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Haus Yazir
Verfasst: Dienstag 23. Juli 2013, 16:37
von Zia Yazir
Leise vor sich hinsummend saß sie da und schnitzte Pfeile. Im Haus herrschte geliebte und viel zu seltene Ruhe und als sie ihre Augen für einen Augenblick schloss konnte sie nichts hören außer dem leisen Rauschen des Wüstenwindes, das Preschen der Wellen und entfernte Stimmen der Diener.
Dies musste die liebliche Stille nach einem Sturm sein, denn der Sturm war laut, dreckig und schmerzvoll.
Die Schlacht um Düstersee hat sie alle zu viel gekostet. Noch immer waren die Wunden nicht verheilt, die Demütigung nicht vergessen. Dennoch hatten sie viel wofür sie dankbar sein konnten. Eluive hat ihre schützende Hand über der Familie der Yazir gehalten und wenn es auch in diesem Haus Verluste zu beklagen gab, so lebten zumindest alle die Zia lieb waren.
Faaith und Kari hat es am schlimmsten erwischt. Faaith, gesundheitlich schon immer etwas anfällig, hatte noch Tage mit dem Gift der Pantherbrut zu kämpfen gehabt.
Schmunzelnd musste Zia daran denken wie rührend Rashid sich um ihre Cousine gekümmert hatte. Sie war der festen Überzeugung, dass die beiden für einander geschaffen waren.
Beide hitzköpfig, er Heiler, sie ständig krank. Ein passenderes Paar dürfte es auf Eluives Erde kaum geben. Es schien beinahe als schawenzelten die Beiden bereits seit Jahren um einander herum. Eine Hochzeit würde da wohl nur eine Frage der Zeit sein. Der Zeit und des Erbarmens des Emirs.
Als die Frauen des Abends einmal wieder zusammen saßen, hat Faaith es erzählt. Sie war bereits vergeben. Ihr Gatte, ein Erwählter ihres Radehs, stellte sich nach der Hochzeit als gemein und brutal heraus. Die Narben auf Faaiths Handflächen würden sie ewig an ihn erinnern.
Sie ist damals nach Menek´Ur geflohen, hat einen anderen Namen angenommen und so ein neues Leben begonnen. Ihr Schicksal führte sie schließlich in die Arme der Familie Yazir und es sah so aus als würde sie hier glücklich werden können.
Nun aber holte ihre Vergangenheit sie ein. Jeden Abend, wenn Zia ihr stilles Gebet sprach, bat sie Eluive um Schutz für Faaith, um eine Lösung auf das sie sich erneut vermählen konnte.
Sicher würde diese neue Verbindung nicht nur Freude bringen. Suraya würden leiden, dies war Zia bewusst. Vielleicht würde sie es nicht zugeben, viel mehr würde sie über Rashid schimpfen, ihn ein Lama nennen, doch insgeheim schmerzte es sie. Rashid hat ihr ihren allerersten Kuss geschenkt, und dann noch den zweiten und auch wenn Zia ihm dafür am liebsten die Zunge herausschneiden würde, bemühte sie sich freundlich zu ihm zu sein. Es würde Suraya nicht helfen und Faaith würde es unglücklich machen also versuchte sie zumindest gute Miene zum bösen Spiel zu machen.
Männer waren komische Leute!!!
Dies sagte sie immer wieder, doch irgendwie schien ihr entweder niemand zuzuhören oder aber sie glaubten ihr nicht.
Es verging kaum ein Tag an dem sie nicht von neuen Gerüchten, Dramen und Geheimnissen erfuhr die sich um das Thema Liebe drehten.
In jedem zweiten Satz kamen das Wort "Herz" oder "Liebe" oder "Sehnsucht" vor. Ganz viel Geschnulze mit noch mehr Schmalz drauf.
Zia konnte es wahrlich nicht mehr hören. Manchmal war ihr als hätte jemand einen Liebestrank ins Wasser gemischt. Dabei vergaßen sie alle das was wichtig war, nämlich Stolz, Ehre und Familie.
Sogar Khalida hatte es erwischt, sie musste von diesem Wasser getrunken haben, denn seit einigen Wochen war sie kaum noch sie selbst. Ganz heimlich, ohne jemandem etwas zu sagen, heiratete sie Amar.
Ausgerechnet den dümmsten Bauern im Lande hatte sie sich auserwählt. Einen arroganten, aufgeblasenen, brutalen Gockel....
Alleine bei dem Gedanken an ihn ballte Zia unwillkürlich ihre Fäuste zusammen. Oh wie sie ihn hasste.
Khalida sprach sogar davon Kinder zu gebären. Kinder.... Khalida... dieses Bild machte überhaupt gar keinen Sinn. Es hatte sie erwischt, ganz übel. Sie ließ sich von Amar behandeln wie sie sich niemals von einem anderen Mann behandeln lassen würde. Ständig bevormundet er sie, nörgelt an ihr herum und schlägt sie sogar. Und sie... sie lässt es sich gefallen und entschuldigt sich auch noch.
Zia vermisste ihre Cousine. Das Leben im Hause hatte sich eigentlich nicht verändert, dennoch war alles anders. Khalida war nun eine brave Ehefrau und bald Mutter. Faaith hatte auch nur noch Rashid im Kopf und Suraya... nun.. Suraya ist jung und schön und hat viele Verehrer. Auch sie würde bald einen Mann für sich erwählen.
Dann bliebe Zia nur noch ihre Fidah. Ihre geliebte kleine Ani, welche ihr so sehr nacheiferte. Sie würde niemals heiraten (das hoffte sie zumindest), sich niemals in ein höriges Dümmchen verwandeln, wie es bei Frauen so oft war, wenn sie sich verliebten.
Zum Glück konnte Zia das nicht passieren. Eluive hatte einen Mann für sie erwählt den sie nicht kannte, einen Fremden. Und auch wenn sie damals ihr Schicksal verdammte, war sie heute glücklich darüber. Sie liebte ihren Ehemann auf ihre eigene besondere Art und Weise. Majdy war ein guter, stolzer und tapferer Krieger. Sie hätte es nicht besser treffen können. Und er liebte sie ebenfalls auf seine besonderer Art. Er war zwar viel unterwegs, auf Reisen und ausgiebigen Jagdunternehmungen aber Zia hatte so alle Freiheit der Welt.
Was mehr konnte sich eine Frau wünschen. Zia konnte wahrlich glücklich sein.
Und sie wäre es auch.. wäre da nicht dieses kleine, leise Stimmchen in ihrem Kopf, das sich genau nach dem sehnte, was sie so oft verteufelte... echter Liebe.
Verfasst: Mittwoch 24. Juli 2013, 14:30
von Zia Yazir
Es war einmal wieder einer dieser Tage an dem sie sie alle mal gern haben konnten.
Ihre kleine Fidah hat es auf die Spitze getrieben, hat Khalida auf dem Truppenübungsplatz vor versammelter Mannschaft (Imraan, einem Omaar eingeschlossen) widersprochen. Sie war mehr als frech und auch wenn die Strafe in Zias Augen überzogen war, musste Anisah bestraft werden.
Dass sie gleich aus der Armee geschmissen wird, damit hat wahrscheinlich keiner der Anwesenden gerechnet. Khalida, in ihrer Aufgabe als Sekban streng aber gerecht, hat sich bereit erklärt sie wieder aufzunehmen, sofern sie sich entschuldigt.
Also stapfte Zia nach Hause, krallte sich ihre Schwester im wahrsten Sinne des Wortes und schleifte sie in die Kaserne. Alles Zetern und Schreien half nichts. Doch genauso gut hätte Zia sich das ganze sparen können, denn was folgte waren weitere Beleidigungen. Anisah benahm sich wie ein trotziges kleines Kind und so beschloss Zia sie genauso zu behandeln. Sie würde kein Wort mehr mit ihr wechseln bis das Balg zur Besinnung kam. Es kam überhaupt nicht in Frage, dass sie einfach so aufgab. Sie war Zias Schwester, vom Blute der Yazir und ihr Platz war an der Seite der anderen Natifahs im Hause, in der Armee. Sie würde sich bei Khalida entschuldigen, dafür würden sie sorgen, und wenn es das letzte ist was Zia täte, irgendwie würde sie es hinbekommen.
Sie fragte sich wie Anisah es überhaupt in den Rang eines Jemaats geschafft hat. Sicher, sie war eine gute Kämpferin, eine der besten, doch war Disziplin nicht minder wichtig und dies hat Anisah Tag für Tag selbst erlebt. Was war also plötzlich in sie gefahren?
Seit Stunden zerbrach Zia sich den Kopf was man tun könnte. Sollte sie ihre Entscheidung einfach respektieren und sie als das nehmen was sie schliesslich war? Sie war nun erwachsen, kein kleines Kind mehr, dass ihrer Führung bedurfte. Sie war eine Frau, fähig ihre eigenen, wenn auch dummen, Entscheidungen zu treffen. Der Gedanke war befremdlich. Sie fühlte sich immer verantwortlich für die Kleine, wollte sie vor allem beschützen, sie verteidigen wo es nur ging. Doch vielleicht war genau das das was ihr schadete. Vielleicht musste sie lernen die Konsequenzen für ihr Tun selbst zu spüren.
Zia versuchte sich zu erinnern, ob sie genauso war in Anisahs alter. Neda, sie war es nicht, wenn auch sie selbst ein großes Mundwerk besaß, kannte sie ihre Grenzen. Manchmal bog und zerrte sie an ihnen aber sie übertrat sie nie. Sie wurde niemals respektlos gegenüber einem Vorgesetzten, niemals gegenüber einem Omar.
Ihre Gedanken schweiften abermals zu dem vorherigen Abend. Nun, dass sie niemals respektlos war stimmte nicht ganz. Sie nannte Imraan einen Lügner. Mal wieder sprang sie ohne zu überlegen für Anisah in die Breschen als diese sich mit dem Omar stritt. Und auch wenn Imraan es erlaubte frei zu sprechen, war Zia bewusst, dass das was sie dort sagte diese ihre Grenze überschritt. Sie würde sich entschuldigen müssen. Dabei wurde ihr ganz schlecht, sie hasste es sich zu entschuldigen, hasste es wirklich mehr als alles andere.
In diesem Augenblick nahm sie sich selbst vor sich zu bessern. Sie würde ihrer Schwester ein besseres Beispiel bieten, sie würde den Mund halten auch wenn sie im Recht war. Manchmal war es einfach klüger nichts zu sagen. Männer waren bekanntlich komische Leute und sie fühlten sich nunmal gerne im Recht, auch wenn sie es offensichtlich nicht waren.
Von leisen Frauenstimmen aus ihren Gedanken gerissen erhob sie sich um zu schauen wer gekommen war.
Khalida stand mit der Prehaatim am Tor und unterhielt sich über etwas das sie aus der Ferne nicht verstand. Im kühlenden Schatten des Hauspavilions versuchten die drei eine Lösung für das Problem zu finden. Nazeeya entschied zu Anisah zu ziehen um Einfluss auf sie auszuüben.
Besonders wohl war Zia bei dem Gedanken daran nicht. Sie selbst hielt sich von Priestern so gut wie es ging fern, waren es in ihren Augen doch alles strenge Menekaner, die andere von oben herab behandelten. Strenge, streng gläubige, streng wirkende Priester. Es kam ihr wie eine weitere Strafe vor. Aber es war vielleicht genau das was Anisah brauchte. Und Nazeeya sagte, sie könne gut zuhören und auch das war gut.
So saßen sie da, plauderten über dies und jenes und natürlich kamen sie wieder auf das Thema Liebe. Wie sollte es auch anders sein. Wie sie erführen hat Pazia die Verlobung mit Kadir gelöst, weshalb wusste niemand. Kadir dagegen warb nun wohl seit geraumer Zeit um Hazar. Aaminah und Zafer lebten immer noch in Sünde was aber nicht so schlimm war, da Jumanah und Cetem dies noch viel länger taten.
Nach Außen hin spielten sich die Ifrey als Fakelhalter der Tugend auf. Sie erinnerte sich an dem Abend an dem Nazeeya die Menekaner zum Sittenuntericht in die Taverne geladen hatte. Zia war sicherlich nicht der hellste Stern unter Eluives Himmel aber sie war auch nicht so dumm nicht mitzubekommen wie abfällig die Natifahs über sie sprachen. Besonders Aaminah bewies eine lose Zunge, dabei hat Zia noch nicht einmal zwei Sätze mit dieser Frau gewechselt. Sie kannte sie noch nicht einmal. Alles oberflächliches Getue. Sie redeten viel, spielten sich als etwas besseres auf, doch insgeheim hatten die Ifrey genauso viel Dreckt am stecken wie andere auch. Wer mit dem Finger auf andere zeigt sollte sichergehen, dass er saubere Hände hat, hat Zias Radeh immer gesagt. Gassur, der ehrenwerte Statthalter der goldenen Stadt, der jetzige Gatte ihrer Cousine Malaika tat nicht besser in der Disziplin der Tugend. Obwohl Malaika Hausarest hatte, sie die Familie in Verruf brachte als sie sich noch vor der Bestattung ihres ersten Mannes erneut verlobte, traf Gassur sich heimlich mit ihr. Zusammen mit Salim hatten sie sie in den Ruinen am Strand erwischt. Zias Wohnstuben Fenster bot einen direkten Blick auf Malaikas Haus und nicht nur einmal hatte sie beobachtet wie Gassur sich des Nachts zu Malaika schlich oder diese aus dem Hause.
Des Nachts an den Ruinen hatte sie Malaika zur Rede gestellt, ihr die Meinung gesagt, sie ein schändliches Weibsstück genannt, denn es war gerade Tage her, da Malaika allen eine Szene machte weil die Familie ein neues Oberhaupt wählen wollte, noch vor Rasins Bestattung. Während der Bestattungszeremonie sprach Malaika von ihrer großen Liebe zu Rasin, dies alles während sie sich bereits einem anderen Mann versprochen hatte. Es war eine Farce. In ihrem ganzen Leben ist ihr keine Natifah unter gekommen, deren Leib so voller Heuchelei war. Sie schmpfte Zia ein Biest, meinte sie würde ihr ihr Glück nicht gönnen, da sie selbst in einer unglücklichen Ehe gefangen wäre. Sie war einfach der Meinung, dass nur weil sie verliebt war und Glück suchte dies alles andere rechtfertigen würde. Naiv, wie ein kleines Kind. Lange hat Zia überlegt zu Saman zu gehen, ihm die Unzucht und das Ungehorsam Malaikas zu beichten, doch sie tat es nicht. Tief in ihrem Inneren tat Malaika ihr leid. Sie war eine dieser Natifahs die ohne Mann nicht konnten. Vielleicht fühlte sie sich nicht wertvoll genug, Zia wusste es nicht. Es für Malaika schlimmer zu machen wollte sie jedenfalls nicht. Was hätte es genützt wenn Saman die Verlobung gelöst hätte? Malaika helfen würde es nicht und die ganze Familie hätte noch mehr zu leiden. So beschloss Zia es für sich zu behalten. Gedankt wurde es ihr jedenfalls nicht. Als Gassur die Familie zu der anstehenden Hochzeit eingeladen hatte, erwähnte er gar Zia. Sie hatte damit wahrlich nicht gerechnet, doch musste sie sich eingestehen, dass Freude in ihr aufkeimte als sie davon erfuhr. Vielleicht würde sich all das Unbehagen, alles was war in Wohlgefallen auflösen.
Diese Hoffnung erstickte im Keim als die Familie am Tempel ankam um der Hochzeitszeremonie beizuwohnen. Es war Haroun anzusehen wie unangenehm ihm seine Aufgabe war, die darin bestand Zia mitzuteilen, dass sie bei der Hochzeit unerwünscht wäre. Trotz allem, es war eine Demütigung, das konnte man nicht abstreiten, bestand Zia darauf, dass die anderen der Zeremonie beiwohnten. Niemand sollte behaupten die Yazir würden sich einfach so unterkriegen lassen. Dies war der Augenblick an dem ihre Cousine für sie gestorben war. Sie würde ihr nicht mehr grollen, sie würde sich nicht mehr mit ihr streiten, sich um sie sorgen, sie in Schutz nehmen so wie sie es früher tat. Sie verbannte sie einfach aus ihren Gedanken. Das war so viel einfacher.
Haroun, ein noch so junger Krieger, hatte selbst die Größe um Zia zu besuchen und sich zu entschuldigen. Natürlich gab es nichts wofür er sich entschuldigen musste, er tat nur das worum er gebeten wurde, doch diese Geste rechnete Zia ihm sehr hoch an.
Ihre Gedanken wanderten unweigerlich wieder zu ihrer Fidah. Sie wünschte so sehr, dass diese die gleiche Größe beweisen könnte und sich bei der Sekban entschuldigen würde. So sehr wie nichts anderes.
Verfasst: Mittwoch 24. Juli 2013, 17:01
von Suraya Ayana Yazir
Trubel, Trubel noch mehr Trubel.
Im Hause Yazir war niemals stillstand. Es war aufregend, manches Mal geheimnisvoll, irritierend, aber durchweg immer fühlte sie sich gut aufgehoben.
Zia war immer für sie da gewesen. Nun musste sie es für sie sein. Sie beobachtete genau, und so entging ihr nicht das Zia sich furchtbare Vorwürfe machte ob ihrer Schwester. Nun war es an ihr für sie da zu sein, als Freundin. Aber was ist eine Freundin? Was macht sie aus?
Eine Freundin ist jemand...
...die sich hinsetzt und dir einen Brief schreibt...
Einfach so...
...weil sie weiß, dass du dich darüber freust!
Eine Freundin ist jemand...
...die dich leise und geheim anlächelt...
Einfach so...
...weil sie weiß, dass es dich glücklich macht!
Eine Freundin ist jemand...
...die deine Hand nimmt...
Einfach so...
...weil sie weiß, dass du jemanden brauchst!
Eine Freundin ist jemand...
...die zu dir kommt, wenn du alleine bist...
Einfach so...
...weil sie spürt, das du einsam bist!
Eine Freundin ist jemand...
...die dich liebt...
Und warum...
...EINFACH SO...
[img]http://2.bp.blogspot.com/-nT37EdRObmw/TjrA_lXt26I/AAAAAAAAAEI/KYL_BK7srAo/s1600/503327_789205431_be_H164425_L.jpg[/img]
Verfasst: Donnerstag 25. Juli 2013, 14:49
von Zia Yazir
Müde und schmutzig fiel sie spät Abends in ihr Bett. Sie hatte nicht einmal mehr die Kraft gehabt ins Badehaus zu gehen, dies würde bis zum morgen warten müssen.
Aaminah, eine Tochter der Ifrey wurde seit zwei Tagen vermisst. Scheinbar hat eine der Stadtwachen sie mit einem blonden, bärtigen Nordländer gesehen, seitdem hörte und sah man nichts mehr von ihr.
Zias erster Gedanke war, die Gute wäre durchgebrannt und vergnügte sich weiss Eluive wo mit weiss Eluive wem. Diesen Gedanken schüttelte sie schnell ab, dies schien zu abwegig, zu unwahrscheinlich.
Viel Wahrscheinlicher war, dass Aaminah, sollte sie noch leben, irgendwo in Schwierigkeiten steckte. Mit Besorgniss um ihre Landsfrau mischte sich Wut auf die, die sie festhielten (an den Gedanken, dass sie lebte klammerten sie sich alle) aber auch Wut auf die Natifah selbst.
Wie konnte sie zu diesen so gefährlichen Zeiten so leichtsinnig sein und einfach alleine mit einem Fremden mitgehen. Zia verstand es nicht und sie glaubte auch da müsste mehr dahinter stecken. Vielleicht wurde Aaminah direkt aus ihrem Heim entführt, vielleicht gar waren es ausgestoßene Menekaner, die sie irgendwo festhielten. Allerlei wirre Gedanken schwirrten ihr durch den Kopf während sie in Richtung Bajard trafen.
Sie waren auf der Suche nach Hazar, welche siech selbst alleine auf den Weg gemacht hatte ihre Cousine zu suchen. Es war nicht an Zia für Ordnung zu sorgen, sie war nur eine einfache Jemaat, doch hätte sie die Authorität würde sie die ganzen Natifahs zusammen horten und ihnen eine gehörige Standpauke halten. Im Anschluss würde sie jeder einen Säbel in die Hand drücken und ihnen beibringen sich selbst zu verteidigen.
Als sie Hazar fanden, fiel Zia ein ganzer Berg vom Herzen. Hazar war wohlauf, sie hatte Glück gehabt. Niemand in Bajard hat Aaminah gesehen, so machten sie sich auf den Weg nach Adoran. Doch auch dort hatten sie kein Glück.
Natürlich war der Gedanke am nahe liegendsten die Pantheranbeter hätten etwas damit zu tun also wurden die Soldaten zusammen gerufen und man machte sich auf den Weg nach Grenzwarth.
Sie kämpften sich bis in das Zentrum der Siedlung, doch dort war es wie so oft, wie ausgestorben. Bis auf das entfernte, letzte Zwitschern der Vögel an diesem Abend herrschte unheimliche Stille. Einige wenige Bürger, die passierten konnten oder wollten keine Auskunft geben, daher beschloss man die Suche am nächsten Tag fortzuführen.
Verfasst: Sonntag 28. Juli 2013, 13:13
von Zia Yazir
Von Aaminah keine Spur. Die Garde hat die halbe Welt nach ihr abgesucht. Niemand sah oder hörte etwas. Es war als wäre sie vom Erdboden verschluckt. Langsam breitete sich ein unbehagliches Gefühl der Gewissheit in Zia aus, Aaminah wäre tot. Sollte Eluive die Natifah wirklich zu sich geholt haben, hoffte sie inständig sie würden den Verantwortlichen finden und vierteilen können.
Während Zia wie beinahe jeden Tag in der Werkstatt saß, Pfeile für die Kaserne schnitzte und ihren Gedanken nachging, dachte sie an den vorherigen Abend nach.
Ihre Fidah, Suraya und der ehrenwerte Imraan und sie selbst haben sich des Abends die Zeit mit einem kleinen Spiel vertrieben. Was so harmlos anmutete enthüllte das was Zia bereits vermutet: Imraan hatte Interesse an Anisah. Während sie gestern beinahe erbost darüber war hatte sie nun darüber geschlafen und der Gedanke schien ihr nun nicht mehr so abwegig, nicht mehr so verstörend. Zwar hatte Imraan eine Vergangenheit, mit der er sich nicht rühmen konnte, doch welcher Mann hatte diese nicht? Er war ein Omar, vom edelsten Blute und sollte er einst wirklich ihre kleine Fidah auserwählen wäre dies eine große Ehre für das Haus. Saman würde sich nicht mehr einkriegen vor Freude und sie war sich sicher, dass auch Amar sehr zufrieden sein würde. Ihnen war das Ansehen des Hauses wichtiger als alles andere, dies konnte man ihnen zu Gute halten.
Warum hatte sie aber nur dieses komische flaue Gefühl im Bauch während sie an diese Verbindung dachte? Sie wusste, dass auch Anisah interessiert war. Stets nahm sie Imraan in Schutz und hing während er sprach an seinen Lippen als würde er die ganze Zeit von Wundern sprechen. Sie war jung, unerfahren und leicht zu beeindrucken und auch Zia musste zugeben, dass Imraan gut aussah, dies taten alle Omar.
Schlussendlich musste sie sich einfach eingestehen, dass sie egoistisch war. Sie wollte Anisah nicht verlieren, nicht wie sie schon Khalida an Amar verloren hatte.
Khalida hatte keine freundlichen Worte für Zia mehr über, stets nahm sie ihren Gatten in Schutz, kritisierte sie für Dinge, die nun wirklich nicht ihre Schuld waren oder ignorierte sie einfach. Dass Amar sie hasste, dies hatte seinen Grund, aiwa. Doch auch Zias Hass auf Amar war berechtigt. Sein Auftreten war ihr seit seiner Ankunft in der goldenen Stadt ein Dorn im Auge. Stets arrogant, immer unsymphatisch trat er ihr gegenüber auf. Sie kannte solche Männer zu genüge und ihr Radeh hat ihr immer geraten sich von ihnen fern zu halten.
An diesem Abend, als Faaith und Zia in Amars Haus einbrachen um Khalida zu helfen hätte sie ihn am liebsten umgebracht. Als sie sah wie Amar sie schlug, sie die Würgemale am Hals ihrer Cousine entdeckte ging es mit ihr durch. Sie geriet in eine Rage, die sie niemals zuvor, nicht einmal in der Schlacht, verspürte. Schreiend, mit einer Stimme, die nicht die ihre zu sein schien, stürzte sie auf ihn zu, sprang ihn an und krallte sich in das was sie zu fassen bekam.
Zu Amars Unglück riss sie ihm nicht nur sein Kopftuch vom Haupt, sondern auch eine gute Handvoll Haar. Sie hoffte die kahle Stelle würde nie mehr nachwachsen.
Zu allem Übel, Khalida zuliebe, denn diese war Amar bereits versprochen und sie wollte es für ihre Cousine nicht schlimmer machen als es bereits war, musste sie sich an dem Abend bei Amar entschuldigen. Sie schluckte ihre Wut, ihren Hass herunter und tat es. Er hingegen sah keinen Grund sich bei Faaith und ihr zu entschuldigen. Schlißlich hätte er Khalida beinahe umgebracht, sie ihnen allen genommen.
Amar war ein Schuft, dies stand fest und nichts auf der Welt würde Zia umstimmen können. Doch Khalida schien ihn zu lieben.
Wieso konnte sie sich nicht für sie freuen? Wieso konnte sie sich nicht für Anisah freuen? Weshalb fiel es ihr so schwer ihren Egoismus zu überwinden? Khalida schien trotz allem glücklicher als zuvor und Anisah würde einen Gefährten finden, der sie liebte und für sie sorgte.
Wie niemals zuvor machte sich die Angst darüber sie alle zu verlieren in ihr breit. Khalida, Faaith, Anisah, Suraya, die stets von dem ehrenwerten Karim schwärmte. All ihre Liebsten würden neue Wege gehen und sie zurücklassen. Sie in ihrem Gefängnis von Zwangsehe alleine lassen.
Zia bemerkte die Tränen, welche die vor ihr liegenden Federn benässten nicht einmal. Sie schnitzte einfach weiter und nahm sich wie so oft vor sich zu bessern.
Verfasst: Montag 29. Juli 2013, 17:41
von Suraya Ayana Yazir
Die Augen schlugen auf, direkt prägte sich ein zufriedenes Lächeln auf ihren Lippen. die eigenen vier Wände waren etwas wunderbares. Umgeben von Menschen die ihr wichtig waren, die sie liebte, für sie alles tun würde. Das Haus Yazir hatte ihr ein großes Geschenk bereitet, sie aufgenommen, sie zu einer der Ihren gemacht, sie schätzen sie und sie Sie. Eigentlich hatte sie alle Gründe um rundum glücklich zu sein, aber, eins bereitete ihr Unbehagen. Gar Sorgen. Zia war traurig, ihr ganzes Sein, strahlte traurigkeit aus. Was entging ihr, was sah sie nicht.
Sie beobachtete sie seit geraumer Zeit. Mit Männern hatte sie es ohnehin nicht so. Aber genaus das schien sie Traurig zu stimmen. Ihr Mann, bei Eluive, bestimmt sehr tüchtig. Aber er kümmerte sich nun wirklich nicht um sie, aber ihre Beobachtungen stimmten sie nachdenklich.
Es gab jemanden da verhielt sie sich anders. Anders ihm gegnüber, anders den Natifahs gegenüber. Aber sollte das was zu bedeuten haben? Das konnte nicht sein...und wenn doch?
Den Gedanken schüttelte sie schnell wieder aus ihrem Kopf....und doch....schlich er sich am abend wieder ein. Wieso nur war diese Vermutung so präsent? Sie suchte das Gespräch mit jemanden der Zia schon sehr lange kannte. Jede Reaktion, jede Stimmung, jede Bewegung und Augenaufschlag war ihr bekannt. Könnte sie ihr helfen Zia zu verstehen? Natürlich nicht. Noch mehr Verwirrung. Würde Zia es ihr einfach irgendwann sagen? Sollte sie fragen? Sie würde sich nicht aufdrängen, nur für sie da sein wenn sie es brauchte.
Verfasst: Montag 29. Juli 2013, 22:10
von Zia Yazir
Was für eine Schande, sie wünschte der Boden unter ihr würde sich auftun und sie verschlingen.
Doch erstmal das Gute vorweg.
Aaminah schien wieder sicher im Schoße ihrer Familie zu sein. Man sagte, Althan der irre Bibliothekar aus Grenzwarth hätte sie zurück gebracht. Irgend etwas an dieser Geschichte war krumm, dies konnte Zia spüren.
Die zweite gute Neuigkeit war, dass sie an diesem Tage wie schon so oft zuvor siegreich aus einem Kampf hervorgingen. Die Sekban, Anisah, Zahra und Zia machten sich auf um den Hauptweg nach Rahal zu belagern. Sie waren auf Informationen zu Aaminahs Verschwinden aus, hatten vor einen jeden Händler der auf dem Weg zum großen Basar in Rahal unterwegs war aufzugabeln und ihn auszuquetschen.
Die Bibliothekarin, eine Rahalerin bei der Khalida zuvor Bücher bestellt hatte ist ihnen in die Fänge geraten und so bot man an diese bis nach Grenzwarth zu eskortieren um den Handel zu ende zu führen.
Gerade als sie sich aufmachten in die Heimat zu reiten tauchte eine Gruppe Pantheranbeter an, darunter gar eine stinkende Lethra, die sie bereits zuvor am Tage vertrieben hatten. Als immer mehr Rahaler dazustossten, Zia zählte acht von ihnen, war es an der Zeit zu verschwinden, doch als sie bemerkten, dass der Feind sich zum Angriff wappnete blieb keine Wahl mehr, sie wussten es würde zum Kampf um Leben oder Tod kommen.
Und dann geschah es. Ehe Zia auch nur drei Pfeile abfeuern konnte schlug ein Blitz direkt in ihren Leib und sie verspürte einen stechenden Schmerz in ihrem Unterarm, der ihren ganzen Arm krampfen ließ. Unfähig auch noch einen Pfeil einzuspannen wurde sie von einem weiteren Blitz getroffen, dann noch einen und noch einen und ehe sie auch nur wusste wie ihr geschah wurde alles schwarz.
Noch tobte der Kampf, die Schmerzensschreie der Verwundeten, die Klänge der sich kreuzenden Klingen drangen immer lauter an ihr Ohr als sie wieder zu Bewusstsein kam. Sie versuchte auszumachen wo ihre Fidah sich befand, ob Khalida noch lebte, doch alles was sie sah war der Feind, so kroch sie also ins schützende Dickicht des Waldes und raffte sich auf um fortzukommen.
In die Sorge um Khalida und Anisah mischte sich das peinliche Schamgefühl, die beiden im Stich gelassen zu haben. Noch nie in ihrem Leben ist sie so schnell zu Boden gegangen wie an diesem Tag. Sie dankte der Göttin im Stillen, dass dies niemand sonst gesehen hatte. Es war einfach nur peinlich...
Es blieb ihr nichts anderes als nach Hause zu humpeln und ein ganzer Geröllhaufen rollte von ihrem Herzen als sie ihre Fidah heranreiten sah.
Es glich einem Wunder. Sie waren siegreich und ohne größere Verletzungen davon gekommen. Der Feind war wieder einmal besiegt. Eluive hat ein weiteres mal ihre schützende Hand über das Haus der Yazir gehalten.
Zia würde am Abend einen Korb Früchte, ein Huhn und ein paar Goldmünzen vor den Altar der Allmutter stellen und ihr für ihr Wohlwollen danken.
Nun war es aber erstmal an der Zeit das Badehaus zu besuchen um den Schmutz des Tages und vielleicht auch die Schmach die in ihrer Seele brannte wegzuspülen. Im Anschluss würde sie in die Mine gehen um bei der Arbeit ihren Gedanken nachzugehen. Der Krampf in ihrem Arm hatte sich bereits gelöst und bis auf Kopfschmerzen und ein paar angesenkte Haare hatte sie keine Schäden davon getragen.
Vielleicht hatte sie Glück und Aahil würde da sein. Es war um so vieles angenehmer in Gesellschaft alleine zu sein.
Sie wollte heute nicht Daheim sein, sich weder Amar noch Anisah und nicht einmal Suraya, ihrer liebsten Freundin, die sich so rührend um sie sorgte stellen. Ihre drückende Stimmung ging ihr schon selbst auf die Nerven und sicher haben auch andere dies inzwischen mitbekommen. Sie wollte ihr Geheimnis für sich behalten. Dieses eine mal, nur dieses eine kleine Rätsel würde sie mit niemandem teilen. Es war ganz alleine ihres und mit der Zeit und mit jeder Nacht wurde es unbedeutender bis es irgendwann nur noch eine wage Erinnerung sein würde.
Dafür betete sie inständig.
Verfasst: Dienstag 30. Juli 2013, 14:50
von Faaith Arin Yazir
So langsam konnte sie ihre angekratzten Nerven durch das andauernde und dauernde Warten nicht mehr verbergen. Der Krieg war zum Erliegen gekommen und damit rückten wieder andere Sorgen in den Vordergrund. Eine Zeitlang waren es die Quäreleien zwischen den Familien, jetzt ging es wohl mehr um interne Problemchen.
Doch sie selber, sie hielt sich fern. Sie begleitete die Garde und die Familie auf die Ausflüge, ansonsten zog sie sich aber mehr und mehr aus dem Familienverband zurück. Auch Rashid suchte sie nicht gezielt auf, sie hatten es so ausgemacht und es waren eh immer viel zu schnell Gerüchte im Umlauf. Sie merkte, wie sehr er ihr fehlte und das ihre Laune mit jedem Tag sank, aber sie musste warten, warten und weiter warten.
Sie erledigte ihre Aufgaben im Palast, tobte sich auf der Jagd aus und ging den anderen aus dem Weg. Vielleicht würde es ihr dann leichter fallen, wenn sie die Anklage nicht gewann, wenn sie ihre Unschuld nicht beweisen konnte. Sie wusste sehr genau, dass auch sie an ihrem Schicksal nicht unbeteiligt war. Domar hatte sie häufig geschlagen, und es hatte ihm damals auch keine Gewissensbisse bereitet. Doch hatte sie schon damals ein Vorlautes Mundwerk besessen und wurde biestig wenn man sie zu sehr in die Ecke drängte. Da Domar meist sehr herrisch war und rücksichtslos forderte, hatte er doch einige Mals statt der gewünschten Forderung eine pampige Antwort erhalten. Und sie darauf seine handgreifliche. Damals war es ein latenter Versuch ihrem Vater zu zeigen, dass er die falsche Wahl für seine einzige Tochter war, doch leider wog er den Brautpreis höher auf als ihr Wohl. Und wahrscheinlich war er auch froh seine recht aufmüpfige Tochter in anderen Händen zu wissen. Zurückblickend hatte sie das alles falsch angegangen, aus ihrem eigenen Egoismus heraus, dass sie glaubte einen besseren Mann zu finden. Mittlerweile war sie auch davon überzeugt ihn in Rashid gefunden zu haben, denn auf irgendeine Weise schaffte er es, dass sie ruhiger wurde und (meistens) ihr Mundwerk im Zaum hielt. Sie wollte ihn auf keinen Fall verlieren, auch wenn ihr Hitzkopf immer mal wieder gegenteiliges provozierte.
Wenn Domar nun alles gegen sie auspackte, dann stand sie vielleicht gar nicht so sicher da, wie sie glaubte und sie musste Menek'Ur verlassen und das sogar gemeinsam mit Domar. Kein Wunder das ihre Nerven blank lagen und sie fürchtete bei einem falschen Wort eine große Dummheit zu begehen, die sie in eine noch schlechtere Lage bringen würde. Sie wollte den Yazir auch keine Schande bereiten. Sie liebte sie wie sie ihre leibliche Familie liebte und sie fühlte sich keineswegs mehr als Außenstehnende auch wenn sie sich immer wieder genau dahin stellte. Sie würde wieder anders sein, wenn die Last von ihren Schultern weg war. Wenn sie sich wieder freier fühlte. Dann könnte sie wieder die Faaith sein, die ihrer Familie den einen oder anderen Streich spielte, sich mit Khalida stritt und Zia neckte.
Vorausgesetzt alles ging gut... Bis dahin musste sie aushalten und versuchen nicht auszurasten.
Verfasst: Mittwoch 31. Juli 2013, 22:00
von Zia Yazir
Die Welt stand Kopf.
Seit zwei Tagen beschlagnahmte sie die Küche, legte Lamm in eine Kräutermarinade ein, mahlte Mocca, raspelte Kokos. All das in Vorbereitung auf die kommende Feier zu ehren ihrer Freundin Suraya. Neben den Speisen bereitete sie eine Schüssel Hennapaste vor um Suraya später am Abend das Familienwappen, einen roten Skorpion, auf Surayas Hand zu zeichnen.
Gerade als sie dabei war die Küche aufzuräumen ertönte die Hausglocke. Sie war doch schon recht überrascht Imraan vor dem Tore anzutreffen, schließlich war ihre Fidah nicht daheim.
Erst zwei Abende zuvor hatten Anisah und Zia im Garten des Anwesens über die Ehe gesprochen. Obschon Imraan Anisah offensichtlich zugetan war wollte er nicht heiraten.
Anisah war betrübt und so nahm Zia all ihren Mut zusammen und beratschlagte sie darin, wie sie Imraan umstimmen könnte. Jeder Mann wünschte sich Söhne sagte sie, Anisah könnte ihm sein Bett wärmen, ihn umsorgen, ihm bei öffentlichen Auftritten zur Seite stehen. Die Ehe hatte so viele Vorteile, dies müsse er doch einsehen.
Nichts, sprichwörtlich nichts war Zia wichtiger als das Glück ihrer kleinen Schwester.
Innerlich jedoch brannte sie. Jedes Wort, dass sie sich abmühte, versuchte überzeugend vorzubringen, kostete sie unbeschreiblich viel Kraft. Sie würde nicht nur Anisah verlieren. Ihre Schwester würde den Mann heiraten der als einziger freundlich zu Zia war, den Mann dessen blaue Augen sie bis in ihre Träume verfolgten. Es fühlte sich an als würde Feuer durch ihre Adern fließen, als hätte ihr jemand die Luft zum atmen genommen.
Natürlich war es albern. Abgesehen davon dass es nicht sein durfte, niemals sein würde liebte Imraan ihre Fidah, dies wusste sie. Und sie wusste es seit geraumer Zeit, dennoch hat sie mit dieser schnellen Entwicklung nicht gerechnet. Es war erst ein paar Tage her, da kannte Anisah Imraan kaum und nun....
Als Imraan ihr mitteilte er wolle mit Zia sprechen, ahnte sie es bereits. Sie bat ihn hinein und er kam gleich zu seinem Anliegen.
Man musste ihm zugute halten, dass er ehrlich an Zias Gedanken interessiert war. Er wollte wissen wie sie dazu steht, wenn Anisah und er sich das Versprechen gäben. Sie sagte was zu sagen war. Natürlich würde sie den beiden beistehen, selbstredend freute sie sich für sie, Imraan war ein guter Mann, ihre Schwester hätte es weitaus schlechter treffen können. Und er war ein Omar! Sie gab Imraan ihren Segen und als dieser schließlich fort war konnte sie sich das erste mal wirklich ihren Tränen hingeben. Das erste mal erlaubte sie sich schwach zu sein, ihre Fassade zu verlieren. Sie schallte sich eine Narrin, sie bat Eluive um Vergebung für ihre sündigen Gedanken und dann ergab sie sich einfach nur noch ihrem Selbstmitleid. Niemand würde es sehen und nur dieses eine mal, für diese wenigen Augenblicke wollte sie den Schmerz, ihre Einsamkeit, die Angst darüber ihre Fidah zu verlieren im vollen Ausmaß spüren.
Niemand war im Haus und als die Welle ihrer Verzweiflung langsam verebbte machte sie sich erneut an die Hausarbeit.
Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Amar so früh am Tage bereits im Haus sein würde und so erwischte er sie, wie sie immer noch verheult da stand und in einer Truhe wühlte.
Niemals im Leben hatte sie damit gerechnet, dass ausgerechnet er Verständnis für sie hätte und sie wusste auch nicht was in sie gefahren war, doch plötzlich verspürte sie den dringlichen Wunsch sich jemandem anzuvertrauen. Er war da, stand direkt vor ihr und nahm sie, ohne zu wissen was mit ihr los war in den Arm.
Unwirklicher hätte die Situation kaum sein können. Sie stand da, in den Armen des Mannes den sie noch vor wenigen Augenblick am liebsten ermordet hätte und benässte mit ihren Tränen seinen Kaftan. Sie gestand ihm alles. Zuerst erzählte sie ihm von dem Vorhaben Imraans bei Amar um Anisahs Hand anzuhalten. Natürlich war dieser vor Freude überwältigt, bekam gar selbst glasige Augen bei dem Gedanken an die Ehre, die dem Hause zukommen würde. Doch dann gestand sie ihr Geheimnis.
Anstatt sie zu rügen sie gar zu schimpfen flüsterte er ihr Worte des Trostes ins Ohr. Zia hatte wirklich das Gefühl im falschen Theaterstück gefangen zu sein. Er versprach dies niemals jemandem zu erzählen, Anisah würde nie davon erfahren. Noch wusste sie nicht ob sie ihm wirklich vertrauen konnte, doch die Worte waren gesprochen und sie konnte sie nicht mehr zurücknehmen. Sie konnte nur darauf vertrauen, dass dies niemals an die Ohren ihrer Fidah oder die von Majdy dringen würde.
Genug des Beklagens mahnte sie sich. Sie wischte sich das Gesicht ab, atmete ein paar mal durch und blickte mit Fassung in Amars Augen. Es mussten andere Dinge besprochen werden. Surayas Namenstaufe, ihre zeremonielle Aufnahme in den Schoss der Yazir würde morgen sein und als Amar beklagte er könne so früh am Abend nicht beiwohnen, trug er ihr auf den Termin um eine Stunde zu verschieben.
Zia wusch sich ihr Gesicht, richtete ihr Haar, zog etwas gebühriges an und machte sich auf den Weg zum Basar um die Nachricht auszuhängen.