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Wenn Freunde Feinde werden...

Verfasst: Samstag 20. Juli 2013, 17:48
von Alin



  • Und selbst wenn ich dich nie vergessen werde,
    heute Abend werde ich die Erinnerungen an dich gehen lassen.

    Aura Dione - Friends

Ich saß eine ganze Weile da, in den frühen Morgenstunden und betrachtete das kleine Pergament in meinen Händen. Ich erinnerte mich dabei an die Worte Linejras, dass sie mich so bewunderte und wie ich das alles so durchstehen könnte. Jene Erinnerungen trieben mir ein Schmunzeln ins Gesicht und der Spott, in dem Fall über mich selbst, zog sich über meine Züge. Ich war natürlich nicht so stark, wie ich es nach außen vorgab zu sein. Aber das Wichtigste war eben, die Leute davon zu überzeugen, dass es eben so ist. Früher hatte ich mich immer mit Thanaya oder Florentine unterhalten. Letztendlich waren beide für mich unerreichbar geworden. Es gab also nur noch meinen Mann, der nun selber eine Aufgabe in seinen Händen trug und meine Sorgen nicht immer schleppen sollte. Also schwieg ich. Ich schwieg darüber, von wem diese Information in meinen Händen stammte. Ich riss die Unterschrift ab, als ich sie zum ersten Mal sah. Das bedeutete nicht, dass ich sofort begriffen hatte, um welchen Boten es sich dabei handelte. Das fiel mehr erst viel später ein. Was nur dazu führte, dass ich richtig entschieden hatte, was die Vernichtung der letzten zwei Zeilen des zerfledderten Pergamentes anbelangt.

Ich hatte es nie so wirklich verkraftet, dass sie weg war. Eigentlich habe ich mich immer zwischen Hass und Vermissen hin und her bewegt. Ich hätte sie oft gerne bei mir gewusst, in Momenten, als ich an meine Grenzen stieß, was mein Amt anbelangte. Ich hätte sie gerne so viel gefragt und ich wusste, würde ich sie jemals wiedersehen, würde wohl keine dieser Fragen über meine Lippen dringen. Ich würde mich lediglich mit mir selbst beschäftigen, ob ich ihr nun einen Dolch in die Kehle rammen sollte oder meine Arme um sie legen. Das würde vermutlich so lange dauern, bis der Ketzer mich ergriff und in meine Schranke wies. Ich ging zumindest nicht davon aus, dass sie lange Zeit alleine weilte. Bedauerlicherweise ist mein Gesicht bekannt, all meine Gesichter und ich habe nicht einmal wirklich mehr die Befugnis, ins Ketzereich zu gehen. Ich war nun die, die Leute hingehen ließ, statt mir selber die Finger schmutzig zu machen, wenn man so will. Jedoch brachten mich all diese Erkenntnisse nicht dazu, was ich von diesem Pergament halten sollte. Wieder legten sich meine Augen über die Zeilen und wieder versuchte ich Worte zu finden, die nicht dort standen.

Konnte ein Feind ein Freund sein? Oder was sollten diese Zeilen, was kümmerte sie sich noch darum? Es machte mich wieder einmal wahnsinnig, dass ich nicht verstand, was sie wollte. Ich konnte es nicht einmal wem sagen, weil es eh nichts geändert hätte. Doch erklären konnte ich es mir auch nicht. War die Hoffnung noch nicht verloren oder war das einfach eine typische Marotte von ihr, mir zu zeigen, wir unfähig ich bin oder wie unfähig das Reich ist? Oder sollte tatsächlich guter Wille dahinter stecken? Während all diese Fragen durch meinen Kopf schossen, knautschte sich das Pergament in meinen Händen immer mehr zusammen. Eventuell sollte ich ihr einfach schreiben, eine nette Antwort, die nicht verdeutlicht wie sehr ich sie hasse, wie sehr ich sie mag. Irgendwelchen wirren Kram, aus dem sie genauso wenig schlau werden würde, wie ich aus ihrem.

Was für ein Spiel spielte sie mit mir und wollte ich wirklich den nächsten Zug setzen?