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Ein Schwert des Ordens unter Temoras Licht
Verfasst: Sonntag 27. Oktober 2013, 21:31
von Niowe Adela Aireth
25. Goldblatt 256
Die Herrin ist gütig und in ihrer Gnade hat sie mir nun eine neue Familie beschert. Etwas was ich nie erhofft habe. Brüder und Schwestern und ihn, den Pater, der wie ein Vater uns leitet. Schon damals, als ich mit ihm einst sprechen durfte, wusste ich, das ist ein ganz besonderer Mensch, der in jedem seiner Worte, in seiner Bescheidenheit und Güte zu dem Menschen, der da vor ihm stand, Temora lebte und atmete. Die Herrin hat ihn erwählt und meinen Weg abermals hierher geführt. Ich fühle in seiner Nähe Temora und das ist ein unbeschriebenes Gefühl.
Werde ich je diese Verinnerlichung aller Tugenden Temoras ausstrahlen können wie er? Je so erhaben, so gütig und rücksichtsvoll sein, wie der Pater es ist?
Wenn ich vor ihm voller Respekt und Achtung mein Knie beuge, habe ich das Gefühl, er kennt mich in- und auswendig, er weiß über jeden Fehler Bescheid, jede unbedachte Handlung und meine Sturheit. Eigentlich sollte das mir Angst machen, aber die habe ich nicht, denn ich sehe Güte und Gnade in seinen Augen, wie ein Vater, der seinem Kind vergibt. Mein Vater war auch so, nur ein wenig anders, zuerst tobte er, dann wurde er ruhig und dann ließ er Milde walten.
Ich befürchte mein Weg ein wenig so zu werden wie unser Pater, falls ich ihn je erreiche, wird steinig sein, aber ich habe keine Angst vor steinige Wegen, denn meine Liebe gilt Ihr, der Herrin und Sie hat mich stets begleitet.
Sie weiß, dass ich ein Mensch bin voller Fehler und doch hat sie mir diese Gnade gewährt nun hier
verweilen zu dürfen. Sie hat wohl ein gutes Wort für mich bei dem Pater und den Brüdern und Schwestern eingelegt, davon bin ich überzeugt, und ich bin Willens keinen je zu enttäuschen. Wir dienen Ihr hier im Orden mit unserem ganzen Herzen darauf kommt es an.
Wie stolz wäre mein Bruder Micheil nun auf mich, wüsste er davon. Mein Herz sagt mir, dass er da oben bei der Herrin, dies weiß. Vater wohl auch und mein anderer Bruder. Ich habe keine Ahnung, was Mutter an Seite meiner Familie dort fühlt. Aber ich traue den Worten meines ältesten Bruders, der mich aus den Armen nahm, als sie kurz nach meiner Geburt starb. Sie hat mich geliebt, aber sie kannte mich nicht, dies war uns beiden nicht vergönnt. Sie ist mir so fremd, und doch so nah, wenn ich mein Spiegelbild betrachte im See und dort an die Gräber meiner Familie in meiner Heimat denke.
Ich kann mein Glück nicht beschreiben. Ich bin ein Kind der Festung, in ihr lebe ich auf, ich fühle jeden Stein, jeden Schritt auf der Wehr und wenn mein Blick sich über die Weite des Lands von da oben
lenkt, dann bin ich Temora ganz nahe und einfach nur glücklich. Die Sterne hier oben leuchten ein Stück heller als anderswo und in jedem Funkeln am nächtlichen Himmel tauchen in meinen Gedanken vertraute Gesichter der Verstorbenen auf. Dies tut zwar noch immer weh, aber ich bin auch froh darüber, dass ich für kostbare Augenblicke in meinem Leben, sie kennenlernen durfte und sie wohlbehalten bei der Herrin nun verweilen. Es ist ein Zwiespalt, Freude und Schmerz zugleich. Dies gehört offensichtlich zu meinem Leben. Beides eng verbunden und stets gegenwärtig.
Noch einmal streift mein Blick über die kalte dicke Mauern des Raums hier in der Festung, dann schlafe ich glücklich im Bett der Schwester ein, die auf Reisen ist.
Ich bin zuhause endlich!
Ein blauer Wirbel und ein Blitz im Stall
Verfasst: Freitag 1. November 2013, 15:36
von Niowe Adela Aireth
1. Rabenmond 256
Gestern hatten wir viel Spaß in der Festung, wobei ich befürchte Schwester Alexia eher nicht. Ihre Augen sprachen Bände, und wäre es ihr wohl möglich gewesen hätte sie den Herrn Lohengrin mit Haut und Haaren verschlungen. Bei all dem Trubel in der Festung hätte ich eigentlich Lachen wollen, ich habe es mir dennoch verkniffen.
Eigentlich begann der Tag ruhig, wenn man davon absieht, dass ich noch immer ein schlechtes Gewissen hatte, wenn ich bei Eluives Statue vorbei ging.
Ich wollte diese Spinne wirklich nicht umbringen Eluive, formen sich meine Gedanken bei ihrem Anblick. Nein, das wollte ich gewiss nicht, auch wenn, das gebe ich zu daran gedacht habe und das Schwert schon in meiner Hand gezuckt hatte, als jene heimtückisch zu dem Futtertrog unseres Adlers schlich, wo ich eben Fisch hineingeworfen hatte für eben diesen Adler nur. Sicherlich war der Fisch nicht für eine Spinne gedacht!
Aber, da fielen mir die Worte des Bruders Quarius ein und ich bekam ein schlechtes Gewissen. Also wenn diese abgrundhässliche schwarze Spinne ein Wesen Eluives war, dann wäre es vermessen es vor ihren Augen quasi, also vor der Statue zu töten. Ich habe das Schwert dann in meinem Zimmer zur Sicherheit verwahrt, um ja nicht mehr in Versuchung zu geraten und bin dann in den Hof der Festung zu dem Trog gegangen, wo sie sich schon breit gemacht hatte. Mit Hilfe des Adlers vertreiben wir sie gemeinsam, aber dieses kleine Biest war heimtückisch, sie ließ nicht locker. Nachdem der Adler seinen Fisch verspeist hatte und wegflog hinauf zur Wehr, beobachtete sie mich und näherte sich dem Trog, als ich so tat als würde ich mit etwas anderem beschäftigt sein. Blitzschnell bin ich dann zum den Trog gelaufen und sie weg. Richtig unschuldig hat sie mich angesehen als sie sich in dem Busch versteckt hat. Zumindest hatte dies für mich den Anschein, wobei ich ein wenig unsicher bin, ob Spinnen unschuldig blicken können. Mir kam es jedenfalls so vor! Kaum dreht ich ihr den Rücken zu kroch dieses Biest abermals auf den Trog zu. und das Spiel begann von Vorne unter den Blicken der riesigen Statue Eluives. Und dann, nach dem fünften oder sechsten Mal geschah es, das Unfassbare. In meiner Hast habe ich sie zertreten, was ein richtig ekeliges Geräusch verursachte und das genau vor Eluives Statue. Vor Schreck ist mir das Herz stehen geblieben und ich erinnere mich noch sehr genau, dass ich zu der Statue sagte: „Das war wirklich keine Absicht Eluive!“.
Nun ja eigentlich wollte ich es tun, versagte es mir dann und tat es doch! Ich bin mir nun unsicher, war es meine Absicht von Anfang an gewesen, oder hatte mein Wille mich rein zufällig dahin gelenkt, damit ich auf diese Spinne rein zufällig treten konnte? Jedenfalls hatte ich ein schlechtes Gewissen. Aber ich bin mir sicher, Temora hätte dem Adler das Futter eher gegönnt.
Während ich Schwester Alexa helfen durfte die Vorhänge in der Kirche aufzuhängen damit sie Wind und Kälte im Haus der Herrin ein wenig abhalten, schließlich naht der Winter und es wäre recht ungemütlich, wenn der Wind beim Beten dir die Schneeflocken um das Gesicht bläst und die Hände zum Gebet verschlungen erstarren, wie der Rest der Körpers. Wir hatten eben den letzten Vorhang mit der Stange in die Halterung gehängt und ich bewunderte sie, als wir einen Schrei durch die Mauern der Festung vernahmen. Ich bin sogleich auf die Wehr gestürmt und Alexa mir nach. Von dort oben sahen wir die drei Gestalten. Eine davon war Herr Getwergelyn, den kannte ich schon von der Schlacht gegen Rahal, als wir an Seite der Menekaner gekämpft haben. Ja und auch Herr Lohengrinn war da, das bedeutete Unheil. Wenn dieser Herr auftauchte, passierten immer schreckliche Dinge. Und da war noch der Herr Skelria, wie sich später heraus stellte, als er sich der Schwester und mir vorstellte. Wir haben sie in die Festung hinein gelassen. Bruder Jelus hat mit einem sonderbaren Gesichtsausruck in Richtung des Herrn Lohengrinn die Waffen abgenommen, wie es gemäß Order unseres Pater Sires zu geschehen hat. Wie sich nach der üblichen Begrüßung und dem höflichen Austausch von Worten heraus stellte, wollte Herr Skelria Kleidung bei Schwester Alexa erstehen. Eigentlich hätte ich dies dem Herr Getwergelyn geraten, denn er hatte noch immer dieses abscheuliche mottenzerfressene Bärenfell an sich. Ich bin ihm nicht allzu nahe gekommen ohne Schutztuch um meine Züge, denn ich hatte den Verdacht, das Fell stinkt. Aber das sagt man keinem Gast der Festung, daher habe ich schön Abstand gehalten. Der Herr Skelria ist ein scheuer Mann, das ist mir aufgefallen, wobei bei dem Wirrwarr den Herr Getwergelyn und Herr Lohengrinn stets auf sonderbare Weise verursachen, wäre ich wahrscheinlich auch eher wie der Herr Skelria. Mund halten und da durch irgendwie! Aber eines weiß ich mit Sicherheit der Herr Getwergelyn ist ein verdammt guter Kämpfer, einer der Elitetruppen der Kaluren von denen ich schon viele Geschichten im Berg bei meinen Besuchen vernommen habe, und von daher gebührt ihm meine Achtung. Außerdem ist in Schlachten so ein Bärenfell stinkend oder nicht, kaum von Bedeutung.
Dann geschah jenes, was Alexas Augen zum Glühen brachte. Ein bedrohliches Funkeln, was ich der Schwester Alexa nie zugetraut hätte, so lieb wie sie stets ist. Anderseits war es verständlich und selten aber doch, habe ich auch das Funkeln in meinen Augen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Herr Lohengrinn hat den Ausgang zur Festung nicht gefunden und ist zu meinem Schreck im Stall gelandet, wo er sämtliche Tiere in Aufruhr versetzt hat. Natürlich ist Herr Getwergelyn auch dort gewesen, die beiden sind ja unzertrennlich. Was dann geschah, bestätigt mein Gefühl, man kann Magiern nicht trauen, entweder verwandeln sie sich in Wesen, die ich ohne mit der Wimper zu zucken töten würde, oder sie machen das, wie der Herr Lohengrinn. Kurz gesagt. Der Stall bebte. Zuerst begann die Luft zu knistern, dann entstand ein blauer Kreisel der eine Art Eigenleben hatte und in einem Wirbel sich wandelte, der an unserer Kleidung zog, wie jemand, der will, dass man unbedingt mitkommt. Aus den Augenwinkeln heraus bemerkte ich, dass Schwester Alexa das gar nicht gut fand und ich kam aus Sicherheit nun ein wenig näher heran, um sie noch rechtzeitig zurückziehen zu können, sollte der Wirbel sie mitnehmen wollen. Dann schlug ein grellblauer Blitz neben dem Pferd der verreisten Schwester ein. Das arme Tier schlug in seiner Angst aus und ich kann es ihm nicht verübeln. Herr Getwergelyn hat sich an einem Haken im Stall festgeklammert, und er tat mir leid nun. Herr Lohengrinn wurde dann in diesen Wirbel hineingerissen und hat noch Herrn Getwergelyn mitgezogen. Vermaledeite Magie, dachte ich, während Schwester Alexa dieses bedrohliche Funkeln in den Augen hatte.
Wir beide haben uns dann fast gleichzeitig Herrn Skelria zugewandt, dem nun bei aller Höflichkeit von Schwester Alexa für das Verhalten seiner Kameraden mitgeteilt wurde, dass er Morgen alleine zwecks Kleidung hierher zur Festung kommen möge.
Schade irgendwie, dachte ich, wer weiß was sie Morgen angestellt hätten und habe mit viel Mühe mein aufkeimendes Lachen unterdrückt.
Stimmungsschwankungen und ein ganz besonderer Adler
Verfasst: Samstag 2. November 2013, 16:39
von Niowe Adela Aireth
2. Rabenmond 256
Bei unserem Ausflug mit unserem Sire nach Bajard, sah ich endlich nach langer Zeit wieder den Herrn Wolf da am Lagerfeuer sitzen, was mich sehr gefreut hat. Nur selten ist es einem vergönnt seines gleichen anzutreffen, denn er ist sehr scheu. Ein richtiger Waldmensch eben.
Vor Bajard trafen wir noch Bruder Dean, der etwas Besonderes von unserem Sire erhalten hat.
Aber ich bekam auch dann etwas, ein Tuch einer Blüte aus dem Reich der Sonne. Mit Freuden nahm ich den Auftrag unseres Sires an, jenes dorthin zu bringen, wo es hin gehört. Also nach Menekur!
Wie hat da mein Herz geklopft, endlich wieder Khalida sehen zu dürfen und all die anderen, die ich lieb gewonnen habe. Vielleicht bekomme ich sogar einen Mocca, den ich sehr mag. Allein der Gedanke daran wärmt mir das Herz. Aber fragen werde ich sicherlich nicht danach, das wäre unhöflich.
Danach trafen wir eine Priesterschülerin des Klosters und ich habe sogleich nach dem Wohlbefinden Ihrer Eminenz mich erkundigt und war richtig froh sie wohlauf zu wissen.
Gemeinsam sind wir dann, als ich für meinen Teil richtig beschwingt nun, erstens mit der Vorfreude nach Menekur reisen zu dürfen, zweitens dann noch Menschen, die ich lange nicht gesehen habe und neuen begegnen zu dürfen, zurück in die Festung gezogen.
Nachdem der Sire wie immer in seinen Arbeitsräumen sich zurück gezogen hat, hat mir die ältere Schwester etwas gesagt, was mich sehr traurig gestimmt hat. Natürlich hatte sie mit dem recht, was sie angemerkt hat, aber traurig war ich dennoch.
Ich hoffe, Temora wird mir jenes vergeben, dachte ich und sagte es auch zu ihr.
Ich habe mich dann in mein Zimmer, das ich mit einer Schwester oben auf der Wehr teile, die leider noch nicht zurück ist, zurück gezogen. Während ich da sehr betrübt auf meiner neuen Truhe Platz genommen habe, die ich glücklicherweise bei einem Schmied vor dem Treffen im Orden noch erstehen konnte, hörte ich ein sonderbares Geräusch. Zuerst dachte ich der Fischadler wäre in Bedrängnis da oben.
Wie ein Blitz bin ich aus dem Zimmer geeilt und habe da auf den Zinnen der Wehr diesen wundervollen Adler erblickt. Ein stolzes Tier, bemerkte ich, während er von da oben hat er über das Umland geblickt hat.
Ich habe ihm ganz leise gesagt, dass es schön hier ist und da haben mich diese auffallend schönen Augen angeblickt. Ich weiß, er hat mich verstanden, denn ich habe in diesem einen kostbaren Augenblick seine Wärme, die er von ihm ausging und auch sein Alter gefühlt. Das hat mich richtig glücklich gemacht und all das, was mich zuvor betrübt hat, war verschwunden und vergessen. Er hat dann die Flügel ausgebreitet und posiert und mir war so, als hätte er genickt. Was Adler für gewöhnlich nicht tun, das ist mir bewusst, aber ich war mir sicher…..er hat genickt! Danach hat er sich kraftvoll in die Lüfte geschwungen und einmal den die Ordensfestung umkreist ehe er am Horizont im Nordwesten verschwunden ist. Ich bin mir ganz sicher, das war ein Bote der gütigen Herrin! Aber das verrate ich keinem, denn sie würden mir sicherlich nicht glauben. Ich für meinen Teil weiß aber, dass Temora mir diesen Adler geschickt hat, als Zeichen ihrer Vergebung und dafür bin ich Ihr von Herzen dankbar.
Auch unser Fischadler weiß davon, er haut auch den Adler gesehen. Aber der sagt sicherlich keinem etwas. Das bleibt unser beider Geheimnis.
Voller Dankbarkeit und Glück bin ich noch eine Weile da oben auf der Wehr verblieben und habe über das Land geblickt. Ich hoffe der Adler besucht mich und den Fischadler wieder einmal, das dachte ich. Dann ist mir der verstorbene Herzog wieder eingefallen und wie gerne er seine Falken hatte, und diesen Adler geliebt hätte und ja er hätte mir geglaubt, wenn ich ihm dies erzählt hätte. Und wieder einmal war ich bei den Gedanken an ihn traurig und dann wieder glücklich, weil ja dieser Adler mich hier besucht hat.
Ich habe dann den Entschluss gefasst, glücklich zu Bett zu gehen.
Außerdem ist mir rechtzeitig noch eingefallen, was mir einmal der Herzog gesagt hatte, wenn ich von der Wehr zu den Sternen blicke, dann leuchten sie für ihn, wie auch für mich, egal wo wir beide sind, die Sterne leuchten gleich hell für jeden von uns beiden. Wir müssen sie nur betrachten! Es tut gut, das zu wissen.
Vor dem Schlafengehen habe ich noch ein Schreiben verfasst und einem Boten versiegelt übergegeben, damit er es nach Menekur bringt.
Im Bett ist mir noch eingefallen, dass mir der Sire, unser Pater sicherlich auch glauben würde. Aber Geheimnisse verrät man nicht so einfach! Oder?
Mit dem Entschluss das Geheimnis zu wahren bin ich dann überglücklich nach so einem erfüllten Tag eingeschlafen. Ich bin mir sicher, Temora würde das auch so wollen.
Es gibt doch noch einen von ihnen
Verfasst: Montag 25. November 2013, 19:17
von Niowe Adela Aireth
25. Rabenmond 256
Als ich die Worte unten am Tor von der Wehr aus vernommen habe, konnte ich es nicht glauben.
Einer der Bruderschaft? Nein, das kann nicht sein!
Herr Jaques hat mir doch damals im Regiment erzählt, dass sie alle verschollen sind und keiner weiß genau wo, und vermutlich sind sie alle tot. Auch die alten Schriften über die Bruderschaft, eines ihrer Gebetsbücher und eine Schrift verfasst von deren Gründer hat er mir damals geschenkt, weil ich alles über sie wissen wollte.
Sehr oft sind wir zu zweit in der Taverne gesessen und er hat mir alles Mögliche über diese Bruderschaft erzählt.
Nun steht angeblich einer von ihnen da unten und bittet um Einlass in die Festung. Nach der Üblichen Zeremonie wohlwollende Worte von der Wehr herab und hinauf und nach meiner Bekanntgabe der Order der Festung, dem Befehl unseres Sires, alle Waffen dem Bruder Jelus zu überreichen, stand er in der Festung.
Ein Mensch, eigentlich nicht auffallend, dachte ich mir.
Was hatte ich denn erwartet? Nach Jaques Erzählungen habe ich mir sie einfach anders vorgestellt. Ein Sturm Temoras, der sich dem Feind erbarmungslos stellt. Dieser Sturm wehte nicht über die Festung, eigentlich geschah nicht wirklich etwas, außer dass unser Pater diesen Herrn zu einem Gespräch eingeladen hat.
Ich muss gestehen, ich habe den Namen vergessen bei all dieser Aufregung einen der ihren anzutreffen.
Gestern sah ich den Mann abermals bei dem Fest der Schwester Verdania. Ein prachtvolles Fest mit viel Spaß und Lärm und Unterhaltung. Zuerst habe ich den Mann der Bruderschaft nicht erkannt, dann doch und nach einem höflichen dezenten Gruß habe ich nichts mehr gesagt.
Was sollte man auch zu einem Fremden auf der Tribüne unter dem Gejohle der Menge ringsum, die die Faustkämpfern zujubelten, viel sagen? Auch wenn ich prügelnde Damen nicht sonderlich schätze, war es lustig irgendwie da zuzusehen wie sie die Männer und Kaluren zu Boden warfen. Erstaunlich war es und ich habe sehr viel applaudiert!
Der Biergeruch ringsum hat mich leider dann rasch vertrieben. Ich wollte wirklich nicht den kärglichen Mageninhalt bei der Schwester loswerden, also bin ich rasch von dannen gezogen. Viel zu rasch, denn mir ist danach eingefallen, dass ich mich nicht verabschiedet und bedankt habe, daran ist nur dieses grässliche Bier und dessen für mich ekelerregender Geruch schuld! Ich bin glücklich, dass der Pater diesem Gebräu nicht zuspricht, es hätte mich sehr erschreckt.
Ich bin jetzt zutiefst dankbar, dass er nur trockenes Brot und Wasser zu sich nimmt. Wobei ein Glas von erlesenem Wein würde ihm auch gut tun, denke ich. Aber ich werde ihm das niemals andeuten, denn er ist Temora so nahe, das fühle ich immer, wenn er zu uns spricht oder bei uns verweilt. Er ist ein ganz besonderer Mensch und in seiner Bescheidenheit sieht er das nicht so. Aber ich tue es! Daran wird sich nichts ändern, seit meinem ersten Eindruck, den ich von ihm gewonnen habe, und der liegt sehr lange zurück. Vergessen konnte ich ihn jedoch nie.
Im Gegenteil diese unbeschreibliche Präsenz von Ehrfurcht, Gnade, Weisheit, Wärme und Liebe zu den Menschen, die von ihm ausgeht, macht mit jedes Mal unsagbar glücklich und erfüllt mich mit Ehrfurcht. Selten habe ich so einen tiefgläubigen bescheidenen Menschen, der Temora in seinem Wirken und seiner Ausstrahlung Temora so nahe ist und ihr dient, erlebt. Dafür danke ich Temora, die in ihrer Gnade meine Schritte hierher in die Festung gelenkt hat.
Zurückblickend war bisher das besinnlichste Fest hier für mich das Herdfeuerfest. Ich war es der Mutter Temoras schuldig daran teilzunehmen und ich war glücklich darüber. So viel Liebe, Wärme und Geborgenheit unter den Menschen hatte ich lange nicht mehr gefühlt, dazu noch das riesige Feuer, was mich fasziniert hatte und die langen Gespräche, die bis in die frühen Morgenstunden andauerten. Kein böses Wort, keine Unruhe, einfach nichts hat dieses friedvolle Fest des Herrn Earon gestört.
Nun steht ein Licht dieses Herdfeuers bei uns in der Kirche, welches ich für den Orden mitgebracht habe. Der Pater hat es selber dort aufgestellt und jedes Mal wenn ich dort bete, betrachte ich es und fühle diese Wärme und Geborgenheit, was gut so ist, denn die Kirche ist nicht wirklich warm und wenn man länger vor dem Altar kniet, friert man doch, auch wenn der Vorhang der Schwester Alexa die eisigen Winde ein wenig abhält. Nach dem Gebet ist einer der schönsten Plätze neben dem Kaminfeuer im seitlichen Kirchenschiff, wo man sich ein wenig aufwärmt und in Ruhe die Gedanken in der Stille der Kirche sortierten kann.
Fröhlich bin ich nicht!
Verfasst: Mittwoch 27. November 2013, 14:15
von Niowe Adela Aireth
27. Rabenmond 256
Im Gegenteil ich bin weit entfernt davon fröhlich zu sein. In diesen kalten Tagen, vermisse ich meine Familie besonders Micheil Alan sehr. Ich vermisse seine Geschichten, die langen Gespräche beim Kamin und die Art und Weise wie er jedes Wort mit seinen Händen, die wie Schwingen eines Falken die Luft durchbrechen, untermalte. So kann es sein, dass ich mich in mein Häuschen zurückziehe und träume, viel lese und schreibe, das alles macht mich glücklich. Ich habe auf sonderbare Weise mich, so wie ich bin gefunden und es erfüllt mich mit Ruhe und Glück. Ich hadere nicht mit meinem Schicksal all jene, die ich, was Worte niemals auszudrücken vermögen liebe, verloren zu haben. Nein, ich habe es in Stille angenommen und bin dankbar für mein Leben, das sie mir geschenkt haben.
Ein Leben in der Festung und hier eine Zuflucht in dem Häuschen, wo Amra, meine Hündin wartet und mich immer voller Freude begrüßt. Sie hat wie ich hier ein zuhause gefunden und spielt eifrig im Garten, der ihr alleine gehört.
In all den Mondläufen, die ich hier in meiner neuen Heimat nun lebe, war ich eigentlich nie so richtig glücklich, nicht wie jetzt. Fast habe ich das Gefühl, dass das Glück und die damit verbundene Zufriedenheit wie ein Dieb sich heimlich einschleicht und dann da ist. Vielleicht versteckt es sich sogar, wenn man es sucht, will nicht entdeckt werden, um dann überraschend in das Leben zu treten und zu sagen „ jetzt bin ich da und halte mich gefälligst nun fest!“
Aber wie hält man das Glück fest, wenn man sich nicht einmal bewusst ist, woher es kommt und wieso jetzt und gerade hier?
Ich weiß darauf keine Antwort und ich suche sie auch nicht. Ich bin einfach nur glücklich und vielleicht kann ich ein wenig davon den anderen Menschen, die nicht glücklich sind, hier mitgeben. Auch das würde mich glücklich machen und dafür danke ich Temora und auch ihrer Mutter Eluive. In jedem Zweig, der sich im Wind bewegt, jeden Bach oder See vor dem ich verweile um dessen Wellenschlag zu betrachten, für die Stille, die mich immer wieder in der Kirche bewegt, für das flackernde Licht einer Kerze, für den Kieselstein in meiner Hand, für all die winzigen Kleinigkeiten im Leben, die so groß eigentlich sind, für all die bin ich dankbar und glücklich, dass es sie gibt.
So close, no matter how far
Couldn't be much more from the heart
Forever trust in who we are
And nothing else matters
Never opened myself this way
Life is ours, we live it our way
All these words, I don't just say
And nothing else matters
Trust I seek and I find in you
Every day for us something new
Open mind for a different view
And nothing else matters. (Metallica)
Die Schöpferin
Verfasst: Montag 6. Januar 2014, 15:17
von Niowe Adela Aireth
6. Hartung 257
Ja, ich gestehe, Temora war mir Zeit meines Lebens immer nahe. Meine Gebete und meine Gedanken galten nur Ihr, der Herrin und ich gebe zu, dass ich keinen meiner Gedanken an Eluive , Ihre Mutter, bewusst gerichtet habe. Bis zu jenem Tag des Herdfeuers. Dieses Fest hat mich begeistert und nicht nur das!
Seither habe ich die Statue der Schöpferin im Orden mit anderen Augen betrachtet. Und wie wenn Eluive mir ein Zeichen setzen wollte, „ich bin neben meiner Tochter auch noch da, Niowe“!, ist es um mich geschehen.
Ich kann nicht genau sagen, wann eigentlich, oder wieso oder warum aber nach jedem meiner Gebete in unserer Ordenskirche betrachte ich nun die kleine Flamme. Ich bin dankbar, für all die schönen Dinge in meinem Leben und ich habe die Gewissheit, dass Sie, die Mutter meiner Herrin versteht, dass ich Temora in meinem Herzen trage.
Ich bin so glücklich, hier eine Familie gefunden zu haben und abermals habe ich Angst, sie zu verlieren. Ich glaube, sie wissen gar nicht, wie viel dies mir bedeutet nach dem Verlust meiner Familie, die mir so nahe und unvergesslich ist. Ich habe große Angst, unseren Pater, der mir Bruder, Vater und Sire ist, sowie all die anderen Schwestern und Brüder zu verlieren. Diese Angst wird wohl nie weichen. Ich habe es mir zu Gewohnheit gemacht in meine Gebete dies einzuflechten, Temora, ich bitte Dich, behüte sie alle, die mir so wertvoll geworden sind! Diesen Gedanken richte ich auch an Eluive, wenn ich vor ihrer Statue sitze. Diese Statue ist so mächtig und ich fühle mich so klein wenn ich auf der Bank sitze und sie betrachte.
Es ist verdammt kalt hier auf der Bank und die Kälte macht sich langsam in meiner Kutte breit. Gestern habe ich mich sogar zufällig beim Hin und Her rücken auf den Strohhut gesetzt, zum Glück ist er nur ein wenig eingedrückt. So gut es geht, habe ich ihn ausgebeult, und die Statue hat mir dabei zugesehen, so kam es mir vor. Ich frage mich schon lange, wieso dieser Strohhut hier vor Eluives Statue auf der Bank liegt? Ich habe noch keinen im Orden gesehen, der ihn je aufgesetzt hat. Vielleicht weiß Schwester Avezia Bescheid, mit der ich mein Zimmer in der Festung teile. Sie ist zurück von der Reise und genauso warmherzig und liebevoll wie Alexa.
Vor dem Schlaf habe ich meine Runde wie immer auf der Wehr gedreht und der Festungsadler hat mich sogleich begrüßt und ist vom Turm herab geflogen. Im stillen Einverständnis bekam er seinen Fisch und ich durfte ihm dabei zusehen, wie er ihn gefressen hat. Das ist unser kleines Ritual, das wir beide mit Vergnügen täglich durchführen. Danach sieht er mich an und breitet seine mächtigen Schwingen aus, um wieder hoch hinauf auf den Turm der Festung zu gleiten. Ein erhabener Anblick ist das immer für mich und stets erinnere ich mich in jenem Augenblick an das prächtige Falkenweibchen meines verstorbenen Herzogs, das nun im Gehege des Königs verweilt. Ich hoffe, es geht ihr gut dort und man liebt sie, wie ich es und der Herzog einst getan haben.
Es macht mich verrückt
Verfasst: Montag 27. Januar 2014, 14:16
von Niowe Adela Aireth
26. Hartung 257
Es macht mich noch verrückt, denke ich, während ich auf und ab gehe und versuche mich zu beruhigen. Ich habe noch nie einen Vortrag gehalten und genau daran liegt es. Das, was ich meinen Brüdern und Schwestern mitteilen will, ist sehr persönlich und liegt mir sehr nahe. Aber werden sie es verstehen? So viele Gedanken schwirren in meinem Kopf herum wie ein aufgeschreckter Vogelschwarm.
Habe ich nichts vergessen? Ist alles verständlich, so wie ich es fühle?
Schwester Avezia hat in ihrer Güte so viel Kuchen gebacken und Tee vorbereitet. Ich will sie nicht enttäuschen! Was wenn meine Schwestern und Brüder nach den ersten Worten aufstehen und gehen? Bei dem Gedanken wird mir übel. Vor allem der Pater, was wird er denken? Ich wage es zum ersten Mal hier mich Menschen so richtig zu offenbaren, weil, ja weil sie mir sehr nahe sind, so verschieden wir auch sein mögen in unserer Art und Weise, wie wir denken und fühlen.
Der Pater jedoch, der Sire, der Mann, der in meinen Augen Temora so nahe ist, dass ich es aus jedem seiner Worte fühlen kann, ich will auch ihn nicht enttäuschen. Ich habe oft das Gefühl er hat das Herz eines Drachens! Wenn er sich den Kreaturen der Finsternis entgegenstellt so ohne Helm auf seinem Kopf und mit einem Blick, die alleine schon diese Kreaturen durchbohren könnte. Anfangs hat er mir Angst gemacht und ich bin von seiner Seite nicht gewichen. Welcher Krieger steht schon da inmitten von grässlichen Kreaturen ohne Helm? Das habe ich noch nie erlebt und meine Furcht galt nur ihm, dem Sire. Temora, lass ihn nicht sterben, denke ich immer! Er ist das Herz unserer Festung!
Also den Pater will ich schon gar nicht enttäuschen! Temora, möge mir beistehen, dass seine Blicke mich nicht durchbohren, wie jene Kreaturen. Wobei, ich bin ja auch seine Schwester, das würde er niemals tun oder?
In meiner Panik bin ich noch eine Runde auf der Wehr gelaufen in der bitteren Kälte da oben, habe den Brüder, die heute Wachdienst und habe ihnen auch Tee von der Schwester mitgebracht! Kuchen nicht, noch nicht, denn sie sollen nicht abgelenkt werden und der Kuchen duftet unwiderstehlich.
Unseren Adler habe ich dann auch besucht. Er ist wirklich sonderbar. Immer erschreckt er mich. Eines Tages saß er da auf dem Stein der Tapferkeit und blickt mich mit seinen großen Augen an, als ich aus den Frauengemächern der Festung stürmte. Den frischen Fisch, um den ich mich an diesem Tag mit einem Wasserelementar gestritten habe, wollte er auch nicht! Was sonderbar war, denn er liebt ihn sehr sonst.
Heute aber sitzt er vor Eluives Statue und blickt zu ihr empor. Als ich näher komme, flattert er sogar auf ihre Schulter, was mich nun sehr erschreckt hat. Wobei, dachte ich dann, also der Adler ist eigentlich ein Symbol Temoras, ein Tier, welches sie liebt, und Temora ist Eluives Tochter, also darf er sicherlich nun auch auf Eluives Schulter nun sitzen. Gut! Dies hat mich nun beruhigt. Aber ich sollte besser meine Gedanken nun für diesen Vortrag sammeln!
Es macht mich verrückt, dass ich stets bei allem und jedem denken muss und so vieles mir wie Blitze an einem Gewittertage durch den Kopf fahren und das mit einer Geschwindigkeit, die mich ab und an überfordert.
Oben im Gemeinschaftsraum, den ich mit Bedacht gewählt habe, denn wie könnte ich, eine Schülerin de Ordens, es wagen meine Schwestern und Brüder zu belehren. Das wollte ich nicht, daher habe ich diesen gemütlichen Raum erwählt, der erfüllt ist nun von dem Duft des Tees und Kuchen.
Ich bin dann noch nervös auf und ab gegangen bist ich mich so halbwegs gesammelt habe und nachdem alle versammelt waren, habe ich meine Gedanken zu dem Thema, welches ich erwählt habe, vorgetragen.
Nun ist es vorbei und ich bin erschöpft und ich vermute, meine Schwestern und Brüder auch. Ich habe sie ein wenig mit der Fülle meiner Gedankengänge überfordert, befürchte ich. Die Blicke des Paters haben mich nicht durchbohrt, das ist gut! Im Gegenteil er sprach so wundervolle Worte, die mich berührt haben und mir Mut machten. Ich habe endlich Menschen hier in der Festung gefunden, die mich verstehen! Dafür werde ich Temora immer dankbar sein, versprochen! Und ich halte immer das, was ich verspreche, deshalb tue ich es auch äußerst selten, und denke darüber immer nach, wie immer eben! Daran ändert sich nichts.
Danach bin ich rasch zu Schwester Verdanias Fest geeilt, wie immer kam ich zu spät aber dieses Sautreiben das durfte ich noch ansehen! Das war richtig lustig. Vor allem Ulfert, der Thyre, der die Schweine immer mit einem Pfeil gepikst hat, der hat mich richtig fasziniert. Ich habe es genau gesehen, was er da getan hat, aber nichts gesagt! Das arme Schwein aber hat so sonderbare Laute von sich gegeben, was wiederum war mir unangenehm!
Was mich aber sehr verwirrt hat, am Ende des Fests, das sehr gelungen war, er nannte mich Temora als er sich verabschiedet hat und weg war er dann! Ich habe die Herrin dann um Gnade für diese seine Schmähung in meinen Gedanken angefleht! Es war nicht so gemeint, gütige Herrin, Temora! Er hat offensichtlich etwas nicht begriffen oder verstanden und ja ich werde es ihm erklären, sobald ich ihn aufsuche. In aller Ruhe werde ich mit ihm darüber sprechen, dass ich NICHT TEMORA bin! Vor Schreck darüber bin ich dann heim gegangen und habe in meinem Haus Temora noch um Gnade gebeten!
Von daher vergib ihm bitte heute, meine Herrin und lass es mich ihm verständlich machen, dass ich nur eines Deiner Schwerter bin, das habe ich Ihr gesagt! Ich hoffe, Sie hat es auch gehört und ist weder Ulfert noch mir böse nun darüber!
Erschöpft aber kaum beruhigt bin ich dann vor dem Kamin eingeschlafen, nicht einmal zu meinem Bett habe ich es geschafft!
Schweigegelübde
Verfasst: Montag 3. Februar 2014, 13:26
von Niowe Adela Aireth
3. Eisbruch 257
Gestern habe ich mein Schweigegelübde für einen Wochenlauf, wie ich es vor dem Altar meiner Herrin geschworen habe, beendet. Natürlich geschah das mit dem Einverständnis des Paters, der ein wenig erstaunt war, aber er hat es in seiner Güte gebilligt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Die Zeit des Schweigens hat mich einiges gelehrt. Es gibt Menschen, die reagieren auf Schweigen irritiert. Auch wenn ich ein kleines Büchlein vorbereitet habe, in dem ich eine kurze Begründung nieder geschrieben habe, scheinen manche das nicht zu verstehen. Was genau stört uns, wenn der andere schweigt, frage ich mich.
In meiner Heimat lebte in unserer Festung ein alter Krieger, der war stumm. Als Kind, hatte ihn der Feind misshandelt und die Zunge heraus geschnitten aus purer Freude am Quälen. Seit jener Zeit verstand er es sich mit seinen Händen verständlich zu machen. Als Kind habe ich ihm oft dabei zugesehen wie er Rüstungen und seine Waffen gereinigt hat. Von daher habe ich auch dieses penible Verlangen stets nach einem Kampf meine Rüstung und meine Waffen zu reinigen. Was sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, aber es macht mir Freude, wenn alles sauber ist und glänzt. Nach und nach habe ich es von diesem Krieger gelernt die Gestik seiner Hände zu verstehen und verbunden mit dem Ablesen von seinen Lippen habe ich ihn verstanden. Wir haben uns sogar sehr gut unterhalten, wenn man das so sagen könnte. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weshalb ich alles so aufmerksam beobachte, das ist mir eben eingefallen. Es wäre eine Begründung.
Warum bin ich nun dieses Gelübde eingegangen? Diese Frage kann ich nun nach diesem Wochenlauf beantworten. Die Güte der Schöpferin und die Gnade ihrer Tochter mit all den Tugenden, die sie uns geschenkt hat, die liegt in der Stille. Die Seele ist Stille. Stille ist auch die Sprache des Herzen und die Sprache der Weisen. Stille ist eine ungeheure Kraft und Stille ist auch große Beredsamkeit. Stille ist Frieden. Mit meinem Schweigen habe ich mich auf diese Stille einzulassen. Ich habe in dieser Zeit des Schweigens erfahren, dass mein Geist
unendliche Bilder geschaffen hat, reger war als sonst und ich intensiver Dinge erlebt und beobachtet habe. Die Stille tat gut. Mir wurde auch bewusst, dass die Zunge ein Schwert ist, Worte wie Pfeile sind, die andere verletzen können. Das Schweigen hat mir dies, was ich eigentlich bereits wusste, vor Augen geführt und mich gelehrt nicht so einen Weg zu beschreiten Ich habe auch gelernt, dass die Energie des Sprechens, nun in andere Energien eingeflossen ist. Der Wochenlauf des Schweigens hat mir bei meinen Meditationen geholfen, in mir Frieden, Kraft und Glück und ja auch Unabhängigkeit zu finden. Es hat mich gelehrt aufmerksam meinen Mitmenschen gegenüber zu sein, meinen Schwestern und Brüdern gegenüber und vor allem der Schwester Tarnya. Ich bin ihr ins Wort gefallen und das bereue ich zutiefst.
Ich habe nun die Ruhe der Stille in mir neu entdeckt und dafür bin ich Temora dankbar. Möge ich diese wertvollen Erlebnisse und Erfahrungen dieser Woche des Schweigens stets in mir tragen und sie bewahren, darum bitte ich meine Herrin und dies strebe ich an.
Hitze, Sonne, meine Freundinnen und der Kalif
Verfasst: Freitag 21. Februar 2014, 14:21
von Niowe Adela Aireth
21. Eisbruch 257
Nach all den wunderbaren Erlebnissen, finde ich heute in meinem Heim ein wenig Ruhe, dies niederzuschreiben.
Meine Freundinnen sind eine wertvolle Bereicherung in meinem Leben. Sie sind ein Geschenk Eluvies ist mir eines Abends, als ich mich auf den Kissen in den Frauengemächern gewälzt habe, eingefallen. Auch wenn ich meine helle zarte Haut vor dieser brennenden Sonne schützen muss, die Hitze für mich sehr Gewöhnungsbedürftig ist, was ich mit vielen Bädern am Tag zu lindern suche, ich verströme nun von weitem den Duft einer Biene, die sich in Honig gewälzt hat dank dieser Honigseife. Aber all das versinkt in Nichtigkeiten und wird unwichtig, wenn meine Freundinnen in meiner Nähe sind und wir gemeinsam viel Spaß haben.
Nicht einmal die Strapazen in schwerer Rüstung im Sand zu kämpfen würden mich davon abhalten in ihrer Nähe zu verweilen, und beim Bart des Kalifen, wobei ich nun nicht sicher weiß, ober er überhaupt einen Bart hat, diese Sandübungen in meiner schweren Rüstung waren sehr lehrreich aber auch irgendwie lustig und vor allem schrecklich anstrengend. Der Sand schleicht sich wie ein Dieb durch Ritzen in der Rüstung, die mir bis dahin verborgen geblieben waren.
Aber all das vergesse ich, wenn wir gemeinsam am Abend auf Kissen sitzen, der nun kühlere Wüstenwind erfrischend leicht meinen Schleier anhebt, und wir bei einem Glass Tee und vielen Datteln und Bananen uns Geschichten erzählen.
Das Schlimmste was mir passieren konnte, war, dass der frisch ernannte Kalif sich neben mich auf ein Kissen setze, als wir Damen eines Abends munter über dies und jenes plauderten, eben Frauengespräche, die ja jede Frau kennt. Man stelle sich vor, die rechte Hand des Emirs nimmt da neben mir Platz und trotz des kühleren Winds nun hier im Basar, wird mir sehr heiß und jene Schüchternheit tritt zu Tage, die ich bisher sehr gekonnt verborgen habe. Temora, möge mir das verzeihen, aber es ist eine Notwendigkeit dies zu tun, denn die Menschen nutzen jene Eigenschaft meist nur aus.
Zu Sicherheit habe ich meinen Schleier, ein Geschenk der letzten gemeinsamen Schlacht, tief über mein Gesicht gezogen. Heimlich danke ich Eluive, dass sie den Frauen dieses Volks diesen Schleier geschenkt hat, dahinter kann man sich so schön verstecken, vor allem die Röte im Gesicht, wenn man verlegen wird! Tja nun sitzt der Kalif nach meiner höflichen Begrüßung neben mir und hat sich sogar an mich erinnert, was eine große Auszeichnung ist. Ich rücke zur Sicherheit ein wenig auf die äußerste Kannte des Kissens. Zum Glück spricht er mit meinen beiden Freundinnen, die uns beiden gegenüber sitzen, also hat er das nicht bemerkt, so dachte ich. Hat er aber doch und ist gleich näher gerückt! In diesem Augenblick habe ich mir gewünscht, dass sich ein Loch öffnet und ich da einfach darin verschwinde. was nicht geschah und der Kalif so gnädig war, wieder weiter weg zu rücken. Inzwischen hat jeder hier bemerkt, wie verlegen mich das gemacht hat, befürchte ich.
Aber nun kann ich mich nun ein wenig fassen. Als er das Wort an mich richtet mit der Bitte mehr über mich zu erfahren, rede ich wie ein Wasserfall, und erzähle ihm in aller Kürze mein Leben. Der arme Mann, sicherlich war er ein wenig überfordert, denn kurz danach begab er sich in seine Schlafgemächer. Was ich bedauert habe und doch war ich auch ein wenig erleichtert, nicht weil ich den Kalifen nicht schätze, das Gegenteil ist der Fall, er ist ein überaus kluger und interessanter Mann, aber so richtig unbeschwert war ich nicht wirklich auf meinem Kissen sitzend neben ihm. Er möge mir diesen Redefluss verzeihen und das nächste Mal werde ich gewiss weniger reden und versuchen weniger schüchtern zu sein, wobei versprechen kann ich beides nicht! In meiner Rüstung und mit meinem Schwert in den Händen bin ich einfach ein anderer Mensch! Woran das liegen mag? Dieses Rätsel habe ich bisher noch nicht gelöst, oder vielleicht noch keinen Gedanken daran verschwendet.
Was wohl der Pater dazu sagen würde, wenn er dies vernimmt? Der Gedanke schoss wie ein Blitz durch meinen Kopf. am bestens wäre ich sage nichts, wobei rein gar nichts zu sagen, ist nicht leicht, was ich in der Woche des Schweigens bemerkt habe.
Das Lichtfest
Verfasst: Montag 3. März 2014, 14:33
von Niowe Adela Aireth
3. Lenzing 257
Ein berauschendes Fest hat uns allen gestern das Kloster geboten und ich für meinen Teil werde all die unzähligen Eindrücke nicht vergessen.
Besinnlich
war die wunderbare Predigt der Eminenz in der Klosterkirche. Alleine in dem riesigen sakralen Raum, gesäumt von hochstrebenden Säulen, die wie lange Finger zur Decke deuten, so als wollten sie sagen „Temora blickt auf dich herab, achte hier Ihre Präsenz“, war ich von Ehrfurcht erfüllt. Die riesigen Glasfenster, die Szenen aus dem Leben der Gläubigen zeigen, jene, die die Schreine erbaut haben und deren Leben uns als Vorbild dient, denn es waren Menschen wie wir mit all den Zweifeln, Wünschen und Hoffnungen. Eben ganz besondere Menschen, wie Ihre Eminenz, die letzte Greifenhain, die sich mit dieser letzten Predigt verabschiedet hat. Die letzten Strahlen der Sonne, die durch das Glasfenster drangen, haben diese so wunderschöne Frau für einen Augenblick eingehüllt während sie sprach, fast kam es mir so vor als würden sie auch Abschied nehmen. Bei diesem Anblick habe ich fast wieder geweint.
Die Lichtbringerin ist die Trägerin der Hoffnung in uns!
Nach diesen Worten bekam jeder von uns von Ihrer Eminenz eine Kerze, die wir angezündet haben und bei all den vielen kleinen flackernden Flammen der Kerzen wurde selbst der kleinste Winkel in ein warmes Licht getaucht. Ich hoffe, ich habe mit meinen wenigen spontan gesprochenen Worten an Svea Elisabetha vom Greifenhain meine Achtung und meinen Respekt und meinen Dank angemessen formuliert.
Lustig
waren die unzähligen Spiele dann vor der Kirche. Raindri war die Attraktion, das steht fest. Mit stoischer Ruhe hat er sich mit Schneebällen bewerfen lassen und jeder hatte seinen Spaß dabei. Auch er, das konnte ich deutlich erkennen. Trauben scharrten sich um ihn und er hat bis zum bitteren Ende durchgehalten.
All die unzähligen Kleinigkeiten, wie Preise, diverse Stände in denen Essen und Getränke von unserem Orden, wie auch Kuscheltiere und noch vieles mehr angeboten wurden war, fand regen Zuspruch und jeder, egal ob er an den Spielen teilnahm oder einfach nur mit einem Getränk in der Hand plauderte hatte seine Freude.
Ergreifend
war dann Sha’s Darbietung vor der Kirche. Diese Elfe hat mich, wie jeden anderen, der hier stand und ihrem Harfenspiel und dem Gesang lauschte, verzaubert. Rundum herrschte völlig Stille und wie gebannt stand ich da und war sprachlos, so wunderschön war diese wundersame Welt der Waldelfe, die sie und allen darbot.
Am Ende bekamen wir Laternen, die wird anzündeten. Unbeschreiblich war der Anblick der vielen Laternen, die langsam in den nächtlichen Himmel hinauf schwebten und ich konnte, das muss ich gestehen, nicht meine Augen davon lösen. All den anderen rundum ging es wohl auch so, als ich nur kurz um mich blickte. Dazu hat Aurea dann noch ergreifende Worte gesprochen, die mein Herz berührt haben. Wie Glühwürmchen funkelten die Lichter am Himmel um die Wette mit den Sternen nun.
Als wäre dies nicht genug, um einen Menschen aufzuwühlen und in Staunen zu versetzen, versprühten sie dann Funken über das Dach der Kirche und rundum auf dem Platz vor der Kirche, wo wir standen.
Das schönste Fest, dachte ich und ich war von Dank erfüllt, dass ich es erleben durfte. Sehr spät habe ich und meine Begleitung an meiner Seite, mit dem ich all diese wundervollen einzelnen Augenblicke erleben durfte, von Aurea verabschiedet und für dieses einzigartige Fest bedankt. Sie wirkte erschöpft, was verständlich ist bei all der Mühe der Organisation und Planung dieses Lichtfests. Aber all diese erlesenen Augenblicke des Glücks, Staunens und auch der Besinnung die wir alle, die daran teilhaben durften, erlebt haben, haben die Mühe sicherlich reichlich belohnt.
Was getan werden muss, tut man ohne Murren
Verfasst: Sonntag 10. August 2014, 12:23
von Gast
10.Ashatar 257
Nichts rein gar nichts kann so schlimm sein wie das Reinigen einer Latrine auf der Festung!
Hätte ich nur den Mund gehalten! Aber der Gestank spricht für sich und jener war auch der Grund weshalb ich leichtsinnig Schwester Alexa davon erzählt habe.
Noch leichtsinniger war dann mein Angebot diesen vermaledeiten Ort, indem sich all das was ich zutiefst verabscheue, nämlich Gestank, Schmutz und Dreck vereint hatte, zusammen mit Bruder Jelus zu reinigen.
Bruder Jelus weiß ja sicher wie das geht!, das habe ich noch mit einem Lächeln auf den Lippen der Schwester gesagt.
Oh ja und wie er das wusste! Das musste ich einen Tag nach dem Gespräch feststellen! Leider!
Leichtsinn war überhaupt diesem Ort nahe zu kommen.
Bei Temora, dieser Gestank treibt jeden Feind in die Flucht, dieser Gedanke bemächtigt sich meiner nebst aufsteigender Übelkeit, als ich wenige Schritte vor dem bisher unscheinbaren Häuschen am Rand der Wehr stand.
Einen Augenblick noch, Bruder Jelus!
Im Laufschritt bin ich dann zu meiner Kammer geeilt, habe mein Schutztuch in dem Kokosöl aus Menekur geträufelt. Liebevoll noch an die Freundin Khalida gedacht, die es mir geschenkt hat. Wenn sie wüsste, wofür ich das nun verwende, sie wäre entsetzt! Sicherheitshalber habe ich dann noch mein Haar damit benetzt und bin in einer Duftwolke in meiner ältesten Lederhose und hohen Stiefeln samt Arbeitshandschuhen aus Leder und bin dann zu dem Bruder zurück geeilt.
Der war bereits vorbereitet und mit Seilen ausgerüstet. Eimer standen auch da herum.
Was eigenartig war, dass ich nun nicht an die bevorstehende Katastrophe denken musste, nein, ich habe Bruder Jelus noch nie ohne Rüstung gesehen. Der Anblick war überraschend und sehr ungewohnt für mich. Dabei habe ich mich entschieden, in Rüstung sieht er bei weitem besser aus! Ausgesprochen habe ich es diesmal nicht, sondern nun seinen Anweisungen meine Aufmerksamkeit geschenkt.
Die Latrine ist verstopft wir müssen da runter und die Ursachen beseitigen.
Also in den Schacht.
Guter Plan, auch wenn das „Wir“ und sein Blick bei mir Alarm hätten auslassen sollen. Aber noch ist ja nichts entschieden!, dachte ich.
Blitzschnell wurde dann entschieden, ein Seil um meine Hüften geschlungen, festgemacht und mit einem Eimer ausgestattet, wurde ich da von Bruder Jelus herab in das stinkende düstere Loch herab gelassen. Was dann geschah, schreibe ich nicht mehr nieder.
Tatsache war, dass wir dann weit weg von der Festung eine Grube ausgehoben haben, dann wurden die Eimer darin entleert und erst am nächsten Morgen schafften wir es zusammen mit den anderen Brüdern diese Grube zuzuschütten.
Damit war die Arbeit noch nicht getan! Unzählige Eimer mit Wasser schleppten wir zur Latrine und beobachten nun, ob das Wasser versickerte. Was geschah! Das war Augenblick der Erleichterung und kurzer Freude für mich!
Aber wir waren noch immer nicht fertig! Inzwischen stank ich wie die Latrine zuvor und habe jegliches Gefühl für andere Düfte und Gerüche verloren. Das Essen machte auch keine Freude mehr und das Trinken noch weniger. Mein Magen war empfindlich wie nie zuvor und verweigerte alles.
Am dritten Tag war das Häuschen samt Stein mit dem Loch, den wir an dessen Platz zurück geschoben haben, noch geputzt worden.
Ich habe heute wieder wie die Tage davor drei Mal vor den Gebeten gebadet und meine Haut und Haare danach mit dem Kokosöl eingerieben, das langsam nun zur Neige geht. Noch immer habe ich das Gefühl, dass jener Geruch an mir hängt, während ich in der Kirche knie. Es ist zum verzweifeln!
Bruder Jelus hilft mir auch nicht gerade dabei dieses Gefühl loszuwerden, ständig schmunzelt er wenn ich meinen Dienst auf der Wehr verrichte.
Wenn ich eines sicher weiß ist, dass Bruder Jelus sonst niemals schmunzelt und ich in Zukunft dieses nun harmlos wirkende Häuschen, mit anderen Augen sehen werde.
Wächter des Lichts
Verfasst: Montag 11. August 2014, 15:38
von Gast
11.Ashatar 257
Was für eine wundervolle Bezeichnung für einen schweren Weg. Ich bin gestern nach einer feierlichen Ansprache von unserem Pater, den ich achte und liebe wie einen Vater, zu einem unserer Wächter des Lichts berufen worden. Die Worte des Paters waren berührend und ergreifend.
Seine neue feierliche Robe hat mich ein wenig aus der Fassung gebracht, wie er da stand, er, der Temora so nahe ist, wie es ein Mensch nur sein kann, strahlte in einem Licht, das unserer kleinen Kapelle voller Wärme erfüllte. In diesem Augenblick übertraf er sogar das Licht der flackernden Kerzen hier und ich habe deutlich die Präsenz der Herrin gefühlt, was für den Hauch eines Augenblicks meinen Herzschlag aussetze, so sehr war ich voller Ehrfurcht und Dankbarkeit erfüllt.
Die Herrin hat mir vergeben, sonst hätte Ihr Schwertstreich mich niedergestreckt. Sie hat mir in diesem Augenblick all meine Fehler weg gewischt und mir durch den Pater die Gnade verliehen einer Ihrer Wächter zu sein.
Ein Wächter des Lichts.
Nicht mir zur Ehr, sondern all mein Tun und Handeln gebührt zur Ehre Deines Namens, meine Herrin!
In Gedanken spreche ich diese Worte aus, die Teil meines persönlichen Gebets sind, das ich hier im Orden nieder geschrieben habe. Dann erst nehme ich den Ruf der Herrin an, blicke glücklich auf das Ankhkreuz und spreche es dem Pater und all den Schwestern und Brüdern gegenüber aus.
Schlicht gehalten sind meine Worte, wie meine weiße Kutte, die mir so lieb geworden ist. Für mich bedeutet das Weiß, die reine und makellose Liebe, die ich ohne Forderungen, ohne Bedenken und ohne Wunsch nach Macht oder Weltlichem meiner Herrin für immer geschenkt habe. Sie ist das Wichtigste in meinem Leben und meinem Streben Ihr und dem Orden mit meinem Schwert dienen zu dürfen, erfüllt mich mit Freude, die unbeschreiblich ist.
Dann folgen die herzlichen Beglückwünschungen meiner Schwestern und Brüder, die ergreifend und berührend für mich sind, denn sie sind bereits Wächter und wissen von der Bedeutung ein Wächter des Lichts zu sein. Jeden Tag aufs Neue, mit jedem Atemzug und jedem unserer Gedanken dienen wir nur Ihr, unserer Herrin. Jeder von uns auf seine Art und Weise, so verschieden sind wir, wie die Kieselsteine am Bachlauf Ihrer Mutter, der hier die Festung durchläuft.
Der Kreis hat sich nun geschlossen und ich bin überglücklich. Hier hat alles angefangen damals, als ich Temora Ihr Schwert hier in dieser Kapelle zurück gab. Von hier aus musste ich all die Umwege, Ausbildungen, vergangene Auszeichnungen und lehrreiche Erlebnisse, menschliche Abgründe und Tiefschläge erleben, um diesen einen Zweck zu erfüllen -abermals hier zu stehen, wo ich nun mein Heim habe, meine Brüder und Schwestern und meine Aufgabe. Hier darf ich der Herrin nahe sein und ich habe Ihre wohlwollenden Abzweigungen und auch Irrwege in meinem Leben nun verstanden.
Temora bewahre in mir die Gnade und Liebe, aber auch Mitgefühl und Anteilnahme zu all den Menschen, die meinen Weg noch kreuzen mögen. Möge meine Entschlossenheit all Ihre Tugenden bewahren und sie verteidigen, mit Worten und meinem Schwert, um das Licht in dieser Welt zu bewachen.
Der Pater hat so weise Worte an mich gerichtet, mit denen ich nun abschließen will.
Ein Herz, welches die Wärme des Glaubens erfahren hat, dem kann keine Kälte widerfahren!