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Dienstpause

Verfasst: Freitag 23. August 2013, 09:42
von Tarya Erskine
Als ich aufwachte, schmerzten Rücken, Arme, Beine…
Auf zum fröhlichen Lagerleben.
Stämme schleppen, in viel zu weiten, unpassenden, nach Männerschweiß riechenden Kleidungsstücken, die an meiner Ehre als Schneiderin kratzten.
Trotz der langen Schicht in der Nacht und der Begegnung mit der Lethra war ich viel zu früh wach.
Ich war ein weiches Bett und kuschelige Kissen gewöhnt, ganz im Gegensatz zu meinen Kameraden, die wahrscheinlich sogar eine gute, erholsame Nacht hatten.
Das Lager war noch still, als ich mich aus den muffigen Kleidern schälte und mich wusch.
Die Rüstung wieder angezogen, der Speer in der Hand drehte ich alleine die erste Runde durchs Lager.
Alles war ruhig und Still.
Ich beschloss, mich auf den Weg nach Hause zu machen, um die Kleider von Hochgeboren von Goldenfall fertig zu machen, und meinen geschunden Leib einmal komplett ins Wasser zu hieven.
Nach dem Bad fühlte ich mich ein wenig frischer und erholter.
Aber es würden noch mindestens 2 anstrengende Tage folgen.
Ich seufzte.
Warum hatte ich mir das noch mal angetan?
Ein Kakao von Tarek und ein frisches Brot mit Marmelade und schon sah die Welt ein klein wenig freundlicher aus.
Wenngleich mich der Gedanke quälte, wie ich die kommenden beiden Tage überstehen sollte.
Ich wusch die verschwitzten Kleider um sie Vaughain später wieder zu geben, packte meine Tasche und packte auch gleich die neue Rüstung ein, die ich kurz vorher bekommen hatte.

Rüstung, furchtbar.
Ich trug gerne Röcke und Kleider und sah schick aus.
Eine Rüstung tut keiner weiblichen Figur gut.
Naja, bei Männern sieht das ein klein wenig anders aus, wenn man bedenkt, wie viele Frauen unseren männlichen Kameraden hinterher schmachten.
Ob das an der Rüstung, dem Verhalten oder den breiten Schultern liegt, lasse ich dabei einfach mal offen.
Das führte meine Gedanken geradewegs zu der diabolisch grinsenden Helisande.
Nur Unsinn im Kopf, und es war auch noch ansteckend.
Als ich die Disteln aus dem Männerzelt gefischt hatte, musste ich schon grinsen.
Wir waren nicht aufgefallen, Janarey hatte Schmiere gestanden, Helisande hatte die „Blaumeisen“ am Tor abgelenkt und ich hatte Disteln gefischt.
Ein kurzes grinsen und Kopfschütteln konnte ich mir bei dem Gedanken nicht verkneifen.

Alles in allem war es eine gute Truppe, die im Lager war.
Und einige davon gehörten auch noch zum Kessel, was es meinem vorlauten Mundwerk manchmal wirklich schwierig machte.
Ernst, Helisande, Talianna…
Ernst der sich um mein gutes Rekruten-Verhalten kümmerte, und hier und da versuchte, auf mich auf zu passen.
Helisande, die wir erst vor kurzem, im wahrsten Sinne des Wortes, eingekesselt hatten, und Talianna, meine älteste und beste Freundin hier.

Mein Leben war so anders, als ich es mir vorgestellt hatte.
Seit Elias nach Hause zu seinem kranken Vater gereist war, war mein Haus ein Rückzugsort für mich alleine geworden und damit kaum frequentiert.
Die meiste Zeit hielt ich mich wieder im Kessel auf, so wie es eigentlich nicht geplant war.
Manchmal sah ich das Haus tagelang nicht, und ging nur hin um zu schlafen oder mal ein bisschen Zeit für mich zu haben.
Im Haus hingen viele Erinnerungen.
Ich schob die schwermütigen Gedanken beiseite.
Elias und ich wollten unseren kleinen Wirbelwind immer mal besuchen.
Aber es war nicht dazu gekommen.
Ob es Nicora gut ging bei ihren Eltern?
Ob sie ab und an mal an uns dachte?
Ganz bestimmt ging es ihr gut. Ihre Eltern würden für alles Sorgen. Es waren ja ihre Eltern.

Ich wanderte zurück zum Lager.
Die frühe Torwache wollte gemacht werden.
Nicht mehr an vergangenes denken, vielleicht war es alles gut, so wie es war.
Ich musste mich vor keinem Rechtfertigen, ich hatte keine Verantwortung außer dem Kessel und dem Regiment gegenüber, und ich hatte neue Freunde gefunden.

Was wollte ich mehr?
So trat ich, als schlechteste Rekrutin des Regimentes, wieder brav meinen Dienst an und schob alle diese Gedanken beiseite.


Verfasst: Mittwoch 28. August 2013, 12:15
von Tarya Erskine
Was für eine Woche.
Drei Tage Turmbau, Lagerleben, Verzicht auf alles, was angenehm ist.
Kein Bett, kein Bad, keine schönen Kleider.
Und dann der Markt.
Früh war ich aufgebrochen, hatte nur flüchtig ein klein wenig geholfen, das Lager zu räumen, ehe ich mich um den Aufbau des Marktes kümmern musste.
Durchaus gelungen, muss ich zugeben, was an allen beteiligten lag.
Stolz auf die Truppe des Kessels und froh darum, das es endlich vorbei war, und ich wieder in meinem eigenen Bett schlafen konnte.
Das große, mit den vielen Fellen, Decken und Kissen, in dem ich nie alleine schlief sonst.

Seit diesem Tag hatte ich wieder vermehrt Zeit zu Hause verbracht.
Warum?
Tja, wenn ich das wüsste.
Ich hatte Aly gebeten, mir neue Möbel her zu stellen, ich hatte angefangen, unten umzuräumen, vorhänge aus zu tauschen, und wenn es nur ein kleines Möbelrücken war.
Das Haus, so wie es gewesen war, war für etwas bestimmt gewesen.
Elias war zu seinen Eltern gereist, seiner Mutter helfen, seinen kranken Vater zu versorgen, seine Geschäfte zu übernehmen.
Und es war gekommen, wie ich es von Anfang an befürchtet hatte.
Er war nicht mehr wieder gekehrt.
Die Anfänglichen Briefe, die in regelmäßigen Abständen den Weg nach Adoran in meine Hände fanden, wurden immer weniger, bis sie gänzlich aufhörten.

Irgendwann muss man aufhören zu Träumen und der Realität ins Auge sehen.
Seid Elias Abreise war viel passiert.
Ich war nunmehr die Leiterin einer Gemeinschaft, die nicht nur zunehmend wuchs sondern vor allem zusammen-wuchs.
Ich mochte sie alle, wie sie waren.
Ein guter Haufen.
Und Haufen war in diesem Falle nichts Negatives.

Cathan der Brummbär, der es schaffte, mich durchaus zu überraschen zwischendurch.
Aly die immer mehr auftaute.
Tarek der sich, so ähnlich wie ich selber, immer um das Wohl aller kümmerte.
Samuel, der anfangs recht still war, und mittlerweile immer mehr seines Potenzials ausschöpfte.
Saphira, die meistens gut gelaunt war.
Helisande, die auch ohne Rüstung stets ein Quell des Schabernacks war.
Lethalon, auf den wirklich verlass war
Ernst…
Mittlerweile ein guter Freund, und der einzige, der wusste, wo ich wohnte, wenn ich mal nicht im Kessel war.

Ein amüsiertes Grinsen huschte über meine Züge.
„Hoch auf dem goldnen Waaaahaaagen,
sitz ich beim Ador vorn
Vorwärts die Rosse Traahaaben,
Lustig schmettert Fjalon Thorn.“


Der Mann war manchmal echt unglaublich.
Mein neues, ganz persönliches Reithuhn.
Ein Typ zum Pferde stehlen, manchmal wunderte es mich nicht, dass ihm die Frauen hinterher schmachteten.
Im Dienst, ein Vorbildlicher Soldat, privat jemand, der auf mich aufpasste.
Meinte er wirklich, er konnte aus mir noch eine gute Gardistin machen?
IN den letzten Tagen hatten wir eher weniger Dienstlich, dafür mehr Privat miteinander zu tun.
Samuels Wohnungseinweihungsfeier war, wie hätte es anders sein sollen, chaotisch, aber wahnsinnig lustig.
Aber das beste kam, wie immer zum Schluss.
Der Weg von Berchgard bis zu mir nach Hause. Ernst wollte dafür sorgen, das ich, die dank Tarek einen über den Durst getrunken hatte, sicher und gut zu Hause ankomme.
Für den Weg hatten wir fast 1 ½ Stunden gebraucht, und das obwohl wir die Kutsche genommen hatten.
Die Kopfschmerzen und das flaue Gefühl im Magen am nächsten Tag waren vorprogrammiert.
Aber es war egal gewesen.
Wir hatten unseren Spaß, hatten festgestellt, dass wir uns nicht gänzlich unähnlich waren und das wir die Gesellschaft des anderen schätzten.
„Der hat –keeeeine- Ahnung“
Satzfetzen und das spitzbübische Grinsen auf Ernst’s Gesicht hatten sich in mein Gedächtnis gebrannt, das trotz des Alkohols nicht weichen wollte.


Ich setzte mich auf die Kissen in meiner Wohnzimmerecke und kramte die alten Briefe hervor.
Jeder einzelne wurde noch einmal gelesen.
Anschließend wanderte mein Blick über das eingerahmte Bild des „Zuerstschiffes“ von Nicora.
Es war eine schöne Zeit gewesen, ich würde sie um nichts auf der Welt missen wollen.
Aber es war nun an der Zeit, in die Zukunft, statt in die Vergangenheit zu sehen.




Verfasst: Montag 2. September 2013, 18:20
von Tarya Erskine
Kaum das Graulist weg war, verzog ich mich in den Keller des Kessels.
Meine Hände zitterten, ich war völlig angespannt.
Verfluchte Förderer der Kunst.
Nym war Tod…
Eine Nachricht, die mich hätte erleichtern sollen. Eine Nachricht, die alles vergangene in den Schatten stellen sollte, und mich einer fröhlicheren Zukunft entgegenblicken lassen sollte.
Ich setzte mich auf mein Bett und rieb mir den kleinen Finger der linken Hand.
Dank Kersti waren kaum Narben geblieben, hier und da war es, bei genauem Hinsehen noch zu erkennen, dass der Finger mal verletzt gewesen war.
Sie hatte die Verbrennung mit Salbe und Verbänden geheilt, war extra aus Berchgard gekommen, um sich alles an zu sehen.
Und allen hatte ich ins Gesicht gelogen.
Wut-Tränen sammelten sich in meinen Augen.
Das Gefühl war wieder da, so wie damals. So scheint es immer zu sein, wenn man Dinge versucht zu verdrängen.
„Mein Schäfchen“, dröhnte es mir durch den Kopf.
„Du wirst tun was ich dir sage, ich habe Pläne mit dir“
Es schüttelte mich.
Selbst nur der kleine Bruchteil dessen, was wirklich passiert war, hatte Taliana Sprichwörtlich die Wände hatte hoch gehen lassen.
Sie war so wütend gewesen, natürlich auch auf mich. Ich hatte verschweigen wollen, hatte Ausflüchte gesucht.
Heute…
Heute würde es nichts mehr bringen, die Wahrheit zu sagen.
Warum auch?
Jetzt noch mal alles aufwühlen?
Es war schlimm genug, das ich gerade daran denken musste.

Das Gespräch mit Saphira und Jana war schon ernst genug gewesen.
Es gibt keinen Förderer der Kunst, der nichts auf dem Kerbholz hat.
Keinen!
Auch Graulist, der so Rückratlos aus dem Laden geschlichen war, und seine Worte pompös hatte klingen lassen.
Irgendwas steckte dahinter. Was auch immer es war, ich hatte keine Lust mich mit ihm wirklich auseinander zu setzen.
Ich hatte vielleicht bei dem Gespräch meine Kompetenzen als Rekrutin überschritten.
Ich hatte ihm klar gemacht, das er ganz fein aufpassen sollte, was er tut, und besser die Gesetze achten sollte.
Ob es etwas gebracht hatte, sei dahin gestellt.
Vielleicht hatte ich auch Überreagiert, aber ich konnte einfach nicht anders.

Ein gutes hatte das ganze gehabt.
Ich war nach der ganzen Gesichte dem Regiment beigetreten.
Das wichtigste dabei war, das ich nicht mehr das Gefühl hatte, Hilflos zu sein.
Nicht mehr in der Form wie früher.
Auch wenn ich noch immer keine Kämpferin war, aber die Sicherheit war etwas Unbezahlbares.
Lilian hatte uns damals den Wachmann vor die Türe gestellt, noch heute gab es den Wachposten.
Ich war ihr so dankbar dafür, selbst wenn ich es nicht anders ausdrücken konnte als meine Arbeit zu machen, und meinen Dienst im Regiment zu tun.
Auch wenn ich keine Muster-Rekrutin war.

Verfasst: Freitag 6. September 2013, 22:03
von Tarya Erskine
Manchmal ist das Leben wie ein Kartenhaus.
Oftmals fällt zusammen, was schon so fest erschien und manchmal hielt etwas, von dem man dachte, das es fällt.
Die wahre Kunst ist es, sich in dem gewusel aus Karten und Irrwegen zurecht zu finden, und seinen eigenen, ganz persönlichen Weg geht.
Doch, Temora weiß, wie schwer das ist.
Immer wieder befindet man sich am Scheideweg, irrt durch Dunkelheit oder sehnt sich nach dem Licht, das man irgendwo am Horizont hat aufblitzen sehen.
Bei all dem was ich schon geschafft hatte, stellte sich mir durchaus die Frage, was noch alles folgen würde.
Welche Prüfungen musste ich noch bestehen?
Welche Hindernisse stellen sich mir in den Weg?
Und die viel wichtigere Frage hierbei ist es, welche Hindernisse bin ich bereit aus dem Weg zu räumen?
Stetige Veränderung ist, was uns allen wiederfährt.
Ob wir wollen oder nicht, alleine mitgerissen in einem Strom aus Menschlichkeit und Freundschaftlichkeit.
Ob wir wollen oder nicht.

Opferbereitschaft…
Mitgefühl….
Tapferkeit…
Demut…
Ehre…
Geistigkeit…
Gerechtigkeit…


Tugenden, die man in sein Leben einbettet, dafür muss man kein Ritter sein.
Man trägt sie in sich, die eine mehr, die andere weniger.
Opferbereitschaft und Mitgefühl, das sagte man mir nach.
Mehr als es gut für mich war?
War ich deswegen so oft in Schwierigkeiten geraten?
Tapferkeit fehlte mir, ich war noch nie sonderlich Tapfer oder mutig.
Im Gegenteil.

Diese Gespräche, über genau diese Themen, häuften sich in der letzten Zeit.
Eines war klar.
Fremd- & Eigenwahnehmung waren immer unterschiedlich.
So vermittelte ich ein Bild von mir, dem ich, meines Erachtens nach, kaum nachkommen konnte.
Tarya die starke Persönlichkeit?
Man zeigt sich Menschen immer stark. Die schwachen Seiten bleiben verborgen, gut versteckt unter einem Mantel des Schweigens, den man niemals brach.
Meistens war es genau das richtige.
Einer der Gründe, warum ich selten Alkohol trank, wenngleich in letzter Zeit ein wenig zu viel.

Kontrolle über das eigene Selbst, das Handeln, das Denken, das Fühlen.
Darum geht es doch?
So schön es ist, manches Mal die Kontrolle ein wenig schweifen zu lassen, sich einfach dem Strom des Lebens und des Genießens hin zu geben, irgendwann holt einen alles ein.

Wo würden wir stehen, wenn nicht alles in seinen rechten Bahnen laufen würde?
Wo stünden wir, wenn wir nur der flüchtigen Gier nach Bedürfnisbefriedigung nachgeben würden?
Oh, auch ich habe meine Schwächen, sicherlich. Davon sogar nicht wenige.
Meine Kakao-Genuss-Sucht, mein Streben nach immer gutem Aussehen, die Perfektionistische kleine Handwerkerin…
Jede Goldmünze hat zwei Seiten.
Die Frage ist immer nur, welche gerade oben liegt.

Verfasst: Mittwoch 11. September 2013, 16:35
von Tarya Erskine
Bleierne, graue Schwere, ein Morgen, der fürwahr wenig Gutes in sich trug.
Die Nacht war gefüllt mit Gedanken und unnützen Dingen, die hätten nicht zu einem schlechteren Zeitpunkt kommen können.
Mehr denn jeh, wünschte ich mir, einfach alles abstellen zu können, einfach von allem los lassen zu können.
Und doch schaffte ich es nicht.
Jeder einzelne Muskel in meinem Körper tat weh, vor allem die Arme und am Bauch, aber was tut man nicht alles?
Selbst das Marmeladenbrot und der Kakao zum Frühstück schafften es nicht, wie sonst, meine Stimmung zu bessern.
Also musste ich mir für heute etwas Neues überlegen.
Einfach wieder ins Bett kriechen und den Tag vergehen lassen, war mein erster Gedanke.
Keinen sehen, keinen hören, nicht gesehen oder gehört werden.
Ein durchaus verlockender Gedanke, dann hätte ich wenigstens meine Ruhe.
Aber, kaum das ich mich wieder ins Bett verkrochen hatte, und natürlich nicht schlafen konnte, schien mir der Plan dumm.
Obgleich ich mich zuweilen wirklich nach mehr Ruhe, Einsamkeit und Stille sehnte, jetzt wo ich mir genau das gönnen wollte, ertrug ich es nicht.
Ich drehte mich nach links, nach rechts, zog und zurrte die Felle zurecht, nur um meine Dreh-Orgie dann weiter zu vollführen.
„Verflucht noch eins…“, ein leises murren und schon schwang ich die Beine aus dem Bett.
Leise tappsende Geräusche von nackten Füssen auf bloßen Holzboden, und schon stand ich in meinem Ankleidezimmer.
Die meisten meiner Kleidungsstücke lagen im Schrank im Kessel.
Ich bin Schneiderin, herrjeh, und trotzdem fand ich nichts, was ich anziehen wollte.
Wofür auch?
Hausputz?
Was hatte ich denn schon lange nicht mehr gemacht?
Was wollte ich mir gönnen?
Tja, wenn ich das wüsste.
Ich griff zu einer kurzen Hose, und einem eng anliegenden, bequemen Oberteil, band die Haare zusammen und sah an mir herab.
Gut, versuchen wir was Neues.
Bequeme Schuhe an die Füsse und raus aus dem Haus.
Es war noch früh am Tag, und ich huschte, so unauffällig wie nur möglich, aus dem Haus und aus der Stadt.
Früher war ich viel in den Wäldern unterwegs gewesen, was mir irgendwann nicht mehr vergönnt gewesen war.
„Krone und Reich zur Ehr‘“, ein freundliches grüßen, gen morgendlicher Wache.
Man sah den Männern an, wie wenig Lust sie hatten, aber gut, auch diese Dienste wollten gemacht werden.
Meine bequemen Schritte beschleunigten sich, bis ich anfing zu laufen.
Einfach irgendwo hin.
Hauptsache laufen.
Nach einer Weile begann sich ein brennen in die Lugen zu schleichen, die kühle Morgenluft bahnte sich ihren Weg.
Erst war mein Lauf langsam, gediegen, dann wurde er schneller.
Ich störte mich eine ganze Weile nicht an dem Stechen meiner Seiten, und auch der Schweiß störte mich wenig.
Laufen… Hauptsache Laufen.
Keinen Gedanken verschwenden, den Kopf einfach frei bekommen.
Irgendwann musste ich anhalten und verschnaufen.
Ich hätte nie gedacht, dass mir das so viel Spaß machen würde.
Der Weg nach Hause war ein wenig anstrengender, aber durchaus befreiend.
Ich war kaputt, als ich das Haus wieder betrat, die Schuhe von den Füssen zurrte, um meine Teppiche nicht zu verschmutzen, und in völliger Zufriedenheit mit dem Moment nach unten gen Bad schlenderte.
Jetzt konnte der Tag beginnen.

Verfasst: Donnerstag 19. September 2013, 06:43
von Tarya Erskine
Das alltägliche Laufen war etwas, das ich trotz zugegebener Faulheit noch immer bei behielt.
Mal fiel es mir leichter,Motivation zu finden, mal fiel es mir schwerer.
Ich war am vergangenen Abend wieder im unterwegs gewesen, die restliche Helligkeit des Tages ausnutzend.
Ich mochte es, einfach mal alles hinter mir zu lassen, in der Zeit des Laufens war völlig egal, wie der Tag gewesen war.
Es fiel mir auch zunehmend leichter, meine Seite tat nicht mehr ganz so weh, meine Beine fühlten sich nach der Bewegung nicht mehr ganz so nach Pudding an, wie zu Anfang.

Es war so viel und doch so wenig passiert in der letzten Zeit.
Ich fand keine wirklichen Worte dafür, wie ich mich fühlte, wie es mir ging.

Ich lies mich unterwegs auf einen umgefallenen Baumstamm plumpsen, und ließ meinen Atem sich beruhigen.

"Je mehr sich ändert, desto mehr bleibt gleich"

Ist das so?
Ich schloss die Augen.
Ich musste oft noch an Elias denken. Was wäre gewesen wenn?
Dumme fragen, aber wahrscheinlich stellt sich jeder mal genau solche.
Immer wenn er neben mir gelegen hatte und seine Hand ruhig auf meinem Bauch gelegen hatte, sagte er für gewöhnlich, das er es kaum erwarten konnte, wenn endlich sein Kind unter meinem Herzen wachsen würde.
Dieser Satz hatte sich lange in meinen Kopf gefressen.
Zu viele unterschiede zwischen uns.
Er adelig, ich .... Nicht.
Er Magier....ich Handwerker.
Keine Chance, das das was uns verbunden hatte, je wirklich öffentlch werden dürfte.
Ein Traumschloss an das ich zurück dachte.
Zu gross waren die Standesunterschiede gewesen.

"Ehe der dich heiraten kann, zerre ich dich selber vor den Traualtar....", Wie sehr ich den Brummbär vermisste.
Wenn Rhaokar sehen könnte, was wir geschafft haben, was wir noch erreichen konnten, und was der Kessel für tolle Leute beherrbergte.
Er wäre unsagbar Stolz.

Meine Gedanken wanderten zu ihm....
Ein schelmisches Grinsen, die Art und Weise, wie er mich ansah, die Sätze, die wir uns gegenseitig beendeten....
Lernen los zu lassen, und mit der Vergangenheit ab zu schliessen war das eine.
in das Gefühl einzutauchen, das ich in meinem Bauch Verspürte, etwas anderes.

Nur ruhig.
Eins nach dem anderen.
Alles hat seine Zeit.
Nichts überstürtzen.

So setzte ich meinen Lauf, eine ganze Weile später wieder fort.
Ein grinsen auf den Lippen.

Verfasst: Montag 23. September 2013, 06:28
von Tarya Erskine
Ich wachte auf, und der Raum um mich herum war lediglich mit Dämmerlicht beleuchtet.
Ich blinzelte.
Viel zu kuschelig um auf zu stehen.
Ich drehte mich auf die seite mummelte mich noch mal ganz gemütlich in die Decke, ehe mein Blick auf den großen, dicken Kuscheldrachen fiel.
"Bis' Du runter geplumpst?" Nuschelte ich dem Vieh zu, ohne Erwartungshaltung, eine Antwort zu bekommen.
Ich griff nach dem Stofftier und hob es an, in fester Absicht, es zurück auf das Brett zu stellen, das sich am Kopfende meines Bettes befand.

Widerstand....
Was?
Warum?
He?

Ich hob den Blick.
Wand!
Wand?
Warum war da eine Wand?
Da sollte keine Wand sein?!

Wacher werdend, blinzelte ich weitere Male, ließ von dem Drachen ab, setzte mich auf und ließ den Blick durch den Raum schweifen.
Gut, in Ordnung.... NICHT mein Schlafzimmer!
"Eh", ein leiser Laut der Zustimmung.
Klar, ich war ja auch gestern nicht nach Hause gereist.
Ich schob die Decke von den Beinen und tappste Barfuss auf den Vorhang zu.
Vorsichtig, als könnte das Geräusch den Gastgeber wecken, schob ich den Vorhang beiseite und linste ins Wohnzimmer.
Das Sofa war noch immer mit schlafendem Leben bevölkert.
Ein kurzes, amüsiertes grinsen huschte über meine Züge, ehe ich den Vorhang wieder zu schob und mich ins Schlafzimmer zurück zog.


Tja.... Und nun?
Gut, ich kramte aus meiner Tasche ein paar Sachen und machte mich auf den Weg ins Bad.
Ohne zu zögern stieg ich in das wasserbecken. Das Bad sorgte dafür, das meine restlichen Lebensgeister zurück kehrten.
Schön war es hier.
Jetzt fehlte noch das versprochene Frühstück und der Tag konnte kaum besser werden.
Kurz nach dem aufwachen eine gut gelaunte Schneiderin ertragen?
Ob er muffelig morgens war?
Heute sicher nicht...

Honigbrote und Kakao.
Na, mal sehen.

Verfasst: Dienstag 24. September 2013, 11:33
von Tarya Erskine
Ein Traum aus Sonne und Wärme....
War alles nicht mehr als ein Traum? Nein, es war Realität.
Die Sonne schickte einige Strahlen, die eher das Gemüt erwärmten als die Erde, hinab, während ich meinen alltäglichen Lauf durch die Adoraner Umgebung machte.
Das Lächeln wollte irgendwie kaum von meinen Lippen weichen, es ging mir seid länger Zeit wieder richtig gut.

Ich fühlte mich wohl und war glücklich!

Ich hatte das Gefühl lange nicht mehr so gehabt.
Und es schien nicht nur mir so zu gehen. War er glücklich? Offensichtlich....
Denke ich doch!
Zeigte er mir doch!
Warum musste ich mir eigentlich immer nur Sorgen machen?
"Es hat nach dir gerochen"
Herrjeh.... Raus aus meinem Kopf.

Gut, Themenwechsel.....
Was war im Kessel noch zu tun?
Die Bestellungen waren abgearbeitet, Merrik würde sich melden, wenn er das Leder hatte, vieles musste warten, bs Cathan wieder da war.
Genug Leder war noch da....
Salz haben wir auch noch. Kochen tat Tarek.
Lief doch alles Gut.

Sehr gut!
Zu gut?
Nein, nein, nein.
Alles in bester Ordnung.
Ein leises seuftzen entwich mir, einfach weil ich mir eigentlich mal wirklich Sorgenfrei war.
Ich machte mir zu viele gedanken.

Kscht, pscht, ruhe.
Zeit geniessen und die nachste Scholle einfach auf mich zu schwimmen lassen.

Verfasst: Samstag 5. Oktober 2013, 12:12
von Tarya Erskine
Es war stockduster als ich aufwachte.
Ein blinzler hier und ein verziehen der Mundwinkel da, ehe ich der Situation gewahr wurde, in der ich steckte.
Kräftige Arme waren um mich geschlungen, die Wärme des Mannes neben mir und der warme Atem, der sich in meinem Haar verfing, ließen mich für einen Moment lächeln.
Dieser verrückte Kerl.
Langsam und behutsam drehte ich mich ein wenig in seinen Armen, was ein leises brummen erklingen ließ seinerseits, er aber nicht davon aufwachte.
Ich schob meine Haare aus dem Gesicht und beobachtete ihn.
Er sah so friedlich aus wenn er schlief.
Es steckte so viel Widersprüchliches hinter diesen blauen Augen.
Der tapfere Krieger, der harte Hund, der schüchterne, unsichere Kerl, der liebevolle Mann.
Hatte er wirklich gesagt, dass er nur auf meinen Wunsch die Truppe verlassen würde?
So was Unsinniges.
Als ob ich das jemals wollen würde.

Gemütlich kuschelte ich mich wieder in die Decke und an ihn.
Ich war noch gar nicht bereit, jetzt auf zu stehen, noch war die Nacht sicher nicht vorbei.

Es war schwer gewesen, alles das, was bisher in meinem Leben herrschte, auf den Kopf zu stellen, aber er hatte wirklich alles weg gefegt. Und das mit einer Leichtigkeit, die ich nie erwartet hätte.
Alles hatte so langsam angefangen, so zurückhaltend von beiden Seiten und dann kam alles knall auf fall.
Es wurde Zeit, einiges zu ändern.
Jetzt, spätestens jetzt, war es einfach nicht mehr umkehrbar.
Ich wollte nicht, und ich konnte nicht.

Meine Hand wanderte über den Anhänger der Kette, die seit gestern meinen Hals zierte.
Verrückter Kerl.
Es war das passendste was er hätte tun können, der Anhänger passte perfekt zu dem, was wir beide darstellten.
So gleich und doch so unterschiedlich in manchen Dingen.

Egal was da kommen mag, ich war sicher, dass wir alles irgendwie schaffen würden.

Verfasst: Donnerstag 31. Oktober 2013, 10:01
von Tarya Erskine
„Ihr schuldet mir einen Prüfungstermin“
„Prüfung, ja, also.. hm“
Bedächtiges Schweigen, nur der Blick, auf mich gerichtet.
„Komme ich da anders wieder raus?“
Mein gegenüber schüttelte leicht den Kopf.
Wie immer... mit vollkommener Ernsthaftigkeit im Blick.
Ein leises seufzten entfuhr meiner Kehle.
„Gut... ein Termin. Schlagt was vor?“
Ich gab mich geschlagen. Eigentlich hatte er ja recht. Genau wie Ernst, aber das musste ich beiden ja nicht auf die Nase binden.
Schnell war ein Termin gefunden und so lies mich der Korporal wieder alleine im Laden zurück.
Nur mal eben eine Rüstung... ja... klar!

Ich hatte viele Rekruten an mir vorbei ziehen sehen. Viele die nach mir kamen und vor mir aufstiegen.
Aber das war gut so.
Tapfere Recken, mutige Menschen, mit dem Herz an richtigen Fleck, die auch noch zu alledem wirklich kämpfen konnten.
Ich war ja schon froh, das ich mich mit dem Kryss nicht selber verletzte.
Ernst hatte mir, nach eingehender Betrachtung meiner Rüstung, sein Diamant Schild gegeben, mit den leisen Worten, das es mir schon noch helfen würde.
Eigentlich konnte ich schon stolz auf mich sein. Was andere für belächelnswert halten konnten, war für mich, ein riesiger Fortschritt.
Ich hatte mich an den Kampfübungen beteiligt, und festgestellt, wie gemein andere sein konnten, und wie ich dagegen vor ging.
Vorteile nutzen.
Klein und wendig sein, war nicht immer das schlechteste. Gerade gegen einen großen, bulligen Kerl in Plattenrüstung.
Talianna hatte mich verflucht, als ich immer und immer wieder um sie herum getänzelt war, hier ein Schlag, da ein Schlag.
Oft hatte ich getroffen, wenngleich die Holzwaffe nicht mehr als ein leichtes ziehen verursachte.
„Herrjeh, Tarya, bleib doch mal ruhig stehen“, hatte sie gemault.
„Schlimmer als ein Korb Bienen“
Schläge die ich ab bekam, sorgten jedoch meist dafür, dass ich inne halten musste.
Sie hatten alle mehr Kraft als ich.

Und heute?
Heute war die Prüfung.
Grob wusste ich, was auf mich zu kam.
War ich doch mal das „Opfer“ von Fjalon gewesen, was mir letztlich einen ganz guten Draht zu dem hellblonden Knappen eingebracht hatte... wenn man sich ob der Pflichten denn mal sah.
Und, bei meinem Glück, wer sollte mein Schützling werden?
Na klar, Ernst!

Ich hatte es geahnt, aber innerlich resignierte ich.
Das er auf mich aufpassen wollte, war klar, aber musste dieser Kerl so furchtbar nervtötend in seiner Rolle sein?
„Hach, Blümchen, wie schön, ich brauche auch Blumen, für die Gräfin, was haltet ihr davon? Blaue Rosen, weil blaues Blut...“, die Stimme leicht verstellt, schwärmte er vor sich hin, mit einem verzückten Lächeln auf den Lippen (das ich ihm nur zu gerne aus dem Gesicht gewischt hätte, mir fielen da auch verschiedene Methoden zu ein), und so unkonzentriert, wie es nur sein konnte.
„Da ist ein Draht“, ein offensichtlicher Stolperdraht, der, wer weiß was, hätte anrichten können.
Und was war die Antwort?
„Ist der aus Gold?“
Ein leises seufzten.
Ja, ich war wahnsinnig angespannt.
Ich wusste, das ich meine fehlenden Kampffähigkeiten irgendwie ausgleichen musste.

„Schade das ihr einen Umhang tragt“, das nur so typische grinsen auf seinen Lippen, während er sich voll und ganz in seiner Rolle befand.
Warum nur, wurde ich so gestraft?
Oftmals lag mir ein passender Kommentar auf den Lippen, den ich natürlich wieder herunter schluckte.
Ich musste ja so tun, als würde ich die Situation voll unter Kontrolle haben.
Naja, gut, ich war ein klein wenig schroff, als es um die Überbrückung der Äxte ging. Aber er parrierte.
Immerhin!

Kleine, versteckte Hilfestellungen von Ernst, wenn er es wirklich für nötig hielt, ansonsten blieb er in der Rolle.

Als alles überstanden war, musste ich mich dem Urteil Vaughains beugen.
Ich war noch immer angespannt.
Aber... bis auf ein Riss in dem Mantel des vermeidlichen Grafen, waren wir beide und vor allem er, unbeschadet.
Das alleine wertete ich als gutes Zeichen und war durchaus zufrieden.
Es hätte schlimmer sein können.

Das Urteil des schwarzhaarigen Blaumützenträgers:
Diplomatisch ausgezeichnet, Kämpferisch ausbaufähig.

Puh...
Prüfung bestanden.
Das musste erstmal sacken.
Und vor allem musste ich mir den Schweiss vom Körper waschen, als ich entlassen wurde, und den Weg Heim antrat.
Ernst tappte langsam hinter mir her.
Er wusste was da noch kommen würde.
Bestanden!
Ich!
Bestanden!

Uff.. ein weiterer, für mich wahnsinnig großer, Schritt geschafft.




Verfasst: Samstag 23. November 2013, 21:16
von Tarya Erskine
Bilder der Vergangenheit

Es gibt Episoden im Leben, die man nie vergessen kann.
Die Plakette und der Abend bei Ernst waren etwas, das wieder viele Bilder hervor geholt hatten.
Rhaokar wäre stolz gewesen, genauso stolz wie ich.
Genauso wie Jamal.
Mir fehlten die beiden so sehr.

„Du und deine Hüte..“
„Wenn du noch mal verreist ohne dich zu verabschieden, kette ich dich im Laden fest...“
„Na, Schwesterchen, du bist schon fast eine Derben...“
„Wenn du dir niemanden vernünftigen aussuchst, führe ich dich selber zum Traualtar...“
„Irgendwann werden wir einen eigenen Laden haben, und müssen nicht mehr mit dem Bauchladen durch die Tavernen ziehen“

Ich träumte so viele Sequzenzen der Vergangenheit.
Kleine Situationen, einige Wortfetzen, ich sah ihre Gesichter im Traum.
Es war schön, sich an die beiden Männer zu erinnern.
Es war schön, sie wieder vor Augen zu sehen.

So viel hatte sich geändert.
Ich wachte auf, Ernst lag noch neben mir, in seelenruhigem Tiefschlaf. Die Arme um mich gelegt.
Ja, es hatte sich viel verändert.
Die einzige Konstante war Tali.
Auch wenn sie sich aus dem Laden weitestgehend heraus gezogen hatte, hatte sie doch als Korporal genug zu tun.
Wie wir drei Abends in der Stadtstube gesessen hatten, mit den letzten paar Münzen, die noch nach der ersten Miete und der Einrichtung des Hauses übrig waren.
Mit viel Gottvertrauen und zuversicht, aber ohne finanzielle Mittel.
Und heute?
Heute stand der Name des Ladens auf einer Plakette am Tor.
Ja, ein wunderbares Gefühl, Stolz und Glück, Zufriedenheit.
Es hatte sich alles gefügt. Die Kessler, so wie sie waren, Ernst, der, an meiner Seite, mein Leben komplettierte, meine Arbeit, das Regiment.
Ich hatte oft geglaubt, das ich es nicht schaffen würde, und doch hatte alles immer eine Wendung bekommen, die es mir ermöglichte, doch die Ziele zu erreichen.
Der Laden..
Mein ganzer Stolz, auch wenn ich manchmal zu viel zu tun hatte.
Das Regiment.. die unverwüstlich bei uns einkaufen kamen, die mehr als nur „die Regimentler“ geworden waren.
Freunde...
Kameraden....

Ich beobachtete eine Weile lang Ernst beim Schlafen.
Er sah so friedlich aus.
Ich strich ihm über die Wange, was ein tieferes durchatmen zur Folge hatte und ein lächeln auf seine Lippen zauberte.

Veränderung war gut.
Ich hatte mein Leben neu geordnet, nachdem ich geglaubt hatte, es sei besser, alleine zu sein.
Perfekt?
Konnte es noch perfekter sein als jetzt?
Egal was die Zukunft noch bringen würde, es war, wie es sein sollte.


Verfasst: Mittwoch 4. Dezember 2013, 05:23
von Tarya Erskine
Mitten in der Nacht....
Ich wurde wach, sah mich blinzelnd um.
Ernst war nach Hause gekommen, und hatte es doch tatsächlich geschafft, mich nicht zu wecken, als er ins Bett kam.
Ich musste geschlafen haben wie ein Stein.
Sein Arm lag um meine Tallie, sein Atem verfing sich in meinen Haaren.
Langsam drehte ich mich zu ihm um, nur um ihn, wie ich es so gerne tat, eine kleine Weile lang zu beobachten.
Er musste spät nach Hause gekommen sein.
Aber er hatte ja mit Helisande Dienst gehabt. Gut das die beiden wieder mehr miteinander machten, und wenn es „nur“ Dienst war.

Das Lager...
Wie Lager so waren, war es behaftet mit wenig Schlaf und viel gewusel.
Viele Menschen brachten nun mal eine gewisse Unruhe mit sich.
Die meisten mochte ich durchaus, das einzige was mich störte, und da war ich offensichtlich wirklich empfindlich, wenn jemand schnarchte.
Und mindestens einen davon hatten wir im Regiment.
Ein Schnarcher und die Nacht wird unentspannt.
Aber gut, ich hatte mich drauf eingestellt und vorgebeugt.
Nichtsdestotrotz war der Schlaf wenig erholsam. Kalt, unbequem, alleine...
Ich war verwöhnt was mein Bett anging, keine Frage.
Gerade deswegen war ich froh, wieder zu Hause zu sein, wieder in meinem eigenen Bett schlafen zu können.
Mehr als drei Tage Lager waren auch Schneiderinnen- Untauglich.

Die Gefahr, die vom Ort als solches Ausging, war jedem, jederzeit bewusst.
Und auch wenn Merrik seine Scherze damit trieb (Spinnen oder Schlangen essen? Wäh!), merkte man deutlich, das ein jeder angespannter war, als es sonst der Fall war.
Das Lager hatte für mich gut begonnen.
Erst war ich einen Tag später angereist, weil ich am Abend noch so viele Dinge zu erledigen hatte, und dann stand ich vor Nel und seinen Rahalischen Freunden.
Wenn die gewusst hätten, wie sehr mir mein Herz in die Hose gerutscht ist, als ich sie gesehen habe, hätten sie wahrscheinlich anders reagiert.
Aber das dicke Ende kam ja, wie sollte es auch anders sein, zum Schluss.

Nungut, eine Niederlage war eine Niederlage, aber das weckte lediglich den weiteren Kampfgeist und die Sturheit mancher Regimentler.
Man konnte merken, dass es eine Lehre gewesen war, und die meisten noch aufmerksamer waren, als vorher.
Selbst als wir am Abreisetag alle ums Feuer gesessen hatten und uns unterhalten hatten.

Jetzt aber, begann der Alltag wieder seine Hand über alle aus zu breiten.
Der Kessel, die Vorbereitung für den Wintermarkt, der kleine Geschenketag...
Hach, ich hatte durchaus die eine oder andere Idee, wie ich einige Leute überraschen konnte.
Ich war gespannt, was sie sagen würden.
Ein einziges Manko hatte meine Diebische Vorfreude...

Was sollte ich Ernst schenken?
Kleine Geschenke... Ja, klein... Nicht zu aufwändig, nicht zu groß, aber bedeutend genug um zu zeigen, wie wichtig er in meinem Leben war....

Herrjeh!
Ich musste mir was einfallen lassen....

Verfasst: Dienstag 21. Januar 2014, 06:28
von Tarya Erskine
Ein Tag voll Arbeit hatte sich dem Ende zugeneigt, als ich nach Hause kam.
Die Feinheiten am Bau des neuen Kessel-Geländes waren für mich an der Tagesordnung, und das kostete mich wahnsinnig viel Zeit.
Zeit, die ich nicht im Laden verbringen konnte.
Einige meiner Stammkunden warteten sicher schon und scharrten mit den Sprichwörtlichen Hufen.
Nichts, was sich nicht regeln lassen würde, aber nicht mehr heute.
Müde stapfte ich Heim, und das erste, was mich zu Hause begrüsste, waren militärisch ordentlich abgestellte Herrenschuhe.
Ernst war da!
Und er kannte mich zu gut.
Eine Scheibe Brot, belegt mit frischem Schinken, eine Tasse heisser Kakao mit Sahne und eine Schüssel Schokoladencreme als Nachtisch war meine begrüssung.
Auch wenn meine Küche aussah wie ein Schlachtfeld, so war ich ihm unendlich dankbar.
Nach kurzer Unterhaltung verputzte ich auch schon das Brot, in einer windeseile die selbst Ernst zum staunen brachte.
Aber ein leerer Magen war nie gut.

Unser Prinzip, das wir uns zum Kredo unserer Beziehung genommen hatten war hinfällig.
Es brauchte keine Vorsicht mehr, keine Rücksichtnahme auf die Vergangenheit des anderen.
Es war gut. Mehr als das, es war .... Perfekt!

Ich wusste genau was ich wollte, wo ich hin wollte, was mir wichtig war.
Mit dem frisch gebackenem Korporal.
Das würde für mich allerdings bedeuten, das wir uns unsere Zeit noch besser einteilen mussten.
Ich kannte von Tali zu gut, was es bedeutete, mit einem Korporal zu leben.
Jetzt hatte ich zwei, nein drei Korporäle im Kessel.
Alle drei Posten von "meinen" Leuten erfüllt.
Ich freute mich, sicher.
Aber es bedeutete auch, das ich die drei weniger sah. Die Prioritäten waren einfach anders.
Trotz allem erfüllte es mich mit einer gehörigen Portion Stolz.
Sie hatten es verdient!

Ich schlief im Arm meines geliebten Unteroffiziers ein, und seid langem hatte ich einen schönen Traum.
Ohne das Gefühl zu haben, beobachtet zu werden, oder ohne, das sich der Traum in einen Alptraum wandelte.
Einfach glücklich sein.
Einfach geniessen was ich geniessen konnte.

Verfasst: Freitag 24. Januar 2014, 06:43
von Tarya Erskine
Der Ernst des Lebens hatte zugeschlagen....

Als ich aufwachte musste ich mich erst einmal orientieren.
Kaum eine regung von mir gegeben, spürte ich den dumpfen Kopfschmerz und die aufflauende übelkeit.
Verdammt....
Ich hob die linke Hand an und betrachtete sie eingehend.
Es war kein Traum gewesen....
Nein!
Es war wirklich passiert.
Das Honigkuchenpferdgrinsen stellte sich automatisch wieder ein.

Dieser.....verrückte......

Heilige Temora.... Damit hatte ich nicht gerechnet. Nein!
Das er noch irgendwas verrücktes geplant hatte, ja!
Aber damit hatte er sich wirklich selber übertroffen.

Er schlief noch friedlich. Auch auf seinem Antlitz lag noch immer dieses lächeln.
Dieser Ausdruck von tiefer Zufriedenheit.
Mein Magen rebellierte. Wehrte sich gegen das deftige Essen und den Alkohol des vergangenen Abends.

Mit einem leisen seuftzer kuschelte ich mich wieder an.
Lieber noch ein bisschen schlafen. Der Rest ergab sich später.....

Dieser verrückte.....

Verfasst: Freitag 24. Januar 2014, 23:29
von Tarya Erskine
Als ich das zweite Mal aufwachte, lag ich alleine im Bett.
Ernst war schon aufgestanden, und hatte sich davon geschlichen.
Er war bestimmt noch oben…. Oder schon zum Dienst aufgebrochen und wollte mich nur nicht wecken.
Wieder huschte mein Blick über meine, bereits zum bewundern angehobene Hand, das Schmuckstück betrachtend. Wie filigran es war.
Ein wirklich grandioses Schmuckstück.
Dann huschte mein Blick durch den Raum.
Das Kleid, aus dem ich Nachts geschält werden musste, weil ich das Gefühl hatte, es nicht mehr alleine vom Leib zu kriegen, lag zusammengeknüllt in der Ecke.

Egal, ich würde es waschen und aufhängen, dann war es wie neu.
Ein Wunder, das es bei den ganzen Kerzen nichts abbekommen hatte.
Im Abendkleid in eine Höhle…
Ich hätte es mir denken sollen, denken können….
Die Wolfshöhle… Thorlav.
Diese beiden Kerle….
Grinsend schüttelte ich den Kopf, ehe ich den gestrigen Abend noch mal Revue passieren lies….




Ernst hatte mich am Abend abgeholt. Ausgehuniform, und kaum das er geklopft hatte, hielt er mir einen großen Strauß wunderschöner Rosen entgegen, hinter denen er hervor linste.
Dieses Grinsen, das sich auf seinem Gesicht abgezeichnet hatte.
Und dann noch eine Packung Pralinen…
Hach, dieser Mann kannte mich einfach zu gut.
Schokolade, Blumen, der Abend war jetzt schon ein voller Erfolg, und das, obwohl ich noch in meinem Haus stand und noch immer keine Ahnung hatte.

So lies ich mich dann von ihm hinaus führen, an den Ort, den er erwählt hatte.
Die Wolfshöhle war geschmückt mit Kerzen, und ein grinsender Hühne stand in der „Küche“, ehe er uns freundlich und herzlich begrüßte.
Ein Gang folgte dem anderen, Vorspeise, Zwischengang, Hauptspeise und Nachtisch, und zu jedem Gang ein neuer Krug Met.
Ich fühlte mich wie ein gemästetes Ferkel, und der Met tat sein übriges dazu.
Aber nein, es war noch nicht vorbei.
Diese diebische Freude in seinem Gesicht….“ Du hast ja keeeeeeine Ahnung“….
Irgendwas hatte dieser verrückte noch geplant.
Irgendwas….


Als er mich bat, auf zu stehen, und sich vor mich kniete, war es mir klar.
Auch wenn die Nervosität ins schier unermessliche anstieg (offenbar bei uns beiden), sah ich ruhig zu ihm herab.
Ganz ungewohnt, hätte ich eh keinen Ton heraus bekommen.

[22:01:18] Ernst Eichengrund: *dann sinkt der nicht minder gefüllte Korporal langsam auf ein Knie bis er endlich hochschauen muss*
[22:01:38] Ernst Eichengrund: *aus der Hosentasche wandert ein kleiner Kasten den er mit angehobenen Mundwinkeln hochhält*
[22:01:44] Ernst Eichengrund: Tarya Erskine....
[22:01:47] Ernst Eichengrund: *durchatmen.*

Weitere Worte folgten, Bekundungen, wie vernarrt er in mich war….
Bis….

[22:05:09] Ernst Eichengrund: Ich kann mir keinen Moment mehr vorstellen ohne dich überhaupt zu existieren, genauso wie
[22:05:23] Ernst Eichengrund: es unmöglich wäre das ein Eichenbaum ohne die Sonne erblühen kann.
[22:05:58] Ernst Eichengrund: Tarya...*dabei wird die Schachtel mit dem Daumen geöffnet und er blickt*
[22:06:10] Ernst Eichengrund: *sie mit forschenden Augen an*
[22:07:45] Ernst Eichengrund: Willst du mich heiraten?


Wie hätte ich nein sagen können?
Mehr als ein Wort, zwei Buchstaben, bekam ich nicht über die Lippen, und selbst dabei versagte meine Stimme, verweigerte einfach seinen Dienst.
Die Nervosität verschwand, ein Gefühl der Euphorie, reines, pures Glück machte sich stattdessen breit.
Auch wenn meine Hände zitterten, sagte der Kuss mehr als jedes Wort.
Ich würde ihn heiraten…
Temora wird meine Zeugin sein.

Und damit sollte es noch nicht vorbei sein.
Nein, die Rechnung hatten wir ohne Thorlav gemacht, der uns erst kurz gratulierte und dann die Thyrische Tradition bekannt machte.

Besonderer Met, der erste Schluck für die Ahnen, der Rest in einem Zug hinab.
Und hossa….. der hatte es in sich.
Wir mussten beide schwer schnaufen, als das Zeug endlich unten war.
Ich mehr als er, immerhin vertrug ich noch weniger.
Die Krüge wurden, nach Thorlavs Vorbild, auf dem Boden zerschmettert und wir standen in einem Meer aus leuchtenden Kerzen und funkelnden Splittern.
Ich konnte noch immer kaum etwas sagen.
Was sollte ich auch sagen?
Alles wichtige war gesagt worden, ich war im Moment die glücklichste Frau in Adoran.
Mein Verrückter Eichengrund….

Aus diesen Gedanken riss mich der Hühne, mir gegenüber aber auch schnell wieder heraus.
Seine Faust flog gegen Ernst’s Kinn, die Thyrische Art der Glückwunsch-Übergabe.
Ein Retourschlag folgte, ehe sie sich beide angrinsten.
„jetzt kannste ihn haben…“, der großherzige Kommentar des blonden Hühnen.



Ja, der Abend war perfekt gewesen.
Und jetzt wurde es zeit zum Aufstehen.
Gemeinsames Frühstück, Ernst hatte – und er wurde immer besser darin, die Küche nicht ganz so sehr zu einem Schlachtfeld zu verwandeln wie noch vor einiger Zeit – Frühstück gemacht.

So sollte der Tag vergehen.
Grinsen und glücklich sein, auch wenn wir beide natürlich unserer Arbeit nachgehen mussten.
Und Abends würde Tarek die Stadtstube öffnen und alle würden es mir direkt ansehen.

Das der Abend nicht ganz…. Nein, gar nicht so verlaufen würde, wie erhofft, stand auf einem anderen Blatt……