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Die Reise - ein Ende und ein Anfang - der Zyklus in 7 Tagen

Verfasst: Dienstag 30. Juli 2013, 00:53
von Imalayan Cruel
"Der Tod ist der stetige Begleiter jedes Menschen. Ereilt er ihn, endet nicht seine Existenz. Das Leben bestimmt, in welchen göttlichen Schoß die Seele einkehrt – bis wir Diener in das Spiel eingreifen und Kra’thor nähren." – Imalayan Cruel, Gedanken zur Reise

Tag 1 – Die Abreise

Die Vorbereitungen hatte er getroffen: Gold besorgt, Schminke, Perücken, Kleidung aus der Rahaler Zunft und von Karawyn. Er hatte sich verabschiedet, verabschiedet mit der ungewissen Zukunft, ob er zurückkehren würde. Er wusste, würde er einen Fehler machen, würde er brennen wie einst seine Eltern. Die Gedanken wischte er vorerst beiseite. Hass würde zur Unvernunft führen, zur Leichtsinnigkeit und nichts wusste er besser, als dass er für gewöhnlich seine Feinde unterschätzte, doch diese kannte er. Das erleichterte das Vorgehen keinesfalls. Wachsame Augen, argwöhnische Blicke und nur eine perfekte Intrige, das perfekte Spiel, würde ihn lebendig zurückbringen. Schäden an sich würde er in Kauf nehmen, Kollateralschäden nicht minder. Schenkte ihm Kra’thor bereits das ewige Kratzen im rechten Ohr, das ihn stets an das erinnern soll, was er wieder und wieder durchleiden müsste, würde er Verrat üben oder scheitern. Ersteres zog er nicht in Betracht, doch Zweiteres konnte durch Unvorhergesehenes geschehen, jeder Vorbereitung zum Trotz.

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Knarrendes Holz, stickige Luft, schreiende Seemänner. Das Schiff legte von Bajard aus ab und begab sich auf die lange Fahrt in seine Heimat. Die Überfahrt selbst interessierte ihn keinen Deut. Probleme, Tumulte, Piraten, all das würde die Mannschaft schaffen müssen, doch als wollte es jemand anders, blieben zumindest für diesen Tag die Vorfälle außen vor. Sich übergebende Mitfahrende sind da ein kleines Übel.
Kein Wort während der Überfahrt, nur die Gespräche mit Santhalasa und Neyla in Erinnerung. Er würde eine Entscheidung fällen müssen. Sterben alle? Sterben die Hauptschuldigen? Würde er im ersten Fall unterscheiden? Beide Frauen halfen ihm auf ihre Art bei seiner Entscheidung. Sie würden alle sterben müssen: Ungläubige und Anhänger der Glaubensrichtungen. War dieser doch nur ein Deckmantel für ihre Absichten. Im Namen Temoras! Im Namen des All-Einen! Kra’thor wies den Weg, wenngleich sein Ziel sich Imalayan bisher nicht offenbarte. Was wäre, wenn er stark genug würde? Die Gedanken schob er beiseite. Er setzte sich ein Ziel: Ein langsamer, qualvoller Tod, qualvoller als das, was seine Augen noch kurz nach dem Urteil des Alka sahen. Einen raschen Tod dem Rest seiner Heimat, seines Dorfes, seiner ersten Geburtsstätte, um mit dem alten Leben auf eine Art abzuschließen.
Die Fahrt zog sich hin, die Gedanken wurden verworrener, tiefergehend und langsam zog er die Maske und die Kapuze am Saum berührend über den Kopf und verdunkelte seine Züge, seine Mimik, die sich immer mehr in tiefsten Überlegungsfalten verloren. Die Rache würde beginnen, doch der zweite Tag – die Ankunft – sollte die Erkenntnis bringen, wie sie beginnt – still und leise, sich steigernd wie ein gutes Musikstück hin zum großen Finale.

Verfasst: Mittwoch 31. Juli 2013, 00:54
von Imalayan Cruel
„Wir säen wie Bauern – Zwietracht – wir hegen, pflegen und düngen – Hass – wir ernten – Seelen. Möge Kra’thor uns an diesen Speisen teilhaben lassen.“ – Imalayan Cruel, Gedanken in einem Wäldchen nahe seiner Heimat

Tag 2 – Die Ankunft

Er ging von Bord, vollends vermummt und für keine Augen mehr zu erkennen. Sowieso waren die Seemänner mit dem Be- und Entladen des Schiffs beschäftigt. Das Ankern sollte nur so lange wie nötig andauern. Der Hafen war geschäftig, recht groß und typisch für seine Heimatregion, Gerüche, die zusammengemischt einen ekelhaften Brei ergeben.
Ganz im Gegensatz dazu sein Dorf, abgeschieden von jeder anderen Zivilisation, mehr als zwei Stunden Fußweg vom nächstgelegenen Ort. Einsiedlerisch, hinter noch nicht gefällten Wäldern. Wie ein Ring schließen sich die dichten und hohen Bäume um das Heimatdorf, um sein Heimatdorf, das er mit seinen eigenen Augen aus dem Wald erspäht. Alchimie und des besonderen Segen sei Dank war er imstande mit seinen Augen aus der Ferne zu spähen. Selten wurde ihm dies zuteil, denn allzu oft ergab er sich dem unstillbaren Verlangen nach alchimistischen Erzeugnissen. Abhängigkeit ist ein schlechter Freund, insbesondere wenn die Tränke und Säfte an Wirkung einbüßen und die eingenommenen Mengen immer größer wurden.
Einige Felder beherbergt der Ring noch, auf denen Getreide wächst und gedeiht, reif geerntet zu werden. Nur wenige Ähren sind jung, frisch, doch würden sie der Ernte nicht entweichen können. Doch bis zur Ernte sollten noch ein paar Tage vergehen. 50 Bündel Getreide, kein Bündel mehr, kein Bündel weniger. Genau 50 sollten es werden, gleich ob die Spreu darunter ist oder nicht. Sie würde nicht auffallen. So war es seit jeher und wird es sein – ein letztes Mal.
Er suchte den Weg zurück in die nächste große Stadt. Er war jedoch nicht verhüllt, sondern verkleidet: größer, deutlich jünger, Wachs am Gesicht, den Ohren, der Nase, seine Verkleidung mit edlen Stoffen aus der Rahaler Zunft sowie aus Karawyns Hand gefertigt. Er wirkte nicht mehr wie ein einfacher Sekretarius, nicht mehr wie ein Wirt in einer Hafentaverne. Er wurde zu einem sehr jungen, aufstrebenden Händler von vielleicht 23 oder 24 Wintern. Seine Haare kürzte er drastisch, der Bart fiel der Verkleidung zum Opfer. Kleine, güldene Fäden, durchzogen seinen Stoff. Er ließ sich in einer edleren Bleibe, dem „Goldenen Ross“, mitten in der alten Stätte seiner Ausbildung nieder. Dieser Tag und diese Nacht sollten noch vergehen, ehe die Ernte vorbereitet werden sollte, penibel, präzise und still.

Verfasst: Donnerstag 1. August 2013, 00:26
von Imalayan Cruel
„Schatten verschlingen Körper, doch keine Schreie.“ – Imalayan Cruel, Gedanken über seine Kindertage

Tag 3 – Erinnerungen, Teil 1

Sein Zimmer verließ er an diesem Tag nicht. Zu viel kreisten die Gedanken um das Geschehene und die Worte der beiden Frauen. Wer müsse leiden. Wer sollte bestraft werden für das Leiden, das ihm zugefügt wurde. Dieser Weg führte ich schließlich in die Klauen des Seelenfressers. Wäre all das nicht geschehen, wäre er erwählt worden, ihm zu dienen? Immer mehr Fragen drängten sich ihm auf, in denen er sich für eine Weile verlor. Erst als er beinahe vom Stuhl fiel, erinnerte er sich an das Vergangene und an die letzten Tage, die er im Dorf verweilte.

Es war Sommer. Das alljährliche Mittsommerfest stand bevor. Ich war noch ein Kind, vier oder fünf Winter jung. Das Fest ist eine der ältesten Traditionen. Es ist das einzige Fest im Dorf, zu dem wir Kinder Wein trinken dürfen, Wein aus der Fremde. Ansonsten speisen und trinken wir nur das, was wir selbst mit eigenen Händen schufen. Nur zu diesem besonderen Fest nicht. Wir hatten selten Besucher. Doch jetzt kamen ein paar Händler am Vortag und brachten uns Fässer mit Wein aus den höher gelegenen Regionen. Kaum wurde das letzte Fass vom Karren gehoben, zogen wieder von dannen. Das Fest fand nur im Kreis der 50 statt, der 50 Seelen, die dieses Dorf bewohnten. Es war wie immer. Gäste fanden nur selten ins Dorf und wenn, blieben sie selten länger als auf ein Bier. Nur einmal wagte es jemand zu nächtigen. Ich weiß nicht, wo dieser blieb. Ich erinnere mich nur an Schreie, Schreie lauter und qualvoller als aus den Kindergeschichten über Kra’thor. Der Dorfälteste sprach immer von ihm, wir würden zu ihm gehen, wenn wir nicht nach den Tugenden Temoras leben würden. Wir taten es dennoch nicht. Meine Mutter war eine fleißige Schneiderin, zwar tugendhaft, aber mehr auf Fleiß als auf Glauben bedacht. Mein Vater war ein tüchtiger Schreiner, dem das Gold näher lag als jedes Versprechen in irgendein Reich einzukehren nach seinem Ableben. Ich liebte beide.
Mit 16 Wintern schickten mich meine Eltern in eine der größten Städte dieses Kontinents. Schreiben, Lesen, Rechnen, Sprechen, Rute. Letztere half mir zu lernen, wenn ich vom Weg abkam, schönen Fräulein nachstellte, nur um meine Sprachkünste zu üben und prüfen. Mehr Freuden gönnte ich mir nicht.
Meine Ausbildung war vorüber, als mein 29. Winter endete und der 30. anbrach. Es sollte das letzte Jahr werden.


Die Sonne ging unter, seine Gedanken wurden unterbrochen. Heute war keine Zeit mehr, die Vorbereitungen voranzutreiben. Es würde ein neuer Tag anbrechen, denn Zeit, ja Zeit hatte er genug. Sein Plan würde nicht mehr als zwei Tage benötigen, doch dürfte er nicht fehlschlagen. Keiner dürfte überleben, absolut niemand.

Verfasst: Donnerstag 1. August 2013, 23:45
von Imalayan Cruel
„Oh, das Mädchen ist tot. Dann suche ich mir ein neues.“ – Imalayan Cruel über den Tod Deleinas

Tag 4 – Erinnerungen, Teil 2

Nicht anders als am Vortag dachte er an das Geschehene, an seine Vergangenheit. Dabei war der Tag noch jung und die Zeit allmählich reif, den Plan vollends zu formen und in die Tat umzusetzen, doch gedankenverloren schaute er an die Decke, während er auf dem Bett lag.

Zurück in meiner Heimat hatte sich wenig verändert. Dennoch war etwas anders. Ich wurde wie ein Fremder mit Argwohn betrachtet. Die Augenringe meiner Eltern hingen tief, ihre Körper schwach und abgemagert. Dagegen trugen zwei der jüngeren Mädchen, sie waren um die 18 Lenze, mehrere Kinder unter dem Leib. Ein Junge war geboren, als ich nicht hier war. Kaum jemand sprach mit mir, selbst meine Eltern wirkten gebrochen.
Zeit verging und der Sommer nahte. Wieder wurde unsere Familie damit bedacht, die Händler aufzusuchen mit dem Schreiben des Dorfältesten. Wein. Im Grunde war es wie jedes Jahr. Unsere Familie durfte den Wein außerhalb des Dorfes einkaufen gehen. Die Händler und die Menge waren vorher festgelegt. Es war eigentlich nur ein Botengang. Meiner Ausbildung nicht würdig. Das spielte jedoch keine Rolle.
Ich setzte mich in Bewegung in die besagten Regionen, Dörfer und kleine Städtchen, die höher gelegen waren als meine Heimat. Dort wuchsen Reben über Reben und der Wein von dort war süß, sehr süß. So süß, dass das eine oder andere junge Mädchen aus dem Dorf den Weg in die Scheune nicht gescheut hätte. Hätte, wäre mir das nicht zu einfach gewesen.
Das Vertragliche regelte ich wie gehabt. Ich setzte die Unterschrift unter die Bestätigung, die Waren erhalten zu haben und zog mit den Männern und dem Karren weiter. Von Ort zu Ort wurde der Tross größer, bis er gut 30 Fässer trägt. Am Ende zogen wir im Dorf ein und entluden die Fässer, die Männer zogen direkt von dannen, als das letzte Fass entladen war. Ganz wie es Brauch ist. Es war spät, wir betteten uns zur Ruhe.
Das Fest wurde am Folgetag gefeiert, zu Mittag die Weinfässer geöffnet und ausgeschenkt, bis alle 51 lebendigen Seelen versorgt waren. Meine Eltern hielten sich im Hintergrund, hinten, obgleich sie in meiner Jugendzeit vorn saßen. Sie wirkten schwach, aber sprachen nicht über das Geschehene. Der Älteste sprach zum Dorf, vom Dank, hier geboren und aufgewachsen zu sein, vom Geschenk der Gemeinschaft, die wir nie verlassen haben. Nur seine Blicke und die der anderen richteten sich auf uns, der Kleinsten und Größten, der Ältesten und Jüngsten. Schließlich erhoben alle ihre Becher und tranken vom Wein, all jene, die uns zuvor anschauten. Meine Eltern tranken keinen Schluck, sie aßen wenig und tranken keinen Alkohol mehr. Ich blickte zu ihnen.
Plötzlich hallten Schreie durch die Feststimmung. Einige der alten Mitbewohner brachen zusammen, drei verstarben direkt, die anderen lebten noch. Die jüngeren wurden bleich, krümmten sich. Die mittelalten Dörfler spürten die Wirkung erst später. Der Dorfälteste wies die zwei dicken, kräftigen Milizen an, mein Eltern und mich wegzusperren. Wir wurden ohne ordentliche Verhandlung zum Tode verurteilt. Wir sollten verbrannt werden im Namen Temoras für die Vergiftung der Dorfbewohner. Weder meine Eltern noch ich wussten, wie uns geschah, doch es passierte.
Wer hat uns verraten? Die Händler? Der Älteste? Das gesamte Dorf? Ich wusste es nicht. Die Händler gaben uns den Wein, wir hatten ihn nicht manipuliert und er war die gesamte Zeit im Dorf unbewacht. Doch warum sollten sie uns verraten? Gold? Vielleicht. Der Älteste, er? Ja. Seit meine Eltern planten, mich fortzuschicken, tat er alles darum, dass ich bleibe. Seit meiner Wiederkehr war er seltsam, abweisend, da gesamte Dorf wies uns ab. Doch würden nicht alle sich selbst vergiftet haben, um uns zu hintergehen. Der Älteste war es. War er es allein? Wer half ihm? Die Fässer waren am Tage noch so versiegelt wie zur Anlieferung. Also doch die Händler. Weshalb? Weshalb? Dieser Frage musste ich nachgehen. Vielleicht würde ich in ihren letzten Atemzügen Antwort erhalten. Vier Händler, vier Orte und ein Dorf.
Es war spät, die Dunkelheit brach herein und man führte erst meine Mutter auf den Scheiterhaufen. Sie sollte als erste brennen, als jene, die ein Werkzeug im Plan darstellen sollte. Als zweites brannte mein Vater, der nicht minder ein Teil des Plans sein sollte, der mir zur Last gelegt wurde. Ein Plan, von dem weder meine Eltern noch ich etwas wussten. Ich, der Kopf?
Mein Vater brannte lange, lang genug, aber er schrie nicht einmal und ich konnte dieses Schauspiel aus dem einfachen Dorfgefängnis sehen. Lang genug! Deleina, ein 18-jähriges Mädchen, blond, hübsch und klug, blauäugig und verliebt in mich, seit ich zurückkehrte von der Ausbildung. Sie war geschickt und konnte Schlösser öffnen. Sie schlich sich von der Verbrennung davon und gelangte zu mir, gestand mit ihre Liebe. Ihre Liebe sollte meine Rettung sein. Ich dankte ihr nicht einmal, ich rannte, als sie mich aus dem kleinen Gefängnis befreite, aus dem Haus herausließ. Ich floh so weit mich meine Beine trugen. Sie folgte, fiel, ich half nicht. Schreie, ich hörte Schreie, ihre Stimme. Sie wurde gefasst. Ich floh. Ihr Körper wurde von Flammen umschlungen, doch sah ich sie nicht, nur ihre Stimme vernahm ich, bis ich in den Tiefen des Waldes verschwand. Sie bedeutete mir nichts. Es werden andere kommen.
Mit dieser Nacht begannen die Albträume, die Träume von Raben, Toten, Untoten, Dämonen. Erst sanft, dann stärker werdend.


In der Schuldfrage sich verlierend senkten sich wieder die Sonnenstrahlen. Er senkte die Lider und schlief wieder ein. Der kommende Tag würde anders verlaufen. Die Frage nach der Schuld war geklärt. Der Folgetag musste erste Erfolge bringen.

Verfasst: Samstag 3. August 2013, 18:57
von Imalayan Cruel
„Du wünschst dir den Tod, doch will ich mich an deinen Leiden laben.“ – Imalayan Cruel, vor der Folter eines Händlers

Tag 5 – Die Händler

Kaum sind die ersten Sonnenstrahlen in sein Zimmer gefallen, schließt sich auch schon die Tür hinter ihm. Er stieg die Treppen im Gasthaus hinab und lief in seiner Maskerade am Wirt vorbei, dem er einen kleinen Beutel hinwarf, dass es klimperte. Anschließend verließ er das Gasthaus und ging seiner Wege.
Vier Händler, alle in vier nebeneinander gelegenen Ortschaften auf den höheren Ebenen. In edler Gewandung, reich behangen mit Goldbeuteln, einem Wams aus Brokat und hohen Lederstiefeln betritt er das erste Dorf. Seine Haarfarbe verändert, seine Züge anders geschminkt, die Augen mit kleinem und besonderen Glas braun gefärbt. Nur jene, die ihn jüngst sahen, würden ihn wiedererkennen, wenn sie ihn mehrmals anblickten. Mit verstellter Stimme begrüßte er den Händler, der zur Zeit, wie das gesamte Dorf, recht betroffen ob der Hitze döste.


„Seid gegrüßt. Ihr verkauft, wie ich unschwer erkennen kann. Ist er noch gut?“
„Cirmias Segen Fremder, aber der gute alte Finlor verkauft nur den besten Wein. Er reifte über 10 Winter lang und bringt einen fruchtig-süßen Geschmack mit.“
„Überzeugt mich mit Euer Ware, zeigt mir Euren Vorratskeller.“
„So will der…“
„Herr Hohenheim“
„Herr Hohenheim mir bitte folgen.“
Sie kamen unten an, Finlor zeigte ihm den Lagerkeller, in dem ein Fass neben dem anderen lag. Sie traten hinter an die ältesten Weine.
„Da sind meine Schätze. Beste Reifung in besten Fässern.“
„Nun… liefert Ihr sie auch mit einer.. zusätzlichen Mixtur aus?“
„Wie meint Ihr? Ich gebe unser gutes Geheimnis nicht preis.“
„Ihr versteht sehr wohl. Kann ich.. ein Fass mit.. alchimistischer Beimischung bestellen, um den Geschmack zu beeinflussen?“
„Gewiss, gewiss, es müsste nur zehn Winter reifen, bis wir es liefern. Doch sagt we...“
Sein Kopf donnert gegen das Fass und er sackt zu Boden. Imalayan eilt hinterher mit einem Dolch in der Hand und dabei an die Kehle des Händlers.
„Weil Ihr meine Eltern und mich auf dem Gewissen habt. Ich überlebte. Nun werdet Ihr mir nennen, weshalb Ihr das getan habt. Je schneller Ihr antwortet, desto gnadenvoller wird Euer Ende.“
„Gold, nur Gold. Dreifache Bezahlung. Woher er das Gold hatte, weiß ich nicht. Ihr zahltet dein einfachen Preis, ein Teil traf vorher ein, ein anderer im Nachhinein.“
Imalayan legte den Dolch auf die Stirn, zeichnete einen Kreis und schlitzte erst dann die Kehle durch.
„Kra’thor, ein Opfer wurde dir erbracht. Möge er ewig leiden und dich nähren.“
Der Weg des Rabendieners führte ihn schließlich in zwei weitere Dörfer und beim zweiten und dritten Händler verfuhr er ähnlich und schickte sie recht schnell zu seinem Herren.
Der vierte Händler vermochte sich auf dieselbe einfache Art in den Keller locken lassen, doch wurde er von seiner Frau begleitet. Imalayan blickte sich auf dem Weg nach unten um, suchte verschiedene Gegenstände. Dann ließ er sich auch hier die reifen Fässer zeigen und stellte seine Frage. Er positionierte sich zwischen Ausgang und dem Pärchen und knallte den Kopf des Händlers, Detmold, gegen ein Fass. Dieser sackte nicht so rasch zusammen wie erwünscht, sodass er den Schockmoment ausnuzte und ihn ein weiteres Mal gegen das Fass schmetterte. Nun sackte der Händler in sich ein, doch seine Frau rannte gen Ausgang, schob sich am Rabendiener vorbei und wollte fliehen. Imalayan griff nach ihr, sie stolperte, fiel gen Boden und ein Stück ihres Kleids zerriss. Sie krauchte die Treppe hinauf, während er sich einen größeren Hammer nahm, den er beim Hinabgehen erspähte und trat auf sie zu. Sie konnte nicht einmal schreien, selbst nicht, als der Hammer ihr Schienbein und Knie zertrümmerte. Nicht einmal, als das zweite Bein folgte. Sie wurde bewusstlos. Immer wieder fällt der Blick auf den eingesackten Händler, doch bevor er sich ihm widmete, legte er den Hammer beiseite und schlitzte einen Kreis in die Stirn der Bewusstlosen und sprach erneut seine Worte gen Kra’thor. Dann nahm er den Hammer und ließ ihn auf den Brustkorb mehrmals niederfallen, bis keine Regung mehr von ihr ausging.
Dann wandte er sich dem Händler zu, den Hammer mitnehmend und blickte auf ihn hinab. Durchdringend erklang seine Stimme.

„Weshalb? War es Gold?“
„Ich.. ich weiß nicht.. wovon Ihr sprecht.“
„Ihr habt vergifteten Wein in das Dorf gebracht. Meine Eltern wurden verbrannt und mich sollte dasselbe Schicksal erleiden. Weshalb? Sprecht!“
„Ich weiß.. von Nichts. Ihr.. Ihr habt.. meine Frau getötet.. verschont mich, ich tat nichts.“
Der Hammer traf donnernd das rechte Knie, dann das linke, sodass der Händler nicht mehr fort konnte. Seine Schreie erschütterten die Wände, doch in der Wärme vermochte niemand auf den Straßen und Wegen der Dörfer freiwillig umherwandeln. Imalayan entnahm aus einer Innentasche seiner Brokatgewandung eine kleine Phiole, in der nur wenige Tröpfchen herinnen waren. Er träufelte einen davon auf den Dolch und zog ihn unter den Schreien des Händlers über seinen rechten Unterarm, der direkt erlahmte, nicht anders als sein restlicher Körper, als das Gift sich im Blut und Körper verteilt.
„Nun mein Lieber... Dieses Gift wird dich nicht töten, doch wirst du Schmerzen erleiden und keinen Ton herausbringen. Ich labe mich an deinen stummen Schmerzensschreien. Glaube mir, die Qualen sind nur der Anfang, wenn du nicht sprichst. Ach, du kannst gar nicht sprechen? Das ist außerordentlich bedauerlich. Dann werde ich dir weitere Qualen hinzufügen, bis du wieder sprechen kannst und ich werde dich an deine Grenzen treiben. Der Tod wäre eine irdische Erlösung, die ich dir jetzt nicht zuteil werden lassen. Du wirst reden und mir erzählen, weshalb der Älteste uns ausmerzen wollte. Warum 50? Nie mehr, nie weniger? Was weißt du?“
Gut eine Stunde verging unter schwersten Qualen und härtester Folter, die ihre Spuren am gesamten Leib des Händlers hinterließen. Jener antwortete vollends erschöpft:
„Es ist der Zyklus. Er zieht aus 50 Seelen die Kraft. Sind es zu viele oder zu wenige, schwankt sie. Sterben alle oder sind es mehr als 100, setzt sie aus. Er gab Gold zum Schweigen, das Dreifache des Weinwerts. Er drohte uns mit ewigen Qualen, würden wir nicht folgen. Meine Eltern tötete er, das ungeborene Kind ebenso. Wir ergaben uns seinem Wunsch. Dass Ihr fortgegangen seid, war nicht in seinem Willen. Dass Ihr zurückkehrtet, genauso wenig. Wir mussten ihm helfen, wir wollten Kinder.“
„Ihr habt genug gesagt. Eure Frau ist tot und ihr werdet folgen.“

Mit den Worten markierte er auch diesen Händler für Kra’thor mit einem Kreis auf der Stirn und sprach sein Gebet, während er ihm die Kehle durchtrennte. Anschließend verließ er das Gut und bewegte sich zurück zu seiner Bleibe. Der entscheidende Tag stand bevor und er musste jeden Schritt wieder und wieder durchdenken.

Verfasst: Sonntag 4. August 2013, 00:32
von Imalayan Cruel
„Schädel, Leichen und leere Augen sind einfache Dinge, die mich erfreuen.“ – Imalayan Cruel, nach der Auslöschung seiner Vergangenheit

Tag 6 – Ende des Lebenszyklus

Es war später Nachmittag, als er in seinen edlen Gewändern die durch die Straßen des Städtchens, in dem er sich niederließ, zog. Er hatte zuvor noch einige Besorgungen gemacht, Schnaps, Rum, aber fest verschlossen und mit einer kleinen Kordel im Korken versehen. Seine Maskerade komplettierte er zuvor mit Wachs, das ihm nun gänzlich andere Gesichtszüge gab. Erhobenen Hauptes, erheitert dreinblickend und die Stimme hellauf begeistert, warf er Goldstücke den Ärmsten, den Bettlern, den Gauklern und dem fahrenden Volk zu. Eine kleine Besonderheit zeigte sich auf den Münzen. Sie enthielten unter dem gewöhnlichen Aufdruck einen kleinen Totenkopf, einen Schädel.
„Hört, hört, folgt mir und ihr werdet alle reichlich entlohnt. Feiert ein großes Fest, singt, tanzt und lebt einmal. Geht alle ins Dorf, das am Fuße der Berge und fernab des Waldes liegt. Es wird gefeiert, gelacht und für reichlich Speis und Trank gesorgt.“
Er zieht seine Wege durch die Gassen, die Bettler, die Armen, die Spielleute, die Darsteller, all jene, die keinen festen Platz in der Stadt haben, treibt er zusammen und schickt sie in sein Heimatdorf. Er hatte genau gezählt. Würden alle kommen, wären es 60.
Eine gute Stunde ließ er verstreichen. Dann trat er in das Wäldchen. Er legte die bisherige Kleidung vollends ab. Er nahm eine graue Robe, graue Stiefel und eine graue Maske heraus und bekleidete sich damit. Anschließend verstaute er die edle Kleidung in einem Rucksack, den er bei sich trug. Er nahm den Glimmstängel, den er einst im Tausch von Alayna erhielt und zündete ihn mit einem Zunder an und entflammte dann den Beutel, den er an das Laub an einem Baum stellte. Daneben packte er die Flaschen mit der Kordel am Korken. Er würde einige Zeit brauchen, bis er das Laub und alles Andere in Brand setzen und eine Explosion durch die hochprozentigen Getränke auslösen sollte.
Seine Maske verbarg die untere Gesichtshälfte und sog sich bis zur Nase. Die Kapuze, die er tief in das Gesicht gezogen hat, warf tiefe Schatten in sein Gesicht und verdeckte zugleich Augen und Nase, auch wenn er sein Haupt gehoben halten sollte. Er trat nun näher an die Siedlung. Die Einwohner argwohnten ob der vielen Anwesenden, waren es 30 bis 40, die dem Ruf folgten, weit weniger als Imalayan erhoffte. Diejenigen, die dem Ruf folgten, waren v.a. Bettler und eine fahrende Gruppe von Barden und Schaustellern. Die, die nicht kamen, machten sich mit der Gabe von dannen. Imalayans Augen spähten erst über die Menge, dann hindurch, doch der Älteste war nicht zu finden.
Die Feierlustigen mussten sich dem Drängen und den Gebaren der Anwohner erwehren. Angetrunkene, die ihr Gold direkt in Met umsetzten, gerieten in ein Handgemenge. Dieses artete rasch aus. Imalayan blieb gute 150m vom Geschehen entfernt. Er wartete ab. Das Gemenge wurde größer und eskalierte. Fäuste flogen zwischen den kräftigsten der Anwohner und den Fuhrleuten, nachdem die einen als Dirnen beschimpft wurden. Nicht ganz wie erwartet, doch die Menge trat aufeinander zu.

„Hört auf, meine Kinder und hört auf, Ihr Irregeleiteten.“ Die Stimme des Ältesten, der trotz der fortschreitenden Dekaden kaum gealtert scheint. Just nach seinen Worten fing das Laub Feuer und breitete sich rasch wie ein Flächenbrand im Waldring aus, sodass einzelne Stichflammen sichtbar wurden.. Eine leichte Brise fachte das Feuer an, sich auszubreiten.
Die Kämpfenden hielten ob der Stimme inne, wendeten sich herum und fast ehrfürchtig verneigte sich jeder der Anwesenden, seien es Bewohner oder von Imalayan hergeführte. Sie verneigten sich, als würde ein König selbst vor ihnen stehen, ein ehrfürchtiges Wesen. Der Rabendiener trat nun näher an das Geschehen heran, doch hielt er zu den ersten Anwesenden 20-25 Meter Abstand. Um die 90 Seelen versammelten sich im Dorf. Ein paar mehr oder weniger könnten es auch gewesen sein. Die Sonne ging unter und gerade, als sich die ehemaligen Kontrahenten trennen wollten, explodierte hörbar das Gemisch im Wald. Der Baum, an dem es stand, fiel um und alle sahen zu dem brennenden Spektakel herüber. Lediglich Imalayan wartete ab. Wenige Momente später ging die Sonne unter und in einigen Taschen der Anwesenden schien es, als würden anstatt kleiner Goldmünzen größere halbrunde Gegenstände liegen. Der Rabendiener hebt die Arme empor und spricht für alle nun deutlich hörbar in seiner alten, dem Dorf bekannten Stimme.

„Kra’thor, ich danke für deine Gunst und List, diesen Weg zu gehen! Mögen all jene ängstlichen Gesichter nun zu dir einkehren und dich nähren.“ Mit diesen Worten zuckten die Leiber der Menschen. Einige später als andere. Insbesondere die der Hergeführten zuckten und spannten sich als erste an, dann die der Umliegenden. Nach und nach fielen sie um, leichenblass, regungslos. Sie waren tot. Alle anwesenden Seelen. Nur der Älteste und Imalayan waren weit genug vom Geschehen entfernt. Die Goldmünzen, die nichts anderes als Schädelbomben waren, haben ihren Zweck erfüllt. Dafür würde der Rabendiener aber umso tiefer in der Pflicht stehen, alle Seelen rechtzeitig für Kra’thor zu kennzeichnen. Einen Makel brauchte es nicht, um ihn daran zu erinnern. Diese wurde ihm bereits zuteil und die Aufgabe, mit den Toden umzugehen, sollte Last genug sein.
Am Ende standen sich beide gegenüber. Der Rabendiener und der Dorfälteste.

„Wie alt bist du wirklich? Was bist du?“ Die Fragen des Dieners sind eindringlich, doch Antworten sollte er nicht mehr erhalten. Der gesamte Wald steht mittlerweile in Flammen. Imalayan tritt auf den Alten zu, einen Dolch mit Widerhaken fest umgreifend. Der Alte sackte schon zuvor zusammen, als hätte ihn die letzte Kraft verlassen. Es dauerte nicht mehr lang und Imalayan zog auf der Stirn des Wehrlosen einen Kreis, ehe er ihm das Leben aushauchte. Die Hütten begannen zu brennen, obgleich sie nicht in der Nähe des Feuers standen. Jeder Tote wurde gezeichnet und für jeden sprach er das Gebet, in der Hoffnung, dass diese Seele zu Kra’thor gelangen würde. Jedem Toten entnahm er die Augen.
Langsam wandte sich der Rabendiener einigen Sachen der Toten zu, entwendete sie und kleidete sich darin ein. Die grauen Sachen verstaute er in einem Beutel der Opfer und nahm ihn an sich. Er trat an einer bereits abgebrannten Waldstelle hindurch und machte sich auf den Weg durch die Nacht in Richtung des Hafens, den er nicht vor dem letzten Tag, dem siebenten Tag, erreichen sollte.

Verfasst: Montag 5. August 2013, 19:52
von Imalayan Cruel
„Ich habe keine Angst vor dem Tod, weil ich weiß, dich werde ich mit in Kra’thors Reich führen.“ – Imalayan Cruel, letzte Gedanken vor dem Kampf

Tag 7 – Die Rückkehr

Die Nacht war noch nicht vorüber. Seine Füße tragen ihn weiter und weiter. Er war erschöpft. Kra’thors Gunst half ihm, seine Vergangenheit zu bewältigen. Dafür erhielt der Seelenverschlinger Nahrung. Dennoch würde dies für die nächste Zeit das höchste Maß seiner Gunst gewesen sein. Oder war es doch vorherbestimmt, dass es dazu kommt? Der Rabendiener wusste es nicht und doch genau diese Gedanken beschäftigten ihn. Als er sich dem Hafen näherte, verwarf er die Linien in seinem Kopf. Er stand in seiner Gunst und dessen war er sich sicher. Sonst würde er tot im Dorf liegen und nicht die anderen Körper, denen er das Leben und ihre Seelen nahm. Der Weg, die Seelen zu leiten, war nicht besonders effektiv, doch besser als alle anderen zuvor. Yezna verdankte er diesen Weg. Die Älteren könnten ihn noch unterweisen, wenn die Zeit gekommen war.
Imalayan erreichte den Hafen und bestieg ein Schiff. Dank der Sachen der Toten war er vermummt. Der Kapitän war eben jener, der ihn auch hinbrachte. Zwei große Beutel mit Gold, die letzten, die er bei sich trug, sollten reichen, um wieder nach Bajard zu fahren. Der Schiffbesitzer äußerte sich nicht und der 32 Winter alte Mann stieg hinab zum Unterdeck und ließ sich fernab aller anderen nieder. Es sollte keine Stunde dauern, bis das Schiff ablegte. Die Rückfahrt war ruhig, beinahe zu ruhig. Er schloss die Augen und fiel in einen leichten Schlaf.

„Du hast einen Fehler gemacht, Imalayan. Du hättest das Dorf nie verlassen dürfen. Du hast das Gleichgewicht gestört, das mir die Macht gab, alles zu kontrollieren. Du und deine Eltern entkamen dem jedoch. Ich weiß nun weshalb. Der Seelenfresser hat dich erwählt und dir den Weg gewiesen. Er hat mich aufgegeben und den Pakt verraten. Jeden Winter eine Seele zu opfern, das war mein Versprechen. Du hast den Plan durcheinander gebracht. Ich lebte über 200 Winter. Meine Zeit ist vorbei, doch warte ich sehnsüchtig darauf, dass du auch zu ihm gehst und das erleidest, was mir nun bevorsteht. Nimmer endende Qualen. Imalayan? Hörst du mich?“
„Der Herr, hört Ihr mich? Das Schiff hat angelegt, wir sind angekommen.“
Der Rabendiener schreckte hoch, griff mit den langen schmalen Fingern um das Handgelenk des Kapitäns, aber rasch beruhigte er sich wieder und erhob sich dann langsam, den Kapitän loslassend.
Seine Füße trugen ihn an Deck des Schiffs, das Licht schien hell und doch schützten ihn Maske und Gugel vor dem Lichteinfall. Er verließ das Schiff wortlos und trat durch das Dorf und setzte seine Reise nach Rahal fort. Er war wieder da und die Zeit würde zeigen, welche Veränderungen diese Reise mit sich bringt.