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Ulfrik - ein Wolfsheuler findet sein neues Rudel

Verfasst: Sonntag 17. November 2013, 01:32
von Ulfrik Ulfert
Leise waren die Schritte mit denen er sich bewegte. Immer wieder konnte man einen Schatten sehen, welcher jedoch im nächsten Moment direkt wieder verschwunden war. War es ein Trugbild gewesen? War es doch ein wenig zu viel Met gewesen in dieser Nacht, so dass einem die Sinne einen solchen Streich spielen wollten. Noch während man so sinnte tauchte plötzlich eine Gestalt direkt neben einem auf. Silberblond schimmerte das zerzauste Haar und war mit vielen Blättern geschmückt. Neben dem Thyren selbst war er eher unscheinbar. "Wer bist du und was machst du hier?" wurde er nun gefragt. Die Stimme war nicht unfreundlich doch durchaus fordernd. Der Waldmann mit dem kunstvoll gearbeitetem Bogen und dem Wolfsfell über dem Rücken nickte stumm, setzte sich auf einen Baumstamm und zeigte der Wache an es ihm gleich zu tun. Als dieser seiner Aufforderung nachgekommen war sahen ihn die grün-grauen Augen ruhig an während er langsam begann zu erzählen:

Viele Jahre ist es nun her das ich zur Welt kam. Es war eine Lichtung so wie diese hier hat mir meine Mutter immer erzählt. Mein Vater war gestorben und die Trauer hatte sie fort von diesem Ort hier geführt. Das sie damals guter Dinge war merkte sie erst ein paar Monde später und es war Thrail zu verdanken das die Geburt so problemlos verlief. Da war ich nun, ein kräftiger Junge mit einer Mutter in einem Wald. Eine kleine Hütte hatten wir, nicht groß doch genug um Beide darin zu wohnen. Es gab eine kleine Feuerstelle, zwei einfache Betten und ein Raum wo die Speisen gelagert werden konnten....doch ich schweife ab.

Ich hatte eine behütete Kindheit doch mein Drang zu lernen und mich zu verwirklichen wurden immer größer. Meine Mutter hatte mir viel über Thrail und auch Eluive die zerrissen wurde und nun die vier Elemente darstellt. Es war ihr sehr wichtig, dass ich alles darüber wusste denn ich glaube insgeheim wusste sie das ich irgendwann hierher zurückkehren würde.

Doch dies alleine half mir nicht wirklich meinen eigenen Weg zu finden. Ich streifte also durch die Wälder...tagelang, manchmal war wochenlang. Meine Mutter hatte mich anfangs noch zurechtgewiesen doch schnell hatte sie feststellen müssen, dass ich zum Einen immer wieder kam und das sie mich zum Anderen nicht hätte aufhalten können. Ich lernte viel in dieser Zeit. Bald schon konnte ich mir meinen eigenen Bogen bauen. War er auch nicht besonders schön so konnte ich doch gut damit schießen und mich und meine Mutter immer wieder mit Fleisch versorgen. Auch legte ich mich oft auf die Pirsch um viel über die Geschöpfe des Waldes kennenzulernen.

Eines Tages, es war Spätherbst, schlich ich wieder durch den Wald. Ich war wieder auf einen meiner längeren Ausflüge und war schon 4 Tage unterwegs. Im Dickicht sah ich eine alte Wölfin welche sich zurückgezogen hatte. Das Blut konnte ich bereits riechen. Sie hatte eine klaffende Wunde an der Seite und hatte sich wohl zurückgezogen zum sterben. Das muss ein riesiger Bär gewesen sein sag ich dir und der Kampf war auch sicher sehr wild. Der Bauch unten war aufgeschnitten und ein paar der inneren Organe sahen auch schon nach draußen. Die Wunde war noch recht frisch doch den Bär konnte ich nirgends mehr hören oder sehen. Ich hatte keine Angst und näherte mich der Wölfin welche mich auch sehr schnell witterte. Sie sah in meine Richtung mit ihren schwachen blauen Augen und knurrte ein wenig. Es war kein bedrohliches knurren auch wenn sie es wohl gewollt hätte das es so klingt, sie war einfach zu schwach.

Auf Knien näherte ich mich also ihr um nicht unnötig größer zu sein als sie. Das knurren wich nun etwas das zuerst ängstlich wirkte und dann einfach nur ruhig. Das ängstlich hab ich zumindest so aufgefasst da sie erst versuchte ein wenig zurück zu weichen doch es gelang ihr nicht. Ich war nun 1 Schritt vor ihr und streckte die Hand langsam aus. Ich hatte zu keinem Moment das Gefühl sie könnte nach mir schnappen. Nein sie sah mich einfach nur an und lies es zu das ich meine Hand an ihren Hals legte und sie langsam streichelte. Gerne hätte ich ihr geholfen doch ich wusste genauso gut wie sie das es bereits zu spät war. Also rutschte ich einfach noch ein Stück näher und legte mich neben sie, ich wollte sie nicht alleine sterben lassen und so streichelte ich sie einfach nur und wir sahen uns ruhig an. Ich weiß nicht mehr wie viele Stundenläufe das ich dort gelegen hatte bis sie schlussendlich starb und ihr Geist sie verließ. Ich bin ein starker Mann doch ich musste leise weinen und drückte mich fest an ihren toten Körper.

Es dauerte lange bis ich mich lösen konnte und aufstand. Jedoch, das kannst du dir sicher vorstellen, war der Schrecken groß als ich nun umzingelt war von lauter Wölfen. Es war wohl ihr Rudel das nach ihr gesucht hatte. Ich schluckte schwer und setzte mich einfach nur auf den Boden um abzuwarten...was hätte ich auch tun sollen? Weglaufen? Kämpfen? Nein, es war wohl für mich an der Zeit und ich hatte mich gar schon mit dem Gedanken angefreundet zu meiner Wolfsfreundin zu gehen und zu meinem Vater. Es war jedoch noch nicht meine Zeit, denn anstatt mich anzugreifen kam der größte der Wölfe auf mich zu und stubbste mich an bevor er sich neben mich setzte um zu heulen. Der Mond war aufgegangen und wie ich später mitbekam war es wohl seine Gefährtin die hinter uns lag und gestorben war. Anstatt mich also zu zerreißen erlaubten sie mir sie zu begleiten und viel Zeit mit ihnen zu verbringen. Ich sprach mit ihnen und war mir sicher das sie jedes Wort verstehen konnten.

Für immer konnte ich natürlich nicht bleiben, denn meine Mutter wollte ich nicht im Stich lassen. Ich erzählte ihr davon, dass ich mit den Wölfen gesprochen hatte und sie lächelte mich nur sanft an. Ich war verwundert wieso sie so ruhig reagierte doch als sie mir erzählte, dass auch mein Vater eine sehr gute Verbindung zu Wölfen hatte wurde mir vieles klar. Sie erzählte mir davon, dass er ein Wolfsheuler gewesen war und so wie ich auch tage- wochen- oder monatelang unterwegs war.

Immer wieder kehrte ich in den nächsten Jahren zum Rudel zurück, verbrachte einige Zeit bei ihnen und kehrte dann wieder zurück. Selbst wenn ich bei meiner Mutter war konnte ich von weitem ihr Heulen hören und ich wusste das stets jemand vom Rudel in der Nähe war. Sie hatten mich aufgenommen und beschützten mich.

Vor einigen Monaten hörte ich schon das Heulen von weitem. Eben noch bewegte ich mich langsam durchs Unterholz doch ich wusste woher das Heulen kam und so sprintete ich los, zur Hütte meiner Mutter. Der große Wolf...der Gefährte der Wölfin die damals in meinen Armen starb....lag vor unserer Hütte und das Heulen war ebenso kläglich wie damals an der Lichtung. Schwer schluckend ging ich hinein und sah meine Mutter auf ihrem Bett. Die Hände hatte sie am Bauch gefaltet, die Augen waren geschlossen und sie schlief...doch war es ein Schlaf aus dem man nicht mehr erwachen würde. Immer wieder schüttelte ich sie doch sie bewegte sich nicht mehr. Warum sie starb weiß ich nicht, doch das lächeln verriet mir, dass sie wohl nicht hatte leiden müssen.

Da stand ich nun, kein Vater, keine Mutter. Zwar hatte ich meinen Wolfsrudel gefunden doch es war nicht dasselbe. Viele Tage streifte ich ziel- und orientierungslos durch den Wald bis ich immer wieder eine Stimme vernahm. Es war eine Frauenstimme die der Wind brachte. Sie sagte sie wäre die Dame im Wind und leitete mich weiter. Ich folgte ihren Anweisungen und kam alsbald dorthin wo ich mein weiteres Leben verbringen sollte....


Er sah den Mann nun neben sich an "...die Frage ist nur ob ich hier auch erwünscht bin?" Der Thyre der zur Wache eingeteilt war nickte einige Male bevor er meinte das einer der ihren hier immer willkommen sei "Wie ist dein Name?" fragte er noch und während die Beiden zum Stamm gingen antwortete dieser knapp "Ulfrik Ulfert"

Verfasst: Sonntag 29. Dezember 2013, 19:23
von Ulfrik Ulfert
Ulfrik wachte nach einer weiteren Nacht im Haupthaus auf. Er hatte sich im Schlaf auf die linke Schulter gedreht und wurde schmerzhaft daran erinnert das dies keine sehr gute Idee war. Kurz sah er sich leicht benommen um, durch die Fenster konnte er sehen das es gerade erst zu dämmern begann draussen. Er atmete einmal tief durch und lies die letzten Tage revue passieren:

Es war vor 3 Tagen als er sich mit dem Bogen aufgemacht hatte um zu jagen. Thorlav hatte ihn ermahnt nicht nur immer im Wald und in Wulfgard zu schnitzen sondern endlich noch sicherer mit dem Bogen zu werden. Diesen Ratschlag hatte er auch schon die Tage und Wochen zuvor beherzigt und so waren seine Fähigkeiten stets besser geworden. Wie meistens wollte er die selbe Runde drehen, erst in den Berg vor Frostklamm und später in das Dorf in dem das ganze Jahr Schnee lag und einige Frosttrolle und Zweiköpfe hausten.

Er ritt mit seinem Pferd los von Wulfgard, eine gute Anzahl Brandpfeile die er selbst geschnitzt hatte und seinen Langbogen mit sich führend. Bei dem Stallmeister vorm Berg gab er wie immer seinen Gaul ab und stapfte los in den Berg. Seine ersten Gegner waren ein paar Obsidianwesen, teils magisch begabte Schlangenvieher die er sich lieber auf Abstand hielt mit seinem Bogen. Nicht länger als sonst brauchte er dafür und wollte eben weiter in den Berg vordringen als er plötzlich hinter ihm ein "Heil Alatar" hörte. Verwundert drehte er sich um und grüßte ebenso freundlich. Mit den Göttern hatte er nie viel am Hut und auch wenn er wusste das Alatar von den schlechten Städtern angebetet wurde so wollte er dennoch höflich sein. Nur höflich, nicht mehr. Er wollte weder mit ihm jagen gehen noch sich in ein großes Gespräch verwickeln lassen nahm er sich vor.

Vor ihm jedoch war kein Städter, es war ein Wesen wie er es noch nie gesehen hatte. Dunkle Haut hatte es, leicht spitz abstehende Ohren und wie er fand sehr böse Augen. Kurz zauderte er doch viel mehr Zeit blieb ihm auch nicht denn der schwarze Elf griff ihn direkt an mit sehr schnellen und anmutigen Bewegungen. Ulfrik wartete einige Augenblicke ab, lies ihn kommen und packte genau im richtigen Moment zu um, wohl zur deutlichen Verwunderung des Letharen, diesen am Hals zu halten und ihm leicht die Luft abzudrücken. Er hatte nicht vor ihn zu töten doch es sollte durchaus eine Warnung sein, dass man einen Thyren nicht ungestraft angreift. Gerade wollte er etwas sagen als er einen Stich im rechten Unterarm spürte und er mit einem jaulen, einem Wolf nicht unähnlich, die Hand öffnen musste und der Lethar vor ihm auf den Boden zurückglitt. Ganz elegant landete dieser auf beiden Füßen, absolut lautlos.

Ulfrik sah einen Dolch in seinem Unterarm stecken den er wütend herauszog und gegen die Felswand pfefferte ein paar thyrische Flüche von sich gebend dabei. Gerade wollte er wieder einen Schritt nach vorne machen um nun seinerseits anzugreifen als er einen stechenden Schmerz in der linken Schulter spürte. Das letzte was er sah war der hämisch grinsende Lethar vor ihm und eine Stimme hinter ihm welche jedoch nur noch dumpf zu hören war. Dann wurde alles schwarz und er sackte leblos in sich zusammen.

Er konnte nicht mehr sagen wie lange er dort gelegen hatte als er von einem unsanften stubbsen geweckt wurde. Sein Pferd stand neben ihm und stubbste ihn unaufhörlich und schnaubte immer wieder. Alles war verschwommen vor seinen Augen doch er erkannte das er in einer Lacke seines eigenen Blutes lag, von seinen Angreifern war weit und breit nichts zu sehen. Mit letzter Kraft zog er sich auf sein Pferd welches dafür in die Knie gegangen war wohl um ihm zu helfen. Das Pferd trabte los wohin konnte er nicht mehr registrieren.

Kurze Momente sah er in dieser Nacht nur immer wieder. Er lag auf einem Steinboden, er sah Enya, er hörte seine Wölfe und sah diese auch und ein alter Mann war da noch den er nicht zuordnen konnte. Es waren immer wieder nur wenige Sekunden die er mitbekam, meist von Schmerz begleitet der ihn auch wieder in die Bewusstlosigkeit zurückschickte.

Die nächste richtige Erinnerung hatte er erst tags darauf wieder. Er sah die besorgten Gesichter von Hamingja und Norwin. Er war wieder in Wulfgard und lag ihm Haupthaus wo gerade sein Verband gewechselt wurde.

Hamingja versorgte ihn rührend mit Tee und Essen. Auch der alte Wolf aus seinem Rudel lag neben ihm und hielt müde Wache über den Wolfskrieger......

Verfasst: Montag 30. Dezember 2013, 03:15
von Torjan Eichental
Im ersten Augenblick, als Enya den Verletzten von den Fellleuten zu ihm brachte, glaubte er, amputieren zu müssen. Er sah nur noch Blut, Blut und noch mehr Blut. Wohl zog sich die Blutspur von Naischas Reiterhof durch den Sumpf bis zu seiner Villa hin.

Nur eines war in seinem Kopf: Er musste es schaffen, die Blutungen zu stillen. Das war nicht einfach. So viele Verletzungen waren an seinem Körper.

Es war wohl einer der schwierigsten Fälle, die er jemals in diesem Land zu behandeln hatte. Vielleicht der Rafael-Sör oder der Cedric stünden da mit ihren Verletzungen noch gleichrangig.

Mit schwerem Herzen und ungewiss, wie es weitergehen würde, entließ er den Patienten auf einer Pferdetrage nach Wulfgard. Torjans Villa war nicht auf die Pflege von Verletzten ausgerichtet und er hoffte auf gute Heiler in den Reihen der Fellleut, die den Ulfrik weiter behandeln würden.

Eine Botschaft erreichte ihn aus Wulfgard bezüglich einer Knochenverletzung, die Ulfrik erlitten hätte bei dem ganzen Drama. Es schien eine glückliche Fügung, die wohl Horteras herbeigeführt hatte, dass er Ulfrik am Markt zu Adoran traf. Wie schwach war er, aber dennoch getrieben, sein Fell zu verlassen und wieder hinauszugehen ins Land, um sich am gesellschaftlichen Treiben zu beteiligen.

Als Torjan nun von Ulfrik selbst erfuhr, dass wohl ein Knochen lädiert wurde bei dem Kampf, machte er sich heftige Selbstvorwürfe. Er hatte ihn in jener Nacht nicht komplett untersucht, nur versucht, die Blutung zu stillen und damit sein Leben zu retten. Was aber wäre ein Leben, wenn er keinen Bogen, keine Armbrust mehr halten könnte?

Torjan selbst war sich unsicher wegen einer weiteren Nachbehandlung. Auch wollte er den Medizinmann der Fellleut nicht beleidigen. Doch die Zeit drängte, das Gespräch, das der Medizinmann wünschte, konnte in den nächsten Tagen wohl nicht statt finden, da Torjan auf Reisen wäre.

Er holte Lili hinzu, um sie um ihren fachlichen Rat zu befragen. Das, was er im Gefühl hatte, bestätigte sie ihm. Der gebrochene Knochen musste - nach eingehender Untersuchung - richtig positioniert werden. Eine sehr schmerzhafte Angelegenheit für den Patienten, noch dazu, wo es ihr erst nach dem zweiten Versuch gelang, diesen Knochen wieder richtig einzurichten.

Einmal mehr brachten sie ihn nach Wulfgard. Torjan war sich sicher, dass sich die Fellleut dort gut um ihn kümmern würden.

Bei einem allerdings war er sich unsicher. Ulfrik brauchte dringend Ruhe ... wie sagten sie? Fellruhe. Irgendwie erinnerte ihn dieser Ulfrik an den Rafael-Sör und den Cedric. Die wollten auch nie ruhen, wenn sie schwer verletzt waren.

Torjan machte sich Sorgen um Ulfrik. Er wollte ihm verständlich machen, dass er seine Wölfe beobachten und befragen sollte, aber irgendwie ging das schief, weil Ulfrik die Handelssprache kaum beherrschte.

Immer wieder musste er an das Bürscherl denken, ja sogar in seinen Träumen tauchte er auf und ließ ihn keinen tiefen Schlaf finden. Wenn er von seiner Reise zurück wäre, würde er wieder bei den Fellleuten nachfragen, das nahm er sich fest vor.

Ein verletzter Wolf

Verfasst: Montag 30. Dezember 2013, 08:47
von Hamingja Hinrah
Einen Tag und eine Nacht hatte Hamingja in der Wildnis der nordischen Wälder zugebracht, bis sie zurück nach Wulfgard kehrte. Aswins ungehalten besorgtes Gesicht, welches er immer mit "alles wird gut" quittierte sagte ihr dass irgend etwas nicht stimmte. Da aber niemand sonst anwesend war den sie hätte ausquetschen können, betrat sie erst einmal die große Halle. Dort lag Ulfrik und hatte wohl geschlafen, ihre Schritte machten ihn jedenfalls darauf aufmerksam dass jemand den Raum betreten hatte und er flüsterte ein schwaches Hossa. Hamingja erwiderte und kam näher, dann erst bemerkte sie die ungesunde Blässe im Gesicht des Wolfsheulers.

Er beantwortete ihr Nachfragen mit den kurzen Worten "Heil Alatar". Hamingja wusste, dass Ulfrik des Städterischen nicht ganz kundig war, dass er statt dessen nachplapperte was er hörte und von dem er glaubte, es sei richtig. Daher war ihr klar, dass es etwas mit seiner Situation zu tun haben musste. Der Erzählung von kleinen Gestalten dunkelblauer Haut zufolge waren es also nicht irgend welche Anhänger Alatars, sondern dessen Kinder, die Letharen gewesen. Hamingja brummte kurz auf, doch sie besann sich wieder. So groß der Drang nach einer Jagd auf Letharen nun auch war, gab es momentan wichtigere Dinge. Ulfrik war zu schwach, um sich selbst zu versorgen und die Vorbereitungen für den Winter liefen noch, außerdem war sie ein Weib also fasste sie den Entschluss, seine Pflege zu übernehmen.

Gleich nachdem sie das Metall an ihrem Körper durch Stoff und Fell ersetzt hatte machte sie sich daran, ihm einen ordentlichen Eintopf zu kochen. Kartoffeln und Zwiebeln fanden ihren Weg dort hinein, klein gestampft, dazu Erbsen und Möhren sowie eine kleingeschnittene Mettwurst und zur Krönung einen guten Schluck Met. Für den alten Wolf an Aswins Seite bereitete sie eine gute Wildkeule vor, denn auch er machte einen geschwächten Eindruck. Gerade servierte sie die Speisen, da sollte es am Tor klingeln. Aswin ließ Enya vor, die mitgeholfen hatte, Ulfriks Leben zu bewahren. Hamingja hatte ihm geholfen, sich aufzusetzen und sich dann hinter ihn gesetzt, damit er sie als Lehne nutzen könnte. Gierig verschlang er die Suppe, mit der er gefüttert wurde während er sich mit ihr und Enya über sein Befinden und das Geschehnis unterhielt. So erfuhr er nicht nur von den Feinden der Thyren, sondern auch die Gründe dieser Feindschaften. Hamingja erzählte ihm von Ulfsteinn und dem großen Krieg zwischen den Clans, herbeigeführt durch die Zwietracht der Alatarischen. Tragischerweise schien es, dieses Unglück hätte vermieden werden können, wäre Ulfrik diese Geschichte vorher schon erzählt worden.

Sie unterhielten sich angeregt über Ulfriks Rudel. Hamingja war etwas zurück gerutscht, Ulfriks Kopf war auf ihrem Brustbein gebettet, er sollte es gemütlich haben. Der alte Wolf begann zu knurren. Etwas passte ihm nicht, er schnupperte an Ulfriks Hand, die dieser eben von seiner linken Schulter genommen hatte. Er versuchte abzuwiegeln, doch gegen die beiden Frauen hatte er keine Chance. Es stellte sich heraus, dass an der Schulter die Naht an einer kleinen Stelle aufgegangen war. Enya hatte schon einmal geholfen, also würde sie es auch wieder können, also schickte sie diese los um alles Nötige in der Festung zu besorgen. Während Hamingja die Blutung mit der abgewickelten Bandage zu stoppen versuchte, sank Ulfrik in die Bewusstlosigkeit. "Ney schlafen!" mit besorgten Rufen wollte sie ihn zurück holen. "Erzähl mey von deinem Rudel!" forderte sie ihn auf, doch er brabbelte nur etwas von "so schön" und "meine Ahnen". Er drohte, ihnen zu entgleiten. Enya kam mit den Dingen zurück und machte sich gleich an die Arbeit. Ulfrik war weggetreten genug, um die Stiche nicht zu kommentieren oder sich ihnen zu entziehen, so war die Arbeit schnell getan und die Schulter wieder frisch verbunden. Auch hatte sie Kräuter für einen Tee mitgebracht den sie nun zubereitete, einen Tee welcher gegen Krankheiten helfen sollte. Er sollte selbst mit Honig widerlich schmecken, doch Ulfrik nahm ihn tapfer.

Später am Abend, Enya war inzwischen gegangen, schaute Norwin nach seinem Patienten. Er war besorgt wegen des linken Armes, dass Ulfrik nicht einmal Gefühl darin habe, würde jedoch nach einer Lösung dafür suchen. Er machte sich sofort daran. Hamingja spürte, wie fürchterlich sich der Wolfsheuler fühlen musste: wie ein nutzloses Glied im Rudel. Also heiterte sie ihn nach Kräften auf. Schließlich hätte Wolf ihn gerettet und seine Ahnen hätten gelächelt als sie ihn zurückschickten, nicht in Anundraf behalten hatten. Es wurde spät, es wurde still und beide wurden schläfrig. Hamingja hatte Ulfrik inzwischen wieder auf den Rücken gelegt und mit Fellen zugedeckt, saß auf dem Fell neben seinem Kopf und strich über sein Haar. Auch der alte Wolf hatte sich schlafen gelegt, neben seinem Freund, nachdem er davon überzeugt war dass Hamingja aufpassen würde. Nach einer Weile legte auch sie sich dort hin und schlief ein.

Neuer Tag, neues Glück, oder auch nicht, denn wie sich herausstellte, war Ulfrik ausgebüchst. Er hatte die Zeit genutzt als Hamingja ihren Rundgang über das Thyrengebiet gemacht hatte und außerdem allen gesagt, dass diese nichts davon erfahren dürfe. Als diese ihn in der Festung nicht finden konnte, quetschte sie Aswin aus. Der Unglückselige konnte es ihr nicht lange vorenthalten, doch hatte er anscheinend eine andere Reaktion erwartet. "Wenn er meint, er kann dat, dann soll er. sey schließlich 'n Kerl" meinte sie darauf, als sie die Information endlich hatte. Nach Adoran also, vermutlich zum Markt und wenn es ihm schlecht ging, würde er sicherlich in der Wolfshöhle unterkommen.

Als spät Abends die Dunkelheit herein zu brechen begann, wuchs ihre Sorge doch. Keine Nachricht, kein Ulfrik. Was, wenn er auf dem Heimweg.. aber er hatte doch sein Rudel mit, einer von ihnen wäre sicherlich schon lange höchst aufgeregt in der Festung herumgelaufen. Das war nicht geschehen. Also schwang sie sich auf den Rücken von Frekyrr und brach auf, nicht zu schnell um nichts zu übersehen aber schnell genug um.. nun, das schlimmste zu verhindern. Sie war gerade angekommen und wollte von der Wolfshöhle zum Markt aufbrechen um dort mit der Suche anzufangen, schließlich sollte man meinen dass ein hochgewachsener Thyre in dieser Stadt auffallen sollte, kam ihr Enya in Begleitung von Ashtar entgegen. Diese hatte ihn zwar nicht gesehen, doch meinte sie man könnte doch in dem Lehrspital nachfragen, dort wollte sie sowieso gerade hin und außerdem habe sie gerade den Torjan dort aus dem Fenster gehört. Es könnte sicher nicht schaden, also versammelten sie sich vor dem Eingang, den Hamingja als erstes durchschritt. Die hochgewachsene Erscheinung in massiver Metallrüstung sorgte für eine schlagartige Ruhe in dem Raum.

Begrüßungen wurden ausgetauscht und endlich konnte sie die Frage stellen, die ihr schon so auf der Zunge brannte. "Habt dey den Ulfrik gesehn?". Tatsächlich, das hatten sie und er wäre sogar hier, sie mussten ihm den Arm richten, hätten ihn korrigiert und nun wäre es besser. In diesem Moment kam er hinter einem Vorhang hervor, machte ein geknicktes vorsichtig zurückhaltendes Gesicht. Anscheinend befürchtete er, die Thyrin würde wegen seiner Unüberlegten Handlung eine Szene veranstalten oder mit Bratpfannen um sich werfen, doch seine Befürchtung sollte nicht erfüllt werden. Vielmehr war die Kriegerin erleichtert, ihn gesund und aufrecht stehend erblicken zu können. Torjan erzählte ihr, wie sie ihn auf dem Markt vorgetroffen hatten, kam ihr näher, immer weiter. Dieser Alte und der verklärte Blick mit dem er sie immer anglotzte, seit dem Vorfall damals am See. Es war schon Jahre her, doch fuhr es ihnen jedes Mal durchs Hirn, wenn sich ihre Blicke trafen. Seine Gedanken mündeten vermutlich in Schwärmereien jüngerer Tage, während sie sich wünschte, dass jene Begegnung damals doch bloß nicht passiert sei. Liliana, die sie für die Leiterin des Hospitals hielt, lud zum Tee ein, alle ließen sich nieder, Hamingja verlangte es nach einem Met doch es sollte ihr verwehrt bleiben. Ulfrik, der sich in die Mitte der großen Bank gesetzt hatte und damit zur Freude der Thyrin verhindert hatte, dass sich der in höchsten Wolken schwebende Torjan neben ihr Plaz nehmen könnte, was von diesem nur mißgünstig hingenommen wurde, sollte das mit thyrischem Bräu gefüllte Horn erhalten. Das Getränk der Ahnen würde ihn für die Heimreise stärken.

Zu eben Jener gab es anschließend eine rege Diskussion. Er solle noch einige Tage bleiben, damit der frische Bruch weit genug verwachsen könne. Ulfrik bat Hamingja darum, diese Entscheidung zu treffen. Für sie war klar, wenn er hier in einer Stadt aus Stein ohne sein Rudel bleiben muss, würde er nie gesund. "Kann das Rudel nicht zu ihm" war ein Vorschlag eines der Anwesenden, doch die 34 Wölfe würden sich wohl kaum freiwillig nach Adoran bewegen, zumal das Regiment sicherlich auch noch ein Wörtchen mitzureden hätte. Er müsse Heim, zu den seinen, das stand fest. "Es ist zu gefährlich", meinte Liliana. Es dürfe keine Erschütterung stattfinden, die den Knochen verschiebe. Torjan schlug den Bau einer Trage vor, die vorn von einem Pferd gehalten und hinten durch den Schnee gezogen wird. Man einigte sich darauf und trug das benötigte Holz, die Lederriemen und Felle zusammen. Alle Anwesenden halfen beim Bau, Enya und Ashtar gingen sehr sorgfältig mit dem Leder um als sie es an die von Torjan zurechtgesägten Hölzer banden während Hamingja ihr Pferd vorbereitete. "Was ist denn nun mit den Brücken, da sind Treppen" merkte jemand an. Dieses Problems waren sie sich vorher schon bewusst, doch wollten sie es Ulfrik auch nicht zumuten, sich bis über die Brücken zu schleppen, möglicherweise noch auszurutschen und die Situation zu verschlimmern. Da kam Hamingja die zündende Idee. Sie griff nach einem Trank, welcher sie einige Zeit kräftigen sollte und zudem noch Lasten um ein vielfaches leichter erscheinen lässt. "Damit könnt mey dich auf einem Arm nach Wulfgard tragen" meinte sie scherzhaft und trank ihn, während sich Ulfrik auf der Trage niederließ. "Davon hört niemand was, klar" murrte er, in dem wissen dass er als Kerl sich würde herumtragen lassen müssen. Er wurde mit einigen Fellen zugedeckt. "Wir transportieren doch nur Fell" meinte Ashtar zwinkernd zu ihm, und anscheinend genügte diese Illusion.

Torjan führte das Pferd an, zwischendrin schwebte die Liege mit brummenden Fellen und hinten lief Hamingja, die mit einer stoischen Ruhe die Liege in der Waage hielt. Einzig an den Brücken musste sie etwas mehr aufpassen. Nebenher lief Ashtar, der darauf achtete dass die mit dem Sattel verbundenen Riemen sich auch nicht lösten. Er verließ die Gruppe, als sie Wulfgard erreichten. Aswin kam herbei, um das Pferd entgegen zu nehmen und brach in Gelächter aus, als er Ulfrik erblickte. Dieser herrschte ihn gleich an. "Niemand, klar!" und Hamingja erklärte dem Lachenden noch, dass einer der den Angriff von zwei Letharen überlebt hat sich auch mal durch die Gegend tragen dürfe. Nach einer Weile beruhigte er sich wieder, wenn auch noch kichernd trug er mit Hamingja zusammen den Patienten in die große Halle. Da das restliche Rudel schon zu schlafen schien, war die Schmach Ulfriks gering und er schlief sehr schnell wieder ein. Hamingja und Torjan unterhielten sich noch eine Weile, bis auch er zu müde wurde und in sein Haus zurück kehrte. Hamingja nahm den Platz neben Ulfrik ein und wachte über seinen Schlaf.

Verfasst: Dienstag 31. Dezember 2013, 18:18
von Gast
Sie brachten Ulfrik ins Hospital, Torjan erklärte zunächst was er vorher schon unternommen hatte. Ulfrik erklärte einige Male daß sein Arm tot sei.
Ein wenig beschämt erkannte sie daß sie ihren Einwand beim Markt nicht ernst genug genommenhatte, aber sie war abgelenkt gewesen. Sie war noch beim Aufbauen ihres Standes gewesen und erste Interessierte Besucher waren auch schon da. So kam es daß sie sein Problem nicht so ernst aufasaste und ihn mit der Auskunft daß so eine Verletzung Zeit brauche abwimmelte.
Erst später im Hospital wurde ihr klar wie gravierend die Probleme waren und nun war sie voll auf ihn konzentriert. Sie untersuchte seine Schulter den Arm sowie den Halsbereich und stellte fest daß das Schlüssselbein nicht nur gebrochen war sondern daß die Knochenfragmente sich in ein ander verschoben hatten. Dabei war offensichtlich ein Nerv eingeklemmt worden. Dadurch die Taubheit in seinem Arm und die Bewegungsunfähigkeit.
Lange betastete sie behutsam seinen Arm. Was sie vorhatte war eigentlich ganz einfach und doch so schwierig. Alle mußten mithelfen sogar Hailey Lynn die gerade dazu kam. Ulfrik bekam eine Flasche Schnaps, auch wenn Lili ein anders Betäubungsmittel durchaus lieber gewesen wäre, aber bei Thyren mußte man manchmal auch Kompromisse eingehen. Assamaril, Hailey und Torjan versuchten dann den für menscliche Verhältnisse immer noch recht großen Thyren zu halten.
Lili erklärte diesem sie würde bis 3 zählen und dann an seiner Schulter rucken.. dabei würde sie versuchen den Knochen wieder an seiner ursprünglichen Position zu bringen.
Sie machte keinen Hehl daraus daß das ganze sehr scherzhaft sein würde, was ihr einen giftigen Blick von Torjan eintrug.. der kurz zuvor noch behauptet hatte daß es nur ein kleines bisschen weh tuen würde.
Torjan stopfte Ulfrik noch ein zusammengerolltes Handtuch in den Mund, was Lili amüsiert schmunzelnd zur Kenntnis nahm, dann begann sie zu zählen.
1...
2... und schon ruckte sie hart an seiner Schulter. es knirschte fürchterlich und Ulfriks Schmerzen mußten wohl grausam sein.. Leider war es ihr auch nicht auf Anhieb gelungen den Knochen genau richtig zu positionieren, so daß sie den Sitz mit einem erneuten aber leichteren Rucken korrigieren mußte. Ein erneutes Knirschen .. dann ein Knacken. .das Lili signalisierte daß der Knochen nun nicht mehr in einander verschoben war. Lili atmete erleichtert auf, dann begann man den Arm zu schienen und so zu fixieren, daß Ulfrik ihn nicht mehr bewegen konnte. Torjan benutze dazu einen Kerzenhalter den er mit seinem Arm auf dem Rücken festband.
Immer wieder beeindruckte er sie damit wie er mit einfachsten Mitteln Dinge erreichte, wozu sie komplizierte Hilfsmittel verwendeten.

Kurz darauf kam dann noch eine Thyrin die sich als Hamigja vorstellte, sie bestand darauf daß Ulfrik nach Wulfgart gebracht werden müßte. Lili riet ab und gab dann allerdings zu daß er mit einem Schlitten recht sicher transportiert werden könne. Sie verabschiedete sich allerdings von der Gruppe, bevor diese zur Tat schritt und wünschte noch einen angenehmen Abend.

Verfasst: Montag 5. Mai 2014, 10:53
von Ulfrik Ulfert
Es war eine ruhige Nacht gewesen bis zu diesem Zeitpunkt....Wulfgard schlief und auch die Wälder waren ruhig gewesen die letzten Nächte. Diese Stille jedoch wurde jedoch jäh unterbrochen als wie auf Kommando 30 Wölfe zu heulen beginnen. Kein Heulen des Alarms sondern eher der Trauer und des Schmerzes. Bald schon würden sicherlich auch andere Wölfe mit einsteigen die nicht direkt zu Ulfriks Rudel gehörten.

So sich jemand aufrafft wird er schon wenige Momente später den Wolfsheuler sehen...auf dem Arm den alten Wolf, das Alphatier seines Rudels. Leblos hängt der Kopf nach unten....die Zeit des Wartens ist vorbei, der große Wolf hat ihn zu sich geholt. Die Augen von Ulfrik sind gerötet doch sein Blick ist stolz. So er angesprochen wird wird er nicht reagieren sondern seine Schritte weiter lenken....dorthin wo der Lieblingsplatz seines Wolfes gewesen war, gefolgt von seinem Rudel und einem Jeden der ihn sonst noch auf diesen letzten Weg begleiten wird.

Dort angekommen wird schweigend ein tiefes Loch gegraben, dann wird er seinem Wolf sehr sorgfältig das Fell abziehen um nichts verkommen zu lassen. Er wird sich davon eine Rüstung anfertigen lassen.....doch noch nicht im Moment.

Der Leichnam des alten Wolfes landet in dem Loch und mit stillen Worten nun wirft er einige Dinge hinein für die Ahnen und auch um die Geister milde zu stimmen. Erst als er damit fertig ist dreht er sich zu den Anwesenden und setzt an um ein tiefes, kehliges Heulen in die Nacht zu schicken....der alte Rudelführer war gegangen und nun war es an der Zeit für den neuen Führer seines Rudels.....Ulfrik