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Dient oder ihr landet im Dreck
Verfasst: Dienstag 16. Juli 2013, 15:30
von Lydia Dorn
Abseits in der Taverne saß sie, die roten langen Haare hingen ihr ins Gesicht. Lydia war schlank und groß gewachsen, dennoch hatte sie bei weiten keine Anmut eines Elfen. Mit 18 Jahren war sie in der Blüte ihrer Zeit und trotzdem saß sie alleine in der Nische der schäbigsten Taverne im rahaler Hafenviertel. Gedanken verloren starrte Lydia auf den fast leeren Krug Wein vor sich. Normalerweise war sie stets der Mittelpunkt in der Taverne, feierte, lachte und tanzte. Viel hatte sie in ihren Leben nicht gelernt, aber dass man die Feste so Feiern soll, wie sie fallen hatte sie verinnerlicht. Jetzt war ihr alles andere als Feiern zu mute.
„Im Tempel wird dir geholfen“ – der Nächste der diesen Satz aussprach…. kurz ballte sie ihre Hand zur Faust. War es Schicksal? War es das Gespür des Clericus oder war es ihre anziehende Ausstrahlung für Männer, wie auch immer.
Mitten in der Taverne am Marktplatz traf sie ihr Schicksal - Clericus Althan
Am Ende stand eine Drohung im Raum – „entweder ihr Dient oder ihr landet im Dreck“. Sie kannte den Dreck gut: die Gosse – Kämpfen ums überleben, hungern, stehlen, gejagt von der Garde, das
Gesindel und dass als Frau in der Blüte ihrer Zeit. Lydia schloss die Augen, alte längst verdrängte Erinnerungen kamen wieder hervor. Der Gestank nach Schweiß, schwielenbehaftete Hände überall…
„Wollt ihr noch einen Wein?“
Lydia schreckte auf, kurz bedachte sie den Wirt mit einem unfreundlichen Blick, bis dieser wortlos von dannen zog. Lydia war heute wirklich nicht gut drauf, wie auch. Alles was sie sich erarbeitet hatte könnte sie jetzt verlieren. Dienen oder im Dreck landen.
Die Frau neben Althan war eingeschüchtert, hatte Respekt. Hatte Angst? Vielleicht sollte Lydia weg gehen, fliehen, Rahal hinter sich lassen, wie schon vor vier Jahren. Reichte das überhaupt? Der Clericus wirkte nicht gerade vergesslich oder nachlässig in seiner Arbeit. Zwei Wochen als Leibwache, Lydia musste fast laut los lachen. Natürlich Leibwache….
Vielleicht sollte Lydia ihn töten oder doch fliehen? Oder ihn verkaufen? Würde er einen guten Preis erzielen, würde es sich lohnen? Tod oder lebendig, vielleicht reicht auch nur der Kopf?
Althan wirkte nicht gerade so als wäre er ein einfaches Opfer, und er war DER Clericus. Wer wusste schon welche Zaubertricks er auspackte. Je mehr sie nachdachte umso schmerzlicher empfand sie diese Begegnung. Es war momentan unausweichlich, vielleicht blieb ihr nichts außer abwarten und beobachten. Zwei Wochen konnten doch nicht so schlimm werden, allerdings war er der Clericus und Lydia nur eine Unbekannte, ein Nichts für jemanden der so viel Macht besaß. Ein totes Nichts vor allem, wenn er raus fand das sie nicht an Alatar glaubte.
Sie glaubte nicht, glaubte nie an irgendjemand anderen als an sich. Jeder Mensch barg nur Enttäuschungen, log wenn er den Mund aufmachte und tat nichts außer für sich selbst. Wozu dann an jemanden Glauben, das Einzige was zählte war momentan – Dreck oder Dienen.
Dienstantritt bei Sonnenaufgang... sie hasste Althan jetzt schon.
Verfasst: Freitag 26. Juli 2013, 13:37
von Lydia Dorn
Mit einem Stöhnen ließ sich Lydia auf einer Bank im Tempel Alatars nieder. Ihr Körper schmerzte, der Kopf dröhnte, einzelne Gliedmaßen waren mit Schrammen und blauen Flecken übersät. Die Beule am Kopf ist wohl ein schönes Andenken für die nächsten Tage. Das war der erste Tag …. Willkommen im Alptraum.
Althan, sie hasste diesen Mann. Sie hatte die Abneigung schon recht früh gespürt. Dieses Verhalten eines Oberlehrers, diese Machtfülle die ihn begleitet, als könne er mit Leichtigkeit über ihr Leben entscheiden. Aus jeder Pore, aus jedem gesprochenen Wort stand er für all die Dinge die sie hasste.
„Kenne deinen Platz…. Demut, Ehrfurcht, Respekt, Gehorsam“ - alles Gebote… Regeln… wie sie all das hasste.
Lydia merkte wie ein Tempeldiener sie mit einem verächtlichen Blick strafte. Welches Gebot hatte sie jetzt wieder missachtet? Der Tempel war riesig, überall Lobpreisungen an Alatar.. sie fühlte sich auf einmal so klein, unbedeutend, winzig… das riesige Gebäude erdrückte sie, nahm ihr die Luft zu atmen…. sie musste raus... schnell… sie stürzte aus dem Tempel, hinaus an den Wachen vorbei an die frische Luft. Die Sonne begrüßte sie am freien endlosen Himmel.
Tief zog sie die frische Luft in ihre Lungen, es dauerte einige Minuten bis sich ihre Atmung wieder normalisierte, der Puls wieder seinen normalen Schlag aufnahm und die Gedanken wieder klar wurden.
Sie blickte gen Westen zum Hafenviertel vielleicht war Ihr Ende schon vorbestimmt. Der Dreck, die Gosse, wieder zurück zum Anfang. Zum grässlichen Anfang ihres Lebens. Ihre Nackenhaare stellten sich auf…
„Kann ich Ihnen helfen?“
Der Tempeldiener, dieses Mal sah er freundlicher aus, ihn umspielte ein typisches Lächeln. Also doch, Tempeldiener waren auch Männer…
Der Mond schien durch das Fenster auf den nackten Oberkörper des Tempeldieners. Ein Jüngling, schmal und nicht gerade ihr Typ, dennoch brauchbar und so belesen… ein Tempeldiener eben. Seine Unterkunft war nicht gerade gemütlich, eher schlicht und wenig pompös. Leise stand sie vom Bett auf, sie hatte alles was sie brauchte um ihre Aufgabe als erledigt an zu sehen. Wenigstens hatte er sich reichlich Mühe gegeben ihr die Gebote Alatars zu erklären.
Den ganzen Abend wiederholte er die heiligen Texte, dass ganze hatte natürlich seinen Preis, sonst wäre er kaum so geduldig und ausführlich gewesen. In der Gosse lernt man nicht viel, aber wie man überlebt und sich gewissen Umständen anpasst eben schon. Vielleicht musste sie nur die gläubige Schülerin vor spielen. War das der Weg um das Schamassel ohne größeren Schaden zu überleben. Aber dafür benötigte sie mehr, wie nannte es Althan? – Perfektion.
Vorsichtig glitt Lydia wieder ins Bett, schmiegte sich an den jungen Tempeldiener und flüsterte ihm ins Ohr. „Wie war nochmal das zehnte Gebot?“
Verfasst: Samstag 27. Juli 2013, 07:11
von Benedict Weber
Fast zwei Wochen waren ins Land gegangen wo er sich ihrer angenommen und ihr das Leben wirklich zur Hölle gemacht hatte. Das frühe Aufstehen noch vor Sonnenaufgang und seine Forderung sein stetiger Schatten zu sein. Er unterrichtete sie nicht wirklich durch Worte sondern eher durch sein Tun und Handeln. Sicher ging er dabei vor, seiner selbst und der Gabe des Alleinen als eine Gunst nutzend effektiv und tödlich, wenn es sein musste. Furcht kannte er nicht, hatte er nie gekannt.
Althan hatte erkannt, dass jene Frau wenig Interesse dafür zeige was gesprochen wurde, sondern eher Taten sie erreichen würden, sie brauchte ein Ziel ein Vorbild vielleicht, dem sie nacheifern konnte oder versuchen würde es umzubringen. Er wollte dass sie sich aus diesem Dreck den sie mit sich herumtrug erhob und ja, sie solle wachsen. Sie hatte inzwischen erkannt, dass er immer da war, um sie dazu zu bringen sich wieder zu erheben und weiter zu gehen.
Schmunzelnd musste er an ihren zornigen Gesichtsausdruck denken, als er sie zu Fuß durch das halbe Reich bis zur Grotte wandern lies. Diesmal war es anders keine Kampfesübungen dennoch genauso fordernd, wenn auch in völlig anderer Hinsicht. Was sie dort in der Grotte erwartet hatte würde ihrer beider Geheimnis bleiben erst Stunden später erreichten sie beide den Ausgang.
Sie hatte sich für ihre Verhältnisse gut geschlagen und überlebt, sich schlichteweg geweigert aufzugeben. Er hatte es mit einer gewissen Zufriedenheit gesehen. Ja, darauf konnte man aufbauen...
Verfasst: Freitag 9. August 2013, 10:17
von Lydia Dorn
Zwei Wochen Demütigung und Schmerz. Am Anfang waren die Aufgaben, danach folgten die Taten. Hatte der Clericus bemerkt dass die Worte Lydia nicht erreichten, hatte er gemerkt das Lydia’s Glaube an Alatar nicht existent war. Einzig der Hass und der Zorn verbanden beide, auch wenn es andere Beweggründe gab. Und doch schufen so viele Worte eine Kluft.
„Dir zu dienen…“
Dienen? Lydia will nicht dienen, sie war schon immer ihr eigener Herr, sie genoss die Freiheit und war nicht bereit diese aufzugeben für eine Sache, für einen Gott, für einen Glauben der sie weder berührte noch im Kern irgendwas versprach. Die Freiheit versprach Reichtum, Glück und Spaß. Was versprach Alatar? – Pflichten, Aufgaben, Stunden im Tempel und im Gebet. Texte und Worte, die von Selbstaufgabe, dem Streben nach was Größeren und Ehrfurcht predigten.
Hatte Althan es gemerkt? Lydia war stets mit Worten karg, war sie selbst und redete kaum. Wozu etwas vom großen Glück vorspielen, so tun als wäre sie dazu geboren, ihm eine verwandelte oder besser gesagt geläuterte Person vorspielen. Dennoch kannte sie nun die Gebote, ihren Sinn und verstand mehr vom Glauben, von Althan und den anderen Anhängern. Sie konnte sich nun… besser anpassen, eine Fassade zeigen.
Die Zeit war ermüdend und anstrengend, sie musste eingestehen dass sie diesen Mann unterschätzt hatte. Ein Stückweit bewunderte sie Althan, er eilte von Termin zu Termin, von der Früh bis in die Nacht. Im Tempel beten, Sitzungen abhalten und vieles mehr. Und wie oft hatte Lydia ihn begleitet, stand vor der Tür wache, musste im Tempel mit beten und stand oft nur da. Von wichtigen Gesprächen und Sitzungen bekam sie nichts mit, hätte sie auch gewundert und dennoch hatte sie jetzt ein besseres Bild vom Ganzen.
Jetzt war es vorbei, irgendwie bedauerte sie es. Sie war Frei und nun?
Verfasst: Samstag 10. August 2013, 07:54
von Benedict Weber
"Freiheit ist zu tun, was getan werden muss."
Wenn ich die vielen Menschen im heiligen Reich betrachte, dann sehe ich viele die reden was getan werden muss, die nach den Geboten leben und danach streben Perfektion in ihrer Vollendung zu erlangen, doch sehe ich auch, dass viele jener reden und nichts tun. Es scheinbar nicht getan wird, oder getan werden kann. So stelle ich mir die Frage, muss es gerade jetzt getan werden oder gibt es Dinge die wichtiger sind?
Oft haben wir das Gefühl es nicht zu können, oder schieben es vor uns her darauf wartend, dass die Höheren uns jene Entscheidung abnehmen. Doch ist es nicht eher so, dass der Alleine auf unsere Taten sieht uns allein nach dem beurteilt was wir für Sein Ziel Erfüllung leisten?
Er lebte es ihr vor, opferte alles was er hatte für das Reich und Sein Ziel und lies sie erkennen, dass es immer weiter geht und man selbst wenn man alles bereit ist zu geben seine Grenze noch lange nicht erreicht hat. Sie hatte das Wissen an die Hand bekommen und nun lag es an ihr die Erkenntnis zu gewinnen, dass auch sie Teil des großen Ganzen war und es an ihr lag jenem Land ihren Stempel aufzudrücken. Die Zeit würde es zeigen, ob sie mit dem was sie hatte leben wollte, ob sie die Bequemheit und Sicherheit schätzte oder ob sie mehr erreichen wollte. So ist es nur eine schmale Befriedigung ein Ersatz ohne wirklich zu LEBEN... er war gespannt, wann sie die Erkenntnis darüber erlangen würde.
Seit mehreren Tagen, nachdem er sie aus seinem Dienst entlassen hatte war er wohl nicht mehr gesehen worden, der Clericus schien wie vom Erdboden verschluckt.
Gibt mir Wein… mehr Wein…
Verfasst: Dienstag 13. August 2013, 07:43
von Lydia Dorn
Gibt mir Wein… mehr Wein…
Wer Lydia kannte musste verwundert feststellen zu was sie im Stande war. Mit genug Wein im Blut wurde Lydia zu einem anderen Menschen. Lachen und Tanzen war ihr auf einmal nicht mehr fremd. Sonst sprach sie kaum, lächelte selten und war nicht gerade ein beliebter Gesprächspartner, aber der Wein brachte unbekannte Fähigkeiten hervor.
Sie wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. Wein kann so wundervoll sein, aber der nächste Morgen… nie mehr Wein. Der Schädel brummte, der Magen spielte ihr übel mit und sie musste sich schon wieder übergeben.
Der Sold, den sie sich für die zwei Wochen Leibwache bei Althan verdient hatte, reichte mindestens noch für vier weitere Tage. Noch vier Tage unbeschwertes Leben, das war nach ihrem Geschmack.
Hinter ihr rülpste es laut und die schwere Gestalt erhob sich vom Bett. Nur schemenhaft erkannte sie die männliche Gestalt, aber das reichte schon. Oh liebster Wein, du verwandelst oft die hässlichsten Kerle zu den wunderbarsten Prinzen.
Ist das jetzt alles? Wein, Männer und lustige Abend. Den verdienten Sold raus werfen… Drei Tage hatte sie jetzt so verbracht und war dem ganzen überdrüssig. Gelangweilt von den tiefsinnigen Gesprächen die zur später Runde mit viel Wein geführt wurden. Die Bekanntschaften widerten sie an, der Wein, die Vorfreude auf die nächsten Abend verflog. Irgendwie machte es keinen Sinn mehr, unweigerlich musste sie an Althan denken – an sein Angebot.
Nochmal Leibwache? Der Sold war gut, die Arbeit…. Aber erst mal musste sie ihren Rausch ausschlafen, es reichte ja auch wenn sie sich am nächsten Morgen auf den Weg machen würde. So wie sie heute aussah würde Althan … Nein so dürfte Althan sie nicht zur Sicht bekommen.
Der nächste Morgen – ungewohnt nüchtern aufzustehen und das auch noch vor Sonnenaufgang. Lydia packte ihre Sachen zusammen, Schwert, Dolch, ihre Rüstung und etwas Proviant. Spät nach Sonnenuntergang würde sie wieder in ihr Bett fallen und sie würde Althan dafür hassen, aber irgendwie machte es ihr in dem Moment nichts aus.
„Wo war der Clericus Althan?“ – niemand wusste es. Niemand konnte sagen, wo er war oder was er tat. Seltsam, normalerweise war der Clericus leicht zu finden. Lydia ritt alle Möglichkeiten ab, ab er war nicht zu Hause, nicht in Düstersee, nicht in Rahal, nicht im Tempel.…
Spät kam sie wieder zurück in der Taverne, nahm kurz etwas zu sich und verschwand ohne Wein, Feier und Begleitung im Zimmer. Sie würden morgen wieder suchen und am nächsten Morgen und am übernächsten und… auch wenn ihr Hintern vom vielen Reiten schmerzte und sie Althan jetzt schon dafür hasste..
Verfasst: Montag 26. August 2013, 18:30
von Lydia Dorn
Da stand er, Althan.
Mitten in Rahal, als wäre er nie weg gewesen marschierte er durch die Straßen von Rahal. Sie war überrascht, kam sich komisch vor. Wieviele Tage hatte Lydia im Sattel verbracht? Machte Land und Leute verrückt. Wie oft ritt sie zum Tempel, durch Düstersee, Rahal, Grenzwart…..
Und dann ? Dann stand er plötzlich da. Gab Tadel und klare Anweisungen, ganz wie der Alte. Nur minimal waren die Unterschiede zu vorher. Er wirkte ausgemergelt, die Augenringe waren größer geworden. Waren das nur die normalen Anstrengungen seines Lebens oder war mehr passiert?
Den Aushang am Tempel hatte sie vernommen, nicht gelesen. Lesen konnte sie nicht, aber anpassen. Sie stand vor dem Schreiben, Nickte nur kurz und ging weiter, später mischte sie sich kurz unter die Leute. Horchte was sie sprachen und zählte eins und eins zusammen.
Es brannte ihr auf den Lippen, sie wollte ihn fragen. Wo war er… Was war passiert... Weshalb der Tempel… - Nein, es stand ihr nicht zu.
Außerdem würde er sowieso nicht antworten. Das war nicht seine Art und wozu auch, er war ihr keine Rechtfertigung schuldig. Es war außerdem nicht wichtig.
Wichtig war, dass sie ihren neuen alten Auftrag wieder hatte. Sie war wieder zurückgekehrt an die Seite Althan’s, hatte ihren Dienst zurück als Leibwächterin. Eine Aufgabe, einen Sinn, eine Zukunft oder zumindest ein Anfang. Es war ein festes Einkommen, sie konnte das Hafenviertel hinter sich lassen, etwas Besseres leisten, ein Aufstieg, das war nach ihrem Geschmack.
Aber jetzt hatte sie noch einige Aufgaben… und eine davon konnte schnell enden….