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Über Einsamkeit und Zweisamkeit

Verfasst: Montag 28. Oktober 2013, 21:32
von Amylia
Es war ein sehr ruhiger Abend in der Taverne, nur wenige,
vom Wetter durchnässte Landstreicher suchten sie auf
um sich kurz am kuscheligen Kamin zu wärmen,
oder sich vor der wohl verdienten Nachtruhe nochmal gehörig
den Bauch voll zu schlagen.
Schließlich wusste man nicht, wann man auf der langen Reise
wieder etwas zwischen die Zähne bekommt.

Und wohl ob der wenigen Kundschaft, die es zumeist erfolgreich bewältigte,
sie von ihren seltsam umher schwirrenden Gedanken abzulenken,
geisterten ihr Fragen durch den Kopf, mit denen sie sich
seit wenigen Tagen vermehrt auseinander setzte.

Familie
Es gibt auf der ganzen weiten Welt, so groß und verwirrend sie auch sein mag,
nichts wichtigeres, als die Familie. Aber für jeden ist Familie etwas anderes.
Das, was es wohl am seltensten in der Konstellation gibt, ist das,
was sich die meisten herbeisehnen oder stets gewünscht haben.
Liebende Mutter, liebender Vater, vielleicht ein Geschwisterchen das auf einen aufpasst,
oder für den man der Beschützer ist. Da spielt es gar keine Rolle,
ob man in einem Palast haust oder in einer einfachen Lehmhütte am Waldesrand.
Wieso? Weil man geliebt wird.
Man ist nie arm. Und man kann es nie werden.
Selbst wenn man vom Wind an einen anderen Ort geweht wird, ist man nicht alleine.
Doch ist es in dieser Zeit, in der wir leben, selten,
dass die Mutter zum einen die Geburt überlebt, dass der Vater nicht im Kriege fällt,
dass Geschwister nicht früh an einer weit verbreiteten Krankheit versterben.
Gibt es gar Menschen, die niemanden haben? Jeder braucht eine Familie.
Man ersetzt sie, mit Freunden, Menschen die einen stets umgeben
und einem das wohlige Gefühl geben, geborgen zu sein.

Und doch muss man eines einsehen.
Irgendwann wird es Zeit, eine eigene Familie zu gründen.
Erwachsen und selbstständig zu sein. Schließlich war dies genau das Ziel,
was unsere Eltern für uns wünschten, ob wir sie kennenlernten,
oder nicht.

Sie musste sich eingestehen, so schwer es ihr auch zu akzeptieren fiel,
dass sie sich nach ihrer Familie sehnte. Zwar vermisste sie ihre verstorbenen Eltern
und ihre weit entfernt ansässigen Brüder, doch wünschte sie sich mehr eine eigene Familie.
So sehr, dass sie bereit war, Kompromisse einzugehen und Abstriche zu machen,
die sie nur temporär akzeptieren könnte?

Wenn sie sich umsah, fielen ihr nur Menschen ins Auge,
die gerade glücklich dabei waren ihre eigene Familie zu gründen,
oder die mit dem „Alleine-Sein“ mehr als zufrieden waren.
Sie jedoch befand sich gerade weder in der einen, noch der anderen Situation,
und musste daher eine weitreichende Entscheidung treffen.