Seite 1 von 1

Fortbildung

Verfasst: Samstag 31. August 2013, 15:49
von Benedict Weber
Das Wetter war am heutigen Tage unschön. Die Wolken hingen tief und dunkel über Meereswacht. Immer wieder ging leichter Nieselregen herab, der dafür sorge trug das man nie richtig trocken wurde. Das blaue Barett hing träge auf dem braunen Zopf der Gardistin, als diese das Regiment betrat. Es erwartete sie noch ein wenig Papierkram und sie war nicht sicher ob sie lieber dem Wetter oder dieser Arbeit entkommen wollte. Doch zu ihrer Verwunderung lag mittig auf dem Schreibtisch, den sie sich mit den zwei anderen Korporälen teilte, ein Schreiben an Sie. Die Schrift erkannte sie schon auf dem Kopf, nur den Inhalt nicht. Sie drehte das Schreiben herum und betrachtete es. Lilian beorderte Sie in ihr Büro. Kurz ging sie die Ereignisse der letzten Tage gedanklich durch, kam aber zu dem Schluss das Sie keinen groben Unsinn angestellt hatte. Zumindest nicht persönlich.

So wurde Talianna vorstellig. Die Miene der blonden Offizierin die gerade ihre Gastgeberin war, verhieß keine allzu gute Laune. Also brav und nach Vorschrift. Salutieren, angemessen grüßen, abwarten. Sie setzte sich erst als Sie aufgefordert wurde. Gespannt was kommen möge wartete sie darauf dass die andere Frau anfing.
"Korporal, ihr seid im Gegensatz zu den Korporälen Thorn und Vaughain ohne militärisches Vorwissen. Das mag vor dem Winter in Ordnung gewesen sein, Doch heute sind wir die Königsgarde."

Ein Moment des Schweigens, während dem die Frau Oberstleutnant ein Schriftstück hervorholte.. Talianna konnte nur Lilians Schriftbild erkennen, und das es zwei Unterschriften trug. Beide aus drei Worten.

"Deswegen ist das so mit euch in der Position eines Unteroffizieres nicht weiter tragbar. Oberst von Tannhoeh und ich sind hier einer Meinung. Deswegen werdet ihr uns verlassen müssen."
Talianna kämpfte mit sich selbst. Sie fühlte für einige Herzschläge lang nichts, dann hatte sie das Gefühl, würgen zu wollen. Lilian sah sie ruhig an, drehte das Schriftstück um, so dass die wohl etwas blass gewordene den Text betrachten konnte.
„Marschbefehl"
Die betrachtete das Wort noch einmal.
Blinzelte.
Und ließ es langsam durchsickern.
„Marschbefehl" nicht „Entlassung".
Es stand wirklich da, sie hatte keinen Zweifel. Ein kurzer Blick wieder hoch zu der Blondine, dann räusperte sie sich und las den Rest des Schreibens. Ein Marschbefehl nach Dragenfurth. Weiterbildung für Unteroffiziere.
Sie hob die Brauen, nicht ganz sicher was sie davon halten sollte. Aber schlussendlich war es eine beschlossene Sache.


Am nächsten Tag schon ging ihr Schiff. Ein zweimaster, schlanker Aufbau. Eher ein Kurier denn ein Handelsschiff, und ganz sicher kein Passagierschiff. Aber die Krone zahlte neunmal nicht für ihren Luxus sondern für ihre Überfahrt. Und so machte sie es sich in einer Hängematte bequemen. Die Fahrt, drei Tage geschaukel, verlief recht ereignislos. Die Matrosen wollten mit der Soldatin an Bord nicht viel zu tun haben, und so nutzte Talianna die Zeit, dass Buch zu lesen welches Lilian ihr über Dragenfurth mitgegeben hatte. Am Ende kam sie zu dem Schluss, dass der Ort wohl eher langweilig sein würde, von den Unterweisungen mal abgesehen.

Sie behielt, auf den ersten Blick, Recht. Die Landschaft war eher trist, Hügelland mit lichten Wäldern. Vereinzelte Bauernhöfe und Dörfer umgaben ihr Reiseziel. Die Stadt Vesten. Massiv wirkende Mauern umgaben jenen Ort und die Tore waren gesichert. Über der Stadt auf einem Berg thronte Burg Dunkelschanz. Talianna hatte beschlossen die Überlandreise in Uniform zu absolvieren. Sie hatte den Bogen und Jadron‘s Degen bei sich und wollte Ärger deswegen im Vorhinein aus dem Weg gehen. Die Wache am Tor trug das Rot derer von Dragenfurth, und musterte die neu ankommende einige Momente irritiert. Das Gold-Rot war hier eine seltene Kombination. Dennoch war es kein Problem sich nach kurzer Begrüßung einweisen zu lassen.

An der Kaserne angekommen, konnte sie nach einer kurzen Meldung und vorweisen des Marschbefehles, recht ungehindert das Tor passieren. Begrüßt wurde Sie dabei von einem Trommelgewitter, ausgelöst von einigen Männern und Frauen am Rande des Platzes. Einige Momente blieb sie stehen, betrachtete die Musiker, die ebenso eine uniform trugen wie sie. Der Takt des Liedes war angenehm, einfach und eingängig wie für einen Marsch. Offensichtlich eine kleine Übung. Talianna setzte sich wieder in Bewegung um ihr Quartier zu beziehen und sich über den weiteren Ablauf zu informieren. Dabei ertappte Sie sich dabei, den Marsch mit zu summen. In Adoran gab es keinen der ein Musikinstrument spielte. Eigentlich bedauerlich.

Das Zimmer war klein, aber ausreichend. Bett, Tisch, Stuhl, Kiste für Habseligkeiten. Ein kleines Fenster zeigte ein Waldstück. Der diensthabende Offizier reichte ihr außerdem ein Pergament auf dem die Kantinenzeiten und einige andere organisatorische Dinge niedergeschrieben waren. Leutnant Pinto , zu dessen Fortbildung sie geschickt war, wurde erst in zwei Tagen erwartet. Ihr war das bewusst, auch Sie selbst war zu früh, aber das Schiff fuhr nun mal nicht nach ihrem Terminplan. Zwei Tage sich umzusehen und einzugewöhnen würden ihr hoffentlich reichen. Sie wurde in den Farben des Königs hier sowieso auffallen, lehnte aber ab, sich anders einkleiden zu lassen. Die Leute sollten ruhig erkennen das Sie sich nicht auskannte.
Unfug.
Sie sollten erkennen woher sie kam. Wohin sie gehörte.
Immerhin… nicht jeder durfte die Farben des Königs tragen.

Die zwei Tage vergingen recht schnell. Ein Gespräch bei Oberst Meridos fand statt, war aber auch schnell wieder vorbei. Nur das übliche Gerede, stolz auf seine Einheit, freut sich sie als Gast begrüßen zu dürfen. Bitte die Regeln zu beachten, auf gute Zusammenarbeit. Schönen Tag noch.
Talianna war froh kein Gesprächsprotokoll schreiben zu müssen. Es hätte wohl nicht gut ausgesehen.
Ansonsten versuchte sie sich einzuleben, lernte das Gelände und die Stadt ein wenig kennen. Es war in der Kaserne nicht viel los. Ein Großteil der Truppe befand sich an der Grenze derzeit. So waren die einzigen Anwesenden die sie in den zwei Tagen öfters antraf, die Trommler auf dem Hof. Sie ließ es sich nicht nehmen die Vier zu beobachten. Erkannte schnell das drei davon Rekruten waren die grade erst die Grundzüge lernten von einem älteren Wachtmeister. Jener sah sich zwar hin und wieder mit missmutigem Blick nach ihr um, sagte aber nichts weiter zu ihr. So lauschte sie den einfachen Takten des Militärmarsches, und auch den Erklärungen dazu.
Ein wenig fühlte sie sich an ihre Mutter zurückerinnert, die ihr vor über 10 Jahren eine Flöte gab und ihr das spielen beibrachte. Genauso wie hier ging es nur um die leichten Melodien von eingängigen Liedern. Damals waren es Kinder- und Volkslieder gewesen. Ihre Mutter hatte die ähnliche Art gehabt, ihr das spielen nahezubringen.
Sie musste schmunzeln als sie sogar eines der Lieder wiedererkannte am zweiten Tag. Es waren Erinnerungen an ein vergangenes Leben. Das sie lange nicht mehr führte. Nicht mehr hatte führen wollen.
Und obwohl sie sich davon getrennt hatte, war die Erinnerung an jene Zeit in diesem Moment nicht unwillkommen.
Talianna war in dem Moment so in Gedanken versunken, dass sie gar nicht recht mitbekam wie der Wachtmeister vor sie trat und sich vorstellte. Thomas Elgard war sein Name, und er wollte wissen was sie da täte. Eine kurze Erklärung ihrerseits ließ den Älteren zufrieden nicken. Der Leutnant sei ein guter Mann, aber von Motivation habe er keine Ahnung. Mit der Aussage verabschiedete er sich wieder zu seinem Trupp und ließ die Besucherin stehen. Sie war verwundert, nahm die Worte aber einfach hin. Dennoch musste sie darüber nachdenken als sie sich auf den Weg zurück zum Quartier machte.

Am nächsten Tag begann die Fortbildung dann endlich. Der Leutnant war ein kleiner, älterer Herr mit angegrautem Haar und schmächtiger Gestalt. Sein Gesicht wirkte ein wenig verbittert, fand sie. Und er war nicht unbedingt die Art Mentor, die sich mochte. Im Endeffekt war ihm egal wer etwas verstand und wie viel. Das Ganze war eher ein Pflichtprogramm für ihn, zumindest machte das so den Anschein.
Nach zwei Tagen war sie genervt. Sie konnte dem runtergeratter von Vorschriften und Paragraphen, Verhaltensregeln und Ehrefragen einfach zu wenig abgewinnen. Was hatte Lilian sich dabei gedacht?

Als sie sich am vierten Tag aus dem Lehrsaal begab, fühlte sie sich müder als am Morgen. Und ein Geräusch lenkte ihre Aufmerksamkeit auf sich. Gelächter.
Es war ein Geräusch das sie nicht hier erwartet, dessen Existenz sie hier in der Nähe des Leutnant geleugnet hätte. Doch es war da. Neugierig folgte sie dem Geräusch.
Wachtmeister Elgard und seine Truppe kamen in ihr Sichtfeld, offensichtlich gut gelaunt und scherzend. Sie strebten, mit ihren Instrumenten aber in zivil, dem Ausgang des Geländes entgegen.
Als Elgard sie bemerkte blieb er stehen, wandte sich ihr zu und bedeutete den anderen vorzugehen. Kurz vor ihr blieb er stehen. Ob ihr der Lehrgang gefiele, wollte er wissen. Sie bejahte…. Eher Pflichtschuldig als ernst gemeint. Sein lachen verriet ihr, dass er sie verstanden hatte. Und dann folgte eine Einladung, in eine Gaststube Namens „Der große Krug“ in der Stadt. Sie könne ruhig in Uniform erscheinen, es seien viele Soldaten regelmäßig dort. Dann folgte er seinen Leuten die schon zum Tor hinaus waren im Laufschritt nach.
Sie war verwundert, und eigentlich war sie müde. Wie so oft nach den eintönigen Stunden in den letzten Tagen.
Und während sie auf dem Bett lag, dachte sie über die Einladung nach. Was sollte es, sie hatte den Abend frei, es gab nichts weiter zu tun. Sie konnte sich genauso gut ansehen was der Wachtmeister von ihr wollte. Der „Krug“ war durch kurzes Nachfragen schnell gefunden, und so betrat sie den Raum der von langen Tischen und Bänken gefüllt war. Keine Stühle die in einer Schlägerei zu Bruch gehen konnten. Sie musste bei dem Gedanken unweigerlich schmunzeln. Auf einer kleinen Erhöhung saßen die Musiker und spielten auf. Ein Lied über den Dienst im Krieg und die Frauen daheim. Es war eigentlich ein trauriger Text, aber die Stimmung war dennoch gut. Das Lied war aus dem Leben geschrieben. Die meisten Anwesenden konnten es nachvollziehen, Talianna selbst auch. Sie bestellte sich ein Bier während sie dem ganzen zusah, einige Soldaten die in Ausgehuniform hier waren, grüßten sie kurz. Immer der gleiche Ablauf: ein heben der Hände.. Korporal.. Soldat… und dann widmete man sich wieder dem eigentlichen Treiben und der Musik. An einem Ort wie diesen war es ein ermüdender Vorgang, sie war froh als das irgendwann aufhörte.
Die Musik war wechselhaft. Fröhliche Lieder, Trinklieder, manchmal etwas leicht anzügliches, und dann wieder etwas erhabeneres… patriotischeres. Die Männer und Frauen waren begeistert. Zuletzt wurde die Reichshymne gespielt, ehe die Gruppe des Wachtmeisters sich verabschiedete. Sie spielten gut, wenn es Fehler gab, wurden sie gekonnt kaschiert und je später der Abend, desto weniger wurde darauf von den zunehmend angetrunkeneren Soldaten geachtet. Zum Abschied nickte er ihr zu, deutete auf die Uhr und ging hinaus. Verdammt, nach Mitternacht.

Die Nacht war kurz, der nächste Vormittag umso grausamer für ihr Gemüt. Sie konnte dem Leutnant noch weniger folgen als sonst, die Zeit quälte sich dahin. Als es endlich zu Ende war, hatte sie das Gefühl, heute nichts mitbekommen zu haben. Ihre Gedanken waren bei dem alten, stets gut gelaunt wirkenden Wachtmeister und seiner Truppe an Militärmusikern.
Talianna suchte ihn auf, fand ihn wie üblich mit seinen Leuten beim üben am Nachmittag.
Er grinste als er sie kommen sah. Ob sie etwa müde sei. Sie brummte die Bejahung mehr als sie wirklich auszusprechen. Wieder ein grinsen. „Stelle die Frage die dich zu mir treibt, Kindchen.“ Er kannte die Frage bereits, sie wollte etwas zu der Anrede sagen, beließ es aber dabei. Immerhin, er könnte ihr Vater sein.
Sie stellte die Frage, trotz allem. Ja er kannte sie schon, nickte nur.
„Gestern hast du etwas gelernt, das du eigentlich schon wusstest. Ein Lied kann Menschen bewegen. Es kann sie beruhigen, es kann sie aufwühlen, es kann sie wütend machen oder traurig. Du willst lernen Menschen zu Motivieren und Führen. Bist du sicher der Unfug vom alten Schinder Pinto hilft dir dabei? – Ach schau nicht so, meine Akte ist voller Abmahnungen wegen so was, und ich bin immer noch hier.
Wenn du einen Menschen wirklich motivieren willst, dann ist die Musik der Weg dazu. Du kannst alles in einem Menschen wecken, wenn du nur den richtigen Ton triffst. Heimweh zur Mutter, Vaterlandsliebe, Wut, Sehnsucht und Mitgefühl. Alles eine Frage von Takt, Ton und Text. Wenn du es lernen willst, und dabei deinen Leuten was gutes Tun willst, dann sei morgen zur Mittagsstunde hier. Ich bring dir ein Instrument mit.
Wenn nicht… dann weißt du ja wo du sitzen und lauschen wirst.“

Und damit wandte er sich um, ließ sie einfach stehen und widmete sich wieder einem seiner Schüler.
Verrückt.
Sie war es gewohnt das man sie stehenließ. Aber nach so einer Ansprache, das nicht. Aber sie ging, dachte darüber nach. Und verwarf den Gedanken.

Als sie am nächsten Tag dem Leutnant lauschte, ein Vortrag über disziplinierende Maßnahmen zur Motivationssteigerung, fragte sie sich erneut, ob das hier war was Lilian wollte. Ausgerechnet Lilian.
Als die Turmuhr zwölf zu schlagen begann, erhob sie sich und verließ den Saal. Pinto schien es nicht einmal zu bemerken. Etwas außer Atem kam sie in den Raum zu Elgard. Der Alte konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen und deutete auf einen Stuhl.
„Schon mal ein Instrument in der Hand gehabt?“ – „Eine Flöte. Über 10 Jahre her.“ – „Vergiss deine Flöte, wir fangen mit der Trommel an. Sie ist für Märsche geeigneter und im Kampfgebiet weiter zu hören. Wenn du es richtig lernst, kannst du mit einer Trommel oder Pauke sogar Nachrichten verschicken. Wie lange bist du hier?“ – „Drei Wochen, dann…“ Er fiel ihr ins Wort, brummend dabei. „Davon hast du schon eine verschwendet, also packen wir es lieber an.“
Und er packte es an. Elgard stellte sich als brummiger alter Pragmatiker heraus. Selbst den jungen Rekruten gegenüber nahm er kein beschönigendes Blatt vor den Mund. Seine Erklärungen waren manchmal vielleicht Inhaltlich fragwürdig, aber jeder verstand ihn.
Und so lernte sie. Frischte ihr Wissen über Notenleitern und Tonfolgen auf, lernte drei einfache Märsche auf der Trommel zu spielen, dazu ein ziemlich wildes Lied über die Schlacht am Dragen welche Aurel von Seewall damals gewann.
Aber noch viel mehr, er zeigte ihr, die Melodie zu hören, den Rhythmus des Liedes zu spüren.
Sie kam jeden Tag zur Mittagsstunde, und am dritten Tag, betrat sie den Lehrsaal des Leutnant nur noch für die morgendliche Anwesenheitskontrolle und verkrümelte sich dann sobald möglich wieder. Höchstwahrscheinlich, so kam es ihr in den Sinn, würde Lilian sie umbringen. Sie verdrängte den Gedanken.
Stattdessen widmete sie sich dem lernen von Versmaßen und Reimschemata. Auch die Flöte nahm sie zum ersten mal seit einem Jahrzehnt wieder in die Hand. Der Anfang fiel ihr schwer, es dauerte eine Weile wieder sich zu erinnern. Einiges kam wieder, das meiste lernte sie aber in diesen Tagen neu. Sie hatte fast vergessen das etwas neues zu lernen auch Spaß machen konnte.

In der letzten Woche kam es dann zu etwas neuem. Texte. Elgard saß zurückgelehnt vor den Rekruten und der Korporalin und erklärte ihnen, das Texte wichtig sind. „Haltet sie einfach, haltet sie verständlich. In einem Krieg sind nicht nur ausgebildete Soldaten, sondern auch eingezogene Bauern sowie andere Zivilisten unterwegs. Wird’s zu schwer, versuchen sie nachzudenken. Sie sollen singen, marschieren und Befehle befolgen. Lenkt sie vom Denken ab. Die Offiziere denken…und ihr denkt auch aber sagt es keinem! Aber die sollen nicht denken.
Geht raus und denkt. Ich will von jedem von euch bis morgen ein oder zwei Texte. Und nun fort mit euch.“

Sie suchte sich einen Ort auf der Stadtmauer und sah über die Landschaft, während sie mit dem Kohlestift über das Pergament kritzelte. Kleine Kringel und geometrische Figuren. Nach einer Weile begann sie dann, Worte aneinander zu reihen:

„Die Fahnen erhoben,
die Trompete erschallt.
Für den Kampf geboren,
das Kriegsgetreibe hallt.

Das Regiment steht starr,
die Linien werden nicht fallen.
Für den König und Reich immerdar,
wird ihr Kriegsschrei hallen.

Ha-Roo das Reich zur Ehr',
Ha-Roo für Temoras Glanz.
Ha-Roo die Rotgoldene Wehr,
Ha-Roo dem Kriegestanz.“


„Temora sah den mut’gen Gang
Die Gläubigen schritten vorran
Die untod‘ Horden weggefegt
Bis vor des Raben Drachen steht

Der König Ador hiebt und sticht
Dem untod‘ Drachen in’s Gesicht
Er führt die Truppen selber an
Ohn‘ Furcht ist unser Königsmann

Temora schenkt ihm seine Gnad‘
So kämpft der Ador unverzagt
Der Knochendrache fällt und bricht
Jeder von Ador Drachentöter spricht“

Der zweite Text löste einige Fragen aus am nächsten Tag, so kam sie nicht darum herum die Geschichte über den Angriff auf Varuna zu erzählen. Und so tauschte man sich die letzten Tage aus, wechselte ein paar Geschichten die man weitertragen konnte. Grade Geschichten über den König waren dabei gern vernommen.

Die letzte Woche verging schneller als gedacht. Ironischerweise sorgte das anwesend sein am Morgen dafür, dass sie ein Schriftstück bekam, welches ihr die Anwesenheit und Teilnahme bestätigte. Ihr bestätigte sich daraufhin vor allem das Leutnant Pinto wirklich ein Idiot war.
Sie bekam eine Trommel geschenkt und man verabschiedete sich freundlich, wollte sich beizeiten schreiben und hören wie ihre Fortbildung sich entwickelte.
Während der Rückfahrt übte sie sich weiterhin an der neu geschenkten Trommel, doch je näher sie Adoran kam, desto häufiger kam ihr eine Frage in den Sinn:
Wie würden eigentlich ihre Vorgesetzten reagieren wenn sie herausbekamen das sie mit Musik statt Theorie nach Hause kam?
Es würde wohl noch spannend werden. Und so trat sie einen Tag nach der Reise in Lilians Büro wieder ihren Dienst an, mit einer kleinen Trommel am Gürtel und merklich gut gelaunt.

Verfasst: Samstag 7. September 2013, 10:23
von Benedict Weber
Mit einem nicht gerade leisem 'Wusch' brach einmal mehr einer der absolut kreativen, aber nicht unbedingt geordneten Pergamentstapel in sich zusammen.
Der damit aufgewirbelte Staub sorgte für ein Kitzeln in der Nase und ein folgendes recht herzhaftes Niesen.

Das Desaster auf dem Boden wurde von einem leidenden Blick aufgenommen.
Dort lag nun ein recht buntes Wirrwarr an Lageplänen, Berichten und Briefen.

So konnte es nicht weiter gehen, das war kein Zustand...

Irgendwo sollte doch....
Auf allen Vieren am Boden begann sie dann in ihrem Stapel zu wühlen.
Da war er ja! Das hatte sie gesucht!

Der Bericht des Leutnants.
Nach dem Auftauchen des Korporals in ihrem Büro, hatte sie sich fest vorgenommen ihn vielleicht doch noch einmal zu lesen.
Irgendwas hatte sie da völlig übersehen.

Man musste ihnen eines zugestehen, sie waren schon etwas Besonderes, jeder für sich, auf seine ganz eigene Weise.
Und das war wohl das Ergebnis davon, wenn man einmal versuchte etwas gewöhnlich an zu gehen.

Nachdem sie sich vom ersten Schrecken beim Anblick der Trommel erholt hatte, war ihr das Funkeln in den Augen aufgefallen.
Eine neue Aufgabe also, etwas hinter dem sie mit vollem Herzen stand.

Dann hatte die Forbildung doch eindeutig ihren Zweck erfüllt?

Nicht dass das unbedingt der Plan dahinter gewesen war, aber was konnte man mehr verlangen als eine Truppe, die ihre Aufgabe mit ganzem Herzen erfüllte?

Mit einem Kopfschütteln begann sie wieder in dem Durcheinander am Boden zu wühlen.
Eigentlich hätte es erfolgreicher nicht sein können.

Wieder hat Jemand außergewöhnliches seinen ganz eigenen Weg gefunden.

Irgendwo hinter ihr, sie war sich sicher, sie hatte ihn gar nicht berührt!
Brach unter lautem 'Kawusch' der nächste Stapel Papiere in sich zusammen.

Unter leisem Aufseufzen wanderte der Blick über das neuerliche Desaster und Durcheinander ihres Büros.

Vielleicht sollte sie sich selbst einmal fort bilden......
War wohl Zeit für einen Urlaub...... Weit weg.