01. Cirmiasum 250 - Waisenhaus zu Drakon
Mutter
Deinen Schoß besessen
wie kein Zweiter.
Eins gewesen
wie keiner mit Dir.
Füllt mich doch nur Leere
bei Dir
Deine Worte
schnüren meinen Hals.
Vergangen die Zeit
unsere Sprache zu finden
die Brücken über Abgründe
zerbrochen.
Weit fort von Dir
führt mich mein Weg
reiche ich Dir die Hand
drohe ich zu stürzen.
Allein
hoffst Du auf mich
doch bin ich ein Kind
wie Du.
Dein Leben
unerfüllt wie mein Sehnen
so groß wie Dein Schmerz
meine Schuld...
An manchen Tagen ist es in den Zimmern dunkler als an anderen.
Dann ist das Weinen lauter, der Hunger größer, die Kleidung kratziger und die Brust brennt wie Feuer. Tage, an denen niemand daran glaubt, jemals etwas anderes zu sehen. Dabei ist die Zeit für viele von uns doch schon beinahe abgelaufen...
Ich könnte gehen. Jetzt gleich. Niemand wird mich aufhalten.
Doch der nagende Zweifel, die Angst, eine niemals wiederkehrende Chance auf ein besseres Leben für immer verpasst zu haben, lässt mich ausharren. Es ist sinnlos zu hoffen. Doch die Hoffnung ist ein listiges, zähes Tier, das nicht ablassen will, solange in der Brust noch ein Herz ist, das schlägt. Ich schreibe weiter, schreibe und schreibe, bis der Tag gekommen ist, an dem ich gehen muss. Dann wird die Hoffnung mit mir gehen.