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Fröhliche Heimkehr
Verfasst: Dienstag 20. August 2013, 05:00
von Rahelle Calamahr
*Ein Handelsschiff verkehrt zwischen Bajard und einer Stadt in Übersee*
Es vergehen gar nicht viele Stunden. Rahelle drückt die Brust auf die Holzplanke und sieht über das Wasser, wie es unter ihren Augen niedliche Formen baut und weg und hin und immer hin aus dem Augenwinkel wegfließt.
Da freut sie sich schon auf das, was sie sehen würde, wenn es endlich einmal Land zu sehen gäbe, nämlich etwas, das man fassen könnte: Einige Bekannte. Pflanzliche und tierische. Mit ein wenig Glück würden von beiden Arten noch nach sechs Wochen die wichtigen Exemplare erhalten geblieben sein, nämlich die ungiftigen und nützlichen. "Ob nun endlich das heilsame Ersticken über dies traurige Land gekommen sein mag?" - Der Gedanke war zu reizvoll, um ihn sich in ganzer Fülle auszumalen.
Rahelle fischt eine Münze aus dem Unterrock heraus und schnipst sie in die Höhe mit den Worten: "Köpfe mich!" . Die Münze scheint sie zu mögen, sie zeigt einen Kopf.
Sie blickt erwartungsvoll und mit fröhlichem Blick in Richtung Münze, dann in Richtung Küste. Sie schickt eine Taube ab an einen Freund, der im Fischerdorfe heimisch ist, noch ehe das Schiff den Hafen erreicht.
Sie lächelt, als sie merkt, dass sie bald einlaufen werden.
Sie lacht: "Sei mir willkommen, mein liebes Land"
Antwort an C. E.
Verfasst: Dienstag 27. August 2013, 06:32
von Rahelle Calamahr
*Ein paar Tage waren verstrichen seit ihrer Ankunft in Bajard, auch ihre Heimatstadt Rahal hatte sie schon besucht und einige alte Freundinnen und Freunde dort angetroffen - da flattert ihr eine Taube zu, die an ihrem Knöchel die Nachricht einer Freundin aus Übersee zu ihr trägt. Mit Neugier liest sie dieselbe. Dann wird sie nachdenklich und auf ihrer Stirn bilden sich einige angestrengte Linien. Kurzentschlossen setzt sie dann dazu an, eine Antwort zu verfassen:*
C. E., meine liebe und hochverehrte Freundin. Ich danke Euch sehr für die wohlgemeinten und warmen Zeilen, deren Formschönheit gewiß der Treffsicherheit ihres Inhalts gleichkommt!
Hübsche Gedanken reizen mich allerdings immer wieder zu frechen Antworten. So habe ich mir denn erlaubt, eine kleine Umkehr der mir zugesandten Verse zu entwickeln. Aburteilt selbst:
Manches Nachts
[Teil 1]
Oh nein, du bist schon reich,
Warst niemals arm,
Und fühlst: Nichts blieb je gleich,
Denn alles ändert sich.
Du suchtest die Einsamkeit,
Beachtetest dich,
Du fand'st sie und wünschtest:
Sei sie doch unsterblich!
Denn sie macht Dein Oben,
Es gibt dann kein Unten,
Hast nirgends dies' Stück gesucht -
Es manchmal verflucht,
Und manches verlernt.
Egal, was dir fehlt, es ist stets das, was du meidest,
Stets etwas und nichts. Noch?
[Haken]
Eines Nachts wurd'st Du doch müde, da
Du sahst:
Hier wird's wohl kristallen sein,
Eines Nachts.
Ward Deine Wirklichkeit zum Traum?
Und Deine Reinheit endlich zu Dir selbst?
Eines Nachts wurd'st Du einmal müde, da
Du sahst:
Hier wird's wohl kristallen sein:
Jedes Nachts, oh jedes Nachts.
[Teil 2]
Und nein, Du warst nicht dort,
Am wichtigen Ort,
Dem Rande der Endlichkeit? -
Man schaut leider weit.
Du miedest die Gruppen,
Und standhafte Puppen,
Dich wollten so manche -
Du suchtest Vertrau'n.
Bist selten in Trennung,
Dich ängstigt die Freiheit!
Und doch - Die Befreiung:
In einsamer Zweiheit?
Ganz gleich, was Du hast:
Lernst Du?
Ist das, was dir fehlt, nicht das, was du hasst?
[Haken]
Eines Nachts wurd'st Du doch müde, da
Du sahst:
Hier wird's wohl kristallen sein,
Eines Nachts.
Ward Deine Wirklichkeit zum Traum?
Und Deine Reinheit endlich zu Dir selbst?
Eines Nachts wurd'st Du einmal müde, da
Du sahst:
Hier wird's wohl kristallen sein:
Jedes Nachts, oh jedes Nachts.
[Teil 3]
Und Du wolltest nie die Beschränkung,
Sprich: Fremdbestimmung
Doch als die dann weg war,
Wofür entschied'st Du dich da?
Weshalb nur: Alles oder Keines?
Du wollt'st doch beides nicht!
Gibt's da den Wicht, der flüstert: Reines?
Und wovon redet der?
Mal ist's verquer,
Und manchmal seicht,
Und manchmal lässt Du warten,
Und manchmal ist's ein Streich,
Und manchmal schickst du's hoffen
Doch willst's für dich allein,
Wer späht gern unbetroffen - in seine Seele ein?
Bekämest Du Treu' und Liebe und Traulichkeit noch drein,
Was brächten diese Dinge denn Deinem Herzen ein?
Ist, was du suchst nicht, was du trägst -
Perfekt schon? - Das ja: doch!
Verfasst: Dienstag 17. September 2013, 03:46
von Rahelle Calamahr
*in dieser Nacht schläft Rahelle unruhig, vielleicht weil das Federbett dem Rücken nicht wohltut*
Ein weißer Kreisel surrt ihr vor den Augen, die Knie frieren im Liegen zu einer entsetzlichen Starre.
Ganz natürlich ist die Lebendigkeit des eingefallenen Gesichts, in das sie blickt.
Sie muss sich an der Wand stützen, um nicht zu fallen.
Wie Schmetterlinge tanzen die Lichtflecken, die vom Kaminfeuer herüberdringen, auf dem stillen Körper des Sitzenden.
Der ältliche Mann erscheint ihr beinahe hübsch anzusehen in seiner ruhenden Körperhaltung.
Die ewige Spannung in seinen Zügen, der unstete Augenausdruck hat dem weichen Frieden, den geschlossene Lider bringen, Raum gegeben.
Die zerknitterte bräunliche Haut verleiht dem Fünfzigjährigen das Aussehen eines Greises, der nun nicht mehr länger warten muss.
In der gesamten Küche steht der süßlich-herbe Geruch ausgeatmeten Schnapses in der Luft.
In die Deckplatte des Küchentisches aus hellem Fichtenholz graben sich graue Flecken.
Die kommen von dem Saft, der den hellen Geist des Alten ermattet und seinen stolzen Willen weich gemacht hat.
Hat der seinen Blick zerbrochen?
Nun ist er jedenfalls zur Reinigung seiner Seele tauglich geworden.
Sie öffnet ihre noch etwas zittrige Hand und betrachtet die durchsichtige Phiole darin mit Dankbarkeit.
Die enthält keinen Tropfen mehr vom reinen Destillat.
Die Speichelrinnen um die Mundwinkel des Alten beginnen schon einzutrocknen und verraten nichts.
So lange steht sie schon da neben ihm.
Der Tisch im Winkel zwischen dem Sitzenden und der Stehenden ist übersät mit leeren Karaffen und halbfertigen Zeichnungen.
"Sperr' die Lauscher auf, meine Kleine".
Sie erinnert sich sehr klar.
"Dein Leben steht immer gegen deine Träume. Was den Krieg zwischen ihnen entscheidet, das ist deine eigene Linie.
Weißt du, was eine Strecke ist? Das ist, wenn zwei Punkte verbunden werden durch einen geraden Strich mit einem Kohlestift.
Schrecke nicht zurück einen Kreis zu malen. Aber bunt ausmalen sollst du ihn! Denn zehn in der Nacht sind neun!
Und wer einmal ausgespuckt hat, der soll nicht wieder auflecken. Viermal wird dir gezeigt werden: Wenn das Leben
Uns nachtet, wie man's verraucht, verschläft, versäuft und vergeigt - und viermal verachtet!"
Ihre Zweifel weichen Überlegenheit und die schlägt ihre Ängste tot.
Sie beugt sich zum Alten hinab und küsst ihm die noch salzige Stirn.
Dann kritzelt sie auf ein Papier und steckt ihm das ins Hemd:
Ich hörte dich,
Drum male ich
Und schöne mich
Ganz weltlich
Zu meinem Kreise
Und reise leise
Auf kluge Weise
Dass ich nicht vereise!
Dank für alles, Aufgeld nicht!
Deine Gicht: dein Kurzblick, der erbricht
Nur Galle, armseliger Wicht!
Breche einsam, suche Licht!
Sie lächelt mit unbrechbarer Heiterkeit auf ihn herab und zertritt die Phiole, die ihn endlich wegholt, mit der Ferse.
*Rahelle reibt verschlafen ihre Augen und geht zum Fenster, schaut hinaus auf den Marktplatz in Rahal.
Sehr lange denkt sie nicht mehr nach über ihren Traum. Überhaupt bekommen die allzuviel Beachtung, die Träume.
Lächerlich sind die in ihrer Einfalt.*