Roter Ritter, Weißer Firn, Flammenmeer und Eisgestirn
Verfasst: Mittwoch 18. Dezember 2013, 04:26
*Erst einige Zeit nach der Begegnung mit - nunja, sie wusste nicht genau, mit wem -, der ihr die erste Lektion im - nunja, worin genau, wusste sie selbst nicht - erteilt hatte, fand Rahelle hinreichend Ruhe, um - was auch immer - in Worte zu fassen. So setzte sie sich auf ein Holzfass und schrieb:*
Roter Ritter, Weißer Firn
Hockt am Pier
Auf einem Pfosten,
Unbedarft ein
Madelein,
Frisches Wildkraut
Zu verkosten,
Zieht es sich
Ein Pfeifchen rein.
Sehr erschrickt
Das arme Seelchen,
Wie ein kalter
Windeshauch,
Zuschnürt ihm
Das zarte Kehlchen,
Und verteilt
Den süßen Rauch.
"Für die lectio
Gelus, Dirne,
Suchen heut' dich
Die Gestirne.
Hat dein Geist
Die rechte Firne,
Oder zittert's
Dir im Zwirne?"
"Firn, mein Herr,
Den mag ich nicht,
Weil der nachts
Im Rücken sticht!
Sind die Decken
Auch sehr dicht,
Schmerzt's mir doch,
Als hätt' ich Gicht!."
Schwer gequält
Durch diese schnelle,
Antwort, doch
Gewohnt an Fälle,
Spärlicher
Verstandeshelle,
Gibt der Firn
Zurück die Kelle:
"Nur der Kopf
Entscheidet, Freche,
Ob der Frost
Dir deine Glieder,
Schmerzen lässt
In kaltem Mieder,
Dass daran dein
Wille breche."
Antwortet das
Madelein:
"Fühlen deucht ihm
Dummheit sein?
Herr des Eises,
Solche Worte,
Wie er sie da
Trocken spricht,
Nehmen die
Der Lebenstorte,
Nicht den Zucker
Von der Borte? -
Wenn sich Herz
Im Kopf verorte,
Schließt das nicht
Die Seelenpforte?
Fällt ins Leben
dann noch Licht?"
_
"Spiegelscheines
Braucht es nicht!
Ihn zu schmettern
Ist die Pflicht,
Des Verstandes
Strafgericht,
Folge meinem
Unterricht,
Bis die falsche
Hülle bricht!"
"Ist denn nichts
Der Wärme wert?"
"Nichts, worum
Das Eis sich schert!
Leg' darum die
Kleider ab,
Steig' hinein
Ins Wassergrab,
Und ergründe
Dessen Tiefe,
Bis dir's
Aus den Ohren triefe!"
Da beginnt
Das Madelein,
Sich die Brust
Schon zu befrein
Die ihm Freiheit
Soll verleihn,
Blutlos frei
Im Eis zu sein.
Als der Firn
Schon jubiliert,
Summt sie,
Dass es sie nicht friert:
"Ach, wie harr'
Ich schon so lange,
Dass ich den
Gedanken fange,
Der dem Felde
Wird ein Pflug,
Und die trockne
Erde schüttelt,
Bis das Unkraut
Wachgerüttelt!
Sonnenwärme
Ist für Dumme!
Glut nur für
Gedankenstumme!
Brich' doch endlich,
Menschenschwäche!
Ach, mir fließen
Tränenbäche,
Aus den Augen
Schon herab,
Auf mein künftig
Sternengrab,
Um der lieben
Blumen willen.
Kurz nur weine
Ich im Stillen,
Meinen letzten
Sonnensang,
Bis den blassen
Herzensklang,
Erdet mein
Erkenntnisdrang.
Nein, ich sehne
Nicht mehr lang,
Dass die Kälte
Auf mich komme,
Denn, Herr Firn,
Ich bin Euch fromme,
Fortan treue
Dienerin -
Ganz verliebt
Ins Eisgestirn!"
Wie sie eben
ausgesprochen,
Kommt ein Ritter
angekrochen,
Apfelrot
ist seine Rüste,
Würdevoll
die Ritterbüste,
Adlerartig
angeschwollen.
Achtlos schaut
Der ihre Brüste,
Ohne jedwede
Gelüste,
Doch so klein
Ihm auch der Knollen -
Beistandpflicht
Der Mad' zu zollen,
Hebt das Wort
Er voller Grollen:
"Einhalt,
Fräulein Calamari!
Was soll all dies
Lari-Fari,
Das der Firn da
In Euch gießt,
Bis Ihr ein-
gefroren niest!?
Nur die Glut des
Feuers bringt,
Dass Euch frei
Das Herz erklingt!
Auf, bedecket
Eure Blöße,
Eh' dem Geck ich
Furcht einflöße!
Unhold! Unge-
zogner Firn!
Kämpft, ich biete
Euch die Stirn!"
Ja, ich bin's,
Der rote Ritter,
Dünnem Eis -
Vulkangewitter!"
-
Kaum hat er
Dies ausgeklampft,
Ist er auch schon
Eingestampft.
-
"Herr Direktor!",
Kreischt es da,
Aus dem Mäulchen
Calamahr.
Flammensäulen,
Feuermeere,
Wutverzerrte
Trotzesblicke,
Sehnen dichte
Henkersstricke.
Dergestalt in
Zorn versetzt
Zieht sie ihre
Kleider an,
Zückt ein Schwert
Aus Pyrian,
Rotpoliert
Wie dünngewetzt,
Dass sie ihren
Feind verzehre
Ingrimmig -
Voller Elan,
Wedelt dann
Das Madel feste
Wie es nur
Ein Bettler kann,
Über des
Direktors Weste,
Bis sich dessen
Glieder regen,
(Freilich ohne
Jenes eine,
Das dem Mannsbild
Gleich dem Schreine)
Und spricht
Unverfroren dann:
"Dass das Feuer
Euch ereile,
Bis Euch brennen
Die Gebeine
Und der graue
Frostekopf,
Sieche in dem
Flammenzopf,
Den ich, Firn,
Euch gleich erteile!"
-
"Kindchen, dies
Ist eine Feile!
Selbst der Odem
Eines Drachen,
Könnte der nicht
Kraft einschmelzen.
Willst du dich
In Torheit wälzen,
Oder kläglich
Scherze machen?
Troll' dich, eh'
Ich dich zerteile!"
-
Traurig sieht
Rahelle herab,
An der Klinge,
Die verblendet,
Sie dem Eltern-
haus entwendet,
Weil sich Klüg'res
nicht ergab.
-
"Geh' und suche
Eine Mitte,
Wüsste ich,
Mit wem ich stritte,
Wäre klar,
Wes Schutt ich kitte,
Äußerte ich
Manche Bitte,
Die im rechten
Licht gewendet,
Manche Torheit
Längst beendet'.
So, jedoch,
Du dumme Göre,
Scher' dich endlich,
Horchst du schwer?
Gehe, dass ich
Dich nicht höre!"
-
"Euer Wunsch
Sei mir Begehr.
Dieses Schwert,
Das ist nicht mein,
Meine Arme
Sind zu klein,
Und mein Mundwerk
Wohl zu groß."
Schluchzt sie,
Lässt den Schwertschaft los,
Denn zu tief
Saß dieser Stoß.
Des Direktors
Frostblitzwunden,
Zu verbinden,
Sucht sie diesen ,
Flüchtig noch -
Doch in irgendeinem Loch,
Ist der grinsend
Längst - verschwunden.
*Als sie fertig war, verschwand auch Rahelle - irgendwo*
Roter Ritter, Weißer Firn
Hockt am Pier
Auf einem Pfosten,
Unbedarft ein
Madelein,
Frisches Wildkraut
Zu verkosten,
Zieht es sich
Ein Pfeifchen rein.
Sehr erschrickt
Das arme Seelchen,
Wie ein kalter
Windeshauch,
Zuschnürt ihm
Das zarte Kehlchen,
Und verteilt
Den süßen Rauch.
"Für die lectio
Gelus, Dirne,
Suchen heut' dich
Die Gestirne.
Hat dein Geist
Die rechte Firne,
Oder zittert's
Dir im Zwirne?"
"Firn, mein Herr,
Den mag ich nicht,
Weil der nachts
Im Rücken sticht!
Sind die Decken
Auch sehr dicht,
Schmerzt's mir doch,
Als hätt' ich Gicht!."
Schwer gequält
Durch diese schnelle,
Antwort, doch
Gewohnt an Fälle,
Spärlicher
Verstandeshelle,
Gibt der Firn
Zurück die Kelle:
"Nur der Kopf
Entscheidet, Freche,
Ob der Frost
Dir deine Glieder,
Schmerzen lässt
In kaltem Mieder,
Dass daran dein
Wille breche."
Antwortet das
Madelein:
"Fühlen deucht ihm
Dummheit sein?
Herr des Eises,
Solche Worte,
Wie er sie da
Trocken spricht,
Nehmen die
Der Lebenstorte,
Nicht den Zucker
Von der Borte? -
Wenn sich Herz
Im Kopf verorte,
Schließt das nicht
Die Seelenpforte?
Fällt ins Leben
dann noch Licht?"
_
"Spiegelscheines
Braucht es nicht!
Ihn zu schmettern
Ist die Pflicht,
Des Verstandes
Strafgericht,
Folge meinem
Unterricht,
Bis die falsche
Hülle bricht!"
"Ist denn nichts
Der Wärme wert?"
"Nichts, worum
Das Eis sich schert!
Leg' darum die
Kleider ab,
Steig' hinein
Ins Wassergrab,
Und ergründe
Dessen Tiefe,
Bis dir's
Aus den Ohren triefe!"
Da beginnt
Das Madelein,
Sich die Brust
Schon zu befrein
Die ihm Freiheit
Soll verleihn,
Blutlos frei
Im Eis zu sein.
Als der Firn
Schon jubiliert,
Summt sie,
Dass es sie nicht friert:
"Ach, wie harr'
Ich schon so lange,
Dass ich den
Gedanken fange,
Der dem Felde
Wird ein Pflug,
Und die trockne
Erde schüttelt,
Bis das Unkraut
Wachgerüttelt!
Sonnenwärme
Ist für Dumme!
Glut nur für
Gedankenstumme!
Brich' doch endlich,
Menschenschwäche!
Ach, mir fließen
Tränenbäche,
Aus den Augen
Schon herab,
Auf mein künftig
Sternengrab,
Um der lieben
Blumen willen.
Kurz nur weine
Ich im Stillen,
Meinen letzten
Sonnensang,
Bis den blassen
Herzensklang,
Erdet mein
Erkenntnisdrang.
Nein, ich sehne
Nicht mehr lang,
Dass die Kälte
Auf mich komme,
Denn, Herr Firn,
Ich bin Euch fromme,
Fortan treue
Dienerin -
Ganz verliebt
Ins Eisgestirn!"
Wie sie eben
ausgesprochen,
Kommt ein Ritter
angekrochen,
Apfelrot
ist seine Rüste,
Würdevoll
die Ritterbüste,
Adlerartig
angeschwollen.
Achtlos schaut
Der ihre Brüste,
Ohne jedwede
Gelüste,
Doch so klein
Ihm auch der Knollen -
Beistandpflicht
Der Mad' zu zollen,
Hebt das Wort
Er voller Grollen:
"Einhalt,
Fräulein Calamari!
Was soll all dies
Lari-Fari,
Das der Firn da
In Euch gießt,
Bis Ihr ein-
gefroren niest!?
Nur die Glut des
Feuers bringt,
Dass Euch frei
Das Herz erklingt!
Auf, bedecket
Eure Blöße,
Eh' dem Geck ich
Furcht einflöße!
Unhold! Unge-
zogner Firn!
Kämpft, ich biete
Euch die Stirn!"
Ja, ich bin's,
Der rote Ritter,
Dünnem Eis -
Vulkangewitter!"
-
Kaum hat er
Dies ausgeklampft,
Ist er auch schon
Eingestampft.
-
"Herr Direktor!",
Kreischt es da,
Aus dem Mäulchen
Calamahr.
Flammensäulen,
Feuermeere,
Wutverzerrte
Trotzesblicke,
Sehnen dichte
Henkersstricke.
Dergestalt in
Zorn versetzt
Zieht sie ihre
Kleider an,
Zückt ein Schwert
Aus Pyrian,
Rotpoliert
Wie dünngewetzt,
Dass sie ihren
Feind verzehre
Ingrimmig -
Voller Elan,
Wedelt dann
Das Madel feste
Wie es nur
Ein Bettler kann,
Über des
Direktors Weste,
Bis sich dessen
Glieder regen,
(Freilich ohne
Jenes eine,
Das dem Mannsbild
Gleich dem Schreine)
Und spricht
Unverfroren dann:
"Dass das Feuer
Euch ereile,
Bis Euch brennen
Die Gebeine
Und der graue
Frostekopf,
Sieche in dem
Flammenzopf,
Den ich, Firn,
Euch gleich erteile!"
-
"Kindchen, dies
Ist eine Feile!
Selbst der Odem
Eines Drachen,
Könnte der nicht
Kraft einschmelzen.
Willst du dich
In Torheit wälzen,
Oder kläglich
Scherze machen?
Troll' dich, eh'
Ich dich zerteile!"
-
Traurig sieht
Rahelle herab,
An der Klinge,
Die verblendet,
Sie dem Eltern-
haus entwendet,
Weil sich Klüg'res
nicht ergab.
-
"Geh' und suche
Eine Mitte,
Wüsste ich,
Mit wem ich stritte,
Wäre klar,
Wes Schutt ich kitte,
Äußerte ich
Manche Bitte,
Die im rechten
Licht gewendet,
Manche Torheit
Längst beendet'.
So, jedoch,
Du dumme Göre,
Scher' dich endlich,
Horchst du schwer?
Gehe, dass ich
Dich nicht höre!"
-
"Euer Wunsch
Sei mir Begehr.
Dieses Schwert,
Das ist nicht mein,
Meine Arme
Sind zu klein,
Und mein Mundwerk
Wohl zu groß."
Schluchzt sie,
Lässt den Schwertschaft los,
Denn zu tief
Saß dieser Stoß.
Des Direktors
Frostblitzwunden,
Zu verbinden,
Sucht sie diesen ,
Flüchtig noch -
Doch in irgendeinem Loch,
Ist der grinsend
Längst - verschwunden.
*Als sie fertig war, verschwand auch Rahelle - irgendwo*