Ach, lieber Winterschlaf.
Verfasst: Freitag 10. Januar 2014, 12:46
Balg
Während es kalt im Norden wurde, und der Schnee langsam aber sicher alles unter sich begrub, sodass die Wege mühsam und das Land unwirtlich wurde, zog sich die Läuferin aus Lameriast immer häufiger in ihre Höhle zurück um sich dort auf das Frühjahr vorzubereiten. Sie war gut ausgestattet, hatte Getreide und Pökelfleisch, sogar ein Fässchen Wein und eine Menge Handwerkszeug. Stahlnadeln aus den Essen Berchgards und Knochenahlen, die sie selbst hergestellt hatte, festes Garn, Kupferdraht und Bast - die Dinge, die bei der Täglichen Arbeit unverzichtbar waren, sei es um Kaninchenfallen zu bauen, ihre Kleider zu flicken oder Wildbret abzuhängen. Außerdem hatte sie über das Jahr hinweg Felle und Leder erjagt, von denen sie einen Teil in den Städten getauscht hatte, den größten Teil aber selbst verarbeiten wollte. Aus Menek'ur hatte sie einen Löwenpelz mitgebracht, vom Abendessen blieb immer wieder mal ein Kaninchenpelz übrig und aus den tiefen Gruben hatte sie die Häute von Gargylen und wilden Echsen geholt, sogar die Schuppen eines Drachen fanden sich in ihren Vorräten. Sie wusste, dass ihre Rüstung, ein Flickwerk aus Oger- und Zweikopfleder, sie nur mäßig gegen die Bestien der tiefen Wege schützte, dass Dämonen und Vielaugen nur darauf warteten, sie mit ihren schändlichen Zaubern zu verwirren und dass sie im Feuer der Elementare vergehen würde, wie Butter in der Sonne. Möglicherweise war es der Ehrgeiz mit den stolzen Kriegern der Wüste mithalten zu können, mit ihren Freunden, die sich mit einer leichtigkeit in ihren Eisenhemden bewegten, die es einem schwindelig werden ließ. Sie machte sich allerdings keine Illusionen. Sportlich zu sein und ausdauernd war etwas anderes als das jahrelange Kampftraining der Kinder der Wüste. Viel zu oft hatte sie ihnen beim Waffentanz zugesehen, um zu wissen, dass das nichts für sie war. Zwar besaß sie eine Silberrüstung aus menekanischer Hand, aber im Wald klirrte sie und war ohnehin viel zu schwer. Die Gelenkverstärkungen machten das drehen der Arme zur Qual und man ermüdete schnell. Auf den Schutz wollte sie aber dennoch nicht verzichten und begann Stück für Stück ihre abgewetzte Rüstung auszubessern: Mit Echsenleder verlängerte sie das Oberteil, das bis dato bauchfrei war um in der Hitze der Wüste nicht zu sehr zu schwitzen. Sie hatte erst vor ein paar Tagen die grausam verstümmelten Leichen von Menschen gefunden, aufgeschlitzt und mit zerfetzten Gewändern - dieses Schicksal wolle sie auf keinen Fall teilen. Zusätzlich bekam ihre Rüstung ein paar Ärmel aus Gargylenhaut, die, wie sie wusste, besonders widerstandsfähig gegen magie war, sodass sie sich nicht die Arme im magischen Feuer verbrennen würde. Schließlich nickte sie zufrieden und ließ die Arbeit für eine Weile ruhen. Der Winter war lang und kalt, und gut Ding wollte Weile haben. Hatte Nael in der Wüste auch lange das Feuer in ihrer Seele kennengelernt, so war sie doch ein Kind Lameriasts und gerade im Winter trat das friedliche, geduldige Gemüt deutlicher hervor denn je.
Beschlag
Einige Zeit später, nachdem sie einige schadhafte Stellen der Rüstung ausgebessert hatte, die das Leben in der Wildnis an ihr hinterlassen hatte, griff sie ihre Idee wieder auf, die Rüstung zwar stärker, aber auch flexibler zu gestalten. Sie hatte vor einer Weile alte Rüstungsteile erbeutet, die viel zu groß und zu schwer für die Läuferin gewesen wären. Aber sie waren mit Schuppen beschlagen. Roten, Blauen und Silbern funkelnden Metallplättchen, die versetzt und überlappend angeordnet waren um Klingen daran abgleiten zu lassen und gleichsam flexibel zu bleiben. Wie die Schuppen einer Baumnatter, ging es ihr durch den Kopf, als sie mit geduldig Stück für Stück die Schuppen von der Rüstung zog. Mit Nieten aus Metall und Kupferdraht befestigte sie die Schuppen schließlich an ihrem Rüstwerk. Nicht überall, versteht sich, aber dort wo es wichtig war. An den gelenken, den außen liegenden Seiten der Gliedmaßen und dort, wo Wunden tödlich wären. Es mochte aussehen wie Flickwerk, doch niemand kannte ihren Körper so gut, wie sie selbst, ihre Bewegungsabläufe und Schwächen im Kampf. Sie wusste, dass sie flink war und sich schnell ducken konnte - aber wenn sie Angriff, ob mit Speer oder Schwert, waren ihre Arme oft ungeschützt. Also bekamen die Unterarme Metallschienen, genau wie die Oberschenkel und Schienbeine. Eben diese Schienen bog und formte sie aus den Resten der zerpflückten Rüstungsteile, bis sie passgenau für ihren Körper waren. Es kostete Zeit und Geduld, aber von beidem hatte sie in diesem Winter genug. Sie befand schließlich, dass es ihr gut gelungen war und legte die Rüstung beiseite. Der Winter war lang, es gäbe später Gelegenheit fortzufahren.
Brünieren
In einer der langen nächte, als sie am Lagerfeuer in ihrem Höhleneingang damit beschäftigt war, ihre schwarzen Pfeile zu schäften, erkannte sie den größten Makel ihrer nun ziemlich soliden Rüstung: Im Feuerschein funkelten und glitzerten die Schuppen ihres Lederhemdes in allen erdenklichen Farben. Es war vor allem das Pyrian, das die Farben des Feuers wie begierig aufsog und wiederspiegelte. Die Abenddämmerung, selbst der Vollmond waren so dazu geeignet, sie für jeden bereits von weitem sichtbar zu machen. Sie ließ das Pfeilwerk für den Abend ruhen und nahm also das Lederhemd zur Hand. Jede der unzähligen Schuppen wurde wieder abgelöst und in einer Paste aus Leinöl, Asche und den zerstoßenen Knochen von Dämonen im Feuer geschwärzt und abgestumpft, sodass sie das Licht verschluckten anstatt zu funkeln. Das ganze fußte wohl eher auf dem Aberglauben, dem die Läuferin anhing, dass Dämonen die Fähigkeit besaßen, sich vor ihren Opfern verbergen zu können. Dass sie das Licht selbst krümmten, verschlangen und als Feuer zurück in die Welt spiehen. Das war höchstwahrscheinlich Unsinn, aber zumindest waren die Metallschuppen nach der Prozedur rostrot, braun oder violett und stumpf. Nael war zufrieden und befestigte sie eine nach der anderen wieder an der ursprünglichen Stelle, ehe sie das Feuer herunterbrennen ließ, die Glut sorgsam in einem Topf verbarg und sich unter den Sternen, in einem Haufen weißer Felle zur Ruhe begab. Es würde eine kurze Nacht werden, denn am Morgen hatte sie vor, im Eis fischen zu gehen.
Zierwerk
Nach dem Jahreswechsel fasste die Läuferin einen Entschluss: Man sollte sehen, dass sie eine vom Waldvolk war, dass sie die verborgenen Wege kannte und unabhängig und frei unter den Sternen zog. Man sollte sehen, dass sie das Erbe der Lameriaster in sich trug und dass sie Riesen und schlimmerem nachstellte. Ihre Beute sollte zur Trophäe werden. Sie nahm das übrige, was sie an Fellen noch nicht getauscht hatte und suchte die schönsten und edelsten Stücke heraus. Sie nähte einen Kragen aus dem Pelz eines großen Bären, brämte ihre Stiefel mit den Resten des Pelzes und nähte mit geschwärztem Kupferdraht Flicken aus Löwen- und Pantherfell auf die Ärmel um das blasse rosa der Gargylenhaut zu verdecken. Langsam, Stück für Stück wurde die Rüstung zu einem Sammelsurium aus Farben, was ihr ein Muster verlieh, dass in den Farben der Natur nur zu leicht aufgehen würde. Im Herbstwald würde sie kaum auffallen, wohl auch nicht im Unterholz des Frühlings. Und für den Winter nähte sie einen Pelzumhang aus Eisbärenfell, unter dem sie sich im Schnee leicht verbergen könnte. Zuletzt versah sie den Kragen der Rüstung mit einer Metallfibel, die einen angriffslustigen Skorpion zeigte - ein Andenken aus Menek'ur, das einem aufmerksamen Beobachter vielleicht auffallen würde, unter Pelz und Leder wohl aber leicht aus den Augen geriet. Als sie ihre Rüstung schließlich anprobierte, erfüllte sie ein gewisser Stolz. Vielleicht war es für sie wie ein Ritual, das sie von einer einfachen Bäuerin, einer Sklavin ohne Heimat und Familie zu einer selbstbewussten, unabhängigen Frau der Wildnis machte.
Während es kalt im Norden wurde, und der Schnee langsam aber sicher alles unter sich begrub, sodass die Wege mühsam und das Land unwirtlich wurde, zog sich die Läuferin aus Lameriast immer häufiger in ihre Höhle zurück um sich dort auf das Frühjahr vorzubereiten. Sie war gut ausgestattet, hatte Getreide und Pökelfleisch, sogar ein Fässchen Wein und eine Menge Handwerkszeug. Stahlnadeln aus den Essen Berchgards und Knochenahlen, die sie selbst hergestellt hatte, festes Garn, Kupferdraht und Bast - die Dinge, die bei der Täglichen Arbeit unverzichtbar waren, sei es um Kaninchenfallen zu bauen, ihre Kleider zu flicken oder Wildbret abzuhängen. Außerdem hatte sie über das Jahr hinweg Felle und Leder erjagt, von denen sie einen Teil in den Städten getauscht hatte, den größten Teil aber selbst verarbeiten wollte. Aus Menek'ur hatte sie einen Löwenpelz mitgebracht, vom Abendessen blieb immer wieder mal ein Kaninchenpelz übrig und aus den tiefen Gruben hatte sie die Häute von Gargylen und wilden Echsen geholt, sogar die Schuppen eines Drachen fanden sich in ihren Vorräten. Sie wusste, dass ihre Rüstung, ein Flickwerk aus Oger- und Zweikopfleder, sie nur mäßig gegen die Bestien der tiefen Wege schützte, dass Dämonen und Vielaugen nur darauf warteten, sie mit ihren schändlichen Zaubern zu verwirren und dass sie im Feuer der Elementare vergehen würde, wie Butter in der Sonne. Möglicherweise war es der Ehrgeiz mit den stolzen Kriegern der Wüste mithalten zu können, mit ihren Freunden, die sich mit einer leichtigkeit in ihren Eisenhemden bewegten, die es einem schwindelig werden ließ. Sie machte sich allerdings keine Illusionen. Sportlich zu sein und ausdauernd war etwas anderes als das jahrelange Kampftraining der Kinder der Wüste. Viel zu oft hatte sie ihnen beim Waffentanz zugesehen, um zu wissen, dass das nichts für sie war. Zwar besaß sie eine Silberrüstung aus menekanischer Hand, aber im Wald klirrte sie und war ohnehin viel zu schwer. Die Gelenkverstärkungen machten das drehen der Arme zur Qual und man ermüdete schnell. Auf den Schutz wollte sie aber dennoch nicht verzichten und begann Stück für Stück ihre abgewetzte Rüstung auszubessern: Mit Echsenleder verlängerte sie das Oberteil, das bis dato bauchfrei war um in der Hitze der Wüste nicht zu sehr zu schwitzen. Sie hatte erst vor ein paar Tagen die grausam verstümmelten Leichen von Menschen gefunden, aufgeschlitzt und mit zerfetzten Gewändern - dieses Schicksal wolle sie auf keinen Fall teilen. Zusätzlich bekam ihre Rüstung ein paar Ärmel aus Gargylenhaut, die, wie sie wusste, besonders widerstandsfähig gegen magie war, sodass sie sich nicht die Arme im magischen Feuer verbrennen würde. Schließlich nickte sie zufrieden und ließ die Arbeit für eine Weile ruhen. Der Winter war lang und kalt, und gut Ding wollte Weile haben. Hatte Nael in der Wüste auch lange das Feuer in ihrer Seele kennengelernt, so war sie doch ein Kind Lameriasts und gerade im Winter trat das friedliche, geduldige Gemüt deutlicher hervor denn je.
Beschlag
Einige Zeit später, nachdem sie einige schadhafte Stellen der Rüstung ausgebessert hatte, die das Leben in der Wildnis an ihr hinterlassen hatte, griff sie ihre Idee wieder auf, die Rüstung zwar stärker, aber auch flexibler zu gestalten. Sie hatte vor einer Weile alte Rüstungsteile erbeutet, die viel zu groß und zu schwer für die Läuferin gewesen wären. Aber sie waren mit Schuppen beschlagen. Roten, Blauen und Silbern funkelnden Metallplättchen, die versetzt und überlappend angeordnet waren um Klingen daran abgleiten zu lassen und gleichsam flexibel zu bleiben. Wie die Schuppen einer Baumnatter, ging es ihr durch den Kopf, als sie mit geduldig Stück für Stück die Schuppen von der Rüstung zog. Mit Nieten aus Metall und Kupferdraht befestigte sie die Schuppen schließlich an ihrem Rüstwerk. Nicht überall, versteht sich, aber dort wo es wichtig war. An den gelenken, den außen liegenden Seiten der Gliedmaßen und dort, wo Wunden tödlich wären. Es mochte aussehen wie Flickwerk, doch niemand kannte ihren Körper so gut, wie sie selbst, ihre Bewegungsabläufe und Schwächen im Kampf. Sie wusste, dass sie flink war und sich schnell ducken konnte - aber wenn sie Angriff, ob mit Speer oder Schwert, waren ihre Arme oft ungeschützt. Also bekamen die Unterarme Metallschienen, genau wie die Oberschenkel und Schienbeine. Eben diese Schienen bog und formte sie aus den Resten der zerpflückten Rüstungsteile, bis sie passgenau für ihren Körper waren. Es kostete Zeit und Geduld, aber von beidem hatte sie in diesem Winter genug. Sie befand schließlich, dass es ihr gut gelungen war und legte die Rüstung beiseite. Der Winter war lang, es gäbe später Gelegenheit fortzufahren.
Brünieren
In einer der langen nächte, als sie am Lagerfeuer in ihrem Höhleneingang damit beschäftigt war, ihre schwarzen Pfeile zu schäften, erkannte sie den größten Makel ihrer nun ziemlich soliden Rüstung: Im Feuerschein funkelten und glitzerten die Schuppen ihres Lederhemdes in allen erdenklichen Farben. Es war vor allem das Pyrian, das die Farben des Feuers wie begierig aufsog und wiederspiegelte. Die Abenddämmerung, selbst der Vollmond waren so dazu geeignet, sie für jeden bereits von weitem sichtbar zu machen. Sie ließ das Pfeilwerk für den Abend ruhen und nahm also das Lederhemd zur Hand. Jede der unzähligen Schuppen wurde wieder abgelöst und in einer Paste aus Leinöl, Asche und den zerstoßenen Knochen von Dämonen im Feuer geschwärzt und abgestumpft, sodass sie das Licht verschluckten anstatt zu funkeln. Das ganze fußte wohl eher auf dem Aberglauben, dem die Läuferin anhing, dass Dämonen die Fähigkeit besaßen, sich vor ihren Opfern verbergen zu können. Dass sie das Licht selbst krümmten, verschlangen und als Feuer zurück in die Welt spiehen. Das war höchstwahrscheinlich Unsinn, aber zumindest waren die Metallschuppen nach der Prozedur rostrot, braun oder violett und stumpf. Nael war zufrieden und befestigte sie eine nach der anderen wieder an der ursprünglichen Stelle, ehe sie das Feuer herunterbrennen ließ, die Glut sorgsam in einem Topf verbarg und sich unter den Sternen, in einem Haufen weißer Felle zur Ruhe begab. Es würde eine kurze Nacht werden, denn am Morgen hatte sie vor, im Eis fischen zu gehen.
Zierwerk
Nach dem Jahreswechsel fasste die Läuferin einen Entschluss: Man sollte sehen, dass sie eine vom Waldvolk war, dass sie die verborgenen Wege kannte und unabhängig und frei unter den Sternen zog. Man sollte sehen, dass sie das Erbe der Lameriaster in sich trug und dass sie Riesen und schlimmerem nachstellte. Ihre Beute sollte zur Trophäe werden. Sie nahm das übrige, was sie an Fellen noch nicht getauscht hatte und suchte die schönsten und edelsten Stücke heraus. Sie nähte einen Kragen aus dem Pelz eines großen Bären, brämte ihre Stiefel mit den Resten des Pelzes und nähte mit geschwärztem Kupferdraht Flicken aus Löwen- und Pantherfell auf die Ärmel um das blasse rosa der Gargylenhaut zu verdecken. Langsam, Stück für Stück wurde die Rüstung zu einem Sammelsurium aus Farben, was ihr ein Muster verlieh, dass in den Farben der Natur nur zu leicht aufgehen würde. Im Herbstwald würde sie kaum auffallen, wohl auch nicht im Unterholz des Frühlings. Und für den Winter nähte sie einen Pelzumhang aus Eisbärenfell, unter dem sie sich im Schnee leicht verbergen könnte. Zuletzt versah sie den Kragen der Rüstung mit einer Metallfibel, die einen angriffslustigen Skorpion zeigte - ein Andenken aus Menek'ur, das einem aufmerksamen Beobachter vielleicht auffallen würde, unter Pelz und Leder wohl aber leicht aus den Augen geriet. Als sie ihre Rüstung schließlich anprobierte, erfüllte sie ein gewisser Stolz. Vielleicht war es für sie wie ein Ritual, das sie von einer einfachen Bäuerin, einer Sklavin ohne Heimat und Familie zu einer selbstbewussten, unabhängigen Frau der Wildnis machte.