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„Schau mal, eine Kröte!“

Verfasst: Dienstag 16. Juli 2013, 15:04
von Gast
Als sie zu sich kam, dröhnte der jungen Frau der Schädel. Die Augen wollten sich kaum öffnen lassen und als sie es taten, drehte sich alles vor ihnen. Gnädigerweise erfüllte den Raum, in dem sie erwachte, ein dämmeriges Dunkel. Sie unterdrückte ein aufwallendes Gefühl von Übelkeit, richtete sich zu einer halb sitzenden Position auf und versuchte, mit dem Blick einen Punkt festzuhalten.
Da war ein Geräusch ganz dicht links von ihr. Ein paar Schuhe, auf der anderen Seite eines Gitters. Irgendwas ist mit dem einen Fuß. Schwindel überkam sie und um nicht einfach zurück auf den Boden zu sinken, von dem sie nur eine Schicht von Stroh trennte, verlagerte sie das Gewicht und lehnte sich an die Metallstäbe.

Schuhe. Ja, der Alte! Die Kameraden in Berchgard. Der Sire.


Sie hatte den Mann in Berchgard angetroffen. Einen älteren, grauhaarigen Kerl namens Jonathan, der sich auf einen Stock stützte. Obgleich sie schon auf dem Weg war, den Dienst antreten zu wollen, willigte sie ein ihm zu helfen: Seinen Neffen suche er und habe sich auf dem Weg zum Kloster verirrt, gab er an.
Auf dem Weg nach Adoran wollte sie ihm die richtige Abzweigung zeigen und sich dann beeilen, um noch mit den Kameraden, die sie kurz am Osttor Berchgards getroffen hatten, an einer Kampfübung teilzunehmen. Auch dem Sire von Schwertfluren waren sie, zu Marjories großer Freude, über den Weg gelaufen. Doch dann war doch alles anders gekommen.
„Schau mal, eine Kröte!“
Noch ein wenig vor der Stelle entfernt, wo der Weg rechts in Richtung Kloster abzweigte, lenkte der Alte sie kurzzeitig ab und schnappte plötzlich nach ihr... eine Rangelei hatte sich entsponnen, daran erinnerte sie sich.
So ganz wehrlos war Marjorie selbst unbewaffnet nicht, immerhin wurde im Regiment für den Kampf ausgebildet. Aber arglos, wie der Mann schien, hatte sie den ersten Fehler – ihm den Rücken zuzukehren – schon begangen. Er war nicht gebrechlich und schon gar nicht schwach.
Den Gehstock, den der Angreifer zuerst noch an ihre Seite presste und nutzen wollte, um sie am Fliehen zu hindern, musste er ins Gras werfen, um sie trotz des erbitterten Widerstands umklammern zu können. Seine Hand wollte ihr dann ein Tuch auf Mund und Nase pressen... mit einem verdächtig stechenden Geruch, der alle Alarmglöckchen in ihrem Kopf schrillen ließ und den Körper mit mehr als dem füllte, was sie sonst an Kräften aufbieten konnte.
So hatte ihr verzweifelter Versuch, seinen Griff durch einen ablenkenden Schmerz zu lockern, ihm vermutlich mindestens eine Zehe gebrochen. Vielleicht würde er ein paar Tage humpeln.
Trotzdem war es dem Mann schließlich gelungen, ihre zermürbenden, vergeblichen Abwehrversuche zu unterbinden und ihr die Hand so vor die Atemöffnungen zu drücken, dass sie unweigerlich durch das mit seinem Mittel getränkte Tuch Luft holen musste … wenn sie nicht ersticken wollte. Von den Seiten des Blickfelds her begann der Weg zu verschwimmen. Sie wollte noch nach dem vergessen im Gras liegenden Gehstock greifen, doch zu spät. Der Wald dahinter? Ein … dunkler Abgrund, der immer weiter auf sie zuzog, schneller, als sie nun fühlte, wie man sie rückwärts davon weg schleifte. Schließlich das Gefühl, ins Bodenlose zu fallen und ...Schwärze.

Schuhe.
Als sie den Blick bis zum Gesicht des Fremden hinaufwandern ließ, der in den Schuhen steckte, und die Augen zwang sich im Halbdunkel darauf zu fokussieren, revoltierte ihr Magen, und kurz fragte sie sich, ob sie ihm einfach auf die Füße kotzen würde. Das Gesicht kam ihr höchstens vage bekannt vor. Der Alte war es jedenfalls nicht.
Eine Feldflasche tauchte zwischen den Gitterstäben auf und schwebte dort, bis ihr die zu dem Mann gehörende Hand bewusst wurde. Jetzt sprach er, aber alles drang nur wie durch eine dicke Schicht Watte zu ihr durch. Ihre eigenen Versuche, sich verständlich zu machen, wurden auf dem Weg vom Gedanken in ihrem Kopf bis zu dem Wort auf ihren Lippen so verzerrt, dass sie es vorerst aufgab.
Geistesgegenwärtig streckte sie die Hände aus und ergriff die Flasche, schaffte es auch, zwei oder drei Schlucke daraus zu trinken. Wie zufällig setzte sie die Flasche auf der anderen Seite ab, fern des Gitters und Händen, die sie ihr womöglich wieder wegnehmen wollten. Langsam ließ das Schwindelgefühl nach, aber die Übelkeit blieb.
Etwas von „Schmerzen“ drang bis an ihr Ohr. Und ein Name.

Nein, es war kein Traum... und ebenso wenig der schlimmste Kater, den sie je gehabt hatte. Ganz allmählich kehrten noch mehr Fetzen von Erinnerung zu Marjorie zurück, bunt und bildhaft, wie um ihr die eigene Dummheit nur umso deutlicher vor Augen zu führen. Sie tanzten hinter ihren Augen einen Reigen, wisperten mit koboldhaften Stimmen und lachten sie aus.


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  • So fest sitzt keiner, ward er erst gefangen,
    wie der aus Witz in Torheit eingegangen.
    William Shakespeare
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Verfasst: Dienstag 16. Juli 2013, 21:19
von Aki Orikson
Die Stundenläufe ziehen an ihm vorbei und es wird immer später. Die einzige, wirklich interessante Veränderung, die Aki wahr nimmt, ist die Bewegung der Sonne. Auch im Schutz des Vordaches erreichen ihn immer wieder ein paar Tropfen des Nieselregens, der nahezu jede volle Stunde für ein paar Augenblicke einsetzt. Verdammter Regen. Wenn du noch länger warten musst, zerstört das deine Verkleidung.
Der Tag hat mies begonnen und bisher kündigt sich keine verheißungsvolle Wendung an. Die junge Frau Weilnau hockt mit einem Kerl, den er als Ernst erkennt an dem Teich vor ihrem Haus, als Aki dieses findet. Wem sollte diese Heilerstube auf den Namen Weilnau sonst gehören, wenn nicht der Feldheilerin des Regiments. Passenderweise hat sie sich – wie die Aufschrift des Schildes verrät – mit Florentine zusammengeschlossen. Er konnte sich noch bildlich an Lana's Reaktion erinnern, als sie Florentine lauthals als Verräterin beschimpft hatte. An eben jenem Abend hatte er Bekanntschaft mit der kleinen, entzückenden Heilerin gemacht. Er hasst Begegnungen mit dem Regiment, vor allem wenn diese derart gefährlich ausarten. Aber da ihn nach der Durchsuchung und Befragung niemand im Verdacht hatte, konnte er das unschöne Ereignis als Inspiration sehen, neue Kontakte zu knüpfen.

Da Heiler bekanntlicherweise hilfsbereite, gutherzige Menschen sind, hat er sich in eine abwegige und deshalb umso effektive Verkleidung gesteckt. Trotz seiner chronischen Ungeduld hatte er einige Momente unter den geübten Fingern ausgeharrt, die ihm Falten ins Gesicht zauberten und Altersflecken auf die Hände. Die gebräunte Haut wurde deutlich heller gestaltet, in einem kränklich wirkenden Farbton. Mit etwas Haarwuchsmittel und Farbe wurden Haare und Bart ergraut und so zurecht gezüchtet, dass die markanten Gesichtszüge etwas unkenntlicher erscheinen. Auf dem Weg zur Kutsche perfektionierte Aki die leicht gebückte Haltung, halb auf den Stock gelehnt, der ihm als Stütze dient. Man musste ihm abkaufen, dass er ohne diesen zusätzlichen Halt nicht im Stande wäre zu laufen. Das Verschmelzen mit einer erdachten Persönlichkeit, stellt für ihn schon lange kein Problem dar. Das Unterfangen scheint sich umso leichter zu gestalten, umso mehr sich das Verhalten von seinem Eigenen unterscheidet.

Er zuckt zusammen, was das leise Rascheln des Busches zur Folge hat, in dem er sich versteckt. In der Heilerstube scheint sich endlich wieder etwas zu bewegen. Vorsichtig wagt er sich aus dem Verstreck, von dem aus er bereits vor einiger Zeit beobachtet hatte, wie 'Weilnau' mit einer Rothaarigen hinein und die Rothaarige alleine wieder hinaus gegangen war. Humpelnd und mit gedrosseltem Tempo umrundet er einmal das benachbarte Haus, um rein zufällig in 'Weilnau's' Arme zu laufen, als diese das ihre verlässt. Sein Atem stockt kurz, als er das Gesicht unauffällig mustert und verdrängt das triumphierende Gefühl, nicht umsonst gewartet zu haben. So ansehnlich ohne Uniform.. Mühsam schiebt er jedlichen Gedanken fort, weit zurück in sein Bewusstsein, als er einen tiefen, krächzigen Atemzug nimmt.

Die junge Heilerin ist eindeutig in Eile, um nach Adoran zu gelangen, erklärt sich aber bereit ihn bis zur Abzeigung zu begleiten, die zum Kloster führt. Das Temorakloster, was ein hervoragender Einfall. Gedanklich schreitet er bereits den Weg ab, der von Berchgard in Richtung Adoran führt. Als die Gedanken sich schon Schritt für Schritt formieren, wie es schon unzählige Male während des endlosen Wartens geschehen ist, setzten die beiden sich langsam in Bewegung. 'Weilnau' passt sich seinem langsamen, humpeligen Tempo bereitwillig an und verharrt gelegentlich, sodass er aufschließen kann. Braves Mädchen. Seine Brust schnürt sich schmerzhaft zusammen, als sie bereits nach wenigen Schritten einem vollgerüsteten Gardisten begegnen. Kaum, dass Aki einen Wimpernschlag tätigen kann folgt ein weiterer. Wie eine unumgehbare Mauer formieren sich die beiden nebeneinander, bis scheppernd der Dritte naht. Der einzige von Dreien, den er erkennt. Vaughain. Die Bestie bäumt sich auf und bleckt knurrend die Zähne. Nach einem intensiven Blinzeln werden auch diese Gedanken beiseite geschoben und das Adrenalin, dass durch seinen Körper fließt, wie heiße Lava hingenommen. Jede weitere Bewegung fordert jeden Tropfen Beherrschung und Kontrolle, als er das Zucken seiner Finger unterdrücken muss und gebückt auf die 'Mauer' zuhumpelt.

Er spürt den Blick jedes einzelnen Soldaten auf sich, als er an Vaughains Seite vorbeischlurft, um sich ohne 'Weilnau' ein Stück voran zu wagen. Das Rauschen in seinen Ohren ist dermaßen penetrant, dass er die gewechselten Worte nicht mitbekommt. Geh weiter.. langsam, denk nicht daran. Sie werden es nicht merken, deine Verkleidung ist gut. Er besänftigt sich selbst mit den ruhigen Worten, die auf seinen Geist einströmen. Als die Heilerin endlich zu ihm aufschließt und sich die scheppernden Schritte entfernen, lässt das einschnürende Gefühl rasch nach. Endlich fällt das Atmen wieder leichter, als er mit 'Weilnau' an seiner Seite durch das Osttor geht und die Wachen hinter sich lässt. Was für ein perfekter Zeitpunkt für eine ausführliche Jagd, dann wusste er den Großteil der Regimentler zumindest beschäftigt.

Die Beiden fanden bereits nach einigen gemeinsamen Metern einen Rhytmus. Sie lässt ihn immer wieder aufschließen und er setzt den Weg humpelnd fort. Nach einer gewissen Zeit lässt er den Atem etwas bemühter frei und stützt sich gewichtiger auf den Stock. Jetzt noch etwas Abseits halten und du bekommst deine Gelegenheit. In diesem Moment nähert sich ein Reiter auf einem strahlend weißen Schimmel. Ein Kronritter, welche scheuslicher Zufall. Hier muss irgendwo ein Nest sein. Die Ungeduld wird ein weiteres Mal überspielt und er besinnt sich, dass ihm somit noch eine potentielle Gefahr weniger in den Weg kommen konnte.

Unweit von der Wegkreuzung entfernt, an der sich die Wege trennen sollen, passieren die beiden einen Hof. Er lässt etwas zeitlose Begeisterung erahnen, als er einen Frosch entdeckt und in Richtung des Beetes humpelt. Gekonnt ignoriert er die Ungeduld der Heilerin und besinnt sich auf die Gemütlichkeit des Alten und die Begeisterungsfähigkeit zur Natur, was definitiv nicht verdächtig wirken konnte. Marjorie, wie er mittlerweilen erfahren hat, bleibt stur am Wegesrand stehen und belehrt ihn, dass ihre Zeit knapp bemessen ist. Sie kann ja nicht wissen, dass sie Adoran so oder so heute nichtmehr erreichen wird. Bedacht aber rein zufällig wirkend lässt Aki den haltspendenden Stock kippen und umfallen. Er lässt die Heilerin mit besorgtem Blick zusehen wie er sich mühsam nach der Gehhilfe bückt, um sich mit einem schwerfälligen Ächzen wieder aufzurichten. Als er immer noch keine Bewegung ihrerseits bemerkt, versucht er es ein weiteres Mal und hält sich voller Gebrechlichkeit den Rücken.

Bereits ihr Seufzen ließ ihn innerlich Auflachen. Du hast sie soweit. Sie kommt mit raschem Schritt auf ihn zu und bückt sich nach dem Stock, um ihm diesen zurück in die Hand zu drücken. Ein paar Sekunden, die ausreichen, um das gut plazierte, getränkte Tuch hervor zuziehen und ihr auf die Atemwege zu pressen, als sie ihm vertrauensvoll den Rücken zuwendet. Ihre Gegenwehr ist unverhofft störrisch, aber sie kann nichts aufbringen, das sie aus seinen kräftigen Fängen befreit. Nach einem weiteren, tiefen Atemzug Betäubungsmittel sackt der Körper wiederstandslos zusammen und spätestens, als er den schützenden Wald im Rücken spürt, fühlt er sich zielnah. Dank dem Adrenalin realisiert er erst, als er Marjorie auf die Schulter lädt, dass sie ihm einen oder gar zwei Zehen gebrochen hat. Er begrüßt den Schmerz, der von seinem Fuß aufwärts zuckt und lehnt sich bereitwillig in die beruhigende Wirkung.

Auf halber Strecke des Fußmarsches legt er den bewusstlosen Körper auf dem moosigen Untergrund ab, um die Handgelenke zu fesseln und ihr nochmals eine Dosis Beruhigungsmittel zu spendieren. Schlaf, du wirst deine Kraft brauchen, ich hab viel mit dir vor.

Schock, Untersuchungen und ein Frosch der quakt.

Verfasst: Mittwoch 17. Juli 2013, 03:55
von Gast
Die Nachricht, welche die findige Schnüffelnase des Regiments für diesen doch eigentlich recht schönen Tag hatte, war ein glatter Schock. Gerade erst hatte er seinen Dienst angetreten, und nun fühlte es sich an als hätte man durch die schwere Rüstung hindurch seine Magengegend mit einem Pferdetritt bedacht. Er liess sich vorerst nichts anmerken, die Brauen zogen sich zusammen, er lauschte den Schilderungen. Die Quellen des Blondschopfes sprachen von der Entführung einer der Heilerinnen. Aki Oriksson, der Name sagte ihm etwas, aber woher? Der Befehl des Korporals kam prompt: "Rekruten. Begebt euch nach Berchgard beziehungsweise zur Bibliothek, und findet heraus, ob eine unserer Heilerinnen verlustig gegangen ist. Ausführen!"! Kamerad Merrik Daske und Ernst eilten sich, teilten sich zwecks eiligerer Ausführung auf. Während Rekrut Daske sich in Richtung Nebelpassbibliothek bewegte, spurtete er selbst trotz der schweren Platte nach Berchgard hinein. Das hämmern und klingeln an der Tür der neusten Behausung der Feldscherin blieben unbeantwortet, innen regte sich nichts. Er ging die Hauptstrasse ab, wieder nichts. Taverne und Minenbereich, erneut nichts. Die ihm bekannten Wachen hatten sie zuletzt am Vortag gesehen, verwiesen aber auch auf den Wachwechsel, nicht hilfreich. Er folgte Merrik in Richtung Nebelpass, Frau Demarkes wurde nach ersten Anfangsschwierigkeiten gefunden, ein Lichtblick aber auch Schatten, waren die Informationen wahr... 'Marjorie'.

Bei der Rückkehr glich die Kommandantur wie immer einem geschäftigem Ameisenhaufen. Doch die Nachricht verbreitete sich innerhalb der Kameraden schnell und die Heilerin Demarkes wurde sofort zu den Untersuchungen hinzugezogen, ein alter Mann mit Stock wollte nach Schwingenstein gebracht werden, die Korporäle hatten die Feldscherin im Range einer Wachtmeisterin dort zum letzten Mal gegen Nachmittag des Vortages gesehen. 'Lange Zeit um jemanden verschwinden zu lassen.' Der Ausflug nach Schwingenstein ergab keine Spur. Der blonde Gardist entliess die Rekruten bis zum Sammelzeitpunkt. Ernst zog sich eilig um und begann eigene Nachforschungen anzustellen, Marjorie war mehr als eine Kameradin, sie war eine Freundin, Loyalität gegenüber Freunden wog schwerer als der Müssiggang der freien Zeit, soviel war sicher. Kameradin Janarey, ebenfalls bis zu den Haarspitzen motiviert, wollte es ihm gleichtun und spurtete ebenfalls in eine Himmelsrichtung davon. Die Frage nach dem alten Mann bei Saphira und Samuel, die die verdächtige Person ebenfalls Tags zuvor in Berchgard gesehen hatten, ergab nicht viel. Ein durchschnittlicher Kerl gehobeneren Alters mit hellem Haar....nichts besonderes. Nach einem Gespräch mit Gardist Innes und Wachtmeisterin Kotas, die Posten in der Bibliothek bezogen hatten, veranlasste ihn daraufhin ein weiteres, wahrscheinlich drittes Mal den Weg abzusuchen.

Es war anders diesesmal, statt den Weg direkt abzusuchen bewegte er sich ein Stückweit abseits der Wege. Das Quaken eines Frosches in einem Tümpel ertönte, sein Blick viel darauf. So nahe bei der Bibliothek, gegenüber des leerstehenden Hofes, konnte das sein? Er blickte auf den Boden. Aufgewühlte Erde, schlammig, ein Stock, achtlos weggeworfen, eine Schleifspur... 'eine Schleifspur?'. Das war etwas. Instinktiv nahm er den Stock an sich, folgte der Spur. Sie endete einige Meter weiter bei den Bäumen, eine platte Fläche im Gras, dann nicht mehr viel zu erkennen. Nicht für jemanden wie er der sich nicht auskannte mit dem Spurenlesen. Wieder rannte er, die wenigen hundert Meter zur Bibliothek wurden im Eiltempo des trainierten Rekruten zurückgelegt. Der Bericht war militärisch kurz aber prägnant, Lage und Ort des Fundes, in etwa die Beschaffenheit, Richtungsweisungen der Schleifspuren folgten. Der blonde Gardist überschlug sich im denken, wie üblich, er erbat Abmeldung bei der Wachtmeisterin und machte sich auf den Weg - wieder diese Geheimniskrämerei von ihm. Ernst ging ebenfalls, tief durchatmend ging er in Richtung der Hauptstadt...

Noch wenige Stunden bis zum Treffen, er würde noch seine Uniform und Waffen richten. Das was in der Luft lag, als er begann in der Kommandantur sein Schwert zu schleifen, sein alter Herr hätte es als eine Hatz bezeichnet, und genau das würde es werden. Seine Gedanken liessen ihn grimmig dreinblicken, das Gesicht zur Verkörperung seines Vornamens verhärtet. 'Kameraden wie Freunde, sie bilden einen festen Bund zu einem selbst. Kam beides zusammen, war es wie Familie. Niemand vergreift sich ungestraft an der Familie. Loyalität, Ehre, Gerechtigkeit.' Der Schleifstein raste über die Klinge, Funken stoben. Die Uniform wurde angelegt...

Verfasst: Donnerstag 18. Juli 2013, 13:30
von Gast
Auf nach „Eluiv'weißwohin“, schoss es Marjorie durch den Kopf.

Sie hatte lachen müssen.
Wie dumm konnte man sein?
Völlig lebensmüde?
Vielleicht.
Aber … lächerlich war es ihr erschienen, bis das hysterische, bittere Lachen ihr fast noch die letzte Chance nahm, zu atmen. Bis es ihr einen Dolch an die Kehle rief. Die Fragen. Die Versuche, sie zum Antworten zu bewegen. Angst … ja, Angst hatte sie gehabt. Doch irgendwann hatte sie sich zu schwach gefühlt, um sich noch zu fürchten. Die Empfindung von Leichtigkeit... wenn man viel Blut verlor. War sie vielleicht wirklich von Sinnen gewesen in dieser letzten … gefühlten Ewigkeit?
Die beiden schienen das zu glauben. Der eine, in seiner dunklen Robe … sprach wenig. Manchmal war seine Stimme in ihrem Kopf und hinterließ ein bis dahin ungekanntes, widerliches, nein … schmutziges Gefühl. Der Mann, der sich ihr als Aki vorgestellt hatte, wirkte wie dessen Handlanger, eher zu respektlos für einen Gefolgsmann oder Diener oder auch einen Kameraden. Vielleicht war der auch von allen guten Geistern verlassen.
Er hatte erklärt, wie er ihr im Regimentsgebäude zuerst begegnet war … an den Mann mit der blutigen Nase erinnerte sie sich genau. Aber anders hatte er da ausgesehen … darüber nachzudenken, ließ sie sich fragen, mit wie vielen Gesichtern eine Person gesegnet sein mochte. Oder die Menschen im Umfeld gestraft, dazu verdammt, immer wieder einem Fremden gegenüber zu stehen.

Weder waren ihre Augen waren verbunden, obwohl die schweren, müden Lider das nur zu bereitwillig übernehmen wollten, noch die geschundenen Handgelenke gefesselt, als sie sie hinaus führten.
Warum – Anzeichen von Menschlichkeit, von Gnade? Oder schlicht Faulheit, weil ich wirklich nicht mehr in der Verfassung bin, um irgendwelchen Ärger zu machen?
Die Tatsache, dass sie nicht verschnürt waren, hatte sie genutzt, um sich am Arm des Nasenbluten-Jonathan-Aki-Mannes, der sie umhergeschleppt hatte, zuletzt noch festzuhalten. Obwohl er es gewesen war … nein. Daran zurückzudenken, widerstrebte ihr mit einer ganz eigenen Art von Schmerz. Doch trotz ihrer Abneigung dem Mann gegenüber schrecke Marjorie die Tatsache, auf was sie mit ihren offenen Wunden unweigerlich verladen werden sollte, noch mehr.

Dennoch war sie erbarmungslos auf dem Rücken gelandet und wurde nun bei jedem Schritt dort hin- und her geworfen. Bäuchlings über etwas Vierbeiniges geworfen wie ein Sack Kartoffeln – der Gaul hatte schon begonnen zu verwesen.
Eigentlich nicht erst der Erwähnung wert, dass der fürchterliche Geruch nach Tod, den er verströmte, ihr fast den Atem nahm. Die junge Frau würgte und versuchte erst, die Luft anzuhalten, begann dann, alle paar Schritte unauffällig den Kopf etwas anzuheben und somit irgendwie zu reinerer Luft zu kommen.
Durch ihren Schleier von Erschöpfung sah sie verschwommene Gestalten.

Männer. So aufrecht. Gardisten. Die Uniformen... nicht Lichtenthal.
Warum wirkten sie so ungerührt? Kurz dachte sie dran, um Hilfe zu rufen: Nach einer zerlumpten, halb bewusstlosen und blutenden Frau auf dem Rücken eines Knochenkleppers musste doch jemand fragen! Oder … nicht?
Eine Hand ballte sich verzweifelt um einen Haltepunkt an der Flanke, aber etwas von dem Zeug, das sie meinte gegriffen zu haben, riss ab. Fell, Haut? Angewidert wollte sie es fallen lassen – aber zuerst musste sie nochmal atmen. Und die Gelegenheit war vorbei. Wald. Rote Grenzsteine irgendwo am Rande ihres Gesichtsfelds.
Ganz abgesehen davon, dass sie beim Versuch einen lauten Schrei auszustoßen vermutlich auch den erbärmlichen Rest ihres Mageninhalts losgeworden wäre. Sie rang um ihr Bewusstsein und ihre Kräfte. Wohin ging die Reise?
Der Weg erschien ihr unendlich lang, aber irgendwann kamen sie an einem riesigen Gebäude vorbei, das sie mit ihrem Schatten umfing und das Marjorie erkannte. Die arkane Akademie.
Einmal war sie gerettet worden, als sie in einer ähnlichen unfreiwilligen Lage – verschnürt, über den Rücken eines in dem Falle aber lebendigen Pferdes geworfen – an der Akademie vorbeikam, damals hatte sich der Standort noch neben dem Kloster befunden. Unversehens kehrte der Impuls zu kichern zurück. Sie wagte nicht zu hoffen, dass wieder eine Frau Mondstein den Weg gerade entlang schlendern und ihr zu Hilfe kommen könnte. So etwas geschah nur in Geschichten. In solchen von Wunschfeen und Rittern. Und hilfreichen Kobolden. Wenn sie die Augen zusammenkniff, konnte sie ein paar sehen, die sich aber mit anderem beschäftigten. Sie krabbelten über die Flanke des untoten Reittieres und zählten tuschelnd die Namen von irgendwelchen Kräutern auf. Guter Heinrich, Nachtschatten, dornige Hauhechel... , und immer so weiter, sie einlullend.

Rrrumms! Sie landete überraschend auf den Füßen, man ließ sie nicht umkippen, aber sie fühlte sich sehr nach Hinlegen … nur ganz am Rande dachte sie, Laufen, ja, laufen ist besser.
Unkoordiniert und zuerst ohne wirkliches Ziel stakste sie los. Dann sah sie die Frau vor sich, wie durch einen Schleier... und stolperte, schlug vor ihr hin.

Die, die sie mit Schmerz und Angst hatten gefügig machen wollen... ließen sie, zumindest dieses Mal, sogar ohne ihre Antworten wieder gehen. Botschaften sollte sie überbringen. Nun, wenn es sonst nichts war.
Ahnten sie nicht, dass das alles für sie bereits gnädig geschenkte Zeit war?
Sie wollte dem Mann auf dem scheußlichen Vierbeiner einen letzten, bitteren Blick zuwerfen. Aber als sie sich endlich aufgerappelt hatte und nochmal umschaute, war der Dunkle längst weg.


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  • Nicht den Tod sollte man fürchten,
    sondern dass man nie beginnen wird zu leben.
    Mark Aurel
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Gefunden.

Verfasst: Donnerstag 18. Juli 2013, 14:38
von Gast
Antritt. Die Regimentler standen aufgereiht in glänzendem Gold und schimmernden Rot der Uniformen, angestrahlt durch das schwächer werdende Licht der Abendröte, welches durch die Fenster drang. Hätte jemand von ausserhalb gesehen, welch Aufgebot das Regiment dort anberaumt hatte, hätte jeder gewusst das etwas besonderes in der Luft lag. Sire Thelor von Schwertfluren und Sire Friedrich von Myrtol sassen da, ebenso Frau Demarkes die etwas abseits stand. Korporäle, Wachtmeister, Gardisten und Rekruten, standen stram vor Korporal Vaughain der die Leitung der Operation übernahm. Die Frage nach Neuigkeiten kam. Ernst hebte die Hand und berichtete seinen Fund über den mutmaßlichen Kampfschauplatz, Gardist Innes fügte die wahrscheinlichkeit von Fluchtwegen an, er kannte sich dahingehend bei weitem besser aus als Ernst, das musste er zugeben. Gardist Innes wurde als Kundschafter vorrausgeschickt ehe der Befehl des Korporals durch die Hallen der Kommandantur drang "Nundenn ... alle Mann zu den Pferden und vor dem Regiment sammeln." Gemischte Gefühle überkamen ihn. Würden sie sie finden? Natürlich würden sie. Hoffentlich unversehrt. Temora beschützt.

Der Gang zu den Pferden, das satteln und aufsitzen erfolgte von allen mit überdurchschnittlicher Motivation und Schnelligkeit, wer konnte es ihnen verdenken, es ging um eine Kameradin. In jeder Armee war es das gleiche Spiel, verletzt du einen von uns, trifft es uns alle. Der Tatendrang stand wohl jedem ins Gesicht geschrieben. Sie reihten sich militärisch exakt und auf einer Linie ausgerichtet - so die Pferde es zuliessen -. Der Korporal ritt die Reihe einmal ab ehe er das Pferd wendete, sie zählten durch. Danach richtete sich die Stimme des Korporals an ihn "Rekrut Eichengrund,... zeigt uns den Weg zu jener Fundstelle. Ihr reitet vor." Er bestätigte und stob die hacken leicht in die Flanken seines Pferdes und trieb es vorran, ritt dann leicht vor als plötzlich Gardist Innes winkend und keuchend angerannt kam. Ernsts Pferd bäumte sich ob der Ruckhaftigkeit des Stehensbefehls kurz auf, worauf der Recke unsanft beim heruntersausen in den Sitz gepresst wurde. Eine kurze Grimasse zeugte von der unangenehmen Landung. Schon japste der blonde Gardist schwerstens aus der Puste "Ge.. funden! Ist in.. Schwingenstein. Bei der Heilerin da, zweite Haus rechts." Eine kurze Pause, der Korporal stutzte und gab dann den Befehl, sofort nach Schwingenstein aufzubrechen.

Das wilde Getrappel von Galoppierenden hallte von dem harten Pflaster Adorans, als sich die Truppe aufmachte. Die Anzahl der Pferde und der schwergerüsteten Reiter dürfte beim direkten vorbeireiten das ein oder andere Fenster zum wackeln gebracht haben. Ausserhalb der Stadt, wurde das Tempo ein weiteres Mal angezogen. Der Ritt war nicht allzulang ehe die Bewohner Schwingensteins von dem Anblick der Staubwolke vor dem Besuch der Soldaten gewusst haben dürften. Das Regiment sammelte sich vor dem Haus. Absitzen. Kameradin Janarey und Ernst sollten an den Häusern klopfen die sich direkt am Anfang auftaten. Offenbar war ihm jedoch der Erfolg beschienen. Die Tür öffnete sich nach einigem Klopfen, vor ihm stand eine Bekannte. Die Dame Majalin Mareaux, er kannte sie schon seit geraumer Zeit flüchtig. Höflich grüsste er, erkundigte sich. Sie waren richtig. Auf die Frage nach seiner Kameradin antwortete die hübsche rothaarige prompt "Wenn Ihr Marjorie meint, ja... Sie rannte mir vor Bajard in die Arme. Sie ist.. durch den Wind und etwas verletzt, aber es geht ihr den Umständen entsprechend gut." Ernst fiel ein Stein vom Herzen, wenngleich ein beklemmendes Gefühl sich in ihm ausbreitete, "Verletzt?!" fragte er nach, zu viel mehr kam er nicht, da der Korporal Frau Demarkes sofort der Dame Mareaux mitschickte zur Unterstützung.

Kaum verschwanden die beiden rothaarigen Heilerinnen im Haus - waren eigentlich alle Heilerinnen in irgendeiner Weise Rothaarig? Auch Marjorie hatte diesen leichten Stich - kam der neuerliche Befehl zum aufsitzen. Der Korporal blickte sich um Entführungshatz wurde anberaumt. Sie ritten los... Marjorie war gefunden, jetzt noch ihre Häscher und sie würden Gerechtigkeit walten.