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Das Leben in den Karten

Verfasst: Donnerstag 8. August 2013, 21:37
von Auriah Asker
Würfel oder Karten? Die Nase der Schwarzhaarigen ruckelte hin und her als sie überlegte. Für den Moment würden es die Karten sein, denn der Soldat schlief tief und sehr selig. Die Würfel könnten ihn wecken und die Fragen gebären, die sie sich selbst gerade zu beantworten gedachte. Im Schein der Kerze und in der Geborgenheit des gefundenen Heimes, begann sie die Karten auf den Tisch zu legen.

Welche Farbe bin ich?

Nachdem geübten Mischen zog eine der weichen Hände drei Karten oben vom Stapel. Alle drei wiesen ein schwarzes Blatt auf, daraufhin neigte sich der Kopf der jungen Frau ein wenig. Ihr gerade recht mädchenhaft wirkendes Gesicht schnitt eine kleine Grimasse. Herz und Karo wurden nun aussortiert aus dem Kartenstapel.

Welches Zeichen bin ich?

Insgeheim und noch mit fast allen Tugenden der Unschuld bedarft hatte sie sich gewünscht Herz zu sein. Doch das Herz lag nun offen auf dem Tisch. Kurzes Bedauern flammte im schiefergrünen Blick auf, der bei Tage und im hellen Sonnenschein auch als eine klarere Farbe durchging. Die Hand deckte nun nur zwei Karte auf, ein leises Knurren erklang aus ihrer Kehle.
Kreuz.

Wie ist mein Name?

Das Mischen dauerte nun länger, sie war sich unsicher. Es würde sicher eine andere Möglichkeit geben als diesen Weg zu gehen. Sie könnte kochen lernen und ein treusorgend Weib werden. Oder gar ein Handwerk ergreifen. Sicherlich auch etwas, wo ihr Geschick gefordert werden würde.
Ass.

Sie beugte sich den Karten und vereinigte die Farben wieder miteinander. Alles andere als das, wonach sie strebte, würde sie nicht auf Dauer zufrieden stellen. Spielen und Gewinnen, den Verlust vermeiden, das war es. Für die anspruchsvolleren Aufgaben würde noch ein wenig mehr Aufwand betrieben werden müssen. Zudem noch ein Name, der passte. Doch auch jener schwamm ihr schon im Geiste herum.
Eine Lüge ist immer nur dann glaubhaft, wenn sie nah genug an der Wahrheit ist um von einem selbst geglaubt werden zu können. Sollte man sie nach ihren Tätigkeiten zum Broterwerb nochmals Fragen, würde sie weiterhin behaupten, sie lebe vom Sammeln und von den Karten.
Die Haare fanden sich lasziv nach hinten gestrichen als der Entschluss nun gefallen war. Eine Geste, die langsam keine reine Maskerade mehr war. Ein Teil des männerfressenden Luders war nun wirklich sie selbst und auch umgekehrt. Es gab kaum eine bessere Möglichkeit sich gleichsam Männer wie Frauen vom Hals zu halten.
Die Frauen ertrugen offene Konkurrenz meist in etwa genauso gut wie Edelrosen den Frost im Sommer. Männer waren ihrer Erfahrung nach feiger als sie taten. Sie betrachteten ungemein gerne das Angebot und verschluckten sich an ihrer eigenen Spucke, aber Zugreifen, das trauten sich die wenigsten. Mit denen, die sich trauten wurde sie fertig. So oder so.
Der Soldat im Nebenraum gab ihr den nötigen Rückhalt und den Wind in ihren Segeln. Es galt nun Stück für Stück die Welt zu erkunden und sich zu eigen zu machen. Nun galt es noch die letzte Frage zu stellen.

Warum bin ich, was ich bin?

Der gesamte Stapel lag unter ihren Fingern, die nun doch leicht zitterten als sie die Karte abhob und wieder mit einem Nicken hinlegte.
Herzkönig.
Es lag wohl in der Familie. Ein Grund vielleicht, aber keine Ausrede. Ausreden benötigen nur die Schwachen.

Verfasst: Montag 16. September 2013, 19:08
von Auriah Asker
Wieder in Bajard angekommen. Die hübsche Schwarzhaarige lag auf dem reinlichen Bett der Herberge und drückte ihr Gesicht in das getragene Männerhemd hinein. Das war alles, was sie mitgenommen hatte aus dem gemütlichen Heim. Die einzige stoffliche Erinnerung und jene würde vermutlich schneller verblassen als die, die sich unentrinnbar in ihr eingebrannt hatte.

Für eine Weile hatte sie die Hoffnung auf ein „Für immer“ gehabt, für eine Weile genau das versucht zu leben. Sie hatte sich ein Leben erträumt, wie es sich ihre Eltern sicherlich für sie gewünscht hätten. Die Hoffnung stirbt zu letzt, so sagte man. Nun streute sie Tränen auf genau deren Grab. Es war vorbei. Vielleicht noch nicht ganz, nicht bevor die letzte Träne geweint und die letzte Klage verklungen war, aber das Leid änderte nichts an den Tatsachen. Sie eignete sich schlicht nicht als Soldatenfrau. Dieses einschnürende Korsett aus den Pflichten und den Dingen, die man darf und welche nicht.

Ein tiefer Atemzug füllte die kummervolle Brust mit Luft, auch das machte es nicht besser. Nur erträglicher. Die Erkenntnis einige Tage zu vor war schmerzlicher gewesen. Sie musste gehen, das verlassen was sie im Grunde mehr wollte als alles andere. Doch schien es so als hätte die gesamte gute Erziehung doch Früchte getragen. Das untrügliche Gespür dafür ob man in eine Rolle passte oder nicht, ob man nützte oder schadete.

Somit hatte sie ihn verlassen, heimlich und nur ein Brief blieb. Eine Hand strich die schwarzen Haare zurück und wischte über die nassen Spuren über dem glatten Gesicht. Der Soldat würde sicher sehr bald über sie hinweg kommen, es gab genug sehr hübsche und artige Frauen in seinem Umfeld, die ihn trösten und auch dauerhaft binden würden. Sein Glück würde sich einstellen wie sich ganz sicher Sonne nach einem Gewitter einstellt. Irgendwann eben, wenn der Dunst sich verzieht.

Ihr Glück würde sich von ihr noch eine Weile jagen lassen. Im Grunde glaubte sie in jenem Moment nicht daran es je zu finden. Die erste Liebe ist von einer Ausschließlichkeit geprägt, die kaum Raum für anderes lässt. Tag wollte nun für Tag und Schritt für Schritt betrachtet werden. Bajard war ein guter Ort für einen Neuanfang, es würde sich sicher eine Taverne auftun, die noch eine Hilfe brauchte. Aber etwas galt es noch zu tun um der verblassenden Erinnerung entgegen zu wirken.

Ein Hautbild. Der Schmerz des Stechens würde helfen, Erleichterung bringen. Mit dieser fixen Idee im Kopf richtete sich das Häuflein Elend wieder her, hisste den Ausschnitt des Kleides auf die richtige Tiefe und verlies die Taverne. Das Hemd wurde sorgsam in ihre restliche Habe eingewickelt, ein zu hütender Schatz.

„Würfel... sicher kann man hier irgendwo würfeln.“

Verfasst: Sonntag 20. Oktober 2013, 23:26
von Auriah Asker
Ein Eichenblatt zierte nun ihren Rücken knapp eine Handbreit über dem Steißbein. Mit diesem Schritt war eine bleibende Erinnerung in ihre Haut gergraben worden und gleichsam noch mehr passiert. Der vollziehnde Künstler machte sich Hoffnung auf mehr.

Der Patron der bald eröffnenden Taverne machte sich andere Hoffnungen. Mit Ihr sollte gutes Gold zu verdienen sein, so wohl sein Ansinnen. Klein aber fein, so konnte man den Laden beschreiben in dem sie nun fort an Getränke ausschenken und tanzen würde. Mehr beinhaltete die Vereinbahrung nicht und sie war im Grunde froh darum.
Ein wenig brannte die Tatsache wie die frische Tättowirung zwar, dass er nicht an ihr interessiert war, nicht einmal ein bisschen, doch der Grund hierfür war schnell gefunden und akzeptiert. Im Grunde eine Arbeitserleichterung, die dem trägen Biest sehr zu pass kam. Solange alles so blieb würde sie sich sicher fühlen können.

Wieder machte sie die schon unzählige Male gemachte Erfahrung. Mann traute sich nicht wirklich an sie heran. Der Künstler gaffte und sabberte fast, doch nicht mal als sie nahezu unbekleidet in Griffweite war, traute er sich.
Bizarr.
Bisher hatte sich wirklich nur einer getraut sich die Finger an ihr zu verbrennen und auch für ihn war sie nur noch der Schatten einer Erinnerung, den der Wind vor sich hertrieb. Eines jedoch manifestierte sich in ihr als zur Sicherheit gewordenen Überzeugung.
Joya - die Unberührbare, das war sie auf La Cabeza und vermutlich schon sehr bald nicht nur dort.

Ein Schneider musste her, ihr schwebte Dank der neu gefundenen Lehrmeisterin schon sehr genau vor, was sie benötigte um den Gewinn für den Laden gehörig zu erhöhen. Ebenso sollte die Art den Tequila auf ihre Art zu servieren noch genauer eingeübt werden, doch....

Ersteinmal Adoran.
Dort gab es jemanden, der an sich nur eine flüchtige Randnotiz gewesen war, aber schon damals einen Vermerk für den zweiten Blick erhalten hatte.
Lohnend. Wirklich.
Wein, Milch und ein Anfang von vermutlich nichts und doch, wer sein Blatt nicht ausreizt, wird nie wissen wie weit er gehen kann.