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Fest steh'n bei Donner und Blitz...

Verfasst: Montag 13. Januar 2014, 22:30
von Sebastiano Nestor
...als einziges Liebchen das Geschütz...

Beinahe täglich gingen jene Worte durch den Kopf des jungen Kanoniers. Immer wieder brachte es ihn zum Grinsen, wenn er darüber nachdachte, wie er damals selbst als dienstbeflissener Soldat von marodierendem Pack dachte. Schon immer verspürte er insgeheim Bewunderung für ihren Freiheitsgedanken und ihr rücksichtsloses Leben, ohne vor jemand anderes Rechenschaft ablegen zu müssen, als vor sich selbst. Natürlich war es ein romantischer Gedanke, den man aus den Geschichten kennt, doch wie so oft wurden die beinharten Schicksalsschläge, die diese Männer und Frauen dazu trieben, ausgelassen.
Oft waren es doch die Deserteure, Invaliden und Verstoßenen, die in die Gesetzlosigkeit getrieben wurden die das Können, das sie aus ihrem vorhergangenen Leben mitgenommen hatten, dem Meistbietenden zur Verfügung stellten, oder raubend und brandschatzend durch die Länder zogen.

Es waren meist die ruhigen Abendstunden, die ihn nachdenklich stimmten. Ob es richtig war, seinen Kameraden den Rücken zu kehren. Worum es ihm ging, etwas zu erreichen oder etwas zu erleben, konnte er nicht sagen, er war schon von Kindheit her unzufrieden mit dem, was er gerade hatte.

...an der Götter gnädiger Hand...

Zumindest hatte er das was er liebte perfektioniert – die Kanonen. So war es nicht so abwägig, wenngleich seine nautischen Fähigkeiten sich aufs Rudern und Schwimmen beschränkten, auf einem Schiff anzuheuern. Vom Hörensagen wusste er, dass die Leitkanoniere nur in den seltensten Fällen große Seefahrer waren und mit Seekrankheit, meinte er aufnehmen zu können. Die Stundenlangen Aufenthalte an der Reling in den ersten Wochen bewiesen ihm das Gegenteil. Trotz Allem hatte er über seinen weiteren Weg entschieden, es blieb ihm immerhin auch nichts anderes übrig, außer dem Kriegshandwerk hatte er nicht gelernt und hatte ihn auch nie interessiert.

...in die Gefahr tollkühn hinein...

Mit Raul Vincent Perera und seiner Sagenumwobenen Toro de Muerte hatte er einen Kapitän gefunden, an welchen sich die Offiziere der beiden Reiche ein Beispiel nehmen hätten können, was führ ihn wohl auch der Grund war, unter ihm anzuheuern.
Eindrucksvoll zeigte sich die Toro bei den ersten Ausfahrten, bei welchen er als einfache Geschützbedienung die gewaltige Feuerkraft demonstriert bekam und ihn der Geruch von verbranntem Pulver und der Kampfesrausch die andauernde Übelkeit vergessen ließen. Schon immer waren es diese Momente, die ihn erfreuten, wie nichts Anderes, was er bis dahin erlebt hatte.
Von Grund aus war seine Einstellung, möglichst nicht aufzufallen, "das gesunde Mittelmaß bewahrt einen vor Arbeit für die Jungschwänze, und vor der Verantwortung der Alteingesessenen."
Der alte Perera jedoch war etwas heller, als der Geschützbediener dachte, was dazu führte, dass er einige Monde, nachdem er angeheuert hatte, als Leitkanonier seinen Dienst auf der Toro versah.
Sein seefahrerisches Können dürfte sich seitdem wohl nichtmehr verbessert haben.

...so müssen Kanoniere sein.