Seite 1 von 1

Die Vergangenheit! Etwas Abgeschlossenes? Start ins Neue!

Verfasst: Montag 18. November 2013, 11:38
von Kyrill Scharre
Das Wasser plätscherte leise vor sich her. Bei Bewegungen meinerseits schwabbten hin und wieder vereinzelte kleine Wellen sachte gegen meinen Körper, welcher ausgestreckt und entspannt auf der Treppe lag... Ruhe! ... Wie lange hatte ich das nicht mehr gemacht? Einfach mal nichts tun und den Augenblick genießen. ... So lange, dass ich mich nicht mehr daran erinnern konnte. Es war auch egal, denn was zählte, war, dass ich es jetzt tat. Mein Körper hatte es dringend nötig. ... Die Augen geschlossen und mit einem gleichmäßig tiefen Atem lag ich da und versuchte, meine Gedanken abzuschalten, was mir fast gelang. Ich träumte von Meer. Ein graues Meer, was in einen Strand mündete. Bunt schimmernde Steine, weißer Sand, die kreischenden Möwen am Himmel, welcher sich farblich dem Meer anpasste. Alles wurde genaustens betrachtet. Vor allem aber der Himmel. Klar, ich lag ja auch. ... Eine freundliche warme Stimme erklang aus dem Hintergrund.
"Ist es nicht wunderbar hier?"
"Ja. Genau so wunderbar wie ihr beide." Antwortete eine gutmütige Männerstimme der Frau. Flüchtig wendete ich den Blick zur Seite und erblickte eine Frau mit langen dunkelbraunen Haaren. Sie stand mit dem Rücken zu mir. Der Mann war bestimmt zwei Köpfe größer, als sie. Sein dunkles, schwarzes Haar war extrem kurz gehalten und wurde zum großen Teil von einem Barett bedeckt. Seine Arme waren in einen edlen Stoff eingehüllt und umarmten die Frau vor sich. Auch wenn es ein schöner Augenblick war, so konnte er seinen Missmut und seine Trauer nicht verbergen. Ich hatte das Gefühl, dass sie mich nicht mal beachteten in diesem Moment. ...Mit Mühen drehte ich mich um. Der Boden war erstaunlich nah, als ich kniend auf dem Boden saß. Ein Blick auf meine Hände, mit denen ich mich vor mir im Sand abstützte, verriet mir, warum. ... Ich sah kleine zarte Finger, die noch nicht viel mit Feinmotorik zu tun hatten, wie es schien. Grob krallten sie in den Sand, um den Rest des unbeholfenen Körpers zu halten. Wieder vernahm ich leise Stimmen von der Seite.
"Es ist Zeit! Das Schiff wird in einer Stunden erwartet. Wir müssen los!"
Der Mann klang nicht zufrieden, aber seine Stimme war fest genug, um keine Widerrede zuzulassen. Kurz nachdem er das gesagt hatte, umgriffen mich die Hände der Frau sanft am Bauch und hoben mich hoch.
"Na, komm Imilas! Papa muss los. Wir wollen ihm noch Auf Wiederseh'n sagen."
Meinen Ohren blieb es nicht verschwiegen, dass sie trauerte und bangte. Der Sand, nach dem ich gegriffen hatte, rieselte aus meiner Hand, als ich den Boden unfreiwillig verließ. An ihre Brust gedrückt wurde ich von ihr eine ganze Weile getragen. Ihr Gesicht konnte ich nicht sehen. Der Mann, den sie meinen 'Papa' genannt hatte, ging strammen Schrittes voran. Sein blauer Umhang flatterte im Wind. Es dauerte nicht lange, da kamen wir an einem Hafen an. Wir gingen auf einige Männer zu, die stramm in einer Reihe standen. Als wir kurz vor ihnen stehen blieben, salutierten sie. Der Mann vor mir tat es ihnen gleich. Wortlos blieben sie einen Augenblick so da stehen und verharrten in ihrer Haltung. Dann drehte sich der Mann zu uns um. Die Hand nahm er wieder runter und schaute dann zu mir. Ein trauriges sachtes Lächeln legte sich auf seine Züge, ehe er mit leiser Stimme zu mir sprach.
"Sei stets fleißig und ehrgeizig, dann wird aus dir mal ein stolzer Mann!"
Langsam neigte er sich zu mir runter und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Dann richtete er sich auf und schaute vermutlich die Frau an, die mich noch immer in den Armen hielt. Um uns herum füllte sich der Hafen und es wurde immer lauter.
"Leb wohl Tia!"
War das Letzte, was ich von ihm hörte und dann verschwand er mit den anderen Männern in der Ferne. Er stand bestimmt irgendwo da in einer der beiden Reihen vor dem großen Schiff und wartete, bis alle an Bord gegangen waren. Als einer der Letzten muss er wohl hinaufgegangen sein. Lange hatten die Frau und ich noch da mit vielen anderen Leuten am Hafen gestanden und auf das Schiff gestarrt, was bei Sonnenuntergang in die weite Ferne, der Sonne entgegen gefahren war. ...

Eine Weile hatte ich an nichts gedacht. Ich musste eingeschlafen sein. Noch immer spürte ich das Wasser um mich herum, doch schon bald verfiel ich wieder in die Träumerei. ... Es war nass. Und ich hüpfte in unregelmäßigen Abständen hoch und runter. Meine Augen waren geschlossen und das Gesicht an die Frau gedrückt, die mich fest an sich drückte und hektisch irgendwo hin lief. Ich hörte ihren schnellen Atem. Er war geprägt von Angst und Anstrengung. Ihr Griff war fester als vermutlich nötig. Eine ganze Weile lief sie so. Irgendwann schlief ich ein und bekam von der Welt um mich herum nichts mehr mit. ... Als ich die Augen wieder öffnete, blickte ich auf eine Zimmerdecke. Es war warm und trocken. Als ich meinen Kopf drehte, um mich umzusehen, erblickte ich erst zu meiner rechten einen großen braunen Hundekopf. Die braunen Augen schauten mich freundlich an. Ansonsten tat das Tier nichts. Es war dicht an mich heran gekuschelt. Als ich meinen Kopf nach einem kurzen Mustern des Hundes weiter drehte, erblickte ich ein Frauengesicht. Ich schaute geradewegs in zwei dunkelgrüne, liebevolle Augen, die auf mir lagen. Die Frau lächelte mich freundig an und streichelte mir mit ihrem damen sanft über die Wange.
"Na, Kleiner!? Bist du ausgeschlafen?"
Ein leises kurzes Kleffen kam von dem Hund und dann drehte ich meinen Kopf wieder weiter. Auf der anderen Seite erblickte ich dann einen großen Kamin, gar nicht weit von mir entfernt. Vor ihm lag ein braun graues Fell auf dem Boden, wo zwei kleine Mädchen drauf saßen und nun zu uns hoch schauten. Freudig kicherten sie auf und kamen sofort näher.
"Wie süß! Darf ich den mal halten?"
"Oh, ist der niedlich!"
"Nein! Noch nicht! Lasst ihn doch erst mal wach werden. Ihr seid viel zu stürmig. Das ist ein kleines Baby."
Erklärte die Frau und lachte leise amüsiert auf. Auch ich musste lachen. Von hinten hörte ich Schritte. Reflexartig drehte ich meinen Kopf, um etwas erkennen zu können. Als die Geräuschquelle neben mir auftauchte und sich langsam in die Hocke begab, lachte ich ihn freudig an. Der Mann hatte ebenso wie die Frau, welche mich auf ihrem Schoß liegen hatte, ganz normale braune Haare. Seine Augen waren braun und sein Bart war wuschig. Mit einer tiefen, aber freundlichen Stimme redete er zu mir.
"Na, du Racker!?"
Ein amüsiertes Grinsen legte sich auf seine Züge. ...

Plötzlich plätscherte es wieder und ich riss die Augen ruckartig auf. ... Steinerne Decke. Ein Blick zur Seite offenbarte mir Fliesen. Ein Seufzen entglitt mir. Dann richtete ich mich auf und ging mit meinen Händen ins Wasser vor mir, wobei ich eine Schale formte und mir das darin gesammelte Wasser ins Gesicht schmiss. Für einen tiefen Atemzug verweilten die Hände an meinem Gesicht und die Augen blieben geschlossen. Dann lies ich die Hände langsam wieder runter sinken und schaute nach vorne. Wie lange ich hier gelegen haben musste. ... Langsam erhob ich mich und ging in einer der Umkleiden. Ich entledigte mich meiner nassen Hose und trocknete mich mit einem Handtuch ab. Dann zog ich wieder die Alltagsklamotten an und ging in meine Welt der Arbeit und der Gedanken zurück. Nun mit vermutlich noch mehr Gedanken, als zuvor. ...


Es waren nun einige Wochen vergangen, seit ich diesen Traum hatte. Und es hatte sich nichts verändert. Nichts, was damit im Zusammenhang steht. Klar, ich war umgezogen und war besser geworden. Hatte neue Bekanntschaften gemacht.. Aber ich dachte immer noch viel zu sehr über diesen Traum nach. Es fühlte sich nicht wie ein Traum an. Mehr wie ein Rückblick. In eine Zeit, in der ich dachte, die schon längst vergangen sei und auch nie wieder kommen würde. Doch nun war sie da und ging auch nicht mehr.
Nach kurzem Zögern setzte ich mich dann an den Thresen, holte ein Stück Papier hervor und schrieb ein paar kurze Zeilen darauf. *Ich bin auf Reisen! Bitte hinterlasst eine Nachricht!* Dann setzte ich noch meine Unterschrift darunter und befestigte es von außen an meine Ladentür. Schließlich wurde die Tasche gepackt. Gold, Essen, Trinken, etwas zu Schreiben und Klamotten. Wer weiß, wie lange es dauern würde und ob ich mein Ziel erreichen würde. Es sollten Tage, wenn nicht sogar Wochen vergehen, bis ich die Lande wieder betreten würde. Wenn überhaupt... Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf. Gerade hatte ich die Tür hinter mir zugezogen, da schaute ich noch mal hoch in den Himmel. Er war grau. Die letzten Tage war das Wetter auch nicht besser gewesen und es würde sich so schnell auch nicht mehr ändern. Der Winter nahte. Na, toll. Der perfekte Moment, um auf Reisen zu gehen..
Nach einem stillen Abschied steckte ich schließlich den Schlüssel ins Schloss und drehte ihn um. Dann ging es los. Wohin mich mein Weg hinführen würde, wusste ich noch nicht. Ich hatte ja nicht mal eine Ahnung, ob ich nach etwas Existenten suchte...

Verfasst: Montag 18. November 2013, 11:39
von Kyrill Scharre
Als ich nach einem halben Mondlauf wieder vor den Toren Adorans stand, konnte ich nicht anders, als auf die Knie fallen. Es tat unbeschreiblich gut, diese Stadt, meine Heimat wieder zu sehen. Wie sie da stand, ins rosa rote Licht der ersten Sonnenstrahlen eingetaucht. Ihre offenen Tore gewährten einen Blick auf die noch ruhigen Straßen. Geschafft kniete ich vor den Toren und nahm erst etwas verspätet eine der Wachen wahr. Er war zu mir gekommen und schaute zu mir runter. Mit ruhiger Stimme fragte er: "Alles in Ordnung bei Euch?" Mein Blick wanderte zu ihm hoch und ein Lächeln schlich sich auf mein Gesicht. "Ja, es geht mir gut. Danke." Ich erntete einen fragenden Blick. "Ich bin nur froh, wieder hier zu sein." Mit diesen Worten erhob ich mich langsam wieder und nun lächelte auch der Gardist für einen kurzen Moment. "Na, das hört man doch gern. Euer Name lautet wie?" "Kyrill Scharré!", entgegnete ich ihm. "Dann wünsche ich Euch noch einen angenehmen Aufenthalt in Adoran, Herr Scharré!" Er begleitete seine Worte mit einer einladenden Geste gen Stadt und ließ mich dann passieren. Ich nickte ihm dankend zu und betrat Adoran. Vieles war zu erledigen...
Kaum war ich in meinem Laden angekommen, hatte ich mich bereits daran gemacht, die ganzen Sachen einzuräumen, Möbel abzubauen und auch zu verstauen. Einen Baumeister hatte ich gerufen und zusammen mit ihm einen Umzug durchgeführt. Ich würde mehr Platz brauchen in Zukunft! Im neuen Haus angekommen, räumte ich die ganzen Sachen wieder aus und verstaute sie in den erneut aufgebauten Möbeln. Dann setzte ich mich daran, alles, was ich nicht mehr benötigte zu entsorgen oder so abzuwandeln, dass es wieder brauchbar werden würde. Neue Vorhänge standen auf dem Arbeitsplan. Und Klamotten. Viele Klamotten. Bei der Gelegenheit setzte ich auch endlich mal den lange schon geschmiedeteten Plan einer greifbaren Farbpalette in die Tat um und fertigte von allen Schnitten ein Muster an.
Am nächsten Tag war dann auch Melina angekommen. Der Grund, warum ich hier so einen Wirbel gemacht hatte. Ich war ihr auf meiner Reise begegnet und von Anfang an war ich das Gefühl nicht los geworden, sie zu kenen. Es stellte sich später heraus, dass sie eine alte Kindheitsfreundin war. Und sie kannte sogar meine Eltern. Für mich war es wie ein Schlag. Ich wusste erst nicht, was ich fühlen sollte, doch als sie mich zu meiner Mutter nach Hause begleitet hatte und ich am eigenen Leib spürte, dass es wirklich so war, dass diese Frau vor der ich stand meine Mutter war, freute ich mich so sehr, dass ich es fast nicht mehr unter Kontrolle hatte. Einige Tage hatte ich bei ihr verbracht und auch Melina war dort geblieben. Ich erfuhr, dass mein Vater unter dem Banner des hiesigen Barons gefallen war, als ich etwa ein Jahr zählte. Nun lebte meine Mutter als Witwe alleine in dem Haus und wurde in der Vergangenheit regelmäßig von Melina besucht. Ich versprach ihr, dies auch zu tun, sofern ich mich von meiner Arbeit mal lösen konnte.
Der Abschied war mir etwas schwer gefallen, aber ich wusste, dass ich nicht noch länger weg bleiben konnte. Die Arbeit rief. Und außerdem wusste ich auch, dass Melina hinterher kommen würde. Sie hatte es nicht gesagt, aber man hatte es ihr ansehen können, dass sie dort weg wollte. Schon zu lange hatte sie nach einer großen neuen Gegend geträumt, wo sie ihrem Handwerk uneingeschränkt nachgehen konnte. Es hatte mich also durchaus nicht überrascht, dass sie nur wenig später in Adoran war, aber es trübte in keinster Weise meine Freude.
Nachdem wir beide uns in den neuen Abschnitt unserer Lebensgeschichten eingefunden hatten, begann ich wieder mit der Jagd und dem Weiterlernen, um bald Schneidermeister zu werden. Das Geschäft lief gut und ich merkte mit jedem Tag, wie es mir immer ein bisschen besser ging. Vermutlich war es die richtige Entscheidung gewesen, in der Vergangenheit zu stöbern, denn somit hatte ich mich selbst gefunden und ich mustes zugeben, dass mir mein neues Ich gefiel...

Abseits vom großen Trubel der Großstädte, Strand, Palmen, Meer... Klang super, aye. Aber da gabs einen Haken an dem Traumparadies, was im Prinzip wie für mich geschaffen war. Es hieß "La Cabeza". Und es hieß nicht nur so, sondern es war auch so. Eine Insel mit rauhem Pflaster. Und dennoch begann ich mich wohl zu fühlen. Normalerweise sprach es gegen all meine Prinzipien, mich auf sowas einzulassen, aber ich bekam Gefallen daran, nicht IMMER der charmante Gentelman zu sein, der sich so gut ausdrücken konnte und für den nur Arbeit zählte. Mit La Cabeza hatte ich eine neue Seite an mir entdeckt, obwohl ich zugeben muss, dass ich auch mein altes Ich noch mochte. Es war der lässigere Kyrill, der auch mal entspannt am Strand saß und es sich einfach nur gut gehen lies. Der die Formalitäten außer Acht lies und das alles nur, weil er es konnte. Noch vor ein paar Wochen wäre das unvorstellbar gewesen und nun fing ich an, zu trennen. Festland --> Kyrill Scharre, La Cabeza --> Kyrill. War eigentlich ganz einfach. Warum denn auch nur eine Sache ändern? Wenn ich schon den Wohnsitz so drastisch änderte, musste sich auch etwas an meiner Persönlichkeit ändern. Und zwar drastisch. Die letzte Zeit hatte ich nun Tag ein, Tag aus im Haus verbracht und gearbeitet. Zwischendurch war ich mal nach Bajard gefahren, aber eigentlich auch nur dann, wenn Mel da hin wollte. Bald würde ich Meister werden. Es gab ja noch eine Wette einzulösen. Allerdings musste ich auch zugeben, dass Mel gut war und sie lernte schnell. Es würde einiges an Arbeit kosten, vor ihr Meister zu werden. Aber wenigstens noch bis zur Jahreswende. Das war das Mindeste...

Verfasst: Dienstag 31. Dezember 2013, 16:28
von Kyrill Scharre
Einiges an Zeit war mittlerweile vergangen und es war mindestens genauso viel passiert. Melina war erst Meister der Schreinerkunst geworden, dann noch Meisterin im Bognern und irgendwo da in diesem zeitlichen Rahmen war auch ich Meister meines Faches geworden. Viele Nächte waren mit nur sehr wenig Schlaf an mir vorbeigezogen, als ich an den etzten Kapiteln meines Lehrbuches gesessen hatte. Ebenso hatte in dieser Zeit auch der Winter begonnen und das Festland wie jedes Jahr in eine eisige Schneelandschaft verwandelt. Ein schöner Anblick irgendwo, aber nach nun mehr als einem Mondlauf täglichem Sonnenschein und Strand war es nicht mal mehr annähernd so interessant wie es noch damals für mich als keiner Junge gewesen war.
Kaum hatte ich mich an meine Vergangenheit zurückerinnert, fragte ich mich, wie es meiner Mutter nun wohl ging. Sie lebte auf einem kleinen verlassenen Gehöf und auch bei ihr musste der Winter schon angekommen sein. In Gedanken verloren ging ich auf dem Strand auf und ab. Dabei ignorierte ich einmal die Sonne, deren warmen Sonnenstrahlen meine mittlerweile davon gekennzeichnete Haut berührten und auch mein Haar hatte dieses tiefe Schwarz verloren, was es einmal ausgemacht hatte. Es war nun mehr ein sehr sehr dunkles Grau, was durch den Wind am Strand wild umherwehte und mir gelegentlich ins Gesicht flog.
Es war schon erstaunlich, wie verschieden die Gegenden und ihre Menschen doch waren. Alleine wenn man schon von Adoran nach Berchgard ging oder von Schwingenstein nach Bajard.. Die Menschen hatten völlig verschiedene Vorstellungen vom Leben, doch es schien kategorisiert. Jeder wohnte da, wo es für ihn und seine Vorstellungen am Besten war. Doch was war mit mir? War ich wirklich jemand, der das Leben einfach nur lebte und es in vollen Zügen genießen wollte? War ich jemand, der handgreiflich werden würde, nur weil ihm gerade danach war? Und wenn dem allem nicht so wäre.. Warum lebte ich dann nicht immer noch in Adoran? Da wäre es ja eigentlich perfekt für jemanden wie mich. Das komplette Gegenteil eben. Irgendwas hielt mich hier, hatte mich schon hier hingezogen, bevor ich noch ahnen konnte, dass es mich festhalten würde. Was es war wusste ich nicht und ob es mir gut tat wusste ich noch weniger, aber ich würde es wohl einfach mal auf mich zukommen lassen müssen. Manchmal war es eben nötig, Altes zu vergessen, den Kopf auszuschalten und einfach nur mal in der Gegenwart zu sein. Auch die Zukuft war im Prinzip mittlerweile unwichtig geworden, denn was interessierte es mich, ob ich vielleicht mal in ein paar Mondläufen wieder eher der charmante Kyrill Scharre vom Festland sein wollte? Dann würde ich eben wieder das edle Hemd aus dem Schrank holen und die Schultern straffen, aufs Festland fahren und eine Runde anständiger Mann spielen...
Über mein Gesicht zog ein gefälliges Lächeln, welches sich schnell zu einem Grinsen entwickelte. Ein Blick hoch zum Himmel, dessen blauen Farben und die strahlende Sonne nun auch von mir wahrgenommen wurden und ich rannte zum Wasser. Ja, das war ich. Warum auch immer! ...

Das Ende einer Achterbahnfahrt...

Verfasst: Donnerstag 1. Mai 2014, 01:11
von Gast
*Höllische Schmerzen zogen durch meinen Körper. Fast hätte ich schon Angst bekommen, doch ich wusste bereits, was los war und so genoss ich es schon eher, denn ich wusste, dass es meine Erlösung herbei rief. Zu viele Wochen hatte ich das nun schon verspürt. Auch, wenn der stetige Druck in meinen Gelenken nicht einen Funken besser wurde, atmete ich tief ein und aus und lies mich auf den nächstbesten Hocker am Thresen sinken. Mit dem Rücken an das junge Holz gelehnt musste ich unweigerlich an Aroght denken, oder besser gesagt: an den Tag, an dem ich mit Aroght hier an genau dem Ort geredet hatte. Damals, und eigentlich ist es noch gar nicht so lange her, hatte ich eine komplett neue Seite von ihm kennengelernt. Eine Seite, die ich insgeheim immer gespürt hatte, mir aber bis dato verwehrt geblieben war. Die einfühlsamere Seite des sonst so frechen Piraten...
http://prntscr.com/3ezrbs
Naja. Irgendwie war es doch so gewesen. Zumindest fast. Meine Gedanken schweiften weiter und ich sah Mel vor meinem inneren Auge...
http://prntscr.com/3ezvv5
http://prntscr.com/3ezvka
Es sollte wirklich jemand aufschreiben, denn erzählen würde es wohl niemand mehr wenn erst mal ein paar Jahre in die Lande gezogen waren. Kaum hatte ich den Gedanken zu Ende gedacht, kam mir der Nächste...
http://prntscr.com/3ezwjv
http://prntscr.com/3ezwsb
Es war eine Lüge gewesen und das war wohl auch das Einzige, was ich daran bereute. Das ich Melina in dem Glauben gelassen hatte, es wäre nicht vorbei, doch das war es. Eigentlich war es das schon vor langer Zeit gewesen, doch ich hatte es mir selbst nicht eingestehen wollen. Vermutlich weil ich Angst hatte oder war es Schadensbegrenzung? Im Nachhinein betrachtet war ich mir nicht mehr sicher. Mittlerweile betäubt von den Schmerzen, die durchgehend durch meinen immer schwächer werdenden Körper zogen und ein schwarzes Flimmern vor meinen Augen verursachten, fasste ich zwei Schreiben auf:*


Hola, Aroght!
Ich weiß grad nicht genau, was ich sagen oder besser gesagt schreiben soll.*ein kleiner Tintenfleck soll wohl den Punkt darstellen. Es scheint, als hätte Kyrill vergessen, die Feder kurz abzusetzen.* Irgendwas muss ich dir aber noch sagen, also schreib ich einfach mal drauf los.
Ich bin echt froh, dich kennengelernt zu haben und entgegen aller meiner Befürchtungen habe ich mich sehr gut 'bei euch' eingelebt. Wohl Schicksal *wieder endet das letzte Zeichen in einem Tintenfleck* Aber das ist gar nicht das, worauf ich hinaus will. Was ich sagen will ist, dass du *immer wieder ganz kleine Kleckse* auf Mel aufpassen sollst. Ich weiß, dass sie das auch in aller Regel alleine schafft, aber ich würde mich wirklich wohler fühlen, wenn ich dich gelegentlich bei ihr wüsste.
Nunja. Das wars eigentlich auch schon, glaub ich.
Ky- *er wollte wohl schon unterschreiben, streicht es dann aber durch und setzt noch etwas darunter.*
Danke!
Kyrill *schließlich wird also doch unterschrieben*

Grüß dich!
Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll und eigentlich muss ich ehrlich sein, weiß ich gerade so einiges nicht.
Nur eines noch: Es tut mir Leid und ich hoffe, du bleibst wie du bist. *Auch hier ein Klecks aus Tinte, mangels Absetzen*
Ich liebe dich
Kyrill

*der Schluss kommt abrupt und scheint auch nur noch eilig hingeschrieben wurden zu sein. Auf den Brief wird dann noch kenntlich gemacht, dass er an Mel gerichtet ist.*
*Die Briefe gab ich beide einfach nur noch der nächstbesten Wache im Hafenviertel mit dem Kommentar, dass beide an Aroght Schwarzquell gehen sollten und dann begab ich mich auch schon auf das nächste Schiff, was Gerimor noch in wenigen Augenblicken verlassen sollte. Meine letzte, eigentlich verhasste Reise, denn ich konnte Schiffsfahrten nicht ab, doch diesmal merkte ich gar nichts davon. Ich war außer einem alten Mann und der Besatzung alleine und setzte mich einfach nur noch auf die Sitzbank.

Viele Stunden später, die Sonne hatte bereits zum zweiten Mal wieder angefangen, ihren Platz am Himmel einzunehmen, fuhr das Schiff im Hafen Kosnoks ein. Ich ging von Bord ohne etwas zu sagen und setzte nur noch handelnd und nicht ein bisschen mehr denkend einen Fuß vor den Anderen bis ich am Strand angekommen war. Dort stellte ich mich mit dem Blick aufs Meer gerichtet an einen Felsen und betrachtete das orange-rote Glitzern der ersten Strahlen auf den sanften Wellen. Dann überkam mich auf einmal das Bedürfnis, mich auf den Boden zu setzen. Ganz ungeschickt wie ein kleines Kind und einfach nur den Sand zwischen meinen Fingern zu spüren. Und kaum hatte ich es gemacht, sah ich einen uniformierten Mann und eine Frau in einem Bauernkleid vor mir auftauchen. Natürlich wusste ich, dass es keine echten Menschen, nur Trugbilder ihrer selbst waren, doch es fühlte sich einfach real an. Ein Lächeln glitt über meine Lippen, dann schloss ich meine Augen und gab mich dem Schmerz hin. Es wurde kurz schwarz und schließlich war es einfach nur noch vorbei.* Hallo, Mutter, Vater...