon ab, beinahe dem Wahnsinn zu verfallen.
Genau in dem Moment war ich sehr nahe daran, umgebracht zu werden. Wenn sich die Wut ihres Bruders vollkommen auf mich entladen hätte.
In diesem Moment war mein einziger, bescheuerter Gedanke, wie viele ich von ihnen mitnehmen könnte. Ihren Bruder mindestens. Sie vielleicht auch.
Das war erschreckender und schockierender als alles andere.
Meine Hände hatten sich bereits um das Wurfmesser verkrampft, er stand so nahe. Es wäre so leicht gewesen. Eine Bewegung, ein Schwung.
Hauptsächlich war es der Gedanke an das Küken, welcher mich zurück hielt. In meinem Hinterkopf bohrte aber auch die Erkenntnis, dass sich der Magier noch im Raum befand. Hätte ich auch nur eines der beiden Geschwister erwischt, hätte er mir, umgangssprachlich ausgedrückt, augenblicklich die Kerze ausgepustet. Das was es ganz eindeutig nicht wert.
Ich war entsprechend überrascht, als es ausgerechnet der Magier war, der für mich Partei ergriff und die Wut deines schwarzgefiederten Kollegen in Rauch auflöste. Etwas, was seiner Schwester zuvor nicht gelungen war.
Die Konsequenz daraus, war für mich umso bitterer.
Wieder einmal musste ich meine Messer und die Dietriche ablegen und sogar meine Kleidung gegen eine fürchterlich hässliche Robe tauschen.
Als sie mich mitnahmen und nach Rahal brachten, tat beinahe jeder Schritt weh. Vor allem meine Beine hatten unter der ‚Behandlung‘ ihres Bruders gelitten. Natürlich ließ ich mir rein gar nichts davon anmerken.
Das Geschwisterpaar brachte ich in den Konvent. Die Bibliothek im Herzen der Stadt. Denn anscheinend verfügte jene über eine eigene Zelle. Ja, ganz Recht, die BIBLIOTHEK hatte ihren eigenen Kerker im Keller.
Meiner, inzwischen durchaus ansehnlichen, Erfahrung nach, was Kerker im Bereich des Rahalischen Reiches anging, konnte ich sagen, dass es viele Zellen in den Kellern gab. Und wer keinen Platz für solch eine hatte, bei dem hingen doch mindestens dekorative, aber funktionale Ketten an der Wand.
In dieser Gesellschaft schien das einfach zum guten Ton zu gehören.
Während meiner kalten und unbequemen Nacht auf dem Stein, fragte ich mich mehrmals, ob man hier ohne Kerker und Ketten im Haus, wohl schief angeschaut werden würde.
Die interne Diskussion, welche ich mit meiner innerlichen Stimme führte, diente nur der Verdrängung.
Obwohl ich mich fragte, warum diese Stimme immer vorwurfsvoll klang, wenn ich in Schwierigkeiten war. Aber gänzlich schweigt, wenn ich wieder tatkräftig daran arbeite, mir jeden Ärger aufzuhalsen, dessen Weg ich kreuze.
Nun nannten sie mich Spielzeug, oder Forschungsobjekt. Keine sehr liebevollen Namen.
Zumindest die Behandlung meiner neuen Lehrmeisterin war deutlich freundlicher, als alles, was ich in Rahal gewohnt war.
Trotzdem blieb mir nur die Wahl zwischen dem Verrat und dem Tot.
Guy of Gisborne:"Was ist das schlimmste Verbrechen, das ein Mann begehen kann?"
Marian:"Mord."
Guy of Gisborne:"Nein. Verrat."
Robin Hood (BBC Serie)